Seemacht im 19. Jahrhundert. Technische Entwicklungen und Rüstung der Seemächte und ihre Auswirkungen

Vom Linienschiff zum Schlachtschiff


Skript, 2021

82 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorgeschichte

2. Die neuen Waffen und Techniken
2.1. Das Geschütz
2.2. Der Panzer
2.3. Wettlauf Panzer – Geschütz
2.4. Der Torpedo
2.5. Die Dampfmaschine

3. Die neuen Schiffe
3.1. Panzerschiffe
3.2. Kreuzer
3.3. Das Torpedoboot
3.4. Das Unterseeboot
3.5. Die Dreadnought

4. Politische Entwicklung
4.1. Großbritannien
4.2. Frankreich
4.3. Russland
4.4. Österreich-Ungarn
4.5. Preußen - Deutschland
4.6. Italien
4.7. Vereinigte Staaten von Amerika
4.8. Japan

5. Marinetheorien
5.1. Seemacht
5.2. Jeune Ecole

6. Die internationalen Rüstungsanstrengungen im Vergleich

7. Flottenrüstung als Wirtschaftsfaktor

8. Das deutsch-englische Wettrüsten
8.1. Die Gefährdung Englands
8.2. Die Dreadnought, eine Rüstungsabschreckung?

9. Konklusion:

10. Anhang
10.1. Tabellen und Statistiken
10.2. Statistiken, Nachweis
10.3. Bildnachweis
10.4. Daten zu im Text genannten Schiffen
10.5. Flottengesetze
Das erste Flottengesetz von 1898
Das zweite Flottengesetz von 1900
Die Novellierungen der Flottengesetze im Rahmen der internationalen Entwicklung
10.6. Wettrüsten in Südamerika
10.7. Wettrüsten in der Ägäis
10.8. Quellen
10.9. Kriege der Zeit

1. Vorgeschichte

Im 17. und 18. Jahrhundert wetteiferten insbesondere Engländer und Franzosen um Kolonien und um die Beherrschung der Meere. Frankreich, obwohl von der Fläche und von der Bevölkerungszahl her größer, hatte gegenüber England einen entscheidenden Nachteil: es besaß Landgrenzen, die geschützt werden mussten. Dies galt um so mehr, als diese Grenzen ringsum den Herrschaftsbereich des Hauses Habsburg berührten. Frankreich fühlte sich dadurch eingekreist und bedroht; nicht zu Unrecht aber auch nicht ganz schuldlos, waren es doch französische Expansionsgelüste gewesen, die die Grenzen im Süden an die Pyrenäen und im Osten gegen den Rhein verschoben hatten. Britannien hatte diese Probleme nicht. Nachdem England, Schottland und Irland, wenn auch gewaltsam, vereinigt waren, hatte das Inselreich keinen äußeren (Land-) Feind zu fürchten und konnte sein Kolonialreich und die Flotte weit­gehend ungestört aufbauen, zumindest solange man sich auf dem Kontinent uneins war.

Im Siebenjährigen Krieg konnte England dem französischen Kontrahenten die Kolonien in Kanada entreißen. Frankreich war auf den europäischen Schlachtfeldern zu sehr engagiert und hatte nicht die zusätzliche Kraft und genug Truppen, um seine Kolonien verteidigen zu können. Die Marine unter dem Lilienbanner musste in den Kämpfen schwere Verluste hin­nehmen, obwohl die französischen Schiffe den englischen nicht nur ebenbürtig, sondern häufig konstruktiv überlegen waren. Jedoch waren die Seeleute der Royal Navy geübter und vielleicht auch disziplinierter als ihre gallischen Gegner, und dies gab in den meisten Fällen den Ausschlag. Die französische Handelsschifffahrt kam dabei fast vollständig zum Erliegen.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg versetzte Frankreich nur wenige Jahre später gegenüber Britannien in eine ungewöhnlich vorteilhafte Lage, war der Kontrahent doch mit den Aufständischen in den nordamerikanischen Kolonien als erbitterten Gegnern zunächst einmal beschäftigt. Zudem band der Krieg, der in einer Entfernung von über 5000 km vom Mutterland ausgefochten wurde, nicht nur wichtige Teile der englischen Land- und Seestreitkräfte sondern auch zahl­reiche Schiffe der englischen Handelsflotte, die nun für die Versorgung der in Übersee kämpfenden Soldaten benötigt wurden. Frankreich sympathisierte zwar mit der Unabhängigkeitsbewegung auf der anderen Seite des Atlantiks und unterstützte sie finanziell und militärisch, jedoch vermied Paris den offenen Krieg mit dem Inselreich und nutzte diese günstige Gelegenheit zur Vernichtung der Royal Navy, den Kern eines jeden Seekrieges, nicht. Da Frankreich mit Spanien im Bündnis stand, wären die vereinten Flotten dazu theoretisch durchaus in der Lage gewesen. Aber auch in dieser Situation hätte wohl die überlegene Seemannschaft der Offiziere und Matrosen der Royal Navy den entscheidenden Ausschlag gegeben.

Die Französische Revolution, deren Ideen und Elan die Königliche Armee unter Ausrufung der levée en masse schnell in ein schlagkräftiges Volksheer verwandelte, das bald die Monarchien Europas das Fürchten lehrte, wirkte sich auf die Marine katastrophal aus. In der Königlichen Armee hatten bereits zahlreiche Offiziere bürgerlicher Herkunft gedient, die nun mit liberté, égalité und fraternité sympathisierten und erfolgreiche Heerführer wurden. Es war auch durch­aus mög­­lich aus dem nicht adligen Unteroffizierskorps geeignete Führer zu gewinnen, und problemlos war die Rekrutierung und Ausbildung des von der Revolution begeisterten Fußvolks. Anders war die Situation in der Marine Royale. Hier waren fast alle Offiziersstellen durch Adlige besetzt, deren Entlassung oder Liquidation durch nichts zu kompensieren war. Die Folge war die Einstellung der Ausbildung, der Zusammenbruch der Disziplin und damit die Lähmung der Flotte. Wenn man weiß wie viel Bord- und Gefechtserfahrung erforderlich ist für eine vorzügliche taktische und strategische Führung, welch strengste Disziplin sowie lange und harte Ausbildung auch der einfachen Mannschaftsdienstgrade für hohes see­männisches wie auch artilleristisches Können auf einem Segelschiff notwendig sind, dann weiß man auch, dass der Wert dieser Marine in der Frühphase der Revolution gering war und auch später selten an den der Royal Navy herankam.

„The Glorious First of June” oder « la Bataille du 13 Prairial an 2 » (1. Juni 1794) zeigte die Schwächen der französischen Marine klar auf, auch wenn es dem Konvoi der Getreideschiffe gelang, Frankreich zu erreichen. Nach dem Verlust von sieben seiner 26 Linienschiffe gelang Admiral Villaret de Joyeuse kein erneuter Vorstoß gegen die feindliche Flotte, obwohl er elf seiner Kriegsschiffe wieder in Linie formieren konnte und auch die englischen Schiffe unter Admiral Howe erheblich gelitten hatten.

In der Seeschlacht von Aboukir am 1. August 1798 besiegte Admiral Nelson mit seinem Geschwader eine gleich starke französische Flotte unter dem Kommando von Admiral de Brueys. Er vernichtete bzw. kaperte fast alle Einheiten und beendete damit Napoleons Ägyptisches Abenteuer.

