Ferrara zur Zeit Ariosts


Ausarbeitung, 1998

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

0. Vorwort

1. Einleitung

2. Italien im ausgehenden 15. Jahrhundert

3. Ferrara zwischen den Hegemonialmächten

4. Die Entwicklung der Stadt Ferrara

5. Die Organisation des Hofes Exkurs: Die Verwaltung des Hofes

6. Resümee / conclusioni

7. Literatur

Anhang: Überblick in Daten

0. Vorwort

Das vorliegende Referat entstand im Arbeitszusammenhang eines Seminars zu Ariosts "Orlando Furioso". Es soll versucht werden, den kulturellen Kontext des Werkes zu Beginn des !6. Jahrhunderts in Ferrara zu beschreiben.

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich keinen Überblick über die Literatur zum Thema geben. Während der Arbeit am Thema konnte ich allenfalls die Literatur, die eher zufällig in den Universitätsbibliotheken Bremens und Osnabrücks vorhanden ist, einsehen. Auch über die Fernleihe konnte ich nur auf eher zufällige Quellen zurück­greifen.

Dennoch hoffe ich, einen angemessenen Einblick in die Problematik geben zu können. Von Bedeutung kann die Arbeit für alle sein, die sich für

- die italienische Spätrenaissance,
- die Autoren Ludovico Ariosto und Torquato Tasso oder
- die Entstehung des Absolutismus aus der Renaissance interessieren.

1. Einleitung

Im folgenden werde ich zunächst einen allgemeinen Einblick in die Geschichte Italiens zu Beginn des 16. Jahrhunderts geben. Diese Darstellung folgt der mir zur Verfügung stehenden Standardliteratur 1. Anschließend zeichne ich die Geschichte der Stadt Ferrara unter der Herrschaft der Este nach und gehe dann auf die spezielle Literatur zur höfischen Kultur in Ferrara ein. Dabei waren mir neben einigen

Aufsätzen vor allem die Werke von Chledowski, Piromalli und Gundersheimer[1] [2] besonders hilfreich. Zum Abschluß zeichne ich etwas differenzierter die Organisation des höfischen Lebens nach, wie sie am Ende des 15. Jahrhunderts gegeben war und in das Niccolò und sein Sohn Ludovico Ariosto integriert waren. Im Anhang finden sich einige Schautafeln, Graphiken und Tabellen, die ich für das mündlich vor der Seminargruppe gehaltene Referat benutzt habe.

2. Italien im ausgehenden 15. Jahrhundert

Während es im 14. Jahrhundert in Italien im Schatten der Spannungen zwischen Papst und Kaiser noch eine Vielzahl von selbständigen Staaten mit einem ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung gegeben hatte und sich im 15. Jahrhundert eine kleine Zahl von regionalen italienischen Großmächten herausgebildet hatte, was die kulturelle Blüte der Renaissance erst politisch ermöglichte, gerieten die italienischen Regionen als regionale Fürstentümer mit ihren höfischen Zentren im 16. Jahrhundert unter die Hegemonie Habsburgs. Im Windschatten Habsburgs konnten sich auch anachronistisch gewordene halbautonome Kleinstaaten einige Jahrzehnte behaupten. Hierzu gehört auch Ferrara mit seinem Hof der Este.

Ferrara wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den auf italienischen Terrritorium ausgefochetenen Weltkonflikt zwischen den Habsburgern und der Französischen Krone hineingezogen. Die Zeit, in der Ariost mit seinen Bindungen an den Ferrareser Hof lebte, war insofern für ganz Italien dramatisch, als das Kräftegleichgewicht, das Mitte des 15. Jahrhunderts nach dem Frieden von Lodi (1454) zwischen den da­maligen italienischen Großmächten Neapel, Rom, Florenz, Venedig und Mailand durch die Intervention der europäischen Hegemonialmächte, zuerst Frankreichs, dann auch Habsburgs, gestört wurde. Zunächst marschierte Karl VIII. 1494 in Italien ein. Mit dieser Intervention wendet sich die politische Geschichte Italiens. Für zwei Jahrhunderte hatten sich die Regionen Italiens weitgehend selbständig entwickeln können, ohne fremde Hegemonialmächte. Für Jahrzehnte haben die Humanisten von einem neuen Zeitalter träumen können. Die Intervention des französischen Königs bewirkt nicht nur militärische Turbulenzen, sondern erschüttert auch das Selbstverständnis einer Epoche. "Avec 1494, une page est définitivement tournée. L'équilibre italien est rompu; la guerre jette bas les convictions et les espoirs des humanistes. Ils ne croient plus désormais en la capacité de l'homme à soumettre les hasards et le monde. Tant rêvé, tant attendu, l'âge d'or va laisser la place à un age de fer." (I.Cloulas, 1990, 210)

