Diese Arbeit soll keine historische Darstellung liefern, wann Europa christlich wurde beziehungsweise christlich genannt wurde, sondern erarbeiten, wie sich Europa, hier besonders in der Form der Europäische Union und das Christentum trotz oder wegen der Säkularisierung miteinander in Dialog treten können und wie sich ein wertschätzender Diskurs entwickeln kann.
Ebenso soll ein Blick auf den Bezug der katholischen Kirche auf Europa und im Besonderen auf die Europäische Union geworfen werden. Letztendlich soll diese Arbeit einen Überblick über die gegenseitige Bezugnahme geben und den Diskurs, in einigen Schwerpunkten, vom politischen Europa und katholischen Christentum in den Fokus nehmen und deren jeweils eigenen Zugang und Ausgangspunkt erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff des Dialogs
2.1 Annäherung an einen Dialogbegriff über das zweite Vatikanische Konzil
2.2 Dialog als Win-Win-Situation in der Theologie von David Tracy
2.3 Dialog im öffentlichen Bereich
2.4 Zwischenfazit
3 Rechtfertigung der EU und der katholische Kirche als Dialogpartner
3.1 Europäische Union
3.2 Katholische Kirche
3.2.1 Ekklesiologie als Grundlage
3.2.2 Gemeinsames Interesse von Kirche und EU
4 Beteiligte am Dialog
4.1 Dialogführung in der Europäischen Union
4.2 COMECE
5 Zentrale Themen des säkularen Dialogs
5.1 Migration und Asyl
5.1.1 Grundpositionen des Dialoges
5.1.2 Flucht und ihre Chance zum kulturellen Austausch
5.1.3 Bekämpfung der Ursachen
5.1.4 Rolle der Kirche
5.2 Religionsfreiheit
5.2.1 Beobachtung der COMECE zur Religionsfreiheit
5.2.2 Inner-europäische Handlungsfelder der Religionsfreiheit
6 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die Möglichkeiten eines konstruktiven Dialogs zwischen der katholischen Kirche und der Europäischen Union vor dem Hintergrund einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie beide Institutionen trotz unterschiedlicher Logiken als Partner im öffentlichen Raum agieren können, um gemeinsame gesellschaftliche Ziele zu verfolgen.
- Entwicklung eines theologischen Dialogbegriffs (basierend auf David Tracy)
- Rechtfertigung des Dialogverhältnisses zwischen EU und katholischer Kirche
- Struktur und Akteure der Dialogführung (EU-Organe und COMECE)
- Analytische Betrachtung zentraler Themenfelder: Migration, Asyl und Religionsfreiheit
- Herausforderung der Win-Win-Situation in einem säkularen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.3 Dialog im öffentlichen Bereich
Der Dialog im öffentlichen Bereich bedarf natürlich einer besonderen Beachtung, da besonders hier die Notwendigkeit besteht, mit anderen Systemen und ihren Logiken kommunizieren zu können. Vor Allem zwischen den Bereichen des Religiösen und des Säkularen. Die Dialogfähigkeit der verschiedenen Bereiche oder Systeme sieht Tracy darin, dass sich „alle Menschen, egal ob säkular oder religiös, […] neue Fähigkeiten zum vernünftigen Dialog mit den Klassikern aller Traditionen, beginnend mit der eigenen Tradition, aneignen“ können. Hier zeigt sich die Stärke des Dialogbegriffes von Tracy. Zwar haben die verschiedenen Bereiche, wie zum Beispiel Religion und Politik, unterschiedliche Logiken und in den jeweiligen Bereichen wird unter anderen Vorzeichen kommuniziert, dennoch gibt es eine gewisse Basis, welche beiden bzw. allen Bereichen zur Verfügung steht: die sogenannten Klassiker. Unter Klassiker versteht David Tracy das kulturelle Erbe einer Gemeinschaft. Es könnte auch als kulturelles Gedächtnis bezeichnet werden. Er zählt Texte, Personen, Kunst, Religion, andere Kultur-güter aber auch alles Mögliche dazu, welches zum (evtl. unterbewussten) Repertoire der Vernunft und als Grundlage für den Dialog allen Menschen gleich zur Verfügung steht.