Mit der Entscheidung am Kap Trafalgar am 21. Oktober 1805 sicherten Admiral Nelson und die Royal Navy dem Britischen Empire schließlich nicht nur den späteren Sieg über das napoleonische Frankreich, sondern auch die unumstrittene Seeherrschaft für die nächsten hundert Jahre - „Britannia ruled the waves“. Auch Spanien, das mit den Briten über Jahrhunderte um die Vorherrschaft zur See gerungen hatte, spielte keine Rolle mehr. Der Union Jack war nun das Zeichen absoluter Herrschaft auf See. Die Linienschiffe, Fregatten und Korvetten der Royal Navy hatten keine ernsthaften Gegner mehr.

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HMS Victory, Admiral Nelsons Flaggschiff bei Trafalgar

2. Die neuen Waffen und Techniken

2.1. Das Geschütz

Über Jahrhunderte war der Vorderlader mit glattem Rohr das Standardgeschütz an Bord der Kriegsschiffe gewesen. Theoretisch konnte man damit bis zu 2 km weit schießen. Die praktische Reichweite dieser Waffe lag allerdings nur bei etwa 300 - 500 Metern. Die Wirkung der Kanonenkugeln war vergleichsweise gering. Meist brachen sie nur kaliber­starke Löcher in die Bordwand. Allerdings stellten die dabei herausgerissenen Holzsplitter ebenfalls eine erhebliche Gefahr für die Mannschaft dar. Sprenggeschosse waren bei Landgeschützen zwar schon länger in Gebrauch, für den Einsatz an Bord waren sie aber zu unsicher und zu wenig wirksam, da sie beim Aufschlag detonierten ohne die Schiffswand zu durchschlagen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 2

Dem französischen Artillerieoffizier und Ingenieur Henri Joseph Paixhans gelang es um 1822 ein Ge­schütz zu konstruieren, welches ein Projektil ver­schoss, das erst nach dem Durchbrechen der Bord­wand explodierte. Die Wirkung in einem Batterie­deck eines Kriegsschiffes war vernichtend. Zum einen tötete oder verletzte die Druck- und die Splitter­wirkung viele Mannschafts­mitglieder, zum anderen ent­zündeten glühende Fragmente das Holz des Schiffes oder gar das vorhandene Schießpulver.

2.2. Der Panzer

Mit derartigen Bombenkanonen zerstörten preußische Küsten­batterien das dänische Linien­schiff Christian VIII bei der Verteidigung von Eckern­­förde 1849, und ein russisches Geschwader, mit Paixhans-Geschüt­zen ausgerüstet, vernichtete am 30. 11. 1853 eine im Hafen von Sinope liegende türkische Flotten­abteilung. Damit war klar, dass Linien­schiffe der bisherigen Bauweise einem Beschuss durch die neuen Waffen nicht würden widerstehen können.

Zum Schutz dagegen entwickelte man, ebenfalls nach Ideen von Paixhans, die eiserne Panzerung. Sie bestand zu Anfang einfach aus Eisenplatten, die auf die hölzerne Bordwand aufgebracht wurden. Bei eisernen Schiffen bewährte sich eine Holzlage zwischen Panzerung und der Außenhaut des Schiffes als dämpfendes Element. Später gelang es mit Zusätzen von Nickel, Chrom und anderen Veredlern so­wie mit Kohlenstoff das recht weiche Eisen widerstandsfähiger zu machen.

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Mit der Kombination von harten Außen- und zähen Innenplatten, getrennt durch stoß­dämp­fende Zwischenschichten aus Holz, entstanden Compound-Panzer, die mit ihren Holzlagen Stärken von bis zu einem Meter erreichen konnten.

Schließlich ermöglichten es die in Amerika von Harvey und in Deutschland von Krupp entwickelten Verfahren zur Härtung der äußeren Schicht von Panzerplatten, die Eigenschaften des Compound-Panzers in einer einzigen massiven Stahlplatte zu vereinigen. Damit stärkte man die Widerstandsfähigkeit gegen Beschuss und senkte gleichzeitig das erforderliche Gewicht für den Panzerschutz.4

2.3. Wettlauf Panzer – Geschütz

Die immer umfangreicher und stärker werdende Panzerung der Schiffe hatte schließlich zur Folge, dass immer größere und durchschlags­kräftigere Geschütze erforderlich wurden, um den Panzer zu bezwingen. Dies (u.a.) nötigte die Konstrukteure zu einer Reduzierung der Rohrzahl. Um trotzdem eine möglichst große Feuerkraft in jede Richtung zu haben, wurde die Haupt­artillerie an Deck schwenkbar aufgestellt. Das geschah entweder in der Form oben offener Barbetten oder mit geschlossenen Drehtürmen. Während die Barbetten den Vorteil des geringeren Gewichts und der einfacheren Konstruktion besaßen, schützten die geschlossenen Türme die Bedienungsmann­schaften viel besser, vor allem vor der Splitter­wirkung der feindlichen Granaten. Zum Standard wurde vorn und achtern je ein Turm mit zwei schweren Geschützen, dazwischen einige mittelschwere Kanonen in Turm- oder Kassemattauf­stellung und dazu leichte Artillerie zur Abwehr von Torpedobooten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

Die Riesengeschütze (bis 43 cm, Italia 1880), die man in den achziger-Jahren des 19. Jahr­hunderts entwickelte, waren zwar in der Lage jede Panzerung der Zeit zu durch­schlagen und ein Schiff mit einem Treffer zu vernichten, aber die Feuergeschwindigkeit dieser Vorderlader war mit einem Schuss alle 5-10 Minuten so niedrig, dass die Wahr­scheinlich­keit eines Treffers beim Gegner gering war. Mit der Entwicklung leicht bedienbarer und sicherer Geschütz­verschlüsse (z. B. System de Bange) und hydraulisch- pneu­matischer Rück­laufbremsen bzw. Vorholern auch für schwere Geschütze konnte die Feuergeschwindigkeit und damit die Trefferwahr­scheinlichkeit auch der schweren Artillerie enorm gesteigert werden.

Die Entwicklung rauchschwachen und vor allem langsamer abbrennenden Pulvers (zuerst Paul M. Vieille, 1886) anstelle des bis dato verwendeten Schwarzpulvers ermöglichte längere Geschützrohre und damit höhere Mündungs­geschwindig­keiten, höhere Durch­schlags­­­leistungen selbst bei kleinerem Kaliber und größere Schussweiten, was u.a. die Gefährdung der großen Schiffe durch die neu entwickelten Torpedos verringerte. Technisch führend war dabei wieder Frankreich.

2.4. Der Torpedo

Die Ursprünge des Torpedos finden sich in nachgeschleppten Sprengladungen oder solchen, die unter Wasser am Bug eines Schiffes mittels einer Spiere befestigt waren. Damit versuchte man das Unterwasserschiff des Gegners zu beschädigen, um ihn so zum Sinken zu bringen. Dabei war vor allem der Angriff mit dem Spierentorpedo ein höchst riskantes Unternehmen, bei dem der Angreifer Gefahr lief frühzeitig im feindlichen Feuer zu enden oder zusammen mit dem Gegner von der eigenen Sprengladung vernichtet zu werden. Erst die Erfindung des österreichisch-ungarischen k.u.k. Marineoffiziers Giovanni Luppis machte aus diesem sehr provisorischen Kriegsmittel eine gefährliche Waffe. Von Federkraft getrieben und von Land aus gesteuert konnte sein Torpedo gegen dicht unter der Küste operierende Fahrzeuge eingesetzt werden. Wegen zu geringer Reichweite wurde die Waffe allerdings von der k.u.k. Marine abgelehnt. Erst als Luppis seinen Torpedo zusammen mit dem englischen Ingenieur Robert Whitehead weiterentwickelt hatte und für den Antrieb komprimierte Luft verwendete, die auf einen Druckluftmotor wirkte, erzielte man brauchbare Ergebnisse.

