In der folgenden Arbeit soll auf einige der wichtigsten Instanzen für die politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen näher eingegangen werden. Da es kaum möglich ist, alle Instanzen, die am Sozialisationsprozess beteiligt sind, im Rahmen dieser Arbeit zu thematisieren, stellen die im Verlauf der Arbeit beschriebenen Instanzen nur eine kleine Auswahl dar. Nach einer Begriffsbestimmung und der Klärung der Herkunft politischer Sozialisationsforschung werden die Instanzen weiter unterteilt. Neben Familie und Massenmedien steht die Instanz "Schule" im besonderen Fokus der Arbeit. Ziel ist es darzustellen, welchen Einfluss Schule auf die politische Sozialisation Heranwachsender ausübt.
Kindheit und Jugend sind ausschlaggebende Lebensabschnitte in denen Menschen ihre politische Identität entwickeln. Im Vordergrund steht in demokratischen Gesellschaften der Kompetenzerwerb bis hin zu einem "mündigen Bürger".
Durch Erziehung und Formung sollen Heranwachsende dazu befähigt werden, gemeinsam mit Älteren, eine funktionierende Gesellschaft durch ein geregeltes Zusammenleben zu bilden. Damit Kinder und Jugendliche ihre politischen Einstellungen und Handlungsbereitschaften entwickeln können, müssen sie sich produktiv mit ihrer sozialisatorischen Umwelt auseinandersetzen. Familie, Schule, Gleichaltrige und Massenmedien werden zu den einflussreichsten Vermittlern im Sozialisationsprozess gezählt. Sie alle sind in der Lage Kinder und Jugendliche in ihrem politischen Denken und Handeln zu beeinflussen.
Zur heutigen Zeit nimmt Schule im Lebens- und Erfahrungsraum von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Stellung ein. Durch die gesellschaftliche und historische Entwicklung eines öffentlichen und für alle zugänglichen institutionalisierten Bildungswesens erhält die heranwachsende Generation vielfältige Bildungschancen. Zu diesen Bildungschancen gehört auch der Erwerb grundlegenden politischen Wissens und die Ausbildung einer eigenen politischen Identität.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung und Ursprung der politischen Sozialisationsforschung
3 Unterteilung in Sozialisationsinstanzen
3.1 Primäre Sozialisation
3.1.1 Familie als primäre politische Sozialisationsinstanz
3.2 Sekundäre Sozialisation
4 Schule als politische Sozialisationsinstanz
4.1 Schulfach „Politische Bildung“
4.2 Heimlicher Lehrplan
4.3 Gleichaltrige als politische Sozialisationsinstanz
5 Massenmedien als Instanz politischer Sozialisation
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Instanzen der politischen Sozialisation von Kindern und Jugendlichen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Rolle der Schule sowie deren Einfluss auf die Ausbildung einer politischen Identität gelegt wird.
- Begriffsbestimmung und Ursprünge der politischen Sozialisationsforschung
- Analyse der primären Sozialisation durch die Familie
- Die Rolle der Schule als Ort der politischen Bildung und Sozialisation
- Bedeutung des „Heimlichen Lehrplans“ im schulischen Kontext
- Einfluss von Gleichaltrigengruppen auf politische Orientierungen
- Die Funktion der Massenmedien bei der politischen Meinungsbildung
Auszug aus dem Buch
4.2 Heimlicher Lehrplan
In der Schule finden viele verschiedene Sozialisationsprozesse statt. Auf einige wird bereits in den Lehrplänen verwiesen. Beispielsweise soll die Grundschule „als Lern und Lebensort […] die ihr anvertrauten Kinder zur Bewältigung lebenspraktischer Herausforderungen, zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben sowie zum lebenslangen Lernen [befähigen]“. (ISB 2014 ,S. 3).
Neben den Vorgaben der Lehrpläne, welche Kompetenzen bzw. Sozialisationsprozesse durch den schulischen Unterricht bei den Schülern angebahnt werden sollen, gibt es auch schulische Sozialisationsprozesse, die nicht explizit in den Lehrplänen festgehalten werden. Auch diese haben auf die Persönlichkeitsentwicklung und Lernerfahrungen von Schulkindern großen Einfluss. Diese Prozesse können als `Heimlicher Lehrplan` bezeichnet werden (vgl. Kandzora 1996, S. 71).
Die Institution Schule an sich erfüllt bereits gewisse Erziehungsfunktionen. In schulischen Strukturen, Organisationsformen und in den schulischen Abläufen ist bereits eine gesellschaftliche Funktionalität verborgen. Die Institution Schule hat außerdem eine gewisse Eigendynamik und Eigengesetzlichkeit (vgl. ebd.). Da die Institution Schule eine Einrichtung ist, die durch die Gesellschaft geprägt wird kann man auch vom ´Heimlichen Lehrplan der Gesellschaft` sprechen.
