Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Faust-Figur


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

19 Seiten


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Der historisch verbürgte Faust

Alle Portraits sind erst nach seinem Tod entstanden, also Phantasien. Auf dem Titelblatt eines im 18.Jh. gedruckten Buches steht unter einem Portrait ,,Magus Maximus"( der größte Mann der Magie ). Über den historischen Faust geben neun bekannte Schriftstücke von Zeitgenossen und Augenzeugen Auskunft:
1. Tritemius- Brief
2.Bamberger Kammerrechnungsbuch
3.Begardi- Index

Tritemius- Brief

- Tritemius - Abt im Kloster, der selbst im Rufe stand, die Kunst der schwarzen Magie zu praktizieren
- der Brief enthält eine Aufzählung der vielfältigen Tätigkeiten und Fähigkeiten des Faust als...:
- Nekromant (Schwarzmagier)
- Chiromant (Handleser)
- Pyromant (Element Feuer)
- Hydromant (Element Wasser)
- Aeromant (Element Luft)

Tritemius kritisiert, daß Faust sich mit Jesus gleichsetzt. Er wirft ihm Unzucht mit Knaben vor.

Bamberger Kammerrechnungsbuch

Dieses Dokument aus dem Jahre 1520 zeigt Faust am Hof des Fürstbischofs von Bamberg in der geschätzten und hoch belohnten Funktion eines Astrologen, der dem Bischof ein Horoskop stellt und den Titel ,,Doktor" trägt.

Begardi-Index

Philipp Begardi war als Leibarzt in Worms tätig und hebt im ,,Index" (1539) Faust's Tätigkeit als Arzt hervor. (,,...seine große Kunst mit allein der Arznei...")

Die Legendengestalt Faust im Volksbuch

Schon zu Lebzeiten gab es Sagen über Faust's Gestalt. Verstärkt setzte die Überlieferung seiner Taten von Mund zu Mund ein, wobei sich sehr schnell die Berichte der tatsächlichen Ereignisse um den historischen Faust mit Andichtungen verbanden, d.h. Taten anderer Magier und vielbewunderter Zauberer wurden einfach der Gestalt Faust zugeschrieben.

1. Der Baseler Pfarrer JOHANN GAST veröffentlichte in einer Anekdotensammlung die ersten Geschichten um Faust's Person.
2. Zu einem durchschlagenden Büchererfolg wurde eine Sammlung aller wirklichen Taten und erfundenen Abenteuer um Faust, versetzt mit theologischen, geographischen und naturwissenschaftlichen Einschüben mit dem Titel ,,HISTORIA VON DR. JOHANN FAUSTEN", erschienen 1587 bei dem Verleger JOHANN SPIES in Frankfurt/Main, die allgemein als ,,DAS VOLKSBUCH VON DR. FAUST" bekannt wurde.
3. Im Jahr 1674 hat der Nürnberger Arzt NIKOLAUS PFITZER eine Fassung des Volksbuches neu bearbeitet. Diese Volksbuch kannte und benutzte Goethe als Quelle.

Auszüge aus Pfitzer's Volksbuch 1. Teil, 1. Kapitel

- Johann Faust, in Grafschaft Anhalt geboren
- Eltern arme Bauersleute
- studiert in Ingolstadt (von reichem Onkel finanziert)
- Theologiestudium abgebrochen
- Astronomie und Naturwissenschaft studiert ·Doktor der Medizin

10. Kapitel

- Faust verschreibt seine Seele dem Teufel (für 24 Jahre soll das Bündnis währen)
- Faust ,,bekommt" vom Teufel einen ,,Diener"

35. Kapitel

- Faust ist in Leipzig ,,Auerbachs Keller" und reitet auf einem Faß zur Tür hinaus (mit Hilfe de Geistes)

2. Teil, 4.Kapitel

- Faust trifft einen Studenten, freundet sich mit ihm an, weiht ihn in seine ,,Heimlichkeiten" ein
- Faust nimmt den jungen Mann als Schüler (Schüler war sehr schlau und verschwiegen) ·Faust zeigt ihm seinen Geist

21.Kapitel

- Faust verliebt sich in eine junge Frau (will sie als Beischläferin)
- diese will ihn aber heiraten (Mephisto erinnert ihn daran, daß er sie wegen des Vertrages nicht heiraten kann)
- letztendlich heiratet er sie nicht (da der Vertrag sonst aufgelöst werden würde und er sterben)