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A, Gefechtspistole; B, Zünder, C, Ladung, D, Tiefensteuerung; E, Druckluftbehälter; F, Motor; G, Getriebe; H, Schrauben; I, Ruder

Später wurde die Laufleistung der Torpedos dadurch deutlich verbessert, dass die Luft nicht direkt zum Antrieb genutzt wurde, sondern dass man mit ihrer Hilfe eine Flüssigkeit wie Spiritus oder Petroleum verbrannte und die große Menge der dabei entstehenden Abgase nutzte.

Das große Gefährdungspotenzial des Torpedos bestand darin, dass er das wenig geschützte Unterwasserschiff traf und wegen der Dämmwirkung des umgebenden Wassers große Zerstörungen bewirken konnte. Wegen seiner geringen Reichweite von anfangs nur 4-500 m bei geringer Geschwindigkeit waren die Erfolgsaussichten jedoch begrenzt. Allerdings wurden bis zum Beginn des Weltkrieges Laufweiten von ca. 4.000 m bei 37 kn und bei reduzierter Geschwindigkeit sogar fast 10.000 m erreicht.7

2.5. Die Dampfmaschine

Abgesehen von wenigen Ausnahmen war die Besegelung das Mittel für den Antrieb der Kriegsschiffe auf den Ozeanen. Umfangreiche und komplizierte Systeme von Masten, Rahen und Segeln, sowie stehendem und laufendem Gut bildeten das Rigg, dessen Bedienung viel Erfahrung, Geschick und Kraft erforderte. Trotzdem war man mit dieser Antriebsart von den Launen des Windes abhängig. Stürmische wie auch windarme Seegebiete waren eine Herausforderung und oft harte Prüfung für Schiff und Mannschaft. Zudem war die Position zum Wind entscheidend im Gefecht. Die Dampfmaschine versprach Unabhängigkeit von diesen Unwägbarkeiten der Natur. Nachdem sie im 18. Jahrhundert so weit entwickelt und vervollkommnet worden war, dass nicht nur stationäre Maschinen sondern auch Landfahrzeuge damit angetrieben werden konnten, ging man daran, diese Kraftquelle für den Antrieb von Schiffen zu nutzen.

Der erste, der diese Kraftmaschine erfolgreich für solche Zwecke verwendete, war der Amerikaner Robert Fulton im Jahre 1807. Sein Raddampfer North River Steam Boat (später in Clermont umbenannt) war mit zwei Schaufelrädern und einer zusätzlichen Besegelung ausgerüstet und erreichte eine Geschwindigkeit von ca. 4,5 Knoten. Das System wurde schnell verbessert und fand breite Verwendung in der Flussschifffahrt.

1818 lief in New York das Hochsee­dampf­schiff Savannah vom Stapel, das die Strecke New York - Liverpool in nur 26 Tagen bewältigte, davon 18 Tage unter Dampf. Die sperrigen und leicht verwundbaren Schaufel­räder waren für den Einsatz auf Kriegsschiffen allerdings nicht sonderlich geeignet. Probleme bereiteten auch die Dampfmaschinen selbst, da die frühen Exemplare einen niedrigen Wirkungsgrad und damit einen hohen Brennstoffverbrauch hatten. Zusätzlich waren sie dadurch, verglichen mit den Segelschiffen, sehr kostenintensiv. Deutliche Verbesserungen bezüglich des Dampfdrucks und der Dampfsteuerung verringerten den Verbrauch, und die Entwicklung der Schiffsschraube erlaubte einen geschützt unter Wasser liegenden Antrieb. Damit war die Dampfmaschine für Kriegsschiffe tauglich. Allerdings dauerte es fast ein Jahrhundert, bis man ihr so weit vertraute, dass die zusätzliche Besegelung fortgelassen werden konnte. Noch 1889 wettete Konteradmiral Friedrich Hollmann an Bord des Kreuzers Irene mit seinem technikbegeisterten Kaiser Wilhelm II. „dass innerhalb 20 Jahren auf allen Schiffen der Flotte wieder die Takelage (!) eingeführt worden sei“.8

3. Die neuen Schiffe

3.1. Panzerschiffe

Das erste Land, das die britische Vorherrschaft zur See wieder infrage stellte, war ausgerechnet der alte Gegner Frankreich und dies zu einem Zeitpunkt, da beide Länder durchaus freundliche Beziehungen zueinander unterhielten. Im Krimkrieg 1853-56 hatten die beiden Staaten gemeinsam an der Seite des Osmanischen Reiches gegen die Expansions­bestrebungen Russlands gekämpft und der Hohen Pforte schließlich zum Sieg verholfen.

Bedeutung erlangten dabei die franzö­sischen „ batteries flottantes “, welche 1855 im Kampf um die Festung Kinburn an der Mündung des Dnjepr eingesetzt wurden. Aus­gerüstet mit Paixhans-Geschützen zum Verschuss von Sprenggranaten und einem eisernen Panzerschutz waren sie in der Lage gewesen die Küstenbefestigungen zu zerstören, ohne von den dort aufgestellten Landbatterien ernsthaft beschädigt zu werden.

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Ungenügend war an ihnen nur der zu schwach ausgelegte Antrieb.

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La Gloire10

Die logische Weiterentwicklung dieser Fahr­zeuge brachte der französische Konstrukteur Dupuy de Lôme in Toulon im Jahre 1859 mit der Gloire zu Wasser. Neben der Besegelung auch mit einer kräftigen Dampfmaschine ausgestattet, geschützt durch einen Eisen­panzer, der den damals schwersten Geschossen widerstand und mit modernsten Kanonen zum Verschuss von Sprenggranaten bewaffnet, machte sie alle bis dato gebaute Linienschiffe obsolet.

Unabhängig vom Wind manövrierbar, geschützt vor der Wirkung feindlicher Artillerie aber mit der Sprengwirkung der neuen Geschosse tödlich für jeden Gegner, war die Gloire eigentlich revolutionärer als es die Dreadnought ein knappes halbes Jahrhundert später sein sollte. Frankreich hatte auf dem gesamten Gebiet des Kriegsschiffbaues die Führung übernommen.

Die britische Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit der Warrior und der Black Prince, die ein Jahr später zu Wasser kamen, zogen die Engländer gleich. Es entwickelte sich im folgenden Jahr­zehnt ein enormer Rüstungs­wettlauf, der weitere Staaten ergriff. Beschleunigend wirkten sich die Ereig­nisse des amerikanischen Sezessions­krieges aus.

Am 9. März 1862 kam es dabei zur Schlacht von Hampton Roads zwischen den Schiffen USS Moni­tor (die namengebend für vergleichbare Einheiten wurde) und CSS Virginia.

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Black Prince, Schwesterschiff der Warrior

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Zwar konnte keiner der Kontrahenten den ande­ren versenken, eine hölzerne Fregatte und eine Korvette der Union, beide unge­panzert, fielen aber der CSS Virginia zum Opfer. Der Wert der Panz­erung war offensichtlich. So entstanden in der Folgezeit zahlreiche neue, gepanzerte Kriegsschiffe, die „Ironclads“.

