Nachhaltige Ernährung als Gegenstand des Sachunterrichts Brandenburger Grundschulen. Eine qualitative Untersuchung


Masterarbeit, 2021

162 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Grundsätzliche Definitionen
2.1.1 Ernährung
2.1.2 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung
2.1.3 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)
2.2 Nachhaltige Ernährung
2.2.1 Definition
2.2.2 Die fünf Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung
2.2.3 Die sieben Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Ernährung
2.3 Stand der Forschung
2.4 Verortung im Perspektivrahmen Sachunterricht
2.5 Verortung des Themas im Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg

3. Fragestellung

4. Design
4.1 Untersuchungsdesign
4.2 Stichprobe
4.3 Instrumente

5. Ergebnisse
5.1 Sichtung und Aufbereitung der Daten
5.2 Konkrete Auswertung der Daten

6. Diskussion

7. Fazit und Ausblick

I. Literaturverzeichnis

II. Anhangsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der im Interview befragten Lehrer*innen

Tabelle 2: Übersicht der Sachunterrichtslehrwerkreihen

Tabelle 3: Haupt- und Subkategorien aus den Schulbüchern

Tabelle 4: Hauptkategorien aus den Interviews

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dimensionen der nachhaltigen Ernährung (von Koerber, 2015)

Abbildung 2: Ablauf der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2018, S.11)

Abbildung 3: Häufigkeitsverteilung der Begriffsverständnisse der nachhaltigen Ernährung

Abbildung 4: Häufigkeitsverteilung der Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung (Einstellung)

Abbildung 5:Häufigkeitsverteilung der Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung (Umsetzung)

Abbildung 6: Häufigkeitsverteilung der Begründungen zur Relevanz des Themas

Abbildung 7: Häufigkeitsverteilung der Ansatzpunkte zum Thema Nachhaltige Ernährung im Rahmenlehrplan

Abbildung 8: Häufigkeitsverteilung der Ansatzpunkte zum Thema Nachhaltige Ernährung in Lehrwerken

Abbildung 9: Häufigkeitsverteilung der Spannungen zwischen den Dimensionen

Abbildung 10: Häufigkeitsverteilung der Dimensionen

Abbildung 11: Häufigkeitsverteilung der Themen in der ökologischen Dimension

Abbildung 12: Häufigkeitsverteilung der Themen in der gesellschaftlichen Dimension

Abbildung 13: Häufigkeitsverteilung der Themen in der gesundheitlichen Dimension

Abbildung 14: Häufigkeitsverteilung der Themen in der ökonomischen Dimension

Abbildung 15: Häufigkeitsverteilung der Themen in der kulturellen Dimension

1. Einleitung

“This is not about saving the planet; it is about saving ourselves.” - Sir David Attenborough

Die Ernährung ist ein zentrales Grundbedürfnis und alltäglicher Begleiter des Menschen (vgl. Fischer, 2007, S. 13). Die Ernährungssysteme und Ernährungsgewohnheiten unserer Gesellschaft sind jedoch schon lange nicht mehr nachhaltig. Weltweit leiden 690 Millionen Menschen an Hunger, zwei Milliarden sind fehl- und mangelernährt - andererseits sind genauso viele Menschen übergewichtig oder fettleibig (vgl. Brot für die Welt, o.J.). Trotz vieler Bemühungen eskalieren die Ernährungsprobleme der Welt. Unser heutiges Ernährungssystem gefährdet nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch die unseres gesamten Planeten. So sind bereits vier der insgesamt neun planetaren Grenzen durch menschlichen Einfluss überschritten. Dazu zählen der Klimawandel, die Biodiversität, die Landnutzung, sowie die Stickstoff- und Phosphorkreisläufe (vgl. Maschkowski & BLE, o.J.). Demnach ist eine Umstellung auf eine nachhaltige Ernährung und somit einen nachhaltigen Umgang mit der Erde und den zur Verfügung stehenden Ressourcen aktuell von großer Wichtigkeit.

“Young people: They care. They know that this is the world that they're going to grow up in, that they're going to spend the rest of their lives in.” — Sir David Attenborough

Die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit besitzen in der heutigen jungen Generation einen hohen Stellenwert. Es existiert bereits ein hohes Problembewusstsein. Die Jugendlichen machen sich Sorgen um die langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen und damit ihre eigenen Zukunftsaussichten (vgl. BMU, 2018, S. 24). Andererseits sind viele junge Menschen der Meinung zu den notwendigen Veränderungen selbst wenig beitragen zu können (vgl. BMU, 2018, S.36). Es ist dringend notwendig die junge Generation für das Thema der nachhaltigen Ernährung und ihrer Relevanz für die Zukunft unseres Planeten zu sensibilisieren. Um dies zu gewährleisten sollte das Thema bereits Bestandteil des Unterrichts in der Grundschule sein. Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, inwiefern die nachhaltige Ernährung im Sachunterricht Brandenburger Grundschulen bereits behandelt wird und welche Änderungen dahingehend stattfinden sollten. Es wird der Fragestellung nachgegangen, inwiefern die Dimensionen der nachhaltigen Ernährung im Sachunterricht Brandenburger Grundschulen vermittelt werden. Um dies herauszufinden werden qualitative Interviews mit Brandenburger Sachunterrichtslehr- kräften und eine qualitative Inhaltsanalyse von Brandenburger Sachunterrichtslehrwerken durchgeführt.

Hierfür wird im Kapitel 2 der Arbeit zunächst der theoretische Hintergrund zu dem Thema vorgestellt. Bevor dabei konkret auf die nachhaltige Ernährung, deren Dimensionen und Grundsätze eingegangen wird, werden zunächst grundsätzliche Begriffe im Ernährungs- und Nachhaltigkeitsbereich geklärt. Danach sollen bestehende Forschungen im Bereich der nachhaltigen Ernährung beschrieben und zuletzt der Rahmenlehrplan und Perspektivrahmen auf das Thema untersucht werden. Kapitel 3 stellt die konkrete Fragestellung der Forschung vor. Im vierten Kapitel werden die Forschungsdesigns der beiden Studien näher beschrieben. In Kapitel 5 und 6 werden deren Ergebnisse dargestellt, interpretiert und bezüglich der Theorie diskutiert. Schlussendlich wird im Fazit und Ausblick der Arbeit die Forschungsfrage beantwortet.

2. Theoretischer Hintergrund

Die nachhaltige Ernährung besitzt, wie in der Einleitung beschrieben, eine hohe Relevanz für unseren Planeten und unsere heutige Gesellschaft. Um diese Relevanz zu verdeutlichen, werden in diesem Kapitel der Arbeit die Themen Ernährung, Nachhaltigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Ernährung näher beschrieben.

2.1 Grundsätzliche Definitionen

Im Folgenden werden zunächst für ein Verständnis der nachhaltigen Ernährung grundlegende Begriffe geklärt. Dabei wird auf den Begriff der Ernährung eingegangen, die Nachhaltigkeit beziehungsweise die nachhaltige Entwicklung definiert und das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung vorgestellt.

2.1.1 Ernährung

Der Mensch steht sein Leben lang mit seiner Umwelt im Stoff- und Energieaustausch. Er ist auf die Aufnahme von Substanzen angewiesen, um alle Funktionen seines Körpers zu sichern. Die Ernährung ist die Aufnahme von Stoffen in Form von Lebensmitteln und ist somit eines der physiologischen Grundbedürfnisse des Menschen (vgl. Matissek, 2019, S. 26). Die Ernährung des Menschen hat sich über Millionen von Jahre hinweg entwickelt, man unterscheidet vier verschiedene Entwicklungsphasen. Vor etwa vier Millionen Jahren verzehrte der Stamm der Australopithecus in Ostafrika vor allem hartes, grobes Pflanzenmaterial. Ein geringer Anteil der Nahrung war bereits tierischen Ursprungs. Vor etwa zwei Millionen Jahren lebte die Gattung Homo, auch ihre Nahrung war überwiegend pflanzlich, jedoch machte die tierische Kost nun einen größeren Anteil der Ernährung aus. Außerdem wurde die Nahrung zunehmend mithilfe von Feuer und Werkzeugen aufbereitet (vgl. Elmadfa & Leitzmann, 2019, S. 21). Vor circa zehntausend Jahren, mit dem Beginn des Ackerbaus, besaßen pflanzliche Lebensmittel wieder einen größeren Anteil an der Nahrung. Diese gemischte aber überwiegend pflanzliche Ernährung ist auch heute evolutionsgemäß für den Menschen und wird deshalb allgemein als seine natürliche Ernährung angesehen. Der Mensch ist folglich ein Omnivor (Allesesser) mit der Betonung zum Herbivoren (Pflanzenesser) (vgl. Elmadfa & Leitzmann, 2019, S. 22). Die letzte Entwicklungsphase fand in den letzten 100 bis 200 Jahren, mit Beginn der Industrialisierung statt. Anstelle der vorwiegend unverarbeiteten, pflanzlichen, voluminösen Nahrung, die reich an Kohlenhydraten und Ballaststoffen war, ist eine teils stark verarbeitete, konzentrierte Nahrung mit einem hohen Anteil an tierischen Produkten, die viele Proteine und Fette jedoch wenig Ballaststoffe besitzt, getreten. Diese Ernährung bürgt jedoch große Gefahren für die Gesundheit (vgl. Elmadfa & Leitzmann, 2019, S. 23).

Mit der Ernährung werden dem Körper die Nährstoffe Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe zugeführt, die vom Menschen nicht selbst gebildet werden können. Sie sind essenziell, um alle im Leben wichtigen Vorgänge auszuführen und Mangelerscheinungen zu vermeiden. Durch ihre Aufnahme wird Energie gewonnen, Körpersubstanzen werden aufgebaut und ersetzt und der Stoffwechsel wird katalysiert und reguliert (vgl. Matissek, 2019, S. 26). Die Nahrung eines Menschen sollte zu mindestens 50% aus Kohlenhydraten und maximal zu 30% aus Fetten bestehen (vgl. Matissek, 2019, S. 35). Der Bedarf an Proteinen liegt bei ungefähr 14%, wird jedoch meist überschritten. (vgl. Matissek, 2019, S. 40). Außerdem sollen dem Körper durch die Ernährung weitere Lebensmittelinhaltsstoffe, deren Abwesenheit zwar keine Mängel oder gesundheitliche Nachteile hervorrufen aber eine gesundheitsförderliche Funktion besitzen, hinzugeführt werden. Dazu zählen zum Beispiel Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, Terpene, Polyphenole und Sulfide. So kann auch der kann Verlauf von bereits bestehenden Krankheiten beeinflusst werden (vgl. Matissek, 2019, S. 26f.).

Je nach Lebenssituation kann die Ernährung eines Menschen sehr unterschiedlich ausfallen, so haben zum Beispiel Schwangere und Stillende, Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche, Senioren oder Sportler ganz unterschiedliche Nahrungsbedürfnisse, die erfüllt werden wollen (vgl. Elmadfa & Leitzmann, 2019, vgl. 591ff.). Außerdem praktizieren Menschen aufgrund ihrer Kultur, Religion oder einer persönlichen Lebenseinstellung unterschiedliche Formen der Ernährung. Zu nennen sind hier zum Beispiel Arten des Vegetarismus, eine überwiegende Ernährung mit Fast Food Produkten oder Reduktionsdiäten (vgl. Elmada & Leitzmann, 2019, S. 741ff.).

2.1.2 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

Die Idee der Nachhaltigkeit und damit der Begriff selbst ist schon sehr alt. Seinen Ursprung hat sie in der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts, als in einem großen Teil Europas die Wälder für die Landwirtschaft stark abgeholzt wurden, gleichzeitig jedoch der industrielle Holzbedarf wuchs und dies schlussendlich zu einem drastischen Holzmangel führte. Im Jahr 1713 formulierte deshalb der sächsische Oberberghauptmann Carl von Carlowitz in seiner Abhandlung „Sylvicultura Oeconomica“ mehrere Maßnahmen, um eine beständige und nachhaltige Nutzung des Holzes zu gewähren (vgl. Grundmann, 2017, S. 10f.). Einem Wald soll, laut Carlo- witz, nicht mehr entnommen werden, als wieder von selbst nachwächst oder angepflanzt wir (vgl. Holzbaur, 2020, S. 13). Neben der Sicherstellung des Holzes hatte der nun geregelte Waldbau zwei weitere positive Folgen: Einerseits mehr Arbeitsplätze und einen dadurch steigenden Wohlstand der Bevölkerung und andererseits den Erhalt des natürlichen Lebensraumes Wald. Somit wurden nicht nur ökonomische Aspekte, sondern auch ökologische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit sichtbar (vgl. Wühle, 2020, S. 6f.).

