Gefallenengedenken und Totenkult am Beispiel der Düsseldorfer 39er Denkmäler


Hausarbeit, 2002
18 Seiten, Note: gut plus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis und Gliederung

1.0. Einleitung

2.0. Der Weg zum ersten 39er Denkmal
2.1. Grundsteinlegung am Volkstrauertag
2.2. Die Enthüllung des ersten 39er Denkmals
2.3. Der Denkmalsstreit

3.0. Denkmalsturz und nationalsozialistische Denkmalspolitik
3.1. Der Weg zum zweiten 39er Denkmal
3.2. Formsprache und Aussage des zweiten 39er Denkmals

4.0. Die Wiederaufstellung des 39er Denkmals von Rübsam

5.0. Das 39er Denkmal am Reeser Platz in der Nachkriegszeit

6.0. Schlussbemerkung

7.0. Literatur und Quellen
7.1. Literaturnachweis
7.2. Quellen

1.0. Einleitung

In dieser Seminararbeit soll der Umgang mit dem Gedenken an den ersten Weltkrieg und seine Opfer anhand der beiden 39er Denkmäler in Düsseldorf aufgezeigt werden.

Die Denkmäler eignen sich meines Erachtens besonders für eine eingehende Analyse der verschiedenen politischen-kulturellen Erinnerungstraditionen und ihrer jeweiligen Formgebung, da sie sowohl die Erinnerungskultur der Weimarer Republik als auch den Totenkult des nationalsozialistischen Regimes veranschaulichen und auf die politischen Kulturen verweisen können.

Die bewegte Geschichte der beiden Denkmäler steht hierbei exemplarisch für den nicht zu überbrückenden Widerspruch zwischen demokratischen und diktatorischen Konzeptionen des Gefallenengedenkens. In der Arbeit wird die Entstehungsgeschichte der Denkmäler und ihrer jeweiligen Ausschreibung (Wettbewerbe) berücksichtigt. Daneben wird versucht zu ergründen, wie die Denkmäler zum Zeitpunkt ihrer Enthüllung wirkten bzw. ob sie die erhoffte Wirkung zu erzielen vermochten.

Zudem wird gezeigt, welcher unterschiedlichen Interpretationen der Frage nach dem Sinn der Opfer bzw. ihres Opfertodes, die verschiedenen Systeme anhingen und, ob das Gedenken an die Gefallenen politisch nutzbar gemacht wurde.

Die Beschäftigung mit Denkmälern, ihrer Wirkung und Zielsetzung, ist mittlerweile in der Geschichtswissenschaft durchaus etabliert. Wenn sie auch erst im Gefolge der Aufarbeitung der Geschehnisse des zweiten Weltkrieges an Intensität zugenommen hat, finden sich auch Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit, in der die Errichtung von Kriegerdenkmälern geradezu boomte.

Für die Geschichtswissenschaft ergeben sich aus der Analyse von Denkmälern, als Über-lieferungsform historischer Ereignisse, wertvolle Impulse, da sie, wie Johann Gustav Droysen bereits 1857 erkannte, als spezifische Quellenform verstanden werden müssen. Droysen charakterisierte die Denkmäler dabei als Mischform der beiden anderen Gattungen (Überreste und Quellen), weil sie Überreste aus einer vergangenen Zeit seien und doch Zeugnis über bestimmte Vorgänge ablegen sollten.[1]

Die Erkenntnis, dass jede Denkmalsform auf die soziale und politische Lage verweist, in der sie entstanden ist, dient im folgenden als Fundament der Analyse.[2] Dabei werden die gesellschaftlichen Bedingungen, die politischen Absichten, aber auch die Aussage der Denkmäler berücksichtigt.

2.0 Der Weg zum ersten 39er Denkmal

Bevor im weiteren Verlauf dieser Arbeit die Geschichte der beiden 39er Denkmäler analysiert wird, ist festzustellen, wessen Gedenken diese gewidmet wurden. Es handelt sich hierbei um die drei Abteilungen des 39er Regiments: das Füsilier-Regiment 39 General Ludendorff, das Landwehr-Infantrie-Regiment 39 und Reserve-Infantrie-Regiment 39 (im folgenden kurz 39er genannt).

Bereits 1818 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III das erste 39er Infaterie Regiment, das 1860 in Niederrheinisches Füsilierregiment umbenannt wurde und im deutschen „Bruderkrieg“ 1866 erstmalig zum Einsatz gelangte.[3]

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges waren die Regimenter an unterschiedlichen Positionen, zunächst an der Westfront, später auch an der Ostfront, eingesetzt.

Bei den Kampfhandlungen tat sich das Füsilier-Regiment bei seinen Einsätzen unter anderem bei Verdun besonders hervor.[4] Aber auch die Landwehr-Reserve Abteilung wurde im Verlauf des Krieges zunehmend in Anspruch genommen, auch wenn sie zunächst nur als Besatzung für Brüssel vorgesehen war, wo sie durch häufigen Quartierwechsel der Bevölkerung eine stärkere Besatzung der Stadt vorzuspielen hatte, als diese tatsächlich der Fall war.[5]

Während des Krieges hatten die Regimenter Verluste von fast 7000 Mann zu beklagen, derer man nach dem Krieg gedenken wollte.[6]

Da dem „Verein ehemaliger 39er zu Düsseldorf“, der bereits 1886 gegründet worden war, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zunächst jegliche Tätigkeit auf Grund eines generellen Verbotes soldatischer Vereinigungen in den besetzten Gebieten untersagt worden war, konnte das Anliegen erst ab 1925 vorangetrieben werden. Regiments- wie Kriegervereine waren nach dem Ersten Weltkrieg in ganz Deutschland entstanden und widmeten sich, neben dem Erhalt des Kameradschaftsgefühles, in den meisten Fällen dem Gedenken an die gefallenen Kameraden.[7]

Zu diesem Zweck wurde auch bei den 39ern ein Denkmalausschuss gegründet, der mit den Planungen für das neue Ehrenmal betraut war, das gleichzeitig auch Ersatz für das erste 39er Denkmal von 1893 sein sollte, welches während des Krieges eingeschmolzen worden war. Zur Unterstützung des Vorhabens wurde in dem ab dem 01.01.1926 erscheinenden Nachrichtenblatt der 39er zu Spenden für das Vorhaben aufgerufen.[8]

Neben dem Verkauf von Bausteinen, die zwischen einer und zehn RM kosteten, flossen auch Einnahmen aus Militärkonzerten und Spenden aus Wirtschaftskreisen in den Denkmalfond ein.[9]

Der Ausschuß schrieb am 15.09.1927 unter den Angehörigen des Regimentes und den in Düsseldorf ansässigen Bildhauern und Architekten einen mit insgesamt 3.100 RM dotierten Wettbewerb aus. Erwähnenswert ist, dass den Künstlern freie Hand gelassen wurde was Art, Form, Gestaltung und Material des Denkmales betraf. Es wurde lediglich „eine künstlerisch vollendete Einpassung in den Charakter des Hofgartes“[10] gefordert, der zunächst als Aufstellungsort vorgesehen war.

Das Preisgericht des Denkmal-Ausschusses bestand aus fünf Personen, wobei dem Düssel-dorfer Oberbürgermeister die letzte Wahl über den Ausführungsentwurf vorbehalten blieb, da die Stadt zugesichert hatte ein Grundstück zur Verfügung zu stellen.[11]

Am 15.12.1927 lief die Frist zur Teilnahme am Wettbewerb ab und das Preisgericht hatte über die 83 vorliegenden Entwürfe zu entscheiden. Der erste Platz konnte jedoch nicht vergeben werden, da nach Ansicht der Jury keiner der Entwürfe der gewünschten Angleichung an die Umgebung des Hofgartens entsprach. Man einigte sich darauf, dem Entwurf „Innere Festigung“ von Jupp Rübsam, der sich 1914 als Freiwilliger zum 39er Regiment gemeldet hatte, den 2. Platz unter Erhöhung der Dotierung von 1000 auf 1200 RM zuzusprechen und noch zwei 3. Plätze zu vergeben.[12]

2.1. Grundsteinlegung am Volkstrauertag

Am 07.01.1928 wurde die Ausführung von Rübsams Entwurf in einer Sitzung des Denkmalausschusses einstimmig angenommen, wobei jedoch die Stadtverwaltung gebeten wurde einen anderen Standort für das Denkmal zur Verfügung zu stellen, da es für den Hofgarten zu wuchtig erschien.

