Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine systematische Betrachtung der Krisenkommunikation von Mesut Özil, Ilkay Gündoğan sowie des Deutschen Fußball-Bundes auf Basis des 4-Phasen-Modells des Krisenkommunikationsmanagements und theoriegeleiteten Krisenkommunikationsstrategien. Zunächst soll hierfür die theoretische Grundlage geschaffen werden, indem der Begriff Krise definiert wird, bevor näher auf die Aufgaben und das Ziel der Krisenkommunikation eingegangen wird und anschließend das 4-Phasen-Modells des Krisenkommunikationsmanagements sowie die verschiedenen Krisenkommunikationsstrategien erläutert werden. Die Erdoğan-Affäre wird im Anschluss auf Basis dieser Konzepte umfassend analysiert, bevor ein abschließendes Fazit gezogen wird.
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland verlief für die deutsche Nationalmannschaft sehr enttäuschend. Bereits in der Gruppenphase schied das Team um Bundestrainer Joachim Löw aus und sorgte damit für das schlechteste Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft seit 1938. Allerdings befand sich Fußballdeutschland zu diesem Zeitpunkt nicht nur auf dem Platz in der Krise. Bereits einen Monat vor der Weltmeisterschaft sorgten Fotos, welche die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündoğan zusammen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zeigen, für eine heftige öffentliche Diskussion über Integration und Rassismus in Deutschland. Themen bei denen der Deutsche Fußball-Bund seit Jahren aktiv Stellung bezogen und sich deutlich positioniert hatte. Trotzdem stürzte die sogenannte Erdoğan-Affäre den DFB schon vor Beginn des eigentlichen Turniers in eine Krise, da zwei seiner Spieler Mittelpunkt einer emotionalen Medienberichterstattung geworden sind. Auch der DFB wurde Ziel von harscher Kritik, da die Krisenkommunikation des Verbandes von der Öffentlichkeit als äußerst unglücklich wahrgenommen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Krisenkommunikation
2.1 Die Krise – Eine Begriffsdefinition
2.2 Aufgaben und Ziel der Krisenkommunikation
2.3 Das 4-Phasen-Modell des Krisenkommunikationsmanagements
2.3.1 Krisenprävention & Früherkennung
2.3.2 Krisenvorbereitung
2.3.3 Akutes Krisenmanagement
2.3.4 Krisennachsorge
2.4 Kommunikationsstrategien
3 Krisenkommunikation am Beispiel der Erdoğan-Affäre
3.1 Die Chronologie der Ereignisse in der Erdoğan-Affäre
3.2 Analyse der Krisenkommunikation in der Erdoğan-Affäre
3.2.1 Mesut Özil
3.2.2 Ilkay Gündoğan
3.2.3 Deutscher Fußball-Bund (DFB)
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Krisenkommunikation der zentralen Akteure in der Erdoğan-Affäre systematisch aufzuarbeiten, um die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich deren Krisenkommunikation im Verlauf des Konflikts gestaltete und welche Auswirkungen diese auf die öffentliche Wahrnehmung hatte.
- Krisenkommunikationsforschung und theoretische Grundlagen
- Anwendung des 4-Phasen-Modells des Krisenkommunikationsmanagements
- Analyse von Krisenkommunikationsstrategien in der Praxis
- Fallstudie: Krisenkommunikation von Mesut Özil und Ilkay Gündoğan
- Untersuchung der Krisenkommunikation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Chronologie der Ereignisse in der Erdoğan-Affäre
Am 14. Mai 2018 veröffentlicht die türkische Partei AKP in den sozialen Medien Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündoğan zusammen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Die beiden Fußballer werden daraufhin von Politikern und Kommentatoren in den Massenmedien stark kritisiert. Gündoğan und Özil wird vorgeworfen sich für politische Zwecke von Erdoğan instrumentalisieren zu lassen (vgl. Ashelm, 2018). Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel reagiert mit deutlicher Kritik an den Nationalspielern und wirft ihnen vor, dass sie der Integrationsarbeit des DFB geschadet haben. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kündigt zudem eine Aussprache mit beiden Spielern an, hat aber „keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren" (vgl. SID, 2018a). Während sich Özil nicht äußert, gibt Gündoğan am Abend auf seiner Instagram-Seite bekannt, dass er mit dem Foto keine politische Aussage machen wollte (vgl. SID, 2018e).