Noch heute werden diese drei Dimensionen der Nachhaltigkeit unterschieden. Zusammen bilden sie das Drei-Säulenmodell innerhalb dessen jede der Dimensionen gleichrangig berücksichtigt wird. Das Ziel des Modells ist es eine Umwelt- und Sozialverträglichkeit bei wirtschaftlichem Erfolg zu realisieren. (vgl. Corsten & Roth, 2012, S. 1f.). Die ökologische Dimension betrachtet alle Aspekte der Wechselwirkung mit der natürlichen Umwelt. Natürliche Ressourcen, die grundlegend für alles Leben und Wirtschaften sind, sollen bewahrt werden. Bei der sozialen Dimension betrachtet man wiederum alle Aspekte des menschlichen Zusammenlebens wie die Verteilungsgerechtigkeit und die Mitwirkung eines jeden und die Möglichkeit das eigene Leben frei gestalten zu dürfen (vgl. Holzbaur, 2020, S. 31f.). Die ökonomische Dimension beschäftigt sich mit einer Wirtschaftsweise, die dauerhaft betrieben werden kann und zur Befriedigung der Bedürfnisse beiträgt, ohne dass dies Einbußen der nachkommenden Generationen zur Folge hat (vgl. Wühle, 2020, S. 7). 1987 wurde das Thema Nachhaltigkeit innerhalb der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen erstmals weltweit diskutiert. Seitdem ist der Begriff der nachhaltigen Entwicklung zu einem Leitbild unserer Gesellschaft geworden. Im Gegensatz zum Begriff der Nachhaltigkeit beschreibt er keinen Zustand, sondern den Prozess dahin (vgl. Grunwald & Kopfmüller, 2012, S. 11). Die Kommission veröffentlichte den sogenannten Brundtland-Bericht, in dem die wohl bekannteste Definition nachhaltiger Entwicklung formuliert wurde: Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können (vgl. Holzbaur, 2020, S. 14). Der Bericht befasst sich mit ökologischen Problemen wie der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, der steigenden Weltbevölkerung, Herausforderungen der globalen Entwicklung, dem menschlichen Eingriff in das Ökosystem und den Folgen des Wirtschaftswachstums (vgl. Grundmann, 2017, S. 17). Der Brundtland Kommission liegen drei zentrale Prinzipien zugrunde. Erstens wird nachhaltige Entwicklung global betrachtet, es wird also ein weltweites Programm beschrieben. Zweitens werden Umweltthemen mit Entwicklungsthemen verknüpft, so wird ausführlich beschrieben wie unterschiedliche Umweltprobleme untereinander, mit der Entwicklung der Wirtschaft und politischen Faktoren im Zusammenhang stehen. Und drittens soll das Ziel nachhaltiger Entwicklung eine intergenerative (zukünftige Generation) und intragenerative (gegenwärtige Generation) Gerechtigkeit sein (vgl. Grundmann, 2017, S. 18ff.).

Auch in der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung von Rio 1992 entstandenen Agenda 21 ist die nachhaltige Entwicklung von zentraler Bedeutung. Das Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, das von über 170 Staaten verabschiedet wurde, formuliert konkrete Ziele, Maßnahmen und Instrumente für die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Ökonomie, im Sozialen und in der Ökologie. Im Jahr 2000 wurde die ökologische Nachhaltigkeit von der UN als eines der Milleniums-Entwicklungsziele (MDGs) festgelegt (vgl. Grundmann, 2017 S. 21f.). Im September 2015 führte die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die beiden internationalen Abkommen zusammen. Dafür wurden siebzehn Suistainable Deve- lopement Goals (SDGs) entwickelt, die erstmals alle Dimensionen der Nachhaltigkeit gleichermaßen berücksichtigen und 2030 von allen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern erreicht werden sollen (vgl. BMZ, 2017, S. 7,24).

2.1.3 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)

Die Bildung für Nachhaltige Entwicklung, nachfolgend abgekürzt als BNE, ist ein pädagogisches Konzept für das Leitbild der Nachhaltigkeit. Es soll Lernenden die Möglichkeit geben, sich an einer nachhaltigen Entwicklung zu beteiligen. BNE ist ein Konzept, welches alle Bildungsbereiche betrifft. (vgl. Grundmann, 2017, S. 26f.). Sie soll Lernende befähigen aktiv und selbständig an der Gestaltung der Zukunft teilnehmen zu können, indem sie qualifiziert Entscheidungen fällen und verantwortungsvoll für den Umweltschutz, eine leistungsfähige Wirtschaft und Gerechtigkeit in der Gesellschaft handeln (vgl. Holzbaur, 2020, S. 33ff.). In die Konzeption fließen zwei unterschiedliche Bildungsansätze ein. Einerseits die seit den 1970er Jahren existierende Umweltbildung, bei der die Lernenden vor allem Wissen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt erwerben sollen. Andererseits die entwicklungspolitische Bildungsarbeit, die auf die ungerechte Verteilung von Armut und Reichtum zwischen Entwicklungs- und Industrieländern aufmerksam machen und Möglichkeiten eines gerechten Ausgleichs aufzeigen soll. Es werden Ansätze der Menschenrechtsbildung, der Friedenserziehung und der interkulturellen Pädagogik aufgegriffen (vgl. Grundmann, 2017, S. 27).

Im Jahr 2015 wurde BNE von der UN auf die Agenda 2030 gesetzt und in die „Sustainable Development Goals“ aufgenommen. Um BNE zu stärken initiierte die UNESCO 2015 ein Weltaktionsprogramm mithilfe dessen BNE politisch unterstützt, Lern- und Lehrumgebungen ganzheitlich transformiert, Kompetenzen bei Lehrenden und Multiplikatoren entwickelt, die Jugend gestärkt und mobilisiert und eine nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene gefördert werden soll. Deutschlands Beitrag zu diesem Programm ist der 2017 verabschiedete Nationale Aktionsplan mit konkreten Zielen und Handlungsempfehlungen für eine Verankerung der BNE in allen Bildungsbereichen (vgl. BMBF, 2017, S.3ff.). Die Deutsche UNESCO Kommission beschreibt vier Dimensionen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung:

1. Lerninhalte (Klimawandel, biologische Vielfalt, Katastrophenvorsorge, Nachhaltigkeit in Konsum und Produktion)
2. Pädagogik und Lernumgebung (viel Interaktion, auf die Lernenden ausgerichtet)
3. Lernergebnisse (kritisches und systematisches Denken, kollaborative Entscheidungsfindung, Verantwortungsübernahme für heutige und zukünftige Generationen)
4. gesellschaftliche Transformation (Möglichkeiten aufzeigen, wie die Gesellschaft verändert werden kann um eine „gerechtere, friedlichere, tolerantere, ganzheitlichere, sicherere und nachhaltigere Welt zu erschaffen“ (vgl. UNESCO, 2000, S. 12)

Es existieren zwei zentrale Kompetenzmodelle der Bildung für nachhaltige Entwicklung: die Gestaltungskompetenz und der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit Gestaltungskompetenz ist die Anwendung von Wissen über Nachhaltigkeit und das Erkennen von Problemen einer nicht nachhaltigen Entwicklung gemeint. Mithilfe von Analysen der Gegenwart und Zukunft sollen ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen hergeleitet und Entscheidungen zu nachhaltigen Entwicklungsprozessen selbst getroffen, verstanden oder umgesetzt werden können. Im Zentrum des Orientierungsrahmens steht die Orientierung in einer globalisierten Welt.

Dabei wird der Schwerpunkt auf grundlegende Kompetenzen zur persönlichen und beruflichen Lebensgestaltung, dem gesellschaftlichen Einsatz, sowie der Mitverantwortung in der Welt gesetzt (vgl. Grundmann, 2017, S. 29ff.).

2.2 Nachhaltige Ernährung

Nachdem in den vorherigen Abschnitten Begriffe definiert wurden, die für ein Verständnis der nachhaltigen Ernährung grundlegend sind. Wird nun explizit auf das Konzept der nachhaltigen Ernährung eingegangen. Dabei wird die nachhaltige Ernährung definiert und es werden ihre Dimensionen sowie Handlungsempfehlungen erläutert.

2.2.1 Definition

Wendet man das Nachhaltigkeitskonzept auf den Ernährungssektor an, so erhält man die Kombination „nachhaltige Ernährung“. Die nachhaltige Ernährung setzt das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung für den Ernährungsbereich um. Sie ist ein Ansatz für mehr Qualität im Ernährungssystem (vgl. Brunner &Schönberger, 2005, S. 10,13). Im Gegensatz zum Begriff der Ernährung, der sich auf die Tätigkeit selbst und ihre gesundheitlichen Wirkungen bezieht, betrifft der Begriff der nachhaltigen Ernährung alle Phasen des Lebensmittelzyklus (Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Konsum, Abfall) (vgl. Rückert-John, S. 348). Jede der Phasen hat Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Gesundheit. Folgen sind hier unter anderem ein hoher Energieverbrauch, große Mengen an Emissionen, eine geringere Biodiversität, hohe Subventionen, Bauernhofsterben, die Zunahme an ernährungsbezogenen Krankheiten, Ernährungsarmut und Hunger (vgl. Brunner, 2007, S. 7).

Es ist schwierig den Begriff der nachhaltigen Ernährung eindeutig zu bestimmen, oft ist die Begriffsdefinition einseitig, beziehungsweise werden nicht alle Faktoren der Nachhaltigkeit betrachtet. So wird das Thema zum Beispiel meist dominierend aus der ökologischen Sicht betrachtet. Eine erste Definition, die jedoch allen nachhaltigkeitsrelevanten Dimensionen gerecht wird, beschreibt eine nachhaltige Ernährung als „ bedarfsgerecht und alltagsadäquat, sozialdifferenziert und gesundheitsfördernd, risikoarm und umweltverträglich “ (Brunner & Schönberger, 2005, S. 10ff.).

Seit 1980 existieren in Deutschland erste Ernährungskonzepte, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit nahekommen. Etwa seit 1990 werden Grundlagen, Bedingungen und Perspektiven einer nachhaltigen Ernährung durch ökologisch orientierte Gruppen und Institutionen, wie das Umweltbundesamt oder die Deutsche Bundesstiftung Umwelt erforscht (vgl. Brunner &Schönberger, 2005, S. 10). 2010 wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein weiterer Versuch unternommen die Nachhaltige Ernährung mit all ihren Perspektiven und Faktoren zu definieren. Die Definition ist eine erste internationale Variante und definiert nachhaltige Ernährung als „eine Ernährung mit geringen Umweltauswirkungen, die zur Ernährungssicherheit und zum gesunden Leben heutiger und künftiger Generationen beiträgt. Nachhaltige Ernährung schützt und respektiert die biologische Vielfalt und die Ökosysteme, ist kulturell akzeptabel, zugänglich, wirtschaftlich fair und erschwinglich, ernährungsphysiologisch angemessen, sicher und gesund und optimiert gleichzeitig die natürlichen und menschlichen Ressourcen.” (FAO, 2012, S. 294).

