Formen der Zusammenarbeit im Unternehmen im Zuge von Virtualisierung und Globalisierung der Arbeitsplätze


Seminararbeit, 1999

9 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung
2.1. Vorbemerkung
2.2. Globalisierung von Waren und Dienstleistungen
2.3. Globalisierung des Kapitals
2.4. Globalisierung der Investition
2.5. Driving Forces

3. Virtualisierung
3.1. Vorbemerkung
3.2. Outsourcing
3.3. Virtuelle Unternehmen

4. Einfluss von Virtualisierung und Globalisierung auf den Arbeitsplatz
4.1. Vorbemerkung
4.2. Neudefinition des Arbeitsplatzes
4.3. Neue Formen der Arbeit
4.3.1. Telearbeit
4.3.2. Neue Berufe
4.4. Chancen und Risiken neuer Arbeitsformen
4.4.1. Arbeitnehmer
4.4.2. Arbeitgeber

5. Anforderungen an die Zusammenarbeit im virtuellen Unternehmen
5.1.1. Vertikale Zusammenarbeit
5.1.2. Horizontale Zusammenarbeit

6. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Im Zusammenhang mit der seit Jahren intensiv geführten Diskussion hinsichtlich des †bergangs von Industrie- zu Informationsgesellschaft und den damit zu erwartenden Veränderungen, fand der Bereich der Arbeit lange nur eine periphere Beachtung. Aber gerade in diesem Bereich sind die grössten Umwälzungen und beträchtlichsten Folgen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu erwarten. Der Begriff der Arbeit erhält durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und die weltweite Verknüpfung von Datennetzen eine völlig neue Dimension, da Arbeit erstmalig eine räumliche wie zeitliche Flexibilität bietet und dies schon heute zu Veränderungen in der gesamten Arbeitsorganisation führt.

Knoke spricht in diesem Zusammenhang von der „Ortlosigkeit“ der Arbeit, generell von der „ortlosen“ Gesellschaft. Seine Vision geht sogar so weit, dass sich in absehbarer Zeit „Ortlosigkeit“ zu Omnipräsenz verändern werde...

Solch eine Entwicklung ohne tiefgreifende Veränderungen der Gesellschaft zu verwirklichen, ist ein Problem. Ob die Veränderungen, die von Knoke idealisiert werden, wirklich zu einer heilen Informationswelt führen, bleibt abzuwarten.

Knoke experimentiert mit der Vorstellung, dass es die Chance auf Selbstverwirklichung für den Arbeitnehmer gibt, der in der Lage ist, sich den geänderten Verhältnissen anzupassen.

Was abr ist aber mit jenen, die sich aus bestimmten Gründen nicht anpassen können oder wollen?

Wie sind die Einflüsse auf Arbeitswelt und Gesellschaft abzuschätzen? Wie können sich diese Entwicklungen für den Einzelnen auswirken?

Die vorliegende Arbeit versucht diese Punkte - im vorgegebenen Rahmen - zu vertiefen.

2. Globalisierung

2.1. Vorbemerkung

Die weltweite Vernetzung der Wirtschaft, früher unter dem Begriff „internationale Arbeitsteilung" bekannt, wird heute mit dem Namen Globalisierung belegt. Die Umbenennung ist allerdings mehr als nur eine Namensänderung, da sich Tempo und Ausmass der Globalisierung in den letzten Jahren stark verändert haben, was unter Punkt 2.5. erläutert wird.

2.2. Globalisierung von Waren und Dienstleistungen

Der Handel mit Waren und Dienstleistungen stellt die klassische Form der internationalen Arbeitsteilung dar - die Güter gehen zum Markt. Voraussetzungen sind vergleichbare Kosten der Güter oder Dienstleistungen, also keine Verzerrungen beispielsweise durch Handelshemmnisse wie Exportsubventionen oder Einfuhrzölle bzw. vergleichbare und realistische Wechselkurse, die die Preise, abzüglich der Transportkosten, transparent machen.

