Interpersonale Kommunikation bei Menschen mit Demenz


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten

3. Interpersonale Kommunikation am Beispiel non-verbaler Kommunikation

4. Kommunikation bei Menschen mit Demenz
4.1 Gründe für eine gestörte Kommunikation bei Demenz
4.2 Sprachliche Störungen bei Demenz
4.3 Kommunikationsstrategien

5. Fazit und Ausblick

6. Selbstreflexion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Menschen verbindet der elementare, starke und allumfassender Wunsch, sich anderen mitzuteilen (Hargie 2013, S. 15). Darunter fällt auch, dass wir das Bedürfnis empfinden soziale Beziehungen zu knüpfen, zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. UnserVerhalten verändert sich bei Gegenwart einer anderen Person. Die Forschung zeigt, dass die Beteiligung an förderlicher interpersonaler Kommunikation sich nachweislich positiv auf unsere Stimmung auswirkt. Umgekehrt gilt, dass das Ergebnis oft Einsamkeit, Traurigkeit und Depression ist. Individuen müssen also miteinander kommunizieren. Wir Menschen brauchen die Interaktion und Begegnung mit anderen um uns wohlfühlen und entwickeln zu können (Sachweh 2008, S. 11). Kommunikation hat somit auch eine zentrale Bedeutung in der Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz. Herbei spielt zusätzlich das Verlorengehen der Sprache eine wichtige Rolle.

Die Versorgung der hohen und stetig steigenden Anzahl von demenzkranken älteren Menschen stellt eines der größten sozial- und gesundheitspolitischen Problemen dar (Bickel 2012, S. 18-19). Weltweit wird die Anzahl an Menschen mit einer Demenz auf 35,6 Millionen geschätzt, wobei man zusätzlich von einem rasanten Anstieg für die kommenden Jahre ausgeht. In Deutschland sind es schätzungsweise über 1,4 Millionen Menschen und esgibtjährlich etwa 200.000 Neuerkrankungen (Döbele & Schmidt 2014, S. 2). In den westlichen Ländern wird eine Gesamtprävalenz (der Krankenbestand zu einem bestimmten Zeitpunkt) für die über 65-jährigen zwischen 5 und 9% berichtet (Jahn & Werheid 2015, S. 13). Allerdings sind einige Abweichungen in der Forschung zu finden. Werden auch leichtere Demenzstadien miteinbezogen, beläuft sich die Prävalenzrate der über 65-jährigen auf bis zu 10%. Allgemein sind die Frauen öfter betroffen als die Männer. Somit wird die Demenz auch als Volkskrankheit von hoher sozialmedizinischer Bedeutung gesehen.

Die Begleitung von Menschen mit Demenz wird als große Herausforderung empfunden, da die Pflege und Betreuung grundlegende Kenntnisse sowie Erfahrung erfordert und mit fortschreitendem Verlauf der Krankheit auch zunehmend mit emotionalen Belastungen einhergeht. Häufig scheitert eine erfolgreiche Kommunikation daran, dass man die zu versinken scheinende Persönlichkeit eines Menschen mit Demenz nur sehr schwer erreichen kann (Powell 2002, S. 10). Viele Menschen, Angehörige und Mitarbeiter von Diensten und Einrichtungen der Altenhilfe, wissen nicht richtig hiermit umzugehen und resignieren, obwohl es zahlreiche Wege gibt, die „Tür" zur Persönlichkeit einer an Demenz erkrankten Person zu „öffnen" und mit dieser in Interaktion zu treten. Die Teilnahme am Alltag, Zugehörigkeit und guter Kontakt tragen zur Lebensqualität bei und somit steigert eine gelungene Kommunikation auch das Wohlbefinden, wobei die Art und Weise der Kommunikation entscheidend ist (Steinmetz 2016, S. 58-59).

Im folgenden werde ich vorerst die Begriffe „Kommunikation" und „Demenz" definieren, um dann genauer auf die interpersonale Kommunikation am Beispiel nonverbaler Kommunikation einzugehen. In einem zweiten Schritt werde ich beschreiben, wie Kommunikation speziell bei Demenz aussieht, welche Gründe es für eine gestörte Kommunikation gibt, welche Schwerpunkte hierbei zu beachten sind, sowie Wege zu einer gelungenen Kommunikation mit Menschen mit Demenz erläutern. Dabei möchte ich hervorheben, wie wichtig und gleichzeitig schwierig eine gelungene Kommunikation besonders bei Menschen mit Demenz ist sowie dass es trotzdem zahlreiche Möglichkeiten gibt mit demenzerkrankten Menschen zu kommunizieren, auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können und ihr Wohlbefinden zu steigern.

