Leistungsförderung


Hausarbeit, 2000

11 Seiten, Note: sehr gut


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Leistungsförderung

Schule und Leistungssport - Möglichkeiten der Kooperation

1.0 Die Talentsichtungsmaßnahmen im Volleyball: Ein gemeinsames Förderprogramm des Kultusministeriums und des LSB in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen ist man stolz auf sein Kooperationsmodell für Schulen/Vereine.1 Das Programm „Talentsuche und Talentförderung“ wurde im Jahr 1983 ins Leben gerufen und weist seitdem eine stete Expansion auf. Gab es noch 1983 nur 10 Talentförderprojekte, so hat sich die Zahl bis 1994 auf 216 vergrößert und umfaßt eine breite Palette an Sportarten (z.B. Tennis, Tischtennis, Geräteturnen, Volleyball u.v.m.). Auch die statistischen Angaben zum derzeitigen Stand des Programms sehen beeindruckend aus. So arbeiten 3.500 Schulen mit 2.000 Sportvereinen zusammen und haben bereits 180.000 Schülerinnen und Schüler zum (Leistungs-?)Sport gebracht. Dabei sind die Talentförderprojekte weiter differenziert worden. Zu Beginn des Programms waren die einzelnen Standorte noch als gleichwertig zu betrachten. In den letzten Jahren fand eine Umgliederung statt, die sich nach der Leistungsorientierung der Standorte richtete. Dabei wurden Bedingungen wie der Anschluß eines Teilinternates, die Zusammenarbeit mit einem Olympiastützpunkt/Bundes -, Landesleistungsstützpunkt und nicht zuletzt der Erfolg der Arbeit (Anzahl der Kaderathleten und deren Plazierungen) berücksichtigt.

Es werden Satellitenprojekte (Förderung bis zur FS 3 bzw. D 1-/D 2-Kader), Talentförderprojekte (Förderung bis zur FS 4 bzw. D 3-/D 4-Kader) und Talentzentren (Förderung mindestens bis FS 5 bzw. C-Kader) unterschieden. Das Programm hat auch im leistungssportlichen Bereich schon einiges bewegt. So gingen 621 Jugendliche aus den Talentförderprojekten hervor, die 1.308 Plazierungen auf Landes-/nationaler und internationaler Ebene vorzu- weisen haben.2

Leider ist zur Zeit noch nicht aufgeschlüsselt, in welchen Sportarten diese Erfolge hauptsächlich errungen wurden.

Wäre dies geschehen, könnte man erkennen, daß nicht in allen Bereichen so leistungsorientiert gearbeitet werden kann, wie der Beitrag von HIERSEMANN glaubhaft machen möchte. So haben sich beispielsweise im Volleyball die sportbetonten Schulen der neuen Bundesländer weitaus erfolgreicher hervorgetan, was unschwer an den Plazierungen des Wettbewerbs „Jugend trainiert von Olympia“ 1995 erkannt werden kann (3 von vier Titeln gingen in die neuen Bundesländer, der vierte nach Baden-Würtemberg).

Leider verbaut sich HIERSEMANN diesen Weg, da er diese Schulformen für das Landesprogramm ablehnt:

Hierbei dürfen wir nicht der Versuchung unterliegen, die Nachfolgeeinrichtungen der ehemaligen Kinder- und Jugendsportschulen, die in den neuen Bundesländern unter Berücksichtigung geltender Schulgesetzgebung in Regelschulen mit sportlichem Schwerpunktüberführt wurden, als Wundermittel zur Problemlösung anzusehen. In den alten Bundesländern gibt es nicht ein einziges Pendant zu diesen Sportgymnasien, Sportgesamtschulen oder Sportmittelschulen mit angegliederten Vollinternaten. Sowohl aus schulpädagogischen als auch wegen nicht vorhandener finanzieller Möglichkeiten wird es auch zukünftig in den westlichen Ländern kein vergleichbares Modell geben.“3

Offensichtlich übersieht HIERSEMANN an dieser Stelle Schulformen wie das Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern (bes. Tischtennis und Badminton) oder der Märkischen Schule Bochum-Wattenscheid, die mit dem „Versuchsmodell Vormittagstraining“ besonders für die Rhythmische Sportgymnastik Trainingsbedingungen geschaffen hat, die denen der sportbetonten Schulen keineswegs nachstehen.

Auch die von HIERSEMANN bemängelte pädagogische Betreuung an den ehemaligen KJS steht hinter der nordrhein-westfälischen Variante nicht zurück. Am Talentzentrum Schwerte (Volleyball) stand 1994 beispielsweise für ca. 50 Kinder ¼ Lehrerstelle zur Hausaufgabenbetreuung zur Verfügung. An Stütz- oder Fördermaßnahmen war selbstverständlich nicht zu denken. In diesem Zusammenhang scheint mir in einer sportbetonten Schule, in der Trainer und Lehrer in Personalunion auftreten können, eine bessere pädagogische Betreuung möglich. Zumindest in den Mannschaftssportarten kann es nicht schaden, die Modelle der neuen Bundesländer vorbehaltlos auf ihre Verträglichkeit mit dem NRW-Landesprogramm zu überprüfen.

2.0 Trainingsaufwand im Volleyball im leistungssportlichen Bereich

Ein Rahmentrainingsplan Volleyball für das Land NRW gibt Aufschluß über die Trainingsumfänge, die nötig sind, um diese Mannschaftssportart leistungsorientiert4 zu trainieren.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Bereich der Förderstufen 1 und 2 wird der angegebene Trainingsumfang an den Leistungsstützpunkten des Landes NRW zur Zeit in der Regel sogar übertroffen. Die jungen Sportler und Sportlerinnen trainieren bei Übernahme aus den Projektgruppen in den Vereinen (oft schon ab 9 Jahren) dreimal in der Woche. Für die Vereine als Träger der Projektgruppen wird es im folgenden aber schwierig, die weiteren Trainingsempfehlungen aufrecht zu erhalten. So ist derzeit ein viermaliges Training in der Woche das Maximum, da die Jugendlichen noch zusätzliche Belastungen6, wie z.B. den Konfirmandenunterricht, auffangen müssen. In diesem Zusammenhang ist die Forderung von HOLZ verständlich:

Das bedeutet auch, daßsich die Sportlehrerüber den Schulsport hinaus stärker dem Vereinssport widmen und somit eine grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Kooperation Schule/Verein schaffen. Wichtig ist auch, daßdem Sportunterricht an den Schulen der ihm zukommende Stellenwert beigemessen wird.“7

Die Vereine sind also nicht in der Lage, den für leistungssportliches Training notwendigen Trainingsumfang8 zu gewährleisten, zumal die Förderung durch das Projekt „Landesprogramm Talentsuche und Talentförderung des Landes NRW“ spätestens in der Förderstufe 3 endet. Die wegfallenden finanziellen Unterstützungen könnten nur durch die Kommunen aufgefangen werden, was auf unabsehbare Zeit aufgrund der kommunalen Finanzsituation weniger zu erwarten ist.

Die Realisierung der absolut notwendigen Rahmenbedingungen für eine leistungssportliche Entwicklung kann demnach nur über eine engere Kooperation zwischen Schule und Verein erfolgen.

3.0 LEISTUNGSSPORT IN DER SCHULE

3.1 Die Aussage der Richtlinien von Nordrhein-Westfalen über die sportliche Leistung

Der folgende Auszug9 aus den Aufgaben des Sportunterrichtes in NRW verdeutlicht, daß der Leistungssport nicht im Widerspruch zu den Intentionen der Schule steht. Bei einer genauen Betrachtung dieses Abschnittes fällt vor allem die ausgewählte Wortwahl auf, durch die sich die Verfasser gegenüber verschiedenen Theorieansätzen über den Sportunterricht abgesichert haben:

3.2 Praktische Umsetzung der Leistungssportförderung in der Schule

Nach einem Beitrag von DRENKOW10 lassen sich drei Schultypen unterscheiden, die eine leistungssportliche Entwicklung der Schüler fördern: Sportinternate, Schulen mit leistungssportlicher Förderung und die aus den Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) der ehemaligen DDR hervorgegangenen sportbetonten Schulen. Als Ursachen für die Forderung nach leistungssportlicher Ausrichtung in den Schulen Ende der 60er Jahre macht DRENKOW zwei wesentliche Aspekte aus. Zum einen nennt er eine bildungspolitische, pädagogische Tendenz, die der Verbesserung der schulischen Leibeserziehung galt. Zum anderen macht er eine gesellschaftlich- sportpolitische Strömung aus, die auf das unbefriedigende Abschneiden westdeutscher Athleten gegenüber osteuropäischer Konkurrenz reagierte, zumal die Austragung der Olympischen Sommerspiele 1972 im eigenen Land stattfinden sollte. Die Forderung nach der Einrichtung von Sportgymnasien wurde nicht erfüllt und verschwand mit der Einrichtung des Leistungsfaches Sport in der Sekundarstufe II ganz.11 Damit war die Ta- lentsichtung und -förderung durch Schulen praktisch nicht mehr möglich. Auf Betreiben der Fachverbände entstanden zwar vereinzelt Sportinternate mit internem oder externem Schulabschluß, aber dies waren Sonderformen, die keine halbwegs flächendeckende Sichtung ermöglichten und immer mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.

So erteilt DRENKOW den Sportinternaten eine deutliche Absage, wenn er sagt:

Insgesamt wird deutlich, daßsich der Sport zur Förderung junger Leistungssportler mit den Internaten, Stützpunkten, Leistungszentren sowie Sportschulen eine Reihe von zweckdienlichen Fördereinrichtungen geschaffen hat, innerhalb des eigenen Bereichs jedoch keine strukturelle Systemlösung zur Sicherung der schulischen und sportlichen Karriere aufbauen konnte.“12

Daß die schulische Ausbildung prinzipiell hinter der sportlichen nicht zurückbleiben darf, versteht sich für jeden verantwortungsbewußten Lehrer und Trainer von selbst. Somit scheinen die sportbetonten Schulen der neuen Bundesländer, wie z.B. das Pierre-de-Coubertin-Gymnasium in Berlin, sowie die Schulen mit integrierten Sportzweigen in den alten Bundesländern, z.B. das staatliche Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern, eine Möglichkeit aufzuzeigen, die die Forderungen nach Schulbildung und Leistungssport verbinden können. Die Organisation beider Schultypen soll im folgenden dargestellt werden.

4.0 Beispiele für eine erfolgreiche leistungssportliche Kooperation zwischen Schule und Verein

4.1 Verzahnung von leistungssportlicher Ausbildung mit schulischen Anforderungen am Pierre-de-Coubertin Gymnasium Berlin

KRETSCHMER, der Schulleiter des Gymnasiums, geht in seinem Beitrag13 nicht auf das Nebeneinander von Sport und Unterricht in der Sekundarstufe I ein, was damit erklärt werden kann, daß sich die dazu notwendige Organisa- tionsarbeit unkomplizierter darstellt als in der Sekundarstufe II. In der Unter- und Mittelstufe ist es möglich, die Sportler in einer Klasse zusammenzufassen und ihnen durch gemeinsame Auslassungen in der Stundenplaneintei- lung die notwendigen Freiräume zum vormittäglichen Training zu schaffen. Diese Möglichkeit fehlt in der Oberstufe, da hier in einem Kurssystem gearbeitet wird, an dem die Kultusministerkonferenz weiter festhalten wird.14

In diesem Zusammenhang weist KRETSCHMER auf bestimmte Voraussetzungen hin:

1. Gemeinsame Abstimmung zwischen dem Sportkoordinator und dem pädagogischen Koordinator, um dem Leistungssportler eine optimale Planung des Abiturs in Verbindung mit den sportlichen Anforderungen zu ermöglichen.

2. Rücksichtnahme auf die individuelle Eignung und Neigung des Schülers15.

3.Beratung des Schülers bei der Wahl der Kurskombination im Leistungs- und Grundkursbereich

Als Beispiel dient ein allgemeiner Stundenplan16 für einen Schüler der Sekundarstufe II (12./13.Jahrgangstufe mit Einbeziehung der Leistungskurse).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Leistungskurse in den dritten und vierten Stunden sind für alle Schüler verbindlich. Freiräume ergeben sich für die Schüler bei der Auslassung bestimmter Grundkursblöcke, sowie bei der Wahl der drei Sunden Sport/ PW, wobei ein Termin für Trainingsarbeit genutzt werden kann.

Der einzige Nachteil dieses Systems besteht für Mannschaftssportler, da sich nur individuelle Freiräume erschließen lassen. Sie müssen sich, wenn es nicht nur Individualtraining in der Schule17 geben soll, in den Beratungen untereinander abstimmen und möglichst parallele Grundkursblöcke wählen. Die letzten Jahre, insbesondere gemessen an den Erfolgen des Coubertin-Gymnasiums im Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ (Volleyball), sprechen aber für die Sinnhaftigkeit diese Systems, zumal KRETSCHMER keine schulischen Schwierigkeiten erwähnt.18

Mögliche Versäumnisse, die durch den Sport verursacht wurden, werden am Coubertin-Gymnasium durch gezielte Stütz- und Fördermaßnahmen aufgefangen, die zum einen durch Eigeninitiativen der Schule und zum anderen durch finanzielle Hilfen der Deutschen Sporthilfe realisiert werden können.

4.2 Die Talentförderung durch Sportklassen am Heinrich-Heine -Gymnasium in Kaiserslautern

4.2.1 Die Schüler

Wie im Pierre-de-Coubertin Gymnasium wird in Kaiserslautern eine eigene Sportklasse je Jahrgang gebildet, die geschlossen bis zum Abitur die Schulform durchläuft:

Talentförderung durch Sportklassen19

Durch den parallelen Verlauf mit identischen Stoffinhalten kann zu jedem Zeitpunkt ein Wechsel in die normalen Klassen erfolgen, wenn der Ausstieg aus dem Leistungssport gewünscht wird.

Zusätzlich bestehen für das junge Talent zwei Möglichkeiten des Schulbesuches.

Es kann als externer Schüler jeden Tag anreisen oder im Internat untergebracht werden, wenn das Elternhaus zu weit entfernt sein sollte.

Der Schulbesuch erfolgt grundsätzlich ganztätig, wodurch eine Verbindung der Schule mit dem Training gewährleistet ist. Durch das Entfallen der Fahrtwege wird wertvolle Zeit gespart, so daß mehrmals am Tag trainiert werden kann.

Elke Schall, die inzwischen in der Damen-Nationalmannschaft eingesetzt wird, wurde in Kaiserslautern ausgebildet und betreut. Ihr Stundenplan aus dem Jahre 1990 kann als allgemeingültiges Beispiel des Heinrich-Heine- Gymnasiums betrachtet werden:

Wochenablaufplan Elke Schall (10. Klasse)20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch wenn dieser Stundenplan auf den ersten Blick keine Freiräume vermuten läßt, so bietet die sportbetonte Schule bedeutende Vorteile. Der Zeitgewinn kann für sinnvolle trainingsbegleitende Maßnahmen, wie einer optimalen medizinischen Versorgung durch die angeschlossenen Olympiastützpunkte, und zur besseren schulischen Betreuung genutzt werden. Der Athlet befindet sich in einem Umfeld, das leistungssportfreundlich ist und ihm gleichzeitig keine schulischen Nachteile bereitet. Wie bei der Talentförderung werden dadurch mögliche negative Faktoren minimiert, so daß der Weg an die Leistungsspitze der jeweiligen Sportart sein kann.

4.2.2 Der Lehrer-Trainer

Am Heinrich-Heine-Gymnasium werden je Sportart zwei Lehrer-Trainer eingesetzt, die 12 Stunden in normalen Klassen oder in den Sportklassen unterrichten. Die andere Hälfte ihrer Stunden geben sie Training oder betreuen einmal in der Woche die Hausaufgaben der Talente. Gleichzeitig koordinieren sie die Schultermine mit den Trainingsanforderungen und stehen als Berater für die jungen Athleten und deren Eltern zur Verfügung. Anhand des Wochenplanes von Herbert Schwarz kann nachvollzogen werden, daß sich die wahre Arbeitszeit schnell auf 60 Stunden in der Woche beläuft, da neben den eingetragenen Terminen der normale Unterricht und auch die Trainingsplanung im Leistungssport vorbereitet werden muß.

Wochenablaufplan Lehrertrainer21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.0 FAZIT

Der Leistungssport ist zu einem festen Bestandteil in vielen Gesellschaften geworden. Dennoch wird die Nachwuchsförderung häufig wegen ihrer Zielgerichtetheit auf das Leistungsmaximum kritisiert. Der Widerspruch ist leicht erkennbar, da Leistungssportler „verehrt“ werden, wenn diese in der Leistungsspitze ihrer Sportart mitwirken, aber gleichzeitig der mühsame Weg dorthin nicht anerkennt wird.

Allerdings sollte eingeräumt werden, daß gewisse Entgleisungen das Ansehen des Leistungssports schädigen, wie z.B. das Fehlverhalten des Eis kunstlauftrainers Karel Fajfr22. Durch eine solche negative Präsentation wird eine sinnvolle Auseinandersetzung über die Thematik der Nachwuchsförderung leider beeinträchtigt. Aufgrund dieser Erfahrungen sollten strengere Rahmenbedingungen geschaffen werden, die vergleichbare Mißentwicklungen des Leistungssports bekämpfen können.

Grundsätzlich bietet der Leistungssport aber auch eine Chance für Kinder, ihr eigenes Potential zu entwickeln und viele positive und nützliche Lebenserfahrungen zu sammeln. Damit dies der Fall sein kann, sollten sechs Prinzipien23 eingehalten werden:

1. Die sportliche Karriere darf nicht mit gesundheitlichen Dauerfolgen enden, die eine ernsthafte Beeinträchtigung der Qualität des späteren Lebens sein können!
2. Soziale Beziehungen und Bindungen zu Gleichaltrigen - mit denen sich Sportler austauschen können - sind zu pflegen!
3. Das Engagement im Leistungssport darf nicht dazu führen, daß schlech- tere Berufschancen erreicht
werden, als das ohne Leistungssport der Fall gewesen wäre!
4. Interessen und Fähigkeiten neben dem Sport - sogenannte Freizeitinteressen - sind zu entwickeln und zu fördern!
5. Mit der Zeit für den Sport ist sparsam umzugehen!
6. Dem Athleten sind Hilfestellungen zu leisten, seine leistungssportliche Karriere rechtzeitig zu beenden!

Durch sportbetonte Schulen oder andere Schulformen, die eng mit dem Leistungssport kooperieren, können diese Prinzipien besser verwirklicht werden. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Verein, Verband und Schule kann das junge Talent positiver fördern, da verhindert wird, zwischen die verschiedenen Interessen dieser Einrichtungen zu geraten. Eine gute Abstimmung der Terminpläne der Schule und der jeweiligen Sportart ermöglicht eine optimale Zeitausnutzung und eine bessere Konzentrationsfähigkeit auf den jeweils anliegenden Lernblock.

Der Internatsbereich der sportbetonten Schulen besitzt aber auch Nachteile, da eine zu frühe Trennung vom Elternhaus negative Begleiterscheinungen haben kann. Eine derartige Unterbringung sollte aus diesem Grunde nur als letzte Möglichkeit angesehen werden. Allerdings muß sich nicht jede Sportart mit dieser Problematik beschäftigen, wie die Darstellungen des Talentaufbaus im Volleyball und Tischtennis ergeben hat. Im Volleyball sind die Athleten mindestens fünfzehn Jahre alt, während im Tischtennis schon neunjährige Athleten im Deutschen Tischtenniszentrum Heidelberg (DTTZ) aufgenommen wurden.

Es gibt viele Möglichkeiten, die ein sportliches Talent besitzt, um an die Leistungsspitze zu gelangen. Das Modell der sportbetonten Schulen oder die Konzepte des Pierre-de-Coubertin-Gymnasiums in Berlin und des Heinrich- Heinrich-Gymnasiums in Kaiserslautern sind Ansätze für einen leichteren und intensiveren Talentaufbau. Keines dieser Modelle ist perfekt und kann daher durch konstruktive Diskussionen immer weiter verbessert werden.

Eifersüchteleien der Vertreter anderer Konzepte oder Diskussionen, die die Interessen der jungen Athleten nicht beachten, können nur als kontraproduktiv bewertet werden. Außerdem verwehren solche Ansätze den Blick für Schwächen im eigenen Konzept.

Es müssen Kompromisse zwischen den vielen Anforderungen im Umfeld des Talentes gefunden werden, die alle das Wichtigste nicht aus den Augen verlieren sollten: Die Verantwortung für das Kind, das Leistungssport betreiben möchte.

LITERATURVERZEICHNIS

Aschebrock, Heinz und Hübner, Horst (Hrsg.): Die nordrhein-westfälischen „Richtlinien Sport“ auf dem Prüfstand, Münster³ 1991.

Ausschuß für Leistungsförderung des TTVN: Leistungsförderung Teil 1: Bezirke, Hannover 1994. (unveröffentlicht).

Brettschneider, Wolf-Dietrich; Heim, Rüdiger und Drenkow, Erhard: Schule und Leistungsport - Chancen und Probleme, in: Körpererziehung 1 (1994), S. 2-10.

Drenkow, Erhard: Sportinternate und Schulen, in: Leistungssport 4 (1995), S. 37-40.

Eckhardt, Dieter: Sportbetonte Schulen, in: Olympische Jugend 5 (1995), S. 12-13.

Hagedorn, Günter: Die Zukunft des Leistungssport - findet heute statt, in: Leistungssport 2 (1994), S. 5-9.

Hiersemann, Dietmar: Talentsuche und Talentförderung in Zusammenarbeit von Schule und Verein/Verband, in: Leistungssport 4 (1994), S. 41-46.

Holz, Peter: Sieben Thesen zur Nachwuchs- und Spitzensportförderung, in: Leistungssport 4 (1994), S. 32. Hug, Otto (Hrsg.): Sportinternate, Frankfurt 1990.

Joch, Winfried: Das sportliche Talent, Aachen 1992.

Kapustin, Peter und Volker Scheid: Schule und Sportverein: Partner in der Erziehung. Aachen 1993.

Kurz, Dietrich: Die Gegenwart leben, die Zukunft nicht opfern!, in: Leistungssport 4 (1994), S. 33-35.

LSB NRW: Rahmentrainingskonzeption für Kinder und Jugendliche im Leistungssport, Bd. 7, Mühlheim 1995.

LSB NRW: Landesprogramm Talentsuche und Talentförderung - Ergebnisse, Initiativen und Perspektiven 1994, Mühlheim 1994.

Münstersche Zeitung: DFB soll Fußball-Lehrer an Gymnasien bezahlen. Weichen für die „Nationalelf 2006“ sind gestellt, Ausgabe vom 30.11.1995.

Modellversuch „Schulen mit sportlichen Schwerpunkt“ / Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport des Landes Berlin: 2. Treffen der Schulleiter sportbetonter Schulen, 1.-2. Dezember 1994, Berlin 1994.

NRW: Richtlinien Sport, Bd. 1, 1980.

Röthig, Peter (Hrsg.): Sportwissenschaftliches Lexikon, Schorndorf6 1992.

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister (Hrsg.): Sportinternate in der Bundesrepublik Deutschland, Ergebnisse einer Bestandaufnahme, Bonn 1994.

Stark, Steffen: Die tolle Show der Kids, in: deutscher tischtennis sport 7 (1995), S. 40-42.

Steffen, Dieter: Signal zum Aufbruch - Zehn Jahre DTTZ, in: deutscher tischtennis sport 11 (1995), S. 42-43.

Thies, Günter; Schnabel, Günter und Baumann, Rainer: Training von A bis Z, Berlin 1980.

Volkamer, Meinhard: Schulsport - Vereinssport - Zwei völlig verschiedene Dinge ? IN: Sportunterricht 1/96

Zielinski, Heinz: Die erzieherische Aufgabe des Sports in der Gesellachaft, in: Leistungssport 4 (1994), S. 29-31.

Zink, Norbert: Staatliches Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern - Aufbaugymnasium, Sportgymnasium, Internatsschule, in: 2. Treffen der Schulleiter sportbetonter Schulen (hg. v. Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport des Landes Berlin), Berlin 1994, S. 90-109.

[...]


1 Vgl. den Bericht von MR Dietmar Hiersemann (NRW): Aktuelle Entwicklungen im Landesprogramm „Talentsuche und Talentförderung in Zusammenarbeit von Schule und Verein/Verband, in: LSB NRW: Landesprogramm Talentsuche und Talentförderung - Ergebnisse, Initiativen und Perspektiven 1994, Mühlheim a. d. Ruhr 1994. S. 3-9. (künftig zitiert: Hiersemann).

2 Vgl. Abb. 5, Hiersemann, S. 6.

3 Hiersemann S. 6.

4 Der Terminus „leistungsorientiert“ beinhaltet eine umfangreiche Wettkampfteilnahme, die im Volleyball auf die Wochenenden verteilt wird (eine Ausnahme stellen die Schulwettkämpfe „Jugend trainiert für Olympia“ dar, die in der Regel wochentags stattfinden). Für die Athleten ab der FS 2 bedeutet das eine monatliche Belastung von drei Spieltagen in der Seniorenklasse, einem Spieltag in der ersten Jugendklasse, einem Spieltag in der zweiten Jugendklasse (die nächsthöhere) und eventuell Pokalwettkämpfe. Dazu kommen noch Kadervorhaben und verschiedene Turniere. Alles in allem ein sehr hoher zeitlicher Aufwand, der neben dem Vereinstraining auf die Kinder und Jugendlichen zukommt. Dieser Zeitaufwand wächst, je höher die Akteure spielen, mit der Entfernung zu den jeweiligen Wettkampfstätten.

5 LSB (Hrsg.): Volleyball. Rahmentrainingskonzeption, Mühlheim 1994, S. 39.

6 Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang private Probleme aus dem Elternhaus oder im Zusammenhang mit der Pubertät stehende Beziehungsprozesse.

7 Holz, Peter: Sieben Thesen zur Nachwuchs- und Spitzensportförderung, in: Leistungssport 4 (1994), S. 32.

8 Dabei muß noch erwähnt werden, daß die angegebenen Trainingsumfänge längst nicht mehr für eine leistungssportliche Entwicklung ausreichend sind. Jugendtrainer fordern einen Umfang von 24-28 Trainingsstunden in der Woche, zuzüglich der an den Wochenenden anstehenden Wettkämpfe.

9 NRW: Richtlinien Sport, Bd. 1, 1980, S. 10.

10 Drenkow, Erhard: Sportinternate und Schulen, in: Leistungssport 4 (1995), S. 37-40. (künftig zitiert: Drenkow).

11 Die Forderung wurde erst ab 1990 wieder aktueller, als die KJS der ehemaligen DDR z.T. in eben solche Sportgymnasien umgewandelt wurden.

12 Drenkow S. 40.

13 Modellversuch „Schulen mit sportlichen Schwerpunkt“ / Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport des Landes Berlin: 2. Treffen der Schulleiter Sportbetonter Schulen, 1.-2. Dezember 1994, Berlin 1994. (künftig zitiert: Modellversuch).

14 Im Dezember 1995 wurden neben der Rechtschreibreform auch Änderungen in den Wahlmöglichkeiten der

Oberstufe festgelegt. Am Kurssystem selbst wird grundsätzlich festgehalten. Lediglich die Fächer Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache werden bis zum Abitur verpflichtend gemacht.

15 Umfaßt beide Geschlechter.

16 Modellversuch S. 17.

17 Das vier- bis fünfmalige wöchentliche Vereinstraining in den Abendstunden bleibt von diesem

Organisationsmodell unabhängig. Der verantwortliche Trainer (i.d.R. hauptamtlich beim Verein angestellt) nutzt die Freiräume in der Schule als zusätzliche Trainingsmöglichkeit.

18 Vgl. Modellversuch S. 25.

19 Modellversuch S. 24.

20 Zink, Norbert: Staatliches Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern - Aufbaugymnasium, Sportgymnasium, Internatsschule, in: 2. Treffen der Schulleiter sportbetonter Schulen (hg. v. Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport des Landes Berlin), Berlin 1994, S. 108/109. (künftig zitiert: Zink).

21 Zink S. 108/109.

22 Karel Fajfr, Eiskunstlauftrainer, wurde im Dezember 1995 wegen sexueller Nötigung und ähnlicher Delikte, begangen an seinen Schutzbefohlenen, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

23 Vgl. Kurz, Dietrich: Die Gegenwart leben, die Zukunftn nicht opfern, in: Leistungssport 4 (1994), S. 35.

10 von 11 Seiten

Details

Titel
Leistungsförderung
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V98978
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474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungsförderung
Arbeit zitieren
Martin Barthel (Autor), 2000, Leistungsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98978

Kommentare

  • Martin Barthel am 22.1.2001

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