2.3. Globalisierung des Kapitals

Die internationalen Transaktionen von Portfoliokapital wie Kredite, Anleihen und Aktien sind eine andere wichtige Ausprägung der Globalisierung - das Kapital geht zum Markt.

Die Portfolioinvestiton ist eine Form der Auslandsinvestition, bei der inländisches Kapital ins Ausland transferiert wird. Nicht die Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik steht dabei im Vordergrund der Investition, sondern der Erwerb von Forderungen.

2.4. Globalisierung der Investition

Diese Form der Globalisierung, auch Auslandsinvestition oder Direktinvestition genannt, ist seit Mitte der 80er Jahre der dynamischste Bereich der Globalisierung. Bei diesem Medium der Globalisierung geht die Produktion zum Markt bzw. zum günstigsten Standort. Massgebliches Ziel der Direktinvestition ist es, im Ausland Immobilien zu erwerben, Betriebsstätten zu errichten, Tochterunternehmen aufzubauen oder ausländische Unternehmen zu erwerben bzw. Anteile an Unternehmen zu kaufen, und somit Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu ermöglichen.

2.5. Driving Forces

Das Zusammenwirken verschiedener Entwicklungen hat zu einer starken Veränderung des Ausmasses der internationalen Arbeitsteilung geführt.

Mit der Liberalisierung des Welthandels, der Herstellung des europäischen Binnenmarkts, dem Wegfall von Block- und Systemgrenzen, mit der Revolutionierung der internationalen Telekommunikations- und Transportnetze und der Entwicklung neuer Wachstumszonen ist eine weltweite Wettbewerbsarena entstanden. Diese weltweite Verknüpfung der Märkte führt zu einem scharfen Wettbewerb um Arbeit und Lohn. Produziert wird dort, wo es am billigsten ist.

Die zunehmende Zahl der Unternehmensfusionen, über Ländergrenzen hinaus, treibt den Prozess der Globalisierung voran. Unternehmen wie z.B. „Novartis“ ehemals „Sandoz“ und „Ciba Geigy“ sind in der Lage, betriebsintern Bereiche miteinander konkurrieren zu lassen und Produktion und Entwicklung am effektivsten Standort weiter zu betreiben, während die ineffektiven Bereiche an anderen Standorten eingespart werden. Diese Entwicklung geht natürlich zu Lasten der Arbeitsplätze; sie gibt den Unternehmen die Chance, sich länderübergreifend für den jeweils günstigsten Ort zu entscheiden.

Die Folge ist, dass Volkswirtschaften als überschaubaren Wirschaftsräumen immer weniger Bedeutung zukommt und sich die Möglichkeit der nationalstaatlichen Einflussnahme gleichermassen verringert. Robert Reich, US-Arbeitsminister, sagt voraus, dass es schon bald keine nationalen Produkte und Technologien, keine nationalen Unternehmen und Industrien mehr geben werde. „Es ist das Ende der Volkswirtschaften“.

Es ist abzusehen, dass nationale Souveränität an Wert verlieren wird und die Ländergrenzen infolge zunehmender Vernetzung durchlässiger werden. Schon heute bieten Telearbeiter aus der Dritten Welt, unkontrolliert von Gewerkschaften, Polizei und Grenzschutz über Datenleitungen ihre billigen Dienstleistungen an.

3. Virtualisierung

3.1. Vorbemerkung

„Virtuell“ ist eines der Modewörter der letzten Zeit. „Virtuell“ bedeutet „scheinbar“, „quasi“. „Virtuelle Realität“ ist eine im Cyberspace beheimatete Realität. Doch fragt sich: Gibt es eine andere Realität als die wirkliche?

Die Diskusssion über virtuelle Unternehmen ist geprägt von dem Charakter eines Modethemas, einer gewissen Unschärfe des Begriffes und einer allgemein akzeptierten theoretischen Fundierung.