Frankreich baute von 1859 bis 1870 neunzehn Linienschiffe des neuen Typs, darunter die zehn Einheiten umfassende Provence -Klasse. Großbritannien ließ sogar 40 Schiffe vom Stapel und sicherte damit weiter seine Vormachtstellung auf den Meeren. In den USA und in Russland entstanden derweil zahlreiche Monitore. Während die gepanzerten Linienschiffe groß genug waren, um hochsee­tauglich zu sein und Waffen und Ausrüstung sowie genug Brennstoff, Proviant und Munition für ein längeres Unternehmen zu tragen, waren die Monitore kleine Fahrzeuge, die zwar ebenfalls stark gepanzert aber nur mit wenigen schweren Geschützen bestückt waren. Zudem besaßen sie nur geringen Freibord und konnten schon bei mäßigem Seegang nicht mehr eingesetzt werden. Damit waren sie zwar billiger als die Linienschiffe aber lediglich bei mäßigem Seegang für den Küstenschutz verwendbar. Die USS Monitor sank so bei schwerer See am 31. Dezember 1862 auf einer Verlegungsfahrt vor Cap Hatteras nach einer Dienstzeit von weniger als einem Jahr.

Zwischen Linienschiff und Monitor entstand mit dem „Küstenpanzerschiff“ ein weiteres Fahrzeug, das zwar wie das Linienschiff die hohe See befahren konnte und allwettertauglich war, dessen begrenzte Vorräte die Einsatzdauer jedoch stark beschränkten. Damit war das Küstenpanzerschiff eine Verteidigungswaffe wie der Monitor und für weiträumige Angriffs­operationen weniger geeignet.

3.2. Kreuzer

Neben den Linienschiffen erlebten auch die Fregatten und Korvetten eine vergleichbare Umwandlung. Bei ihrer begrenzten Größe war es allerdings nicht möglich einen derart umfang­reichen Panzerschutz einzubauen, wie dies bei den Linienschiffen der Fall war. Hier musste ein Panzerdeck genügen, das die vitalen Teile des Schiffes (Maschinen- und Munitionsräume) gegen Splitterwirkung schützen sollte. Hinzu kamen Schutzschilde für die Bedienungs­mannschaften an den Waffen und eine Panzerung des Kommando­standes. Die so entstandenen „Geschützten Kreuzer“ wurden vor allem von Großbritannien und Frankreich in großer Zahl und in unter­schied­lichster Größe gebaut, je nachdem ob sie im Aufklärungs­dienst bei den Linienschiffs­geschwadern oder im Kolonialdienst eingesetzt werden sollten.

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Geschützter Kreuzer

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Panzerkreuzer

Russische Konstrukteure machten den nächsten Schritt. Mit der General-Admiral wurde 1873 auf der Newski-Werft in St. Petersburg der erste Panzerkreuzer (Panzerfregatte) zu Wasser gelassen. Die Panzerkreuzer waren zwar leichter armiert und geschützt als die Linienschiffe, erreichten aber in der Regel höhere Geschwindigkeiten als jene, da sie mit stärkeren Maschinen ausgerüstet waren. Den Geschützten Kreuzern waren sie durch ihre zusätzliche Panzerung in der Wasserlinie und durch eine etwas schwerere Bewaffnung überlegen.

Ihre große Zeit hatten die Panzerkreuzer zwischen 1890 und 1905, als vor allem Großbritannien und Frankreich bedeutende Stückzahlen davon bauten. Ihr Ende kam, als die Royal Navy mit den Schlachtkreuzern der Invincible -Klasse noch stärker bewaffnete und noch schnellere Schiffe in den Dienst nahm.

3.3. Das Torpedoboot

Mit dem selbst fahrenden und z. T. ferngesteuerten Torpedo kam, wie oben dar­gestellt, zu Beginn der Siebziger-Jahre des 19. Jahrhunderts eine neue Waffe ins Spiel. Insbesondere Frankreich und Groß­britannien aber auch Italien und Österreich bauten in rascher Folge zahlreiche kleine Fahrzeuge für den Einsatz im küstennahen Bereich. Der Gedanke, dass ein Schwarm kleiner, aggressiv geführter Torpedo­boote selbst einem großen Linienschiff gefähr­lich werden könnte, fand vor allem bei der Jeune Ecole in Frankreich große Zustimmung. Auch gefielen die Vorteile der niedrigen Baukosten pro Fahrzeug und bei den jüngeren Offizieren die Aussicht auf viele Kommandantenposten. Wenn auch die am Anfang ihrer Entwicklung sehr kleinen Ein­heiten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllten, so entstand aus dem Torpedoboot15

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Schichau-Torpedoboot um 1890

im Zuge der Fortentwicklung (und Vergrößerung) der Fahrzeuge sowie der Torpedos doch eine respektable Waffe, die vielfältig auch auf hoher See eingesetzt werden konnte und schlagkräftig genug war, um einer gegneri­schen Schlachtflotte ernsthafte taktische Probleme zu bereiten. Um dieser Gefahr zu begegnen und die wertvollen Linienschiffe zu schützen, entwickelte die Royal Navy zudem den „torpedoboat-destroyer“. Das war im Grunde genommen ein vergrößertes Torpedoboot, welches in der Lage war auch auf längeren Distanzen eine Hochseeflotte zu begleiten, mit seiner Artillerie angreifende Torpedoboote abzuwehren und seinerseits gegnerische Linienschiffe mit Torpedos zu attackieren.

3.4. Das Unterseeboot

Das Unterseeboot war ein weiterer Torpedoträger, der im 19. Jahrhundert entwickelt wurde um feindliche Kriegsschiffe in Küstennähe zu bekämpfen.

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Mit der 1887 in Frankreich von Gustave Zédé und Henry Dupuis de Lôme gebau­ten Gymnote war, nach zahlreichen Versuchen auch in anderen Ländern, ein brauchbares Gerät entstanden. Zum ur-sprünglichen Elektroantrieb wurde später noch eine Dampfmaschine und schließlich ein Benzin- bzw. Dieselmotor hinzugefügt, womit der Aktionsradius der Boote erheblich erweitert wurde. Damit entstand im U-Boot ein ernsthafter Gegner für die großen Schiffe insbesondere für die einer Blockadeflotte. Zwar wurde die neue Waffe in einigen Ländern, ganz besonders in Groß­britannien, als un­ehrenhaft und inakzeptabel betrachtet, trotzdem interessierte sich selbst die Royal Navy frühzeitig dafür und hatte bis 1910 nach der französischen Marine die größte U-Bootflotte aufgebaut.

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Ictineo II (Barcelona)17

Schließlich entstand aus der anfangs nur für den Nahbereich konzipierten Waffe ein Kriegsfahrzeug, welches die Hochsee befahren konnte und auf Grund seiner langen Seeausdauer und großen Reichweite ein idealer Handelsstörer war. Im 1. Weltkrieg bedrohten deutsche U-Boote schließ­lich die Versorgungslinien des Empire in einem Maß, wie es die kaiserliche Marine mit ihren Über­wasserstreitkräften nie vermocht hätte.

3.5. Die Dreadnought

Der Russisch-Japanische Krieg von 1904/05 führte klar vor Augen, dass die großen Kaliber der Linienschiffe und der Panzerkreuzer schlachtentscheidend waren und die mittleren Geschütze bei den wachsenden Gefechtsentfernungen nur geringen Nutzen brachten, da sie in dieser Situation nicht mehr in der Lage waren, die schwere Panzerung eines Linienschiffes zu durchschlagen bzw. größere Schäden anzurichten. Die Erfahrungen aus der Seeschlacht von Tsushima wurden dann bei allen großen Seemächten bald umgesetzt, sie waren allerdings nichts prinzipiell Neues.

