Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat dieses neurechte Netzwerk einflussreiche Stiftungen, Vereine, Medien und Kampagnen-Plattformen heranwachsen lassen, welche Anschlüsse an die gesellschaftliche Mitte schafft. Aufgrund dieser alarmierenden Erkenntnis erforscht diese Arbeit die Ziele und Strategie der sogenannten Neuen Rechte. Primär wird der Frage nachgegangen, ob und wie diese neurechten Akteure ihr antidemokratisches Ziel einer ‚kulturellen Hegemonie‘ innerhalb des Kulturbereichs der Musik propagieren. Im Vordergrund steht die Hypothese, dass die Neue Rechte die Nische des aufsteigenden Musiktrends des Deutsch-Rap missbraucht, um ihre rechtsextreme Ideologie besonders in der Jugendszene zu verbreiten. Zur Überprüfung dieser Annahme werden in dieser Arbeit drei aufeinander aufbauende theoretische Bausteine behandelt.
Der erste Teil befasst sich mit dem Konstrukt der Neuen Rechten und ergründet ihre Struktur, ihre Intentionen sowie ihre Vorgehensweisen. Im nächsten Schritt werden die Grundlagen der Entstehung von Identitäten mit dem Schwerpunkt des rechtsextremen Verständnisses einer ‚deutschen Identität‘ thematisiert. Da Jugendliche während der Entwicklung ihrer Identitäten äußerst beeinflussbar sind, wird die sensiblen Adoleszenzphase im Rahmen dieser Arbeit besonders beachtet. Der dritte theoretische Baustein erörtert die künstlerische Entstehung des (Deutsch)- Rap als Sprachrohr für diskriminierte Minderheiten. Die daraus entstehende Paradoxie des ‚Rechten-Rap‘ soll die intellektuelle Vorgehensweise der Neuen Rechten nachweislich demonstrieren. Nach diesen theoretischen Annäherungen wird im letzten Teil der Arbeit mittels einer Textanalyse eines aufstrebenden Künstlers der neurechten ‚Deutschen-Rap‘-Szene die oben genannte Hypothese überprüft. Dafür wird der Text auf die zuvor erörterten Muster untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es den Blick für die Gefahr des stillen, aber omnipräsenten neurechten Netzwerks zu weiten, um auf dieser Grundlage rechtzeitig präventive wissenschaftliche Maßnahmen entwickeln zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Die ‚neue‘ Gefahr von Rechts: Entwicklung, Intentionen, Strategie
2.1. Intellektuelle Rechtsextreme und der Kampf um die Köpfe
2.2. Strategie der Sprache und Rhetorik
Zwischenfazit
3. Adoleszenz, Identität und Identifikation im rechten Netzwerk
3.1. Adoleszenz und Identität
3.2. Identifikation und die verzehrte Wahrnehmung von Identität der Neuen Rechten
Zwischenfazit
4. ‚Deutscher-Rap‘ als neurechtes Instrument
4.1. Deutsch-Rap: Die „Stimme der Migranten“
4.2. ‚Deutscher-Rap‘: Die Stimme der Neuen Rechten
Zwischenfazit
5. „Reconquista der Jugend“
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und wie Akteure der sogenannten Neuen Rechten den Musiktrend „Deutsch-Rap“ instrumentalisieren, um ihre rechtsextreme Ideologie und das antidemokratische Ziel einer „kulturellen Hegemonie“ innerhalb der Jugendszene zu verbreiten. Dabei wird analysiert, wie durch Sprache, Rhetorik und die Konstruktion einer exklusiven „deutschen Identität“ versucht wird, rechtsextreme Denkmuster in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
- Strategien der Neuen Rechten zur kulturellen Einflussnahme
- Entwicklung und Bedeutung der Adoleszenzphase für Identitätsbildungen
- Die Rolle von Musik als Sprachrohr und politisches Instrument
- Textanalyse rechtsextremer Rapper wie Chris Ares
- Gefahren der Indoktrination durch neurechte Netzwerke
Auszug aus dem Buch
4.2. ‚Deutscher-Rap‘: Die Stimme der Neuen Rechten
Besonders erfolgreich in den iTunes-Charts ist derzeit eine neue Form des Deutsch-Rap. Der Newcomer Künstler Chris Ares, bürgerlich Christoph Aljoscha Zloch, unterscheidet sich in seinen Texten fundamental vom klassischen Straßen-Rap/Gangster-Rap. Der vom Verfassungsschutz beobachtete Künstler spricht bewusst vom ‚Deutschen-Rap‘ statt ‚Deutsch-Rap‘, um sich grundlegend von der migrantisch geprägten ‚Gangster-Rap‘-Szene abzugrenzen. Seine Musikrichtung beschreibt er als „konservativ, rechts der Mitte“. Ares Intention ist es, die Jugend vor dem ‚Migranten-Rap‘ zu bewahren, da diese lediglich über „Drogenmissbrauch, Frauenverkauf und Mord“ rappen und somit „die Köpfe unserer Kleinsten indoktrinieren“.