Die Schule ist eine politikabhängige Institution. Sie dient als eine Art Vermittlungseinrichtung politischer und gesellschaftlicher Systemreproduktion (vgl. ebd. S.75f.). Im Allgemeinen können den `Heimlichen Lehrplänen“ zwei grundlegende Effekte zugeschrieben werden. Einerseits die „Reduktion von Subjektivität in der institutionell typischen Verkehrung des Lernorts Schule zur Lehranstalt“ (ebd. S. 84) und andererseits „die Reduktion von Gesellschaftlichkeit im Bedeutungs- und Erfahrungsbezug schulischen Lernens.“ (ebd. S. 84f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung von Kindheit und Jugend für die Entwicklung der politischen Identität ein und definiert die Schule als zentrale Instanz für den Kompetenzerwerb zum mündigen Bürger.
2 Begriffsbestimmung und Ursprung der politischen Sozialisationsforschung: Hier werden der Begriff der politischen Sozialisation definiert und die historischen Wurzeln des Forschungsfeldes in den USA sowie dessen theoretische Einbettung in die Sozialwissenschaften erläutert.
3 Unterteilung in Sozialisationsinstanzen: Das Kapitel diskutiert die Problematik einer linearen Unterteilung in primäre und sekundäre Instanzen und stellt alternative Ansätze zur Betrachtung des lebenslangen Sozialisationsprozesses vor.
3.1 Primäre Sozialisation: Es wird die Phase der frühkindlichen Sozialisation in den ersten fünf Lebensjahren beschrieben, in der grundlegende soziale Fähigkeiten und ein erstes Selbst- und Gruppenbewusstsein entstehen.
3.1.1 Familie als primäre politische Sozialisationsinstanz: Dieses Unterkapitel analysiert die Familie als ersten Ort, an dem elementare politische Orientierungen und Handlungsdispositionen relativ beständig vermittelt werden.
3.2 Sekundäre Sozialisation: Hier wird der Sozialisationsprozess in außerfamiliären Systemen wie Kindergarten, Schule und Berufsbildung als essenziell für die Entwicklung zur Selbstständigkeit in der Gesellschaft behandelt.
4 Schule als politische Sozialisationsinstanz: Dieses Kapitel untersucht die Schule als Ort politischer Lernprozesse und reflektiert den wissenschaftlichen Wandel in der Einschätzung ihres Einflusses auf die politische Bildung von Schülern.
4.1 Schulfach „Politische Bildung“: Es werden die Ziele, Herausforderungen und die institutionelle Einführung des Schulfaches „Politische Bildung“ sowie die Schwierigkeit der isolierten Wirkungsanalyse diskutiert.
4.2 Heimlicher Lehrplan: Dieses Kapitel erläutert die nicht explizit in Lehrplänen festgeschriebenen, aber wirkungsvollen Sozialisationsprozesse in Schule und Gesellschaft, die die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder beeinflussen.
4.3 Gleichaltrige als politische Sozialisationsinstanz: Hier wird die Rolle der Peergroups bei der Vermittlung sozialer Kompetenzen und der Ausbildung politischer Orientierungen durch interaktive Willensbildungsprozesse analysiert.
5 Massenmedien als Instanz politischer Sozialisation: Das Kapitel beschreibt die Bedeutung von Massenmedien als einflussreiche Informationsquellen und ihre Rolle bei der politischen Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Vielfalt und gegenseitige Beeinflussung der Sozialisationsinstanzen zusammen und unterstreicht die besondere Relevanz von Schule und Gleichaltrigen im Jugendalter.
Schlüsselwörter
Politische Sozialisation, politische Identität, Sozialisationsinstanzen, Familie, Schule, Politische Bildung, Heimlicher Lehrplan, Gleichaltrige, Massenmedien, politische Meinungsbildung, Demokratie, Sozialwissenschaften, Lernprozesse, Jugendforschung, Handlungsdispositionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess der politischen Sozialisation von Heranwachsenden und untersucht die verschiedenen Instanzen, die dabei eine Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Familie als primärer Instanz, der Schule mit ihren expliziten und impliziten Lehrplänen, der Bedeutung von Gleichaltrigengruppen sowie dem Einfluss der Massenmedien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, darzustellen, welchen Einfluss insbesondere die Schule auf die politische Sozialisation und Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsarbeiten und Theorien zur politischen Sozialisation, um die verschiedenen Instanzen zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe definiert, die Sozialisationsinstanzen in primäre und sekundäre Bereiche unterteilt und detailliert auf Schule, Peergroups und Medien eingegangen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Politische Sozialisation, Politische Bildung, Sozialisationsinstanzen, Schule, Familie und Medien.
Was versteht der Autor unter dem „Heimlichen Lehrplan“?
Es handelt sich dabei um schulische Sozialisationsprozesse, die nicht in offiziellen Lehrplänen stehen, aber durch Strukturen, Abläufe und gesellschaftliche Einflüsse maßgeblich zur Prägung der Schüler beitragen.
Welchen Stellenwert haben Gleichaltrige für die politische Entwicklung?
Gleichaltrige spielen eine wichtige Rolle, da in sozialen Gruppen durch die Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen soziale Kompetenzen erworben werden, die dem demokratischen Willensbildungsprozess ähneln.
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- Anonym (Author), 2021, Instanzen politischer Sozialisation für Kinder und Jugendliche. Ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989086