Digitale Medien im Schriftspracherwerb. Beispiel einer Lernapp zum Thema "Umlautungen"


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sachanalyse

3 Welches linguistische Prinzip ist betroffen?

4 Zielsetzung der App und Lehrplan-Bezug

5 Begründung der Auswahl der Learning-App-Inhalte

6 Darstellung der Learningapp

7 Reflexion der Learningapp

8 Ausblick auf die weitere Entwicklung digitaler Medien für den Unterricht

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit der rasanten Digitalisierung der Medien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen Medien eine immer bedeutendere Rolle im Leben unserer Gesellschaft und besonders im Leben von Kindern und Jugendlichen. Digitale Medien prägen unsere wirtschaftliche, kulturelle und soziale Umwelt. Notebooks, Smartphones, Tablets, digitale Fernsehgeräte und beispielsweise auch Navigationsgeräte sind aus unserem heutigen Umfeld kaum mehr wegzudenken. Diese Entwicklung macht auch vor dem Alltag der Kinder nicht halt. Heutzutage gehört es dazu, dass Kinder mit einer Vielzahl von digitalen Medien aufwachsen. Viele Kinder besitzen bereits ein Smartphone, mit dem sie in „sozialen Gruppen" wie WhatsApp oder Instagram miteinander verbunden sind und Informationen austauschen können.

Dabei entscheidet die Art der Nutzung darüber, inwieweit positive oder aber auch negative Effekte resultieren können. Negative Effekte können entstehen, wenn Kinder nur noch auf ihr Smartphone schauen und kaum mehr etwas von ihrer „wirklichen" Umwelt mitbekommen. Häufig hört man auch vom sogenannten „Cybermobbing" über soziale Netzwerke.

Digitale Medien haben aber auch durchaus sehr positive Seiten. So kann beispielsweise über WhatsApp schnell und einfach mit anderen kommuniziert werden und Verabredungen getroffen werden. Außerdem stehen über digitale Medien eine Vielzahl frei zugänglicher Informationen über verschiedenste Themen zur Verfügung.

Über Smartphones und Tabletts kann auf eine Vielzahl unterschiedlicher Apps zugegriffen werden. Einige eignen sich gut zum Zeitvertreib in Form von Spielen, andere können spielerisch Wissen vermitteln. Digitale Medien sind in unserer heutigen Zeit allgegenwärtig. Sie werden in Studium, Beruf, Alltag und auch in der Schule immer mehr genutzt und verwendet. Auch in der Schule können Apps dazu beitragen Wissen zu vermitteln und spielerisch bereits Erlerntes zu verfestigen und zu üben. Im Folgenden wird eine App zum Thema „Umlautungen" vorgestellt, mit der Kinder in der Grundschule arbeiten können.

2 Sachanalyse

Das deutsche Schriftsystem besteht aus einer bestimmten Anzahl von Zeichen, mit denen eine unbegrenzte Menge von Wörtern gebildet werden kann. Wie viele andere europäische Schriftsysteme auch, ist das deutsche somit ein phonographisches System und beruht auf dem lateinischen Alphabet. Aufgebaut ist die deutsche Schriftsprache aus Phonemen, Graphemen und Morphemen, wobei zwischen diesen Bausteinen keine 1:1-Zuordnung stattfinden kann, da im Deutschen nicht jedes Wort lauttreu ver- schriftet wird (Lüdeling 2017: 70f.).