3.2. Outsourcing

Outsourcing ist eine Wortneuschöpfung aus dem amerikanischen Wirtschaftsleben, welche die Begriffe „outside“, „resource(s)“ und „using“ zu einem Kunstwort zusammenzieht. Der Begriff beschreibt anschaulich, was beim Outsourcing vor sich geht: Für die in einem Unternehmen benötigten Leistungen werden von aussen Ressourcen in Anspruch genommen. Der Inanspruchnahme externer Ressourcen geht fast immer die Verlagerung interner Funktionen aus dem Unternehmen und die †bertragung auf einen (unabhängigen) Spezialisten voraus.

Unternehmen haben sich schon immer „outside resources“ bedient bei Leistungen, die in einer arbeitsteiligen Welt ganz selbstverständlich fremdbezogen werden, wie z.B. Stromversorgung, Postzustelldienst und Telefondienst. Outsourcing ist eine Entscheidung im Rahmen des strategischen „make-or-buy-Prozesses“, d.h. der grundsätzlichen Frage, ob bestimmte Produktionsfaktoren für die betriebliche Leistungserstellung im Unternehmen selbst erstellt oder fremdbezogen werden sollen.

Eine Abgrenzung zu der Struktur des virtuellen Unternehmens bedarf einer genaueren Betrachtung, die im nachfolgenden Absatz erfolgt.

3.3. Virtuelle Unternehmen

Der Begriff des virtuellen Unternehmens wurde in Anlehnung an die virtuelle Speichertechnik in der Informatik gewählt. Dem virtuellen Speicher, der dezentrale Speicherkapazitäten zusammenführt und somit eine Hauptspeichererweiterung überflüssig macht, entspricht das virtuelle Unternehmen: Es bringt unabhängige Unternehmenseinheiten punktuell zusammen, vermeidet aber den Aufbau zusätzlicher Institutionen.

"The virtual corporation is a temporary network of independent companies - suppliers, customers, erstwhile rivals - linked by information to share skills, costs, and access to one another's markets. It will neither have central office, nor organization chart. It will have no hierarchy, no vertical integration. [...] This new, evolving corporate model will be fluid and flexible - a group of collaborators that quickly unite to exploit a specific opportunity. Once the opportunity is met, the venture will, more often than not, disband."

Der Unterschied eines virtuellen Unternehmens zu einem konsequenten Outsurcingkonzept besteht in erster Linie darin, dass die virtuelle Firma ein temporärer Zusammenschluss von hochspezialisierten Fachleuten ist, der sich nach der Problemlösung wieder auflöst.

„Wenn es sich nicht um kleine Projekte mit nur wenigen Mitwirkenden handelt, werden virtuelle Unternehmen in den meisten Fällen ein dazugehöriges Kernunternehmen haben. Dieses gründet das jeweilige virtuelle Unternehmen, liefert das Management und die Unternehmenskultur und stellt damit für die Aussenwelt die âOberflächeÔ des virtuellen Unternehmens und seine Rechtsperson dar. Die Kernunternehmen werden die Reste der bisherigen Grossunternehmen sein, die nach einem konsequenten outsourcing übriggeblieben sind.“

4. Einfluss von Virtualisierung und Globalisierung auf den Arbeitsplatz

4.1. Vorbemerkung

„Unter Arbeitsplatz versteht man die erforderlichen Einrichtungen und Mittel, mit denen eine als austauschbar gedachte Person die ihr zugeordneten betrieblichen Aufgaben erfüllen kann.“

4.2. Neudefinition des Arbeitsplatzes

Die Arbeitswelt steht nicht zum ersten Mal vor einem durchgreifenden Wandel. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts arbeiteten acht von zehn Europäern in der Landwirtschaft. Ein knappes Jahrhundert, von der Erfindung des mechanischen Webstuhls bis zu den dampfbetriebenen Fabriken, reichte aus, um die vorindustrielle Arbeitswelt auszulöschen. Industrielle Massenfertigung holte die Arbeiter in Fabriken und Hallen mit festen Arbeitsplätzen.

