Konvergenz und Divergenz von Einkommen. Modelle der Wachstumstheorie und deren Wirksamkeit in der Praxis


Akademische Arbeit, 2020

47 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Definition Einkommenskonvergenz und –Divergenz
2.1.1 Absolute und bedingte Konvergenz
2.1.2 Beta/Sigma Konvergenz
2.1.3 Klubkonvergenz
2.2 Definition der Wachstumstheorie

3. Die Wachstumstheorie der Einkommen
3.1 Neoklassische Wachstumstheorie
3.1.1 Solow-Modell
3.1.2 Romer Modell
3.1.3 Ramsey-Modell
3.2 Neue Wachstumstheorie
3.2.1 Ziele der neuen Wachstumstheorie
3.2.2 AK Modell
3.3 Unified Growth Theory
3.4 Vorläufige Zusammenfassung der Wachstumstheorien

4. Relevante Forschungsergebnisse und Ländervergleiche
4.1 Aktuelle empirische Untersuchungen zur Einkommenskonvergenz und -divergenz
4.2 Ländervergleiche unter Bezug zum Einkommenswachstum
4.3 Erklärungsversuche und Schlussfolgerungen
4.4 Die Ökonomietheorie versus die Verhaltensökonomie

5. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Solow- Modell Quelle: Slideplayer.org

Abbildung 2 Romer Modell. Quelle: Romer 1990

Abbildung 3 Entlohnung versus Population England

Abbildung 4 Leistungsüberschüsse. EWU Quelle: Ifo

Abbildung 5 Investitionstätigkeiten Quelle: Ifo- Studie S.5.

Abbildung 6 Wachstum der Länder, Quelle: Ifo- Studie S. 5.

Abbildung 7 Einkommen der oberen 10% Ungleichheitsverteilung

Abbildung 8 Jährliches BIP- pro- Kopf- In China 1978-2018

Abkürzungsverzeichnis

BIP- Bruttoinlandsprodukt

EU- Europäische Union

OECD- Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

MIP- Macroeconomic Imbalance Procedure

1. Einleitung

Innerhalb von unterschiedlichen Regionen der Welt, entstehen unterschiedliche Einkommen und Einkommensdisparitäten für die dort leben Menschen. Auch innerhalb der europäischen Union konnte dieser Effekt anhand der Nord- Süd Staaten vergleiche zunehmend beobachtet werden. Die unterschiedlichen Einkommen der Staaten resultieren dabei aus unterschiedlichen Wettbewerbs- und Preissituationen innerhalb der Staaten. Stellte man Staaten innerhalb einer Wirtschaftszone wie etwa der Europäischen Union (EU) gegenüber, lässt sich vergleichen, ob die Entwicklung von Einkünften simultan ansteigen (konvergent) oder ungleich wachsen (Divergent) ist.

Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Untersuchung von Einkommenskonvergenz und Einkommensdivergenz. Innerhalb der Volkswirtschaftslehre gehen Ökonomen mittels unterschiedlicher Modelle der Frage nach, inwiefern das Wachstum von Einkommen begründet werden kann und welche möglichen Ursachen für diesen Effekt verantwortlich sind.

Innerhalb des voran gegangenen Jahrhunderts entwickelte die Industrialisierung in den damaligen Industriestaaten eben jenen Effekt, welcher heute durch die internationale Globalisierung zu beobachten ist. Unter dem Gesichtspunkt eines weltweiten Wachstums kann die Fragestellung aus wissenschaftlicher Hinsicht begründet werden, inwiefern die theoriegeleiteten Modelle des Wachstums innerhalb der Realwirtschaft funktionieren und nachgewiesen werden können. Aus diesem Anlass setzt sich die vorliegende Arbeit das Ziel Wachstumsmodelle aus theoretischer Sicht zu betrachten und deren Relevanz im Bezug zur Einkommenskonvergenz und Divergenz in der Realwirtschaft nachzuvollziehen.

Die Modelle lehnen sich dabei grundsätzlich an die theoretische Untersuchung von ökonomischen Wachstum innerhalb von Volkswirtschaften an und sind im Weiteren oft an vorangegangene Theorien und Abhandlungen geknüpft. Verschiedene Ökonomen setzten dabei unterschiedliche Ansätze von endogenen oder exogenen Wachstumsfaktoren für Angleichungen des Einkommens und Vermögens innerhalb von Volkswirtschaften an. Um der Zielsetzung der Arbeit nachhaltig nachkommen zu können, widmet sich das folgende zweite Kapitel der Arbeit der grundsätzlichen Definitionen von innerhalb der Arbeit relevanten Begriffen und Modellen.

Ferner soll das Kapitel eine thematische Abgrenzung innerhalb der Wissenschaft der Volkswirtschaftslehre darstellen und definieren. Unter dem Gesichtspunkt der empirischen Forschung widmet sich das dritte Kapitel der Untersuchung von existierenden Theorien und volkswirtschaftlichen Modellen, welche im Laufe der Zeit entstanden sind. Dabei werden nicht nur die Modelle per se behandelt, sondern es soll auch die konkrete Herleitung der Berechnungen dieser stattfinden.

Um der wissenschaftlichen Relevanz der Arbeit nachkommen zu können widmet sich das vierte Kapitel der Untersuchung von Einkommenskonvergenz und Divergenz innerhalb der Realwirtschaft. Dabei werden verschiedene Studien und Abhandlungen aus relevanten Journals zu Rate gezogen und Statistiken weitestgehend untersucht und verglichen. Zielsetzung ist es dabei zu ermitteln ob die theoretischen Modelle innerhalb der Realwirtschaft nachgewiesen werden können.

2. Definitionen

Das vorliegende Kapitel 2 dient der erstmaligen Definition und Einführung in die Thematik der Einkommenskonvergenz. In den nachfolgenden Unterkapiteln erfolgt aufgrund der nicht einheitlichen Definition der Begriffe in der Literatur und Empirie zum Wirtschaftswachstum die Definition und Abgrenzung der Begriffe der Einkommenskonvergenz und –Divergenz, der absoluten und bedingten Konvergenz, der Beta- und Sigma-Konvergenz, aber auch der Klubkonvergenz. Zudem werden die Grundzüge der Wirtschaftstheorie in Kürze aufgeführt.

2.1 Definition Einkommenskonvergenz und –Divergenz

Im mathematischen Kontext ist von einer sogenannten Konvergenz die Rede, wenn eine Funktion, Folge oder Reihe sich einem spezifischen Wert annähert. Ähnlich ist auch die Bedeutung des Terminus im wirtschaftlichen Kontext.

Der Begriff der Konvergenz umfasst im Bereich der Ökonomie im Allgemeinen eine Angleichung des Entwicklungsniveaus spezifischer Strukturmerkmale von Volkswirtschaften1. Diese kann sich auf die Wirtschaftskraft von Ländern, aber auch von bestimmten Regionen beziehen. In diesem Zusammenhang wird davon ausgegangen, dass die Preise für dasselbe Einkommen auf Grundlage der Wachstumstheorie in verschiedenen Ländern sich angleichen. Die Konvergenz beschreibt allerdings nicht nur die Veränderungen zwischen dem Wirtschaftswachstum unterschiedlicher Volkswirtschaften, sondern beschreibt zudem auch die länderbezogenen Prozesse bei der Transformation zu ihrer Balance2.

Die Divergenz bezeichnet den gegenteiligen Vorgang. Bezogen auf das Einkommen entwickelten sich diverse ökonomische Modelle die Mithilfe direkter und indirekter Berechnungen des volkswirtschaftlichen Zusammenlebens eine Angleichung der Einkommen über das Wachstum beschreiben3. Die Modelle befassen sich dabei grundsätzlich mit unterschiedlichen Faktoren und Produktionsfaktoren, die das Wachstum innerhalb einer Volkswirtschaft beschreiben sollen. Im Kontext dieser Arbeit werden die Modelle im nachfolgenden dritten Kapital betrachtet und dargestellt.

Die Modelle bzw. die allgemeine Definition von Divergenz und Konvergenz unterscheidet im Weiteren zwischen endogenen und exogenen Faktoren4. Endogene Faktoren entstehen dabei aus dem inneren heraus, wobei im Kontext dieser Arbeit von Faktoren innerhalb eines Modells die Rede ist. Per Definition entsteht dabei Wachstum aus dem inneren einer Volkswirtschaft heraus und dieses lediglich durch die Komponenten des jeweiligen Modells. Exogenes Wachstum beschreibt Faktoren, die von außen einen Einfluss auf das Wachstum haben. Diese äußeren Faktoren stellen Schlüsselprozesse für Modelle dar, die das Wachstum innerhalb einer Volkswirtschaft von außen beeinflussen, ohne die Faktoren des Modells zu beeinflussen.

2.1.1 Absolute und bedingte Konvergenz

Das vorliegende Kapitel dient der Präsentation der Begriffe der absoluten sowie bedingten Konvergenz.

Die Kernüberlegung der absoluten Konvergenz hat dabei ihren Ursprung in der sogenannten neoklassischen Wachstumstheorie (Vgl. Kapitel 3.1). Es wird dabei unter Ausschluss der Betrachtung diverser struktureller Kenngrößen, wie das Bevölkerungswachstum, Sparquote uvm. davon ausgegangen, dass das Pro-Kopf-Einkommen wirtschaftsschwacher Volkswirtschaften schneller wächst als das der wohlhabenden Nationen5. Als Grundlage für diese Überlegung dient der Ansatz, dass alle Volkswirtschaften durch ein analoges langfristiges Wachstumsgleichgewicht geprägt sind. Die eigentliche Konvergenz resultiert dabei durch die Reduktion der Grenzerträge des wirtschaftlichen Produktionsfaktors Kapital. Dieser spielt innerhalb der Theorie eine entscheidende Rolle6.

Es wird davon ausgegangen, dass die Grenzerträge des Produktionsfaktors Kapital dann immer weiter zunehmen, wenn der bestehende sogenannte initiale Kapitalstock, der das jahresdurchschnittliche Bruttoanlagevermögen einer Volkswirtschaft angibt, sich zunehmend vom Wachstumsgleichgewicht entfernt7. Insofern resultiert eine negativ bedingte Korrelation aus dem Ausgangsniveau des pro-Kopf-Einkommens (BIP) und den anschließenden Wachstumsraten. Eine derartige Überlegung ist allerdings nur bei der Analyse homogener volkswirtschaftlicher Gruppen zulässig.

Im Gegensatz dazu ist von einer sogenannten bedingten Konvergenz die Rede, wenn davon ausgegangen wird, dass Volkswirtschaften über verschiedene Charakteristika verfügen und auf dieser Grundlage deren langfristige Wachstumsgleichgewichtszustände sich voneinander geringfügig unterscheiden. Insofern lautet die Hypothese der bedingten Konvergenz, dass das wirtschaftliche Wachstum eines Landes umso schneller voranschreitet, je weiter diese sich von ihrem Gleichgewichtszustand entfernt.8 Folglich ist unter Berücksichtigung dieser Annahmen möglich, dass wohlhabende Volkswirtschaften aufgrund des langfristig höheren stationären Zustandes im Rahmen eines Anpassungsprozesses zum Gleichgewichtszustand ein durchaus schnelleres Wachstum verzeichnen als Ärmere. Trotz der langfristigen Anpassung der Wachstumsraten nach der Erzielung des Gleichgewichtszustandes, fehlt die Konvergenz der Pro-Kopf-Einkommen.9

2.1.2 Beta/Sigma Konvergenz

Im Kern beschreibt die Beta Konvergenz, die ebenfalls auf der neoklassischen Wachstumstheorie basiert, das schnellere Wachstum wirtschaftlich schwacher Volkswirtschaften als das der wohlhabenderen Länder.10 Dies wird in den nachfolgenden Abschnitten näher beleuchtet.

Die in Kapitel 2.1.1 aufgezeigten absoluten und bedingten Konvergenzen werden im Rahmen von empirischen Analysen als eine Variation der Beta Konvergenz eingesetzt.11 Im Zusammenhang mit dem statistischen Analyseverfahren der Regressionsanalyse dient der β - Koeffizient der Erfassung des Verhältnisses zwischen dem initialen Einkommensniveau sowie der Wachstumsrate.12 Er offeriert die Evaluation der Konvergenz innerhalb einer volkswirtschaftlichen Gruppierung.

Die nachfolgende Graphik stellt die Beta-Konvergenz der Ergebnisse einer volkwirtschaftlichen Auswahl für einen Zeitraum von 1950 bis 2012 dar.13 An dieser Stelle ist bereits die negative Korrelation zu verzeichnen Dabei basiert die Ermittlung der beta-Konvergenz auf der Gegenüberstellung der durchschnittlichen Wachstumsraten des realen BIP-pro-Kopf sowie dem logarithmierten realen BIP-pro-Kopf innerhalb der Ausgangsperiode.

Abbildung 1: Veranschaulichung der Beta-Konvergenz innerhalb der EU-15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2013)

Zur besseren Veranschaulichung wird in den nachfolgenden Abschnitten ein Beispiel einer Regressionsgleichung für einen sogenannten Zwei-Perioden-Fall aufgeführt. Als Voraussetzung wird dabei angenommen, dass wenn β größer null ist, eine negative Korrelation und folglich eine Konvergenz besteht. Dabei wird zudem angenommen, dass je höher dieser Koeffizient ist, die Konvergenz umso stärker ist14.

Zur genauen Untersuchung der Hypothese der bedingten Konvergenz werden jegliche Faktoren, die sich auf das Wachstumsgleichgewicht einer Volkswirtschaft auswirken, konstant gehalten. Dadurch besteht die Möglichkeit der genauen Analyse der Korrelation des BIP-pro-Kopf im Anfangszeitpunkt und den darauffolgenden durchschnittlichen Wachstumsraten.15

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Aussagen über die Verteilung der BIP-pro-Kopf über eine Ländergruppe zu tätigen.

Für diese Zwecke wird das sogenannte Sigma-Konvergenz Konzept genutzt. Die Kenngröße Sigma σ ermöglicht es dabei die relative Abweichung des pro-Kopf-Einkommens festzustellen und somit die Streuung des Wohlstandes im Rahmen einer Ländergruppe zu messen.16 Zur Ermittlung der Abweichung wird ein Streuungsmaß der realen BIP-pro-Kopf den einzelnen Volkswirtschaften genutzt. Die Sigma Konvergenz tritt folglich dann ein, wenn das Streuungsmaß sich im Zeitablauf signifikant reduziert.

Die Sigma Konvergenz im BIP-pro-Kopf Niveau wird von der Beta Konvergenz zunehmend befördert. Die Beta Konvergenz stellt dabei zwar eine erforderliche, allerdings keine hinreichende Voraussetzung für die Sigma Konvergenz dar.17 Ursachen hierfür können zum einen die signifikante Steigerung der Kenngröße Sigma durch Ereignisse, wie Schocks oder auch das schnelle Wachstum wohlhabender Volkswirtschaften im Vergleich zu armen Ländern im Zusammenhang mit der bedingten Konvergenz sein.18

2.1.3 Klubkonvergenz

William J. BAUMOL wurde nach der Ausführung einer der ersten Konvergenzuntersuchungen in den 1980er-Jahren zum Begründer des Konzeptes der sogenannten Klubkonvergenz.

Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit konnte BAUMOL zwar bei der Analyse der Bruttoinlandsprodukte der 1950er-Jahre sowie der Wachstumsraten zwischen 1950 und 1980 von über 72 Volkswirtschaften keine absolute Konvergenz eruieren, allerdings ermittelte er die Konvergenz der Pro-Kopf-Einkommen der Volkswirtschaftsgruppen Industrieländer, Ländermit mäßigem Einkommen und Entwicklungsländer, die als die sogenannten Klubs bezeichnet wurden.19

Ferner stellte BAUMOL fest, dass zwischen den Gruppierungen nahezu keine Konvergenz besteht. Ursachen einer derartigen Cluster-Bildung sind analoge Basisvoraussetzungen der Volkswirtschaften.20 Im Wesentlichen beziehen diese sich auf das Pro-Kopf-Einkommen, das bestehende Human- und Sachkapital, die geografische Lage und die Einkommensdistribution in einer Volkswirtschaft. Eine mögliche Konsequenz dieser Umstände ist die Verharrung der Klubs in einem sogenannten Wachstumsgleichgewicht, der ebenfalls als Steady State bezeichnet wird.21

Infolgedessen können nicht nur mehrere stationäre Zustände entstehen, sondern es können auch Volkswirtschaften mit analogen strukturellen Kenngrößen von ihrem Steady State abweichen.22 Inwiefern es einer Volkswirtschaft gelingt die bestehende Gruppierung, wie beispielsweise die ärmeren Entwicklungsländer zu verlassen und zu einer anderen Gruppierung, wie den wohlhabenden Industrienationen zu konvergieren, basiert auf der Überlegung, ob die Volkswirtschaft es schafft durch die Anhäufung von Human- und Sachkapital einen spezifischen Grenzwert zu übertreffen. Eine derartige Passage führt zu einer generellen Verschiebung der volkswirtschaftlichen Produktivität und als Konsequenz zu einer höheren Einkommensklasse pro Kopf23.

2.2 Definition der Wachstumstheorie

Innerhalb der Volkswirtschaftslehre existiert nicht die Wachstumstheorie, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien.

Im Allgemeinem versteht man unter dem Begriff der Wachstumstheorie jegliche Arbeiten, die analysieren, von welchen Faktoren in welcher Weise und Intensität die ökonomische Entwicklung eines Landes beeinflusst wird.24 Folglich handelt es sich hierbei im Kern um die Erklärung mittels verschiedener Ansätze der Ursachen des Wirtschaftswachstums sowie die allgemeine Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung einer Volkswirtschaft.

Unter dem Begriff des Wirtschaftswachstums versteht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie dabei “die Änderung des Bruttoinlandprodukts (abgekürzt als BIP), also die in Werten ausgedrückte Summe, der in einer Volkswirtschaft produzierten ökonomischen Güter, von einer Periode zur Nächsten”.25 Dabei basieren alle Wachstumstheorien zur Quantifizierung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes auf dem klassischen Indikator für wirtschaftliches Wachstum - dem Bruttoinlandprodukt unter Berücksichtigung der Pro-Kopf-Betrachtung26.

Die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft impliziert die Beobachtung eines langfristigen Zeitraums. Insofern steht vor allem die Analyse der Produktionspotentialdifferenz eines Landes im Fokus der Betrachtung. Im Wesentlichen werden im Rahmen von Wachstumstheorien nicht nur die funktionalen Korrelationen zwischen dem Einsatz der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Boden und Wissen in Produktionsprozessen in einem Land sowie dem auf dieser Grundlage erzielten Output aufgezeigt, sondern darüber hinaus auch die Entstehung und Entwicklung dieser Faktoren formuliert.

Die Wachstumstheorie geht ferner von der Überlegung aus, dass das wirtschaftliche Wachstum einer Volkswirtschaft eine Einkommenssteigerung als Konsequenz verursachen kann27.

Diese Hypothese wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit überprüft.

Dabei bedarf es der Berücksichtigung der länderbezogenen Faktoren, die unterschiedliche Einflüsse auf das Wirtschaftswachstum haben. Hierzu zählen beispielsweise die Abweichungen der Pro-Kopf-Einkommen im Ländervergleich, die Entwicklung der Wachstumsraten in Abhängigkeit vom zeitlichen Rahmen und die Differenzierung, ob es sich um Schwellen- oder Industrienationen handelt.

3. Die Wachstumstheorie der Einkommen

Die klassische Wachstumstheorie zeigt sich in der Regel ein Zweig der Volkswirtschaftslehre, dessen Ziel es ist, Erklärungen und Ursachenforschung für das Wirtschaftswachstum innerhalb von Volkswirtschaften zu erklären. Dabei orientiert sich die überwiegende Mehrheit der Theorien anhand der Unterscheidung von kurzfristigen und langfristigen Aussagen über die mögliche wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft. Dabei entstanden innerhalb der vergangenen Jahre unterschiedliche Ansätze über das Wachstum von Volkswirtschaften, welche durch Ökonomen erarbeitet worden sind. Um den theoretischen Teil der Arbeit darzustellen wird im Folgenden auf die Modelle eingegangen.

3.1 Neoklassische Wachstumstheorie

Die neoklassische Wachstumstheorie entstammt in ihren Ursprüngen der gleichnamigen Wirtschaftstheorie und Ökonomie. Die neoklassische Ökonomietheorie löste dabei zunächst die vorangegangene Nationalökonomie zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ab und wurde seitdem mit Unterbrechung durch den Keynisianismus bis heute in vielen Teilen der westlichen Welt fortgeführt. Dabei beruhte die Grundlagenforschung der Theorie ebenso wie der zugehörigen Wachstumstheorie in großen Teilen auf den Ökonomen MARSHALL, JEVONS und WALRAS28. Einige der wichtigsten Leitlinien der neoklassischen Theorie stellen dabei die folgenden Punkte dar:
- Marginalprinzip anhand von Produktionskosten
- Methodischer und politischer Individualismus
- Annahme des rational denken Menschen (homo oeconomicus)29

Dem Prinzip des homo oeconomicus nach werden alle Individuen einer Volkswirtschaft seien es Menschen oder Unternehmen, stehts danach streben, der eigenen Nutzenmaximierung zu folgen30. Dieser Aspekt ist besonders bedeutsam im Hinblick auf die Betrachtungen zur vollkommenden Konkurrenz in oligopolen neoklassischen Märkten. Die neoklassische Wachstumstheorie legt dabei nahe, dass innerhalb der Volkswirtschaft eine stetige vollständige Konkurrenz herrscht, die durch flexible Güter, Preis und Produktionsfaktoren gekennzeichnet ist31. Der Vergleich des Prinzips des homo oeconomicus und der vollkommenden Konkurrenz legt dabei nahe, dass Volkswirtschaftliches Wachstum letztlich auf die Nutzenmaximierung der Unternehmen und die volkswirtschaftlichen Individuen zurückzuführen ist. Dabei kann unter anderem der Blickwinkel auf die Verhaltensökonomie gelegt werden, unter dessen Prämissen anzunehmen ist, dass Unternehmen durch die Konkurrenzsituation verstärkt innovativ arbeiten oder Nischen erarbeiten, um profitabel und wettbewerbsorientiert und somit nutzenmaximierend zu arbeiten32. Daraus abzuleiten ist auch der theoretische Aspekt eines dauerhaften Wachstums innerhalb der neoklassischen Wachstumstheorie. Fortlaufende Konkurrenz zwingt die Marktakteure dabei laufend innovativ zu sein, um dem entsprechenden Wettbewerbsdruck folgen zu können, laufende Innovationen führen dabei zu dauerhaftem Wachstum33.Die Theorie der Neoklassik würde daher ein konvergentes Wachstum innerhalb einer Volkswirtschaft damit begründen können, da die Akteure der Volkswirtschaft laufend ihren persönlichen Nutzen maximieren würden und somit durch die Schaffung von Innovation das Einkommen steigern würden. Somit entsteht das Wachstum innerhalb der neoklassischen Theorie aus exogenen Faktoren wie dem Marktdruck heraus. Wilhelm ordnet der neoklassischen Wachstumstheorie im Weiteren die „stilisierenden Längsschnittfakten“, welche sich durch:
- Keinen Trend der Spar oder Investitionsquoten
- Steigenden Trend des Reallohns
- Steigender Trend der Kapitalintensität
- Output wächst schneller als Input
- Kein Trend eines Realzinses
- Kein Trend der funktionalen Einkommensverteilung34

Somit legt die neoklassische Theorie unter den Parametern von Produktionsfaktoren, Sparquoten und Bevölkerungswachstum eine bedingte Konvergenz mittels Angleichung der internationalen Volkswirtschaften nahe.

Als Gegenstück zur neoklassischen Wachstumstheorie entwickelte sich in den 1980er Jahren auch die endogene Wachstumstheorie35. Diese beschreibt das Wachstum primär über die Faktoren der Produktivität in Hinsicht auf wachsenden technologischen Fortschritt und anwachsendem Humankapital. Die endogene Wachstumstheorie bezieht das entstehende Wachstum dabei aus dem Modell heraus, da Unternehmen dauerhaft für die Innovationskraft und damit der Steigerung der Produktivität verantwortlich sind. Dabei forcierte ein besonderer Ansatz der endogenen Theorie jenen Ansatz, wonach die Steigerung von industriellem Know- How bei Arbeitskräften zu einer Grenzproduktivität führt und somit eine Steigerung des Realkapitals (Reallohn) zu erwarten wäre. Eng verbunden mit Einkommenskonvergenz und Divergenz ist auch die Spartheorie, welche im nachfolgenden Abschnitt anhand des Solow Modells dargestellt und illustriert werden soll. ist auch die Spartheorie, welche im nachfolgenden Abschnitt anhand des Solow Modells dargestellt und illustriert werden soll.

3.1.1 Solow-Modell

Im Rahmen des Solow Modelles müssen daher zunächst die folgenden Begrifflichkeiten nachhaltig definiert werden, welche zum einen die Produktionsfunktion und zum anderen die Kapitalakkumulation sind. Die Produktionsfunktion beschreibt das unternehmerische Verhalten, wonach Unternehmen dann Investitionen durchführen, wenn diese einen positiven (>0) Beitrag zum Gewinn des Unternehmens erwarten lassen und dabei als finanzierbar für das Unternehmen gelten36. Innerhalb der theoretischen Betrachtung wird dabei oft von einem Modell ausgegangen wonach, ein perfekter Kapitalmarkt vorliegt und ein Unternehmen unbegrenzte Kredite zur Verfügung hat. Somit beschreibt die Produktionsfunktion die Transformation von Inputfaktoren zu Outputfaktoren, welche formal mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dargestellt werden können. Y beschreibt dabei die Menge der produzierten Güter welche aus den Produktionsfaktoren Kapital (K) der Arbeit (L) entsteht. Die Kapitalakkumulation beschreibt innerhalb dieses Kontextes die Ansammlung von Kapital und die Kapitalbildung und Vergrößerung (Vermehrung) des Kapitals durch Investitionen zur Entwicklung des Kapitals.

Das Solow- Modell welches durch Robert SOLOW und Trevor SWAN (Oft auch Solow- Swan- Modell genannt), in 1956 begründet worden ist stellt ein Modell des ökonomischen Wachstums dar und stellt die Grundlage der neoklassischen Wachstumstheorie37 38.

Kernbestandteil des Modells bildet dabei das Wachstumsgleichgewicht (steady state), welches sich aus der Akkumulation von Kapital als Gleichgewicht für Investitionen und Abschreibungen zeigt. Kern des Modells ist dabei die Aussage, dass kleinere Volkswirtschaften zunächst Kapital akkumulieren (ansparen), um daraus Investitionen und somit höheres Wachstum zu erzeugen, bis ein langfristiges Gleichgewicht mit geringerem Wachstum zustande kommt (Beta- Konvergenz)39. Das Gleichgewicht (steady state) bildet in der Zukunft jenen Punkt, an dem das BIP- pro Kopf Wachstum = 0 entspricht. Weiteres Wachstum kann zum Zeitpunkt des Gleichgewichts nur noch von außen (exogen), wie etwa durch technologischen Fortschritt erfolgen40.

Nachfolgende Abbildung soll das Solow- Modell illustrieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Solow- Modell Quelle: Slideplayer.org

[...]


1 Vgl. Schmidt, 1997, S. 7.

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Hishow, 2014, S. 16.

4 Vgl. Felderer / Homburg, 2003, S.114 ff.

5 Vgl. Schmidt, 1997, S. 16.

6 Vgl. Ebd. S. 19.

7 Vgl. Holländer/ Vogt, 1967, S.65ff.

8 Vgl. Barro & Sala-i-Martin, 2004, S.33f.

9 Vgl. Frenkel & Hemmer, 1999, S.146.

10 Vgl. Baumol, 1986, S. 1079f.

11 Vgl. Ebd. S. 146.

12 Vgl. Islam, 2003, S.314.

13 Vgl. Goecke, 2013, S.5f.

14 Vgl. Goecke, 2013, o.S.

15 Vgl. Barro & Sala-i-Martin, 2003, S.35.

16 Vgl. Dowrick / Nguyen, 1989, o.S.

17 Vgl. Barro & Sala-i-Martin, 2004, S.446.

18 Vgl. Ebd. S.112

19 Vgl. Baumol, 1986, S.1079f.

20 Vgl. Galor, 2011, S.1056.

21 Vgl. Ebd.

22 Vgl. Galor, 2011, S.1061.

23 Vgl. Ebd.

24 Vgl. Bretschger, 2004, S. 8.

25 Vgl. BMWi, 2014, o.S.

26 Vgl. Ebd. o.S.

27 Vgl. Bretschger, 2004, S. 14.

28 Vgl. Felderer / Homburg 2003, S.114 ff.

29 Vgl. Jansen, 2004, 406ff.

30 Vgl. Ebd.

31 Vgl. Durlauf / Blume, 2010, S. 172ff.

32 Vgl. Thimmaraya / Venkateshwarlu, 2018, S. 49ff.

33 Vgl. Arnold, 1997, S. 97ff.

34 Vgl. Ebd.

35 Vgl. Dieboldt et al, 2016, S. 67ff.

36 Vgl. Gutenberg, 1979, S.93.

37 Vgl. Ebd. S.95.

38 Vgl. Barro/ Sala-i-Martin, 2004, S. 207ff.

39 Vgl. Ebd.

40 Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Konvergenz und Divergenz von Einkommen. Modelle der Wachstumstheorie und deren Wirksamkeit in der Praxis
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
47
Katalognummer
V988810
ISBN (eBook)
9783346360915
ISBN (Buch)
9783346360922
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konvergenz, Divergenz Einkommen, Einkommenskonvergenz, Romer- Modell, Solow Modell, Ramsey Modell, Unified Growth Theory, AK Modell, Neue Wachstumstheorie, Ökonomitheorie, Verhaltensökonomie, Spartheorie, Einkommesdivergenz
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Konvergenz und Divergenz von Einkommen. Modelle der Wachstumstheorie und deren Wirksamkeit in der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988810

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