Schiller, Friedrich - Die Räuber - Erörterung des Begriffes


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

6 Seiten, Note: 1


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Gliederung:

A Die Bedeutung des Begriffs ,,Freiheit" für den Menschen

B Eröterung des Themas
I. Der Begriff ,,Freiheit" bei den Räubern
II. Der Begriff ,,Freiheit" bei Franz Moor
III. Der Begriff ,,Freiheit" bei Karl Moor
IV. Beurteilung der Gedankenmodelle durch Schiller

C Wirkung und aktueller Bezug des Dramas

"Freiheit" in Schiller Drama "Die Räuber"

In Schillers Drama ,,Die Räuber" wird der Begriff ,,Freiheit" bzw. ,,frei sein" in sehr unterschiedlichem Sinn gebraucht. Stelle die verschiedenen Gedankenmodelle dar, die damit verbunden werden. Gehe auch darauf ein, ob bzw. wie Schiller die einzelnen Vorstellungen beurteilt.

Freiheit, im Sinne von Unabhängigkeit bzw. dem Fehlen eines Zwanges ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen und die Voraussetzung allen menschlichen Handelns. Es wird unterschieden zwischen der Freiheit von einem äußeren Zwang und der inneren Freiheit, nach Kant der ,,sittlichen Selbstgesetzgebung oder Autonomie"1.

Das Streben nach Freiheit, die Entscheidungen aus eigenem Ermessen ermöglicht, zieht sich wie ein roter Faden durch den Lauf der Geschichte und war immer wieder Auslöser für Konflikte und Machtkämpfe, wie zum Beispiel bei der französischen Revolution. In der Stilrichtung des ,,Sturm und Drang", der der junge Schiller angehörte und der auch sein Drama ,,Die Räuber" zuzuordnen ist, spielt der Ruf nach Freiheit gegenüber der Willkür der absolutistischen Herrscher neben der Betonung des Gefühls und der Auflehnung gegen die verstandesbetonte Aufklärung eine tragende Rolle.

In diesem Drama, das von der Selbstzerstörung einer Familie handelt, wird der Begriff ,,Freiheit" bzw. ,,frei sein" in sehr unterschiedlicher Weise gebraucht.

Für die Räuber, darunter vor allem Roller, Schweizer und Spiegelberg, bedeutet Freiheit in erster Linie Freiheit von Gesetzen, diese Freiheit ist sozusagen ihre Existenzgrundlage. So singen sie im vierten Akt2 in ihrem Räuberlied:

,,Stehlen, morden, huren, balgen

Heißt bei uns nur die Zeit zerstreuen. Morgen hangen wir am Galgen, Drum laßt uns heute lustig sein.

Ein freies Leben führen wir, (...)" (IV/5, S.105, Z.25-29)

Dieses ,,freie Leben" ist jedoch längst nicht so frei wie sie denken. Durch ihre vielen Raubzüge sind sie überall bekannt und können sich nirgends mehr öffentlich blicken lassen.

Dies bedeutet, dass ihr Freiheitsideal und ihre ,,Freiheitsverehrung" (vgl. S.75, Z.32ff) im Prinzip nur Illusionen sind, dass sie Freiheit im Sinne der Definition (siehe Einleitung) also gar nicht genießen können.

Sie schätzen die Freiheit von Gesetzen höher als die ,,wirkliche" Freiheit, die sie an einer Stelle des Dramas angeboten bekommen: Als sie im Wald von Armee umstellt sind, bekommen sie ein Angebot übermittelt, das ihnen ihre Freizügigkeit im Tausch gegen den Hauptmann Karl Moor zusichert. In dieser beinahe aussichtslosen Lage entscheiden sie sich für ihren Anführer und damit gegen die Amnestie; letztendlich können sie sich dann doch noch durch Kampf befreien.

Freiheit ist für sie folglich ein Zustand von Unabhängigkeit und innerer Freiheit; Freiheit im Sinne von Willensfreiheit (welche sie mit der Amnestie erhalten würden) scheint ihnen weniger wichtig zu sein.

Das zeigt sich allein schon daran, dass sie einen Anführer für ihre Bande bestimmen, denn mehr Macht für eine Person bedeutet durchschnittlich weniger Freiheit für den Einzelnen. Trotzdem entscheiden sie sich gegen Spiegelbergs Willen für Karl Moor als Räuberhauptmann. Dies wird von Roller dadurch begründet, dass auch die Freiheit ,,ihren Herrn" haben muss (vgl. S.30, Z.36ff); die Bande nimmt ihre Freiheitsbeschränkung also willentlich in Kauf.

Kosinski, ein böhmischer Edelmann, der um sich persönlich zu rächen Räuber wird, schätzt die Freiheit, die er als Räuber hat, sogar höher ein als Ehre und Leben, die er mit seinem Räuberdasein gefährdet (vgl. S. 83, Z.35f).

Abschließend lässt sich zu den Räubern sagen, dass Freiheit für sie ein zentraler Bestandteil ihres Lebens ist, auf den sie zumindest nicht vollständig verzichten wollen. Franz Moor, der jüngere Bruder von Karl und auf dem Schloß der Grafschaft Moor wohnhaft, nimmt das Wort Freiheit zwar nicht in den Mund; aus seinen Äußerungen lässt sich jedoch ableiten, dass auch er eine bestimmte Vorstellung von Freiheit hat.

Um sich seines Bruders, dem legitimen Erben der Grafschaft, zu entledigen, versucht er ihn durch eine Intrige beim Vater in Missgunst zu bringen. Franz, der sich von der Natur benachteiligt fühlt, (vgl. S.16, Z.29ff) will die Freiheit des Herrschers für sich alleine, will alles Störende vernichten. So sagt er in einem Monolog: "Ich will alles um mich herum ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht der Herr bin" (I/1, S.18, Z.37f). Dies zeigt,

dass er Freiheit als Unabhängigkeit von äußeren Faktoren begreift. Diese Freiheit braucht er, um sich selbst zu verwirklichen, nämlich um Herrscher der Grafschaft zu werden.

Gleichzeitig will er Freiheit von allen kirchlichen Zwängen, er sagt ,,es ist kein Gott" (S.124, Z.15) und leugnet die Unsterblichkeit der Seele (vgl. S.125, Z.3ff). Dies weißt ihn als einen Anhänger der Aufklärung aus, in der die Loslösung von kirchlicher Gebundenheit eine große Rolle spielt.

Als Teil seiner Freiheit sieht er das Recht über andere Menschen bestimmen zu können. Dies zeigt sich an seinem Verhalten gegenüber Amalia, die er als seine Frau gewinnen möchte und über deren Selbstbestimmung er sich hinwegsetzen möchte (vgl. III./1.) wie auch an seinem Verhalten gegenüber der Dienerschaft des Schlosses, die er für seine Zwecke missbraucht (vgl. Verhalten gegenüber Hermann, II./1.).

Ohne diesen Freiheiten erscheint Franz, dem Materialisten sein Leben nicht mehr lebenswert. Als in der ersten Szene des fünften Aktes die Räuber in das Schloss eindringen sieht er seinen Besitz und seine Macht gefährdet und bringt sich selbst mit einer Hutschnur um.

Karl Moor, Student, Räuberhauptmann und Erbe der Grafschaft Moor hat verschiedene Vorstellungen von Freiheit. Einerseits begreift er Freiheit vor allem als Auflehnung gegen die Gesellschaft und gegen beengende Gesetze; seiner Meinung nach verhindern Gesetze die freie Entfaltung des Menschen. So sagt er: ,,Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus" (S.20, Z.26ff). Er wendet sich damit zweifellos gegen die damals vorherrschende Herrschaftsform, den Absolutismus. Sein Räuberleben sieht er als ein Leben in Freiheit und ohne Zwang an.

Sein Charakter ist von einem starken, emotionalen Freiheitsdrang gekennzeichnet. Dies zeigt sich zum Beispiel durch folgende Aussage: "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit,(...)" (S.33, Z.3f). Dieser Drang lässt ihn bisweilen als einen ,,Feuerkopf" erscheinen; viele seiner Handlungen sind Folge seiner Spontaneität und seiner Konzeptionslosigkeit. Auf Grund seines Lebenswandels hat der Räuber Moor eigentlich nur die Wahl zwischen totaler Freiheit in Form eines gesetzlosen Lebens im Wald oder dem Tod, da er überall steckbrieflich gesucht wird (vgl. S.75 Z.23f: ,,Tod oder Freiheit") - verständlicherweise zieht er während dem Hauptteil des Dramas das freie Leben vor. Erst ganz am Schluss, als er keinen Sinn mehr in seinem Leben erkennen kann, liefert er sich der Justiz aus und gibt somit seine Freiheit auf.

Als Räuberhauptmann gibt er viele seiner persönlichen Freiheiten zu Gunsten der Bande auf, er ist ein Idealist. Für die Freiheit seines Kumpanen Roller, der in Gefangenschaft geraten ist, opfert er eine ganze Stadt (vgl. S.64).

Am Ende des Dramas zeigt sich, dass ihm seine Freiheit (in diesem Fall vor allem im Sinne von Freizügigkeit) sogar wichtiger ist als seine Verlobte Amalia, die er als Preis für seine Freiheit, die er mit dem Treueschwur teilweise aufgegeben hatte, töten muss (vgl. S.137, Z.31-37; S.136).

Der junge Schiller war ein glühender Verfechter der Freiheitsidee. Während der Entstehung ,,Der Räuber" wurde Freiheit im physischen wie im metaphysischen Sinn zum Zentrum seines Denkens3. Seiner Meinung nach ist das ,,Ziel der Freiheit im Zentrum aller Kultur"4. Schillers Einstellung zu Freiheit kann man teilweise auch aus diesem Drama herauslesen. Freiheit, zu der auch die Auflehnung gegen übliche Normen gehört, nimmt er sich, indem er die äußere Form wie die stilistischen Merkmale seines Dramas ganz bewusst gegen die damals übliche Form des ,,aristotelischen Dramas" verstoßen lässt.

Schiller stellt sein Freiheitsideal durch den sympathischen Helden Karl Moor dar, der sich gegen beengende Gesetze wendet und seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Dieses Ideal entspricht augenscheinlich dem des Sturm und Drangs.

Die Freiheitsvorstellungen von Franz hingegen, die auf aufklärerischem Denken begründet sind, beurteilt Schiller eindeutig negativ. Dies geschieht durch die Belegung Franzes mit einem schlechten Charakter und durch sein totales Scheitern am Schluss des Dramas. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Schiller mit diesem Stück beim Leser bzw. beim Theaterbesucher eine Identifikation mit seinen Freiheitsidealen erreichen will.

Der Begriff ,,Freiheit" wird in dem Drama zwar mit verschiedenen Gedankenmodellen assoziiert, spielt aber insgesamt eine wichtige Rolle.

Schillers Drama war bei der Uraufführung ein herausragender Erfolg. Der Bericht eines Augenzeugen lautet wie folgt: ,,Das Theater glich einem Irrrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, (...). Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus deßen Nebel eine neue Schöpfung hervorbricht."5

Anscheinend traf er damals genau den Zeitgeist. Aber auch heute noch haben die Motive dieses Stückes nichts von ihrer Faszination verloren. Freiheit ist selbst heutzutage für viele Menschen noch keine Selbstverständlichkeit, denken wir nur an unterdrückte Völker oder Minderheiten. Für sie ist der Kampf für Freiheit genauso wie für Karl eine wichtiger Bestandteil ihres Lebens!

Literaturverzeichnis:

1. Primärliteratur

1. Friedrich Schiller ,,Die Räuber", Philipp Reclam jun., Stuttgart 1969,

2. Sekundärliteratur

1. Erläuterungen und Dokumente zu ,,Die Räuber", Reclam 1976

2. Erläuterungen zu Schillers Jugenddrama ,,Die Räuber", neu be-arbeitet von Prof. Dr. Oswald Woyte, C. Bange Verlag

3. Daten deutscher Dichtung von H.A. und E.Frenzel, dtv 1953

4. Dtv-Lexikon in 20 Bänden, 1977

[...]


1 nach dtv-Lexikon, Band 7, S.17

2 alle Zitate aus Friedrich Schiller ,,Die Räuber", Philipp Reclam jun, Stuttgart 1969,1992

3 vgl. dtv-Lexikon, Band 16, S.128

4 dtv-Lexikon, Band 16, S.129

5 aus ,,Erläuterungen und Dokumente zu Friedrich Schiller ,,Die Räuber", S.146, Reclam 1976

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Schiller, Friedrich - Die Räuber - Erörterung des Begriffes
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
6
Katalognummer
V98957
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Hausaufsatz aus dem Deutschunterricht der 11. Klasse
Schlagworte
Schiller, Friedrich, Räuber, Erörterung, Begriffes
Arbeit zitieren
Simon Kubbies (Autor), 2000, Schiller, Friedrich - Die Räuber - Erörterung des Begriffes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98957

Kommentare

  • Gast am 20.3.2001

    interessant.

    Wirklich sehr interessant,dieser Aufsatz;möchte gerne wissen,ob das auch alleine ohne Hilfe zu Stande gekommen ist?!?Ist aber ein gutes Thema,da der Begriff Freiheit auch in anderen Stücken Schillers eine bedeutende Rolle spielt!Es lohnt sich,diesen Aufsatz zu lesen!

  • Gast am 10.4.2001

    Super.

    Schöner Aufsatz, hätte gar nicht gedacht, dass der wirklich aus der 11 stammt.

  • Gast am 28.5.2001

    finde ich brauchbar!.

    Nicht schlkecht für die 11! Würde mir von meinem Deutschlehrer auch mal so ein Thema wünschen! Bei uns fängt jede Aufgabenstellung mt Interpretieren Sie... Laaangweilig!

  • Gast am 27.6.2005

    Nicht schlecht - aber nicht brilliant.

    Zugegebenermaßen ist der Aufsatz inhaltlich hervorragend, fast schon zu gut für einen Elftklässler. Sprachlich allerdings sind mir schon brillantere Aufsätze zwischen die Finger gekommen. Natürlich ist die Sprache nicht schlecht, es fehlt ihr aber an leichtigkeit und an einigen brillanten Ausdrücken, die für solch einen Aufsatz dann das Salz in der Suppe sind.

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