Die Vorstellung vom „Arbeitsplatz“ war und ist noch weitgehend verbunden mit einer genau beschriebenen Tätigkeit und in den meisten Fällen mit einem realen Ort, an dem die „Arbeit“ verrichtet wird.

Das Wort „Arbeitsplatz“ vermittelt Beständigkeit, Kontinuität und Sicherheit. Der Arbeitgeber kümmert sich um alle Belange des Mitarbeiters, garantiert einen Mindeststandard des Einkommens, eventuell auch noch eine Betriebsrente, aber auf jeden Fall dauerhafte Beschäftigung.

Die Tendenz der letzen Zeit geht in eine andere Richtung: Hatten Unternehmen das Bestreben möglichst gross zu werden, möglichst viele Prozesse der Wertschöpfung aufzunehmen und scheinbar autark zu werden, zersplittern die grossen Konzerne heute immer mehr in kleine, aber hochflexibele Einheiten, die sich weitgehend auf ihre Kernkompetenz beschränken. Der Arbeitsplatz des Einzelnen als räumlich und sachlich definierte Einheit fängt an, sich aufzulösen. Natürlich gibt es noch viele Arbeitsplätze des alten Zuschnitts und es werden auch in Zukunft solche Arbeitsplätze benötigt, aber der Trend geht eindeutig in die Richtung, Teile der Arbeitsbereiche in Telearbeitsplätze umzuformen.

Vorreiter ist wie immer die USA, wo sich bereits über sieben Millionen Menschen in die Datenleitungen einklinken, während in Deutschland erst ca. 30 000 Arbeitnehmer die Möglichkeit der Telearbeit geboten bekommen und entsprechend nutzen.

Wenn der Trend der Telearbeit sich weiter in diese Richtung bewegt, bedarf der Begriff des Arbeitsplatzes einer Neudefinition, angepasst an das Informationszeitalter.

4.3. Neue Formen der Arbeit

Sollte die Entwicklung der Computerindustrie weiter so schnell voranschreiten, wird das einige, nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Zwar wird bei der Diskussion um die Kommunikationsgesellschaft über die Möglichkeit der Schaffung neuer Jobs spekuliert, aber inwieweit es sich dabei um „alte“ Jobs im neuen Outfit, wie z.B. Telearbeit handelt, ist noch nicht abzusehen. Ziemlich sicher ist jedoch, dass einige Berufsfelder völlig wegfallen werden.

Sprachgesteuerte Computer werden Textverarbeitung und den Versand von Dokumenten ( e-mail) revolutionieren, wodurch sich das Berufsbild der Sekretärin grundlegend ändern wird. Die „Kölnische-Rückversicherungs-Gesellschaft“ hat sich ein Expertensystem für die Bearbeitung von Standardversicherungsfällen erstellen lassen, dass in der Lage ist, 90% der Versicherungsfälle zu bearbeiten.

Die grundlegenden Veränderungen werden die einfach- bis mittelqualifizierten Berufe betreffen. Tiefste Einschnitte durch Automatisierung und Computerisierung wird es bei den ungelernten Arbeitskräften geben. Weiterhin gefragt bleiben hochqualifizierte Spezialisten, die aber prozentual den geringsten Teil der Arbeitsplätze ausmachen.

4.3.1. Telearbeit

Der Begriff „Telearbeit“ verleitet unter Umständen zu der Annahme, es handele sich um eine Alternative der klassischen Heimarbeit, lediglich mit Unterstützung der modernen Kommunikationstechnologien. Sicherlich trifft diese Annahme auf einen Teil der Arbeitsplätze zu, deshalb macht der Begriff „Telekooperation“ eine präzisere Aussage über die Thematik. Die Zusammenarbeit an einem Projekt von einer oder mehreren Personen bzw. Organisationen steht bei der Telekooperation im Vordergrund.

In innovativen Unternehmen gehören Telearbeit und Desk-Sharing schon heute zu probaten Mitteln, Kosten zu sparen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation in Stuttgart kam 1997 zu dem Ergebnis, dass es ca. 500 000 mobile Telearbeiter gibt und weitere 350 000, die sowohl im Büro als auch zuhause arbeiten.

