Johann Heinrich Pestalozzi


Ausarbeitung, 2001
5 Seiten

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Johann Heinrich Pestalozzi

1. Biographie

* 12.01.1746

Als Johann Heinrich Pestalozzi 5 Jahre alt war, verstarb sein Vater Johann Baptist Pestalozzi. Daraufhin nahm sich sein Großvater, Andreas Pestalozzi, welcher in einem Dorf vor Zürich Pfarrer war, besonders der Familie an.

Insbesondere durch die Besuche bei seinem Großvater lernte er das Elend der Landbevölkerung kennen. Dieses äußerte sich beispielsweise darin, dass die Ausübung der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt allein bei den Bürgern der Stadt lag. Diese sicherten ihre Position dadurch, dass sie die Vergabe des Bürgerrechts nicht nur stark einschränkten, sondern schließ- lich ganz einstellten.

Der Landbevölkerung war es u. a. nicht gestattet, eigenen Handel zu treiben.

Ein völlig unzureichendes Bildungssystem verstärkte die Unselbständigkeit und Abhängigkeit. Seine Abneigung gegen diese Zustände führte dazu, dass er bereits zu Schulzeiten den Ideen des 30 Jahre älteren Rousseau nachhing.

Er verließ die Schule vorzeitig und absolvierte eine etwa einjährige Lehre als Bauer.

1771 bezog er den von ihm erworbenen „Neuhof“ und setzte Kinder als Ar- beitskräfte ein (Spinnen, Weben und Färben von Baumwolle).

1774 verwandelte er den Hof in eine Armenanstalt, um armen Kindern Erzie- hung und Arbeit zu geben. Aufgrund verschiedenster Probleme scheiterte die Anstalt 1780.

1780 – 1798 war Pestalozzi als Schriftsteller tätig: „Die Abendstunde eines Einsiedlers“, „Lienhard und Gertrud“, „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“.

1798 wurde er von der Regierung mit der Einrichtung einer Armenanstalt in Stans beauftragt. Er bemühte sich sieben Monate darum, 80 verarmte und ver- waiste Kinder zu betreuen, zu erziehen und zu unterrichten, bis die Anstalt auf politischen Druck hin geschlossen wurde.

1799 wurden ihm noch einige Versuche in Burgdorf ermöglicht.

Die dortigen schulischen Erfolge ermöglichten es ihm, 1804/1805 in Iferten ein Schulmeisterseminar zu errichten. Dieses entwickelte sich zu einem päda- gogischen Zentrum Europas. Um 1809 wurden 166 Zöglinge unterschiedlicher Nationalität betreut. Um 1815 entbrach ein Streit innerhalb der Lehrerschaft, der 1821 zum Verfall des Instituts und 1825 zu seiner Auflösung führte.

+ 17.02.1827

2. Gedanken und Werk Pestalozzis

Erziehung musste für PestalozzisittlicheErziehung sein. Er entwickelte eine Theorie der „sittlichen Elementarbildung“, auch „Dreistufentheorie“ genannt.

1. Stufe : Allseitige Besorgung -> Weitherzigmachung

Unter „allseitiger Besorgung“ ist die Befriedigung der täglichen Bedürfnisse der Kinder zu verstehen. Dies erschöpft sich keineswegs auf leibliche Bedürf- nisse (Sättigung, Reinigung). Die Befriedigung der Bedürfnisse muss aus der Liebe heraus geschehen; nur so gewinnt die Besorgung einen unmittelbaren Bezug zur sittlichen Erziehung. Die allseitige Besorgung zielt somit auf das Verhältnis zwischen Kind und Erzieher ab, wobei dem Kind eine empfangende Stellung zukommt.

DasWeitherzigmachenbenötigt hingegen die aktive Mitarbeit der Kinder. Aus dem Umgang miteinander, der gegenseitigen Hilfe sowie der gegenseitigen Rücksichtnahme soll sich ein Geschwistergefühl entwickeln.