Schon die 1891 entstandene Brandenburg-Klasse der Kaiserlichen Marine führte statt der üblichen zwei Doppeltürme vorn und achtern noch einen dritten schweren Turm mittschiffs und verfügte damit in der Breitseite über eine wesentlich stärkere Feuerkraft als die Standardlinienschiffe der anderen Marinen. Dafür hatten die Konstrukteure auf eine umfangreiche Mittelartillerie verzichtet und nur noch leichtere Geschütze zur Abwehr von Torpedobooten vorgesehen. Allerdings orientierte man sich in Deutschland bei den Folgebauten mehr am englischen Vorbild und entwickelte den eigenen, zukunftsweisenden Entwurf nicht weiter.

1893 hatte die US-Navy bei der Oregon-Klasse ebenfalls einen ersten Schritt in die gleiche Richtung getan. Sie hatte diese Schiffe zusätzlich zur schweren Artillerie mit einem „mittel­schweren“ Kaliber ausgerüstet in der Hoffnung, die wesentlich schneller feuernden Achtzöller könnten die langsameren Zwölfer (bei Oregon 121/2 Zoll) wirkungsvoll ergänzen. Die meisten US-Linienschiffe wurden in den Folgejahren nach diesem Muster armiert. Viele andere Marinen kopierten den amerikanischen Entwurf, der allerdings den Nachteil hatte, dass durch die zwei verschiedenen schweren Kaliber die Trefferbeobachtung und damit die Feuerleitung erschwert wurden. Verschiedene Offiziere der US-Navy schlugen deshalb bereits 1901 vor, die Zahl der schweren Geschütze an Bord zu erhöhen und die Mittelartillerie im Gegenzug zu verringern. Commander H.C. Poundstone unterbreitete 1902 seinen Entwurf eines all-big-gun Schiffs direkt Präsident Roosevelt. Proceedings publizierte dieses Papier im Juni und September 1903.18

Auf seiner Sommerkonferenz 1903 befand der Stab des U.S. Naval War Colleges, dass ein Schlachtschiff bewaffnet mit 12 11- oder 12 Zoll Geschützen in Hexagonalaufstellung drei oder mehr herkömmliche Linienschiffe aufwiegen würden.19 Allerdings hätten solche Schiffe erheblich größer werden müssen als die derzeit im Bau befindlichen und genehmigten, und das war wegen der technischen Vorgaben des Kongresses nicht möglich. Zudem vertraten weiterhin einflussreiche Kreise die Ansicht, die Mischung aus 12’’ und 8’’ Geschützen wäre ausreichend. So verzögerte sich die Planung.

Schließlich wurde 1905 ein Entwurf genehmigt, der auf der Connecticut Klasse basierte. Deren acht mittelschwere Rohre entfielen und wurden ersetzt durch vier 12’’ Geschütze. Damit standen acht schwere Kanonen zur Verfügung, die zukunftsweisend alle in der Mittschiffslinie mit maximalem Bestreichungswinkel aufgestellt waren, wobei Turm B und C jeweils Turm A und D überfeuerten. Somit stand für eine Breitseite die gesamte schwere Artillerie zur Verfügung. Die Feuerkraft der Schiffe war damit die gleiche, welche die Dreadnought mit ihren 10 Kanonen erreichte. Diese optimale Auslegung wurde früher oder später von allen anderen Marinen übernommen. Im Gegensatz zum englischen Schiff waren die South Carolina und die Michigan (Stapellauf 1908) noch nicht mit Turbinen ausgerüstet. Der Standfestigkeit dieser Antriebsart misstraute man in den USA ebenso wie in Deutschland, weshalb man hier wie dort auf die bewährten Kolbenmaschinen zurückgriff und sich mit einer geringeren Geschwindigkeit begnügte.

1903 veröffentlichte der Chefkonstrukteur der italienischen Marine Vittorio Cuniberti im Jane’s den Vorschlag eines „monocalibro“ Linienschiffes,20 er fand aber wohl aus Kostengründen bei der britischen wie der eigenen Admiralität kein Gehör. Erst nach dem Erscheinen der Dreadnought wurde 1907 mit der Dante Alighieri das erste italienische Groß­linienschiff genehmigt und 1910 zu Wasser gelassen.

Die Kaiserliche Japanische Marine hatte bislang ihre großen Schiffe vornehmlich in Großbritannien bauen lassen. Im Jahr 1905 wurde dann auf der Staatswerft Yokosuka mit dem Bau der ersten selbst konstruierten Linienschiffe Satsuma und Aki begonnen (Bauprogramm 1903-04). Die beiden hätten als die ersten Großkampfschiffe in die Geschichte ein­gehen können, hätte der Russisch-Japanische Krieg nicht die Finanzen des Inselreiches strapaziert und den Bau verzögert. Zudem konnten die Briten die Geschütze nicht schnell genug liefern (honi soit qui mal y pense), sodass die beiden Schiffe schließlich „nur“ mit vier 12’’ und 12 10’’ Kanonen ausgerüstet werden konnte statt mit den ursprünglich geplanten zwölf 30,5 cm Geschützen. Damit waren sie zwar auch kampfkräftige Einheiten aber eben doch nur „Vordreadnoughts“.

Bernard Ireland schreibt dazu:

"Laid down before Dreadnought and intended to carry 12-inch guns, she should have been completed as the world's first all-big-gun battleship. However there were not enough Armstrong 1904 pattern 12-inch guns available, and 10-inch guns had to be substituted for all but four of the weapons. Thus, it was that future all-big gun battleships were to be called "dreadnoughts", and not "satsumas." 21

In Deutschland hatte man in den zehn Jahren zwischen 1896 und 1906 20 Standardlinienschiffe nach englischem Vorbild gebaut, obwohl man zuvor mit den Brandenburgs einen eigenen innovativen Typ entwickelt hatte. Seit 1904 befasste sich das Konstruktionsamt der Kaiserlichen Marine mit Studien für ein größeres Schiff. Die ersten Entwürfe entsprachen noch weitgehend dem amerikanischen Muster mit zwei verschiedenen schweren Kalibern (hier 28 cm und 24 cm), dann folgte ein Plan mit acht Rohren von 28 cm. Da die Größe des Schiffes von ca. 15.000 t für die passiven Schutzeinrichtungen als zu gering erachtet wurde, vergrößerte man den Entwurf gleich auf ein Deplacement von 19.000 t, was eine Armierung mit zwölf schweren Geschützen in Zwillingstürmen bei Hexa­gonal­aufstellung ermöglichte. Damit entsprach der Plan konstruktiv ungefähr dem, was die Japaner mit ihren Satsumas ur­sprünglich bauen wollten. Das Typschiff Nassau wurde im Sommer 1907 auf Stapel gelegt und kam ca. acht Monate später zu Wasser. Mit diesen neuen Schiffen verbunden war zwar zwangsläufig die teure Erweiterung des Nord-Ostsee-Kanals, diese war aber sowieso unumgänglich geworden, da auch die Abmessungen der Fracht­schiffe gestiegen waren und moderne Passagierschiffe die Wasserstraße längst nicht mehr passieren konnten.