Die Gründe, warum Telearbeit in der Arbeitswelt der Bundesrepublik Deutschland trotz positiver Prognosen, noch nicht den Stellenwert hat wie z. B. in den USA oder anderen europäischen Staaten, sind vielschichtig. Eine der Hauptursachen dürfte, neben einer geringeren Akzeptanz der deutschen Arbeitnehmer, im Management liegen, da noch viele Führungskräfte Anwesenheit des Mitarbeiters mit Produktivität gleichsetzen.

4.3.2 Neue Berufe

Bei der Diskussion, ob durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologie neue Arbeitsplätze geschaffen werden, steht ausser Zweifel, dass vor allem einfache und mittelqualifizierte Arbeiten zu den Bereichen gehören, die durch fortschreitende Computerisierung obsolet werden. Neue Berufe erfordern neue Qualifikationen, denn die Entwicklung der neuen Medien, Internet bzw.

Multimedia, hängen mit neuer Technik und neuen Anforderungen zusammen.

Es werden Berufe wie der „Screen - Designer“ entstehen, der, anders als im Druckbereich, mit Farben, Symbolen und der neuen Interaktivität umgehen muss. Der „Navigator“ recherchiert und evaluiert die einzelnen Informationen aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Online-Informationen.

Oder der „Netzwerk-Administrator“, der die datentechnische Oberfläche, die zu jeder Telekooperation notwendig ist sowie die Kommunikation in heterogenen Datenverarbeitungssystemen regeln muss.

Es wird eine neue Schicht von Arbeitnehmern geben, die ihre Arbeit und ihr Talent eigenhändig vermarkten und eine neue Form der Selbständigkeit etablieren werden.

Mittlerweile hat sich in den USA der Begriff des „Hightech Nomaden“ durchgesetzt, der diese neue Form der Arbeitnehmer umschreibt. Es sind hochqualifizierte Spezialisten, die sehr gut bezahlt werden, kurzfristig verfügbar sind und in der vorgegebenen Zeit ein Projekt realisieren.

4.4. Chancen und Risiken neuer Arbeitsformen

4.4.1. Arbeitnehmer

Eine der Hauptchancen der Telearbeit für den Arbeitnehmer liegt in der besseren und freieren Zeiteinteilung, da sich so Berufs- und Familienleben besser miteinander vereinbaren lassen. Das heisst allerdings nicht, dass der Arbeitnehmer weniger arbeitet und mehr Zeit für seine Familie hat, sondern dass er den Zeitpunkt, wann er sich seiner Familie widmet, freier wählen kann. So ist es z.B. für Frauen möglich, sich neben der Arbeit auch um Kinder und Haushalt zu kümmern, dies gilt im besonderen Masse bei der Teleheimarbeit. Die Kombination von Arbeiten und Wohnen an einem Ort, also in vertrauter Umgebung, ermöglicht in der Regel ein effizienteres und konzentrierteres Arbeiten.

Die Firma IBM hat seit einiger Zeit Telearbeitsplätze für ihre Mitarbeiter eingerichtet. Erhebungen belegen, dass bei den Telearbeitern Produktivitätssteigerungen von 20% zu verzeichnen sind. Ausserdem wird man als Arbeitnehmer in der Wohnortwahl unabhängiger, da man nicht mehr unbedingt an den Betriebsstandort gebunden ist. Ein Aspekt, der durch die Reduktion von Pendelzeiten und dem daraus resultierenden sinkenden Stresspotential zusätzliche Unterstützung findet. Die Reduktion bzw. der Wegfall der täglichen Fahrzeiten bietet, neben der Fahrtkostenersparnis, auch eine direkte Zeitersparnis; eine Ersparnis, die dem Arbeitnehmer dann für andere Dinge zur Verfügung steht. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil zeigt sich auch im Mehr an Selbständigkeit, das der Arbeitnehmer durch die flexibleren Arbeitszeiten erhält.