2. Stufe : Das sittliche Handeln

Hierbei geht es um „sittliche Übungen durch Selbstüberwindung und Anstren- gungen in dem, was recht und gut ist“, sowie um das Angewöhnen „vieler Fer- tigkeiten, um dieses Wohlwollen im Kreise der Kinder sicher und ausgebreitet ausüben zu können“. Gemeint ist das sittliche Handeln in Ernstsituationen, das z. T. schon beim Weitherzigmachen angesprochen wurde.

3. Stufe : Reflexion

Die Reflexion baut sich auf der Basis der sittlichen Gemütsstimmung und der kindlichen Erfahrungen im Bereich des konkreten sittlichen Handelns als letzte Stufe der sittlichen Elementarbildung auf. Dass sie hier als „letzte Stufe“ be- zeichnet wird deutet auf ein sachliches und zeitliches Begründungsverhältnis hin, nicht aber auf eine Wertordnung. Reflexion hat nämlich bei Pestalozzi ei- ne rein dienende Funktion. Sie dient der „Entwicklung weiser Gesinnungen und standhafter Entschlossenheit“ und distanziert sich ausdrücklich von der Unmittelbarkeit des Erlebens. Pestalozzi sieht jedoch die Gefahr, dass die reale Handlungskompetenz hinter dem theoretischen Wissen zurückbleibt und for- dert deshalb die Beschränkung des Reflexionshorizontes auf den Erfahrungs- horizont und das von diesem aus unmittelbar Erschließbare.

Pestalozzi erkannte im Laufe seiner Tätigkeit vier Prinzipien, die für seine er- zieherisch - unterrichtliche Tätigkeit von Bedeutung waren :

1. das Prinzip der Nähe
2. das Prinzip der Anschauung
3. das Prinzip der Individuallage
4. das Prinzip des Real-Handgreiflich-Lebenspraktischen

zu 1 Prinzip der Nähe:

Pestalozzi hebt die entwicklungsmäßig ersten Verhältnisse, in die ein Kind hineingeboren wird, d. h. seine Familie, für besonders bedeutsam. Indem das Kind von den Eltern liebevoll versorgt wird, baut sich in ihm das Gefühl des Dankes auf. In der Totalität der Beziehung der ersten Wochen wird das Fun- dament für die weitere Entwicklung gelegt. Wird es geschwächt, besteht die Gefahr, dass das Kind sich nicht richtig entfalten kann.

zu 2 Prinzip der Anschauung:

Lernen setzt voraus, dass man den Gegenstand, um den es geht, konkret, hand- fest in sich aufnehmen kann. Mit seinen Sinnen muss man ihn umfassen, bevor man über die Sprache, durch die Worte, die die Sachen ersetzen, zu lernen vermag. Diese Handfestigkeit ist für die kognitive Entwicklung wichtig, weil nur so gewährleistet ist, dass man mit zunehmender Verbalisierung und Abs- traktheit weiß, wovon man redet und worüber man nachdenkt.

zu 3 Prinzip der Individuallage:

Der Mensch ist in zahlreiche Lebenskreise eingeordnet, innerhalb derer jeder seine „Individuallage“ findet : Der Lebenskreis der Familie ist eingelagert in den der Berufs- und Standeswelt, dieser wiederum in den weiteren Kreis des Volkes und Vaterlandes, der mit allen anderen zusammen angeknüpft ist zu der Beziehung zu Gott. Dabei sieht Pestalozzi die Gesellschaftsordnung als ei- ne statische Größe, die Individuallage als unveränderlich.

Der Begriff „Volk“ folgt dem damaligen Sprachgebrauch und bezeichnet das „niedere“ Volk, also die unteren Stände. „Volkserziehung“ bedeutet für Pesta- lozzi also Standeserziehung. Dies soll anhand eines Auszuges aus seinem „Stanser Brief“ verdeutlicht werden :

Also brachte ich auch meine alten Volkserziehungswünsche, so viel ich konnte, in Umlauf und legte sie vorzüglich mit dem ganzen Umfang, in dem ich sie denke, in den Schoß Legrands, (damals einer der Direktoren der Schweiz.) Er nahm nicht nur Inte- resse dafür, sondern urteilte mit mir, die Republik bedürfe der Umschaffung des Er- ziehungswesens unausweichlich, und war mit mir einig:die größtmöglichste Wirkung der Volksbildung könnte durch die vollendete Erziehung einer merklichen Anzahl Indi- viduen aus den ärmsten Kindern im Lande erzielt werden, wenn diese Kinder durch ihre Erziehung nicht aus ihrem Kreis gehoben, sondern durch dieselbe vielmehr fester an denselben angeknüpft würden.