Es war schließlich Großbritannien, das mit der HMS Dreadnought, die dann einer ganzen Generation von Schiffen den Namen gab, den neuen Typ als erstes zu Wasser brachte. Nach einer Rekordbauzeit von nur 141 Tagen von der Kiellegung bis zum Stapellauf am 10.02.1906 wurde es nach weiteren 286 Tagen am 03.12.1906 in den Dienst gestellt. Es folgte Deutschland mit SMS Nassau (01.10.1909) und wenige Monate später die Vereinigten Staaten mit USS Michigan (04.01.1910). Mit ihrer überlegenen schweren Bestückung und einer durch Turbinen ermöglichten höheren Geschwindigkeit machte die Dreadnought die alten Standardlinien­schiffe obsolet. Dank der enormen heimischen Schiffsbau­kapazität konnte Großbritannien die nötigen neuen Einheiten schnell zu Wasser bringen. Nachteilig war jedoch, dass das Land als Betreiber der größten Flotte (1905 62 Standardlinienschiffe) auch den größten Ersatzbedarf hatte. Zudem war der Abstand zu anderen Seemächten nun bezüglich der neuen Linienschiffe gleich null.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten22

Noch einen zweiten Coup landeten die Briten, und der kam weniger erwartet: Mit der Invincible -Klasse bauten sie in kürzester Folge drei neue Panzerkreuzer, nun „battle cruiser“ - Schlachtkreuzer genannt, die ebenso wie die Dreadnought neue Maßstäbe setzten und die bis dato gebauten Panzerkreuzer entwerteten. Nach der Devise „Geschwindigkeit ist Schutz“ verfügten sie bei in etwa gleicher Panzerung wie ihre Vor­gänger über erheblich stärkere Turbinen statt der alten Kolbendampfmaschinen und somit über eine hohe Geschwindigkeit. Zudem besaßen sie die gleichen schweren Geschütze wie die neuen Linienschiffe und verfügten damit über eine über­legene Artillerie. Eine weitere Runde im Wettrüsten konnte beginnen, ein Wettrüsten, das schließlich im „Großen Krieg“ endete.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

HMS Indomitable23

4. Politische Entwicklung

Will man die Seemächte und den Weg in den Ersten Weltkrieg richtig betrachten, dann genügt es nicht, sich auf die Waffenentwicklung zu beschränken. Politische Entwicklungen, theoretische Grundlagen der Kriegführung und wirtschaftliche Umstände müssen ebenso einbezogen werden.

Die politischen Beziehungen in Europa waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts vor­nehmlich geprägt von Großbritannien, Frankreich, Russland, Österreich-Ungarn und Preußen. Italien war noch im Entstehen begriffen, desgleichen ein geeintes Deutschland. Eine Rolle spielte zudem das Osmanische Reich, dessen Besitzungen auf dem Balkan noch immer Serbien, Montenegro, Bulgarien, Rumänien und Teile Griechenlands umfassten.

Wirtschaftlich gesehen war Großbritannien die führende Nation gefolgt von Frankreich. In den übrigen Ländern war die Industrialisierung noch nicht sehr weit fortgeschritten. Qualität und Quantität der industriellen Erzeugnisse waren nicht mit denen von Großbritannien und Frankreich vergleichbar.

4.1. Großbritannien

Das Vereinigte Königreich befand sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zenit seiner Macht. Geschützt durch seine mächtige Royal Navy hatte es sein Kolonialreich auf allen Kontinenten ausbauen können und war in Afrika und Asien noch mit weiteren Akquisitionen beschäftigt. Die reichen Kohle- und Erzvorkommen des Inselreiches sowie der Erfindergeist des Volkes hatten Großbritannien zum „Workshop of the World“ werden lassen. Forscher und Entdecker erweiterten die Horizonte zum Ruhme der Krone. Ein geknechtetes Proletariat lieferte billige Arbeitskraft.

Ein Grundprinzip der britischen Europapolitik war, wie seit Jahrhunderten, das Gleichgewicht der Kräfte auf dem Kontinent. War dieses stabil, d. h. hielten sich die kontinentalen Staaten gegenseitig in Schach, dann hatte man vom Festland nichts zu befürchten und konnte ungestört die eigenen Interessen durchsetzen. Allerdings bewirkte das Aufkommen neuer sozialer und politischer Vorstellungen sowie die Entwicklung in den europäischen Staaten immer wieder neue politische Konstel­lationen und die Entstehung neuer militärischer und vor allem wirtschaftlicher Machtzentren, durch die sich die Briten herausgefordert fühlen konnten.

Traditionell war das Misstrauen gegenüber Frankreich, der großen kontinentalen Macht, von deren wirtschaftlichen und politischen Ambitionen sich England immer wieder bedroht gefühlt hatte. Besonders die franko-russische Verständigung ab 1891 wurde mit größtem Argwohn beobachtet, war doch eine vereinte französisch-russische Flotte zumindest auf dem Papier fast so stark wie die Royal Navy. Die Flottenpanik von 1893 war eine der Folgen. Zudem sorgten Zwischenfälle beim Wettlauf um neue Kolonien insbesondere in Afrika für weitere Spannungen.

Russland, die größte kontinentale Macht, war ebenfalls ein Grund für permanente Besorgnis. Die russischen Expansionsbestrebungen zielten überall in Gebiete, in denen sie britische Interessen gefährdeten. Die Tatsache, dass Russland bei seiner Ausbreitung überall auf dem Landweg agieren konnte und damit für die Royal Navy nicht zu fassen war, vergrößerte die englischen Befürchtungen. Zudem verstärkten die Wesensfremdheit des slawischen Volkes und die absolutistische Regierungsform des Zarentums das Misstrauen und die Abneigung. Ein Gegengewicht und einen Verbündeten gegen Russland schufen sich die Briten mit dem aufstrebenden Japan. Nachdem die Werften des Vereinigten Königreiches die Kaiserliche Japanische Marine in der Zeit von 1890-1902 mit 35 Kriegsschiffen, darunter sechs Linienschiffe und fünf Panzerkreuzer, hochgerüstet hatten, schloss Großbritannien mit Japan 1902 ein Bündnis, das gegenseitige Hilfe für den Fall vorsah, dass ein Vertragspartner von zwei Gegnern angegriffen wurde.

Eine Herausforderung für Großbritannien war die Einigung Deutschlands nach 1871. Das neue Reich entwickelte sich wirtschaftlich, militärisch und somit machtpolitisch mit einer für die Briten beängstigenden Dynamik. Mit der Verbindung mit Österreich und Italien im Dreibund entstand zudem ein Block, welcher zwar einen defensiven Charakter hatte aber auch (zumindest in den Augen Englands) die Potenz den Kontinent zu beherrschen. Zwar stand dem Dreibund die Doppel­allianz zwischen Frankreich und Russland gegenüber, aber es war zu befürchten, dass insbesondere Deutschland mit seiner stark wachsenden Bevölkerung und Industrie in naher Zukunft zu einem gefährlichen Gegner werden könnte. In verschiedenen Zeitschriften wurde vor dem „German menace“ gewarnt.

Taktlose deutsche Diplomatie bewirkte ein Übriges. Das Krüger-Telegramm von Kaiser Wilhelm nach dem missglückten Jameson-Raid, und die Lieferung Zehntausender Mauser-Gewehre an die Buren machten eine englisch-deutsche Kooperation sehr unwahrscheinlich und förderten eine wachsende „Germanophobie“. Zwar hatten die englischen Aktionen auch andernorts Kritik hervorgerufen, die Staatsoberhäupter und die Regierungen anderer Länder hatten sich aber mehr zurückgehalten als “Shouting Billy“. Von dem Enkel der Queen hatten die Briten sicher mehr diplomatisches Feingefühl erwartet.