Ein Faktor, der sich äusserst positiv auf die Motivation des Beschäftigten auswirken kann.

Telearbeit bietet aber auch Arbeitnehmern mit körperlichen Handikaps interessante Vorteile, da auch hier in der gewohnten Umgebung ohne aufwendige Anfahrten zum Arbeitgeber, gearbeitet werden kann.

Als grösster Nachteil hingegen - besonders bei der Teleheimarbeit - wird der Aspekt der zunehmenden sozialen Isolation angeführt. Da der Telearbeiter zumeist nur noch über Telefon, Fax, Videokonferenzen etc. mit seinem Arbeitgeber bzw. seinen Arbeitskollegen kommuniziert, fehlt ihm der direkte Kontakt. Ein Punkt, der von vielen Telearbeitern als negativ bezeichnet wird, da man gerade im Umgang mit Kollegen oft zusätzliche Motivation und Kreativität findet.

Desweiteren sehen viele Telearbeiter im „Verschwimmen“ der Grenzen von Arbeit und Freizeit ein weiteres Hauptproblem, da hier die strikte - teilweise notwendige - Trennung fehlt. Dies setzt eine hohe Selbstdisziplin voraus und macht deutlich, dass nicht jeder, dessen Arbeitsplatz telearbeitstauglich ist, auch zum Telearbeiter geeignet ist, zumal oft die Doppelbelastung - Familie und Telearbeit in direkter räumlicher und zeitlicher Relation - unterschätzt wird. Neben der Gefahr der Isolation des Einzelnen, so wird von Kritikern der Telearbeit argumentiert, könnten wichtige Ereignisse und Entwicklungen, wie zum Beispiel Beförderungen, an den Mitarbeitern vorbeigehen.

4.4.2. Arbeitgeber

Den Unternehmen bietet das Einführen von Telearbeit enorme Kosteneinsparungen, da z.B. Büroflächen entweder gar nicht (Teleheimarbeit), oder nur in geringem Masse benötigt werden, da sich verschiedene Mitarbeiter ein Büro teilen können (alternierende Telearbeit). Weitere Einsparungen macht das Unternehmen beim Wegfall von Schichtzulagen, †berstunden, Lohnnebenkosten oder Fahrtkostenzulagen. Ausserdem lassen sich mit dieser Arbeitsform Fehlzeiten (Krankheits- oder Urlaubstage etc.) enorm einschränken. Doch neben diesen rein finanziellen Vorteilen bieten sich dem Unternehmen zusätzliche Chancen durch das Mehr an Selbständigkeit der Telearbeiter, da dies (s.o.) zu einer gesteigerten Motivation/Kreativität und damit zu einer höheren Produktivität führt.

Das genannte Mehr an Selbständigkeit und Individualität der Telearbeiter steigert die Attraktivität und das Image eines solchen Betriebes und führt zu einer engeren Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen.

Die Reduktion verschiedener Kosten hat allerdings auch zur Folge, dass in andere Bereiche investiert werden muss. Die Ausstattung eines geeigneten Telearbeitsplatzes (PC, Fax, Modem etc.) und die Finanzierung der laufenden - heute noch sehr hohen - Leitungskosten obliegt dem Unternehmen. In vielen Fällen überwiegen daher anfänglich noch die Kosten im Vergleich zu den Einsparungen. Das wohl grösste Risiko für ein Unternehmen, welches Telearbeit als Arbeitsform anbietet, ist die Frage nach dem Datenschutz bzw. der Datensicherheit. Ein solches Problem ist jedesmal dann existent, wenn z.B. sensible Daten (per Email etc.) übertragen werden. Darüber hinaus entsteht für das Unternehmen ein immenses Risiko am Telearbeitsplatz des Mitarbeiters, da hier der Zugriff Dritter kaum kontrolliert werden kann. Neben der Gefahr einer unbefugten Einsichtnahme besteht auch die Gefahr einer möglichen Verseuchung wichtiger Daten durch Viren. Trotz verschiedener Massnahmen (Passwortschutz, Verbot privater Nutzung etc.) bleiben an der Sicherheit solcher Massnahmen Zweifel bestehen.