Aufbauend auf dieser Basis kann ein vernünftiger und zielführender Dialog geführt werden. Ganz zurecht weist Tracy darauf hin, dass man sich zuerst die eigenen Traditionen – die eigene Basis – aneignen muss, um in einem weiteren Schritt die Basis für den gemeinsamen Dialog zu finden. Somit können auch kirchliche Inhalte nach außen in andere Bereiche kommuniziert werden. Aber dazu muss Theologie und Kirche öffentlich sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz eines Dialogs zwischen dem christlichen Europa und der Europäischen Union ein und skizziert das methodische Vorgehen.
2 Begriff des Dialogs: Es wird ein Dialogbegriff erarbeitet, der durch David Tracys Theologie als offener Austausch definiert wird, der für beide Seiten von Nutzen ist.
3 Rechtfertigung der EU und der katholische Kirche als Dialogpartner: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit und Legitimität der Zusammenarbeit zwischen der EU als politischem Gemeinwesen und der Kirche als religiöser Institution.
4 Beteiligte am Dialog: Es werden die relevanten Akteure des Dialogs vorgestellt, insbesondere die EU-Organe und die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (COMECE).
5 Zentrale Themen des säkularen Dialogs: Anhand der Bereiche Migration, Asyl und Religionsfreiheit wird konkret aufgezeigt, wie der Dialog zwischen COMECE und EU in der Praxis stattfindet.
6 Resümee: Das Fazit reflektiert die Möglichkeiten und Grenzen des beschriebenen Dialogs und hinterfragt, ob die geforderte Win-Win-Situation in der Realität besteht.
Schlüsselwörter
Dialog, Katholische Kirche, Europäische Union, COMECE, Säkularisierung, Migration, Asyl, Religionsfreiheit, David Tracy, Öffentlicher Raum, Politik, Religion, Interkultureller Dialog, Gemeinwohl, Ekklesiologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die katholische Kirche und die Europäische Union als zwei unterschiedliche Systeme in einen wertschätzenden und konstruktiven Dialog treten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Migration, Asylpolitik sowie die Wahrung der Religionsfreiheit im europäischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie ein Diskurs entstehen kann, der nicht auf Überzeugung, sondern auf gegenseitigem Nutzen und gemeinsamen humanistischen Werten basiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theologische und politikwissenschaftliche Analyse angewandt, die insbesondere auf der hermeneutischen Dialog-Theorie von David Tracy aufbaut.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Dialogbegriffs, der Legitimation der Partner, den institutionellen Akteuren und einer Fallanalyse zu Migration und Religionsfreiheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Dialog, COMECE, Säkularisierung, Migration und Religionsfreiheit.
Was ist die spezifische Rolle der COMECE in diesem Dialog?
Die COMECE fungiert als die bischöfliche Einrichtung, die als offizielle Schnittstelle zur EU dient, Entwicklungen beobachtet und kirchliche Positionen in den politischen Diskurs einbringt.
Wie definiert der Autor das Verhältnis zwischen irdischer Kirche und EU?
Der Autor versteht beide als politisch agierende Gemeinschaften, die zwar unterschiedliche Grundlagen haben, aber gemeinsame Interessen in sozialen und ethischen Fragen teilen.
Was bedeutet das Konzept der „Klassiker“ für den Dialog?
David Tracys Konzept der Klassiker bezeichnet das kulturelle und geistige Erbe, das als gemeinsame Basis dient, um zwischen verschiedenen Systemen wie Politik und Religion verständlich zu kommunizieren.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Arbeit?
Die Arbeit stellt in Frage, ob der Dialog über eine reine Transparenz seitens der EU hinausgeht und tatsächlich aktiv als konstruktiver Austausch stattfindet.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Dialog am christlich-europäischen Erbe. Dialog und Dialogfähigkeit zwischen katholischer Kirche und Europäischer Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990532