Durch die relativ plötzliche Expansion Habsburgs zu Beginn des 16. Jahrhunderts - 1519 wird Karl V. gegen Franz I. (1515-1547) zum Kaiser gewählt - wird nicht nur die politische Landschaft Italiens, sondern ganz Europas gravierend verändert. Habsburg stellte sich dem Übergewicht Frankreichs in Italien entgegen. Während die Franzosen Ansprüche auf Mailand und Neapel behaupteten, waren die Städte der Lombardei der Form nach kaiserliche Lehen und das Königreich Neapel ein Erbland der spanischen Krone. Diese Frontstellung provozierte das Wiederaufleben des jahr­hundertealten Gegensatzes von Papsttreuen und Kaiserlichen in Italien. Der Medici­Papst Clemens VII. (1523-1534) stützte sich auf das altbewährte antihabsburgische Bündnis von Franzosen, Venedig, Florenz und dem guelfischen Adel in Rom. Karl V. hingegen setzte auf seine Söldnerführer, die Colonna und Alfonso von Este, Herzog von Ferrara.

Die Auseinandersetzung gipfelte in der Schlacht bei Pavia, bei der die Kaiserlichen einen Sieg erfochten und Franz I. in Gefangenschaft setzten. Kurze Zeit später setzte sich die Auseinandersetzung fort im sacco di Roma (1527), dem neun Monate währenden Gemetzel süditalienischer, spanischer und protestantischer deutscher Söldner in Rom. Anführer eines kaiserlichen Truppenkontingents wurde Isabella d'Estes Sohn Federico, der Marchese von Mantua, der später von Karl V. mit einem Herzogtitel bedacht wurde. Ihm zur Seite standen Vespasiano Colonna und sein Vater Luigi Gazzuolo, "dem man wegen seiner Kraft und seines Draufgängertums den Spitznamen "Rodomonte" gegeben hatte" (Confurius 1991, 33) (in Anspielung auf den Sarazenenkönig in Ariosts "Orlando").

3. Ferrara zwischen den Hegemonialmächten

Während der Regierungszeit Alfonsos I. kommt es zu den Erruptionen, die zur politischen Neustaltung Italiens unter den Habsburgern führen. Ferrara steht bis 1530 in unterschiedlichen Lagern. 1509 kann Alfonso I. die nach 1482 an Venedig verlorenen Gebiete wieder eingliedern. 1510 wird er vom Papst exkommuniziert und abgesetzt. Alfonso I. verliert Modena und Reggio. Nach zehn Jahren erst gelingt ihm zunächst an der Seite der Franzosen 1521 die Wiederangliederung Reggios, 1527 kommt es, jetzt an der Seite der Spanier, der Anschluß Modenas.

Nach dem politischen Chaos und dem weiteren wirtschaftlichen Niedergang tritt eine Stabilisierung ein zwischen den beiden Hegemonialmächten Frankreich und Habsburg im sogenannten Damenfrieden von Cambrai (3.August 1529), so genannt, weil zwei Frauen diesen Frieden aushandeln, Louise von Savoyen, die Mutter Franz' I., und Margarete von Österreich, die Tante Karls V.

Frankreich verzichtet auf Ansprüche in Italien, auf Mailand, Habsburg auf Ansprüche in Burgund. Damit ist eine für Jahrhunderte wichtige Entscheidung für Italien gefallen: eine weitgehend selbständige Entwicklung der italienischen Mächte ist ausgeschlossen. Habsburg wird zur bestimmenden Größe auf der Halbinsel bis ins 19. Jahrhundert.

Die für Italien relevanten Bestimmungen werden Monate später in Bologna von Karl V. und Papst Clemens VII. festgelegt: Mailand wird unter den Sforza zunächst spanisches Protektorat, nach 1535 kommt Mailand unter Gouverneuren direkt unter kaiserlich-spanische Herrschaft. Genua erhält unter der Herrschaft der Doria eine eher nominelle Unabhängigkeit. In Süditalien kommen Neapel und Sizilien direkt unter die spanische Krone. Zum Abschluß der Versammlung von Bologna (22. Februar1530) muß Papst Clemens VII. - für ihn eine Demütigung - Karl V. die Kaiserkrone aufsetzen.