Für die Gesamtwirtschaft gibt es neben dem zu erwartenden Investitionsvolumen noch einen Schub für neue Arbeitsplätze, aber es bleibt abzuwarten, ob wirklich neue Arbeitsplätze geschaffen werden oder lediglich eine Verlagerung der alten Stellen vorgenommen wird.

Es besteht in diesem Zusammenhang sogar die Gefahr, dass vermehrt Arbeitsplätze wegfallen, da es u.a. zu einer vermehrten Auslagerung der Arbeit in Niedriglohnländer kommt bzw. durch den Wegfall von Büroflächen, bestimmte Tätigkeitsfelder nict mehr vonnöten sind (hier insbesondere Büro- und Reinigungskräfte). Wirklich positive Auswirkungen hat die Verlagerung von Arbeit aus den Ballungsräumen lediglich für strukturschwache Regionen, da die Gemeinden so das Abwandern hochqualifizierter Arbeitskräfte verhindern können.

Die Entlastung der Umwelt und des Verkehrs durch wegfallende Pendlerfahrten - vor allem in Ballungsräumen ein Problem - könnte ein positiver Aspekt der Telearbeit werden.

5. Anforderungen an die Zusammenarbeit in virtuellen Unternehmen

5.1. Horizontale Zusammenarbeit

Die Anforderung an den Telearbeiter sind nicht nur die Fähigkeit zur Selbstmotivation und Selbstdisziplin, sondern auch in erhöhtem Masse das Vermögen, mit den neuen erforderlichen Kommunikationsstrukturen umzugehen.

Durch die Verteilung der Kompetenzen ist eine präzisere Abstimmung der einzelnen Aktivitäten untereinander und mit dem Management des Unternehmens erforderlich.

Der Telearbeiter hat im Gegensatz zu den permanent präsenten Mitarbeitern zwar die Möglichkeit auf formelle Informationen (Rundschreiben etc.) aus dem Betrieb zurückzugreifen, aber die Chance für inoffizielle Informationsbeschaffung, also „Small Talk“ bzw. „Ganggespräche“ reduziert sich auf die Zeit seiner Anwesenheit (bei alternierender Telearbeit).

Ein wichtiger Punkt ist, neben der Kommunikation mit anderen Telearbeitern, der Kontakt zu den stationären Kollegen, um Vorurteile und Missverständnisse abzubauen. Da ein Telearbeiter und seine Aufgabe unter Umständen ein unbeschriebenes Blatt für ânormaleÔ Arbeitnehmer sind, muss der Austausch mit den Kollegen von Seiten des Telearbeitnehmers aktiver gestaltet werden. Das Feedback ist schwieriger einzuschätzen, da âface to faceÔ Kontakte wesentlich reduziert sind oder ganz wegfallen.

5.1.2. Vertikale Zusammenarbeit

„Führungsarbeit ist Kommunikationsarbeit“. Tätigkeitsanalysen am Arbeitsplatz von Führungskräften haben ergeben, dass durchschnittlich 90% der Arbeitszeit aus Kommunikation bestehen, wobei auf „face-to-face-Kommunikation“ fast 70% der Gesamtarbeitszeit entfallen.

Wie aber führt man Mitarbeiter, die man nicht sieht und nicht hört?

Charles Handy meint dazu: „Das schafft man nur durch Vertrauen, es muss eine Art emotionaler Bindung da sein, ein gemeinsames Anliegen auf beiden Seiten. Ohne Vertrauen wird kein Management erfolgreich.“

Da die gewohnten Bedingungen zur Führung räumlich verteilter Mitarbeiter fehlen, der Manager nicht mehr die Möglichkeit hat, den Prozess selber zu überwachen, muss auf einen ergebnisorientierten Managementstil aufgebaut werden.

