Die vorliegende Arbeit thematisiert die Möglichkeiten der agilen Themenkonstitution im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Grundschule mit Hilfe erlebnispädagogischer Handlungsfelder. Dafür werden die Aspekte des agilen Rahmenwerks Scrum im Allgemeinen und für den schulischen Kontext dargestellt. Darüber hinaus wird die Genese der Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Eigenschaften der Erlebnispädagogik im Naturraum erörtert. Für den Entwurf eines modellhaften Lernsettings werden inhaltliche, strukturelle und wirkungsorientierte Gemeinsamkeiten dieser drei Teilbereiche identifiziert und erstmals zusammengeführt.
Mittels einer kleinen Versuchsgruppe wird das Lernsetting in einem Kurzzeitversuch in der Praxis erprobt. Die resultierenden Arbeitsergebnisse werden erfasst und einer Auswahl verschiedener für die Grundschule gültiger Referenzdokumente und Kompetenzanforderungen zugeordnet. Das entworfene Lernsetting ermöglicht den Lernenden Erfahrungsräume in Echtsituation zu erleben und für eine agile, explorative, integrative, effiziente, produktive, konstruktive und motivierende Themenkonstitution zu nutzen. Das generierte Themenspektrum steht im Einklang mit den fundamentalen Ideen der BNE und den Lernanforderungen an den Grundschulunterricht.
Gleichzeitig wird die Authentizität der Fragen, Lerninhalte, Probleme und Themen für die Lernenden verbessert. Dies legitimiert die Integration des entworfenen Lernsettings in die gegenwärtig bestehenden Unterrichtsstrukturen in Grundschulen. Eine Fortführung der Erprobung des Lernsettings mit einer größeren Versuchsgruppe ist wünschenswert und erforderlich, um aufzuzeigen, ob und in welchem Maße eine agile Themenkonstitution im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Grundschule mit Hilfe erlebnispädagogischer Handlungsfelder langfristig zu einer ganzheitlichen Transformation von Lehr- und Lernumgebungen beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN UND HERLEITUNG DER TEILBEREICHE FÜR DAS LERNSETTING
2.1. BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
2.1.1. Genese der BNE für den schulischen Kontext
2.1.2. Kompetenzorientierung in der BNE
2.2. SCRUM ALS REFERENZRAHMEN FÜR AGILES VORGEHEN
2.2.1. Scrum
2.2.2. Scrum im Bildungskontext
3. ERLEBNISPÄDAGOGIK IM NATURRAUM
4. LERNSETTING
4.1. Begründung der methodischen Grundlage des modellhaften Lernsetting
4.2. Ablauf des modellhaften Lernsettings
4.2.1. Phase 1 / Sprint 1
4.2.2. Phase 2 / Sprint 2
4.2.3. Phase 3 / Sprint 3
5. ERGEBNISSE AUS DEM MODELLVERSUCH
5.1. Anwendbarkeit des agilen Rahmenwerks
5.2. Zuordnung zum Rahmenplan Grundschule, Teilrahmenplan Sachunterricht, RLP
5.3. Zuordnung zu den Bildungszielen im Curriculum der Richtlinie zur Verbraucherbildung an allgemeinbildenden Schulen RLP
5.4. Zuordnung zu den Teilkompetenzen der ‚BNE Gestaltungskompetenz‘
5. DISKUSSION
5.1. Diskussion des Lernsettings
5.2. Limitation der Arbeit
6. ZUSAMMENFASSUNG
7. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit agile Methoden wie Scrum in Kombination mit erlebnispädagogischen Handlungsfeldern genutzt werden können, um Themen für die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Grundschule partizipativ und explorativ zu konstituieren.
- Agiles Projektmanagement im schulischen Kontext (Scrum)
- Erlebnispädagogik als handlungsorientierte Lernform im Naturraum
- Konstitution von Themen durch die Lernenden in einem agilen Setting
- Anbindung an bestehende Rahmenlehrpläne und Bildungsziele
- Förderung der Gestaltungskompetenz im Sinne der BNE
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Genese der BNE für den schulischen Kontext
In Korrespondenz auf den globalen Wandel entsteht bereits 1987 das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, welches unter dem Namen Brundtland-Bericht bekannt geworden ist und auf dessen Begriffsexplikation am häufigsten rekurriert wird [SCHMIDT 2009, S. 21]. In Anlehnung an den tradierten Nachhaltigkeitsbegriff aus der Forstwirtschaft [HÄUSLER & SCHERER-LORENZEN 2002] wird dort eine Entwicklung gefordert „that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“ [WCED 1987, S. 41]. Auf der UNO-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro werden die Empfehlungen der World Commission on Environment and Development zu einem normativen Orientierungsrahmen weiterentwickelt und in der Agenda 21 manifestiert. Der nachhaltigen Entwicklung zu grunde liegende Naturbild ist hier ökonomisch geprägt und betrachtet die Natur als Ressource, die durch rationale und technologische Optimierung gemanagt werden kann und fokussiert eine Effizienzstrategie im Umgang mit den sozio-ökologischen Herausforderungen [HOLFELDER 2018, S. 39]. In der Agenda 21 wird im Kapitel 36 die Aufforderung zur „Förderung der Bildung, der Bewusstseinsbildung und der Ausbildung [und explizit eine] Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung“ [VN 1992, S. 329] gefordert. Dies ist der Ursprung des Konzepts der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), welches auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2002 bekräftigt wird [VN 2002] und die Grundlage für die Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung von 2005 bis 2014 darstellt [DUK 2005]. Ziel dieser Dekade ist das Nachhaltigkeitsparadigma in die Bildungssysteme zu implementieren, zu festigen und auszubauen, damit die Menschen befähigt und ermuntert sind, an einer nachhaltigen Entwicklung aktiv zu partizipieren und ihren Lebensstil ihre Handlungen diesbezüglich kritisch zu reflektieren [KÜNZLI 2003, S. 29].
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung begründet die Relevanz der BNE in der Grundschule und führt die Fragestellung nach einer agilen, erlebnispädagogisch gestützten Themenkonstitution ein.
2. GRUNDLAGEN UND HERLEITUNG DER TEILBEREICHE FÜR DAS LERNSETTING: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der BNE, das Scrum-Framework und die Prinzipien der Erlebnispädagogik im Naturraum.
3. ERLEBNISPÄDAGOGIK IM NATURRAUM: Hier wird die Rolle des Naturraums als pädagogischer Entwicklungsraum und dessen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung analysiert.
4. LERNSETTING: Dieses Kapitel begründet das methodische Vorgehen und beschreibt den konkreten Ablauf des dreiphasigen Modellversuchs.
5. ERGEBNISSE AUS DEM MODELLVERSUCH: Die Ergebnisse präsentieren die Anwendbarkeit der agilen Methode und die Zuordnung der generierten Themen zu den offiziellen Lehrplänen und BNE-Kompetenzen.
5. DISKUSSION: Die Diskussion reflektiert die theoretische Vernetzung und die praktischen Erkenntnisse des Modellversuchs sowie dessen Limitationen.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse und unterstreicht das Potenzial des agilen Settings für eine partizipative Bildungsarbeit.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, Scrum, Agiles Lernen, Erlebnispädagogik, Themenkonstitution, Grundschule, Sachunterricht, Gestaltungskompetenz, Lernsetting, Partizipation, Modellversuch, Naturraum, Transformation, Selbstwirksamkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration agiler Methoden aus dem Projektmanagement (Scrum) in erlebnispädagogische Settings, um die Themenkonstitution für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Grundschule zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Pfeiler sind die BNE, das agile Framework Scrum und die erlebnispädagogische Arbeit im Naturraum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein modellhaftes Lernsetting zu entwerfen, das es Grundschulkindern ermöglicht, Themen eigenverantwortlich und explorativ zu erschließen und dabei BNE-relevante Gestaltungskompetenzen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Modellversuch mit einer kleinen Gruppe von Kindern durchgeführt, bei dem der Scrum-Prozess als Rahmenstruktur für die Themenentwicklung diente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Konzepte, die detaillierte Beschreibung des Modellversuchs über drei Sprints sowie die systematische Zuordnung der Ergebnisse zu Lehrplänen und Kompetenzzielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind BNE, Scrum, Erlebnispädagogik, Themenkonstitution, Partizipation und Gestaltungskompetenz.
Wie trägt Scrum zur Förderung der Selbstständigkeit bei Kindern bei?
Durch die klare Strukturierung des Prozesses und die Übernahme von Rollen (wie Product Owner oder Teammitglied) lernen die Kinder, ihre eigenen Interessen zu formulieren, Hindernisse zu benennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
Welche Rolle spielt der Naturraum im Modellversuch?
Der Naturraum dient als authentischer Lernort, der durch seine Offenheit exploratives Handeln fördert und komplexe sozio-ökologische Zusammenhänge erfahrbar macht.
- Citar trabajo
- Thorben Hoffmeister (Autor), 2020, Agile Themenkonstitution im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Grundschule mit Hilfe erlebnispädagogischer Handlungsfelder, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990170