Schlangendarstellungen in Mesopotamien und Iran vom 8. bis 2. Jt. v. Chr.

Quellen, Deutungen und kulturübergreifender Vergleich


Magisterarbeit, 1999
137 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit
1.2 Gebietsabgrenzung
1.3 Merkmale lebender Schlangen
1.3.1 Ursprung, Evolution und Verbreitung
1.3.2 Die zwei großen Schlangengruppen und ihre Besonderheiten

2 Schlangendarstellungen
2.1 Materialgruppe 1: Keramik
2.1.1 Gemalte Schlangen
2.1.2 Schlangenappliken
2.1.3 Deutung
2.2 Materialgruppe 2: Stempelsiegel und Tabloide
2.2.1 Seltene Darstellungstypen
2.2.2 Schlange und ziegenkopfige Gestalt im Iran
2.2.3 Schlange und Capride
2.2.4 Verschlungene Schlange
2.2.5 Deutung
2.3 Materialgruppe 3: Rollsiegel
2.3.1 Seltene Darstellungstypen
2.3.2 Schlange und menschliche Gestalt in Mesopotamien
2.3.3 Verschlungene Schlange
2.3.4 Einfache Schlange in Szenen
2.3.5 Schlange in diversen Zusammenhangen
2.3.6 Bootgott
2.3.7 Gott mit Schlangenunterkorper
2.3.8 Gott auf dem Schlangenthron
2.3.9 Thematisch relevante Siegel ohne Schlange
2.4 Materialgruppe 4: Rundplastik
2.4.1 Mesopotamien
2.4.2 Iran
2.4.3 Deutung
2.5 Materialgruppe 5: Relief
2.5.1 “Schlangenbandiger”
2.5.2 Verschlungene Schlange und Schlangendrache
2.5.3 Gott auf Schlangenthron
2.5.4 Schlange auf Kudurrus
2.6 Kultbauten mit Schlangenzier?

3 Textquellen
3.1 Chtonische Schlangengötter
3.1.1 Ereskigal
3.1.2 Ninazu
3.1.3 Tispak
3.1.4 Ningizzida
3.1.5 Ninmada
3.1.6 Bootgott
3.1.7 Istaran
3.1.8 Insusinak
3.1.9 Zeit der großen Reiche
3.1.10 Zusammenfassung
3.2 Schöpfungsmythen und Epen
3.2.1 Dilmun-Mythos
3.2.2 Enki und die Weltordnung
3.2.3 Atramhasis-Mythos
3.3 Rituale und Träume
3.3.1 Ritualanfang
3.3.2 Etana-Mythos als Initiationsritus
3.3.3 Traume und ihre Bedeutung
3.3.4 Schlangenbeschwörung

4 Schlangenkulte
4.1 Schlange als Schöpferwesen
4.2 Schlangen, Naturphanomene und Regenzeremonien
4.3 Initiationsriten
4.4 Schlange als Ahnenwesen
4.5 Schlange und Macht

5 Ergebnisse
5.1 Ausgangspunkt
5.2 Ergebnisse der Textanalyse
5.2.1 Urelemente Wasser und Erde
5.2.2 Vom Chaos zur Zivilisation
5.2.3 Zyklischer Ablauf des Jahres
5.3 Archaologische Ergebnisse
5.3.1 Kult
5.3.2 Symbolik von Keramik und Stempelsiegeln
5.3.3 Rollsiegel: Rituelle, symbolische und mythologische Bedeutung
5.3.4 Rundbild und Relief
5.4 Modelle
5.4.1 Die drei Ebenen der Schöpfung
5.4.2 Transformation zum Jahreszeitenwechsel
5.4.3 Darstellung der Schlangengötter

Literaturverzeichnis

A Abbildungen
A.1 Karte
A.2 Lebende Schlangen
A.3 Schlange auf Keramik
A.3.1 Bemalung
A.3.2 Appliken
A.4 Schlange auf Stempelsiegeln
A.4.1 Schlange und ziegenköpfiges Wesen
A.4.2 Schlange und Capride
A.4.3 Verschlungene Schlange
A.5 Schlange auf Rollsiegeln
A.5.1 Schlangenbandiger
A.5.2 Verschlungene Schlange
A.5.3 Einfache Schlange in Szenen
A.5.4 Schlangengott
A.5.5 Gott auf Schlangenthron
A.6 Schlange in der Rundplastik
A.7 Schlange in Relief
A.8 Schlange und Kultbauten
A.9 Darstellungen aus anderen Kulturkreisen

B Chronologietabelle

Kapitel 1

1. Einleitung

Aus vielen Kulturen der Welt gibt es sowohl archäologische, als auch ethnologische Zeugnisse von Schlangendarstellungen und mit diesen in Verbindung stehenden Ri­ten und Mythen. Geht die Faszination und die daraus resultierende Verehrung der Schlangen möglicherweise auf ihre Zwischenstellung im Übergang von Reptilien zu Saugetieren zurück? Ihre ungewöhnlichen Lebens- und Verhaltensweisen und das fast weltweite Vorkommen, angefangen von Wasserschlangen bis hin zu Gebirgsschlan- gen, waren ein Auslöser für die religiöse Verehrung durch den Menschen.

Die vorliegende Arbeit ist der Versuch, die aus Mesopotamien und Iran bekannten Schlangendarstellungen, die dazugehörigen Kulte und Götter und deren Entwicklung bis ins zweite vorchristliche Jahrtausend zusammenzutragen und darüber hinaus diese nicht immer zahlreichen Fakten zu interpretieren. Das Gebiet und der Zeitraum sind so gewahlt, dass man eine Entwicklung von vorgeschichtlichen religiösen Vorstellungen hin zu denen einer Hochkultur[1] nachvollziehen kann. Das archaologische Material der ausgewahlten Gebiete des östlichen fruchtbaren Halbmondes und des mesopota- mischen Tieflandes scheinen für diese Entwicklungslinie geeignet. (1[2]) Den Beginn des gewahlten Zeitraums in das 8. Jt. v. Chr. zu setzen war fundbedingt.[3] Nicht ohne weiteres verstandlich ist dagegen, warum die Betrachtung im 2. Jt. v. Chr. endet, da auch nach diesem Zeitraum die Schlange in den Darstellungen und Vorstellungen fort­besteht. Diese Zasur ist aber, wie sich zeigen wird, im Hinblick auf den Ümfang der Arbeit und die bis zu diesem Zeitpunkt erzielten Ergebnisse gerechtfertigt.

1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit

Die Einleitung beschaftigt sich kurz mit dem Ursprung und der Evolution, sowie den verschiedenen Besonderheiten lebender Schlangen. Dazu werden auch einige im Vor­derasiatischen Raum heimische Schlangen vorgestellt.

Ausgehend von den Schlangendarstellungen aus Mesopotamien und Iran vom 8.­2. Jt. v. Chr. wird im ersten Kapitel untersucht, welche Rolle der Schlange in diesem Gebiet zukommt. Dazu werden die Darstellungen in die Materialgruppen Keramik, Stempelglyptik und Tabloide, Rollsiegel, Rundplastik und Relief unterteilt. Inner­halb dieser Materialgruppen selbst wird thematisch und chronologisch untergliedert mit dem Ziel, einen Zusammenhang zwischen Darstellungsart, verwendetem Materi­al und dem Verwendungszeitraum herauszuarbeiten. Ebenso werden, wenn möglich, bestimmte Schlangenarten identifiziert.

Der zweite große Punkt befasst sich mit Textquellen, die einen Einblick in die hinter den Darstellungen stehenden Ideen geben sollen. Die Schlangengötter werden versuchsweise in die Göttergenealogie eingereiht und ihre Funktionen und Attribute vorgestellt. Dass man dennoch nicht unbedingt jeden in Texten erwahnten Gott auch mit einer Darstellung in Einklang bringen kann, mag daran liegen, dass in den Abbil­dungen jeweils einzelne Aspekte eines Gottes dargestellt sind, die fälschlicherweise als verschiedene Götter angesprochen werden. Es bleibt festzustellen, ob Darstellung und Text tatsachlich, wie bislang angenommen, verschiedene Teile der gesuchten Ge­samtvorstellung liefern, oder ob beide miteinander in Verbindung gebracht werden können. Dazu werden einige Schöpfungsmythen und Epen naher betrachtet. Ritual­texte und Beschwörungsformeln sollen Aufschluss daruber geben, welchen Stellen­wert die Schlange in Festen und im taglichen Leben innehatte. Da oft nur kleine An­merkungen in Übersetzungen Anlass zu Querverbindungen geben, muss auf die Sub- jektivitat der Interpretation an manchen Stellen hingewiesen werden, die zwar wenn möglich durch Vergleiche relativiert wurde, doch sicher noch immer genug Anlass zur Kritik gibt. Deshalb sei an dieser Stelle betont, dass es sich um eine anhand der ver­wendeten Quellen mögliche Deutung handelt, die aber bei anderem Quellenmaterial durchaus an manchen Stellen neu zu überdenken sein wird. Die kurze Betrachtung der mentalen Fahigkeiten der Priester, sowie der Bedeutung von Traumen soll einen Ein­blick in Grundvoraussetzungen der menschlichen Kultur- und Religionsentwicklung geben.

Um diese oft sehr fragmentarischen Geschichten und Kulte etwas besser nachvoll­ziehen zu können, werden in einem weiteren Kapitel die Hauptaspekte der Schlange, wie sie sich aus der Fundlage herauskristallisiert haben, durch ausgewahlte Vergleichs­beispiele aus anderen Kulturraumen erweitert und gefestigt. Vor allem auf dem Gebiet der Vorstellungswelt und der Riten sind neue Impulse möglich.

In einem abschließenden Kapitel werden nocheinmal die Ergebnisse zusammen­gefasst und anhand von Tabellen veranschaulicht.

1.2 Gebietsabgrenzung

Das Gebiet, das im wesentlichen den nordöstlichen Fruchtbaren Halbmond und das mesopotamische Tiefland umfasst (Karte 1[4]), wurde zum einen mit dem Ziel gewahlt, festzustellen, ab wann Schlangen dargestellt werden, und zum anderen um zu sehen, wie sich die Darstellungen und Vorstellungen der Menschen beim Übergang vom Le­ben im Gebirge, zum Leben im mesopotamischen Tiefland verhalten. Wichtig ist für die Betrachtung, dass einige günstige Verbindungswege zwischen dem Hoch- und

Tiefland schon seit jeher genutzt wurden, was zu einem ständigen Austausch sowohl von Rohstoffen als auch von Ideen gefiihrt hat.[5]

1.3 Merkmale lebender Schlangen

Als Grundvoraussetzung für das Verstandnis der Schlangenverehrung sollen Entste­hung und Entwicklung von Schlangen und ihre Besonderheiten kurz besprochen wer­den.

1.3.1 Ursprung, Evolution und Verbreitung

Schlangen gehören zur Klasse der Reptilien, so dass ihre Wurzeln in deren geschicht­licher Entwicklung zu suchen sind, die gegen Ende des Palaozoikums, also vor rund 340 Millionen Jahren beginnt. Anders als die Dinosaurier, Flugsaurier und die Schwa­nenhalsechsen stirbt die Ur-Schlange im Mesozoikum nicht aus. Es gelingt ihr in den folgenden Jahrmillionen nicht nur sich zu behaupten, sondern sie entwickelt sich mit ihren 2600 Arten zu einer der evolutionsgeschichtlich erfolgreichsten Gruppen. Hinweise auf die Abstammung der Schlangen von echsenahnlichen Reptilien geben heutzutage noch die Beinreste von Riesenschlangen in Form von winzigen Sporen an der Schwanzbasis. In diesem Zusammenhang werden oft Warane als ihre nachsten Verwandten zitiert.

