Das Lewis Modell. Eine kritische Analyse der Chancen und Grenzen zur Erklärung von rural-urbaner Migration anhand des Fallbeispiels China


Hausarbeit, 2019

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Wachstumsmodell nach Lewis
2.1 Modellannahmen
2.2 der Erklärungswert des Modells

3. Die Anwendung des Modells auf Entwicklungen in China

4. Erweiterungen des Lewis-Modell

5. Fazit

Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Lohn nach Region in China, männliche Arbeitskräfte (Zhang et. al 2011: 548)

II Tabellenverzeichnis

Tab 1: Wachstumsraten der Bevölkerung und des kultivierbaren Ackerlands zwischen 1949 und 1990 (Li 1998: 24)

Tab 2: Arbeitskräfte in China: Rate, Verteilung und Änderung zwischen 1990-2000 (Knight 2007: 4)

1. Einleitung

Unter Migration versteht man den Hauptwohnsitzwechsel einer Person. Dabei unterscheidet man zwischen der Binnenmigration, bei der Menschen innerhalb eines Landes wandern und der Internationalen Migration, die über Ländergrenzen hinweg verläuft. (Hug 2000: 1). Hierbei untersuchen verschiedene Migrationstheorien den Wanderungsvorgang und deren Ursachen, um den komplexen Vorgang der Wanderung besser erklären zu können. Der allgemeine Konsens, der sich im Laufe der Zeit zum Thema Migration herausgebildet hat, besteht offenbar darin, dass Menschen wandern, da sie arm sind und nach besseren Perspektiven suchen. Jedoch lassen sich mit dieser einfachen Erklärung noch lange nicht alle Migrationsvorgänge beschreiben. Aus diesem Grund bedarf es verschiedener Theorien, um einen solchen komplexen Vorgang näher beschreiben zu können. (Parnreiter 2000: 27).

Angesichts dieser Tatsache wird in dieser Arbeit der Frage nachgegangen, inwiefern sich diese Theorien eignen, um die aktuellen Migrationsentwicklungen zu beschreiben. Schwerpunkt dieser Untersuchung stellen die klassischen ökonomischen Erklärungsansätze von Migration dar, die den Prozess der Migration darin erklären, dass das Ziel eine optimale Versorgung an ökonomischen Mitteln sei. (Hug 2000: 5).

Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird vor allem der ökonomische Erklärungssatz von Lewis aus dem Jahr 1954 herangezogen, um diesen auf das Fallbeispiel China zu beziehen und den Erklärungswert dieser Theorie darzustellen.

Somit steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung die Frage, inwieweit sich die Theorie eignet, um vergangene und aktuelle Migrationsbewegungen in China zu beschreiben und ferner die möglichen Grenzen des Erklärungswerts zu diskutieren.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird das Lewis Modell beschrieben und ferner sein Erklärungswert erläutert. Anschließend wird das Modell auf seine Gültigkeit anhand des Fallbeispiel China untersucht und mögliche Grenzen des Erklärungswert erläutert.

Zum Schluss werden Erweiterungen zum Modell vorgestellt, um mögliche Lücken des Erklärungswert der Modelle schließen zu können. Im Fazit bekommt der Leser einen Gesamtüberblick darüber, warum Theorien und Modelle zur Erklärung von Migrationsursachen unabdinglich erscheinen.

2. Das Wachstumsmodell nach Lewis

Im folgenden Kapitel gilt es zunächst einen Überblick über den ökonomischen Ansatz der Migrationsforschung von William Arthur Lewis aus dem Jahr 1954 zu geben. In seiner Arbeit Economic Development with Unlimited Supplies of Labour geht seine aus der Neoklassik stammende Theorie von einem unbegrenzten Arbeitskräfteangebot aus, die mit dem Subsistenzlohn entlohnt werden (Lewis 1954: 1). Mit Hilfe seiner Theorie soll die Wanderung als Phänomen der rural- urbanen Migration erklärt werden und ferner soll die Theorie, welche ein Wachstumsmodell darstellt gleichzeitig das Wirtschaftswachstum einer Ökonomie erläutern, die in Abhängigkeit zur rural - urbanen Migration steht (Kermer 2007: 183).