„Komplexe virtuelle Unternehmen werden meist mit der Managementmethode âManagement by ObjectivesÔ geleitet.“

Sich in der Praxis allein auf das âManagement by ObjectivesÔ zu verlassen, hat verschiedene Risiken. Die Bewertung eines Ergebnisses setzt bei dem Manager mehr Fachkenntnis voraus und die Möglichkeit, auf Fehlentwicklungen während der Entstehungsphase Einfluss zu nehmen, sind wesentlich geringer als bei herkömmlichen Methoden. Sinnvoll erscheint es, geeignete Präventivmassnahmen einzuführen, die es erlauben, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.

Ob der face-to-face-Kontakt durch Instrumente wie Email oder Videokonferenzen ersetzt werden kann ist zweifelhaft, ein Umdenken in den gewohnten Denkschemata ist notwendig. Viele Manager sehen aber den Verzicht auf Kontrollmöglichkeiten als einen Statusverlust an.

6. Schlussbemerkung

Eine abschliessende Beurteilung über eine Entwicklung zu geben, die sich erst an ihrem Anfang befindet, ist schwierig, da erst die nächsten Jahre zeigen werden, ob die Telearbeit tatsächlich die revolutionierende Arbeitsform der Zukunft sein wird und wie weit sich die heutige Arbeitswelt durch diese Einflüsse verändern wird.

Ein Trend scheint sich aber deutlich abzuzeichnen: Dass sich das Arbeitsmodell der Industriegesellschaft auflöst. Acht Stunden am Tag abhängig beschäftigt in Fabrik oder Büro - die wenigsten der neuen Jobs fallen in diese gewohnte Kategorie.

Nicht eine Form, sondern Vielfalt wird die künftige Arbeitswelt bestimmen. Die Flexibilität, die den Arbeitnehmern abverlangt wird, hat auch negative Konsequenzen. Die Konkurrenz der Arbeitnehmer untereinander, insbesondere die der freien Telearbeiter, wird sehr gross sein, so etwas wie einen tarifvertraglichen Schutz wird es bei dieser Art der Tätigkeit nicht geben. Zu leicht kann der Arbeitgeber auf Telearbeiter im Ausland ausweichen, die ohne Kündigungsschutz, Krankenversicherung, Renten- und Arbeitslosenschutz ihre Aufgabe erledigen.

Auf diese Weise verlagert sich das Risiko immer weiter in Richtung Arbeitnehmer. Es herrscht ein Trend zum Werkvertrag, bei dem nicht eine Leistung, sondern ein Erfolg geschuldet wird. Wie, wann und wo der Arbeitnehmer diese Leistung erbringt, ist völlig nebensächlich.

Der Beschäftigte ist immer mehr auf sich selbst gestellt, er muss sich nicht nur um seine Altersversorgung kümmern, auch die berufliche Weiterbildung wird in zunehmendem Masse in die Hände des Arbeitnehmers gelegt werden.

Den hochqualifizierten und stark motivierten Fachkräften bieten die neuen Informations- und Kommunikationstechniken grosse Chancen, aber für die Mehrheit der Arbeitnehmer wird ein gewisses Gefahrenpotential durch die Auflösung der bewährten Strukturen wie Gewerkschaften und nationalstaatliche Kontrolle entstehen.

Der Arbeitnehmer der Zukunft kann nicht mehr davon ausgehen, dass er einen sozial und rechtlich abgesicherten Arbeitsplatz haben wird.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Formen der Zusammenarbeit im Unternehmen im Zuge von Virtualisierung und Globalisierung der Arbeitsplätze
Veranstaltung
Seminar Unternehmensführung
Autor
Jahr
1999
Seiten
9
Katalognummer
V98789
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formen, Zusammenarbeit, Unternehmen, Zuge, Virtualisierung, Globalisierung, Arbeitsplätze, Seminar, Unternehmensführung
Arbeit zitieren
Steffen Böttrich (Autor), 1999, Formen der Zusammenarbeit im Unternehmen im Zuge von Virtualisierung und Globalisierung der Arbeitsplätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98789

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