Zur Frage, wie aus den Echsen in der Evolutionsgeschichte Schlangen wurden, gibt es drei Theorien: Die erste Theorie geht davon aus, dass die Vorfahren der Schlange Landtiere waren. Andere sehen ihren Ursprung im Wasser. Es bleibt jedoch das Pro­blem, dass beide Lebensweisen nicht zur maßgeblichen Reduzierung der Gliedmaßen geführt haben können. Eine dritte Theorie sieht deshalb den Ursprung der Schlangen in Tieren mit grabender Lebensweise, was sich auf die Gemeinsamkeit der Grabtatigkeit primitiver Schlangen und Grabechsen stützt. Die Vorfahren der Schlange waren dem­nach halb Wasser- und halb Grabtiere und lebten, wie noch heute die Doppelschlei­chen, im Schlamm.[6] Es wird vermutet, dass Schlangen, wie man sie heute kennt, in der unteren Kreide oder dem oberen Jura, also vor 150-100 Millionen Jahren erstmals auftauchen. Ein Blick auf das heutige Verbreitungsgebiet der Schlangen macht deut­lich, wie sich diese Gattung an alle freien okologischen Nischen angepasst hat. So findet man Schlangen, von der Arktis abgesehen, überall vom 67. Breitengrad Nord bis zum 50. Breitengrad Süd. Ferner wird aus dem Himmalayagebirge von Schlangen in 4900 Metern Höhe berichtet. Doch auch in Süß- und Salzwasser leben verschiedene Arten und tauchen bis zu einer Tiefe von 100 Metern.

1.3.2 Die zwei großen Schlangengruppen und ihre Besonderhei­ten

Schlangen werden in zwei Gruppen eingeteilt, namlich die Scolecophidia und die Alethinophidia.

Erstere Gruppe umfasst nur 260 Arten, zu denen vor allem kleine bis zu 100 cm große, unterirdisch lebende Schlangen zahlen. Diese einem Wurm ähnelnden Schlan­gen sind ungiftig und werden wegen ihres schlecht ausgeprägten Sehvermögens auch Blindschlangen genannt. Sie leben nur in feuchtwarmen Gebieten. Die Blumentopf­schlange und die Seeschlange sind die geographisch am weitesten verbreiteten Typen dieser Gruppe, namlich von Iran bis Mexiko. Dies wird so erklart, dass diese Schlan­gen in Gemeinschaft mit dem Menschen in den Wurzeln ihrer Kulturpflanzen leben und somit die Menschen auf ihren Migrationsrouten begleiten und dabei immer neue Gebiete erschließen können. Dies wird auch durch die Tatsache erleichtert, dass weib­liche Tiere ausreichen, um neue Gebiete zu bevölkern, da sie sich durch Parthenoge­nese fortpflanzen.

Die zweite Gruppe heißt ubersetzt die “wahren Schlangen”. Es gehören hier von 20 cm bis 10 m Lange bodenbewohnende Tiere, Baumschlangen, Wasserschlangen, unterirdisch lebende Schlangen und sogar “fliegende” Schlangen hinzu, deren Körper sich jeweils speziell an die bewohnte ökologische Nische angepasst haben. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zur ersten Gruppe ist der deutlich vom Rumpf abgehobene Kopf mit dem aushangbaren Kiefer, der es den Schlangen erlaubt, sehr große Beu­testücke zu verschlingen, die ihren Körperdurchmesser um ein Vielfaches übersteigen.

Doch es gibt in dieser Gruppe auch noch Arten mit wenig ausgeprägtem Kopf, was auf eine nahere Verwandtschaft mit den wurmahnlichen Schlangen schließen lasst. Da Schwanz und Kopf dieser Schlangen nahezu identisch sind, nennt man sie auch doppelköpfige Schlangen. Diese favorisieren unterirdische Lebensweisen und sind vor allem in Reisfeldern und Sümpfen zu finden.[7]

Aber auch das Schlangengift unterscheidet beide Gruppen voneinander. Schlan­gen sind allesamt Fleischfresser. Manche töten ihre Beute durch Giftinjektion, andere erwürgen sie. Vipern haben die raffiniertesten und langsten Giftzahne. Sie können sie bei Gebrauch vom Gaumen herunterklappen und im Bruchteil einer Sekunde Gift einspritzen. Für den Vorderen Orient muss an dieser Stelle die Gattung “Cerastes” genannt werden, die bestens auf das Wüstenleben ausgerichtete Hornschlangen bein­haltet, die sich gerne in den Sand eingraben.[8] Viele Boaarten wie auch Vipern haben Warmegruben am Kiefer, die es ihnen ermöglichen, ihrer Beute auch bei völliger Dun­kelheit zu folgen.[9]

Anders als Vögel und Saugetiere verfügen Schlangen nicht über ein eigenes Warmesystem, um ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Ihre Aktivitäten hangen demnach sehr von den klimatischen Bedingungen ab. So können Schlangen in den Tropen fast immer aktiv sein, wohingegen Schlangen in gemaßigten Breiten in einen Starrezustand, den sogenannten Winterschlaf, verfallen, sobald die Aussentemperatur zu niedrig wird.[10] Doch auch Schlangen in den Tropen ziehen sich zu bestimmten Zeiten des Jahres in Höhlen oder unter die Erde zurück, um zu schlafen.

Das Schillern der Schuppen erinnert an die Farben des Regenbogens, was in vielen Kulturen den Namen “Regenbogenschlange” geprägt hat. Die vielen geometrischen Muster gaben sicher Anregungen für die Verzierung frühester Keramik.

Daneben verfügen Schlangen auch über eine Reihe von Automatismen und Refle­xen. So bewegt sich z. B. der Körper einer Schlange noch lange weiter, auch wenn er schon vom Kopf getrennt ist. Andersherum bleibt der Kopf einer Klapperschlange mit ein paar Millimetern Körper noch ca. 15 Minuten am Leben und kann auch dann noch zubeissen. Auch eine Kobra kampft in zwei Halften geteilt weiter. Beobachtungen wie diese, zusammen mit ihrer Fahigkeit, sich zu hauten, haben sicher dazu beigetragen, der Schlange eine ungeheure Lebenskraft und ewiges Leben zuzuschreiben.

Interessant ist ferner, dass man durch rhythmische Bewegungen und standiges Dre­hen Schlangen so manipulieren kann, dass sie ihr Raumgefühl völlig verlieren und in eine Art Totenstarre verfallen, eine Technik, die sich Schlangentänzer bei Zeremonien zu Nutze machen, um nicht gebissen zu werden.[11]

Im Paarungsverhalten der Schlangen spielt Duft eine wichtige Rolle. Das Weib­chen scheidet über die Haut Pheromene aus und legt so für das Mannchen eine Duft­spur. Natürlich ist das Paarungsverhalten je nach Schlangenart verschieden. Einige Arten veranstalten einen richtigen Schlangenball, bei dem sich bis zu 30 Mannchen um ein Weibchen bemühen und dieses umschlangeln. Bei einigen Klapperschlangen-, Vipern- und australischen Giftschlangenarten führen die Mannchen Kommentkampfe durch, bei denen die beiden Kontrahenten solange ineinander verschlungen sind, bis das schwachere aufgibt.

Beeindruckt sind die Menschen sicher auch von der Lautlosigkeit der Schlange, durch die sie schmerzunempfindlich wirkt. Durch ihre exzellente Tarnung scheint es fast, als ob sie wie ein Geist plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Sehr gefürchtet sind die nachtaktiven Spezies.

Zyklopenahnliche Tiere (2[12] ) oder auch Schlangen mit zwei Köpfen (3[13]), als Bei­spiele genetisch bedingter Anomalien, kann man auch zu den Faktoren rechnen, die der Schlange einen Platz in der Mythologie einraumen.

Im folgenden sollen kurz einige im eurasischen Raum heimische Schlangenarten besprochen werden.

- Ringelnatter

Der Körper der Ringelnatter ist olivgrau oder grünlich bis silbergrau gefarbt mit dunklen Flecken und Streifen. Charakteristisch ist ihr gelber oder weißer Kragen. Bevorzugte Lebensraume sind Sumpfgebiete, Weideland, Acker und Hange in Wassernahe. Bei Berührung entleert sie ihre Analdrüse und stellt sich tot. Ihre Körperlange kann bis zu zwei Meter betragen.[14]

- Würfelnatter

Die Würfelnatter wird bis zu 1 m lang und ist leicht an dem aus dunklen Vier­ecken bestehenden Muster zu erkennen. Ihre Grundfarbe kann von grau, braun, grün bis schwarz oder gelb variieren. Sie lebt immer in Wassernahe oder im Wasser.[15]

- Glatt- und Schlingnatter

Die Glatt- und Schlingnatter wird bis zu 60 cm lang, ist von grauer Farbe und ist mit mehreren unregelmaßigen dunklen Ruckenflecken und zwei kräftigen dunklen Streifen vom Nacken bis zu den Augen gezeichnet. Sie ist tagaktiv und bevorzugt trockene Lebensraume wie sandiges Heideland, Abhange mit Gebüsch und Böschungen.[16]

- Hornviper

Die giftige Hornviper (Cerastes) (4[17]) lebt im Treibsand und wird bis zu 60 cm lang. Sie ist sandfarben mit regelmaßigen Rückenflecken. Namengebend sind die langen Hörner über den Augen, auf denen sich der Sand sammeln kann und die Augen frei halt.[18]

- Sandotter

Die Sandotter, eine sehr giftige Schlange, wird bis zu 90 cm lang, ist dickleibig und hat einen dreieckigen Kopf. Die Mannchen sind meist grau, die Weibchen eher braun gefarbt, mit einem deutlichen Zickzackmuster auf dem Rücken. Ihr Lebensraum sind trockene, sonnige Steinhange mit etwas Vegetation. Norma­lerweise ist diese Art tagaktiv und lebt am Boden.[19]

Inwieweit sich eine der genannten Schlangen in den Darstellungen identifizieren lasst, wird sich zeigen. Die genannten Schlangen stellen natürlich nur eine Auswahl der heute dort lebenden Schlangen dar. Neben den erwahnten gibt es auch eine Reihe von giftigen Seeschlangen, die besonders für die Fischer und Perlentaucher am Persi­schen Golf eine Gefahr darstellen. Dass auch Pythonarten und Boas bekannt gewesen sein müssen, zeigen Abbildungen von Schlangen, die Menschen verschlingen.

Kapitel 2

2. Schlangendarstellungen und erste Deutungsversuche

Ziel dieses Kapitels soll ein Gesamtüberblick über die in Mesopotamien und Iran ge­fundenen Darstellungen von Schlangen und zu ihnen in Beziehung stehenden Schlan- gengOttern[20] sein. Hauptaugenmerk wird dabei auf die verschiedenen Kombinati­onsmöglichkeiten der Schlangen mit anderen Tieren oder Göttern und deren bevor­zugte Materialgruppen gelegt. Zum Teil werden auch bereits Deutungsmöglichkeiten angefuhrt, deren genauere Ausführung jedoch erst in den Kapiteln 3 und 4 erfolgt. Mitberücksichtigt werden auch charakteristische Merkmale lebender Schlangen, die sofern sie Parallelen in den Darstellungen haben versuchsweise zugewiesen werden.

2.1 Materialgruppe 1: Keramik

Bei den mit Schlangen verzierten Keramikgefaßen sind zwei Arten von Dekor, namlich Bemalung und Appliken zu unterscheiden. Was in die Betrachtung nicht mit einbezo­gen wird, sind geometrisch verzierte Keramiken, deren Musterung meines Erachtens zum Teil als Abbild der Schlangenhaut gedacht gewesen sein könnte.

2.1.1 Gemalte Schlangen

Nordmesopotamien

- Schlange allein auf Keramikbruchstücken

Aus den Fundorten Arpachiya (5[21]) und Halaf (6[22]) sind zwei bemalte halafzeitli- che Tonscherben bekannt, die jeweils eine mit Punkten gefällte Schlange zeigen. Der Körper von Abbildung 5 ist gefaltet, was zu der Vermutung fuhrt, dass es sich um eine Kobraart handelt. Der Körper von Bild 6 ist nur teilweise erhalten, doch scheint er eher in Spiralform aufgemalt worden zu sein.

Diesen beiden zeitlich gleichzusetzen sind drei bemalte Scherben aus Yarim Te­pe II, die ebenfalls gepunktete Schlangen abbilden (7-9[23]). Diese ahneln Beispiel 5 in der Kopfform sehr.

Aufgrund des Erhaltungszustandes sind bei Keramikbruchstücken keine Aussa­gen darüber zu treffen, ob die Schlange tatsachlich allein oder in Kombination mit anderen Tieren dargestellt war. Doch allein die Tatsache, dass in sehr friiher Zeit Keramik mit Schlangen verziert wurde, macht meines Erachtens auf ihre kultische Bedeutung aufmerksam.