2.2.2 Die fünf Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung

Innerhalb des gesamten Lebensmittelzyklus existieren viele Faktoren die mit der Ernährung sowie untereinander in Verbindung stehen. Um alle Faktoren zu berücksichtigen wird die Ernährung nicht nur aus den Dimensionen der Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft betrachtet, sondern meist noch aus ein bis zwei weiteren Perspektiven (Schneider et al, 2012, S. 47f). Eine dieser Dimensionen ist die Gesundheit, sie wird aus der Dimension Gesellschaft herausgegliedert, da die gesundheitlichen Aspekte eine zentrale Bedeutung in der Ernährung jedes einzelnen besitzen (vgl. Erdmann et al, 2003, S. 38). Da kulturelle Hintergründe Ernährungsstile stets mitbestimmen, wurde in den letzten Jahren außerdem die Dimension der Kultur integriert, in die alle anderen Dimensionen eingebettet sind (von Koerber, 2014, S. 261).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen der nachhaltigen Ernährung (von Koerber, 2015)

Ökologische Dimension Die ökologische Dimension betrachtet die Auswirkungen der Ernährung auf die Umwelt und die Einflüsse aus der Umwelt auf die Ernährung. Das Ziel dieser Dimension ist der Erhalt der natürlichen Umwelt (vgl. Schneider & Hoffmann, 2011, S 394), deren Umstand teilweise sehr besorgniserregend ist. Luft, Wasser, Böden und Nahrung sind mit Schadstoffen belastet, die Biodiversität sinkt, die Meere sind überfischt, die Ozonschicht ist dünn geworden und Lufttemperatur steigt, wodurch Gletscher und Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel ansteigt und es zu Überflutungen sowie Dürren kommt (vgl. von Koerber et al., 2012, S. 12). Inzwischen spürt jeder die Folgen des Klimawandels, für den der Mensch hauptverantwortlich ist. So verbraucht in Deutschland jede Person im Durchschnitt circa elf Tonnen Treibhausgase jährlich, was etwa zehn Tonnen zu viel sind. Auch die biologisch produktive Fläche der Erde wird längst über ihre Kapazitäten hinaus genutzt, wenn die Menschen ihr Verhalten beibehalten werden 2050 die Ressourcen von 2,9 Planeten verbraucht sein (vgl. von Koerber, 2015, S. 17). Ein Hauptproblem der ökologischen Dimension ist die intensive Landwirtschaft, aufgrund derer es zu Belastungen durch Stickstoff, Phosphat, Pflanzenschutzmitteln und Schadstoffen in Düngemitteln, zu Bodenerosionen, Gefügeschäden und Biodiversitätsverlust kommt. Sie trägt außerdem stark zum anthropogenen Treibhauseffekt auf dem Planeten bei. Hierfür sind vor allem das in Rindermägen gebildete Methan und das aus der mikrobiellen Umsetzung von Stickstoff entstehende Lachgas verantwortlich (vgl. Erdmann et al, 2003, S. 39f.). Der Ernährungssektor Deutschlands stößt jährlich etwa 260 Millionen Tonnen Treibhausgase aus, dies entspricht 20% der gesamten Treibhausgas-Emissionen (vgl. von Koerber, 2015, S. 18). 52% davon sind auf die Landwirtschaft (44% auf die Produktion tierischer Nahrungsmittel) zurückzuführen (vgl. Ködelpeter, 2012, S. 4).

Ein weiteres Problem ist die inzwischen starke Lebensmittelverarbeitung, die einen erhöhten Verbrauch von Energie und Verpackungen, mehr Abfall, einer aufwendigeren Abwasserreinigung, sowie Geruchsbelastungen und ein erhöhtes Toxizitäts- sowie Photooxidantienbildungspotenzial durch Abluft verursacht (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 41).

Auch der durch die Nachfrage nach Fertiggerichten und importierten Früchten erhöhte Transportaufwand stellt eins der Hauptprobleme der ökologischen Dimension dar (vgl. Erdmann et al, 2003, S. 41). Er führt zu einer schlechteren Luft-, Wasser- und Bodenqualität, mehr Lärm, weniger Biodiversität und einer erhöhten Landnutzung. Die erhöhte Anzahl an Flugtransporten verstärkt diese Effekte dabei noch (vgl. WBAE, 2020, S. 194).

Ökonomische Dimension Die nachhaltige Ernährungswirtschaft beschäftigt sich mit Angebot und Nachfrage, Preisen und Kosten von Produkten und Dienstleistungen innerhalb des gesamten Ernährungszyklus (vgl. Schneider&Hoffmann, 2011, S 395). Im Einkaufspreis der Konsumenten, der meist besonders niedrig sein soll, sind nicht die gesamten ökologischen und sozialen Folgekosten einer kostensparenden Produktion enthalten (vgl. MUEEF, 2018, S. 6). Die Kosten für Klimaschäden, nitrathaltiges Wasser, schadstoffhaltigen Boden und Arbeitsplatzverluste werden teilweise durch Steuern über die Bevölkerung abgerechnet, auf die nächste Generation oder Menschen in Entwicklungsländern abgeschoben (vgl. von Koerber, 2015, S. 19). Auch ernährungsbedingte Krankheiten sind ein bedeutender Faktor in der Wirtschaft, ihre Therapie macht mit rund 88,2 Milliarden Euro im Jahr 2011 circa ein Drittel der Kosten des gesamten Gesundheitswesens aus (vgl. von Koerber, 2015, S. 21)

Auf unserer Erde sind zwar genug Nahrungsmittel vorhanden, jedoch ist eins der zentralen Probleme der Ernährungswirtschaft die ungerechte Verteilung des Welteinkommens, das für die Produkte und Dienstleistungen aus Entwicklungsländern keine gerechten Preise vorsieht. Dadurch kann sich ein Großteil der Menschen viele Lebensmittel nicht leisten (vgl. von Koer- ber, 2015, S.20). Es existiert ein Verteilungsproblem, während in den Industrieländern Nahrungsmittel im Überschuss vorhanden sind, existiert in den Entwicklungsländern eine Nahrungsmittelknappheit (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 46).

Auch die Wirtschaftsstruktur der Lebensmittelbranche hat sich problematisch verändert. Die vielen landwirtschaftlichen Betriebe konkurrieren um Anbauflächen wodurch die Pacht- und Bodenpreise ansteigen, was wiederum zu einer geringeren Anzahl von landwirtschaftlichen Betrieben, einer intensiveren Produktion auf landwirtschaftlichen Flächen und dem Import von billigen Futtermitteln führt. Außerdem herrschen große Diskrepanzen innerhalb der Ernährungswirtschaft und Handelsstruktur. Die Landwirtschaft hat inzwischen an Bedeutung verloren, während die Verarbeitungsbranche und der Handel aufgrund eines hohen Verarbeitungsgrades der Lebensmittel an Bedeutung gewonnen haben (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 48f.). Die Entwicklungsländer exportieren vor allem Rohstoffe und importieren Fertigprodukte während die Industrieländer Rohstoffe importieren und Fertigprodukte exportieren, wodurch aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise ein großer Einkommensverlust verbunden in Entwicklungsländern verbunden ist (vgl. von Koerber et. al, 2012, S. 16).

Aufgrund der zunehmenden Liberalisierung hat sich der Wettbewerb in der Nahrungsmittelindustrie und dem Handel verstärkt (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 50). Viele Beschäftigte im Ernährungssektor können ihre Kosten aufgrund der immer geringeren Preise auf Konsumentenebene nicht mehr decken. Zusätzlich ist die Lebensmittelwirtschaft durch die Rationalisierung und den Zusammenschluss zu immer größeren Unternehmen und Konzernen geprägt. Daher können kleine und mittelständische Unternehmen nicht mehr oder nur schwer mit der Konkurrenz mithalten (vgl. von Koerber, 2015, S. 19). Des Weiteren geben die wenigen dominanten Handelskonzerne die Preise vor und zwingen die Landwirte zu umweltschädlichen Produktionsbedingungen (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 50f.).

Soziale Dimension Alle Lebensmittel, die wir konsumieren, wurden vorher durch Menschen produziert und verarbeitet und tragen einen sozialen Fußabdruck (vgl. WBAE, 2020 S. 158). Eine nachhaltige Ernährung ist darauf ausgerichtet weder Menschen noch Tiere auszubeuten (vgl. MUEEF,2018, S. 6). Im Zentrum der sozialen Dimension stehen politische, rechtliche, sozialökonomische und ethische Aspekte der Ernährung wie eine ernährungsbezogene Subventionspolitik, Armut, Gesetze, Werte und Normen, sowie eine tiergerechte und sozialverträgliche Erzeugung von Nahrungsmitteln. Berücksichtigt werden dabei einerseits individuelle Faktoren, wie ein unlimitierter Zugang zu oder die freie Wahl über Lebensmittel und andererseits gemeinschaftliche Faktoren, wie internationale Gerechtigkeit (vgl. Schneider & Hoffmann, 2011, S. 394). Oft stehen soziale Faktoren in einem engen Zusammenhang mit den vorher beschriebenen ökonomischen Faktoren (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 55). Ziele der sozialen Dimension sind unter anderem ein angemessener Lebensunterhalt, gerechte Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung, Sicherheit und Gesundheit und kulturelle Vielfalt (vgl. WBAE, 2020 S. 122f.). Armut und soziale Benachteiligung sind große Probleme innerhalb des Ernährungssystems. Wie schon in der ökonomischen Perspektive beschrieben, existieren im Ernährungssektor der Welt große Verteilungsprobleme. Viele Menschen vor allem in Entwicklungsländern können sich aufgrund ihrer Armut nicht alle lebensnotwenigen Nahrungsmittel leisten und müssen hungern (vgl. Erdmann, 2011, S. 55). Gleichzeitig werden auf der Welt über ein Drittel (in Deutschland sogar circa zwei Drittel) der Getreideernte, die der Mensch direkt verzehren könnte, als Tierfutter verwendet, um wiederum tierische Produkte zu erzeugen, wodurch 7090% der Nahrungsenergie verloren gehen (vgl. von Koerber, 2015, S. 22). Da auch in den Industrieländern die Armut ansteigt leiden auch hier immer mehr Menschen unter einer Fehlernährung (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 55).

Die sozialen Bedingungen in der Lebensmittelproduktion und die Versorgung der Bevölkerung sind aufgrund der Dominanz multinationaler Konzerne sehr einseitig. Aufgrund zahlreicher Patente für genetisch modifizierte Rohstoffe kommt es zu einem Autonomieverlust der Entwicklungsländer und aufgrund der gesunkenen Transparenz über Produktionsvorgänge zu einem Autonomieverlust der Verbraucher (vgl. Erdmann et al., 2003, S: 55f.).

Ein weiteres Problem sind die inhumanen Arbeitsbedingungen bei der Produktion unserer Konsumgüter in Entwicklungsländern. Teilweise existiert Kinderarbeit (vgl. von Koerber, 2015, S. 22), Arbeitnehmer arbeiten oft zu lang und bekommen einem zu geringen Preis gezahlt. Oft kommt es zu einer plötzlichen Arbeitslosigkeit (MUEEF, 2018, S. 6). In den Industrieländern gehen durch den Einsatz von Maschinen und Computern Arbeitsplätze verloren (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 56). Auch der Ernährungssektor in Deutschland ist von einem hohen Armutsrisiko geprägt, der Lohn in der Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Gastronomie liegt deutlich unter dem von Arbeitnehmer*innen mit vergleichbaren Qualifikationen anderer Branchen (vgl. WBAE, 2020, 159f).

