Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den stilistischen und thematischen Besonderheiten des Manga, insbesondere dem Shôjo-Genre, bezogen auf die Darstellung von Geschlecht und Sexualität. Darüber hinaus werden zwei Strategien nach Michiko Mae analysiert, durch welche sich das weibliche Geschlecht möglicherweise von seinen gesellschaftlich und kulturell auferlegten Zwängen lösen kann, um, nach Butlers Theorie der Performativität, "neu geschaffen" zu werden. Diese sind das "Boy’s Love"-Genre, welche die Darstellung homosexueller Beziehungen thematisiert, und das sogenannte "Genderbending", welche die Überschreitung der Geschlechtergrenze bezeichnet.
Schlussendlich wird anhand des Mangas "Ouran High School Host Club" herausgearbeitet, inwiefern die typischen Merkmale des ShôjoGenres auf dieses Werk zutreffen und wie sich die hier behandelten Strategien im geschriebenen Raum entfalten. Es soll jedoch darauf hingewiesen sein, dass das Feld der Genderforschung in Bezug auf die japanische Populärkultur weit mehr Analyse- und Untersuchungsmöglichkeiten bietet, als dass diese in der Kürze einer solchen Hausarbeit bearbeitet werden
können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Japanische Populärkultur: Der Manga
3. Das Shôjo-Genre
3.1. Stilistische Merkmale des Shôjo-Genres
3.2. „Boy’s Love“
3.3. „Genderbending“
4. Fallbeispiel: „Ouran High School Host Club“
5. Fazit
6. Anhang
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Geschlecht und Sexualität im japanischen Shôjo-Genre. Ziel ist es, mittels einer Analyse des Mangas „Ouran High School Host Club“ aufzuzeigen, wie das Genre traditionelle Geschlechterrollen thematisiert und durch Strategien wie „Boy’s Love“ oder „Genderbending“ performativ herausfordert oder konventionelle Muster bestätigt.
- Japanische Populärkultur und die Entwicklung des Manga-Genres
- Stilistische und thematische Merkmale des Shôjo-Genres
- Analyse der Strategien „Boy’s Love“ und „Genderbending“
- Geschlechterdarstellung im Manga „Ouran High School Host Club“
- Verhältnis zwischen individuellem Geschlechterausdruck und gesellschaftlichen Normen
Auszug aus dem Buch
3.3. „Genderbending“
„Genderbending“ beschreibt den Vorgang des Geschlechtertauschs, bei der männliche oder weibliche Figuren die Grenzen des eigenen Geschlechts überschreiten. Sie werden äußerlich in der Form des jeweils anderen Geschlechts dargestellt oder übernehmen Verhaltensweisen, die normalerweise charakteristisch für diese wären. „Genderbending“-Figuren sind daher weder eindeutig männlich noch weiblich. Je nach Situation erst wird die Figur entweder besonders weiblich oder besonders männlich gezeigt. Dies folgt Butlers Theorie der Performativität, nach der das soziale Geschlecht (auch „Gender“) durch sich immer wiederholende Sprechakte und Diskurse geschaffen wird.
Erstmals thematisiert wurde der Geschlechtertausch bereits in einem der ersten erschienen Shôjo Manga aus den 1950er Jahren: Ribon No Kishi (dt. „Ritter mit der Schleife“), von Tezuka Osamu. Protagonistin ist Prinzessin Sapphire, welche mit einem männlichen und einem weiblichen Herzen geboren wurde, und deshalb sowohl als Prinz, als auch als Prinzessin in Erscheinung tritt. Dadurch war, laut Mae, „dem shôjo-Manga von Anfang an die Thematik des Transgender eingeprägt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Darstellung von Geschlecht und Sexualität im Shôjo-Genre sowie die Relevanz der japanischen Populärkultur für die Genderforschung.
2. Die Japanische Populärkultur: Der Manga: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, Definition und die genrebildenden Merkmale des Manga als Medium.
3. Das Shôjo-Genre: Hier werden die Ursprünge der geschlechtsspezifischen Mädchenliteratur sowie die zentralen stilistischen Merkmale und Strategien wie „Boy’s Love“ und „Genderbending“ detailliert betrachtet.
4. Fallbeispiel: „Ouran High School Host Club“: Die Analyse des Mangas untersucht die Anwendung der zuvor definierten Genrekonventionen auf das Werk und hinterfragt die Geschlechterdarstellung der Protagonistin Haruhi.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Manga trotz innovativer Ansätze häufig in traditionelle Motivstrukturen zurückfällt.
6. Anhang: Der Anhang enthält visuelle Belege zur Unterstützung der textlichen Analyse des Mangas.
7. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien auf.
Schlüsselwörter
Manga, Shôjo, Gender, Sexualität, Ouran High School Host Club, Boy’s Love, Genderbending, Performativität, Geschlechterrollen, Japanische Populärkultur, Identität, Sozialer Status, Heterosexualisierung, Anime, Genderforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Repräsentation von Gender und Sexualität in japanischen Mangas, mit einem besonderen Fokus auf das Shôjo-Genre und dessen Umgang mit Geschlechtergrenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung beleuchtet?
Zentrale Themen sind die stilistischen Merkmale des Shôjo-Genres, die Konzepte des „Boy’s Love“ (Shônen Ai) und „Genderbending“ sowie deren Funktion zur Hinterfragung heterosexueller Ordnungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwiefern das Shôjo-Genre und speziell das Werk „Ouran High School Host Club“ Strategien zur Überschreitung von Geschlechtergrenzen nutzt und wie sich diese im Vergleich zu gesellschaftlichen Erwartungen verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Theorie der Performativität nach Judith Butler sowie auf medien- und kulturwissenschaftliche Ansätze der Genderforschung von Autorinnen wie Michiko Mae und Julia Siep.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Shôjo-Genres und eine praktische Analyse des Fallbeispiels „Ouran High School Host Club“, wobei insbesondere die Figur Haruhi Fujioka im Zentrum steht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Manga, Shôjo, Gender, Boy’s Love, Genderbending und die Performativität von Identität.
Wie unterscheidet sich „Boy’s Love“ von „Genderbending“ laut der Autorin?
Während „Boy’s Love“ primär eine homosexuelle Beziehung im Rahmen des heterosexuellen Beziehungsmusters („Seme“ und „Uke“) darstellt, fokussiert „Genderbending“ auf die temporäre Überschreitung biologischer oder sozialer Geschlechterzuschreibungen durch Rollentausch.
Welche Rolle spielt der „Dritten Raum“ nach Homi Bhabha in der Argumentation?
Dieser Begriff wird genutzt, um zu erklären, dass Geschlechtergrenzüberschreitungen wie das „Genderbending“ im Manga stets an einen spezifischen, temporären und kontextuellen Rahmen gebunden sind und nicht dauerhaft oder absolut existieren.
Zu welchem Schluss kommt die Arbeit bezüglich des Mangas „Ouran High School Host Club“?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Manga zwar neue Angebote für Geschlechterdarstellungen bereithält, jedoch schlussendlich in die gängigen, traditionellen Motive des Shôjo-Genres zurückfällt.
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- Daniel Schönborn (Author), 2019, Die Darstellung von Geschlecht und Sexualität im japanischen Shôjo-Genre. Das Beispiel von Ouran High School Host Club, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989439