Florenz hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt den Ansprüchen widersetzen können und hatte nach der Vertreibung der Medici den Weg zurück zur Republik gefunden. Der neuen Hegemonialmacht können sich die Florentiner nicht entgegenstellen: sie müssen die Wiedereinsetzung der Medici, die sie erneut vertrieben hatten, akzeptieren: die Medici werden zunächst Herzöge, später Großherzöge der Toskana. Die in Bologna besiegelte Neuordnung sollte in den kommenden Jahrzehnten trotz immer wieder aufbrechender Konflikte zwischen den Franzosen und Habsburgern Bestand haben.

Für Ferrara bedeutete das Ergebnis von Bologna die Rückkehr der Este: Sie erhielten ihre angestammten Besitzungen in der Emilia, mußten aber Modena und Reggio an den Papst zurückgeben. Der Papst bestätigte den Este gegen ein Zahlung von 100.000 Dukaten die Herrschaft über Modena und Ferrara.

Unter der Vorherrschaft der Habsburger wird zunächst eine gewisse Ordnung restauriert, auch wenn es in der Folgezeit immer wieder zu Konflikten mit Frankreich kommt, die auf italienischem Boden ausgetragen werden (1538 und 1542). Ohne Zustimmung der Habsburger sind territoriale Veränderungen jedoch kaum möglich. Aber diese Ordnung ist die einer fremden Hegemonialmacht. Das Selbstbewußtsein der Humanisten des 15. jahrhunderts ist gebrochen und die Desillusionierung gerade der führenden Intellektuellen sitzt tief. Gerade auch in Ariostos Hauptwerk, im "Orlando Furioso", ist dieser tiefe Pessimismus zu erkennen. Der kulturelle und politische Niedergang der italienischen Zentren, der sich trotz der Blüte im ausgehenden 15. Jahrhundert ankündigte (Verlagerung der wirtschaftlichen und politischen Zentren nach Westen an den Altantik: Spanien, Frankreich und England), war damit zunächst aufgehalten. Die sehr unterschiedlichen Versuche waren gescheitert. In der politischen Theorie am bedeutsamsten ist hier der Versuch Machiavellis, mit Hilfe neuzeitlicher Machtpolitik einen italienischen Herrscher (einen Medici) zur Eroberung der politischen Macht in Italien zu bewegen.

Seit dem Einmarsch Karls VIII. waren viele Hoffnungen und politische Konzepte zerstört: "da quello savonaroliano di una restaurazione comunale e religiosa, a quello coltivato alla corte di Leone X di un'alleanza tra le lettere e la pietà e di un ritorno alla felice stagione dell'equilibro e dell'Umanesimo, a quello infine di una rigenera­zione totale della vita italiana sul modello delle grandi monarchie straniere intravisto dal Machiavelli." (Procacci 1987, 188/189).

4. Die Entwicklung der Stadt Ferrara

Welche Rolle spielt nun Ferrara in diesen Auseinandersetzungen zu Beginn des 16. Jahrhunderts? Die Geschichte Ferraras ist seit dem Mittelalter eng mit dem Fürstenhaus der Este verbunden.

[...]


[1] G. Procacci, 1987, Storia degli italiani, Bari: Laterza W. Goez, 1988, Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance, 2. Aufl., Darmstadt: Wiss.Buchges. Ruggiero Romano und Alberto Tenenti, Die Grundlegung der modernen Welt, Frankfurt (Fischer) 1967 ff

[2] C. von Chledowski, 1919, Der Hof von Ferrara, München: Georg Müller W.L. Gundersheimer, 1973, Ferrara: the Style of a Renaissance Des-potism, Princeton W.L. Gundersheimer, 1972, Art and Life at the Court of Ercole d'Este, Genf A. Piromalli, La cultura a Ferrara al tempo di Ludovico Ariosto (1953), Roma 1975 (2)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ferrara zur Zeit Ariosts
Hochschule
Universität Bremen
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
15
Katalognummer
V98807
ISBN (eBook)
9783638972581
ISBN (Buch)
9783656436782
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hilfreich bei Arbeiten zu Goethes Tasso, zur Renaissance, zur ital. Kulturgeschichte
Schlagworte
Ferrara, Renaissance, Ariost
Arbeit zitieren
Achim Ehrenberg (Autor), 1998, Ferrara zur Zeit Ariosts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98807

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