Letztendlich wurde ein passender Platz an der Rheinallee vor dem Planetarium (heute: Tonhalle) gefunden, so daß der Grundstein am 04.03.1928 gelegt werden konnte. Interessant ist die Wahl des Datums, da dieser Tag gleichzeitig Volkstrauertag war.

Bereits seit 1919 stand die Frage nach einem einheitlichen Feiertag zum Gedenken an die Gefallenen und Opfer des Krieges auf der politischen Agenda der Weimarer Republik. Man kann es als symptomatisch ansehen, dass die Parteien es jedoch verfehlten sich auf ein bestimmtes Datum zu einigen. Der Volkstrauertag bot keinen wirklichen Ersatz für staatliche Feiern, die den großen Opfern der Bevölkerung ein würdiges Gedenken zugebilligt hätten, obwohl der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) an diesem Tag auch Vertreter des Reiches zu Veranstaltungen einlud.[13]

Auf diese Weise verpasste die Weimarer Republik eine der Chancen, das Gedenken an die Kriegsopfer mit einer eigenen Form würdevoller staatlicher Repräsentation zu verbinden, die der jungen Demokratie eine Möglichkeit zur nationalen Konsensbildung hätte geben können.[14]

[...]


[1] Wolfgang Hardwig (Hrsg.): Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 72 f.

[2] Reinhart Koselleck, Michael Jeismann (Hrsg.): Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994, S. 10

[3] Jutta Pitzen: Jupp Rübsam 1896 – 1976, Krefeld 1991, S. 56

[4] Susanne Brandt: Trauer und fortgesetzter Krieg, in: Jost Düffler (Hrsg.): Der verlorene Frieden, Essen 2002, S. 256

[5] Hans Stockhausen: Das Landwehr-Infatrie-Regiment Nr. 39 im Weltkriege, in: Festbuch zur Fahnenweihe des Kameradschaftl. Vereins des ehem. Landwehr-Inf._Regts. Nr. 39, Düsseldorf 1924, S. 13ff.

[6] Brandt: Trauer und fortgesetzter Krieg, S. 256

[7] Gerhard Schneider: „...nicht umsonst gefallen“?. Kriegerdenkmäler und Kriegstotenkult in Hannover, Hannover 1991, S. 180

[8] Pitzen: Jupp Rübsam, S. 56

[9] Hubert Delvos, Geschichte der Düsseldorfer Denkmäler, Düsseldorf 1938, S. 202

[10] Wettbewerbsprogramm für das 39er Denkmal in Düsseldorf, Düsseldorf 1927, im: Archiv des Amtes für Gebäudewirtschaft der Stadt Düsseldorf, Reg. Nr.: 2026

[11] Ebenda.

[12] Pitzen: Jupp Rübsam, S. 56

[13] Sabine Behrenbeck: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole 1923 – 1945, Vierow, 1996, S: 289 ff.

[14] Schneider: „...nicht umsonst gefallen“?, S. 154

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gefallenengedenken und Totenkult am Beispiel der Düsseldorfer 39er Denkmäler
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Historisches Seminar Abteilung Neuere/ Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Die Darstellung des Ersten Weltkrieges in ausgewählten internationalen Dokumentarfilmes
Note
gut plus
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V9894
ISBN (eBook)
9783638164863
ISBN (Buch)
9783656899730
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Denkmäler Gefallenengedenken Totenkult
Arbeit zitieren
Marc Zivojinovic (Autor), 2002, Gefallenengedenken und Totenkult am Beispiel der Düsseldorfer 39er Denkmäler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9894

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