Die vorliegende Analyse untersucht, unter welchen Bedingungen von einer Wechselwahl gesprochen wird und inwiefern ein Wechselwähler genauer zu definieren ist. Um dies zu ermöglichen, wird auf drei voneinander abweichende Typologien von Max Kaase zurückgegriffen, die den Begriff „Wechselwähler“ enger definiert und dadurch plastischer gestaltet.
Die Volatilität der Wähler wird unter einzelnen Beispielen erläutert, sodass die Schwankungen bezüglich der Parteibindungen sichtbar werden. Hierzu werden zwei Beispiele der zurückliegenden Bundestagswahlen 2013 und 2017 herangezogen, um die abweichenden Stimmanteile zu verdeutlichen.
Es ist vorwegzugreifen, dass keine umfassende Theorie angewandt werden kann, sondern lediglich auf unterschiedliche Forschungsdesigns zurückgegriffen wird, die im Rahmen der Politikwissenschaft ausgearbeitet wurden. Auf deren Grundlage sollen dem Leser die wichtigsten Erkenntnisse nähergebracht werden, um ein unterschiedliches Wahlergebnis zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wählerwanderung
2.1 Begriffserklärung: Wie definiert sich der Wechselwähler?
3. Erklärungsansätze des Wahlverhaltens
3.1 Soziologischer Erklärungsansatz
3.1.1. Mikrosoziologischer Ansatz
3.1.2 Makrosoziologischer Ansatz
3.2 Ann-Arbor-Modell
3.3 Rational-Choice-Ansatz
4. Grenzen der Erklärungsansätze
4.1 Soziologischer Ansatz
4.2 Ann-Arbour-Modell
4.3 Rational Choice Ansatz
5. Zunahme der Volatilität und zeitliche Abnahme von Parteipräferenzen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Wechselwahl in der Bundesrepublik Deutschland, um zu erklären, warum Wähler zunehmend sprunghaftes Wahlverhalten zeigen und keine konstante Parteitreue mehr aufweisen. Ziel ist es, verschiedene politikwissenschaftliche Erklärungsansätze zu untersuchen und deren Grenzen in Bezug auf das tatsächliche Wahlverhalten darzulegen.
- Definition und Typologie des Wechselwählers nach Max Kaase
- Soziologische Erklärungsansätze (Mikro- und Makroebene)
- Das Ann-Arbor-Modell und seine zentralen Variablen
- Der Rational-Choice-Ansatz und das Modell des Homo oeconomicus
- Analyse von Volatilität und Wählerwanderung am Beispiel der Bundestagswahlen 2013 und 2017
Auszug aus dem Buch
3.3 Rational-Choice-Ansatz
Um eine adäquate Erklärung des Parteienwettbewerbs und dem damit verbunden Wahlverhalten des Volkes darzulegen, wird der Rational Choice Ansatz gewählt. Dieser wird zunächst durch ein räumliches Modell verdeutlicht.
In „An Economic Theory of Demorcracy“ (1957) wird der von Anthony Downs beschriebene Rational-Choice-Ansatz thematisiert. Dieser schildert den o.g. Ansatz als einen aktiven Prozess einer Person, die sich durch politische Präferenzbildung für eine Partei entscheidet oder abwendet. In diesem Modell wird der Wähler als ein rational agierendes Individuum dargestellt, das sich nach dem größten individuellen Nutzen orientiert und somit zu einer Wahlentscheidung kommt. Dieser wird als homo oeconomicus bezeichnet, der nutzenmaximierend handelt und sich nicht von äußeren Einflüssen, ausgenommen den eigenen, beeinflussen lässt. Laut dieser Theorie wird sich eine Person immer für die Partei entscheiden, bei der sich das Angebot im Hinblick auf programmatische Offerten und Leistungsfähigkeit konstant zeigt. Der Wähler zeigt dann ein wechselhaftes Verhalten, wenn die Policy-Vorstellungen der vorher gewählten Partei nicht übereinstimmen, da es möglich ist, dass sich diese in der Zeit der Legislaturperiode entfernt oder eine andere Partei das persönliche Idealbild des Wählers darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert das schwindende Parteigefüge in Deutschland und hinterfragt die Ursachen für das zunehmend sprunghafte Wahlverhalten der Bevölkerung.