Ein Teilbereich der Linguistik ist die Morphologie, bei der man sich mit Morphemen, welche die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten im deutschen Schriftsystem sind, beschäftigt und Wortbildung und Flexion untersucht. Deshalb ist das Prinzip der Umlautung in diesen Teilbereich einzuordnen, da es bei der Flexion von Wörtern auftritt und auch dem Wortstamm hierbei eine hohe Bedeutung zukommt (Pittner 2016: 56ff.). Der Umlaut selbst ist ursprünglich eine Assimilation, dient also der vollständigen oder partiellen Angleichung von Lauten. Diese Funktion wird insbesondere in der Flexion bzw. Deklination von Wörtern nützlich, da der Wortstamm hier dem der Grundform in möglichst hohem Maß ähneln sollte, was wiederum durch Assimilation erleichtert wird. Man spricht dabei auch von einem phonologischen Prozess, bei dem ein Vokal durch einen mit ihm eng verwandten Vokal ersetzt wird. In der heutigen deutschen Sprache kommen Umlaute insbesondere in Plural- oder Verbformen, Vergleichs- bzw. Steigerungsformen von Adjektiven oder bei Ableitungen vor. Gerade bei Nomen ist der Umlaut oftmals einziger Indikator dafür, ob das Wort im Plural oder Singular steht (Beispiel: Bogen ^ Bögen) (Pittner 2016: 38f.). Besteht die Flexion eines Wortes also ausschließlich aus der Umformung eines Vokals in einen Umlaut, spricht man von innerer Flexion, während das Anhängen eines Suffixes als äußere Flexion betitelt wird. Bei diversen Nomen entsteht die Pluralform auch aus einer Mischung beider Flexionsarten, wie beispielsweise bei dem Wort Baum, dessen Pluralbildung sich zum einen aus einer Umlautung, zum anderen aber auch durch Hinzufügen eines -e aus äußerer Flexion zusammensetzt (Bünting et al. o.J.: 3).

Der Umlautung als Flexionsform liegt das morphologische bzw. Stammschreibungsprinzip zugrunde. Demnach schreibt man morphologisch verwandte Wörter auch in ihren verschiedenen Kasus und Numeri möglichst ähnlich, mit dem Ziel, dass dadurch eine leichtere Erkennung ermöglicht werden kann (Lüdeling 2017: 75). Wie in mehreren Bereichen der deutschen Grammatik gibt es auch hier keine einheitliche Regel, wann Flexion ohne Ausnahme durch Umlautung stattfindet. Vielmehr wird in der Literatur auf verschiedene Kennzeichen von Wörtern hingewiesen, die obligatorisch oder oftmals eine Umlautung nach sich ziehen. So ist beispielsweise festgelegt, dass Umlautung immer dann stattfindet, wenn einem Wort bei der Deklination das Pluralsuffix -er angehängt wird (Beispiel: Haus ^ Häuser); bei dem Pluralsuffix -e tritt sie jedoch nur manchmal auf (Beispiel: Hut ^ Hüte, aber Boot ^ Boote). Der Konjunktiv II gemischter und starker Verben wird dahingegen immer mithilfe der Umlautung gebildet, ebenso der Komparativ und Superlativ einiger Adjektive (Beispiel: hoch - höher - am höchsten, aber laut - lauter - am lautesten). Zudem ist eine Umlautung fast immer vor einem Verkleinerungssuffix zu finden, wobei es auch hier einige Ausnahmen gibt. Wie bereits oben erwähnt, werden diverse Nomen auch ohne Flexionsendung dekliniert. Hier wird der Umlaut dann zum einzigen Differenzierungsmerkmal des Wortes, anhand dessen eine Unterscheidung zwischen Singular und Plural vorgenommen werden kann (Meibauer et al. 2002: 96f.).

Hinsichtlich des Schriftspracherwerbs in der Grundschule ist die Umlautung der orthographischen Strategie zuzuordnen. Auf dieser Stufe tritt bei den Schülerinnen und Schülern die Lautsprache in den Hintergrund, wodurch eine zunehmende Loslösung von dieser geschehen kann. Zudem werden jetzt wichtige semantische, syntaktische sowie morphologische Beziehungen erkannt und die Schülerinnen und Schülern arbeiten mit Silben, häufig auftretenden Buchstabenkombinationen und Morphemen als Grundbausteinen für die Verschriftung. Die in der orthographischen Phase stattfindende Kombination von Lese- und Schreibverfahren beginnt üblicherweise im Alter von acht bis neun Jahren und somit normalerweise in der dritten oder vierten Jahrgangsstufe (Sassenroth 2003: 51 f.). Es sei allerdings angemerkt, dass es natürlich auch Ausnahmefälle gibt, bei denen die orthographische Strategie erheblich früher oder später einsetzen kann.