Die deutsch Flotte war bis etwa 1898 sicher keine Herausforderung für die Royal Navy. Bis auf wenige Ausnahmen waren ihre Schiffe zu alt oder zu klein um ernst genommen zu werden. Auch das 1. Flottengesetz von 1898 wurde wohl noch hingenommen. Die geplante Vergrößerung des Schiffsbestandes hielt sich mit sieben Linienschiffen, zwei Großen Kreuzern und sieben Kleinen Kreuzern in Grenzen.

Das 2. deutsche Flottengesetz von 1900, das eine weitere Vergrößerung in der Tonnage um ca. 50% und des Linienschiffs­bestandes (einschließlich 8 Küstenpanzerschiffe) um 40% vorsah und der aggressiv betonte Plan des Baus einer „Risikoflotte“ verstärkten das Misstrauen auf den Inseln und bewegten die Admiralität zum Bau einer großen Flottenbasis und eines Stützpunktes im Bereich der Nordsee (Rosyth und Scapa Flow). Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, die Nordsee und ihre nördlichen Ausgänge zu beherrschen. Im Kriegsfall konnten von hier aus Angriffe gegen deutsche Küsten geführt und die Handelswege nach Deutschland kontrolliert werden. Zudem forcierte Großbritannien weiter den Bau von Kriegsschiffen aller Art .24

Schließlich führten die ständigen Differenzen dazu, dass sich Großbritannien an Frankreich annäherte. Dies geschah vor allem nach dem Tode Königin Viktorias unter der Regierung ihres Nachfolgers Edward VII. Dieser hielt wenig vom steifen preußischen Prunk und von seinem Neffen Wilhelm II. Er bevorzugte die leichtere französische Lebensart und forcierte die Annäherung an Frankreich. Die Aussöhnung mit dem alten Rivalen fand 1904 ihren krönenden Höhepunkt im Abschluss der „Entente cordiale“, mit der Großbritannien gleichzeitig die Politik der „splendid isolation“ aufgab. Des Weiteren bauten beide Mächte mit einem Interessenausgleich ihre kolonial bedingten Spannungen ab. Die „Herzliche Übereinkunft“ vertiefte sich 1906, als sich britische und französische Generalstabsoffiziere zu Gesprächen über strategische Fragen trafen.

Schließlich war ein geschwächtes Russland nach dem verlorenen Krieg mit Japan auch kein Schreckgespenst mehr. Eine Annäherung und ein Interessenausgleich wurden auch mit dem Zarenreich möglich.

4.2. Frankreich

Frankreich hatte sich von den Napoleonischen Kriegen und ihren Folgen weitgehend erholt, ebenso von den darauffolgenden politischen Wirren und Umbrüchen. Mit Napoleon III. und dem von ihm errichteten Kaiserreich hatten die Franzosen wieder eine Staatsform und einen Regenten, welche an die glorreichen Zeiten der Grande Nation anknüpften. Die große Zustimmung zu Napoleons Plebisziten (Verfassungsänderung 1851, Kaiser 1852) zeigen, wie sehr das Volk noch mit der traditionellen Staatsform der Monarchie verbunden war. Erfinder, Entdecker und Wissenschaftler wie in Großbritannien mehrten Ruhm, Reichtum und Ansehen des Landes. Ein neues Kolonialreich in Afrika und in Fernost war im Aufbau begriffen. Die zu seinem Schutz erforderliche Flotte stand nach der Royal Navy schon wieder auf Rang zwei.

Für Frankreich brachte der Krimkrieg außenpolitische Fortschritte. Das zweite Kaiserreich konnte sich aus seiner Isolierung lösen und wirtschaftliche, militärische sowie politische Erfolge verbuchen. Sein Verhältnis zu England besserte sich, wenn auch der Inselstaat stets misstrauisch blieb und Unternehmungen, welche die französischen Einfluss­möglichkeiten insbesondere im Mittelmeerraum verstärken konnten, nach Möglichkeit hintertrieb. So nutzte die britische Diplomatie alle zur Verfügung stehenden Mittel, um den von Frankreich initiierten Bau des Suezkanals zu sabotieren. Erst als Großbritannien nach Fertigstellung des Wasser­wegs noch einmal die Gelegenheit bekam große Anteile an der Kanalgesellschaft zu erwerben und damit seinen Einfluss im Bereich Ägypten weiter auszudehnen, gab es seinen Widerstand auf.25 Das relativ gute Verhältnis zwischen dem Kaiserreich und Großbritannien schwand nach der Niederlage von 1871 gegen Preußen und seine Verbündeten und der Gründung der 3. Republik. Rivalitäten bei der Annexion von Kolonialgebieten sorgten zudem immer wieder für Verstimmungen. Frustrierend für die Franzosen war dabei die Erkenntnis, dass ein militärisches Vorgehen gegen das Inselreich wegen der Überlegenheit der Royal Navy unmöglich war. In der Folge kam es zu einer Annäherung zwischen Frankreich und Russland. Frankreich konnte sich davon eine stärkere Position gegenüber Großbritannien und besonders gegenüber Deutschland erhoffen, Russland erhielt dafür Unterstützung gegen Großbritannien, Österreich und das Deutsche Reich. Die Grundlage für eine Umklammerung der mitteleuropäischen Mächte war somit geschaffen.

4.3. Russland

Russland, die größte europäische Macht, war dabei seine Grenzen nach Osten und Süden vorzuschieben. In Fernost drängte das Reich in die Mandschurei, mit der Einverleibung der zentralasiatischen Gebiete Turkmenistan und Kirgisien berührte es die Grenzen zu Afghanistan und Persien und mit seiner Politik gegenüber dem Osmanischen Reich griff es zum Bosporus und den Dardanellen, dem Zugang zum Mittelmeer. Der Bär wollte schwimmen, wollte an warme Küsten. Damit war Russland der große Störenfried in der europäischen Mächtekonstellation, vor allem aus britischer Sicht. Seine Expansionspolitik in Fernost, in Zentralasien und in Osteuropa bedrohte vitale britische Interessen. Das Vordringen in China beeinträchtigte den britischen Handel in dieser Region, die Stoßrichtung Bosporus gefährdete den britischen Einfluss im gesamten Mittelmeerraum und das Vordringen in Richtung Persien und Afghanistan bedrohte das Juwel des Empire, Indien. Nachdem aber Russland bei seinen Expansionen nirgendwo auf den Seeweg zwingend angewiesen war, konnte die Royal Navy zum Nachteil für das Inselreich nur bedingt eingesetzt werden. Trotzdem oder gerade deshalb erzeugte die russische Herausforderung (insbesondere später in Verbindung mit der Allianz mit Frankreich) in England mehrfach Besorgnisse um die Leistungsfähigkeit der Royal Navy (Navy Scare 1893).

Allerdings gelang es Großbritannien vor allem im Krimkrieg (1853-56) gemeinsam mit Frankreich das russische Vordringen zu bremsen und seine übermächtige Stellung auf dem Kontinent zu erschüttern. Auch in späteren Jahren unterstützte London die Hohe Pforte gegen Russland, sodass zwischen diesem und dem Inselreich stets ein gespanntes Verhältnis bestand. Dies änderte sich erst nach dem Russisch-Japanischen Krieg. Nach diesem war Russland als Seemacht weitgehend ausgeschaltet und insgesamt so geschwächt, dass es weder für den Mittelmeerraum noch für den Mittleren und Fernen Osten vorerst eine Bedrohung darstellte. Nun konnte es zur Annäherung zwischen dem Zaren- und dem Königreich kommen und ein Interessen­ausgleich stattfinden. Selbst eine weitreichende britische Kooperation beim Neu­aufbau der russischen Marine sowohl in der Ostsee als auch im Schwarzen Meer war jetzt möglich, eine Unterstützung, die britischerseits vor dem Krieg mit Japan strikt abgelehnt worden war.

4.4. Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn hatte mit solch weltumspannenden Aktivitäten nichts zu tun. Die k.u.k. Monarchie drängte dafür auf dem Balkan nach Süden in das Herrschaftsgebiet des Osmanischen Reiches sowie in die Interessensphäre Russlands vor und versuchte seine Besitzungen südlich der Alpen gegen das im Entstehen begriffene Königreich Italien zu behaupten. Mit diesen Aktivitäten sorgte der wenig stabile Vielvölkerstaat für ständige Spannungen und Konflikte, die schließlich zum Auslöser für den Ersten Weltkrieg wurden. Maritim war Österreich nur in der Adria präsent. Gemeinsam mit der italienischen Flotte waren die österreichischen Schiffe eine Herausforderung für Frankreich und auch für die britische Flotte im Mittelmeer. Ohne die italienische Unterstützung und erst recht gegen ein mit der Entente verbündetes Italien war die österreichische Flotte aber wertlos. Sie konnte einfach in der Adria blockiert werden.

4.5. Preußen - Deutschland

Preußen war um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestrebt, seinen Einfluss im übrigen deutschen Bereich zu verstärken mit dem Gedanken, eine deutsche Einigung mit Preußen als Führungsmacht auf die Wege zu bringen. Mit dem Krieg von 1864 gegen Dänemark, dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 und dem deutsch-französischen Krieg 1870-71 hatte Bismarck schließlich die Reichseinigung unter preußischer Vorherrschaft erreicht. Wie in Italien, so war auch in Deutschland ein friedlicher Zusammenschluss wohl kaum möglich gewesen. Weder hätten die regierenden Fürstenhäuser freiwillig auf ihre Rechte (oder zumindest auf Teile davon) verzichtet, noch hätten die umliegenden Staaten, insbesondere Frankreich, die Entstehung eines großen und in der Zukunft mächtigen Staatsgebildes im Herzen Europas einfach hingenommen. Tatsächlich wurde das neue Kaiserreich auch bald zum Störfaktor im europäischen Konzert der Mächte, obwohl es an seine Nachbarn keine weiteren Gebiets­ansprüche stellte und häufig bereit war bei Konflikten die Vermittlerrolle zu übernehmen.

Frankreichs feindliche Grundhaltung hatte drei Ursachen. Man konnte zum einen den Verlust von Elsass-Lothringen nicht verwinden, eine Region, die während der Französischen Revolution frühzeitig ihre Sympathie mit der Republik gezeigt hatte und deren Bevölkerung trotz ihrer deutschen Sprachzugehörigkeit wohl mehrheitlich französisch dachte. Die Kaiserkrönung im Spiegelsaal zu Versailles, dem ultimativen Symbol französischer Macht und Größe, hatten die Franzosen zudem als böse Erniedrigung empfunden. Die tiefste Schmach aber war wohl die so rasche und vernichtende Niederlage der Armee des Deuxième Empire mit der Entscheidungsschlacht von Sedan und der Gefangennahme des Kaisers. Das Gefühl einem zweitklassigen Gegner unterlegen zu sein, einem rückständigen Preußen und ein paar Duodezfürsten, die durch Napoleon I. erst groß geworden waren, verletzte das Ehrgefühl vieler Franzosen zutiefst und erzeugte Hass gegen den Nachbarn im Osten. Das französische Bedürfnis nach Revanche bestimmte das weitere Schicksal des Kontinents. Zwar konnten die geschickt geknüpfte Bünd­nisse Bismarcks (Zweibund, Dreibund, Rückversicherungsvertrag) Frankreich für einige Zeit politisch isolieren, aber nachdem die neue deutsche Regierung nach dem Rücktritt des „Eisernen Kanzlers“ die Fortführung des Rückversicherungsvertrages mit dem Zarenreich abgelehnt hatte, war eine Annäherung zwischen Russland und Frankreich mit all ihren Folgen nicht mehr zu vermeiden.

[...]


1 HMS Victory, Wikipedia, gemeinfrei

2 Paixhans-Geschütz, Wikipedia, gemeinfrei

3 Verbundpanzerung von SMS Sachsen, Meyers Konversationslexikon 5. Auflage Bd. 13 S. 473, Leipzig 1896, gemeinfrei

4 Zur Widerstandsfähigkeit von Panzerungen siehe Anhang 10.1

5 Verschlusssystem nach Charles Ragon de Bange, Polytechniker und Artillerieoffizier 1872

6 Larousse universel tome second 2 p. 1113, Paris 1923, gemeinfrei

7 siehe Anhang 10.1

8 Hildebrand, Hans, H., Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien . ein Spiegel der deutschen Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart / Hans H. Hildebrand; Albert Röhr; Hans-Otto Steinmetz – Mundus, Ratingen 1. Band, S. 37

9 Batterie flottante Lave, vermutlich 1855 in Cherbourg

10 La Gloire: U.S. Naval Historical Center Photograph. #: NH 59569

11 HMS Black Prince: Wikipedia, gemeinfrei

12 USS Monitor: US Naval Historical Center Photograph # NH 45967 Dieses Bild ist ein Werk der Regierung der Vereinigten Staaten und damit gemeinfrei.

13 Skizze Geschützter Kreuzer: Wikipedia, gemeinfrei

14 Skizze Panzerkreuzer: Wikipedia, gemeinfrei

15 Meyers Konversationslexikon 5. Auflage Bd. 16 S. 984, Leipzig 1897, gemeinfrei

16 Larousse universel tome second 2 p. 981, Paris 1923, gemeinfrei

17 eigene Aufnahme, Barcelona 2008

18 http://en.wikipedia.org/wiki/South_Carolina_class_battleship

19 ebenda

20 Cuniberti, Vittorio, "An Ideal Battleship for the British Fleet", Jane’s All The World's Fighting Ships, 1903, pp. 407–409

21 Jane's Battleships of the 20th Century, text by Bernard Ireland ; illustrations by Tony Gibbons. London 1996

22 HMS Dreadnought: Taschenbuch der Kriegsflotten 1910, München 1910, S. 176

23 HMS Indomitable: Taschenbuch der Kriegsflotten 1914, München 1914, S. 192

24 siehe Statistiken im Anhang

25 vgl.: de Diesbach, Ghislain, Ferdinand de Lesseps, Paris 1998

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Seemacht im 19. Jahrhundert. Technische Entwicklungen und Rüstung der Seemächte und ihre Auswirkungen
Untertitel
Vom Linienschiff zum Schlachtschiff
Autor
Jahr
2021
Seiten
82
Katalognummer
V990511
ISBN (eBook)
9783346362391
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seemacht, jahrhundert, technische, entwicklungen, rüstung, seemächte, auswirkungen, linienschiff, schlachtschiff, Wettrüsten Royal Navy Dreadnought
Arbeit zitieren
Rainer Tröndle (Autor), 2021, Seemacht im 19. Jahrhundert. Technische Entwicklungen und Rüstung der Seemächte und ihre Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990511

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