Iran

- Schlange allein auf Keramikbruchstücken

Auch aus dem Iran sind Beispiele verschiedenartig dargestellter Schlangen auf Keramik bekannt. Die Darstellungen (10-14)[24] stammen aus Tepe Sialk. Die er­sten vier Beispiele zeigen senkrechte, leicht gewellte Schlangen, deren Körper gepunktet, gestreift oder ganz ausgefullt sind. Ihr Kopf ist in Dreiecksform dar­gestellt. Die Nummern 13 und 14 zeigen spiralförmig aufgerollte Schlangen, ebenfalls mit Dreieckskopf und gestreifter Musterung. Aus Susa kommt Bei­spiel 15[25], in dem die ausgefullte Schlange eine klare S-Form beschreibt. Ihr Kopf ahnelt dem der Schlange aus Arpachiya (5). Neu ist, dass der Körper der Schlange von einer feinen Punktreihe eingefasst wird. Nummer 16[26] aus Bakun zeigt die Schlange in Kombination mit Dreiecken. Nummer 17[27] aus Bouhallan könnte eine gehörnte Schlange abbilden. Da die meisten der erwahnten Schlan­gen einen dreieckigen Kopf aufweisen, kann man eine Identifizierung mit der sehr giftigen Sandotter (siehe Seite 16) favorisieren, die trockene Felshange als Lebensraum bevorzugt.[28] Die gehörnte Schlange (17) kann als Hornviper (siehe Seite 16) angesprochen werden.

- Schlange und Capride

Ebenfalls aus dem Iran stammt eine Keramikscherbe, auf der neben einer zick­zackförmigen Schlange auch ein Capride dargestellt ist (18[29]). Dieser Kombi­nation begegnet man bei den Stempelsiegeln aus Iran (siehe Seite 25) haufig.[30] Die zickzackförmige Schlange kann mit einem Blitz assoziiert werden.[31]

- Schlangen mit Mensch und Capride

Aus dem Iran sind auch bemalte Scherben bekannt, die eine menschliche Ge­stalt mit Schlangen und Capriden abbilden. Die Beispiele 19[32] und 20[33] sind Keramikbruchstücke der Susa-II-Ware. Abbildung 19 zeigt eine menschliche Fi­gur, der diagonal drei parallel zueinander verlaufende Schlangenlinien unter die Achseln reichen. Die Figur in Beispiel 20 hat die Arme angelegt und wird von zwei vertikal aufgetragenen Schlangen flankiert, deren Köpfe jeweils nach oben weisen. Es handelt sich um die aus der Stempelglyptik bekannte ziegenköpfige Gestalt (siehe Seite 23).[34] Auf Abbildung 19 könnten Wasserstrahlen, anstelle von Schlangen gemeint sein.

2.1.2 Schlangenappliken

Mesopotamien

- Schlange allein auf KeramikbruchstUcken

Wie schon im Fall der bemalten Scherben, kann man auch anhand der Appliken “Schlange allein” auf Keramikbruchstücken nichts uber ihre eventuelle thema­tische Kombination erfahren. Diese Beispiele dienen deshalb in der Hauptsache als Indikator für das frühe Auftreten von Schlangenappliken in bestimmten Re­gionen.

Die ersten ihrer Art stammen aus Nordmesopotamien und zwar aus Tell Sot­to (21[35] und 22[36]), Stratum VII und werden auf 7.000 v. Chr. datiert, was der sogenannten Protohassuna-Zeit entspricht. Es handelt sich um kleine gewellte Schlangen mit Punktmuster.

Im südlichen Mesopotamien sind Schlangenappliken erst ab der 2. Halfte des 6. Jt. v. Chr. bekannt. Ein Großteil von ihnen stammt aus Uruk und ist wie Beispiel 23[37] sehr schlecht erhalten. Verziert sind sie entweder gar nicht oder sie weisen Punktmuster oder Senkrechtschraffur auf.

- Schlange kriecht Uber den Gefaßrand

Vermutungen über eine kultische Verwendung der Schlangengefaße werden durch die folgenden Funde bekräftigt, die von der Ur-III-Zeit bis zum Ende der Kassiten-Zeit datieren (24-26)[38]. Es handelt sich um Schlangenappliken, die mit dem Kopf über den Gefaßrand ins Innere der Gefaße zu kriechen scheinen. Die­se Schlangen sind fast ausschließlich mit Punktmuster verziert. Manchmal sind die Gefaße zusatzlich mit schraffierten Dreiecken und Tannenreismuster deko­riert. Auch Skorpione treten in Kombination mit der Schlange auf. In Beispiel 26 sind der Skorpion mit dem Mond[39] und die Ähre mit der Sonne zusammen dargestellt. Derart verzierte Gefäße finden sich nicht nur im Ningizzida-Tempel (näheres zum Schlangengott Ningizzida siehe Seite 61) in Tello, sondern auch in den Schlangengotttempeln anderer Stadte.[40]

- Schlange und Muttergöttin

Das Beispiel 27[41], ebenfalls aus der ersten Halfte des 2. Jt. v. Chr., zeigt vier ge­streifte und vier gepunktete Schlangen horizontal auf einer Schussel. Zwischen den Köpfen der gestreiften Schlangen ist eine weitere Applike angebracht, die von Ayoub vorsichtig als Tiermaske oder Griff bezeichnet wird.[42] Wahrschein­licher ist meines Erachtens jedoch, dass es sich um ein weibliches Idol handelt, da man einen Kopfansatz, zwei Brüste und das Schamdreieck erkennen kann (für die Verbindung von Schlange und Muttergottheit siehe Anden Seite 80).

- Schlange und Menschen

In Beispiel 24[43] werden zwei mit einem Stock bewaffnete Manner von je einer Schlange angegriffen(?). Möglicherweise ist hier das Fangen von Schlangen als Vorbereitung für eine Regenzeremonie dargestellt (siehe Amerika Seite 81). Es könnte sich aber auch um einen rituellen Tanz zum Heraufbeschwören der Regenzeit handeln.[44] Der Rand des Gefaßes zeigt wiederum Schlangen, die in das Gefaß hineinkriechen.

2.1.3 Deutung

Es ist anzunehmen, dass es sich bei den mit Schlangen verzierten Gefaßen nicht um alltagliche Gebrauchskeramik, sondern vielmehr um Kultgefaße handelt. Betrachtet man die Evolution der Schlangen, so waren die ersten Schlangen wurmahnliche Tiere, die im Schlamm lebten. Aus eben diesem Schlamm haben Menschen Gefaße gefertigt und mit Schlangen verziert.[45]Auch Wasser spielt eine große Rolle im Schlangenkult, so dass man an Libationen aus Kultgefaßen denken kann (siehe Seite 69). Ebenso ist eine Fütterung der in Gestalt von Schlangen wiederkehrenden Ahnen zu erwagen

(siehe Afrika Seite 83). Obwohl aus dem Untersuchungsgebiet meines Wissens keine Berichte Uber Schlangenbestattungen vorliegen, kann auch eine solche Nutzung von Keramikgefaßen nicht völlig ausgeschlossen werden. Auf Bahrain wurden mehrere Gefaße mit den Überresten verschiedener Schlangenarten entdeckt (28[46]), namlich ei­ner Wasserschlange und einer Wüstenschlange.[47] Dies entspricht möglicherweise der Grobunterteilung der dicken und drinnen Schlangen in der iranischen Stempelglyptik, die symbolisch für Regen- und Trockenzeit stehen (siehe Seite 24).

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich schon an der ersten Materialgrup­pe abzeichnet, welch bedeutende Rolle der Schlange im Kult zukommt. So wurden fur Nordmesopotamien und Iran bemalte, aus Nord- und Südmesopotamien applizier­te Keramikscherben festgestellt. Hinweise darauf, dass die Schlangenverehrung auf altere Traditionen zurückgeht als dies die altesten Keramikscherben zeigen, liefert der Fundort Gobekli, an dem Schlangenpfeiler in Verbindung mit Tempelanlagen aus dem 9. Jt. v. Chr. gefunden wurden (siehe Seite 51). Eine Zuordnung zu bestimmten Schlan­genarten ist aufgrund der Darstellungen höchstens in drei Fallen möglich, und zwar ist dies zum einen im mesopotamischen Raum die Kobra und zum anderen im iranischen Gebiet die Sandotter und die Hornviper.

2.2 Materialgruppe 2: Stempelsiegel und Tabloide

Als nachstes soll die Materialgruppe der Stempelsiegel und Tabloide betrachtet wer­den.

2.2.1 Seltene Darstellungstypen

- Schlange allein

Vereinzelt kennt man Stempelsiegel, auf denen nur eine oder mehrere Schlan­gen auf der Siegelflache dargestellt sind. Dabei lassen sich zwei verschiedene Darstellungsarten unterscheiden: Zum einen ist in Bild 29[48] eine mit Strich­muster verzierte Schlange in Spiralform abgebildet. Die andere Variante zeigt mehrere dünne Schlangen parallel zueinander angeordnet, wobei die Schlangen in Beispiel 30[49] eher wellenartige, die Schlangen der Beispiele 31[50] und 32[51] dagegen eher zackige Formen annehmen. Diese Zickzack- und Schlangenlinien symbolisieren nach Marshack Wasser, Blitz, Fluss oder Bewegung.[52]

- Schlange verschlingt Mensch/Tier

Sehr selten ist die Darstellung eines Menschen oder Tieres der/das von einer Schlange verschlungen wird. Beispiel 33[53] aus der Uruk-Zeit zeigt, wie eine dicke, mit Punktmuster verzierte Schlange einen ebenfalls mit Punktmuster ver­zierten Menschen verschlingt. Der Schlangenkörper ist auf der ganzen Siegel­flache verteilt und ineinander verwunden, wobei vom Menschen nur noch der Oberkörper aus dem Schlangenmaul herausragt.[54] Die Tatsache, dass die Person das gleiche Muster wie die Schlange aufweist, könnte auf eine rituelle Hand­lung hindeuten, in der der Mensch, möglicherweise ein Initiand, als Schlange verkleidet ist. Da diese Übereinstimmung der Haut auch bei der ziegenköpfigen Gestalt festzustellen ist, kann auch eine Gleichsetzung mit einer Gottheit nicht ausgeschlossen werden (siehe Seite 23).

- Schlange und Koitusszene

Aus Tepe Gaura sind zwei Siegelabdrücke bekannt, auf denen eine Schlange in Verbindung mit der Kopulation zweier Gestalten dargestellt ist.

Das urukzeitliche Siegel 34[55] zeigt zwei ziegenköpfige Gestalten, die sich auf einem Podest im Sitzen vereinigen.

Beispiel 35[56] aus der Gemdet-Nasr-Zeit stellt die Vereinigung im Stehen dar.

Zu diesen Kopulationsszenen gibt es zahlreiche Marchen aus verschiedenen Landern, in denen Jungfrauen den Schlangenbräutigam heiraten und mit ihm Kinder haben (siehe Seite 83). Eine ihrer ehelichen Pflichten ist dann die Was­serversorgung der Schlange.[57]

- Raubvogel und Schlange

Der Stempelsiegelabdruck aus Degirmen Tepe[58] (spate Obed-Zeit) zeigt einen Raubvögel und eine dicke Schlange (36)[59]. Auch ein Skorpion und Zweige sind mit dargestellt.[60]

Viel haufiger tritt dieses Thema auf Stempelsiegeln des 3. und 2. Jt. v. Chr. im Ostiran auf. Dies ist im Zusammenhang mit der Frühjahrstransformation der Schlange in einen Adler zu sehen, wie sie aus der chinesischen Drachenmytho­logie überliefert ist (siehe Seite 81). Als Regenbögen kehrt die Schlange wieder unter die Erde zurück.[61]

- Schlangengott

Das einzige Beispiel eines Schlangengottes für diese Materialgruppe könnte das zweiseitige Tabloid 37[62] sein. Dies ist insofern ungewöhnlich, als Schlan­gengötter in dieser Form sonst nur von Rollsiegeldarstellungen der Akkad-Zeit bekannt sind. (siehe Seite 43)

2.2.2 Schlange und ziegenköpfige Gestalt im Iran

Bei all den bisher genannten Stempelsiegeldarstellungen handelt es sich um zah- lenmaßig eher schlecht repräsentierte Themengruppen. Das Thema von zie­genköpfigen Wesen, die Schlangen halten,[63] kommt aber verhaltnismaßig haufig vor.

Obed- bis Uruk-Zeit

Um nicht jedes einzelne Siegel oder Tabloid beschreiben zu müssen, werden die wich­tigsten Merkmale der einzelnen Charaktere herausgearbeitet und mit Darstellungen belegt.