2. Begrifflichkeiten

Um das Thema der Kommunikation bei Demenz vertiefen zu können, müssen vorerst einige Begrifflichkeiten geklärt werden. Was bedeutet überhaupt Kommunikation und welche Grundzüge kennzeichnen eine Demenz?

„Der Begriff Kommunikation stammt vom Italienischen »communicare« teilen, mitteilen, teilnehmen, und bedeutet ein gemeinschaftliches Handeln, bei dem Ideen, Gedanken, Wissen, Erlebnisse und Erkenntnisse ausgetauscht werden." (Döbele & Schmidt 2014, S. 26). Ein weiteres bekanntes Zitat, welches oft im Zusammenhang mit einer Definition von Kommunikation steht ist folgendes: „Man kann nicht nicht kommunizieren" (Watzlawick in: Döbele & Schmidt 2014, S. 26). Dies meint, dass Menschen auch ohne in Worten zu sprechen, auch immer durch andere Verhaltensweisen bestimmte Signale senden und sich so miteinander austauschen. Die gängigsten Ausdrucksweisen sind Gestik und Mimik, vor allem bei Menschen die in ihrer Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sind. Hintergrund der Kommunikation ist also auch immer sozialer Natur und verbirgtgewisse Strategien (Frindte 2001, S. 9, 11-12, 17). Kommunikation beinhaltet also in Beziehung zu treten mit anderen Individuen, Verbindungen zu schaffen sowie sich untereinander und miteinander zu verständigen. Im Fokus der Kommunikation steht das wechselseitige in Beziehung treten mit Hilfe verbaler und/oder nonverbaler Signale. Kommunikation ist ein sozialer Prozess, bei dem beide Individuen sich gegenseitig anregen, Vorstellungen und Bilder über die Wirklichkeit zu produzieren. Die zwei wesentlichen Merkmale um Kommunikation zu definieren sind also einerseits der soziale Prozess zwischen zwei Individuen und andererseits die Wirklichkeitskonstruktion jedes Einzelnen.

Bei einer Demenz erlebt der Betroffene zwei parallel verlaufende Arten von Veränderung (Kitwood 2013, S. 49). Einerseits das fortschreitende Versagen geistiger Kräfte, wie das Gedächtnis, das Denken und Handeln sowie der Abbau der Struktur des Gehirns. Andererseits verändert sich das sozialpsychologische Umfeld im Zusammenhang von Beziehungen und Interaktion mit anderen Menschen. Im Großen und Ganzen hat man sich in der Forschung vor allem mit der neurologischen Veränderung bei Demenz befasst. Viele Menschen verbinden den Begriff der Demenz mit dem der Alzheimer-Demenz, welche nur eine von vielen Formen der Demenz darstellt, jedoch mit 50-80% auch die häufigste ist (Bickel 2012, S. 21). Allerdings umfasst der Begriff Demenz um einiges mehr und ist ein wissenschaftlicher Terminus für eine weitgefasste pathologische Kategorie (Kitwood 2013, S. 52). So versteht man unter Demenz keine Krankheit, sondern vielmehr ein „ Syndrom aus einer erworbenen Störung von Gedächtnisfunktionen sowie weiteren kognitiven Einbußen und Verhaltensdefiziten. Die kognitiven Beeinträchtigungen, dieje nach zugrunde liegender Ursache progredient, gleichbleibend oder reversibel sein können, dürfen nicht nur im Rahmen einer Delirs auftreten und müssen so stark ausgeprägt sein, dass sie sich in einer reduzierten Alltagskompetenz niederschlagen." (Jahn & Werheid 2015, S. 9). Zur Klassifikation einer Demenz benutzt man die internationaen Klassifikationsysteme DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Ausgabe) oder ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten 10). Wobei in beiden Systemen zunächst eine Störung des Gedächtnisses anfallen muss sowie mindestens eine weitere kognitive Beeinträchtigung hinsichtlich Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen mit der Folge einer reduzierten Alltagskompetenz (Jahn & Werheid 2015, S. 3). Die kognitiven Beeinträchtigungen müssen mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten bestehen (Schaub & Freyberger 2012, S. 87). Weitere Formen der Demenz sind beispielsweise die Lewy-Body-Krankheit, vaskuläre Demenzen oder toxische Demenzen. Während meiner Arbeit, werde ich mich insgesamt auf den Alzheimer-Typus beschränken, da dies die am meisten verbreitete Form ist. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Stadien der Demenz, wobei der Verlauf meist stufenartig passiert (Bickel 2012, S. 25, Steinmetz 2016, S. 53-54). Grob unterscheidet man zwischen einer leichten Demenz, wenn die Person noch die Fähigkeit hat, allein zurechtzukommen, einer mittleren Demenz, wenn die Person gewisse Hilfe bei der Alltagsbewältigung benötigt und einer schweren Demenz, wenn eine völlige Hilflosigkeit sowie Versorgungsbedürftigkeit rund um die Uhr besteht.