Trotz dieses für heutiges Verständnis schwierige Ständedenken trug Pestaloz- zis Idee einer volkstümlichen Bildung durch die Schule sicherlich wesentlich zur Entstehung von Volksschulen bei.

zu 4 Prinzip des Real-Handgreiflich-Lebenspraktischen:

Pestalozzi ging es auch darum, den Armen die elementarsten Kulturtechniken wie das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Vordringliches Ziel war jedoch die ökonomische Sicherheit des Armen. Von daher strebte er eine Aus- bildung an, die auf der Vereinigung der Hauswirtschaft, des kleineren Feld- baus und der Industrie beruhte. Die Kinder lernten beispielsweise Gartenbau, Kochen und Weben.

Die Verbindung dieser Prinzipien führte schließlich zur Entwicklung seiner „Elementarmethode“, die darauf zielt, „Kopf, Herz und Hand“ gleichermaßen auszubilden.

Während viele seiner Erkenntnisse und Werke zeitbedingt und nur noch von historischem Interesse sind, und obwohl heute Einigkeit darüber besteht, dass Pestalozzi ein ausgesprochen schlechter Methodiker war, so hat er doch zu- mindest zwei erhebliche Einflüsse für die Fortentwicklung von Unterricht und Erziehung gehabt: Zum einen forderte er Erziehung für alle, also eine Schule für das ganze Volk, die Volksschule.

Eine weitere Erkenntnis ist heute so aktuell wie damals, dies ist die Betonung der Rolle der Familie für die Entwicklung des Kindes. Gerade heute steigt die Nachfrage nach institutioneller Erziehung. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Bei den Kindern entsteht dadurch ein Defizit an „Mutterliebe“, die Eltern- Kind-Beziehung ist geschwächt. Pestalozzi stellt jedoch die Wichtigkeit dieser Beziehung deutlich in den Vordergrund und zeigt die Bedeutung des heute selbstverständlichen Erziehungsurlaubes oder der Teilzeitarbeit auf.

Pestalozzi in Kürze :

Name : Johann Heinrich Pestalozzi

Geboren : 12.01.1746

Gestorben : 17.02.1827

Von dem Elend der Landbevölkerung entsetzt war er für die Gedanken Rous- seaus empfänglich.

1774-1780 Armenanstalt „Neuhof“

1780-1798 Schriftstellerdasein („Die Abendstunde eines Einsiedlers“,

„Lienhard und Gertrud“ u. a. )

1798 Armenanstalt in Stans

1799 Lehrtätigkeit in Burgdorf 1804-1825 Schulmeisterseminar in Iferten

Erziehung musste für Pestalozzi „sittliche“ Erziehung sein. Dazu entwickelte er die Theorie der „sittlichen Elementarbildung“, welche sich aus drei Stufen zusammensetzt :

1. allseitige Besorgung, Weitherzigmachung
2. sittliches Handeln
3. Reflexion

Für seinen Unterricht entwickelte er vier Prinzipien :

- Nähe
- Anschauung
- Individuallage
- Real-Handgreiflich-Lebenspraktisch

⇨ Elementarmethode von „Kopf, Herz und Hand“.

Bedeutung für die Weiterentwicklung von Unterricht und Erziehung :

- Forderung nach einer „Volksschule“
- Betonung der Rolle der Familie

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Details

Titel
Johann Heinrich Pestalozzi
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V98791
Dateigröße
345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann, Heinrich, Pestalozzi
Arbeit zitieren
Michael Alt (Autor), 2001, Johann Heinrich Pestalozzi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98791

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