2. Wählerwanderung: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Wechselwählers und stellt verschiedene Typologien vor, um das Phänomen präziser einzugrenzen.
3. Erklärungsansätze des Wahlverhaltens: Hier werden die drei zentralen Ansätze – der soziologische, der sozialpsychologische (Ann-Arbor-Modell) und der Rational-Choice-Ansatz – detailliert beleuchtet.
4. Grenzen der Erklärungsansätze: Das Kapitel kritisiert die theoretischen Modelle und zeigt auf, warum sie das komplexe Verhalten von Wählern nicht immer vollständig erklären können.
5. Zunahme der Volatilität und zeitliche Abnahme von Parteipräferenzen: Anhand der Bundestagswahlen 2013 und 2017 wird die steigende Wählerunbeständigkeit illustriert und analysiert.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Erklärungsmodelle und hält fest, dass kein einzelner Ansatz das Wahlverhalten vollständig garantieren kann.
Schlüsselwörter
Wechselwähler, Wählerwanderung, Parteipräferenz, Wahlverhalten, Volatilität, Soziologischer Erklärungsansatz, Ann-Arbor-Modell, Rational-Choice-Ansatz, Homo oeconomicus, Bundestagswahl, Politische Sozialisation, Parteienwettbewerb, Cleavage-Theorie, Politische Meinungsbildung, Wahlentscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Wechselwahl und warum Wähler in der Bundesrepublik Deutschland zunehmend von einer festen Parteibindung abweichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition des Wechselwählers, verschiedene politikwissenschaftliche Erklärungsmodelle für Wählerverhalten sowie die Analyse der Volatilität bei Bundestagswahlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, anhand welcher theoretischen Erklärungsansätze sich das Phänomen der Wechselwahl und sprunghaftes Wahlverhalten begründen lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Wahlforschungsdesigns und die Auswertung von Wahldaten der Bundestagswahlen 2013 und 2017.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Wechselwählern, die Vorstellung der drei Haupttheorien (soziologisch, Ann-Arbor, Rational-Choice) und eine kritische Diskussion deren Grenzen sowie eine Datenanalyse zur Wählerbeweglichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wechselwähler, Volatilität, Parteipräferenz, Rational-Choice-Ansatz und Cleavage-Theorie.
Welche Rolle spielt die "Cleavage-Theorie" bei der Erklärung des deutschen Parteiensystems?
Sie dient dazu, das heutige Parteiensystem durch historische soziale Spaltungslinien zu erklären, die sich aus der Nationsbildung und Industrialisierung ergeben haben.
Was bedeutet der "Kolorierungseffekt" im Ann-Arbor-Modell?
Er beschreibt die Parteienidentifikation als einen Filter, der dem Wähler hilft, politische Sachverhalte zu reduzieren und sich innerhalb des politischen Geschehens besser zurechtzufinden.
Inwiefern beeinflusst das Modell des "Homo oeconomicus" die Sicht auf den Wähler?
Es stellt den Wähler als rational agierendes Individuum dar, das seine Wahlentscheidung rein nutzenmaximierend trifft, was jedoch im Fazit kritisch hinterfragt wird.
Warum wird im Fazit von einem einheitlichen Erklärungsansatz abgeraten?
Da sich die verschiedenen Ansätze auf unterschiedliche Faktoren (individuell vs. gruppenspezifisch) konzentrieren, wird kein einheitlicher Ansatz als ausreichend erachtet, um das reale Wahlverhalten vollständig zu erfassen.
- Arbeit zitieren
- Christian Meyer (Autor:in), 2019, Die Erscheinung des Wechselwählers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988372