Der Bundestrainer Joachim Löw gibt am 15. Mai 2018 den Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Fußball-Weltmeisterschaft bekannt, zu dem auch Gündoğan und Özil gehören. Trotz der unglücklichen Aktion beteuert Löw, dass er nicht eine Sekunde an der Nominierung der beiden Nationalspieler gezweifelt hat (vgl. SID, 2018e). Grindel spricht erneut von einem Fehler, fordert die Öffentlichkeit gleichzeitig jedoch um einen fairen Umgang mit den Spielern auf (vgl. tagesschau.de, 2018). Auch Bierhoff bittet um Verständnis für die Situation des Duos („Man muss auch verstehen, wie Türken in dieser Sache ticken"; vgl. SID, 2018d). Des Weiteren äußert sich nun auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisch über die Erdoğan-Fotos der beiden Spieler und erinnert diese an ihre Vorbildfunktion (vgl. SID, 2018b).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Erdoğan-Affäre ein und verdeutlicht die Relevanz der Krisenkommunikationsforschung für Organisationen im Sportkontext.
2 Krisenkommunikation: Das Kapitel definiert den Krisenbegriff, erläutert die Ziele der Krisenkommunikation und stellt mit dem 4-Phasen-Modell sowie verschiedenen Strategien das theoretische Fundament für die anschließende Analyse bereit.
3 Krisenkommunikation am Beispiel der Erdoğan-Affäre: Hier erfolgt zunächst eine chronologische Aufarbeitung des Falles, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Kommunikation der beteiligten Akteure Mesut Özil, Ilkay Gündoğan und des DFB.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer fundierten, strategischen Krisenkommunikation für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Krisenkommunikation, Erdoğan-Affäre, Deutscher Fußball-Bund, Mesut Özil, Ilkay Gündoğan, Krisenmanagement, 4-Phasen-Modell, Kommunikationsstrategien, Öffentlichkeitsarbeit, Krisenprävention, Krisenbewältigung, Reputationsmanagement, Integrationsdebatte, Stakeholder, Organisationskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht systematisch die Krisenkommunikation der Hauptakteure während der sogenannten Erdoğan-Affäre im Umfeld des Deutschen Fußball-Bundes im Jahr 2018.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Krisenkommunikation stehen die Analyse von Medienberichterstattung, das Krisenmanagement von Verbänden und die Bedeutung von öffentlicher Reputation im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie sich die Krisenkommunikation der beteiligten Akteure (Özil, Gündoğan, DFB) im Verlauf der Affäre darstellte und welche strategischen Fehler dabei identifiziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Ansatz, um die Krisenkommunikation auf Basis des 4-Phasen-Modells von Schwarz und Löffelholz sowie der Typologie der Krisenkommunikationsstrategien nach Coombs zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Krisenkommunikationskonzepte und die empirische Anwendung dieser Konzepte auf den konkreten Fall der Erdoğan-Affäre unter Berücksichtigung der chronologischen Ereignisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Krisenkommunikation, Erdoğan-Affäre, DFB, Krisenmanagement, Kommunikationsstrategien, Reputationsmanagement und Stakeholder.
Wie bewertet der Autor das Krisenmanagement des DFB?
Der Autor kritisiert das Krisenmanagement des DFB als inkonsistent und dilettantisch, was dazu führte, dass sich eine Sachkrise zu einer folgenschweren Kommunikationskrise ausweitete.
Welche unterschiedlichen Strategien wählten Özil und Gündoğan in ihrer Kommunikation?
Während Özil primär auf eine defensive Strategie des Schweigens setzte, versuchte Gündoğan durch frühe öffentliche Äußerungen und die Strategie der Anbiederung, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.
- Arbeit zitieren
- Benedikt Mensing (Autor:in), 2019, Die Erdoğan-Affäre um den Deutschen Fußball-Bund. Eine systematische Betrachtung der Krisenkommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989420