2.1 Modellannahmen

Um Migrationsbewegungen innerhalb einer Ökonomie erklären zu können setzt Lewis seiner Theorie einige Grundannahmen voraus. Er unterscheidet hierbei zwischen einem Agrarsektor und einem Industriesektor innerhalb einer Ökonomie, welche im Anschluss näher definiert werden. Zunächst sei zu erwähnen, dass der Agrarsektor mit einem ländlichen Gebiet und der Industriesektor mit einem urbanen Gebiet gleichzusetzten ist, was für unser Forschungsinteresse der rural- urbanen Migration entscheidend ist (Kermer 2007: 183).

Lewis setzt voraus, dass im Agrarsektor ein unbegrenztes Arbeitskräfteangebot herrscht, was dadurch zu erklären sei, dass in diesem Sektor eine hohe versteckte Arbeitslosigkeit vorliegt. Das liegt daran, dass die Grenzproduktivität der Arbeit gleich null ist, da ein Überschuss an Arbeitern in den dominierenden Familienbetrieben arbeiten (Lewis 1954:

2). Im Vergleich dazu wird im Industriesektor reproduzierbares Kapital eingesetzt und der Lohn ist um 30 Prozent höher, als im Agrarsektor, was durch die dort herrschenden höheren Lebenshaltungskosten zu erklären ist. Mit Hilfe dieser Annahmen wird die Migrationsentscheidung aufgrund von lohndifferentiellen Unterschieden zwischen beiden Sektoren getroffen. Diese dargestellte rural-urbane Migration erfolgt nach Lewis ohne Migrationskosten und wird nicht durch anderen Hindernissen beschränkt (Kermer 2007: 184).

2.2 der Erklärungswert des Modells

Wie bereits im vorherigem Kapitel beschrieben wurde, können mit Hilfe der Theorie von Lewis die Ursachen der rural- urbane Migration innerhalb einer Ökonomie näher beschrieben werden. Dieses Phänomen erscheint in der Literatur auch häufig unter den Begriffen Landflucht oder Verstädterung. Eine genauere Betrachtung dieses Phänomens ist gerade deshalb von großer Bedeutung, da die Anzahl an städtischer Bevölkerung jährlich ansteigt, wobei das Wachstum in den Städten der Entwicklungsländer schneller verläuft. Heute herrscht vor allem im Kontext der Verstädterung einer zunehmende kritische Sicht, da es häufig zur Überlastung der Städte kommt, weil die Infrastruktur gemäß der steigenden Bevölkerung häufig nicht ausreichend ausgebaut wird (Bähr 2010: 308 ff.).

Im Vergleich dazu geht Lewis in seiner Theorie von einem Mehrwert der Migration aus dem ländlichen in den städtischen Raum aus. Dabei geht er von einem stetig steigendem Wirtschaftswachstum aus, das dadurch realisiert wird, dass der Überschuss an Arbeitskräften in den urbanen Sektor wandern und dort eine Beschäftigung finden. Die Beschäftigung im Industriesektor steigt dadurch an, dass dort neue Arbeitsplätze ausgebaut werden. In seinem Modell bleibt jedoch die Möglichkeit einer Arbeitslosigkeit im urbanen Sektor unberücksichtigt. Vielmehr können nach seiner Theorie die Arbeitsplätze proportional zu der Anzahl an städtischen Migranten ausgebaut werden (Kermer 2007: 187 ff.).

3. Die Anwendung des Modells auf Entwicklungen in China

Aufbauend auf der Frage, wo die Chancen und Grenzen der Andwendbarkeit des Lewis Modells auf städtischer Wanderung liegen, wird der Erklärungswert an den Entwicklungen Chinas untersucht. Bereits aus der veröffentlichen Arbeit zu seiner Theorie, verdeutlicht Lewis, dass sich die Theorie vor allem auf Länder im Großraum Asien anwenden lässt, da dort ein generelles Arbeitskräfteüberschusss vorliegt (Lewis 1954: 1).