3. Interpersonale Kommunikation am Beispiel nonverbaler Kommunikation

In der Forschung gibt es mittlerweile zahlreiche Kommunikationstheorien, jedoch werde ich mich für meine Arbeit auf die nonverbale Kommunikation beschränken, da diese vor allem im Zusammenhang mit Demenz eine wesentliche Rolle einnimmt. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Mimik, Gestik, Blickverhalten, Körperhaltung, Berührung, Raumverhalten, Vokalisierungen und der äußeren Erscheinung (Frindte 2001, S. 97). Die verbale Kommunikation grenzt sich dazu in Form von Sprechen oder Schreiben ab (Argyle 2013, S. 13). Nonverbale Kommunikation findet immer dann statt, wenn ein Individuum jemand anderes mithilfe eines nicht wörtlichen Signal beeinflusst, absichtlich oder nicht (Argyle 2013, S. 12). Es beschreibt also einen Ausdruck von Emotionen, wobei ein Mensch seinen Zustand signalisiert, welcher daraufhin von jemand anderem interpretiert wird, jedoch nicht unbedingt in zutreffender Weise. Argyle (2013, S. 12-13) spricht dabei von der Encodierung (Signalisierung des Zustandes) und der Decodierung (Interpretierung).

Des Weiteren unterscheidet Argyle (2013, S. 16) zwischen fünf Arten der Kommunikation. Erstens die Äußerung von Emotionen, welche hauptsächlich mithilfe von Gesichtsausdruck, Körper und Stimme von statten geht. Zweitens die Mitteilung interpersonaler Einstellungen. Drittens die Begleitung und Unterstützung von sprachlichen Äußerungen. Dies geschieht meist durch Kopfnicken, Blickkontakt, und nonverbale Lautäußerungen. Viertens die Selbstdarstellung, welche weitestgehend durch die äußerliche Erscheinung erreicht wird. Und Fünftes Rituale, welche vor allem bei Begrüßungen eine wichtige Rolle spielen. Die Bedeutung der nonverbalen Signale ist nicht immer deutlich erkennbar. So muss sie vor allem immer mit dem spezifischen gesellschaftlichen Umfeld in Verbindung gesehen werden (Argyle 2013, S. 18-19). Die Äußerung von Emotionen spielt also eine wesentliche Rolle. Hierbei werden mehrereTypen von Emotionen unterschieden (Argyle 2013, S. 97): Freude, Traurigkeit, Überraschung, Wut, Verachtung/ Ekel, Angst, Interesse, Scham, Erheiterung, Langeweile, Ungeduld, Erschöpfung, Schmerz, sexuelle Erregung und religiöse Gefühle. Die unterschiedlichen Kanäle der nonverbalen Kommunikation möchte ich im folgenden genauer erläutern.

Der Gesichtsausdruck: Die bereits genannten Emotionstypen können mithilfe des Gesichtsausdruckes signalisiert werden. Dabei sind einige schwerer voneinander zu unterscheiden als andere (Argyle 2013, S. 155-157, Delhees 1994, S. 148). Ein Lächeln kann als gefühlt, falsch oder auch traurig interpretiert werden. Gesichtsausdrücke müssen aber nicht unbedingt mit Emotionen verbunden sein, sondern können auch gesprächsbezogene Signale darstellen, wie etwa das Hochziehen der Augenbrauen als Zeichen der Skepsis oder des Nicht-Verstehens.

Nonverbale Vokalisierungen: Unter Vokalisierungen werden nonverbale Laute verstanden, die aneinandergereiht werden und eine Lautfolge entstehen lassen (Argyle 2013, S. 177). Diese können als verbale Äußerungen aber auch als Ausdruck von Emotionen oder interpersonalen Einstellungen verstanden werden. Es gibt zwei Gruppen von nonverbalen Vokalisierungen (Delhees 1994, S. 142). Zur ersten Gruppe gehören die Merkmale der Stimme, wie etwa die Stimmlage, Lautstärke, Geschwindigkeit, Rhythmus und Resonanz. Die zweite Gruppe kennzeichnen emotionale Ausrufe, wie Klagen, Stöhnen, Schreien, Lachen, Weinen, Pfeifen und Laute wie „Ooh" oder „Aah".

Blickverhalten: Das Blickverhalten dient vor allem dazu, die Äußerungen anderer Menschen wahrzunehmen (Argyle 2013, S. 194-196, Delhees 1994, S. 151). Aber auch die Art und Weise wie Blickkontakt hergestellt und aufrechterhalten wird oder nicht, hat die Bedeutung von Signalen. Meist wird Blickkontakt als Interesse einer anderen Person gegenüber gedeutet. Mögliche Signale im Zusammenhang mit dem Blickverhalten können durch Pupillenerweiterung, Ausdruck der Augen, Dauer der Blicke, Häufigkeit, Wechselseitigkeit, Lidschlagfrequenz und die Richtung, in die der Blick beim Beenden von Blickkontakt abgewendet wird, vermittelt werden.

Gesten und andere körperliche Bewegungen: Innerhalb der Kommunikation spielen sich meist eine Menge an körperlichen Bewegungen ab (Argyle 2013, S. 237, Hargie 2013, S. 83-85). Grundsätzlich unterscheidet man zwischen fünf Kategorien körperlicher Bewegung. Erstens die Embleme, welche als nonverbale Akte - meist mithilfe der Hände - für die es eine direkte Interpretierung gibt, verstanden werden. Zweitens die Illustratoren, welche dazu dienen, das Gesagte zu unterstreichen. Drittens die Regulatoren, welche dafür sorgen, dass der Sprecherwechsel reibungslos verläuft. Viertens die Affektdarstellungen, welche willkürlich Gefühle ausdrücken und fünftens die Adaptoren, welche während des Gespräches genutzt werden um körperliche Bedürfnisse zu stillen, wie etwa das Herumfummeln mit einem Gegenstand.

Körperhaltung: Esgibt vier Haupt-Körperhaltungen: Stehen, Sitzen, Kauern und Liegen (Argyle 2013, S. 255 - 258, Hargie 2013, S. 87). Weitere Unterschiede können zwischen der Neigung (nach vorne, nach hinten oder zur Seite), der Haltung der Arme (geöffnet, verschränkt, auf den Hüften), der Haltung des Kopfes und der Haltung der Beine festgehalten werden. Interpretiert wird die Körperhaltung entweder als entspannt, angespannt oder auch gelangweilt, interessiert. Aber auch Schmerz kann mithilfe der Körperhaltung ausgedrückt werden.

Berührung: Bei Körperkontakt werden verschiedene Rezeptoren stimuliert, die auf Berührung, Druck, Kälte, Wärme oder Schmerz reagieren (Argyle 2013, S. 267-283). Aber auch die Haut kann Signale aussenden, durch ihre Temperatur und Farbe. Berührung hat dabei zwei Haupt­Bedeutungen: Freundlichkeit und Dominanz. Aber auch Zuneigung, Beruhigung und Freundschaft sowie Sympathie können Bedeutung von Körperkontakt sein.

Äußere Erscheinung: Die körperliche Erscheinung wird oftmals mit Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung gebracht (Argyle 2013, S. 289). Ernährung, Bewegung und Kleidung können die körperliche Erscheinung verändern und sagen somit auch etwas, über die Person aus. Umgedreht kann die äußerliche Erscheinung also auch als Mittel zur Übertragung bestimmter Informationen genutzt werden und stellt somit auch eine Möglichkeit der Kommunikation dar.

Weitere wichtige Eigenschaften einer gelungenen Kommunikation sind das Aktive und das Empathische Zuhören (Delhees 1994, S. 239-275, Hargie 2013, S. 225-227). Dabei können die verschiedenen Mittel der nonverbalen Kommunikation genutzt werden um aktives Zuhören zu signalisieren. So spielen hier vor allem der Blickkontakt, der Gesichtsausdruck, Kopfgesten und die Körperhaltung eine zentrale Rolle. Wobei aktives Zuhören vor allem durch den Ausdruck von Interesse sowie Verständnis und durch eine Reaktion signalisiert werden kann. Verstehen, Aufpassen, Antworten und Erinnern sind die wichtigsten Prozesse beim Zuhören. Unter empathischem oder einfühlendem Zuhören versteht Delhees die Kombination aus der Fähigkeit des Sich-Hineinversetzens in die andere Person, ein wohlwollendes Interesse und entsprechende Erfahrungen um den Gesprächspartner besser einschätzen und nachvollziehen zu können. Man sollte Verständnis zeigen, Gefühle ansprechen, Nachfragen, Paraphrasieren sowie Selbstdarstellungen, Handlungsanweisungen und moralisierende Kommentare vermeiden. Die Hauptmerkmale des empathischen Zuhörens sind Akzeptanz, eine zugewandte Haltung, Reflektion, Paraphrasieren und eine zurückhaltende Wertung. Hargie definiert empathisches Zuhören als „umfassende und echte Reaktion: beruhigen, trösten, Warmherzigkeit ausdrücken und bedingungslose Zuwendung zeigen." (Hargie 2013, S. 233). Er differenziert drei Hauptelemente des empathischen Zuhörens: Aktives emotionales Engagement, Anerkennung der Rollenübernahme als Notwendigkeit und Identifikation mit dem anderen.

4. Kommunikation bei Menschen mit Demenz

Mittlerweile gibt es in der Forschung einige Befunde, dass auch in Zeiten der Demenz, ein gutes Zusammenleben und ein gewisses Wohlbefinden mithilfe einer gelungenen Kommunikation vorherrschen können (Kitwood 2013, S. 114). Das anfangs unvermeidbar scheinende „Dahinvegetieren" der Betroffenen im Spätstadium der Demenz kann mithilfe verschiedener Techniken vermieden werden. Im Folgenden möchte ich zuerst die Gründe für eine gestörte Kommunikation bei Demenz beschreiben, insbesondere die Sprachstörungen, um dann auf die Kommunikationsstrategien einzugehen. Zunächst ist die person-zentrierte Pflege von großer Bedeutung, da diese sich auf die nonverbale Kommunikation stützt und zu einer gelungenen Kommunikation beitragen soll. In einem zweiten Schritt werde ich die weiteren Strategien am Beispiel der nonverbalen Kommunikation im Kontext der Demenz aufführen, um schlussendlich einen Überblick über die Problematik der Kommunikation bei Demenz, sowie die zahlreichen Lösungswege zu geben.

4.1 Gründe für eine gestörte Kommunikation bei Demenz

Mit dem fortschreitenden Verlauf der Krankheit, verändert sich auch zunehmend die Form und die Möglichkeiten der Kommunikation. Diese Veränderung hat mehrere Gründe. Einer dieser Gründe ist, dass sich die Persönlichkeit der betroffenen Person verändert (Kitwood 2013, S. 67). Es wurden mit dem Verlauf der Demenz auch höhere Grade an Angst, mehr Introversion und weniger Gewissenhaftigkeit festgestellt. Familienangehörige und Freunde von demenzerkrankten Personen beschreiben oft Persönlichkeitsveränderungen, beispielsweise, dassjemand, der immer freundlich und freudig war, auf einmal verärgert und eifersüchtig ist. Die Ursache für Kommunikationsstörungen kann auch beim Betreuer liegen (Döbele & Schmidt 2014, S. 29). Man sollte also immer auch das eigene Verhalten hinterfragen und analysieren. Mögliche Fragen die man sich hierbei stellen kann sind zum Beispiel: Habe ich mich undeutlich ausgedrückt? Habe ich mich verständlich formuliert? Habe ich zu laut oder zu leise gesprochen? Gab es zu viel Ablenkung? Die Beantwortung dieser Fragen kann zu einer angemessenen Interaktion beitragen sowie einem gelungenen Umgang mit Menschen mit Demenz. Weitere hilfreiche Faktoren können das Benutzen der Muttersprache oder auch eines Dialektes, eine bewusste Wortwahl und ein angepasstes Sprachtempo sowie eine angepasste Lautstärke.

Sucharowski (2014, S. 201-215) fasst die Gründe für eine gescheiterte Kommunikation bei Demenz als Verlust gemeinsamer Erinnerungsräume, kommunikative Fehleinschätzungen und fehlende Bewältigungsstrategien zusammen. DerVerlust gemeinsamer Erinnerungsräume beschreibt die Situation, in der, der eine Partner Signale in einem, für ihn üblichen Kontext, interpretiert, obwohl diese Referenz für den anderen Gesprächspartner aufgrund der Demenz nicht mehr rekonstruierbar ist. Die Rekonstruktion der Erinnerung wird von beiden differenziert betrachtet. Kommunikative Fehleinschätzungen entstehen meist dadurch, dass der Betroffene Dinge nicht mehr verstehen kann oder auch Schuldzuweisungen aufgrund der demenzbedingten Persönlichkeitsänderungen macht. Fehlende Bewältigungsstrategien führen zu einer gestörten Kommunikation, da bei Demenz oftmals Veränderungen geschehen und Anpassungsbedarf besteht.

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Interpersonale Kommunikation bei Menschen mit Demenz
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Interpersonale Wahrnehmung
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V989655
ISBN (eBook)
9783346342546
ISBN (Buch)
9783346342553
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Kommunikation
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Interpersonale Kommunikation bei Menschen mit Demenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989655

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