22. Kapitel

- Mephisto schlägt Faust eine Frau vor, die ihn nicht heiraten will _HELENA (als Beischläferin)
- trifft Helena, ist verzaubert und begeistert
- Helena wird schwanger, bekommt einen Sohn (,,Justus Faust")
- nach Faust's Tod verschwinden Helena und der Sohn

3. Teil, 14. Kapitel

- die 24 Jahre sind um_Faust bereut, daß er den Pakt eingegangen ist (Reue und Furcht sind Absicht des Verfassers)
- Mephisto kommt und tröstet Faust (kein Leid in der Hölle, irgendwann muß jeder sterben)

17. Kapitel

- Faust verabschiedet sich von seinen Studenten
- er warnt sie, sich nicht so zu verhalten wie er
- in der Nacht wird Faust vom Teufel geholt (Zimmer voller Blut, Leiche liegt auf dem Misthaufen,...)

Die literarische Gestaltung des Fauststoffs

1588 gab der Bischof von London die Erlaubnis zum Druck des 1.englischen Faustbuches. Sie bildete die Grundlage für die erste literarische Gestaltung des Fauststoffs. Für CHRISTOPHER MARLOW's ,,DIE TRAGISCHE HISTORIE DES DOKTOR FAUSTUS". Englische Komödianten brachten dieses Schauspiel nach Deutschland, deutsche Schauspieler übernahmen es und führten es in unterschiedlicher Qualität auf. So lernte Goethe das Faust- Drama kennen.

Faust bei Marlow:

- Faust will Macht über die Welt (will Kaiser werden) ·Faust will Gottgleichheit gewinnen
- er verschreibt sich der Magie und dem Teufel
- Mephisto tritt in der Gestalt eines Franziskanermönchs auf
- am Schluß urteilt Faust über sich: Verdammt bist du verdammt Faust `drum verzweifle und sirb'."
- Mephisto: ,,Mit Qualen er all' den Reichtum genossener Lüste Zahlen."

LESSING's Bemühungen einen Faust zu schreiben blieben Fragment. Goethe erfuhr von Lessing's Faust erst in seinen späten Lebensjahren. _Lessing's Faust beeinflußte Goethe nicht. Lessing stellt die erste Version dar, in der Faust gerettet wird. Begründung dafür: ,,Die Gottheit hat dem Menschen nicht den edelsten der Triebe gegeben, um ihn ewig unglücklich zu machen."

Der faustische Charakter

Wie begegnet uns Faust bei Goethe?

- sehr wißbegierig
- ist Universitätsmagister und Doktor _intelligent
- sitzt in engem gotischen Zimmer (eng, da alles voller Büchern ist)
- Faust hatte ein für seine Zeit sehr umfangreiches Wissen (viele Fähigkeiten: Philosophie, Juristerei, Medizin, Theologie) _schätzt sein Wissen ein: ,,Ich bin so klug als wie zuvor" ·hat viel erreicht, ist aber dennoch unzufrieden

Faust's Ziel: ,,Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält." ·will sich der Magie ergeben

· ·1. VERSUCH sein Ziel zu erreichen

Faust will sich den Makrokosmos (Weltganzes) erschließen (schlägt das Buch des Nostradamus auf), setzt sich einen Moment mit Gott gleich (dies ist aber nur ein Schauspiel) _schlägt das Buch wieder zu _1.Versuch schlägt fehl

· ·2. VERSUCH

er erblickt das Zeichen des Erdgeistes _beschwört den Erdgeist ERDGEIST: ·er ist der Geist des irdischen Lebens

- als Faust sich dem Geist gleichsetzt, beschreibt der ihm seine Tätigkeit (501-509) _ Geist erteilt Faust eine Abfuhr und verschwindet

,,Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!"

- 2. Versuch schlägt auch fehl

Goethe's Weltbild im Prolog

Goethe:

Der Mensch wird von Erkenntnisantrieb bewegt. Es ist der Drang in unbekannte Bereiche vorzustoßen. Sein Forscherwille kann keine psychischen Grenzen anerkennen. Der Mensch wird zum GRENZÜBERSCHREITER in seiner Sehnsucht nach dem Erfassen der Welt. Der Mensch versteht sich als Teil des Makrokosmos und sucht die Wirklichkeit der Natur (Erdgeist ist Erfindung von Goethe). Die Antwort auf die Frage aller Fragen ,,was die Welt im Innersten zusammen hält" ist eigentlich nur dem Schöpfer vorbehalten.

PROLOG IM HIMMEL

I. Teil

- die drei Engel loben die Spärenharmonie (Sonne, Nacht, Naturgewalten) ·der Anblick gibt den Engeln Stärke (sind zufrieden)

II. Teil

Dialog Mephisto mit dem Herrn

- Mephisto beschwert sich beim Herrn, daß es den Menschen so schlecht geht

- Herr reagiert nicht groß darauf (Herr spielt auf Faust an) ist so wissbegierig, steht schon an

- im Prolog geht es um eine Art ,,Wette" zwischen Mephisto und dem Herrn der Schwelle zum Bösen

-Mephisto will Faust auf seine Straße führen

-Herr erlaubt es (,,... Es irrt der Mensch, solang' er lebt...") -Herr über Mephisto:

,,Ich habe deinesgleichen nie gehaßt,

Von allen Geistern die verneinen,

Ist mir der Schalk am wenigsten zur Last."

-Mephisto über sich:

,,...Ein Teil von jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft..." (1336-1337) ,,...Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles was entsteht, Ist wert, daßes Zugrunde geht;

Drum besser wär's, daßnichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element..." (1338-1344)

TRAGÖDIE 1.TEIL

I.Teil: Gelehrten-Tragödie

· · 3.VERSUCH aus der ,,Gelehrten-Tragödie" herauszukommen

-Faust versucht durch Selbstmord (Gift Trinken) ,,... zu neuen Ufern..." zu gelangen und im Jenseits glücklicher zu werden;

-Faust hört Ostergesang _erinnert sich an seine Kindheit und Jugend; dies veranlaßt ihn zur nochmaligen Überdenkung · Faust bringt sich nicht um

Der Osterspaziergang (Vor dem Tor)

- nach dem Selbstmordgedanken braucht Faust Distanz zu dem Ort des Geschehens und wie es zu Ostern Brauch ist, zieht er vor das Tor und begibt sich in die Natur (nach Problemen und Konflikten taucht Faust immer in die Natur). Hier in der Natur sollen die natürlich heilenden Kräfte die verwundete Seele stärken.

- Kontakt zum Volk (938-940); Faust ist zufrieden (denkt ,am) ·Faust wird vom Volk für seine Tätigkeit als Arzt gelobt

- Faust ist trotzdem unzufrieden (,,...Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust...") ·Faust wünscht sich einen Zaubermantel

- am Ende der Szene taucht ein Hund auf

Studierzimmer I

- Faust macht einen beruhigten Eindruck
- möchte das Original des neuen Testaments ins deutsche übertragen (1224-1237)
- er übersetzt das griech. Wort logos erst mit ,,Wort", dann ,,Sinn", dann ,,Kraft" und letztendlich mit ,,TAT"
- Mephisto (als Student gekleidet) besucht Faust
-sie unterhalten sich (Faust fragt nach seinem Namen)
- Mephisto sagt, daß er ein Geist sei, der nichts Gutes will (er bemüht sich immer um das Schlechte
- jedoch ohne großen Erfolg)
- Faust ist beeindruckt, daß es in der Hölle Gesetze gibt

Studierzimmer II - Die Wette

- Mephisto bietet Faust seine Dienste an (1643-1648)
- wenn Mephisto Faust auf der Welt gedient hat, soll Faust ,,drüben" (in der Hölle) dienen -Faust hat keine Angst vor dem ,,drüben"
- Faust wettet mit Mephisto über die Erfüllung diese Angebotes
- es gibt keine konkrete Zeitspanne für die Dauer der Wette, sondern sie ist dann erfüllt, wenn Faust am Ziel seiner Vorhaben und Wünsche angekommen ist.

,,Werd ich zum Augenblicke sagen:

Verweile doch! du bist so schön !..." (Faust, 1699-1700)

Wenn Faust das sagt, dann hat Mephisto die Wette gewonnen und er kann ihn zu sich in die Hölle holen.

- am Ende der Szene spricht Mephisto folgenden Satz: ,,Wir sehen erst die kleine, dann die große Welt."