- Merkmale der ziegenköpfigen Gestalt

Der Kopf des Wesens ist immer in Form einer Ziege mit Hörnern dargestellt, wie z. B. in Abbildung 38[64]. Ein Vergleich der Körpermusterung dieser Gestalt und der von ihm gehaltenen Schlangen zeigt, dass sie immer übereinstimmt. D.h. ist die Schlange gestreift, so ist auch die ziegenköpfige Gestalt gestreift (3 9[65]). Andere Mustervarianten sind Schuppen, wie in Abbildung 40[66], Wellenlinien wie in Abbildung 41[67] und ein Gitternetzmuster in Beispiel 42[68]. Nicht im­mer, doch zumindest manchmal, tragt die Gestalt “Schnabelschuhe” (40, 39 und 43)[69]. In zwei Fallen (41 und 38) kann man ein langes Gewand in Kombination mit einer Halskette nachweisen, in allen anderen Fallen ist die Gestalt nur in die Schlangenhaut gehüllt (40-56). Ein weiteres auffälliges Merkmal sind die meist dreifingrigen ffinde (40, 42, 44[70],45[71] , 46[72],47[73],48[74] und 49[75]), die auf einen reptilienartigen Ursprung dieser Gestalt hindeuten.

- Merkmale der Schlangen

Vergleicht man alle Darstellungen, so kann man zunächst dicke von dünnen Schlangen unterscheiden (41 und 50)[76], wie sie auch in den Begrabnissen auf Bahrain gefunden und als Wasser- und Wüstenschlangen klassifiziert wur­den. Auch anhand der Kopfform ist eine Unterscheidung der Schlangenarten möglich. Da alle mit Ausnahme der Beispiele 41,38 und 46 einen dreieckigen Kopf aufweisen, ist dies ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung der Sandotter und ihren Bezug zum Bergland, ein Befund, der gut zu den Darstellungen auf Keramikgefaßen aus dieser Gegend passt. Die dicken, weniger haufigen Exem­plare sind möglicherweise ein Indiz für eine Wasserschlange oder Python.

Angeordnet sind die Schlangen in drei Varianten, entweder rechts und links der ziegenköpfigen Gestalt (z. B. 51)[77], um ihre Taille gewunden (52[78], 47, 53[79], 54[80], 48, 49) oder in Kreisform um die ganze Siegelflache gelegt (47).

- verwendete Symbole oder Füllsel

Nicht alle, aber einige Siegel enthalten zusatzlich verschiedene Symbole. Sehr haufig sind Winkelhaken (40, 42, 55[81], 44, 46) und Ziegen (45, 46, 56[82]), aber auch Zweige (57[83]), Sterne (46), Vögel (45) und Schlangen (38, 46) kommen vor. Ganz ohne Symbole sind dagegen die Abbildungen 55, 51 und 58[84].

2.2.3 Schlange und Capride

Obed- bis Uruk-Zeit

Aus der Obed- bis Uruk-Zeit gibt es aus Iran neben den Darstellungen von zie­genköpfigen Gestalten mit Schlangen auch eine Reihe von Stempelsiegeln, die in allen möglichen Variationen einen Capriden mit einer Schlange zeigen. Leider handelt es sich auch bei Siegeln zu diesem Thema oft um Stücke aus dem Kunsthandel, so dass eine genaue Zuweisung bezüglich Fundort und Datierung nicht möglich ist.

- Capride

Die Darstellung der Capriden variiert von Tieren mit langen geschwungenen Hörnern (59[85] , 60[86], 61[87] , 62[88] , 63[89], 64[90], 65[91], 66[92] , 74) über Capriden

mit langen gekerbten Hörnern, die der Musterung der Schlangenspirale ahneln (67[93]), hin zu bloßen Ziegenkopfdarstellungen (6 8[94] , 69[95]).

- Schlange

Alle Schlangendarstellungen in Verbindung mit Capriden (59-70[96]) weisen einen dreieckigen Kopf auf, nur die Abbildungen 7 1[97] , 72[98] , 73 [99] sind zu schlecht erhalten, als dass man eine eindeutige Aussage treffen könnte. Es lassen sich aus der Kombination von Schlange und Ziege mehrere Varianten ablesen.

- Variante 1: Schlange in Halbkreis Uber Capriden

Abbildungen 59, 60, 61, 62 zeigen die Schlange, wie sie in einem Halb­kreis die Rückenpartie des Capriden umspannt.

- Variante 2: Schlange hinter Capriden

In Abbildungen 63, 64 wird der Schlangenkopf von einem Stern verdrängt, so dass die Schlange senkrecht hinter dem Capriden dargestellt wird.

- Variante 3: Doppelköpfiger Schlangenkreis

In Variante 3 wird der Capride von der Schlange in Spiral- oder Kreis­form eingerahmt. Die “Spiralschlange” besitzt jeweils zwei Köpfe (siehe doppelköpfige Schlange Seite 14) und einen gekerbten Körper (67, 66). Abbildung 66 ist die Rückseite der Abbildung 48 und weist ebenfalls ein solches Kerbmuster auf. Abbildung 65 zeigt eine dünne Schlange in Kreis­form, Abbildung 74[100] dagegen ein dickes Exemplar mit vielen parallelen Kerblinien.

- Variante 4: Schlange in Verbindung mit mehreren Tieren

Etwas aus der Reihe fallen die Darstellungen 63-65 und 66-74, und zwar, weil in ihnen mehr als nur die Kombination eines Capriden mit einer Schlange dargestellt wird. Die Schlange scheint in diesen Beispielen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Aus der ausgehenden Uruk-Zeit sind Darstellungen bekannt, die zwei Ziegen einander gegenüberstehend, mit überkreuzten Köpfen zeigen (75 [101] und 72). Es kommt auch vor, dass ein Capride von einem anderen Tier angefallen wird (76[102] und 71). In einem anderen Beispiel stehen zwei Capriden einander gegenüber. Beispiel 73 zeigt eine Schlange zwischen zwei Hunden?/Löwen?.[103]

- Symbole

Auch Füllsymbole fehlen diesem Darstellungstyp nicht. Ein Zweig ist auf Ab­bildungen 59, 61, 62 und 64 zu sehen. Beispiel 74 enthalt derer gleich vier Stück. Winkelhaken kommen je zwei auf Beispiel 59 und 61 und je vier auf Beispiel 60 und 62 vor Abbildung 64 enthalt einen. Ein Stern ist auf den Abbil­dungen 63 und 64 und gestreifte Dreiecke sind auf Beispiel 61 abgebildet.

2.2.4 Verschlungene Schlange

Zum Schluss dieses Kapitels soll der Darstellungstyp der verschlungenen Schlange be­sprochen werden, der in mehreren Beispielen schon auf Stempelsiegeln auftritt, seine Vielfaltigkeit jedoch erst auf Rollsiegeldarstellungen erhalt.

Obed-Zeit

Aus Tepe Gaura sind zwei obedzeitliche Stempelsiegelabdrücke (77[104] und 7 8 [105]) be­kannt, die jeweils zwei einfach verflochtene Schlangen in Kreisform zeigen. Beispiel 78 ist besonders interessant, da hier eine menschliche Gestalt von den verschlungenen Schlangen eingekreist wird. Soll hier symbolisch die Menschenschöpfung dargestellt sein (siehe Seite 71)?

Uruk-Zeit

Urukzeitlich ist das dritte Beispiel aus Iran (79[106]), das der Abbildung 77 in der Anord­nung sehr ahnelt. Der Unterschied besteht zum einen in der Musterung der Schlangen, die gestreift oder gekerbt dargestellt sind, und zum anderen ist hier die dreieckige

Kopfform klar zu erkennen. Bei allen drei Beispielen bleibt jedoch die kreisförmige Anordnung der Schlangen. Das vierte verschlungene Schlangenpaar befindet sich auf der Ruckseite von Siegel 58 und steht somit in Zusammenhang mit der ziegenköpfigen Gestalt (190 und 97[107]).

2.2.5 Deutung

Neben einigen seltenen Darstellungsformen von Schlangen mit Vögeln oder kopulie­renden Menschen, sowie der Darstellung der Schlange als “Menschenfresser” oder als verschlungene Schlangen, überwiegen bei den Stempelsiegeln die Darstellungstypen der ziegenköpfigen Gestalt mit Schlangen und von Schlangen mit Capriden. Wie die einzelnen Beispiele gezeigt haben, stehen all diese verschiedenen Darstellungstypen untereinander in Verbindung und können als Einzelpartikel der Kosmologie angese­hen werden. Da diese Art der Darstellungen fast ausschließlich in iranischem Gebiet in der Obed- bis Uruk-Zeit vorzufinden ist, liegt es nahe hier einen prähistorischen Ideenkomplex zu vermuten, bei dem die Tiere Schlange und Ziege eine zentrale Rolle bei der Schöpfung spielen.

Für die Darstellung des Ziegen-“Damons” kann man sich m. E. sowohl eine kos­mologische, wie auch eine rituelle Deutung vorstellen. Wie spater der Schlangengott in Mesopotamien (siehe Seite 45), so weist auch der Ziegen-“Damon” die zwei Ele­mente Ziege und Schlange auf. Abgesehen von unterschiedlichen Schwerpunkten in der Kosmologie zwischen Iran und Mesopotamien[108] bezüglich der Herkunft des le­benswichtigen Wassers (Regenwasser - Grundwasser) und der unterschiedlichen bild­lichen Umsetzung der Göttervorstellung, scheint die Grundidee eines Schlangengottes in Kombination mit der Mutter Erde (symbolisiert durch Ziegenhörner und Ziegenab­bildungen) beide zu verbinden. Die zweite Möglichkeit ware, den Ziegen-“Damon” als verkleideten Priester zu deuten, der im Zuge eines Festes, ahnlich dem Hopi-Ritual[109] mit Schlangen die Regenzeit herbeirufen will. Dazu passt auch der Regenzeremonie­Kultplatz in Kurangun (siehe Seite 53).

Die Darstellungen von Schlange und Ziege stehen im iranischen Gebiet m. E. sym­bolisch für die Elemente Wasser und Erde, die im Bergland den Wechsel von Regen- und Trockenzeit anzeigen. Die doppelköpfige Schlange gibt Hinweise auf zwei Arten von Wasser, namlich Regen- und Schmelzwasser, die in Mesopotamien in Form von An und Enki zum Ausdruck kommt (siehe Seite 59). Der Ziegen-“Damon” vereint in seiner Gestalt Schlangen- und Capridenzüge, so dass eine Zweigeschlechtlichkeit, wie sie spater für Schlangengötter und die Muttergottheit festgestellt wird, bereits für ihn zutreffen mag (siehe Seite 59).

Die Koitusszenen sind m. E. der bildliche Vorlaufer für die ab der Ur-III Zeit aus Schriftquellen in Mesopotamien bekannte, jahrlich im Zuge des Neujahrsfestes gefei­erte heilige Hochzeit. Es handelt sich dabei um die symbolische Darstellung eines Aspektes prähistorischer Fruchtbarkeitsriten, durch den die symbolische Erneuerung des Schöpfungsaktes durch Priester in Form des Gottes dargestellt wird.(siehe Schlan­genbraut Seite 83). Der Schöpfungsakt wiederum steht als Sinnbild für das Leben schlechthin.[110]

2.3 Materialgruppe 3: Rollsiegel

Bildkompositionen, wie sie auf Stempelsiegeln Vorkommen, finden sich auf Rollsie­geln nur noch teilweise und auch dann in anderer Form. Dies hangt vor allem damit zusammen, dass das Rollsiegel ganz neue Möglichkeiten der Abbildung bietet. War das Stempelsiegel noch ein starres, in sich geschlossenes Bild mit wenigen prägnanten Symbolen, so bringt das Rollsiegel durch die Rollbewegung und die immer fortlau­fende Wiederholung einer Szene m. E. den Lebenszyklus zum Ausdruck. Das ex­plizite Symbol für den Zyklus, die kreisförmige Schlange, wird jetzt vom Rollsiegel ubernommen, so dass die Siegelflache selbst Raum bietet, Neues darzustellen. Diese Entwicklung verlauft parallel zur Schriftentwicklung und weist auf einen kulturellen Wandel hin. Ausgehend von einer prähistorischen Kulturstufe, deren Grundprinzip die Wiederholung, d.h. das starre Festhalten an Traditionen ist, die die bestehende Ord­nung aufrecht erhalten und den Menschen als Richtschnur dienen, kommt Ende des 4. Jt. v. Chr. die Kulturstufe, bei der in zunehmendem Maße die Vergegenwartigung im Vordergrund steht.[111] Bestatigt wird diese Vermutung durch die sowohl räumlich, als auch zeitlich verschiedenen Kulturhorizonten zuzuweisenden zwei Siegelgattungen. Gehörten die Stempelsiegel noch zum prähistorischen Ideenkomplex des iranischen Berglandes, so sind Rollsiegel eine Erfindung der Marschenbewohner des ausgehen­den 4. Jt. v. Chr. in Mesopotamien. Wie die Entwicklung zeigt, haben sich die Um­weltbedingungen im mesopotamischen Tiefland positiv auf die kulturelle Entwicklung der dort ansassigen Bevölkerung ausgewirkt.

Jan Assmann beschreibt diese Entwicklung so:

Im Zusammenhang mit dem Schriftlichwerden von Überlieferungen vollzieht sich ein allmählicher Übergang von der Dominanz der Wieder­holung zur Dominanz der Vergegenwartigung, von “ritueller” zu “textuel- ler Koharenz”. Damit ist eine neue konnektive Struktur entstanden. Ihre Bindekrafte heißen nicht Nachahmung und Bewahrung, sondern Ausle­gung und Erinnerung. An die Stelle der Liturgie tritt die Hermeneutik[112]

Ein weiteres Indiz auf eine veränderte Selbstwahrnehmung ist m. E. die Entwick­lung von anthropomorphen Göttern im Gegensatz zu Tiergöttern. Diese Verschiebung, bei der Götter nicht mehr als Tiere, sondern als Menschen angesehen werden, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem politosozialen Wandel im Ubergang vom 4. zum 3. Jt. v. Chr. und gipfelt im Akkad-Reich als der Anthropomorphisierungsprozess abgeschlossen ist. Es wird sich zeigen, ob man diese Verwandlung eines Tiergottes zu einem Menschengott bei der Schlange auf Rollsiegeldarstellungen nachvollziehen kann.

Rollsiegeldarstellungen als Vorläufer der Textquellen?

Man muss meines Erachtens davon ausgehen, dass Rollsiegeldarstellungen neben der für Wirtschaftstexte genutzten Keilschrift als eine Art Bilderschrift entwickelt wurden, um mythologische und rituelle Inhalte zu vermitteln.[113] Rollsiegel sind demzufolge, wie spater die sumerischen oder akkadischen, keilschriftlich festgehaltenen Mythen, ein erster Schritt, um die oral tradierten Mythen zu fixieren. Notwendig scheint die­se Art der Wissenstradierung durch die zunehmende Hierarchisierung der Gesellschaft und die zunehmende Reichsgroße geworden zu sein.[114] So musste eine Methode gefun­den werden, um auch in großen Gemeinschaften und Reichen einen Wissenstransfer zu gewahrleisten, der einem zentral gesteuerten Standard entspricht.[115] Als diese Auf­gabe von den Rollsiegeln nicht mehr zu bewaltigen war, weil die Fülle verschiedener Mythen in ihnen nicht ausreichend zum Ausdruck gebracht werden konnte, ging man m. E. dazu über die Keilschrift, bislang nur für Wirtschaftstexte genutzt, auch für die Niederschrift religiöser Themen zu verwenden. Die Schwierigkeit bei der Parallelisie­rung beider Fundgruppen liegt darin, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Da beide nur verschiedene Methoden darstellen, das aus der oralen Tradition stammende Wissen über weite Strecken zu vermitteln, muss es möglich sein, Schnittstellen zu finden.

All dies nützt jedoch nichts, wenn man nicht den Sinn der einzelnen Bildsymbole versteht. Sowohl Siegel, als auch Keilschrifttexte wurden nur von speziell ausgebil­deten Priestern angefertigt, die m. E. ihr Wissen über die Welt anfangs durch Initiati­onsriten, spater dann zusatzlich über Texte erlangten. Je nach Initiationsgrad wurden sowohl Bilder, als auch Texte in verschiedenen Sinnebenen gedeutet.[116]

Noch ein kurzer Hinweis zur oralen Tradition: Man darf auf keinen Fall annehmen, dass mit dem Aufkommen der Schrift die mündliche Überlieferung endet, sondern die­se besteht nach wie vor, eingebettet in rituelle Feste, weiter und ist besonders in den illiteraten Gesellschaftsschichten einziges Medium, einen Leitfaden für ein geordnetes Leben zu vermitteln. So kann man sich neben den großen Staatsfesten vorstellen, dass vor allem kleine Kulte weiterhin von großer Bedeutung bleiben. Die schriftlich fest­gehaltenen Mythen und Epen sind m. E. Machtinstrumente der herrschenden Klasse,

wohingegen das Volk die alten Ideen mündlich weitertradiert und bewahrt.

2.3.1 Seltene Darstellungstypen

Schlange in Kombination mit Capriden und/oder Vogel

Wie in den Stempelsiegelvorlaufern Nummer 75 und 72 stehen sich in der urukzeit- lichen Abrollung 80[117] zwei Capriden gegenüber. Zwischen ihnen liegen zwei ver­schlungene Schlangen mit erhobenen Köpfen, über denen eine Rosette angebracht ist. Neu zu diesem Darstellungstyp tritt ein kleiner Adler hinzu, der als Bindeglied über den Hinterteilen der Capriden schwebt.

Die frühdynastische Abrollung 81[118] stammt aus Tell Agrab. In der unteren Halfte des Siegels wird ein Capride von einem anderen Tier (Löwe?) angefallen. Uber dem Capriden schwebt der Adler, diesmal in Relation erheblich größer dargestellt.

Eine weitere Abrollung (82[119]) aus der Frühdynastischen Zeit zeigt einen Adler,[120] der mit seinen Klauen jeweils eine Schlange mit Drachenkopf gepackt halt. Der Körper der Schlange ist spiralförmig aufgerollt wie in Beispiel 43, nur dass in diesem Fall anstelle des Ziegen-“Damons” ein Adler die beiden Schlangen halt. Rechts davon ist eine Götterkampfszene dargestellt, in der ein nackter Held mit einem Hirsch ringt.[121]

Diese Beispiele symbolisieren m. E. den Jahreszyklus. Es stehen sich die Elemente Wasser und Erde gegenüber. Da das Wasser einmal als Grundwasser und einmal als Regenwasser gemeint ist, wird es von Schlange und Adler vertreten. Der Capride stellt die fruchtbare Erde dar (nahere Ausführungen dazu im Kapitel 3.1.2).

2.3.2 Schlange und menschliche Gestalt in Mesopotamien

In Mesopotamien setzt sich die Tradition des Ziegen-“Damons” in den Rollsiegeldar­stellungen fort, doch wird dieser jetzt entweder als sechslockiger Held[122] oder als Mensch (Priester) dargestellt.

Obed- bis Uruk-Zeit • Darstellungen

Die einzige bekannte Darstellung des iranischen Ziegen-“Damons” auf einem Rollsiegel stammt aus Abu Salabih (83[123]). Er steht hier in Verbindung mit einer weiteren Szene, in der ein Capride von einem wilden Tier angefallen wird.

Menschengestaltige “Bandiger” kennt man aus Uruk selbst zwei (84[124] und 85[125]). In Darstellung 84 steht eine nackte menschliche Gestalt mit je einer

Schlange in der Hand auf einem liegenden Löwen vor einem Gebäude. In Bei­spiel 85 liegt eine Schlange auf dem Dach des Gebäudes und wird von einem nackten Mann am Kopf berührt. Zwei weitere nackte Manner bringen Schlangen zum Gebaude. Uber ihren Köpfen und zwischen ihnen sind ein Skorpion, ein Vogel und ein Fisch und eine verschlungene Schlange angebracht. Eine vierte kleine Person scheint einen Stock in der Hand zu halten.

- Deutung

Die zwei Siegel aus Uruk lassen auf einen Schlangenkult schließen, der bei der Keramikbeschreibung schon einmal erwahnt wurde (siehe Seite 20). Der Fund­umstand im An Tempel macht es wahrscheinlich, dass die abgebildeten Gebaude ebenfalls den An Tempel repräsentieren sollen. Die Verbindung zum Schlan­gengott ist auch in der Gottergenealogie zu sehen, in der An als Vater einiger Schlangengötter genannt wird (siehe Seite 62).

Die Symboltiere (85) deuten alle auf eine Regenzeremonie hin, da sie in Verbin­dung zu Wasser stehen. Es sind eine Reihe von Kultanlagen ausgegraben, deren Architektur eine Beziehung zu einem Wasserkult/Schlangenkult vermuten lasst. Allen voran die Tempelfunde aus Dilmun und Eridu (204[126]), denen die meisten anderen Tempelanlagen, wie auch der Urukkomplex (205[127]) nachempfunden sind.[128] Der Löwe steht symbolisch für Inanna/Istar, der eine treibende Kraft im Wechsel der Jahreszeiten zuzuschreiben ist (siehe Dumuzi’s Traum Seite 76).

FrUhdynastische Zeit

- Darstellungen

In der Frühdynastischen Zeit tritt der sechslockige Held (lahmu) auf Rollsiegeln auf (86[129][130], 87[131], 88[132] und 89[133]). Er wird nackt, mit sechs Locken und je einer Schlange in der Hand dargestellt und füllt die ganze Siegelflache in Abrollrich­tung aus. Einmal ist zusatzlich eine Schildkröte[134] angebracht (86). Beispiel 88 ist besonders gut ausgearbeitet und zeigt die Schlange mit Zickzackmusterung und Drachenkopf. Auf Abbildung 89 halt der lahmu zwei Ringstabe anstelle von Schlangen in der Hand (113).[135]

Neben den als lahmu identifizierten Schlangenbandigern sind zwei stark ero­dierte Beispiele mit Bandigern (90[136] und 91[137]) bekannt.

Auf Rollsiegel 90 wird der nackte Held mit einer weiteren Person, die auch zwei Tiere zu halten scheint, kombiniert. Ein Adler befindet sich zwischen beiden Szenen.

Die dreiteilige Abrollung 91 aus Tell Asmar zeigt im unteren Fries noch bruchstückhaft eine Gestalt mit Schlangen vor einer fiinfköpfigen Hydra.[138] Hinter der Hydra befindet sich erstmals ein mushussu,[139] der in der folgenden Zeit als standiger Begleiter der Schlangengotter, beginnend von Ninazu bis hin zu Marduk, zu sehen ist. Auch Skorpione sind zahlreich in Kombination mit Schlangen auf diesem Siegel vertreten.

- Deutung

Die Art der Darstellung der lahmu-Siegel lasst eine mesopotamische Weiterent­wicklung der Stempelsiegeldarstellungen des Ziegen-“Damons” vermuten. In Mesopotamien heißt der Schlangenziegengott Enki “the pure bezoar of the ap- zu” (=Ziegenfisch) (siehe Seite 63). Sowohl der Ziegen-“Damon” als auch Enki zeichnen sich zum einen durch ihre Funktion als Wasserschlangengott aus, als auch durch ihre Verbindung zur Erdgottin (Ziege). In Gestalt des lahmu wird der iranische Gott in Mesopotamien als Diener oder Flussgeist[140] Enkis eingefuhrt und somit diesem untergeordnet (nahere Ausfuhrungen dazu siehe Seite 67). Diese Unterordnung lasst sich auch umgekehrt nachvollziehen (siehe Seite 46).

2.3.3 Verschlungene Schlange

Auch verschlungene Schlangen, auf Stempelsiegeln schon seit der Obed-Zeit bekannt, werden auf Rollsiegeln in verschiedenen Varianten weiter dargestellt.

Verschlungene Schlange in Kombination mit Tieren

- Obed- bis Uruk-Zeit

Das Siegel 92[141] stammt aus Uruk, Stratum A der Anu Zikkurat und zeigt zwei ineinander verwundene Schlangen deren Köpfe voneinander wegweisen. In die­sem Zwischenraum steht ein Gefäß. Daneben scheinen noch andere Tiere darge­stellt zu sein, die nicht zu identifizieren sind. Alles zusammen spricht für einen Wasserkult zu Ehren Ans in Uruk.

Die Bildkomposition von Abbildung 93[142] aus der Brandlage des Tempels C umfasst neben acht Schlangen zwei Löwen, zwei Ziegen, zwei Pferde, zwei Rinder und vier “Damonen” Jeweils zwei ineinander verschlungene Schlangen bilden die Standflache für jeweils zwei der genannten Tiere. Die Damonen sind so platziert, dass die Köpfe aller Beteiligten zu ihnen hinweisen.[143]

Im Eanna Heiligtum sind eine Reihe von Rollsiegeln gefunden worden (94[144] ), die ein in Uruk häufig auftretendes Motiv, nämlich die Kombination von ver­schlungener Schlange mit Vögeln zeigen.[145]

Schlange und Stierkopf in Beispiel 95[146] ist ein umstrittenes Thema, da man nicht genau weiß, ob man nicht auch dieses wie die anderen Schlange-Vogel­Siegel rekonstruieren soll, oder ob tatsachlich ein Stierkopf gemeint ist.[147]

Rautenförmig verschlungene Schlange in Kombination mit Tieren und Menschen

Ende der Frühdynastischen Zeit und zu Beginn der Akkad-Zeit findet sich, in Anleh­nung an die Urukdarstellungen, eine neue Weise die verschlungene Schlange abzubil­den, namlich wie ein Strickmuster. Sie nimmt fast die ganze Siegelflache ein und ist entweder ganz allein oder mit anderen Tieren oder Menschen/Göttern kombiniert.

- Skorpion

Das leicht beschadigte frühdynastische Rollsiegel aus Chafadji (96[148]) zeigt die verschlungene Schlange in Kombination mit einem Skorpion, dessen Schwanz­spitze sie im Maul halt.[149]

- Schildkrote

Auch die Kombination der verflochtenen Schlange mit Schildkröten[150] ist be­kannt (97[151]).

- Stier

Auf einem Lapislazulisiegel aus dem Königsfriedhof von Ur (98[152]) ist das Schlangengeflecht mit einem Stier oder Bison links daneben dargestellt. Die­se Kombination könnte m. E. den Kampf des Wettergottes (Adad mit Symbol­tier Stier[153] und auch Löwenadler[154]) mit dem Schlangengott symbolisieren.[155]

Gewinnt der Schlangengott, so setzen die Frühjahrsregenfälle ein (siehe Seite 81).

- Götterkampf

Beispiel 99[156] aus Tell Asmar zeigt das Schlangengeflecht in Kombination mit einem anthropomorphen Götterkampf. Der Kopf der Schlange ist auf den Rücken des stehenden Kampfers gerichtet, der seinen knienden Gegner in Schach halt. Es handelt sich hier m. E. um die anthropomorphe Variante des Kampfes Schlange - Stier in Gestalt des Schlangen- und Wettergottes.

- Bööt

In Beispiel 100[157] ist das Schlangengeflecht mit einer Bootsszene kombiniert. Das Boot selbst ist aus einem menschlichen Oberkorper und einem Skorpi­onschwanz geformt, in dem eine Gottheit mit Stab sitzt. Die Bootsgestalt halt sich an dem Schlangengeflecht fest. Ungewohnlich ist in diesem Fall der Skor­pionschwanz, da in einer Reihe von Bootgottsiegeln der Rumpf des Schiffes aus einem Schlangenleib geformt ist.[158]

Verschlungene Schlange mit Trink- und Einführungsszenen

Dass die verschlungene Schlange Ende der Frühdynastischen Anfang der Akkad-Zeit in Zusammenhang mit rituellen Festen steht, zeigen folgende Darstellungen:

- Trinkszene

In Beispiel 101[159] sind im oberen Register verschlungene Schlange und Skorpi­on und im unteren Register eine “Trinkszene” dargestellt.

Siegel 102[160] zeigt wieder die aus der Uruk-Zeit bekannte verschlungene Schlange ohne Tier. Im oberen Register sitzen sich zwei Gestalten gegenüber, die mit Stücken in einem Krug rühren. Eine Ahre zwischen ihren Rücken gibt, neben dem Wasser, einen weiteren Hinweis auf den Fruchtbarkeitsaspekt dieser Szene.

Beispiel 103[161] aus Tell Asmar zeigt eine einregistrige Trinkszene, in der sich zwei schematisch dargestellte Figuren gegenübersitzen und diesmal mit Stroh­halmen aus einem Krug trinken. Uber den Strohhalmen ist eine nach oben geöffnete Mondsichel angebracht. Das ebenfalls stilisierte Schlangengeflecht ist senkrecht, als Trennlinie für die Szene hinter den Sitzenden eingeschnitten.

Diese Wasseropfer wurden m. E. im Züge von Regenzeremonien durchgeführt.

- Einführungsszene oder Opferszene

Beispiel 104[162] zeigt im oberen Register eine Einführungsszene, wohingegen im unteren Register die rautenförmig verschlungene Schlange dargestellt ist. Was rechts neben der Schlange war, ist nicht mehr zu erkennen, doch halt sie wahr­scheinlich auch hier ein Tier im Maul.

Das komplexeste Siegel dieser Art ist Beispiel 105[163]. Ein Adorant wird von einer niederen Gottheit zu einer sitzenden Gottheit eingefuhrt, der zwei Schlan­gen aus dem Falbelgewand wachsen und die anhand der Beischrift als Tispak identifiziert werden konnte.[164] Als Opfer bringt der Adorant eine Ziege dar. Hinter der sitzenden Gottheit befindet sich eine weitere Gottheit, die eine Art Szepter/Keule halt.[165] Als Abschluss der Szene dient wiederum ein Schlangen­geflecht, doch nimmt dies nur etwa Zweifiinftel der Siegelhohe ein, der Rest ist mit zwei Kolumnen aus Keilschriftzeichen gefällt.

Das Ziegenopfer stellt die symbolische Vereinigung der Elemente Erde (Zie- ge=Erdmutter) und Wasser (Schlangengott) dar (zum Thema der Zweige­schlechtlichkeit der Götter Inanna und Enki siehe Seite 58).

In Abbildung 106[166] aus Tell Asmar, fuhrt eine niedere Gottheit zwei Adoran- ten zu einer vor einem Feueraltar sitzenden Gottheit ein. Hinter der sitzenden Gottheit befinden sich zwei vertikal ineinander verschlungene Schlangen. Eine weitere Schlange umfasst Kopf und Rückenpartie des Wasserträgers.

In welcher Beziehung der Schlangengott zu Feuer steht, weiß man aus ethno­logischen Quellen. Die Schlange fahrt im Zuge der Frühjahrsgewitter in Form von Blitzen zur Erde nieder und entfacht Feuer.[167] Der Feuergott Nusku steht in der Göttergenealogie auch in der Reihe der Schlangengötter.[168]

Verschlungene Schlange in Szenen • Frühdynastische Zeit

Aus Kis ist eine Muschelabrollung (107[169]) bekannt, auf der eine Hirschkuh vor einem Schlangengeflecht steht. Uber dem Schlangengeflecht sind ein Stern, ein Mond und ein Punkt angebracht.[170] Rechts davon versucht eine menschliche Gestalt einen Löwen mit Pfeil und Bogen zu erledigen, der gerade die Hirschkuh von hinten anfallt.[171]

Das Lapislazuli-Siegel 108[172] stellt einen Gott dar, der vor seinem Tempel sitzt und mit einem Strohhalm aus einem Gefäß trinkt. Vor ihm sticht deutlich zu erkennen lahmu den Löwen nieder, der wieder ein Tier angreift. Im Hintergrund sind Mondsichel und Pleijaden, und verschlungene Schlange angebracht.

- Akkad-Zeit

Abbildung 109[173] zeigt eine Kombination aus den bereits gesehenen Gegnern der Schlangengötter. So besiegt der lahmu einmal einen Stier (Symbol für Wet­tergott) und zum anderen einen Löwen (Symbol fiir Inanna). Das heißt, um den zyklischen Ablauf des Jahres zu gewahrleisten, miissen zwei Kampfe ausge- fochten werde namlich einmal am Ubergang von Regen- zu Trockenzeit und das andere Mal von Trocken- zu Regenzeit. Nachdem lahmu die Aufgabe der Was­serregulierung zugesprochen wurde, ist verstandlich, warum er gegen Stier und Löwe kampft (siehe Seite 90). Die Keilschriftzeichen und das Wurzelzeichen können als Tempel des Ningizzida gelesen werden (siehe Seite 62).

Deutung

In den friihesten Rollsiegeln kommt sehr stark der Symbolcharakter der Schlange und der mit ihr abgebildeten Tiere, wie Skorpion und Schildkröte, zum Ausdruck. Die Schlange steht als Bindeglied[174] zwischen Leben und Tod, Trocken- und Regenzeit und kontrolliert und garantiert den sich immer wiederholenden Kreislauf (siehe Sei­te 63). Dies beweisen ab dem 3. Jt. v. Chr. Götterkampfszenen, aus denen hervor­geht, dass um die Kontinuitat zu bewahren zweimal jahrlich ein Kampf stattfindet, in dem lahmu einmal den Stier und einmal den Löwen besiegt.[175] Auch Trink- und Einfuhrungsszenen mit Ziegenopfer bestatigen dies, die m. E. als Wasseropfer und Erntedankfest aufzufassen sind.

2.3.4 Einfache Schlange in Szenen

Schlange und Einführungsszene

- Akkad-Zeit

Die verschlungene Schlange in Kombination mit Einfuhrungsszenen kann auch durch einfache Schlangen ersetzt werden.

- Einführungsszenen mit Ziegenopfer

Das Siegel 110[176] aus Tell Asmar bildet einen sitzenden Gott[177] ab, der

von zwei Schlangen eingerahmt wird. Ein Skorpion schwebt über seiner ausgestreckten Hand. Die einführende Gottheit halt in einer Hand einen Stab, was sie als Ibaum,[178] den Vizier des Schlangengottes, kennzeichnet und führt an der anderen Hand einen Opferbringer mit einer Ziege auf dem Arm. Hinter dieser Person folgt ein Wasserträger.

Es können bei dieser Darstellungsart sowohl die verwendeten Symbole, als auch die Anzahl der Personen vor der Gottheit variieren, doch es befindet sich immer eine Schlange bei der sitzenden Gottheit und es wird immer eine Ziege geopfert, was auf das bereits angesprochene Erntedankfest hin­weist.

In Beispiel 111[179] bleiben zwar Vizier, Ziegenopferbringer und Wasser­träger unverändert, doch fuhrt hier die Gottheit die Reihe der Personen an. Ziel des Zuges ist eine weitere Gottheit mit Stab, die auf einem Schlan­gendrachen postiert ist. Dahinter sind Ringstab und Schlange angebracht. Es hat den Anschein, als würde einer der Schlangengötter (Ninazu, Tispak oder Ningizzida)[180] den Stab an die vor ihm stehende Gottheit übergeben, vielleicht damit diese als sein Vizier somit die Tatigkeit der Einführung von Opferbringern antreten kann?

- Vegetationsgottheit

In Beispiel 112[181] sitzt eine Vegetationsgottheit mit Zweigen in der Hand auf einem Thron aus Ahren. Diese Zweige überreicht er symbolisch den drei vor ihn hintretenden Göttern, zwischen denen Schlangen angebracht sind. Wie in Kapitel 372 ausgeführt, könnte es sich m. E. um Enki in seiner Funktion als Kulturbringer handeln, wie er das Getreide nach Sumer bringt und an die einzelnen Schlangen(stadt)götter, die er dort einsetzt, verteilt[182] (siehe Seite 70).

- Tispak

Abbildung 113[183] aus Tell Asmar(?) zeigt eine sitzende Gottheit mit einem Pflug in Handen, den sie einer menschlichen Gestalt überreicht. Dieser Vegetationsaspekt zusammen mit den fünf Schlangenleibern, die aus sei­nem Bein herauszuwachsen scheinen, legt nahe, dass es sich um den Gott Tispak handelt, der von seinem Vizier mit Stab begleitet wird. Hinter dem Menschen ist ein lahmu mit je einem Ringstab in der Hand postiert (siehe Seite 61).

Interessant ist der Vergleich der Siegel 112 und 113. Wurde für ersteres vermutet, dass Enki den Sumerern das Getreide bringt und Stadtgottheiten einsetzt, so scheint Bild 113 schon den nachsten Schritt in der Kultivierung der Menschen darzustellen. Die eingesetzten Stadtgötter, in diesem Fall Tispak, lehren die Menschen Ackerbau zu betreiben, symbolisiert durch

die Übergabe des Pfluges. Die lahmu-Darstellung mag darauf hindeuten, dass auch der Wechsel von Regen- zu Trockenzeit und umgekehrt weiter­hin vom Diener Enkis kontrolliert wird.

- Altbabylonische-Zeit

Aus der altbabylonischen Zeit sind aus Tell Asmar weitere Beispiele von Einfuhrungsszenen bekannt, in denen Schlangen Vorkommen. Im Gegensatz zu fruheren Einfuhrungsszenen fallt auf, dass meist der Wasserträger weggelas­sen wird. Die Hörnerkrone der Gottheit wird von einer konischen Kappe ersetzt, wie sie schon für Könige der Ur-III-Zeit typisch ist, so dass eine Differenzierung von Menschen und Göttern zusehends schwieriger wird.[184]

- Schlangengott mit Gesetzestafel

In Beispiel 114[185] fuhrt m. E. die Göttin Išhara, gekennzeichnet durch den Skorpion, eine Person vor einen Gott mit Schlange. Dieser sitzt auf einem Podest und halt eine Tafel[186] in der Hand, über der ein Mond­symbol schwebt. Hinter seinem Rücken steht ein Baum. Bei der Ta­fel handelt es sich möglicherweise um eine Gesetzestafel, da Schlan­gengötter auch mit Rechtsprechung betraut sind. Von Išhara weiß man, dass sie mit dem Mondgott verheiratet ist und die beiden Herr und Frau Eid heissen.[187] Bei dem als Schlangengott ausgewiesenen Ištaran sticht der Aspekt der Gerechtigkeit besonders hervor (siehe Seite 66). Auch in den Beispielen 115[188], 116[189], 117[190], 118[191] und 119[192] halt der Schlan­gengott eine Tafel. Mit Ausnahme von Siegel 116 ist dem Schlangen­gott in obigen Beispielen immer eine Mondsichel zugeordnet, wohinge­gen über der einfuhrenden Gottheit ein Stern angebracht ist. Dieser Be­zug macht m. E. deutlich, dass es sich um Angehörige der beiden Ab­stammungslinien Schlangengott und Muttergöttin handelt.[193] Sollte es sich, wie von A. Nunn angemerkt, anstelle einer Tafel um ein Gefaß handeln und bei der einfuhrenden Göttin um Dingir Lama, so fallt zwar der Bezug zur Rechtsprechung weg, doch widerspricht diese zweite Deu­tungsmöglichkeit, namlich der einer Libation, keineswegs der Zuordnung der Szene zu den gerade ausgeföhrten zwei Abstammungslinien. Auf eini­gen Siegeln sitzt die Schlangengottheit auf einem schematischen Tierthron aus Capride (115) oder Schlangendrache (116).

[...]


[1]In der PDF-Fassung dieses Dokuments konnte aus technischen Gründen das h nicht wie im RLA dargestellt werden.

[2]Besser ist hier von schriftlosen und schriftfuhrenden Kulturen zu sprechen.

[3]Encarta Weltatlas

[4]“War” deshalb, weil sich im Laufe der Untersuchung herausstellte, dass es in Göbekli schon Schlan­gentempelanlagen im 9. Jt. v. Chr. gegeben hat, eine Tatsache die sich positiv auf die Ergebnisse dieser Arbeit auswirken, da eine tiefe Verwurzelung der Schlangenverehrung angenommen wird. Je weiter man im fruchtbaren Halbmond nach Westen kommt, desto alter mussten die Schlangenfunde werden, da auch die Besiedlung friiher anzusetzen ist.

[5]Encarta Weltatlas

[6]Horasan Straße entlang der Diyala; Zugang über Der; Schiffsverbindung von Lagaš über persischen Golf und Karun Fluss nach Susa. Ferner liegen Kiš, Der und Susa in einem 100 km Radius um Lagaš, auch Tell Asmar ist nur unwesentlich weiter entfernt. Selz 1989: 29.

[7]Rage 1994 a: 28,29.

[8]Rage 1994 b: 35-36.

[9]Rage 1994 b: 42.

[10]Marven und Harvey 1996: 16 und 68.

[11]Marven und Harvey 1996: 7.

[12]Mündkür 1983: 89.

[13]Rage 1994: 107.

[14]Rage 1994: 106.

[15]Marven und Harvey 1996: 47.

[16]Marven und Harvey 1996: 47.

[17]Marven und Harvey 1996: 50.

[18]Rage 1994: 130.

[19]Marven und Harvey 1996: 71.

[20]Marven und Harvey 1996: 74.

[21]Der Begriff Gott wird in dieser Arbeit sowohl fur tier- als auch menschengestaltige Götter verwen­det, da beide als Ausdruck flir den Glauben an iibernatiirliche Wesen angesehen werden können.

[22]Stevens 1989: Abb. A 3.

[23]Stevens 1989: Abb. A 4.

[24]Stevens 1989: Abb. A 5-7.

[25]Stucki 1984: Taf. XXVII: 871, 872a, 873, 876a, 876b.

[26]Stucki 1984: Taf. XXVII: 875.

[27]Stucki 1984: Taf. XXVII: 877.

[28]Stucki 1984: Taf. XXVII: 879.

[29]Dreiecke gelten gemeinhin auch als Symbol fur Berge.

[30]Erlenmeyer 1970: Abb. 25.

[31]Der Ziegen-“Damon” vereint sowohl den Aspekt der Schlange, wie auch den der Ziege in seiner Ge­stalt (siehe Seite 23). Die Ziege oder Hirschkuh kennt man als das Symboltier der Göttin Ninhursag (Mundkur 1983: 122.), der Herrin des Gebirges. Auch Enki steht in Beziehung zur Ziege, denn sein Beiname ist “the pure bezoar of the apzu”, was mit Ziegenfisch zu ubersetzen ist. RLA 1938: Enki, 376-377.

[32]Aus ethnologischen Quellen weiß man, dass beim Wechsel von Trocken- zu Regenzeit Schlangen in der Gestalt von Blitzen in den Gewitterwolken reisen (siehe Seite 80).

[33]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXXI, Abb. 71.

[34]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXXI, Abb. 70.

[35]v. d. Osten-Sacken 1992: 165.

[36]Stevens 1989: Abb. A 1.

[37]Stevens 1989: Abb. A 2.

[38]Stevens 1989: Abb. B 1.

[39]Ayoub 1981: 26 C. 28 I, J. 29 K, L.

Išhara, die mit Inanna/Ištar gleichgesetzt wird, tibernimmt ab der Kassiten-Zeit den Skorpion als

Symboltier, der damit die altbabylonische Hydra ablost. Von ihrer Verbindung mit dem Mondgott weiß man aus kleinasiatischen Quellen, aus denen hervorgeht, dass beide ein Paar bilden, namlich Herr und Frau Eid. Ihr Heiligtum befindet sich im Gebirge und es gibt auch Hinweise auf einen Brunnenkult und ein Herbstfest. RLA 1976-80: Išhara, 176-178. van Buren 1935: 79.

Ayoub 1981: 27 F.

Ayoub 1981: 26.

Ayoub 1981: 26 A.

Von Gilgameš, Enkidu und die Unterwelt weiß man, dass Enkidu den verlorenen Trommelstock aus der Unterwelt holen soll, dort aber von der “Erde” festgehalten wird. Hutter 1985: 146. In einer Zeremonie muss Enkidu demnach symbolisch befreit werden. Auf diese jahrliche Befreiung stößt man auch bei einigen, mit Schlangen in Verbindung stehenden Vegetationsgottheiten (siehe Seite 63). Zuruckzufìihren ist dieser Kult auf die Eigenschaft lebender Schlangen, eine bestimmte Zeit des Jahres unter der Erde oder in Höhlen zu schlafen, bis sie dann im Fruhjahr wieder zum Leben erwachen und an die Erdoberflache zuriuckkriechen.

Es sei auch an die geometrisch verzierte Keramik der Fruhzeit erinnert, bei der man den Eindruck gewinnt, dass Schlange und Erde noch eine Einheit bilden, wenn die Schlangenhaut in Form geo­metrischer Muster um die Erde, d.h. die Tonschale gelegt ist.

[47]Bailon 1997: Fig. 635.

[48]Bailon 1997: 142-144.

[49]Erlenmeyer 1970: Abb. 11 a, b.

[50]Herzfeld 1932/33: 87, Abb. 14.

[51]Erlenmeyer 1970: Abb. 20.

[52]Rashad 1990: Taf. 44, Abb. 1131.

[53]Marshack 1986: 263.

[54]Rashad 1990: Taf. 11, Abb. 339.

[55]Zu diesem Thema gibt es einige Parallelen aus anderen Kulturen in Verbindung mit Initiationsriten. Beispiel: An der Ostkiiste Australiens lebt eine Riesenschlange in tiefen Wasserlöchern. Die Priester werden von der Schlange in einer Phase des rituellen Todes, in der sich beide am Grund eines Wasserlochs befinden, unterrichtet. Anschließend wird der Priester wieder ausgespuckt. Radcliff- Brown 1930: 342.

[56]Stevens 1989: Abb. C 19.

[57]Stevens 1989: Abb. D 9.

[58]Man könnte dies m. E. als symbolischen Akt der Vereinigung von Enki + Nintu auf ritueller Ebene betrachten, sozusagen als jahrliche Wiederholung des Schöpfungsaktes von Wasser und Erde (siehe Seite 69).

[59]Dieses Siegel stammt zwar nicht aus dem anfangs beschriebenen Untersuchungsgebiet, doch scheint es thematisch relevant und als Gegenstuck zu ostiranischen Siegeln wichtig.

[60]von Wickede 1990: Abb. 5.

[61]Dies kann man m. E. so deuten, dass einerseits Adler und Schlange An und Enki (siehe Seite 63) und Skorpion und Zweig Tod und Leben (Ištar/Inanna) symbolisieren, d.h. das Siegel ware die symbolische Darstellung des zyklischen Ablaufs des Jahres, der durch Regen- und Grundwasser aufrechterhalten wird.

[62]Der Schlange ist es demnach möglich, die Gegensatze “oben - unten” in einen Zyklus zu verwandeln: Grundwasser, Wölken, Regen, Regenbögen, Grundwasser.

[63]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XVIII, Abb. 37.

[64]v. d. Osten Sacken bezeichnet dieses Wesen als Ziegen-“Damon” und schreibt ihm göttliche Zuge zu. v. d. Osten-Sacken 1992: 167. In Mesopotamien findet man eine ahnliche Darstellungsweise, doch handelt es sich hier um eine menschliche Gestalt, die haufig als Schlangenbandiger angesprochen wird.

[65]Trokay 1991: 160, Abb. 1.

[66]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXX, Abb. 68.

[67]Rashad 1990: Taf. 12, Abb. 347.

[68]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXIII, Abb. 48.

[69]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XIX, Abb. 41.

[70]Rashad 1990: Taf. 10, Abb. 335.

[71]Rashad 1990: Taf. 45, Abb. 1154.

[72]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXX, Abb. 69.

[73]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXVIII.

[74]Rashad 1990: Taf. 45, Abb. 1143.

[75]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXVII.

[76]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XVIII, Abb. 39.

[77]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXIII, Abb. 47.

[78]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XVI.

[79]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XIX, Abb. 40.

[80]Rashad 1990: Taf. 46, Abb. 1155.

[81]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXVI.

[82]Rashad 1990: Taf. 10, Abb. 331.

[83]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXIX, Abb. 67.

[84]Rashad 1990: Taf. 44, Abb. 1140.

[85]Herzfeld 1933: Abb. 25.

[86]Rashad 1990: Taf. 46, Abb. 1163.

[87]Rashad 1990: Taf. 45, Abb. 1146.

[88]Rashad 1990: Taf. 9, Abb. 328.

[89]Rashad 1990: Taf. 10, Abb. 330.

[90]Rashad 1990: Taf. 10, Abb. 329.

[91]Rashad 1990: Taf. 44, Abb. 1134.

[92]Rashad 1990: Taf. 44, Abb. 1132.

[93]Rashad 1990: Taf. 45, Abb. 1153.

[94]Rashad 1990: Taf. 46, Abb. 1162.

[95]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXX, Abb. 68.

[96]Stevens 1989: Abb. D2.

[97]Stevens 1989: Abb. D 6.

[98]Stevens 1989: Abb. D 7.

[99]von Wickede 1990: Abb. 324 a.

[100]Stevens 1989: Abb. D 5.

[101]Rashad 1990: Taf. 45, Abb. 1152.

[102]Stevens 1989: Abb. D 8.

[103]Rashad 1990: Taf. 46, Abb. 1164.

[104]Spater tritt die Verbindung Lowe und Schlangenbandiger öfter auf, so dass es sich auch hier wahr­scheinlich um einen Löwen handelt (siehe Seite 30).

[105]Erlenmeyer 1970: Abb. 10.

[106]Stevens 1989: Abb. C 3.

[107]Rashad 1990: Taf. 9, Abb. 327.

[108]Herzfeld 1933: 101, Abb. 24.

[109]RLA 1980-83: Kosmogonie, 218-222.

[110]Warburg 1988: 42.

[111]Auch wenn beim Neujahrsfest, bedingt durch gesellschaftspolitische Veränderungen, die Legitima­tion der Macht des Königs in den Vordergrund genickt wird, so sind doch m. E. eindeutig Hinweise auf den Fruchtbarkeitsaspekt und zeitlich noch weiter zurhckliegend den Schöpfungsaspekt in dieser Zeremonie enthalten. Der König stellt sich gleichsam in die Abstammungsreihe des Schöpferwesens und verkörpert letztendlich dieses (siehe Seite 83). Die, fur jede Religion typische, starke Traditi­onsbildung durchzieht die gesamte altorientalische Geschichte und ist unabdingbar fur den Erhalt der bestehenden Ordnung, so dass man, unter Bemcksichtigung von Außeneinflhssen, durchaus prähistorische mit schriftlichen Quellen in Bezug setzen kann.

[112]Assmann 1999: 18.

[113]Assmann 1999: 18.

[114]Stempelsiegel enthalten auch symbolische Bilder, doch wurden hier eher grundlegende Konzepte wie die Schopfung oder das dualistische Weltbild festgehalten. Die Rollsiegelschneider hingegen entwickelten darüberhinaus durch die Kombination signifikanter Bilder eine Schrift. Wenn man über die einzelnen Epochen die Veränderung einzelner Themen beobachtet, so kann man meiner Meinung nach daraus ablesen, was sich wann in der Vorstellung der Menschen geandert hat. Man kann vielleicht soweit gehen, die Bilder als Spiegelbild der sich wandelnden Gesellschaftsstrüktür zu betrachten. D.h. je komplexer der Staatsapparat mit seinen hohen Würdenträgern und Priestern im Verlauf des 3. Jt. v. Chr. wurde, desto mehr Gotter in Menschengestalt wurden geschaffen, die den differenzierten Aufgaben gewachsen waren. All diese Aufgaben waren, wie z.B. Texte wie “Enki und die Weltordnung“ darlegen, ursprünglich in einem Hauptgott und einer Hauptgottin vereint.

[115]Dass die Glaubens vorstellung auf eine große Reichsgemeinschaft ausgerichtet war, scheint auch der von G. Selz als Amphiktyonie bezeichnete Zusammenschluss der über das ganze Land verteilten Kultorte zu beweisen. Jedes dieser Zentren hat eine andere Funktion und einen anderen Hauptgott, die zusammengenommen das funktionsfähige Ganze bilden. Selz 1992: 191.

[116]So ist zu erklaren, dass z. B. in der Zeit der assyrischen Handelskolonien bis nach Anatolien Roll­siegel verbreitet waren. Als das assyrische Imperium zusammenbrach, verschwanden auch die Roll­siegel und machten den in Anatolien üblichen Stempelsiegeln wieder Platz.

[117]Auf unterster Ebene kann man m. E. Tabu-Regelungen herauslesen, diesen schließen sich in ei­ner nachsthoheren Stufe Riten an und nur die altesten Initianden werden die Ebene der Schopfung erreicht haben.

[118]Stevens 1989: Abb. C 8.

[119]Frankfort 1955: Taf. 84, Abb. 882.

[120]Collon 1987: Abb. 852.

[121]Anzu, der sich im Lügalbanda Epos selbst als “der Fürst, der den schnell fließenden Flüssen das Schicksal entscheidet” bezeichnet. Römer/Edzard 1993: 516.

[122]Collon 1987: 32.

[123]lahmu, der Flussgeist Enkis. Wiggermann 1992 b: 164-166.

[124]v. d. Osten-Sacken 1992: Taf. XXXIX, Abb. 82.

[125]Stevens 1989: Abb. C 20.

[126]Stevens 1989: Abb. C 21.

[127]Golzio 1983: Abb. 1.

[128]Roaf 1990: 63.

[129]Golzio 1983: 27-30.

[130]Erlenmeyer 1970: Abb. 2.

[131]Frankfort 1955: Abb. 535.

[132]Erlenmeyer 1970: Abb. 3.

[133]Erlenmeyer 1970: Abb. 1.

[134]Die Schildkröte ist neben dem Ziegenfisch das Symboltier Enki’s. Es heißt, sie habe die entwendeten Schicksalstafeln zuriickgebracht. Black/Green 1992: 179.

[135]Ein weiteres Siegel bringt den Ringstab haltenden lahmu in Verbindung mit einem Gott, dem fünf Schlangen aus den Fußen wachsen. Dieser Gott wird als Tispak angesprochen, der gerade einer Person einen Pflug uberreicht (Abbildung 113). Wiggermann 1997: 38.

[136]Erlenmeyer 1070: Abb. 4.

[137]Frankfort 1955: Abb. 497.

[138]Aus Texten geht hervor, dass eine siebenkopfige Schlange den sieben Totengeistern entspricht, die als Kinder Anus und der Mutter Erde bezeichnet werden. Diese verschmelzen dann zu der soge­nannten Siebengottheit sibitti. RLA 1938: Damonen 107.

[139]Lowendrache, dessen Lowenteile im Laufe der Zeit durch Schlangenteile ersetzt werden. Wigger­mann 1992 b: 168-169.

[140]Wiggermann 1992 b: 165.

[141]Stevens 1989: Abb. B 11.

[142]Stevens 1989: Abb. C 7.

[143]Könnte es sein, dass es sich bei dem Damon um eine Kröte handelt und somit Erdgöttin und Was­serschlange als Schöpferwesen, der auf den Schlangen stehenden Tiere gedacht sind? (Ninhursag und Enki)

[144]Stevens 1989: Abb. C 12.

[145]Inanna gilt als Katalysator fur den Jahreszyklus, bei dem die Schlange sich in einen Vogel verwandelt und umgekehrt. Dies kann auch auf Inannas Versuch den von ihr gepflanzten Baum auszureissen projeziert werden, da die Schlange die Wurzeln und die Vögel die Baumkrone bilden (siehe Seite 62).

[146]Stevens 1989: Abb. C 18.

[147]Böhmer 1981: 7-8.

[148]Frankfort 1955: Abb. 244.

[149]Der Kreislauf von Regen- und Trockenzeit symbolisiert von Skorpion und Schlange (siehe Seite 63).

[150]Eas Symboltier. Black/Green 1992: 179.

[151]van Buren 1935: Abb. 6.

[152]van Buren 1935: Abb. 10.

[153]Auf Drangen Ištars wird der Himmelsstier von Anu erschaffen, um gegen Gilgameš zu kampfen. RLA 1938: Damonen, 107-114.

[154]Lambert 1981: 88.

[155]Anzu-Epos:“Adad den Kanalinspektor riefen sie, den Sohn des Anu, einen Plan hat er aufgestellt, er spricht zu ihm: Starker Adad, wilder Adad, möge Dein Angriff nicht abgewendet werden; zer- blitze den Anzu mit deiner Waffe,... ” Römer/Edzard 1993: 749. Anzu ist m. E. die transformierte Schlange wahrend der Regenzeit.

[156]Frankfort 1955: Abb. 590.

[157]van Büren 1935: Abb. 8.

[158]Dies ist m. E. ein Hinweis aüf die Zweigeschlechtlichkeit von Enki ünd Inanna/Ištar, diesmal in Form des Bootgottes mit Skorpionschwanz (siehe Seite 59).

[159]Boehmer 1965: Abb. 664.

[160]Boehmer 1965: Abb. 679.

[161]Boehmer 1965: Abb. 681.

[162]Boehmer 1965: Abb. 639.

[163]Frankfort 1955: Abb. 593.

[164]Wiggermann 1997: 38.

[165]Typische Darstellung des Viziers der Schlangengötter. Braun-Holzinger 1992: 37.

[166]Frankfort 1955: Abb. 592.

[167]Mountford 1978: 66.

[168]van Buren 1935: 62.

[169]van Buren 1935: Abb. 4.

[170]Möglicherweise geben die Himmelskörper Aufschluss uber den Tag an dem das Ritualfest durch- gefuhrt werden muss.

[171]Der Lowe gilt als Symboltier der Inanna/Istar, genauso wie die Hirschkuh Inanna zugeordnet werden kann. RLA 1998: Muttergöttin, 514. Dieser Angreifer und Opferaspekt in Einem weist m. E. auf die mehrschichtige Rolle Inannas hin. Der Löwe symbolisiert ihren kampferischen Aspekt und leitet somit den Wechsel der Jahreszeiten ein, um aber die bestehende Ordnung nicht ins Ungleichgewicht abdriften zu lassen, muss die Schlangengottseite (Enki/lahmu) versuchen, das Leben, symbolisiert von der Hirschkuh, aus den Fangen des Löwen zu retten. Dazu passt, dass Inanna die ME besitzt, die Tafeln, auf denen die Regeln und die Ordnung des Kosmos beschrieben sind. Glassner 1992: 56.

[172]van Buren 1935: Abb. 5.

[173]Boehmer 1965: Abb. 218.

[174]Sie lebt einen Teil des Jahres unter der Erde und kommt im Fruhjahr wieder zum Vorschein. Sie kennt demnach sowohl Leben wie Tod. Diese Naturbeobachtung hat m. E. Eingang in die Mytholo­gie gefunden.

[175]Nunn 1997: 237ff.

[176]Frankfort 1955: Abb. 577.

[177]Möglicherweise Ningizzida oder sein Vater Ninazu.

[178]Braun-Holzinger 1992: 37-38.

[179]Boehmer 1965: Abb. 572.

[180]Wiggermann 1997: 40.

[181]Boehmer 1965: Abb. 536.

[182]All diese Stadtgottheiten haben zwar verschiedene Schwerpunkte, doch alle haben einen Bezug zur Vegetation. Wiggermann 1997: 41.

[183]Wiggermann 1997: Abb. 6 a.

[184]In Lagaš war Ningizzida als persönlicher Gott Gudeas tätig, manchmal setzt sich Gudea sogar mit ihm auf eine Stufe. Braun-Holzinger 1992: 40-41.

[185]Frankfort 1955: Abb. 723.

[186]Eine Deutung des Gegenstandes als Gefaß ist nicht völlig auszuschließen und wird in der anschlie­ßenden Deutung nochmals beriicksichtigt werden. Anmerkung A. Nunn.

[187]RLA 1976-80: Išhara, 176-178.

[188]Frankfort 1955: Abb. 711.

[189]Frankfort 1955: Abb. 744.

[190]Frankfort 1955: Taf. 68, Abb. 737.

[191]Frankfort 1955: Abb. 717.

[192]Frankfort 1955: Abb. 771.

[193]Venusstern der Ištar (Groneberg 1986: 31.) und Mond als Hinweis auf einen Sohn des Schlangen­gottes (Römer/Edzard 1993: 421f).

Ende der Leseprobe aus 137 Seiten

Details

Titel
Schlangendarstellungen in Mesopotamien und Iran vom 8. bis 2. Jt. v. Chr.
Untertitel
Quellen, Deutungen und kulturübergreifender Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Vorderasiatische Archäologie)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
137
Katalognummer
V99
ISBN (eBook)
9783638100731
ISBN (Buch)
9783640862993
Dateigröße
14093 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Schlangendarstellungen, Mesopotamien, Iran, Quellen, Deutungen, Vergleich, Mythologie
Arbeit zitieren
Birgit Kahler (Autor), 1999, Schlangendarstellungen in Mesopotamien und Iran vom 8. bis 2. Jt. v. Chr. , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schlangendarstellungen in Mesopotamien und Iran vom 8. bis 2. Jt. v. Chr.


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden