Instanzen politischer Sozialisation für Kinder und Jugendliche. Ein Überblick


Hausarbeit, 2021

15 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung und Ursprung der politischen Sozialisationsforschung

3 Unterteilung in Sozialisationsinstanzen
3.1 Primäre Sozialisation
3.1.1 Familie als primäre politische Sozialisationsinstanz
3.2 Sekundäre Sozialisation

4 Schule als politische Sozialisationsinstanz
4.1 Schulfach „Politische Bildung"
4.2 Heimlicher Lehrplan
4.3 Gleichaltrige als politische Sozialisationsinstanz

5 Massenmedien als Instanz politischer Sozialisation

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kindheit und Jugend sind ausschlaggebende Lebensabschnitte in denen Menschen ihre politische Identität entwickeln. Im Vordergrund steht in demokratischen Gesellschaften der Kompetenzerwerb bis hin zu einem „mündigen Bürger".

Durch Erziehung und Formung sollen Heranwachsende dazu befähigt werden, gemeinsam mit Älteren, eine funktionierende Gesellschaft durch ein geregeltes Zusammenleben zu bilden.

Damit Kinder und Jugendliche ihre politischen Einstellungen und Handlungsbereitschaften entwickeln können, müssen sie sich produktiv mit ihrer sozialisatorischen Umwelt auseinandersetzen. Familie, Schule, Gleichaltrige und Massenmedien werden zu den einflussreichsten Vermittlern im Sozialisationsprozess gezählt. Sie alle sind in der Lage Kinder und Jugendliche in ihrem politischen Denken und Handeln zu beeinflussen.

Zur heutigen Zeit nimmt Schule im Lebens- und Erfahrungsraum von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Stellung ein. Durch die gesellschaftliche und historische Entwicklung eines öffentlichen und für alle zugänglichen institutionalisierten Bildungswesens erhält die heranwachsende Generation vielfältige Bildungschancen. Zu diesen Bildungschancen gehört auch der Erwerb grundlegenden politischen Wissens und die Ausbildung einer eigenen politischen Identität. In ihrem Lebenslauf nehmen viele unterschiedliche Instanzen Einfluss auf die politische Einstellung und politische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

In der folgenden Arbeit soll auf einige der wichtigsten Instanzen für die politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen näher eingegangen werden. Da es kaum möglich ist alle Instanzen, die am Sozialisationsprozess beteiligt sind, im Rahmen dieser Arbeit zu thematisieren, stellen die im Verlauf der Arbeit beschriebenen Instanzen nur eine kleine Auswahl dar. Nach einer Begriffsbestimmung und der Klärung der Herkunft politischer Sozialisationsforschung werden die Instanzen weiter unterteilt. Neben Familie und Massenmedien steht die Instanz „Schule" im besonderen Fokus der Arbeit. Ziel ist es darzustellen, welchen Einfluss Schule auf die politische Sozialisation heranwachsender ausübt.

2 Begriffsbestimmung und Ursprung der politischen Sozialisationsforschung

Nach Claußen und Geißler befasst sich die Forschung zur politischen Sozialisation mit der „Entstehung und Entfaltung all derjenigen individuellen Persönlichkeitsmerkmale, welche die Menschen als staatsbürgerliche Wesen im Raume der Regelung öffentlicher Angelegenheiten im engeren und weiteren Sinne konstruieren sowie vermittels häufigen Vorkommens und/oder Verdichtung in gesellschaftlichen Verhältnissen kollektive Bedeutung erlangen" (Claußen & Geißler 1996, S. 15).

Die Forschung zur politischen Sozialisation hat ihre Ursprünge in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zeitlich einordnen lässt sie sich in den späten Fünfzigern beziehungsweise Anfang der sechziger Jahre. Schon nach kurzer Zeit wurden die Forschungen zur politischen Sozialisation zu einem eigenständigen Forschungsbereich der Sozialwissenschaften. Hier stehen sie im Spannungsfeld von Soziologie, Psychologie, Pädagogik und Politikwissenschaft. In diesem Schnittfeld entstanden spezifische Fragestellungen und Verfahren, sowie erste Erkenntnisse und Erklärungsbezüge (vgl. ebd.).

Allerdings war die Forschung zur politischen Sozialisation auch schon früher präsent, auch wenn der Begriff als solcher noch nicht nominell benutzt wurde. Dazu lassen sich beispielsweise philosophische- und zu einem späteren Zeitpunkt- auch fachliche Überlegungen darüber zählen, welchen Stellenwert der Mensch als Einzelperson, Gesellschaftsmitglied oder Gattungsangehöriger im Macht- und Herrschaftsgefüge einnimmt. Bereits in der Antike waren solche Fragestellungen relevant (vgl. ebd.).

Nach Claußen und Geißler lässt sich der Begriff „politische Sozialisation" wie folgt definieren: „Als politische Sozialisation lassen sich alle bewußten und unbewußten Prozesse der Wechselwirkung zwischen Personen und ihrer direkt politischen oder zumindest politisch relevanten sozialen, kulturellen, ökonomischen, und zivilisatorischen Umgebung bezeichnen." (Claußen & Geißler 1996, S.9).

Außerdem sind sie der Auffassung, dass diese Prozesse sowohl die geistigen als auch die emotionalen sowie operativen Komponenten von interagierenden Persönlichkeiten betreffen, die auf die Politik als solches bezogen sind oder ein spezifisches gesellschaftliches System betreffen. Außerdem sind Claußen & Geißler davon überzeugt, dass der Prozess der Politisierung des Menschen kein phasenweiser Prozess ist, sondern über das ganze Leben andauert. An diesem Prozess ist eine große Anzahl an zufälligen und planmäßigen Einflüssen, wie beispielsweise Aktivitäten unterschiedlichster Art, beteiligt (vgl. ebd.).

3 Unterteilung in Sozialisationsinstanzen

Aus diesem Grund ist es auch schwierig einzelne Instanzen der Sozialisation voneinander direkt abzugrenzen. Die Prozesse der Politisierung laufen „als Austauschbeziehungen in kleinen sozialen Gebilden, Großgruppen, formellen Institutionen und Organisationen oder im Rahmen allgemeiner Charakteristika der Gesellschaft als Ganzes oder in einzelnen ihrer Bereichen ab." (Geißler & Claußen 1996, S.10). Diese Instanzen können nicht eindimensional betrachtet werden, da sie sich wechselseitig beeinflussen und bedingen.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es kaum verwunderlich, dass es nicht möglich ist, alle Instanzen der politischen Sozialisation lückenlos zu thematisieren. Außerdem ist der Erkenntnisstand der Sozialwissenschaften nicht differenziert genug, um über jeden dazugehörigen Teilaspekt verlässliche und detaillierte Informationen zu gewährleisten (vgl. ebd., S.10).

Geißler und Claußen kommen in ihren Forschungsarbeiten zum Thema politische Sozialisation zu dem Schluss, dass eine Unterteilung verschiedener Instanzen politischer Sozialisation in primäre, sekundäre und tertiäre Instanzen problematisch ist. Sie sind der Meinung, dass diese Einteilung eine „biographische Linearität" (Claußen & Geißler 1996, S. 30) impliziert, nach der Sozialisationsinstanzen in einer chronologischen Abfolge im Lebenslauf und in der Entwicklung des Menschen vom Kind zum Erwachsenen haben. Politische Sozialisation wäre in diesem Sinne eine Abfolge von Stationen, die im Kindesalter beginnt und sich über die Schule und Freundeskreise fortsetzt bis sie schließlich in einer Berufskarriere mündet. Aus diesem Grund sehen sie eine Schematisierung beziehungsweise Grobrasterung der Instanzen als problematisch an. Politische Sozialisation vollzieht sich nach ihrer Auffassung nicht linear. Die Instanzen politischer Sozialisation können parallel und gleichzeitig auftreten (vgl. ebd., S.32f).

Im Gegensatz zu dieser Auffassung, lässt sich der lebenslange Sozialisationsprozess des Menschen nach Habermas in zwei wesentliche Phasen unterteilen. In diesen Phasen finden jeweils spezifische Sozialisationsprozesse statt (vgl. Habermas 1968, S.34f.).

3.1 Primäre Sozialisation

Die primäre Sozialisation wird auch frühkindliche Sozialisation genannt. In dieser Phase geht es um den Sozialisationsprozess in den ersten fünf Lebensjahren. Dieser Zeitraum wird auch als „frühe Kindheit" umschrieben (vgl. Habermas 1968, S.44f.). In diesem Zeitraum geht es vor allem um die Entwicklung von Grundfähigkeiten. Dazu gehören beispielsweise Sprachfähigkeit, Selbstbewusstsein, Gruppenbewusstsein, Fähigkeit zum planvollen Handeln, bewusstes Erfassen der Umwelt, sowie die Fähigkeit bewusst mit anderen Menschen zu kooperieren (vgl. ebd.).

Verbale und nonverbale Kommunikation ist in dieser Instanz besonders wichtig. Durch Kommunikation erfährt das Kind, dass es mit Menschen in Kontakt treten kann. Das hat zur Folge, dass sich das Kind als Mitglied einer Gruppe erfährt. So kann es ein Gruppenbewusstsein/Gruppengefühl aufbauen. Das Kind erlebt sich als mitfühlendes, mitdenkendes und mitwirkendes Mitglied in einer Gruppe (Meist Familie). So kann das Kind auch Selbstbewusstsein entwickeln. Es erlebt sich selbst als aktives Gruppenmitglied (vgl. ebd.).

3.1.1 Familie als primäre politische Sozialisationsinstanz

Die erste Instanz politischer Sozialisation, beginnt für viele Kinder bereits in der Familie, in die sie „hineingeboren" werden. Nach Steinkamp wird diese frühe Instanz durch eine bestimmte Zusammensetzung elementarer Orientierungen, Einstellungen, Handlungsdispositionen und Interessen geprägt. Im Gegensatz zu späteren Wandlungseinflüssen sind diese Strukturen relativ beständig und unempfindlich. Aus diesem Grund sind diese ersten Strukturen für das in späteren Lebensphasen folgende politische Handeln relevant (vgl. Steinkamp 2002, S. 425 f.). Familie hat zwar einen großen Einfluss auf das politische Verhalten des Kindes, allerdings spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, die in diesem Prozess nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Steinkamp merkt an, dass das Kind in seinem Bildungs- und Entwicklungsprozess auch eine aktive Rolle einnimmt, da jedes Kind Informationen und Erwartungen individuell und subjektiv interpretiert (vgl. ebd.).

In den 60er Jahren wurde in der politischen Sozialisationsforschung noch größtenteils davon ausgegangen, dass der größte politische Einfluss auf Kinder durch die Instanz Familie ausgeübt wird. Diese Annahme wurde in den 70er Jahren kritisch in Frage gestellt. Zu dieser Zeit wurde die Auffassung vertreten, dass sich die politischen Einstellungen eines Menschen vor allem im Jugendalter entwickeln und nicht wie zuvor angenommen im Kindesalter. Es wurde angenommen, dass es in diesem Altersabschnitt zu einer Kristallation der politischen Einstellungen kommen würde (vgl. Bock 2000, S. 20f).

Daher wurde nicht mehr die Familie als Primärinstanz im Prozess der politischen Sozialisation angesehen, sondern die Schule.

3.2 Sekundäre Sozialisation

Im Gegensatz zur primären Sozialisation, zu der sich auch die Familie als politische Sozialisationsinstanz zählen lässt, geht es im Bereich der sekundären Sozialisation vor allem um den Sozialisationsprozess in außerfamiliären sozialen Systemen. (vgl. Habermas 1968, S.48f).

Zu diesen lassen sich Institutionen wie Kindergarten, Schule, Berufsausbildung und berufsbezogene Organisationen zählen. Der Mensch sozialisiert sich in dieser Phase beispielsweise über schulische Lernprozesse, in der Pubertät über biologische und psychosoziale Entwicklungsprozesse und in der Adoleszenzzeit über berufliche Bildungsprozesse (vgl. ebd. S.49f.).

In Auseinandersetzung mit diesen sozialen Systemen entwickeln sich die Kompetenzen des Menschen im besten Falle soweit, dass er in der Gesellschaft als relativ selbstständiges Mitglied im gesellschaftlichen Umfeld kooperieren kann (ebd.).

Entwicklungsprozesse in dieser Phase sind vor allem vielfältige Lernprozesse im Fühlen, Denken und Handeln mit dem Ziel sich in vielfältige soziale Systeme der Gesell-schaft integrieren zu können, sowie die Entwicklung einer auf die Gesellschaft bezogenen Arbeits- und Kooperationsfähigkeit, die beispielsweise durch den erfolgreichen Abschluss einer schulischen Ausbildung oder durch den Start eigenständiger Berufstätigkeit gekennzeichnet sein kann. Ein weiter Entwicklungsprozess ist die Entwicklung einer inneren Selbstständigkeit, die beispielsweise durch eine emotionelle Unabhängigkeit von der Familie gekennzeichnet sein kann (ebd.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Instanzen politischer Sozialisation für Kinder und Jugendliche. Ein Überblick
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V989086
ISBN (eBook)
9783346348838
ISBN (Buch)
9783346348845
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, Instanzen, politisch, sozial
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Anonym, 2021, Instanzen politischer Sozialisation für Kinder und Jugendliche. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989086

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