- Ausgang der Wette am Anfang noch nicht klar, jeder der beiden Partner kann den Ausgang noch zu seinem Vorteil beeinflussen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Faust Mephisto

- diesseits-betont (,,...Das Drüben kann mich - ist der Meinung, daß es den Menschen schlecht wenig kümmern; schlägst Du erst diese Welt geht _ will Faust auf die (seiner Meinung nach) zu Trümmern..." 1660-1661) ,,richtige" Straße führen

- Skepsis gegen Mephisto's Angebot - mag die Menschen nicht besonders (,,...der Teufel ist ein Egoist Und tut (,,...In jedem Quark begräbt er seine Nase." 292) nicht leicht um Gottes willen, was einem - bedauert sie, weil sie sich stets plagen; andern nützlich ist..." 1651-1653) steht ihnen verächtlich gegenüber

- Treibende Kraft beim Wettabschluß - Faust wird als Verrückter und Narr gesehen
- Geht nicht blauäugig in die Wette hinein; (,,...Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt..." 303)
Weiß, mit wem er es zu tun hat - freut sich, daß er Faust auf die schiefe Bahn
- Erkenntnisstreben führen kann (,,...Staub soll er fressen..." 334)
- um im Diesseits wissen zu erlangen, - ist sich siegessicher ist ihm jedes Mittel recht
- was später kommt, ist ihm egal
- er lebt nicht richtig, er studiert nur _ Mephisto hat ein leichtes Spiel wird Mephisto im dient Faust im Diesseits

Jenseits diesen

für Faust ist ,,Genuß" ein Mittel

Erkenntnis, sein Entschluß zeigt die Unbedingtheit seines Strebens · Abschluß der Wette

- jeder hält sich ein Hintertürchen auf
- Mephisto muß Faust die besagten Worte entlocken (sobald er Wünsche äußert, die auf Genuß und nicht mehr auf Wissen aus sind)
- Faust darf einfach die Worte nicht aussprechen

Bedeutung des Magischen

Mephisto:

- Widersprüchlichkeit

* Auerbachs Keller provokativ (führt die Handlung aber immer weiter)

* Schülerszene (1868-2048)

- Einstellung zur Liebe

*Hexenküche (S. 61ff) * Einschätzung zu Gretchen * Walpurgisnacht

- antifeudale Haltung (Flohlied), aber auch profeudaler Opportunist (prinzipienloses Anpassen, Preisgabe von Grundsätzen zugunsten von Augenblickserfolgen - z.B. ,,Schülerszene", ,,Kaiserhof" Faust II)

Metaphern des Magischen

- Mephistos erscheinen (tritt anfangs als schwarzer Dackel auf, später mit viel Rauch und Qualm,...)
- Auerbachs Keller (bohrt Löcher in den Tisch aus denen versch. Getränke fließen) · Walpurgisnacht
- Weltreisen (Faust hatte sich einen Zaubermantel gewünscht; ,,wir sehen die kleine, dann die große Welt" 2052)
- Hexenküche (z.B. Hexenalphabet, Verjüngungsaktion)
- Faust befindet sich in Grenzüberschreiterfunktion

Funktion dieser Metaphern

- Sinnbild für das Überschreiten von Schranken
- Ausdruck von Widersprüchen in der Gesellschaft ( · Faust II teuflische Macht des Geldes)
- Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges können miteinander vermischt werden _ ein Leben in mehreren Epochen ist möglich

Aspekt: Naturauffassungen

- Erdgeistbeschwörung:
- Krisenzustand Fausts (will sich umbringen, da er nicht weiß, wie er zu mehr Wissen gelangen kann)
- Verzweiflung: Unzulänglichkeit seines Wegen ,,...zu erkennen was die Welt im Innersten zusammenhält"
- Geist erscheint · Voraussetzung für Erkenntnis: Sein, Werden + Tätig sein _ Faust hat Erdgeist mißverstanden
- um ihm zu gleichen, hätte er ,,tätig sein" müssen

Erdgeist = poet. Metapher für die Welt der Menschen in ihrem unerschöpflichem Werden personifizierte Kraft des Werdens

Erkenntnis: Sein + Werden sind Voraussetzungen für das Handeln
- Warum weist er Faust zurück?
- weil Faust untätig ist
- weil er nur trockenen Stoff aufnimmt und weitergibt
- Faust ist voller unbändigem Tatendrang
- aber: kontemplatives Bemühen um Wissen

- Osterspaziergang:
- Hinwendung zum Leben · aber: Beziehung zum Volk/Kommunikation fehlt · sehr historisch konkrete Darstellung der Bürgerwelt des 18.Jh. · Bewunderung der Natur als Freiheit (auch für Seele) · unterstrichen durch Motiv der Auferstehung
- anmutige Gegend (Faust II, erster Akt) · Faust hat in der Natur Ruhe gefunden (dieser ergibt sich aus Naturbild; Regenbogen + Sonnenaufgang
- symbolisiert die Farben des Lebens)

Fragen:
1. Was versteht Faust unter Natur?
2. Was bedeuten ihm Naturbegegnungen?
3. Welche Rolle spielen sie auf seinen Entwicklungswegen?

1.Verführungsaktion: ,,Auerbachs Keller"

Goethe hat als junger Student von 1765-1768 in Leipzig gelebt und oft Auerbachs Keller besucht. Dort sah er Wandgemälde mit Motiven aus der Faustsage, die um 1625 gemalt worden sind. Sie hat Goethe als Anregung für seine Szene ,,Auerbachs Keller" genommen.

1. Bild: ,,GELAGE MIT PUDEL"

mit der Inschrift: ,,Lebe, trinke, genieße in Fülle und gedenke dieses Faust und seiner Strafe."

2.Bild: ,,FAßRITT VOR DEM STAUNENDEN PUBLIKUM" (mit Pudel)

Eine Gruppe lustiger Gesellen (Studenten) amüsieren sich. Sie betrinken sich und singen derbe Lieder (,,Lied vom Floh"). Mephisto kontert geschickt. dann leitet er eine kleine Zauberei ein, indem er den Gästen Wein nach Wahl aus der Tischplatte zaubert. Die anfängliche Begeisterung schlägt in Entsetzten um, als sich der Wein in Feuer verwandelt.

Die Zecher werden gewalttätig und beschimpfen sich mit Tiernamen. Mephisto löst den Zauber gerade noch rechtzeitig auf und die beiden reisen ab.

Faust spricht auf dieser 1.Station der Reise nur zwei Sätze: ,,Seid uns gegr üß t, ihr Herrn." (2183)

,,Ich hätte Lust, nun abzufahren" (2296) · Die 1. Verführungsaktion schlägt fehl

Die Hexenküche
- Faust wird in der Hexenküche von der Hexe verjüngt
- Mephisto will, daß Faust verjüngt wird, damit er sich in ein junges Mädchen verliebt
- 1. Vorschlag der Hexe: Verjüngung Fausts durch körperliche Arbeit _ Faust lehnt ab (es ist ihm zu anstrengend
- 2.Vorschlag der Hexe: die Hexe gibt Faust einen Zaubertrank (er wird um ca. 30Jahre verjüngt)

Faust: ,,Laßmich nur schnell noch in den Spiegel schauen! Das Frauenbild war gar zu schön!"

Mephisto: ,,Du sollst das Muster aller Frauen nun bald leibhaftig vor dir sehn. (Leise) Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, bald Helenen in jedem Weibe." (2601-2604)

- sieht Frauen nur als Mittel zum Zweck (nur als sexuelle Lustobjekte) · spricht sehr zweideutig

2. Verführungsaktion: ,,Straße" - II.Teil: Gretchen-Tragödie

1.Wie verläuft die Begegnung zwischen Faust und Gretchen?

- Faust fragt Gretchen, ob er sie nach Hause bringen darf ·diese lehnt aber kurz und bündig ab
- Faust schwärmt im Monolog von ihr

2. Wie reagiert Faust darauf im Gespräch mit Mephisto?

- Faust will, daß Mephisto ihm Gretchen als Beischläferin ,,beschafft"
- Gretchen ist aber zu unschuldig, als daß Mephisto sie sofort ,,rumkriegen" könnte ·Mephisto braucht also mindestens 14Tage dafür
- Mephisto soll ein Geschenk für Gretchen besorgen

Die Geschichte der tragischen Liebe zwischen Faust & Gretchen

Histor. Hintergrund:

- Prozeß gegen Susanna Brandt · Viele Liebestragödien
- Beliebtheit des Kindesmordes -Motivs in der Sturm & Drang - Zeit

Liebesbeziehung Faust - Gretchen · ihre Tragik

Faust Gretchen

- innerer Monolog (in der Natur) - führt Monolog am Spinnrad
- wird zum Nachdenken angeregt - gibt einen subjektiven Einblick in ihr Herz
- er ist immer noch nicht zufrieden - gibt diesen Einblick in Form des von ihr gewählten
- fühlt sich bloßgestellt durch schnöde Volksliedes

Lust + Begierde - verspürt den Verlust ihres Seelenfriedens

- empfindet dieses ,,nackt - dastehen" - ist ebenfalls innerlich zerrissen als negativ - weiß nicht, was sie fühlen soll und ob ihre Gefühle
- findet seine Gefühle als zu sehr bloßgelegt richtig sind
- sieht seine Begierde nicht als rein an

Äußerungen zu Mephisto:

- wird als die zweite Seite Fausts klassifiziert
- ist die Seele Fausts, die ihn zur schnöden Lust anregt

die GRETCHEN - Figur

- Bereitschaft zur Liebe
- emotional-geistige Empfänglichkeit und körperliche Anmut
- Bekenntnis zu einer Liebe, die nicht sein dürfte (weiß, daß das Erlebnis in Marthe's Garten moralisch falsch war, möchte es aber nicht missen)
- ,,Lied am Spinnrad", ,,König von Thule"
- gefangen in den bürgerlichen Moralgedanken
- religiöse Schranken (,,Gretchenfrage")

Anlage der Gretchenfigur und der Liebesbeziehung

- großer natürlicher Alters- und Bildungsunterschied
- Liebe/ vermeintliches Spontanerlebnis wird von Mephisto gesteuert
- vorübergehende Episode · Ende Gretchens · Verlieren der Wette = Ende Fausts
- trotzdem hat Gretchen Faust weitergebracht

Die Anlage der FAUST-Figur

1. seine Haltung:

- Faust drängt, Gretchen zu bekommen (leidenschaftliches Begehren)
- stürmisches Drängen auf Liebeserfüllung (echte Leidenschaft)
- sieht Gretchen nur als Objekt · will sie ins Bett kriegen
- zunächst seinerseits nur schnödes Begehren

2. seine Verantwortung

- Vorwürfe an Mephisto (Gretchen litt während er auf Walpurgisnacht war)
- Bereitschaft zur Rettung der Geliebten
- Verzweiflung über ihr tragisches Ende

} durch die ,,Gretchenfrage" wird deutlich, daß es ein Ende der Beziehung geben wird (automatisch so angelegt, daß es nur vorübergehend ist)

3. Schuldfrage

- Faust hat sich mit Mephisto eingelassen
- hat sich mit Gretchen eingelassen, obwohl wer wußte, daß er sie somit zerstören wird
- floh nach dem Tod Valentins auf die Walpurgisnacht und läßt Gretchen allein

Abend

- Gretchen tritt aus und führt einen Monolog (denkt über Faust nach)
- Faust denkt jetzt ebenfalls über Gretchen nach; sieht nicht mehr nur sein Verlangen und seine Begierde, sondern auch die Person Gretchen (die Umgebung, in der Gretchen lebt, hat ihn beeindruckt)
- Gretchen kommt nach Hause zurück; singt die Ballade ,,Es war ein König in Thule"

Spaziergang

-Mephisto berichtet Faust, daß Gretchen das Geschenk erhalten hat; Mutter hat es jedoch der Kirche gegeben _Gretchen ist unglücklich
-Faust trägt Faust auf, Gretchen ein neues Geschenk zukommen zu lassen

Der Nachbarin Haus

-Marthe: Nachbarin und Vertraute von Gretchen, hat keinen Mann mehr - Gretchen berichtet Marthe von dem erneuten ,,Schmuckfund"
- Marthe bietet ihr an, den Schmuck wann immer Gretchen will bei ihr tragen zu können, ohne daß die Mutter es erfährt
-Mephisto taucht auf und berichtet Marthe über ihren toten Mann (er kennt ihn jedoch gar nicht und berichtet nur Schlechtes) _Marthe weint nicht mehr, sondern will nur noch den Totenschein haben

Straße

-Dialog Faust - Mephisto
-Faust erkundigt sich bei Mephisto wie weit er schon gekommen ist
-Mephisto berichtet ihm, daß er für diesen Abend ein Treffen von Faust mit Gretchen arrangiert hat (im Garten der Nachbarin Marthe)
-Mephisto will Faust zum Lügen bringen (er soll behaupten, daß auch er Marthe's Mann gekannt habe und dieser jetzt tot sei)
-als Faust sich weigern will zu lügen, setzt ihn Faust unter Druck, indem er Faust daran erinnert, daß er ohne ihn in Sachen Gretchen überhaupt nicht so weit gekommen wäre, wie er es jetzt ist; er droht Gretchen alles zu verraten _Faust stimmt der ,,Lügengeschichte" zu

Garten

-Dialog zwischen Faust-Gretchen und Mephisto-Marthe -Dialog Faust-Gretchen:

- Gretchen erzählt Faust über sich und ihre Familienverhältnisse

(_Charaktereigenschaften Gretchen: fleißig, liebenswert, kümmerte sich um ihre verstorbene Schwester)

- Faust und Gretchen kommen sich näher

- sie erklären sich indirekt ihre Liebe (Gretchen: ,,Er liebt mich!"; Faust: ,,Er liebt dich!") ·Dialog Mephisto-Marthe:

-mehr oberflächlich im Vergleich zu Dialog Gretchen-Faust

-Marthe fragt bei Mephisto indirekt an, wie es in Sachen Liebe bei ihm aussieht

Ein Gartenhäuschen

- einzige Szene in Faust I, wo sich Faust und Gretchen näher kommen und sich küssen
- das Gartenhäuschen war im 18.Jh. die einzige Gelegenheit sich der Gesellschaft zu entziehen und ungestört zu sein
- unglücklicherweise kommt Mephisto dazwischen, als sich die beiden gerade küssen

Wald und Höhle

- Faust ist mit seiner Situation nicht zufrieden _zieht sich wieder in die Natur zurück (denkt über die Liebe zu Gretchen nach)
- er macht Andeutungen, daß es mit Gretchen nichts werden kann
- Konflikt: Faust verflucht einerseits Mephisto, daß er sich überhaupt mit ihm eingelassen hat _ andererseits braucht er ihn jedoch (,,...Du gabst...mir den Gefährten, den ich schon nicht mehr entbehren kann..." 3241-3244)
- Faust ist noch immer nicht zufrieden (auch Natur hat nicht geholfen)
- Faust will noch immer mehr und ist mit nichts zufrieden. Wenn er mit Gretchen zusammen ist, denkt er schon wieder ans Nächste. (,,So tauml' ich von Begierde zu Genu ß _wenn er nicht mit Gretchen zusammen ist, aber mit ihr zusammen sein will_ Und im Genußverschmacht' ich nach Begierde _wenn er mit Gretchen zusammen ist, denkt er schon wieder ans Nächste_." 3249-3250 _
-·aus dieser allgemeinen Situation zeichnet sich der Anfang der Tragödie ab_

Gretchens Stube

- Gretchen sitzt am Spinnrad und singt ein Liebeslied über Faust
Marthens Garten (,,Religionsgespräch"/ ,,Gretchenfrage")
- Gretchen möchte von Faust wissen: ,,Wie hast du's mit der Religion?" ·Faust weicht der Frage aus (,,Laßnur mein Kind")
- Gretchen läßt nicht locker und fragt nochmals: ,,Glaubst du an Gott?"
- Faust gibt keine konkrete Antwort: ,,...Nenn es dann, wie du willst, nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür!..." (3453-3456)
- Gretchen schlußfolgert daraus: ,,...denn du hast kein Christentum..." (3468)
- Gretchen äußert Faust gegenüber ihre Abneigung gegen Mephisto (,,...Der Mensch, den du da bei dir hast, ist mir in tiefer innrer Seele verhaßt...")
- sie will, daß es Faust genauso geht (,,...Dir, Heinrich, muß es auch so sein..." 3500)
- Faust und Gretchen wollen sich in der Nacht treffen (Faust gibt Gretchen Schlaftropfen für die Mutter, damit diese nichts bemerkt)
- Gretchen weiß nicht, was sie zu all' dem treibt
- als Gretchen weg ist, taucht Mephisto auf und macht sich im Dialog mit Faust über Gretchen lustig
- Faust bereut es schon teilweise, sich mit Mephisto eingelassen zu haben

(Mephisto = Trennwand zwischen Faust und Gretchen)

FAUST GRETCHEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am Brunnen

- Dialog Gretchen -Lieschen: -sie unterhalten sich über das Schicksal von Bärbelchen
- Gretchen bedauert sie (kann sich in deren Lage versetzten
- Lieschen regt sich über Bärbelchens Verhalten auf und gönnt es ihr (3551) ·Monolog Gretchen: - Gretchen ahnt, daß sie schwanger ist
- denkt darüber nach, wie sie sich sonst über andere aufregen konnte und jetzt ergeht es ihr selber so

Zwinger

- Gretchen befindet sich in einer verzweifelten Situation
- deshalb geht sie in den Zwinger und bittet bei Mater dolorosa (Mutter des Schmerzen) um Hilfe

Nacht

- Gretchens Bruder Valentin berichtet, daß er bei Zusammenkünften mit anderen Soldaten in der Vergangenheit immer nur Lob über Gretchen sagen konnte (tugendhaft, fromm, lieb):

,,...Aber ist eine im ganzen Land,

Die meiner trauten Gretel gleicht,

Die meiner Schwester das Wasser reicht?..." (3631-3633)

- er stellt nun jedoch fest, daß das Gegenteil die momentane Situation ist (alle reden über Gretchen und zeigen auch mit den Finger auf ihn, der sie sonst immer gelobt hat):

,,...Und nun!..Mit Sticheleien, Naserümpfen

Soll jeder Schurke mich beschimpfen!... (3638-3641)

- er macht ihr Vorwürfe
- plötzlich bemerkt Valentin, daß Faust und Mephisto sich nähern
- Faust und Mephisto unterhalten sich vor Gretchens Zimmer über sie
- Mephisto singt ein Lied für Gretchen (über ihre momentane Situation)
- der Bruder ist darüber ärgerlich, da er nun eine Bestätigung für seine Vermutungen und die Gerüchte der Leute hat
- Valentin fordert Mephisto zum Kampf auf -in diesem Kampf ersticht Faust Valentin -Mephisto und Faust fliehen aus der Stadt
- im Sterben schimpft weiter Valentin mit Gretchen und flucht (,,...Du bist doch nun einmal eine Hur'..."3730)
- Valentin stirbt am Ende der Szene

Dom

-Gretchen sitzt im Dom und führt einen Dialog mit dem Bösen Geist (ihr Gewissen) -der Böse Geist weist sie auf alle ihre ,,Taten" in der letzten Zeit hin (Tod der Mutter, Schwangerschaft)
-Gretchen bekommt immer mehr Angst und fällt am Ende der Szene in Ohnmacht

3. Verführungsaktion: ,,Walpurgisnacht"

-in der Nacht zum 1. Mai treffen sich die Hexen auf dem Brocken zum Hexentanz und tanzen als Huldigung für den Teufel
-Mephisto entzieht Faust mit seiner Fahrt zur Walpurgisnacht zunächst der Verfolgung wegen des Mordes an Valentin
- damit kann es auch in der Beziehung zwischen Faust und Gretchen keine Entwicklung geben die räumliche Entfernung läßt Faust Gretchen zunächst vergessen
-Mephisto führt Faust zur Walpurgisnacht um ihn in ,,...abgeschmackten Zerstreuungen..." über Gretchens Schicksal hinwegzutäuschen
-er will Faust's niedere sinnliche Natur ansprechen (vielleicht wird es ja mit der Liebe zu einer Hexe was)
-so bildet die Tanzszene mit den Hexen das Gegenstück zu der Szene in Marthe's Garten -Faust tanzt mit einer jungen, Mephisto mit einer alten Hexe
-durch den Tanz mit der Hexe ist Gretchen plötzlich wieder in Faust's Bewußtsein getreten ,,...Ich mußbekennen, daßmir deucht, daßsie dem guten Gretchen gleicht " (4178-4188)

Das Ende der Gretchen-Tragödie: Katastrophe & Rettung:

Trüber Tag. Feld

-dies ist die einzige Prosaszene des Stücks
-der Leser erfährt, was in der Zwischenzeit mit Gretchen passiert ist -Gretchen sitzt im Gefängnis (als Kindsmörderin)
-Faust beschimpft Mephisto, daß er sich mit ihm amüsiert (Walpurgisnacht) während Gretchen leidet
-Mephisto stellt klar, daß Faust für seine Taten selbst verantwortlich ist (,,...Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?...")
-Faust will Gretchen aus dem Kerker befreien
-Mephisto schlägt Entführung vor und bietet seine Hilfe dabei an Nacht. Offen Feld
-Faust und Mephisto sind unterwegs zum Kerker

Kerker

-Gretchen wird durch Gott gerettet - RETTUNG
-in Realität wird Gretchen als Kindsmörderin hingerichtet (sie geht nicht mit Faust mit, denn sie kann es mit ihrem gewissen nicht vereinbaren) -KATASTROPHE

Gretchentragödie: Ende und Rettung

Vorausgegangen: Kindesmord, Tod der Mutter, Tod Valentins Geisteszustand: - Lied vom gegessenen Schwesterchen
- erkennt des Geliebten nicht
- verwechselt die Realitätsebenen
- Gefühlsschwankungen
- Visionen

Höhepunkt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gretchens Ende

1. Begegnung Spiegelbild Hexenküche

Auerbachs Keller

Wette Faust/Mephisto Wette im Himmel

Die Gretchenhandlung ist ein in sich abgeschlossenes Drama. Sie bildet den Einstieg in Faust's spätere Verwicklungen und sein erstes Schuldigwerden. Gretchen ist für Faust nur eine Episode auf seinem Weg, der von seinem Erkenntnistrieb und Drang nach Lebensgenuß bestimmt wird.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Faust-Figur
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V98949
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Johann, Wolfgang, Faust, Faust-Figur
Arbeit zitieren
Nicole Fleischmann (Autor), 2000, Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Faust-Figur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98949

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