Friedrich Engels - Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen


Ausarbeitung, 1998
9 Seiten

Leseprobe

David Janzen

Friedrich Engels: „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen"

Engels schrieb den Aufsatz ,,Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" ursprünglich als Einleitung zu einer größeren Arbeit: ,,Über die Grundformen der Knechtschaft". Diese Arbeit blieb jedoch unvollständig. Der Text entstand um 1876. Nach Engels Tod (1895) wurde das Fragment in seinem Nachlaß gefunden und 1896 von Eduard Bernstein in der „Neuen Zeit" das erste mal veröffentlicht

- "Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums [...]. Sie ist dies - neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: sie hat den Menschen selbst geschaffen."

Jedes Ding, was der Mensch in seiner Geschichte je hergestellt hat, besteht aus zwei Elementen: Naturstoff und Arbeitskraft.

Die Natur ist ohne zutun des Menschen vorhanden. In der Arbeit wandelt der Mensch die Natur um, formt sie nach seinen Zielen, eignet sich die Natur an.

Karl Marx nennt die Arbeit einen "Prozeß zwischen Mensch und Natur, ..., worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert ...", die Natur und zugleich sich selbst verändert.

Aufgrund seiner natürlichen (defizitären) Konstitution ist der Mensch gezwungen, sich seine natürliche Umwelt praktisch anzueignen, in dem er Naturstoffe und Energien in seinen Bedürfnissen angemessene Form verwandelt.

Die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist nur durch Arbeit möglich.

Arbeit ist, ganz allgemein betrachtet zweckgerichtete und bewußte Tätigkeit mittels der der Mensch den für seine Reproduktion notwendigen Stoffwechsel mit der Natur vollzieht. In der Arbeit produziert der Mensch die für seine Reproduktion notwendigen Gebrauchswerte, sowie die dafür notwendigen Arbeitsmittel.

"Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln", so Karl Marx.

Engels dazu: "Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissen Sinne sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen"

- "Bis der erste Kiesel durch Menschenhand zum Messer verarbeitet wurde, darüber mögen Zeiträume verflossen sein, gegen die uns bekannte geschichtliche Zeit unbedeutend erscheint. Aber der entscheidende Schritt war getan: die Hand war frei geworden und konnte sich nun immer neue Geschicklichkeiten erwerben, und die damit erworbene größere Biegsamkeit vererbte und vermehrte sich von Geschlecht zu Geschlecht. So ist die Hand nicht nur das Organ der Arbeit, sie ist auch ihr Produkt."

Marx und Engels stellen fest, daß die Erbanlagen von bestimmten Bedingungen der Umwelt abhängen und sich ändern können.

Engels macht den im Entwicklungsprozeß des Menschen vorhandenen Zusammenhang zwischen Arbeit und Vererbung deutlich. Die Hand des Menschen hat den hohen Grad ihrer Ausbildung durch die immer komplizierteren Verrichtungen, die sie im Arbeitsprozeß ausführt, erlangt. Die durch Arbeit erworbene besondere Ausbildung der Muskeln, Bänder und Gelenke wurden weitervererbt und im Prozeß neuer Verrichtungen weiter ausgebildet..

- "Die mit der Ausbildung der Hand, mit der Arbeit, beginnende Herrschaft über die Natur erweiterte bei jedem Fortschritt den Gesichtskreis des Menschen. An den Naturgegenständen entdeckte er fortwährend neue, bisher unbekannte Eigenschaften. Andrerseits trug die Ausbildung der Arbeit notwendig dazu bei, die Gesellschaftsglieder näher aneinanderzuschließen, in dem sie die Fälle gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamen Zusammenwirkens vermehrte und das Bewußtsein von der Nützlichkeit diese Zusammenwirkens für jeden einzelnen klärte. Kurz die Menschen kamen dahin, daß sie einander etwas zu sagen hatten. "

Um die vorgefundene Natur in Gebrauchswerte zu verwandeln, mußte der Mensch, der selbst ein Naturwesen ist, lernen, seine eigenen natürlichen Potenzen, seine physischen und intellektuellen Kräfte auszubilden und anzuwenden.

Der Mensch veränderte damit nicht nur seine Umwelt, sondern entwickelte in der Arbeit und durch die Arbeit zugleich seine eigene Natur. Der Mensch schafft die Arbeit und die Arbeit schafft denn Menschen.

- "Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommenere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns aber ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane."

