In dieser Arbeit werden die Frage nach der Aura sowie weitere zentrale Begriffe und Ideen Benjamins genauer erläutert und exemplarisch anhand des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry aufgezeigt. Um die Aurafrage ausreichend klären zu können, soll dabei auch auf den genauen Unterschied zwischen Original und Kopie beziehungsweise Reproduktion nach Benjamin eingegangen werden.
Auch wenn nicht jeder "Der kleine Prinz" gelesen hat, so kennen ihn zumindest viele oder haben schon einmal von ihm gehört. Mit über 140 Millionen verkauften Exemplaren gehört die märchenhafte Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry zu den erfolgreichsten Büchern der Welt und zu den meistverkauften nichtreligiösen Werken überhaupt. Nicht viele Romane wurden auf so mannigfaltige Weise immer und immer wieder neu adaptiert. Egal ob als Comic, Oper, Film oder Fernsehserie, als Theaterstück, als CD-ROM oder als Puppenspiel, ja sogar ein Museum ist dem Prinzen in Japan gewidmet worden. Dabei haben all diese Adaptionen der berühmten Romanvorlage eines gemeinsam: sie sind eine Hommage an die einst vom ursprünglichen Autor höchstselbst erschaffenen Kultfigur. Doch trifft das tatsächlich zu? Wären Begriffe wie "Kopie", "Replikat", "Fälschung" oder gar "Fake" nicht vielleicht angemessener? Kennen wir den echten kleinen Prinzen überhaupt? Natürlich ist der blonde Reisende mit seinem markanten Äußeren nur eine fiktive Figur, eine Zeichnung ihres französischen Erschaffers. Aber wie hat diese Figur ihr berühmtes Erscheinungsbild angenommen und was löst dieses so oft adaptierte Aussehen bei der Betrachtung in uns aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
2.2 Der Begriff der Aura bei Walter Benjamin
3. Exemplarische Anwendung am Beispiel von Der kleine Prinz
3.1 Literatur vs. bildende Kunst – Eine Grenzwertbestimmung
3.2 Die Aura der Zeichnungen und ihre technische Reproduktion
3.3 Vergleich verschiedener Ausgaben und Illustrationen
3.4 Layout, Format und die Inszenierung des Raumes
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zerfall der Aura eines Kunstwerkes im Kontext der technischen Reproduzierbarkeit, basierend auf der Theorie Walter Benjamins, und analysiert dies am Beispiel der Illustrationen von Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“.
- Analyse der ästhetischen Theorie Walter Benjamins
- Unterscheidung zwischen literarischem Werk und bildender Kunst
- Untersuchung der Veränderung von Illustrationen durch den Druckprozess
- Kritische Betrachtung des Begriffs „Original“ in der Massenproduktion
- Die Auswirkungen von Reproduktion auf die Wahrnehmung der Leserschaft
Auszug aus dem Buch
Die Unnahbarkeit des Originals
„Noch bei der höchst vollendeten Reproduktion fällt eines aus: das Hier und Jetzt des Kunstwerkes – sein einmaliges Dasein an dem Orte, an dem es sich befindet.“ Benjamin stellt diese Unnahbarkeit, d.h. das reelle und gegenwärtige Vorhandensein der Zeichnungen von Antoine de Saint-Exupéry, als erste These auf, um den Begriff der Echtheit genauer zu definieren. Das „Hier und Jetzt“ des Originals, wie Benjamin es nennt, kann nur in der Morgan Library in New York erfahren werden. Dort ist das handschriftliche Manuskript des kleinen Prinzen sowie die bis 1943 entstandenen Illustrationen von Antoine de Saint-Exupéry ausgestellt. Doch die Wirkung dieser einmalig vorhandenen Zeichnungen ist nicht dieselbe, wie bei anderen Kunstwerken. Genau wie bei der Fotografie oder dem Film, die eine Vielzahl von Abzügen ermöglichen, hat die Frage nach dem Original keinen Sinn – zumindest nicht in der Literatur. Zwar existieren verschiedene Auflagen des Buches und gewisse Sammlerstücke oder limitierte Erstauflagen sind unter Liebhabern sicherlich sehr gefragt, das reine Buch als solches besticht jedoch nicht durch sein Äußeres. Es besitzt zwar eine gewisse „Aura“, die sich beim Lesen oder Betrachten auswirkt, doch diese ist bei jedem gedruckten Exemplar identisch. Es spielt keine Rolle ob wir Romeo und Julia mit braunem oder schwarzem Einband lesen, ob als Taschenbuch oder in gebundener Form – die Geschichte und das Leseerlebnis bleiben immer gleich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Aura von Kunstwerken am Beispiel des „kleinen Prinzen“.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen: Erläuterung der Thesen Walter Benjamins zur technischen Reproduzierbarkeit und zum Aura-Verlust von Kunstwerken.
3. Exemplarische Anwendung am Beispiel von Der kleine Prinz: Untersuchung der spezifischen Illustrationen Saint-Exupérys unter Berücksichtigung von Reproduktionsfehlern, Farbänderungen und dem Einfluss des Buchformats.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Erkenntnisse, dass die Aufschrift „Originalzeichnungen“ im Buch irreführend ist und eine kritische Reflexion über das Verhältnis von Original und Reproduktion in der Literatur.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Aura, technische Reproduzierbarkeit, Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry, Original, Kopie, Illustration, Buchdruck, Kunstwerk, Wahrnehmung, Hier und Jetzt, Reproduktion, Ästhetik, Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der kunsttheoretischen Überlegungen Walter Benjamins auf das literarische Werk „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Verlust der „Aura“ durch technische Reproduzierbarkeit, die Abgrenzung von literarischem Werk und bildender Illustration sowie die Auswirkungen medialer Verbreitung auf die Wahrnehmung des Lesers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Illustrationen von Saint-Exupéry durch ihre massenhafte Reproduktion im Buchformat ihren ursprünglichen Charakter als „Original“ verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kunstwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen auf ein spezifisches Fallbeispiel anwendet und vergleichend untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Vergleich verschiedener Buchausgaben, der Analyse von Farbveränderungen in den Zeichnungen und der Frage, inwieweit das Buchformat die Aura des Kunstwerks beeinträchtigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Aura, technische Reproduzierbarkeit, Original vs. Kopie und die kunsthistorische Einordnung von Illustrationen definiert.
Warum ist die Angabe „Originalzeichnungen“ im Buch nach Ansicht des Autors falsch?
Weil die im Buch abgedruckten Illustrationen technische Reproduktionen sind, während sich das tatsächliche Originalmanuskript mit den Handzeichnungen in einem Archiv in New York befindet.
Welche Bedeutung hat das „Hier und Jetzt“ für die Aura eines Kunstwerks?
Laut Benjamin definiert das „Hier und Jetzt“ die Echtheit und historische Zeugenschaft eines Werkes, welche durch die Vervielfältigung in Reproduktionen entwertet wird.
Wie beeinflussen unterschiedliche Buchausgaben die Wahrnehmung der Figur?
Durch Variationen in der Farbwahl der Illustrationen (z. B. blauer vs. grüner Mantel) entstehen beim Betrachter unterschiedliche Stimmungen und Interpretationen der Figur, die vom ursprünglichen Intentionsgehalt abweichen können.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2020, Der Zerfall der Aura des Kunstwerkes nach Walter Benjamin am Beispiel von Antoine de Saint-Exupérys "Le petit Prince", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990225