In der Literatur wird dabei häufig von einem Überschuss an Arbeitskräften im ruralen Raum innerhalb Chinas beschrieben, was der Grundannahme vom Lewis Modell entsprechen würde. So ein Überschuss kommt dadurch zu stande, dass der Anteil an kultivierbarem Ackerland im laufe der Jahre immer weiter zurückgegangen ist und somit eine Bewirtschaftung durch die rurale Bevölkerung eingeschränkt ist. Zwischen 1985 und 1990 sank der Anteil an Ackerland um 5% bei einem gleichzeitig positivem Bevölkerungswachstum (vgl. Tab. 1).

Table 1.1:Population and arable growth rates, 1949-90

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab 1: Wachstumsraten der Bevölkerung und des kultivierbaren Ackerlands zwischen 1949 und 1990 (Li 1998: 24)

Hinzu kommt noch eine Moderinisierung in der Landwirtschaft in China, die dazu führt, dass weniger Arbeiter dort eingesetzt werden müssen. Ferner wird noch die natürliche steigende Wachstumsrate an ländlicher Bevölkerung genannt, die zu einem Überschuss an Arbeitskräften im ruralen Raum führt (Li 1998 22 ff.).

Die Beobachtung, dass im Jahr 2013 um die 730 Millionen chinesischen Einwohner in den Städten leben und ein drittel davon Migranten aus dem ruralen Raum sind, unterstreicht die Aussage des Lewis Modells einer hohen Rate der rural- urbanen Migration einer Ökonomie mit einem Arbeitsüberschuss im ländlichen Raum. Dieser Anteil an Migranten trägt einen großen Anteil der in chinesischen Städten stattfindenen Urbanisierung bei (Yu et. Al 2015: 877).

Auch die Grundannahme von Lewis, dass die Löhne im urbanen Raum höher sind, lässt sich an dem Lohnniveau in China bestätigen. Jedoch muss hierbei einschränkend gesagt werden, dass der Lohnunterschied deutlich über 50 Prozent liegt und nicht wie von Lewis angenommen bei 30 Prozent. Zusätzlich kann beobacht werden, dass die Löhne auch je nach Region unterschiedlich sind. Arbeiter im östlichen urbanen Raum verdienen im Durchschnitt mehr, als Arbeiter im Westen Chinas. Aus der Tabell geht zusätzlich hervor, dass die durchschnittlichen Löhne seit 2003 stark ansteigen, wobei erst später innerhalb dieser Arbeit Bezug darauf genommen wird (vgl. Abb. 1). Somit scheint, wie im Lewis Modell dargestellt, der Lohnunterschied zwischen den Räumen eine wichtige Ursache für die starke Migration in den Städten zu sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Lohn nach Region in China, männliche Arbeitskräfte (Zhang et. al 2011: 548)

Diese Tatsache wird auch anhand folgender Tabelle bestätigt, insofern die Anzahl an Beschäftigten in der Stadt zwischen 1990 und 2000 von 174,2 Millionen auf 248,4 Millionen angestiegen ist. Gleichzeitig steigt auch die Beschäftigzungsanzahl im ländlichen Raum, wobei der Anstieg sehr gering zwischen den Jahren ausgefallen ist. Trotzdem steigt zwischen den Jahren auch der Anteil der Arbeitslosigkeit in der Stadt (vgl. Tab. 2).

Diese Tatsache, dass die Migrationsentscheidung der Bevölkerung aus dem ländlichen Raum dadurch beschränkt werden kann, dass sie keinen sicheren Arbeitsplatz in der Stadt finden, wird von Lewis nicht beachtet, wobei man hier von einer Schwäche der Anwendung anhand von China feststellen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Arbeitskräfte in China: Rate, Verteilung und Änderung zwischen 1990-2000 (Knight 2007: 4)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Lewis Modell. Eine kritische Analyse der Chancen und Grenzen zur Erklärung von rural-urbaner Migration anhand des Fallbeispiels China
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V987955
ISBN (eBook)
9783346347152
ISBN (Buch)
9783346347169
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lewis, modell, eine, analyse, chancen, grenzen, erklärung, migration, fallbeispiels, china
Arbeit zitieren
Patricia Wieczorek (Autor), 2019, Das Lewis Modell. Eine kritische Analyse der Chancen und Grenzen zur Erklärung von rural-urbaner Migration anhand des Fallbeispiels China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987955

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