- "Die Arbeit fängt an mit der Verfertigung von Werkzeugen. Und was sind die ältesten Werkzeuge, die wir vorfinden ? [...] Werkzeuge der Jagd und des Fischfangs, erstere zugleich Waffen. Jagd und Fischfang setzten den Übergang von der bloßen Pflanzennahrung zum Mitgenuß des Fleisches voraus, und hier haben wir wieder einen wesentlichen Schritt zur Menschwerdung. Die Fleischeskost enthielt in fast fertigen Zustand die wesentlichen Stoffe, deren der Körper zu einem Stoffwechsel bedarf; sie kürzte mit der Verdauung die Zeitdauer der übrigen vegetativen, dem Pflanzenleben entsprechende Vorgänge im Körper ab und gewann damit mehr Zeit, mehr Stoff und mehr Lust für die Betätigung des eigentlich tierischen (animalischen) Lebens. [...] Am wesentlichsten aber war die Wirkung der Fleischnahrung auf das Gehirn, dem nun die zu seiner Ernährung und Entwicklung nötigen Stoffe weit reichlicher zuflossen als vorher."

- "Die Fleischeskost führte zu zwei neuen Fortschritten von entscheidender Bedeutung: zur Dienstbarmachung des Feuers und zur Zähmung von Tieren. [...] So wurden beide direkt neue Emanzipationsmittel für den Menschen. "

- "Wie der Mensch lernte alles Eßbare essen lernte, so lernte er auch in jedem Klima zu leben. Er verbreitete sich über die ganze bewohnbare Erde, er, das einzige Tier, das in sich selbst die Machtvollkommenheit dazu besaß. [...] Und der Übergang aus dem gleichmäßig heißen Klima der Urheimat in kältere Gegenden, wo das Jahr sich in Winter und Sommer teilte, schuf neue Bedürfnisse: Wohnung und Kleidung zum Schutz gegen Kälte und Nässe, neue Arbeitsgebiete und damit neue Betätigung, die den Menschen immer weiter vom Tier entfernten. "

Je mehr de Mensch sich entwickelt und je mehr seine Fähigkeiten und Potenzen steigen, um so größer werden seine Bedürfnisse.

- "Zur Jagd und Viehzucht trat der Ackerbau, zu diesem Spinnen und Weben, Verarbeitung der Metalle, Töpferei, Schiffahrt. Neben Handel und Gewerbe trat endlich Kunst und Wissenschaft, aus Stämmen wurden Nationen und Staaten. Recht und Politik entwickelten sich, und mit ihnen das phantastische Spiegelbild der menschlichen Dinge im menschlichen Kopf: die Religion."

Da Arbeit nur gesellschaftlich, d.h. also im praktischen Zusammenwirken von Individuen möglich ist, konstitutioniert sie, die Arbeit, nicht nur den materiellen Austausch mit der Natur, sondern notwendig auch gesellschaftliche Beziehungen. Jeder Arbeitsprozeß stellt sich deshalb als Einheit von Gebrauchswerterzeugung und gesellschaftlichen Verhältnis dar.

Die besondere historische Formen, in denen die gesellschaftliche Beziehungen der Menschen in der Arbeit realisieren, sind ihre Produktionsverhältnisse. Sie bilden die Basis der sozialen, politischen und kulturellen Struktur der Gesellschaft.

Die Produktionsverhältnisse sind abhängig vom Stand der Produktivkräfte, als vom gesamten geistigen und materiellen Potential, das eine bestimmte Gesellschaft in der Arbeit für ihre Reproduktion zu entwickeln und anzuwenden in der Lage ist.

- "Vor allen diesen Gebilden, die zunächst als Produkte des Kopfes sich darstellten und die menschlichen Gesellschaften zu beherrschen schienen, traten die bescheideneren Erzeugnisse der arbeitenden Hand in den Hintergrund; und zwar um so mehr, als der die Arbeit planende Kopf schon auf einer sehr frühen Entwicklungsstufe der Gesellschaft (z.B. schon in der einfachen Familie) die geplante Arbeit durch andre Hände ausführen lassen konnte als die seinigen."

- "Dem Kopf, der Entwicklung und Tätigkeit des Gehirns wurde alles Verdienst an der rasch fortschreitenden Zivilisation zugeschrieben; die Menschen gewöhnten sich daran, ihr Tun aus ihrem Denken zu erklären, anstatt aus ihren Bedürfnissen (die dabei allerdings im Kopf sich widerspiegeln, zum Bewußtsein kommen) und so entstand mit der Zeit jene idealistische Weltanschauung, die namentlich seit Untergang der antiken Welt die Köpfe beherrscht hat."

- "Die Tiere, wie schon angedeutet, verändern durch ihre Tätigkeit die äußere Natur ebensogut, wenn auch nicht in dem Maße wie der Mensch, und diese durch sie vollzogenen Änderungen ihrer Umgebung wirken, wie wir sahen, wieder verändernd auf ihre Urheber zurück. Denn in der Natur geschieht nichts vereinzelt.

[...]

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Details

Titel
Friedrich Engels - Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
Autor
Jahr
1998
Seiten
9
Katalognummer
V98863
ISBN (eBook)
9783638973144
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Engels, Marx, Arbeit, Arbeitsbegriff, Tätigkeit
Arbeit zitieren
David Janzen (Autor), 1998, Friedrich Engels - Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98863

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