3 Welches linguistische Prinzip ist betroffen?

Im LehrplanPLUS der Grundschule in Bayern werden - nach Jahrgangsstufen differenziert - verschiedene Kompetenzen beschrieben, die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen. Im Lernbereich 4 „Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren" im Fachbereich Deutsch werden unter dem Oberpunkt „richtig schreiben" Kompetenzen zu unterschiedlichen linguistischen Prinzipien genannt, die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen. Dazu gehört das „phonologische und silbische Prinzip", das „morphologische Prinzip" sowie das „grammatikalische Prinzip". (ISB LehrplanPLUS Bayern 2019)

Bei unserer erstellten App mit Übungen zum Thema „Umlautungen" ist das morphologische Prinzip betroffen. Im LehrplanPLUS für die Jahrgangsstufe 1/2 im Fachbereich Deutsch wird dazu folgendes formuliert:

„Die Schülerinnen und Schüler... finden gleiche Wortstämme in Wörtern und schreiben Umlaute und Verhärtungen richtig (z. B. indem sie ein- und zweisilbige Wortformen verbinden: Haus - Häuser, legen - legt, rot - rote)“ (ISB LehrplanPLUS Bayern 2019). Alle Aufgaben, die Schülerinnen und Schüler in der App lösen müssen, haben Umlautungen zum Schwerpunkt. Die Übungen sollen Kinder zur Auseinandersetzung mit Umlauten anregen. Der LehrplanPLUS (Morphologisches Prinzip nutzen) sieht vor, dass Schulkinder die Kompetenz erwerben, Umlaute richtig schreiben zu können. Die Übungen dieser App zielen darauf ab, dieses Ziel zu erreichen, beziehungsweise einen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels zu leisten.

4 Zielsetzung der App und Lehrplan-Bezug

Die hier thematisierte App „Übungen zu Umlauten" ist aus drei Teilaufgaben aufgebaut, welche das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zum Prinzip der Umlautungen auf unterschiedliche Weise schulen. Inhaltlich sind die Übungen nach zunehmendem Schwierigkeitsgrad sortiert, wobei auf einen überschaubaren Wortschatz geachtet wird, der aus Wörtern besteht, die den Schülerinnen und Schülern aus ihrer Lebenswelt bekannt sind. Zudem sei angemerkt, dass der Wortschatz auf Nomen beschränkt ist. Im Folgenden soll nach einer kurzen Beschreibung des Aufbaus auf die Zielsetzung der jeweiligen Teilaufgabe eingegangen werden, wozu außerdem Bezug auf den LehrplanPLUS genommen wird.

In der ersten Aufgabe finden die Schülerinnen und Schüler ein digitales Memory vor, bei dem sie durch Anklicken der richtigen Kärtchen diese zu Paaren ordnen sollen, welche jeweils aus einem Bild und dem dazugehörenden Wort bestehen. Jedes im Memory verwendete Wort kommt sowohl in der Singular- als auch in der Pluralform vor. Die Schülerinnen und Schüler lernen hier den für die gesamte App relevanten Wortschatz kennen und verinnerlichen diesen sowohl mithilfe der Bilder als auch durch die geschriebene Form. Außerdem machen sich die Schülerinnen und Schüler mit der korrekten Schreibweise der einzelnen Wörter vertraut, was das Bearbeiten der nachfolgenden Aufgaben erleichtern kann. Weiter werden Verständnis für die verschiedenen Numeri sowie genaues Lesen der Schülerinnen und Schüler gefördert, da nur so richtige Pärchen gefunden werden können.

Bei der zweiten Übung sollen die Schülerinnen und Schüler Singular oder Plural zu einem vorgegebenen Wort finden. Hierfür gibt es immer drei Möglichkeiten, die sowohl in geschriebener als auch akustischer Form dargestellt werden, und aus denen die richtige Variante auszuwählen ist. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen den Wortstamm des angegebenen Nomens und finden durch Verwendung des Stammschreibungsprinzips die korrekte Flexionsform. Auch im LehrplanPLUS wird im Bereich Kompetenzerwartungen und Inhalte für die dritte Jahrgangsstufe festgehalten, dass „die Schülerinnen und Schüler [...] die Schreibweise von Wortstämmen auf verwandte Wörter [übertragen]". (ISB LehrplanPLUS Bayern 2019)

Zuletzt enthält die App eine Aufgabe, bei der zu Bildern das richtige Wort geschrieben werden muss. Die Schülerinnen und Schüler kennen die Nomen schon aus den vorherigen Übungen und müssen zwischen Singular und Plural unterscheiden sowie auf die korrekte Schreibweise achten. Das Ziel dieser Aufgabe besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler die gesuchten Wörter unter Berücksichtigung des morphologischen Prinzips selbstständig schreiben und somit dazu fähig sind, das Prinzip der Umlautung auf verschiedene Wörter anzuwenden. Die Begründung hierfür findet man ebenfalls im LehrplanPLUS der dritten Jahrgangsstufe: „Die Schülerinnen und Schüler verbinden ein- und zweisilbige Wortformen, um die Schreibung von Verhärtung, Umlautung, Konsonantenverdopplung und <ie>-Schreibung abzuleiten“. (ISB LehrplanPLUS Bayern 2019)

Betrachtet man die App im Ganzen, dient sie der Vertiefung des Prinzips der Umlautung. Dieses wird von den Schülerinnen und Schülern geübt sowie auf verschiedene Wörter angewendet. Mithilfe der Übungen bilden die Schülerinnen und Schüler sicher Singular- und Pluralformen im Rahmen des verwendeten Wortschatzes und verwenden die erworbenen Kompetenzen in im fortlaufenden Schriftspracherwerb auftauchenden Situationen zur Umlautung. Die in den Bildungsstandards des LehrplanPLUS festgehaltene Kompetenz „Die Wörter des Grundwortschatzes sowie geläufige Schreibungen verwenden sie [die Schülerinnen und Schüler] routiniert richtig und nutzen bei unbekannten Schreibungen Strategien (z. B. Wörter verlängern oder in Silben gliedern) oder Wörterbücher für die Grundschule [...]“ (ISB LehrplanPLUS Bayern 2019) wird somit ebenfalls durch die Bearbeitung der App gefördert. Letztlich lässt sich sagen, dass die Übungen insbesondere in den im LehrplanPLUS aufgeführten Lernbereich „richtig schreiben“ bzw. „morphologisches Prinzip nutzen“ einzuordnen sind.

5 Begründung der Auswahl der Learning-App-Inhalte

Die Inhalte der Learningapp bauen aufeinander auf. So soll den Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, schrittweise schwierigere Aufgaben bearbeiten zu können, oder direkt mit den zu ihrem Lernstand passenden Inhalten beginnen zu können.

Bei der ersten Aufgabe „Das lustige Pärchenspiel“ sollen die Kinder spielerisch an Umlautungen herangeführt werden. Die Inhalte wurden deshalb so gewählt, dass nur wenig Vorwissen nötig ist, um die Aufgabe lösen zu können. Die Memory-Begriffe werden jeweils in Singular und Plural dargeboten. Diese sollen zu den passenden Bildern zugeordnet werden. Dadurch sollen die Schulkinder erkennen, dass es Umlaute gibt und wie sie in Wörtern vorkommen können.

Die Inhalte der zweiten Aufgabe der Learningapp „Wörterpflücken“ knüpfen an die vorherige Aufgabe an. Bei dieser Aufgabe wird immer ein Wort gegeben und entweder nach dessen Einzahl oder Mehrzahl gefragt. Dieser Inhalt wurde gewählt, damit die

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Digitale Medien im Schriftspracherwerb. Beispiel einer Lernapp zum Thema "Umlautungen"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Schriftspracherwerb
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V989087
ISBN (eBook)
9783346348814
ISBN (Buch)
9783346348821
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schriftspracherwerb, Digitale Medien, Medien, Deutsch, Schule, Grundschule, App, Learningapps, Didaktik, Unterricht, Theorie, Praxis, Umlautungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Digitale Medien im Schriftspracherwerb. Beispiel einer Lernapp zum Thema "Umlautungen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989087

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