Im Folgenden soll zunächst genauer darauf eingegangen werden, wie die Differenzierung in Makro-und Mikrostilistik überhaupt aufgekommen ist und wer ihre wichtigsten Begründer und Vertreter sind. Außerdem soll ihre Funktion und ihre Rolle innerhalb der Sprachwissenschaft sowie ihre Positionierung neben ähnlichen Disziplinen der Stilistik erklärt werden. Des Weiteren sollen methodische Probleme, die in Bezug auf eine makro- und mikrostilistische Textanalyse auftreten können, erwägt werden sowie Überlegungen dazu angestellt werden. Der Hauptteil dieser Arbeit wird schließlich aus dem Versuch bestehen, den komplexeren und weitaus seltener thematisierten und erprobten Bereich der makrostilistischen Textanalyse anhand von Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig darzustellen. Dabei sollen vor allem auch die einzelnen Kategorien und Elemente vorgestellt und jeweils verschiedene Ansätze dazu präsentiert werden, denn viele dieser Analysekategorien werden nach wie vor im wissenschaftlichen Diskurs häufig thematisiert und können noch nicht einheitlich definiert und festgelegt werden. Auch auf die Problematik einzelner Stilkonzeptionen der Makroebene vor dem Hintergrund des jeweiligen Forschungsstandes soll eingegangen werden. Wie sich die einzelnen Kategorien konkret in einem Text zeigen können, soll schließlich an Thomas Manns Novelle beispielhaft dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund – Makro- und Mikrostilistik
2.1. Aufkommen der Differenzierung
2.2. Zur Positionierung von Makro- und Mikrostilistik innerhalb der Stilistik
3. Überlegungen zur Methodik und zu möglichen Problemen einer makro- und mikrostilistischen Textanalyse
4. Makrostilistische Textanalyse: Dargestellt am Beispiel der Novelle Der Tod in Venedig von Thomas Mann
4.1. Kommunikationsweisen
4.2. Funktionalstil
4.3. Gruppenstil
4.4. Individualstil
4.5. Epochen- und Zeitstil
4.6. Gattungsstil
4.7. Darstellungsarten und Redewiedergaben
4.8. Erzählverhalten
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und methodischen Herausforderungen der Makrostilistik in der Germanistik. Das zentrale Ziel ist es, die Möglichkeiten einer makrostilistischen Textanalyse aufzuzeigen und diese exemplarisch anhand der Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann praktisch anzuwenden und kritisch zu reflektieren.
- Differenzierung und Positionierung von Makro- und Mikrostilistik
- Methodische Probleme der makrostilistischen Textanalyse
- Analyse der Novelle „Der Tod in Venedig“ unter makrostilistischen Aspekten
- Untersuchung von Funktional-, Gruppen- und Individualstil sowie Epochen- und Gattungsstilen
- Evaluation des Nutzens makrostilistischer Ansätze gegenüber mikrostilistischen Verfahren
Auszug aus dem Buch
4.2. Funktionalstil
Die Kategorie der Funktionalstilistik ist vor allem auf die Prager strukturalistische Schule zurückzuführen und wurde von tschechischen Linguisten und Germanisten erweitert und ergänzt. Dahinter steht der Gedanke, dass sprachliche Äußerungen je nach Gebrauchskontext eine bestimmte Funktion erfüllen und somit durch bestimmte stilistische Merkmale konstituiert sind. Die Funktionalstilistik gibt ein Schema bestehend aus fünf unterschiedlichen Bereichen vor: Stil des Alltagsverkehrs, Stil des offiziellen Verkehrs, Stil der Wissenschaft, Stil der Presse sowie Stil der Belletristik.
Diese Einteilung ist selbstverständlich sehr weit gefasst und müsste noch weiter abgegrenzt und erweitert werden, da auch innerhalb der Funktionalstile wiederum unterschiedliche Stilarten aufeinandertreffen können und sich nicht jeder Text innerhalb dieses Rasters erfassen lässt. Zudem stellen Texte der Belletristik, wie auch diese Novelle, eine Besonderheit dar. Lerchner 1977 äußert sich dazu folgendermaßen:
„Poetische Texte bilden eine spezifische Sorte von Texten und dienen einer spezifischen Art von Sprachkommunikation, die als poetische Kommunikation bezeichnet werden kann; in ihr vermischen sich sprachliche und ästhetische Gesetzmässigkeiten und Funktionen auf eine bisher noch nicht genügend detailliert dargestellte Weise.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die abstrakte Natur des Stilbegriffs und die Schwierigkeiten bei dessen Definition in der germanistischen Sprach- und Literaturwissenschaft.
2. Theoretischer Hintergrund – Makro- und Mikrostilistik: Dieses Kapitel erläutert das Aufkommen der Differenzierung in Makro- und Mikrostilistik und deren Einordnung innerhalb der modernen Stilistik.
3. Überlegungen zur Methodik und zu möglichen Problemen einer makro- und mikrostilistischen Textanalyse: Hier werden grundlegende methodische Probleme und Herausforderungen bei der Durchführung einer makrostilistischen Textanalyse diskutiert.
4. Makrostilistische Textanalyse: Dargestellt am Beispiel der Novelle Der Tod in Venedig von Thomas Mann: Der Hauptteil wendet die zuvor erläuterten makrostilistischen Kategorien praktisch auf Thomas Manns Novelle an.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Relevanz der Makrostilistik für die literaturwissenschaftliche Analyse.
Schlüsselwörter
Makrostilistik, Mikrostilistik, Stilistik, Textanalyse, Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Funktionalstil, Gattungsstil, Individualstil, Epochenstil, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Stilmerkmale, Dekadenzliteratur, Ästhetizismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der makrostilistischen Textanalyse, einer Disziplin, die Texte über die bloße Satzebene hinaus als Ganzheitsstrukturen betrachtet, und erprobt diese Methode.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Makrostilistik, ihre Abgrenzung zur Mikrostilistik sowie die praktische Anwendung von Analysekategorien wie Funktionalstil, Gattungsstil und Erzählverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität makrostilistischer Analysen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit sich diese Methode an einem konkreten literarischen Beispiel wissenschaftlich fruchtbar anwenden lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Literaturrecherche mit einer exemplarischen, qualitativen Analyse ausgewählter Textstellen aus Thomas Manns „Der Tod in Venedig“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene makrostilistische Kategorien wie Kommunikationsweisen, Funktionalstil, Individualstil, Epochenstil, Gattungsstil und Erzählverhalten detailliert an der Novelle analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Makrostilistik, Textanalyse, Thomas Mann, Stilmerkmale sowie der Bezug zu literarischen Strömungen wie der Dekadenz und dem Neoklassizismus.
Wie positioniert der Autor das Werk „Der Tod in Venedig“ innerhalb der Stilistik?
Das Werk dient als Fallbeispiel für eine Künstlernovelle, an der sich insbesondere die für die Belletristik typische ästhetische Funktion und das komplexe Verhältnis von Inhalt und Form exzellent aufzeigen lassen.
Warum gestaltet sich die Analyse des Individualstils bei Thomas Mann so schwierig?
Die Analyse zeigt, dass statistische Methoden und individuelle Stilmerkmale innerhalb des Gesamtwerkes zu stark variieren, um einen eindeutigen, unverwechselbaren „Fingerabdruck“ des Autors zweifelsfrei zu definieren.
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- Anonym (Author), 2020, Elemente und Probleme der Makrostilistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990380