Auch äußert er sich zu seiner Musik in einem Interview mit Dubravko Mandic wie folgt: „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht metapolitisch zu wirken- sprich mit meiner Musik nach außen und nach vorne zu treten, um, ich möcht‘ nicht sagen indoktrinieren, um die Köpfe der Jugend zurück zu ergattern. Ich nenne das ‚Reconquista der Jugend‘.“
Und weiter heißt es: „[…] habe ich‘s mir zu Aufgabe gemacht […] in Form meiner Musik und in Form meiner Texte […] positives [zu] vermitteln […]: Keine Drogen, Bildung, Disziplin also all das wofür die Deutschen Jahrhunderte gestanden haben […].“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt den gesellschaftlichen Kontext des Rechtsrucks und stellt die Hypothese auf, dass die Neue Rechte den Deutsch-Rap als Nische für ihre Ideologie nutzt.
2. Die ‚neue‘ Gefahr von Rechts: Entwicklung, Intentionen, Strategie: Dieses Kapitel definiert die Neue Rechte als intellektuelles Netzwerk, das durch kulturelle Hegemonie und gezielte Sprache die Demokratie unterwandern will.
3. Adoleszenz, Identität und Identifikation im rechten Netzwerk: Hier wird dargelegt, wie die sensible Entwicklungsphase der Adoleszenz von rechtsextremen Akteuren genutzt wird, um durch eine exklusive „deutsche Identität“ Bindung und Identifikation zu erzeugen.
4. ‚Deutscher-Rap‘ als neurechtes Instrument: Dieses Kapitel beleuchtet den Kontrast zwischen dem klassischen „Migranten-Rap“ als Stimme der Diskriminierten und dem „Deutschen-Rap“ als rechtes Instrument zur Indoktrination der Jugend.
5. „Reconquista der Jugend“: Der Abschnitt finalisiert die Analyse, indem er die Strategien der „Reconquista“ im Kontext des rechtsextremen Kampfes um kulturelle Vorherrschaft zusammenführt.
Schluss: Das Fazit bestätigt die Hypothese der Arbeit und mahnt, dass die geistige Einflussnahme auf Jugendliche eine ernstzunehmende Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellt.
Schlüsselwörter
Neue Rechte, Deutsch-Rap, Adoleszenz, kulturelle Hegemonie, Identität, Rechtsextremismus, Reconquista der Jugend, Indoktrination, Kampf um die Köpfe, Ethnopluralismus, Antiliberalismus, Gesellschaft, Musikinstrumentalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Strategien der Neuen Rechten, den Musiktrend „Deutsch-Rap“ zu nutzen, um rechtsextreme Ideologien in der Jugendszene zu verbreiten und ein antidemokratisches Weltbild zu etablieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Geschichte und Arbeitsweise der Neuen Rechten, entwicklungspsychologische Grundlagen der Adoleszenz sowie die soziopolitische Funktion von Musikstilen im Kontext von Identitätsfindung und Rassismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Überprüfung der Hypothese, dass rechtsextreme Akteure eine „kulturelle Hegemonie“ anstreben, indem sie die Nische des Deutsch-Rap missbrauchen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse politischer Konstrukte und eine begleitende Textanalyse von ausgewählten Songtexten des Künstlers Chris Ares.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden das Konstrukt der Neuen Rechten, die Bedeutung von Identität in der Jugendphase und die strategische Vereinnahmung des Rap-Genres durch rechte Akteure detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem „Neue Rechte“, „Kulturrevolution von Rechts“, „Adoleszenz“, „Reconquista“ und „Identität“.
Wie unterscheidet sich der analysierte „Deutsche-Rap“ vom klassischen Gangster-Rap?
Der „Deutsche-Rap“ (nach Chris Ares) grenzt sich bewusst von den migrantisch geprägten Wurzeln des Genres ab und versucht stattdessen, konservative, national orientierte Werte wie „Stolz“ und „Heimatliebe“ als Gegenentwurf zu propagieren.
Welche Rolle spielen „Feindbilder“ in der untersuchten Musik?
Die Texte nutzen gezielt Feindbilder wie „den Migranten“ oder den „Islam“, um eine vermeintliche Bedrohung der ethnokulturellen Kontinuität aufzubauen und so die Notwendigkeit für einen „Widerstand“ oder eine „Reconquista“ zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Ines Wafa Boebers-Salim (Autor:in), 2020, "Deutscher-Rap" als Gefahr für die Jugend. Die neurechte Kulturrevolution in der deutschen Hip-Hop Szene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988771