Gesundheitliche Dimension Eine nachhaltige Ernährung erhält die Gesundheit (vgl. MUEEF, 2018, S. 7). Gesundheit meint nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern auch ein allgemeines Wohlbefinden und das Vermeiden von Krankheiten durch die Zufuhr von entsprechenden Nahrungsinhaltsstoffen. Die gesundheitliche Dimension der Ernährung beschäftigt sich mit der Wirkung von Lebensmitteln auf den Körper, der Qualität von Nahrungsmitteln sowie den Auswirkungen während der Lebensmittelproduktion auf die Gesundheit des Menschen. Im Zentrum stehen sowohl physische als auch psychische Aspekte (vgl. Schneider & Hoffmann, 2011, S. 394). Man unterscheidet wertgebende Nahrungsmittelinhaltsstoffe, wie essenzielle Nährstoffe und spezifische Pflanzeninhaltsstoffe und wertmindernde Inhaltsstoffe, wie chemische Stoffe, Umweltkontaminationen, Produktionsrückstände und spezielle Zusatzstoffe. Weiterhin wird die Nährstoffdichte im Bezug zum Gesundheitswert betrachtet (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 58). Ernährungsbedingte Krankheiten können als eines der Hauptprobleme der gesundheitlichen Dimension identifiziert werden. Schuld daran ist der Konsum von zu vielen stark verarbeiteten tierischen Produkten und der Verzehr von zu wenig gering verarbeiteten pflanzlichen Produkten in den Industrieländern. Dadurch ist die Ernährung zu kalorien-, fett-, zucker- und salzreich, deckt nicht alle lebensnotwendigen Inhaltsstoffe und ist bezüglich Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen unausgewogen. Dies kann zu Übergewicht, Herzproblemen, Gicht, Typ-2 Diabetes und Krebs führen. In den Entwicklungsländern leidet wiederum ein großer Teil der Bevölkerung an Unterernährung wodurch rund 8500 Kleinkinder täglich sterben und viele Kinder Mikronährstoffmängel besitzen (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 59).

Ein weiteres zentrales Problem ist die unterschiedliche Einschätzung der Lebensmittel bezüglich ihrer Risiken von Wissenschaft und Konsumenten. So sehen Verbraucher die größte Gefahr in Fremd- und Schadstoffen sowie künstlichen und synthetischen Zusatzstoffen, die von Ernährungswissenschaftlern als nicht so problematisch angesehen werden und die Wissenschaft in einem falschen Ernährungsverhalten, das die Konsumenten weniger problematisch sehen (vgl. Erdmann et al., 2003, S. 59f.).

Kulturelle Dimension Eine nachhaltige Ernährungskultur „ermöglicht Orientierung und verbindet verantwortliches Handeln mit gutem Gewissen und Genuss. Sie unterstützt eine nachhaltige Entwicklung auf sozialer, ökonomischer, ökologischer und gesundheitlicher Ebene“ (von Koerber, 2015, S. 24). Kulturelle Hintergründe bestimmen schon immer den Erwerb, die Zubereitung und die Aufnahme von Nahrungsmitteln, die Vorstellungen die zu bestimmten Ernährungsweisen führen sowie bevorzugte Ess-Situationen mit (vgl. Brunner, 2011, S. 203).

Das regional unterschiedliche Essverhalten wird durch die jeweilige bestehende Esskultur festgelegt. Aufgrund der Globalisierung und ihren vielfältigen, nahezu unüberschaubaren Angeboten auf dem Markt kam es jedoch zu einem Verlust von Wertschätzung und Tradition, sodass heute wenige große Konzerne den Markt dominieren und bestimmen was gegessen wird (Pudel, 2011, S. 140). Nahrung soll meist nur den Hunger stillen und nicht den Genuss fördern und viele Lebensmittel werden weggeschmissen. Zusätzlich entfernen sich die Menschen immer weiter von den Nahrungsmitteln und ihrer Herkunft, der erste Kontakt mit den oft stark verarbeiteten Produkten entsteht erst im Einzelhandel (vgl. Erdmann et. al., 2003, S. 60).

Die heutige Ernährungskultur der Wohlstandsländer besteht vor allem aus Nahrungsmitteln der konventionellen Landwirtschaft, sowie einem hohen Anteil an Fleisch und tierischen Produkte, weiterhin werden importierte Produkte aus der ganzen Welt konsumiert.

Im Vordergrund unserer Ernährung steht immer weniger der gemeinsame Genuss des Essens, vielmehr geht es um eine schnelle Besorgung, Zubereitung und Aufnahme der Nahrung. Es werden Fertigprodukte, Fast Food und möglichst billige Angebote bevorzugt. Herkunft, Herstellung und Güte der Lebensmittel werden immer unwichtiger (vgl. Lemke, 2011, S. 169). Mit unserer Ernährung geht jedoch eine moralische Verantwortung einher. Durch das eben beschriebene Ernährungsverhalten werden unbeabsichtigt und indirekt die Umwelt und das Wohl sowie die Rechte von vielen Menschen geschädigt. Somit besteht die Notwendigkeit einer Neuorientierung unserer Kultur, Werte, Praktiken, Gewohnheiten und Weltansichten (vgl. Lemke, 2011, S. 168ff.). Allerdings besitzt die Esskultur für die meisten Menschen eine große Bedeutung. Essen dient der individuellen, kollektiven und ethnischen Identifizierung der Menschen (vgl. Brunner, 2011, S. 208), es sorgt für emotionale Sicherheit, stärkt soziale Beziehungen und kann als Status- oder Gruppensymbol dienen. Folglich existieren, wenn es um eine Änderung der Esskultur geht, oftmals große Widerstände (vgl. Hirschfelder, 2011, S. 23). Dennoch ist in Teilen der Gesellschaft ein Umdenken zu erkennen, allmählich realisieren die Menschen die Folgen ihres ernährungstechnischen Handelns (vgl. Lemke, 2011, S. 169). Es wird ein Ernährungsstil angestrebt, der Genuss und Verantwortung miteinander verbindet. Außerdem sind Ernährungstrends zu beobachten, bei denen natürliche Lebensmittel, Tradition, Wissenschaft oder Ästhetik im Zentrum stehen (vgl. von Koerber, 2015, S. 24).

2.2.3 Die sieben Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Ernährung

Konsumenten können durch ihre Kaufentscheidungen das Ernährungssystem mitbestimmen, da sie sich durch den Kauf von bestimmten Lebensmitteln auch immer für eine jeweilige Form der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung entscheiden. Daher ist es wichtig ihnen einfache, verständliche und alltagsorientierte Handlungsempfehlungen zur Verfügung zu stellen (Brunner, 2007, S. 194, 201). Durch eine Ernährung mit überwiegend pflanzlicher, gering verarbeiteter, ökologisch erzeugter, fair gehandelter, sowie regionaler und saisonaler Kost kann zur Umsetzung der Ziele einer Nachhaltigen Entwicklung beigetragen werden. Zusätzlich sollte die Ernährung ressourcenschonend und selbstverständlich genussvoll sein (vgl. von Ko- erber, 2015, S. 24). Nachfolgend werden die sieben Handlungsempfehlungen genauer erläutert.

Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel (1)

Vor circa 60 Jahren war der Verzehr von Fleisch aufgrund des hohen Preises noch etwas Besonderes für die Bevölkerung, sodass es höchstens einmal in der Woche auf dem Speiseplan stand (vgl. von Koerber, 2015, S. 28). Der Konsum tierischer Nahrungsmittel ist in den letzten Jahrzenten jedoch stark angestiegen. Der globale Pro-Kopf-Fleischverzehr hat sich von 1961 bis 2011 um mehr als 80% erhöht (vgl. Leitzmann & Keller, 2020, S. 426).

Der hohe Fleischkonsum führte zu einer nicht-artgerechten Massentierhaltung. Durch einen geringeren Fleischkonsum können leichter bessere Bedingungen in der Tierhaltung eingehalten werden. (vgl. Leitzmann & Keller, 2020, S. 426).

Die Erzeugung tierischer Lebensmittel verursacht im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln sehr viel mehr Treibhausgase, insgesamt machen sie rund 68% der Treibhausgasemissionen der Ernährung einer in Deutschland lebenden Person aus. Das sind 1271kg CO2 Äquivalent pro Person. Etwa 57% davon sind auf Fleisch und Fleischerzeugnisse und circa 43% auf Milch und Milchprodukte zurückzuführen (vgl. Leitzmann & Keller, 2020, S. 437). Bei einer Reduktion des Fleischkonsum um die Hälfte, würden sich die Treibhausgasemissionen des Ernährungssektors um circa 20% verringern (vgl. von Koerber, 2015, S. 25f.).

Auch der Wasserverbrauch tierischer Lebensmittel ist sehr hoch, da für die Produktion tierischer Lebensmittel nicht nur direkt Wasser benötigt wird, sondern auch die Herstellung der Futtermittel eine große Menge an Wasser verbraucht. So benötigt die Produktion von einem Kilo Rindfleisch aus der Massentierhaltung ungefähr 15.000 Liter Wasser (vgl. von Koerber, 2015, S. 25f.). Außerdem fördern Gülle und Mist durch ihren hohen Nitrat- und Phosphatgehalt die Eutrophierung der Gewässer und Böden (vgl. Leitzmann & Keller, 2020, S. 428).

80% der auf der Erde genutzten landwirtschaftlichen Nutzfläche werden für die Erzeugung tierischer Nahrungsmittel genutzt, tragen aber nur zu 13% zur Energieversorgung des Menschen bei (vgl. MUEEF, 2018, S 13). Durch einen größeren Anteil pflanzlicher Nahrung kann die vorhandene landwirtschaftlichen Fläche mehr Menschen versorgen. Durch den Futtermittelanbau in Entwicklungsländern ist außerdem eine geringere Fläche für den eigenen Lebensmittelanbau vorhanden, wodurch Existenzprobleme, Armut sowie eine Benachteiligung der Menschen im Welthandel entstehen (vgl. von Koerber et al., 2012, S. 117f.). Besonders kritisch zu sehen ist die für den Futtermittelanbau verursachte Abholzung der tropischen Regenwälder, wodurch nicht nur ein großer Teil des sich auf der Erde befindenden natürlichen CO2 Speichers verloren geht, sondern auch viele Tier- und Pflanzenarten aussterben (vgl. Leitzmann & Keller, 2020, S. 439) und Menschen aus ihrer ursprünglichen Heimat vertrieben werden (vgl. von Koerber, 2015, S. 26).

Ein geringerer Konsum tierischer Produkte (guter Qualität) ist für die Verbraucher kostengünstiger (vgl. von Koerber et al., 2012, S 117) und durch die vielen pflanzlichen Produkte kann eine Vielfalt an neuen Geschmäcken entdeckt werden (vgl. von Koerber, 2015, 28).

Außerdem ist eine überwiegend pflanzliche Kost von gesundheitlichem Vorteil. Personen deren Nahrung aus einem geringen Anteil an Fleischerzeugnissen und dafür aus einem größeren Anteil an Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen besteht, besitzen ein geringeres Risiko an Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken (vgl. MUEEF, 2018, S. 14). Außerdem kann der Gehalt von Antibiotika, Antiparasitika, Kreislaufmitteln und Hormonen in Fleischerzeugnissen zu einer steigenden Antibiotikaresistenz und Allergierate führen (vgl. Astleithner, 2007, S. 156). Der Verzehr von zu vielen tierischen Produkten wirkt sich auch indirekt auf die Gesundheit des Menschen aus. Ungefähr drei Viertel der neu auftauchenden, den Menschen bedrohenden Krankheitserregern werden von Tieren auf den Menschen übertragen. Die Massentierhaltung bietet Viren und anderen Erregern gute Bedingungen, um sich in kurzer Zeit rapide auszubreiten. Die FAO warnte bereits 2008, dass die Massentierhaltung eine große Gefahr für neue Krankheitserreger darstellt. Diese wird durch die vermehrten Transporte von Tieren und Tierprodukten noch gesteigert und stellt eine Gefahr für neue Pandemien dar (vgl. Schmidinger, 2020).

Ökologisch erzeugte Lebensmittel (2)

Der WWF bewertet den ökologischen Landbau als die im Moment nachhaltigste Form der Landwirtschaft in Deutschland (vgl. WWF, 2015, S.13). Ziel ist es die Gesundheit des Agrarökosystems, die Biodiversität, biologische Kreisläufe und die biologische Aktivität des Bodens zu fördern und zu verbessern (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 11)

Der ökologische Landbau hohe Tierschutzstandards ein und wird somit den sich wandelnden ethischen Ansprüchen vieler Verbraucher gerecht (vgl. WBAE, 2020, S. 652).

Die Umsatzerlöse des ökologischen Landbaus pro Hektar liegen zwar niedriger als die des konventionellen Landbaus, jedoch werden diese Kosten durch Einsparungen beim Pflanzenschutz, Tier- und Futtermittelkauf und durch Zulagen ausgeglichen beziehungsweise ein höherer Gewinn erzielt (vgl. Erdmann, 2003, S. 75). So erwirtschaftet die ökologische Landwirtschaft in den Industrieländern etwa 22 bis 35% mehr (vgl. WBAE, 2020, S. 245). Der Preisaufschlag im Lebensmittelmarkt kommt zwischen 6% und 44% den Landwirten zugute. Die Landwirte in Entwicklungsländern erhalten viele soziale Leistungen, wie Weiterbildungen, günstige Kredite und spezielle Ausbildungen (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 38) und aufgrund der Weitervermarktung der Produkte auf dem Hof, in Hofläden oder auf Wochenmärkten steigt die Zahl der Arbeitsplätze (vgl. von Koerber, 2015, S. 29).

Durch die oft sehr intensiven Anbaupraktiken und dem Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft ist die Zahl der Wildpflanzen und deren Bestäubern enorm gesunken. Dies schadet der landwirtschaftlichen Produktivität. Der ökologische Landbau verbessert durch den Verzicht auf Pestizide und Mineraldünger die Biodiversität in Agrarökosystemen durchschnittlich um circa 30% (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 14f.). Grund- und Oberflächenwasser werden außerdem kaum verschmutzt, wodurch der Eutrophierung der Gewässer und damit dem Massensterben von Fischen und Meeresorganismen vorgebeugt wird (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 22). Pestizide schädigen zusätzlich die Gesundheit, jährlich sterben 200.000 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen ihrer Verwendung, 99% davon leben in Entwicklungsländern (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 39).

Die ökologische Landwirtschaft verbraucht pro Produktionsfläche weniger Energie als der konventionelle Landbau, der Boden besitzt aufgrund des großen Anteils organischer Substanz eine höhere Kohlenstoffbindung (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 18,19) und aufgrund der geringeren und natürlichen Düngung fallen circa 40% weniger Lachgas-Emissionen (N2O) (300mal so stark wie CO2) an (vgl. von Koerber, 2015, S. 28). 95% der Lebensmittel werden direkt oder indirekt durch den Boden erzeugt, jedoch besitzen inzwischen 25% der Böden eine hohe Bodendegradation. Diese Flächenverluste können durch die Kompostdüngung und die abwechslungsreiche Fruchtfolge im ökologischen Landbau reduziert werden (vgl. de Schaetzen, 2020, S. 30f). Da der Großteil der Bio-Landwirte ihre Futtermittel nicht aus Entwicklungsländern bezieht, vergrößert sich dort auch die Anbaufläche für eigene Nahrung (vgl. von Koerber, 2015, S. 29).

Recherchen und Analysen haben ergeben, dass Nahrungsmittel aus dem ökologischen Landbau mehr Antioxidantien, Vitamin C und Omega-3 Fettsäuren sowie weniger Pestizidrückstände und Cadmium besitzen und somit unserer Gesundheit zugutekommen (vgl. de Schaet- zen, 2020, S. 34f). Außerdem sind bei der Verarbeitung sehr viel weniger Zusatzstoffe und Verfahren erlaubt (vgl. WBAE, 2020, S. 245).

Mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln wird oft ein sehr viel höherer Preis verbunden, wodurch viele Menschen denken, sie seien nicht für die breite Bevölkerung leistbar. Dies stimmt nur bedingt. Biologisch angebaute Produkte sind zwar teilweise deutlich teurer, da hier Umweltkosten nicht externalisiert werden und sie somit die „ökologische Wahrheit“ erzählen, jedoch muss der Kauf von Bio-Lebensmitteln insgesamt nicht unbedingt zu höheren Ausgaben für Lebensmittel führen. So kann der Konsum biologischer Produkte kombiniert mit einer anderen Auswahl an Nahrungsmitteln (weniger Fleisch/ Süßigkeiten) sogar kostengünstiger sein als ein konventioneller Konsum. Des Weiteren ist der Preis für biologische Produkte inzwischen gesunken und sinkt durch den Verkauf in den Discountern weiter (vgl. Brunner, 2007, S. 173f).

Regionale und saisonale Erzeugnisse (3)

Die ökologische Landwirtschaft wird erst durch regionale und saisonale Produktion und Vermarktung wirklich nachhaltig (vgl. von Koerber, 2015, S. 32). Regionale und saisonale Herstellung sind eng miteinander verbunden, da Nahrungsmittel der Saison gleichzeitig auch oft aus der umliegenden Region stammen (vgl. WWF, 2015, S. 12).

Heutzutage sind fast alle Lebensmittel das ganze Jahr für die Konsumenten verfügbar. Um diesem Wunsch nachzukommen, werden die Lebensmittel entweder in Treibhäusern angebaut oder haben bereits einen sehr langen Weg hinter sich. So werden jeden Tag nicht nur innerhalb von Deutschland Lebensmittel transportiert (vgl. MUEEF, 2018, S. 26) sondern auch mehr als 140 Tonnen Lebensmittel aus anderen Ländern importiert (vgl. WWF, 2015, S. 13). Der Kauf von regional und saisonal erzeugten Lebensmitteln verringert daher den CO2 Ausstoß und ist gut für das Klima. Vor allem Produkte, die außerhalb ihrer Saison frisch im Einzelhandel verkauft werden (z.B. Erdbeeren im Winter) sollten gemieden werden, da diese mit dem Flugzeug transportiert werden und besonders große Mengen an CO2-Emissionen (170mal mehr als beim Schifftransport) verursachen (WWF, 2015, S. 13). Flugtransporte von Lebensmitteln, obwohl sie nur 0,7% der Transporte insgesamt ausmachen, sind für 16% der Treibhausgasemissionen der Importe verantwortlich (vgl. MUEEF, 2018, S. 27). Auch durch den saisonalen Anbau im Freiland werden die CO2-Emissionen verringert, außerdem werden große Mengen an Heizöl gespart (vgl. von Koerber, 2015, S.30).

Regional erzeugte Nahrungsmittel tragen zur Erhöhung der regionalen Wertschöpfung, sowie der Sicherung von Arbeitsplätzen und dem Einkommen in ländlichen Regionen bei. Zusätzlich wird der starken Trennung zwischen Produktion und Handel entgegengewirkt (vgl. Brunner et. al, 2007, S. 188,190) und es können Netzwerke zwischen der Landwirtschaft, der Verarbeitung, dem Handel und den Konsumenten geschaffen werden (vgl. von Koerber, 2015, S. 31).

Lebensmittel aus der Region und der jeweiligen Saison sind gesünder und schmecken intensiver, da sie längere Zeit auf dem Feld wachsen und deshalb mehr Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und natürlich enthaltene Aromastoffe besitzen. Des Weiteren besteht eine geringere Nitratbelastung der Lebensmittel als bei denen die in Treibhäusern angebaut werden, da Nitrat durch das Sonnenlicht abgebaut wird (vgl. MUEEF, 2018, S. 28)

Auch kulturelle und soziale Identitäten der jeweiligen Region werden durch die regionale Landwirtschaft gestärkt. Beziehungen zwischen den Verbrauchern und den Erzeugern der Nahrungsmittel entstehen oder werden intensiviert (vgl. Brunner, 2007, S. 189). Das Wissen über die jeweilige saisonale und regionale Landwirtschaft wächst (vgl. von Koerber, 2015, S. 31). Es existiert eine höhere Transparenz innerhalb des Lebensmittelsystems was zu weniger gesetzeswidrigen Praktiken innerhalb des Lebensmittelzyklus führen kann (vgl. MUEEF, 2018, S.28). Regionale Spezialitäten und die biologische Vielfalt werden mehr geschätzt, traditionelle Speisen und Nahrungsmittel alter Sorten gewinnen wieder an Bedeutung und die verschiedenen saisonalen Produkte gestalten die Ernährung wieder abwechslungsreicher.

Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel (4)

Ungefähr 80-90 Prozent der Nahrungsmittel werden in der heutigen Gesellschaft nicht mehr als Rohprodukt, sondern mehr oder weniger stark verarbeitet zu sich genommen (vgl. Herde, 2005, S. 11). Während bei Obst und Gemüse zum Beispiel nur Trennungs- Reinigungs- und Verpackungsprozesse eine Rolle spielen, kommen bei Fertiggerichten viele weitere Verarbeitungsschritte hinzu (vgl. WBAE, 2020, S. 184). Der Konsum von Fertigprodukten nimmt aufgrund des Zeitdrucks, vor allem bei Berufstätigen, immer mehr zu. Dabei gehen Genuss, Spaß und der soziale Aspekt des Essens verloren (vgl. MUEEF, 2018, S. 32).

Durch den Konsum gering verarbeiteter Lebensmittel sinken Verarbeitungsstufen, das Transportaufkommen und der Aufwand an Zwischenverpackungen. Unverarbeitete Lebensmittel verbrauchen weniger Energie, setzen weniger Emissionen frei (vgl. Herde, 2005, S. 12) und verbrauchen weniger Wasser (vgl. WBAE, 2020, S. 184). Auch der hohe Zuckergehalt in Fertigprodukten ist ein Grund für ihre schlechte Umweltbilanz. Die Zuckerindustrie verbraucht 20 bis 30% der Gesamtenergie der Lebensmittelindustrie (vgl. Herde, 2005, S. 12).

Unverarbeitete Lebensmittel besitzen weniger Fett, Zucker, Salz, Konservierungs- und Farbstoffe und es gehen weniger Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) verloren (vgl. von Koerber, 2015, S. 32).

Der Konsum gering verarbeiteter Lebensmittel ist kostengünstiger. Fertigprodukte sind aufgrund vieler kostenintensiver Verarbeitungsschritte etwa dreimal so teuer wie selbst gekochte Gerichte (vgl. MUEEF, 2018, S. 33f.). Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten, wie Übergewicht, dessen Gefahr aufgrund der hohen Energiedichte der stark verarbeiteten Lebensmittel größer ist, können verhindert werden (vgl. von Koerber & Cartsburg, 2020, S. 74). In kleinen und mittleren Betrieben schafft der Konsum weniger verarbeiteter, frischer, handwerklich hergestellter Produkte Arbeitsplätze und steigert ihr Einkommen (vgl. MUEEF, 2018, S. 33).

Stark verarbeitete Lebensmittel sind außerdem meist mit Aromen und Geschmacksverstärkern versetzt, wodurch der Geschmackssinn gemindert werden kann (vgl. Herde, 2004, S. 13). Durch das Zubereiten von Speisen mit unverarbeiteten Lebensmitteln wird die Wahrnehmung geschult und kochtechnische Fertigkeiten werden erlernt. Das Verständnis und die Wertschätzung der Landwirtschaft wird gesteigert, wodurch die Kaufbereitschaft für nachhaltige Lebensmittel wächst (vgl. von Koerber & Cartsburg, 2020, S. 75).

Die Forderung nach wenig verarbeiteten Lebensmitteln würde jedoch die Frage aufwerfen, wer diese Lebensmittel zubereitet. Geschlechtergerechtigkeit ist ein wesentlicher Aspekt von Nachhaltigkeit. Obwohl die Frauenerwerbstätigkeit steigt und eine genderbezogene Gleichstellungspolitik existiert, müssen meist die Frauen das Zubereiten der Speisen übernehmen (vgl. Brunner & Schönberger, 2005, S. 200). So entsteht hier ein Konflikt mit der sozialen Dimension.

Fair gehandelte Lebensmittel (5)

Die Lebensmittelausgaben der Menschen haben sich in den letzten 50 Jahren stark verringert. Heute muss für den Kauf von einem Kilo Rindfleisch nur noch 30 Minuten gearbeitet werden, während es im Jahr 1970 noch 72 Minuten waren. Betrachtet man die gesamten Konsumausgaben der Bevölkerung fallen nur noch 14 Prozent der Ausgaben auf den Lebensmittelsektor. Dieser Wandel führt zu geringeren Umsätzen im Ernährungssektor, sodass viele Landwirt*in- nen in den Industrieländern oft nicht ihre Kosten decken können und die Betriebe aufgeben müssen. Folgen in den Entwicklungsländern sind inhumane Arbeitsbedingungen, Zwangsarbeit, Sklaverei oder Leibeigenschaft bei Kindern (vgl. MUEEF, 2018, S. 39). Innerhalb des Fair-Trade Konzepts werden verschiedene soziale, ökonomische und ökologische Kriterien in Entwicklungsländern eingehalten (vgl. TransFair e.V., 2019, S. 18).

Fairtrade Produkte besitzen einen Fairtrade-Mindestpreis, der die durchschnittlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion deckt und den Kleinbauernorganisationen finanzielle Sicherheit gibt, außerdem erhalten die Bauern einen größeren Teil des Verkaufspreises (vgl. MUEEF, 2018, S. 41). Durch die zusätzlichen Einnahmen können sich Landwirt*innen stärker auf dem Markt einbringen, erhalten erschwinglichere Kredite und können ihre Infrastruktur oder den Anbau (Umstellung auf ökologischen Landbau) verbessern (vgl. TransFair e.V., 2019, S. 4ff.).

Die Fairtrade Kriterien beziehen sich auch auf an den Klimawandel angepasste Anbaumethoden. So soll zum Beispiel die Biodiversität geschützt werden, die Bodenqualität überwacht und das Wasser nicht verschwendet oder verschmutzt werden. Es dürfen keine Pestizide und gentechnisch manipuliertes Saatgut eingesetzt werden und der Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen sollen geringgehalten werden. Außerdem werden den Landwirt*innen Möglichkeiten aufgezeigt, um sich auf die bereits vorherrschenden Auswirkungen des Klimawandels einzustellen (vgl. TransFair e.V., 2019, S. 20).

Der Schwerpunkt des fairen Handels sind humane soziale Bedingungen für Arbeitskräfte. Es werden soziale Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Altenheime gebaut (vgl. von Koerber, 2015, S. 34), es finden Weiterbildungen in Bereichen der Alphabetisierung, Geschäftsleitung und im Qualitätsmanagement statt. Frauen werden individuell gefördert, sodass sie sozial, finanziell und physisch selbstbestimmt handeln können. Kinderarbeit ist verboten und es gibt fest geregelte Pausenzeiten, bezahlten Urlaub sowie Mutterschutz. Zusätzlich bietet Fairtrade Kriterien und Schulungen zum Umgang mit gefährlichen Stoffen für die Gesundheit der Beschäftigten ein. (vgl. TransFair e.V., 2019, S. 8ff.).

Ressourcenschonendes Haushalten (6)

Auch die Bereiche der Einkaufsfahrten, der Lagerung und der Zubereitung von Nahrungsmitteln können nachhaltiger gestaltet werden. Die größten Potenziale liegen hier in der Verringerung von Lebensmittelverschwendungen und Verpackungsmüll, dem generellen Energiesparen beziehungsweise Nutzen von Ökostrom und der Nutzung von nachhaltigen Fortbewegungsmitteln (vgl. von Koerber, 2015, S. 35ff.).

Jedes weggeworfene Nahrungsmittel hat innerhalb des Lebensmittelzyklus Treibhausgase erzeugt, Energie, Rohstoffe und Wasser verbraucht und Bodenfläche belegt (vgl. MUEEF, 2018, S. 45). Durch einen geringeren Lebensmittelverlust kann auch die Produktion, Verarbeitung und Zubereitung von Nahrungsmitteln verringert werden, was sich wiederum direkt auf die Umwelt auswirkt (vgl. WBAE, 2020, S. 636). Auch aus ethischen und sozialen Gründen ist die Verschwendung von Lebensmitteln nicht verantwortbar. Derzeit müssen 815 Millionen Menschen auf der Welt hungern (vgl. MUEEF, 2018, S. 45). Im Jahr 2015 beliefen sich die Lebensmittelabfälle in Deutschland auf rund 11,9 Millionen Tonnen. Allein 52 Prozent davon, also 6,1 Millionen Tonnen wurden in Privathaushalten verursacht. Die Verbraucher haben somit den größten Einfluss darauf, wie viele Lebensmittel im Abfall landen (vgl. WBAE, 2020, S. 636). Ein großer Teil dieser Abfälle, vor allem Gemüse und Obst sowie Backwaren und Speisereste, ist zu vermeiden (vgl. MUEEF, 2018, S. 44). Ein Grund für die vielen Lebensmittelabfälle ist wahrscheinlich die geringe Wertschätzung von Lebensmitteln. Ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln kann durch den Einkauf auf Wochenmärkten und Hofläden oder durch Hofbesichtigungen gefördert werden (vgl. von Koerber, 2015, S. 37).

Auch der Verpackungsmüll hat großen Einfluss auf unsere Umwelt, bei der Herstellung und Entsorgung von Verpackungen werden große Mengen an Ressourcen verbraucht (vgl. von Ko- erber, 2015, S. 37) und bei der Verbrennung des Mülls entstehen klimaschädliche sowie gesundheitsschädliche Gase. Der Teil des Verpackungsmülls, der direkt in der Umwelt landet, verschmutzt unsere Natur und gefährdet dadurch die Gesundheit von Menschen und Tieren (vgl. MUEEF, 2018, S.51). Es sollte verstärkt versucht werden Nahrungsmittel unverpackt (z.B. Obst) oder in Mehrwegverpackungen zu kaufen (vgl. von Koerber, 2015, S. 37).

Die meisten Menschen erledigen ihre Einkaufsfahrten mit dem Auto, unter anderem auch weil Lebensmittelläden eine schlechte Nahverkehrsanbindung besitzen (vgl. Herde, 2004, S. 20). Jedoch wird auch gerade bei kurzen Fahrten, bei denen überdurchschnittlich viele Treibhausgase entstehen, das Auto genutzt. Die Fahrt mit der Bahn, dem Bus oder am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist dem Auto vorzuziehen, dadurch können bis zu zwei Drittel der Klimagas-Emissionen vermieden werden (vgl. von Koerber, 2015, S. 36).

Die Essenzubereitung macht einen Anteil von circa zehn Prozent des Energie- und Wasserverbrauchs im Haushalt aus. Durch energiesparende Küchengeräte und Gasherde anstelle von Elektroherden kann dieser Anteil eingedämmt werden. Weitere wichtige Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit können die Umstellung auf ein energiebewusstes Kochverhalten durch die Nutzung von Schnellkochtöpfen, Verwendung von Topfdeckeln und Nutzung der Restwärme sowie den Verzicht auf das Vorheizen des Ofens sein (vgl. Herde, 2005, S. 24f.). Durch das Energiesparen wird auch die Haushaltskasse der Familien geschont. Die Umstellung auf erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme) ist eine Möglichkeit die Lagerung und das Zubereiten von Lebensmitteln nachhaltiger zu gestalten (vgl. MUEEF, 2018, S. 49).

Genussvolle & bekömmliche Speisen (7)

Natürlich spielt trotz der Verantwortung, die wir für eine nachhaltige Gestaltung der Ernährung besitzen der Genuss beim Essen eine wichtige Rolle. Genuss meint eine angenehme Empfindung durch die Befriedigung materieller oder geistiger Bedürfnisse. Vor allem wenn die Ernährung dauerhaft umgestellt oder angepasst werden soll, spielen Spaß und Lebensfreude eine wichtige Rolle. Mit den vielen verschiedenen, teils vergessenen oder zuvor nicht verwendeten Gemüse-. Obst-, und Getreidearten sowie Hülsenfrüchten können neue Gerichte kreiert werden, die mit einer Vielzahl an Gewürzen und Kräutern zu ganz besonderen Geschmackserlebnissen führen können. Eine nachhaltige Ernährung und der Genuss beim Essen stehen nicht im Widerspruch (vgl. von Koerber et al., 2012, S. 111).

Die Bekömmlichkeit ist das subjektive Empfinden nach dem Verzehr von Lebensmitteln und bedingt den Genuss. So können schlecht bekömmliche Nahrungsmittel den Genuss beispielsweise nachträglich mindern. Bekömmlichkeitsstörungen können zum Beispiel Bauchschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Migräne sein. Die Ursachen dafür können ein falsches Essverhalten, Intoleranzen gegenüber bestimmten Lebensmitteln, eingenommene Medikamente, Krankheiten oder psychologische Gründe sein. Um die individuell sehr unterschiedlichen Ursachen und Auswirkungen von Bekömmlichkeitsstörungen herauszufinden sollte eine persönliche Ernährungskompetenz aufgebaut werden (vgl. von Koerber et al., 2012, S. 112).

2.3 Stand der Forschung

Es existieren bisher wenige Forschungsergebnisse zur schulischen Umsetzung der nachhaltigen Ernährungsbildung. Die meisten Studien beschäftigen sich mit der Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung beziehungsweise der Ernährungsbildung. Dagegen wird der Forschungsschwerpunkt nachhaltige Ernährungsbildung in dieser Arbeit von der Forschung zu nachhaltiger Entwicklung und allgemeinen Ernährungsbildung abgegrenzt. Im Folgenden werden beispielhaft vier wichtige Studien zur nachhaltigen Ernährungsbildung vorgestellt.

Einstellungen von Biologielehrkräften zum Thema Nachhaltige Ernährung:

Die Fakultät für Biologiedidaktik in Osnabrück widmet sich dem Forschungsbereich der nachhaltigen Ernährung. In einer ihrer Studien wird der Einfluss von sozialen und umweltpsychologischen Faktoren, auf die Absicht von angehenden Biologielehrer*innen sich nachhaltig zu ernähren, untersucht. Die Daten wurden im Juli 2017 innerhalb einer quantitativen Fragebogenerhebung an vier deutschen Universitäten gewonnen. Insgesamt wurden 155 Lehramts-studierende für das Fach Biologie im Alter von 18 bis 34 befragt, 63% davon waren Biologielehramtsstudierende und 37% Sachunterrichtslehramtsstudierende. Die Ergebnisse zeigten, dass die angehenden Biologielehrer/-innen insgesamt eine moderate Intention besaßen, sich nachhaltig zu ernähren. Außerdem besaßen sie eine positive Einstellung gegenüber einer nachhaltigen Ernährung, eine moderate wahrgenommene Verhaltenskontrolle (Wahrnehmung der eigenen Möglichkeit und des Schwierigkeitsgrads, um sich nachhaltig zu ernähren) und eine moderate subjektive Norm (individuell wahrgenommenen sozialen Druck sich nachhaltig zu ernähren). Alle vorgenannten Eigenschaften hatten eine signifikant positive Vorhersagekraft für die Intention, sich nachhaltig zu ernähren. Es zeigte sich, dass die Wahrnehmung über potenzielle Handlungsmöglichkeiten bei der Umsetzung einer nachhaltigen Ernährung wichtiger ist und eher dazu führt sich nachhaltig zu ernähren als die reine Bewertung eines nachhaltigen Ernährungsverhaltens. Trotzdem stellte sich auch die Einstellung als wichtiger Prädiktor heraus. Die Probanden zeigten insgesamt eine hohe Umweltbetroffenheit (Bewusstsein, dass der Zustand der Umwelt durch menschliche Verhaltensweisen bedroht wird) und eine moderate Naturverbundenheit. Auch diese Eigenschaften erwiesen sich als Prädiktoren sich nachhaltig zu ernähren (vgl. Weber & Fiebelkorn, 2019, 186ff.).

Was bedeutet dies konkret für die nachhaltige Ernährungsbildung im Sachunterricht? Studierenden an Universitäten sollte aufgezeigt werden, welche Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten sie selbst für eine nachhaltige Ernährung besitzen und welche Relevanz die nachhaltige Ernährung für Umwelt und Menschheit auf unserem Planeten besitzt. Nur wenn die Studierenden Handlungsmöglichkeiten erkennen, kann die erhöhte Verhaltenskontrolle auch eine höhere Bereitschaft für eine nachhaltige Ernährungsweise hervorrufen. Zukünftig sollte untersucht werden, inwiefern eine größere Intention für eine nachhaltigen Ernährungsweise auch eine höhere Motivation das Thema zu unterrichten bedingt (vgl. Weber & Fiebelkorn, 2019, 191f.).

Vorstellungen von Schüler*innen zum Thema Nachhaltige Ernährung:

Für die Erarbeitung von effektiven und erfolgversprechenden Bildungskonzepten ist es wichtig herauszufinden welche Vorstellungen Schüler*innen zu einer nachhaltigen Ernährung besitzen. Deshalb geht eine weitere Studie der Fakultät für Biologiedidaktik der Frage nach, welchen Stellenwert die Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung in den Vorstellungen von Schüler*innen der 10. Jahrgangstufe (Gymnasium) haben. Ziel dieser Studie war es, die Vorstellungen der Schüler*innen von nachhaltiger Ernährung und die Übereinstimmung dieser mit der Konzeption einer nachhaltigen Ernährung nach von Koerber et. al (2012) herauszufinden. Zu diesem Zweck wurden Einzelinterviews mit Schüler*innen der 10. Klassenstufe von August bis März 2018 durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass die Gesundheitsdimension in den Vorstellungen der Schüler*innen überwiegt. Je mehr Dimensionen die Lernenden jedoch betrachteten desto stärker trat die ökologische Dimension in den Vordergrund. Viele Schüler*innen vernachlässigten die soziale, wirtschaftliche und vor allem die kulturelle Dimension. Darüber hinaus wurden alternative Konzeptionen der nachhaltigen Ernährung identifiziert, die nicht dem wissenschaftlichen Konzept entsprachen (vgl. Dornhoff et. al, 2020, S. 4ff.).

Eine weitere Studie zu Schülervorstellungen stellten Maleika Gralher et. al auf, sie erforschten Lernpotenziale zum Thema Nachhaltige Ernährung, indem sie mithilfe von Interviews die Verständnisse der Lernenden zum Themenfeld Ernährung, sowie die Kriterien, an denen sie ihr Ernährungsverhalten ausrichten, untersuchte. Übergeordnetes Ziel der Untersuchung ist die Entwicklung von Leitlinien für Vermittlungsangebote zum Thema nachhaltige Ernährung. Insgesamt wurden fünfzehn Schüler*innen zwischen 14 und 20 Jahre in acht Einzel-, Partner und Dreier- Interviews befragt. Sieben Schüler*innen davon gingen auf ein Gymnasium und acht auf eine Förderschule (vgl. Gralher, 2015, S. 119f.). Auch diese Interviewstudie ergab, dass alle befragten Schüler*innen Ernährung zuallererst mit Themen verbinden, die sie unmittelbar betreffen, wie der Gesundheit. Auch im weiteren Interviewverlauf überwogen diese Themen deutlich gegenüber den ökonomischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen. Einige Schüler*innen wurden durch das Gespräch angeregt wirtschaftliche und gesellschaftliche Ernährungszusammenhänge in ihre Betrachtungen mit einzubeziehen, jedoch wurden Themen wie zum Beispiel Anbauverfahren, geographische Herkunft und Lebensmittelpreise weiterhin auf den individuellen Bereich bezogen. Die meisten Lernenden gingen nicht auf die Auswirkungen der Nahrungsproduktion auf die jeweiligen Ökosysteme ein und es ließen sich in ihren Aussagen auch keine Hinweise auf die Wahrnehmung einer solchen Verbindung finden. Die Ernährungsorientierungen der Schüler*innen können in egozentrische (Gesundheit, Körperfigur, Sättigung etc.), ethnozentrische (kulturelle Identität, Nahrungsangebot, soziales Umfeld etc.) und altruistische Ernährungsorientierungen (Wohlergehen anderer Gesellschaften, Tierschutz) unterteilt werden. Diese Kriterien für Ernährungsorientierungen spielen für die ernährungsbezogenen Wirklichkeitskonstruktionen der Schüler*innen eine bedeutende Rolle und sollten daher in Lernangeboten berücksichtigt werden. Während die beiden ersteren bei allen Befragten rekonstruiert werden konnten, sind altruistische Orientierungen sehr viel geringer vertreten. Insgesamt erachten die Schüler*innen ihr eigenes Ernährungsverhalten als irrelevant oder wenig relevant für die global auftretende Ungerechtigkeit (vgl. Gralher, 2015, S. 179f.). Die Fakultät für Biologiedidaktik stellte noch eine weitere Studie zu Schülervorstellungen auf. Die qualitative Studie hatte das Ziel erste Hinweise zu den Vorstellungen von Grundschulkindern zur Haltung von Nutztieren in landwirtschaftlichen Betrieben zu liefern und den Einfluss von Primär- und Sekundärerfahrungen auf die Vorstellungen zu ermitteln. Dafür wurden sechs Grundschulkinder zwischen acht und neun Jahren interviewt, die Hälfte davon ist auf einem landwirtschaftlichen Mastbetrieb aufgewachsen und die andere Hälfte in einer Kleinstadt derselben Region. Die Studie zeigt, dass die Kinder teilweise realistische Vorstellungen zur Nutztierhaltung, teilweise jedoch auch sehr antiquarische Sichtweisen besitzen, Primärerfahrungen können hier einen großen Einfluss haben (vgl. Folsche & Fiebelkorn, 2019, S. 57, 61f.).

Die Betrachtung der drei Studien zeigt die Notwendigkeit für die Entwicklung von Lernangeboten im Bereich nachhaltige Ernährung. So kann eine Erweiterung der Ernährungsdenkwelten in den Makrokosmos stattfinden und die Wirksamkeit des eigenen Ernährungsverhaltens begriffen werden. Damit die Lernangebote nicht realitätsfern wirken und damit wirkungslos sind sollten die Ernährungsorientierungen und der starke Einfluss konkreter Alltagssituationen als Anknüpfungspunkte bei der Vermittlung der Lerninhalte berücksichtigt werden (vgl. Gralher, 2015, S. 201ff.). Es sollten mehr Primärerfahrungen auf konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben gemacht oder realitätsnahe Unterrichtsmaterialien genutzt werden. Grundschulkinder bringen nicht unbedingt ein realistisches Bild von einer konventionellen Landwirtschaft mit, können es jedoch entwickeln (vgl. Folsche & Fiebelkorn, 2019, S. 62).

2.4 Verortung im Perspektivrahmen Sachunterricht

Das Thema der nachhaltigen Ernährung wird nicht explizit im Perspektivrahmen beschrieben. Jedoch lassen sich einzelne wichtige Aspekte einer nachhaltigen Ernährung im perspektivenvernetzenden Themenbereich der nachhaltigen Entwicklung und innerhalb der perspektivbezogenen Kompetenzen wiederfinden.

Die perspektivenvernetzenden Themenbereiche verbinden die einzelnen Perspektiven des Sa- chunterrichts miteinander. Der perspektivenvernetzende Themenbereich nachhaltige Entwicklung soll „Schülerinnen und Schüler [...] zur aktiven Mitgestaltung einer an den Prinzipien der ökologischen Verträglichkeit, wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und sozialen Gerechtigkeit orientierten Gesellschaft [befähigen].“ Dabei setzen sie sich „aktiv mit Fragen der Zukunft und der eigenen Lebensgestaltung [auseinander]“ (GDSU, 2013, S. 76f.). Da die nachhaltige Ernährung ein Teilbereich der nachhaltigen Entwicklung ist, entstehen hier viele Ansatzpunkte. Vor allem die inhaltlichen Bezugspunkte und Aspekte „Rohstoffe und ihre Verarbeitungen zu Gebrauchsgegenständen sowie die Frage von Abfall und Wiederverwertung“ und „Konsum, Konsumverhalten und -entscheidungen“ (GDSU, 2013, S. 77) lassen sich sehr gut auf den nachhaltigen Ernährungssektor beziehen. Im Themenbereich der nachhaltigen Entwicklung werden folgende Kompetenzen beschrieben, die die Entwicklung einer nachhaltige Ernährungskompetenz am meisten unterstützen.

Schülerinnen und Schüler können:

- „zum Einkaufen [...] Objekte, Akteurinnen und Akteure, Beziehungen, Prozesse und Veränderungen erfassen und beschreiben“ (GDSU, 2013, S. 78)
- „an Beispielen aus ihrem Alltag (z.B. Trinkwasser, Nahrungsmittel [...]) beschreiben und kommentieren wie wir abhängig sind von unserer Umwelt, von Arbeiten und Dienstleistungen, von Menschen in der Nähe und Ferne (GDSU, 2013, S 78)
- „sich zu ausgewählten Fragen und Themen (z.B. [.] Abfallvermeidung) informieren [...], daraus begründet Stellung beziehen und ggfs. Folgerungen für das eigene Handeln ziehen“ (GDSU, 2013, S. 79)
- „[...] den Umgang mit natürlichen Ressourcen, Pflanzen und Tieren erkennen, beschreiben und einschätzen und dabei eigene Handlungsweisen reflektieren“ (GDSU, 2013, S. 79)
- „Fragen zu Gerechtigkeit (verstanden auch als Fairness im Umgang mit natürlichen Grundlagen [...]) stellen, diesen nachgehen, Vorstellungen und Gedanken dazu austauschen und Handlungsmöglichkeiten für sich selbst und in der Zusammenarbeit und im Zusammenhang mit anderen entwickeln“ (GDSU, 2013, S. 79)

Welche Denk- Arbeits- und Handlungsweisungen und Kompetenzen konkret in den fünf Perspektiven entwickelt werden können wird in den folgenden Abschnitten beschrieben.

In der sozialwissenschaftlichen Perspektive werden vor allem Aspekte der gesellschaftlichen Dimension einer nachhaltigen Ernährung angesprochen. So heißt es innerhalb der Denk-, Arbeits- und Handlungsweise „politisch urteilen“, dass Schülerinnen „ausgewählte Konfliktlösungen nach Kriterien der Gerechtigkeit bewerten (z.B. zu Verteilungsproblemen, zum „Fairen Handel“)“ oder in „gesellschaftsbezogene Handlungen planen und umsetzen“, dass Schülerinnen „Handlungspläne in reale Handlungen umsetzen (z.B. bei Aktionen gegen Kinderarbeit, für nachhaltigen Konsum)“ (GDSU, 2013, S. 32f.). Auch der dritte Themenbereich („das Gemeinwohl“), beschäftigt sich unter anderem mit dem „Fairen Handel“, hier wird zusätzlich die Umweltpolitik und der allgemeine Anspruch der nachhaltigen Ernährung, nämlich die Generationsgerechtigkeit, angesprochen (vgl. GDSU, 2013, S. 35). Im vierten Themenbereich („Kinder als aktive Konsumenten“) heißt es außerdem, dass Schüler*innen „ökologische und soziale Folgen des Konsums analysieren“ und „Produktionsabläufe an ausgewählten Konsumgütern beschreiben“ können, sodass hier Auswirkungen des Lebensmittelzyklus auf Gesellschaft, Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft diskutiert werden können (GDSU, 2013, S. 36).

Die naturwissenschaftliche Perspektive beschreibt schon im Bildungspotenzial die Relevanz der Nachhaltigkeit für Mensch und Natur. Eine spezielle Frage ist hier wie „[..] auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse Orientierungen für einen verantwortlichen Umgang mit der Natur aufgebaut werden können“ (GDSU, 2013, S. 37f.). In der Denk-, Arbeits- und Handlungsweise „Konsequenzen aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen für das Alltagshandeln ableiten“ sollen Schüler*innen „die Notwendigkeit eines verantwortlichen Umgangs mit der Natur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit begründen“ können und daraus „eigene Verhaltenskonsequenzen für den Alltag ziehen“. Hier könnten die Notwendigkeit und der positive Einfluss einer nachhaltigen Ernährung für die Natur thematisiert werden (GDSU, 2013, S. 41). Im Themenbereich „nicht lebende Natur - Stoffumwandlungen“ können die Vorteile des ressourcenschonenden Haushaltens für die Natur mit den Schüler*innen besprochen werden. Hier sollen sie „Möglichkeiten eines nachhaltigen Umgangs mit Energie [...] erkunden und mögliche Handlungsoptionen ableiten“ (GDSU, 2013, S. 43). Kompetenzen im vierten Themenbereich („Lebende Natur - Entwicklungen- und Lebensbedingungen von Lebewesen“) sind, dass Schüler*innen „erkennen, dass Natur und Umweltschutz auf den Erhalt der Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren (Menschen) gerichtet sein müssen“ und „die Verantwortung des Menschen für den Schutz der natürlichen Lebensbedingungen der Wildpflanzen und -tiere sowie eine artgerechte Pflanzung/Pflege der Pflanzen bzw. Haltung der Tiere ableiten“ (GDSU, 2013, S. 45). Innerhalb dieses Themenfeldes können zum Beispiel Vorteile des ökologischen Landbaus für den Schutz der Biodiversität sowie für eine artgerechtere Haltung von Nutztieren besprochen werden. Durch Arbeiten im Schulgarten (vgl. GDSU, 2013, 45) können Schüler*innen außerdem regionale und saisonale Lebensmittel kennen lernen.

Auch die geographische Perspektive besitzt viele Inhalte, in denen Aspekte und Grundsätze einer nachhaltigen Ernährung aufgegriffen werden können. Sie setzt sich unter anderem mit den Fragen auseinander, „wie Menschen in unterschiedlichen Räumen in Beziehung stehen zu natürlichen Grundlagen, wie sie diese nutzen, gestalten, verändern und gefährden [...]“ und „wie Menschen im Sinne eines nachhaltigen Umgangs bei der Gestaltung der natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt teilhaben und mitwirken können“ (GDSU, 2013, S. 47). Diese Perspektive besitzt ein großes Potential die globale Landwirtschaft als Teil des Lebensmittelsektors zu analysieren und ihre Auswirkungen auf Menschen, Umwelt, Kultur, Gesundheit und Wirtschaft zu beschreiben. Schüler*innen sollen „über die Bedeutung von Naturgrundlagen für das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen nachdenken und Überlegungen zum Umgang mit Naturgrundlagen anstellen“ können (GDSU, 2013, S. 52), hier kann über die Vorteile eines nachhaltigen Anbaus und Konsums von Nahrungsmitteln für die Natur nachgedacht werden. Innerhalb des Themenbereiches „Menschen nutzen, gestalten, belasten, gefährden und schützen Räume“ kann über die Themen Warentransporte und die Entsorgung von Müll, sowie über Auswirkungen einer nicht nachhaltigen Ernährung für landwirtschaftliche Bedingungen, wie Klima oder Bodenqualität, diskutiert werden. So können Schüler*innen „die Bedeutung eines nachhaltigen Umgangs mit Naturgrundlagen verstehen (z.B. in der Landwirtschaft [...] oder bei Konsumentscheidungen)“ (vgl. GDSU, 2013, S. 52f.). Im Themenbereich „Entwicklungen und Veränderungen in Räumen“ können Schüler*innen „an kleinen Projekten zur Schonung und zum Schutz von Naturgrundlagen und unseres Lebensraumes mitwirken (z.B. im Bereich Abfall, Mobiliät [...])“ (GDSU, 2013, S. 55). Es kann gelernt werden, wie Verpackungsmüll und Lebensmittelabfälle reduziert und Einkaufswege nachhaltiger gestaltet werden können.

Die historische Perspektive bietet im Perspektivrahmen wenige Ansätze zum Thema nachhaltige Ernährung. Möglich wäre jedoch im Themenbereich „Dauer und Wandel“ den Wandel der Landwirtschaft (Intensivierung, Massentierhaltung) und des menschlichen Konsums (Lebensmittel aus aller Welt immer verfügbar) und deren Auswirkungen zu behandeln. Außerdem können Schüler*innen indem sie „an ausgewählten Beispielen erkennen und beschreiben, dass Veränderungen und Entscheidungen im Heute Auswirkungen auf die Zukunft haben“ die positiven Effekte der Umstellung zu einer nachhaltigen Ernährung erkennen, sodass sie „ihr Verhalten auch mit Blick auf zeitlich folgende Konsequenzen ausrichten“ (GDSU, 2013, S.62).

Die technische Perspektive, bietet die Möglichkeit sich „mit Folgewirkungen von Technik, insbesondere mit Problemen der Umwelt und Sozialverträglichkeit (z.B. Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung)“ im Ernährungssektor auseinanderzusetzen (GDSU, 2013, S. 64). Es kann die Wertschätzung der Schüler*innen für handgefertigte Nahrungsmittel gefördert werden, indem sie „technische Entwicklungen und Arbeitsabläufe analysieren und vergleichen (z.B. Vergleich von Handarbeit mit der automatisierten Fertigung von Brot)“. Die Lernenden haben außerdem die Möglichkeit Berufe des Lebensmittelsektors kennenzulernen und den Aufwand hinter Nahrungsmitteln zu begreifen (vgl. GDSU, 2013, S. 70f.). Dies kann zu einem bewussteren Konsum und einer größeren Bereitschaft für den Kauf von nachhaltigen Produkten führen. Im Themenbereich „Umwandlung und Nutzung von Energie“ können die Schülerinnen verstehen, wie sie „sparsam und bewusst mit Energie [...] im Haushalt umgehen [...] und Handlungsalternativen [.] entwickeln“ (GDSU, 2013, S.71), sodass hier das Energiesparen bei der Zubereitung, Kühlung und Lagerung von Essen diskutiert werden kann.

2.5 Verortung des Themas im Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg

Im Rahmenlehrplan für den Sachunterricht der Jahrgangsstufen 1-4 für Berlin und Brandenburg finden sich Ansätze einer nachhaltigen Ernährungsbildung in allen der acht Themenfelder (Erde, Kind, Markt, Rad, Tier, Wasser, Wohnen und Zeit) des Sachunterrichts wieder. In den fachbezogenen Kompetenzen findet man nur im Bereich „Handeln“ Kompetenzen, die eine nachhaltige Ernährungsbildung unterstützen. So heißt es, dass Schülerinnen „Vorschläge zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen machen und begründen“ können und diese auch umsetzen (vgl. MBJS, 2015, S. 19). Zu jedem der acht Themenfelder des Sachunterrichts werden Themen, Inhalte und Unterrichtsanregungen beschrieben. Im Sachunterricht sind alle acht Themenfelder mit jeweils verschiedenen Themen obligatorisch zu unterrichten. Außerdem können sie durch eigene Themenfelder ergänzt werden. Nachhaltigkeitsaspekte werden explizit in den Zielen der sozialwissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen und geografischen Perspektive genannt. Die Schülerinnen sollen sich demnach mit dem nachhaltigen Handel und dem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen auseinandersetzen. In der geografischen Perspektive werden dabei Themen der nachhaltigen Ernährung wie die Abfallvermeidung, das Mobilitätsverhalten und die gesunde Ernährung genannt (vgl. MBJS, 2015, S. 21ff.). Die Nachhaltige Entwicklung wird als übergreifendes Thema in den Themenfeldern genannt (vgl. MBJS, 2015, S. 28ff.). Die nachhaltige Ernährung wird zwar nicht explizit im Rahmenlehrplan Ernährung erwähnt, jedoch finden sich in allen Themenbereichen des Rahmenlehrplans Ansatzpunkte für Unterrichtsinhalte zu einer nachhaltigen Ernährung wieder.

Im Themenfeld Erde sind vor allem die Inhalte Klimawandel innerhalb des Themas „Wo befindet sich unsere Erde im All und wie ist sie aufgebaut?“ und Gestaltung und Nutzung der Landschaft durch den Menschen sowie Naturschutz und Umweltverhalten im fakultativen Thema „Wie sieht es hier aus und was wächst?“ für eine Behandlung des Themas nachhaltige Ernährung geeignet (vgl. MBJS, 2015, S. 28f).

Das Themenfeld Kind hält in dem Thema „Wie funktioniert unser Körper?“ beim Inhalt essen und trinken Möglichkeiten bereit die gesundheitlichen Aspekte der Ernährung auf den Körper zu behandeln. Außerdem kann innerhalb des Themas „Welche Rechte haben Kinder“ die Kinderarbeit in Entwicklungsländern behandelt werden (vgl. MBJS,2015, S. 30f.).

Das Themenfeld Markt besitzt die meisten Möglichkeiten Konzepte einer nachhaltigen Ernährung im Sachunterricht zu behandeln. So sind Inhalte des Themas „Einkaufen, aber wo und wie?“ zum Beispiel die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Wochenmarkt, Einzelhandelsladen, Bioladen und Supermarkt, die Lebensmittelkennzeichnung und -verschwendung, die Wege zum Einkauf und der Transport des Eingekauften. Passende Unterrichtsanregungen sind der Vergleich von Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Einkaufstüten und das Notieren weggeworfener Lebensmittel in einem Tagebuch. Innerhalb des Themas „Was gehört alles zu einem Markt?“ werden außerdem die genutzten Verpackungen, Materialen und Rohstoffe für Nahrungsmittel thematisiert. In dem Thema „Warum muss man bezahlen?“ soll der Wert von Waren und Dienstleitungen behandelt werden. Hier wäre es zum Beispiel möglich über Gründe für besonders günstige oder teure Preise Nahrungsmittelpreise zu diskutieren. Die Ernte- und Saisonzeiten (regional und global) sollen durch das Thema „Woher kommen Obst und Gemüse?“ aufgegriffen werden. Eine Unterrichtsanregung ist hier auch die Nutzung des Schulgartens, um mit den Schüler*innen eigene Beete anzulegen. Das Thema „Was liefern uns die Tiere?“ behandelt unterschiedliche Formen der Tierhaltung und Tierprodukte. Eine Unterrichtsanregung ist der Besuch eines Tierhaltungsbetriebs. Innerhalb des Themas „Was ist gesunde Ernährung?“ werden nochmals die gesundheitlichen Aspekte der Ernährung als Inhalt genannt. Ein fakultatives Thema für die nachhaltigen Ernährungsbildung innerhalb des Themenfeldes Markt ist das Thema „Wie kommen die Produkte auf und in den Markt?“, hier können der Weg vom Naturprodukt bis zum Lebensmittel, Transportwege und -kosten sowie der globale Markt und der faire Handel thematisiert werden (vgl. MBJS, 2015, S. 32f.).

Der Inhalt Einkaufen (Markt) wird auch innerhalb des Themas „Wovon leben die Menschen?“ im Themenfeld Wohnen aufgegriffen. Außerdem können die Schüler*innen bei diesem Thema auch Berufe im Lebensmittelsektor kennen- und schätzen lernen (vgl. MBJS, 2015, S. 41).

Im Themenfeld Tier werden die Tierhaltung und Tierprodukte innerhalb des Themas „Welchen Nutzen haben Menschen von Tieren?“ als Inhalte genannt (vgl. MBJS, 2015, S. 36f.). Innerhalb des Themenfelds Rad sollen im Thema „Welche Verkehrsmittel und -wege gibt es?“ die Vorteile und Auswirkungen der Verkehrsmittel für Mensch, Tier und Klima miteinander verglichen werden. Hier kann hervorgehoben werden, dass Einkaufswege, wenn möglich, mit dem Rad oder zu Fuß bestritten werden sollten (vgl. MBJS, 2015, S. 34f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 162 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Ernährung als Gegenstand des Sachunterrichts Brandenburger Grundschulen. Eine qualitative Untersuchung
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1.3
Autor
Jahr
2021
Seiten
162
Katalognummer
V990303
ISBN (eBook)
9783346353115
ISBN (Buch)
9783346353122
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Ernährung, nachhaltige Ernährung, BNE, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltige Entwicklung, Grundschule nachhaltigkeit, Unterricht nachhaltigkeit, sachunterricht nachhaltigkeit, nachhaltige Ernährung schule, nachhaltige Ernährung Grundschule
Arbeit zitieren
Alina Zwanziger (Autor), 2021, Nachhaltige Ernährung als Gegenstand des Sachunterrichts Brandenburger Grundschulen. Eine qualitative Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990303

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Nachhaltige Ernährung als Gegenstand des Sachunterrichts Brandenburger Grundschulen. Eine qualitative Untersuchung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden