Kurzreviews des Clearing House Unterricht. Eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Unterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Flipped Classroom
2.1 Zentrale Ergebnisse
2.2 Erstes Unterrichtsbeispiel im Fach Mathematik
2.3 Zweites Unterrichtsbeispiel im Fach Physik
2.4 Fazit Flipped Classroom

3 Concept Maps
3.1 Zentrale Ergebnisse
3.2 Erstes Unterrichtsbeispiel im Fach Physik
3.3 Zweites Unterrichtsbeispiel im Fach Geschichte
3.4 Fazit Concept Maps

4 Fazit

Literaturverzeichn

Anhang:
Anhang 1 Erklärung Modellversuch zur Halbwertsze
Anhang 2 Schulbuchtext zum Thema Mechanische Energieformen
Anhang 3 Schulbuchtext zum Thema Goldene Zwanziger
Anhang 4 Lösung Concept Map Thema: Goldene Zwanziger

1 Einleitung

„Einfach nur Geräte anzuschaffen und in Technik zu investieren, bringt am Ende nichts. Das hat man bereits gelernt, die stehen dann oft an den Schulen herum und kommen nicht richtig zum Einsatz. Das heißt, es ist wichtig, dass die Schulen ein pädagogisches Konzept erarbeiten“ (Tagesschau, 2020). Dieses Zitat von Bildungsforscher Michael Kerres zeigt auf, dass Digitalisierung in deutschen Schulen nicht nur durch neue Technik gelingen kann. In Schulen fehlen Konzepte und Methoden, um die Möglichkeiten der Digitalisierung gewinnbringend einzusetzen. Welche Methoden und Konzepte es gibt, um Unterricht weiter zu entwickeln, erfahren Lehrkräfte durch Weiterbildungen. Dafür gibt es einige Mittel, wie externe Seminare oder Fortbildungen.

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit einer Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Unterricht auseinander, den Kurzreviews des Clearing House Unterricht. Dies sind Metaanalysen, speziell ausgerichtet auf den Kontext Schule und Unterricht. Sie stehen kostenlos im Internet zur Verfügung und können somit von jeder Lehrkraft abgerufen und gelesen werden. Sie fassen auf wenigen Seiten die Erkenntnisse und Daten aus vielen Einzelstudien zusammen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die gewonnenen Erkenntnisse aus zwei Kurzreviews im Schul- und Unterrichtskontext zu präsentieren, anzuwenden und zu erörtern.

In Kapitel 2 und 3 werden zwei Kurzreviews: Flipped Classroom und Concept Maps genauer behandelt, die Ergebnisse der Metaanalysen aufgezeigt und auf Grundlage dieser jeweils zwei Unterrichtsbeispiele beschrieben. Im Anschluss wird jeweils ein Fazit zu den Methoden gezogen. Die Arbeit endet mit einem allgemeinen Fazit zum Thema Kurzreviews.

2 Flipped Classroom

Flipped Classroom, zu deutsch „umgedrehtes Klassenzimmer“, steht dafür den üblichen Ablauf von Unterricht umzudrehen. Der alltägliche Unterrichtsverlauf ist geprägt durch das vermitteln des zu lernenden Inhalts im Unterricht. Die Schüler*innen müssen dieses gelernte Wissen zuhause in Form von Hausaufgaben üben und vertiefen. Flipped Classroom dreht diesen Prozess um. Die Schüler*innen bekommen als Hausaufgabe auf, sich mit dem Lernmaterial zu beschäftigen, meist in Form von Lehrvideos, diese können individuell und selbstständig bearbeitet werden. Die Lernvideos können Arbeitsaufträge enthalten, wie etwa einen Heftaufschrieb anzufertigen oder ein Quiz zu lösen. Die anschließende Phase im Unterricht wird dann als Lernphase zum Üben und Vertiefen genutzt (vgl. Knogler et al., 2020, S.2).

2.1 Zentrale Ergebnisse

Flipped Classroom zeichnet sich dadurch aus, dass der Lernansatz individueller ist, es ist mehr Zeit im Unterricht vorhanden und die Hausaufgaben sind einfacher gehalten. Lernvideos können im eigenen Tempo gegebenenfalls mit Pause oder Rückspulen bearbeitet werden. Da der Input des Lehrstoffes zu Hause erarbeitet wird, bleibt mehr Zeit im Unterricht, um schwierige Aufgaben, Problemstellungen zu bearbeiten, zu differenzieren und die Lehrkraft hat ebenfalls mehr Zeit, den Schüler*innen ein individuelles Feedback zu geben.

In der hier betrachteten Metaanalyse von Knogler et al. wurden Schüler*innen der Sekundarstufe untersucht, zur Vermittlung des Lernstoffes wurden ausschließlich Lernvideos verwendet. Aufgeteilt wurden die Studie in drei Vergleichskategorien, dem Prä-Post-Vergleich, Postvergleich und Veränderungsvergleich (siehe Abbildung 1).

- Im Prä-Post-Vergleich wurde untersucht, ob Schüler*innen mehr oder weniger Wissen nach der Anwendung von Flipped Classroom haben.
- Der Postvergleich untersuchte, ob Schüler*innen die mit Flipped Classroom unterrichtet wurden, einen höheren Lernzuwachs hatten als Schüler*innen, die im regulären Unterricht waren.
- Im Veränderungsvergleich wurde der Effekt untersucht, ob Schüler*innen im Flipped Classroom sich mehr Wissen aneignen konnten als Schüler*innen, die den regulären Unterricht besucht haben (vgl. Knogler et al., 2020, S.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht Veränderungskategorien

Quelle: Knogler, 2020, S.3

In allen drei Vergleichskategorien zeigen sich signifikante und positive Gesamteffekte bezüglich der Leistung der Schüler*innen, mehr als 67% hatten einen größeren Lernzuwachs als Schüler*innen im Regelunterricht (vgl. Knogler et al., 2020, S.4). „Dies kann als Beleg dafür dienen, dass Flipped Classroom Unterricht effektiver sein kann als traditionelle Unterrichtsangebote.“ (Knogler et al., 2020, S.4).

Es lässt sich schlussfolgern, dass Schüler*innen von dem Einsatz des Flipped Classroom Unterrichts in den unterschiedlichsten Schulfächern profitieren, unabhängig von der Länge des Zeitraums, in der diese Umsetzung stattfindet.

Einzelbefunde der Metaanalyse nach Kogler et al. werden ebenfalls in den Vergleichskategorien unterteilt. Im Prä-Post-Vergleich wir die höchste Effektstärke in den Fächern Naturwissenschaften und Technik bei einer Dauer von 4 Wochen oder kürzer gemessen. Quizze im Unterricht zeigen keinen deutlichen Unterschied, auf Quizze nach dem Lernvideo sollte verzichtet werden. Die Nutzung eines Lernmanagementsystems (wie z.B. Moodle) zeigt keinen signifikanten Unterschied. Im Post-Vergleich ist die größte Effektstärke in den Sprachlichen und Geisteswissenschaftlichen Fächer bei einer Dauer von 5 bis 8 Wochen zu finden. Das Durchführen von Quizzen im Unterricht und nach den Lernvideos spielten hierbei keine signifikante Rolle. Es zeigt sich, dass die nicht Nutzung eines Lernmanagements eine größere Effektstärke hat als die Nutzung dieser. Ähnlich wie beim Prä-Post-Vergleich zeigten sich in der Kategorie Veränderungsvergleich höhere Effektstärken in den Naturwissenschaften und Technik bei einer Dauer von 4 Wochen oder geringer, diese sind jedoch nicht so signifikant wie im Prä-Post-Vergleich. Ebenfalls spielen Quizze im Unterricht und nach den Lernvideos keine signifikante Rolle. Die nicht Nutzung eines Lernmanagementsystems hat auch hier, wie im Post-vergleich eine höhere Effektstärke (vgl. Kurzreview 26; Begleitmaterial; Einzelbefunde der Metaanalyse im Überblick, 2020).

Lernvideos sollten dabei nicht länger als zwei bis fünf Minuten dauern, eine Struktur besitzen, Einleitung, Hauptteil, Schluss und einen gewissen Unterhaltungswert besitzen (vgl. Großkurth & Handke, 2016, S.107). Im Weiteren werden zwei Beispiele für Anwendungsmöglichkeiten des Flipped Classroom aufgezeigt.

2.2 Erstes Unterrichtsbeispiel im Fach Mathematik

Das vorgestellte Unterrichtsbeispiel findet in der Sekundarstufe 1 in einer 9. Klasse im Fach Mathematik in einer Unterrichtseinheit (45 Minuten) statt. Thema der Stunde ist der Satz des Pythagoras.

Zur Einführung sollen sich die Schüler*innen als Hausaufgabe zu Hause das von der Lehrkraft erstellte Lernvideo zum Satz des Pythagoras ansehen, einen kleinen Heftaufschrieb erstellen und sich Fragen notieren. Anschließend wird in der darauffolgenden Unterrichtsstunde das Thema durch Klärung der Fragen und einer differenzierten Übungsphase vertieft.

Inhalt des Lernvideos sind:
- Kurzer Exkurs zum Thema Dreiecke, wie Begriffe Kathete und Hypotenuse. Alternativ kann die Lehrkraft auch auf vorhandene Lernvideos zum Thema Dreiecke, etwa der 7. Klasse verweisen, so können Schüler*innen die sich als nicht sicher in dem Thema einschätzen, diese Videos als Einstieg und zur Vertiefung ansehen.
- Erklärung des Satzes des Pythagoras mithilfe einer Zeichnung. In der Zeichnung sind die Hilfsquadrate schon eingezeichnet (siehe Abbildung 2). Daran erklärt die Lehrkraft, wie sich der Satz des Pythagoras beschreiben lässt und wieso dieser mathematisch funktioniert. Wichtige Merkmale werden genannt, wie die Anwendung nur bei einem 90° Winkel im Dreieck und das die Summe beider Quadrate über den Katheten genau so groß ist wie die Summe des Quadrates über der Hypotenuse. Damit wird die Formel a2+b2=c2 eingeführt.
- Ein Beispiel wird vorgerechnet, dabei ist a=3cm, b=4cm und c wird gesucht. Dieses Beispiel rechnet die Lehrkraft Schritt für Schritt vor.
- Als Nächstes wird auf die Umformung der Formel eingegangen, falls sich der rechte Winkel nicht gegenüber der Hypotenuse befindet. (Auch hier könnte die Lehrkraft auf ein anderes Lernvideo zum Thema Äquivalenzumformung in der Klasse 7 verweisen, damit leistungsschwächere Schüler*innen dieses Thema noch einmal wiederholen.) Die Lehrkraft rechnet exemplarisch eine Beispielaufgabe vor, mit Fokus auf die Umformung der Formel. Alternativ kann die Lehrkraft auch als Merksatz formulieren: Liegt der 90° Winkel gegenüber der Kathete a, dann gilt: c2+b2=a2 und Liegt der 90° Winkel gegenüber der Kathete b, dann gilt: c2+a2=b2
- Zum Abschluss fasst der Lehrer noch einmal kurz die Schritte zusammen.

1. Überprüfe, ob das Dreieck einen 90° Winkel (Rechtenwinkel) hat.
2. Stelle die richtige Formel für das Dreieck auf (Welche Seite liegt dem Rechtenwinkel gegenüber).
3. Zahlen einsetzen.
4. Berechnen der Zahl und dann die Wurzel aus dem Ergebnis ziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:Erklärung des Satz des Pythagoras

Quelle: Eigene Abbildung

Die Unterrichtseinheit (45 Minuten) wird dann mit einer Fragerunde gestartet, in der Schüler*innen Fragen zu dem Lernvideo wie auch zu Unklarheiten stellen können. Diese können von leistungsstärkeren Schüler*innen und/oder der Lehrkraft beantwortet werden. Im Anschluss findet eine differenzierte Lern- und Übungsphase statt. Dabei sollen sich die Schüler*innen selbstständig Aufgaben entsprechend ihres Lernniveaus heraussuchen und diese bearbeiten. Die Schüler*innen können diese alleine oder in Kleingruppen bearbeiten, die Lehrkraft steht dabei unterstützend zur Seite. Leistungsstarke Schüler*innen können ebenfalls die Leistungsschwächeren der Klasse bei den Aufgaben unterstützen. Differenziert wird nach G-, M- und E-Niveau. Die Lösungen finden sich an unterschiedlichen Orten im Klassenzimmer, dadurch wird das Konzept der bewegten Schule eingesetzt.

Aufgaben im Bereich G-Niveau beinhalten Berechnungen ohne Umformungen, rein durch Einsetzen von Zahlen und einfaches Umformen. Zum Beispiel: Von einem rechtwinkligen Dreieck ist die Hypotenuse 32 cm und eine Kathete 4 cm lang. Wie lang ist die andere Kathete?

Im M-Niveau könnten Aufgabentypen gestellt werden, die Textaufgaben (z.B. Straßensteigung), Umformungen, Zeichnungen in Koordinatensysteme und Anwendungsaufgaben beinhalten. Zum Beispiel: Die Länge der gesuchten Kathete eines rechtwinkligen Dreiecks beträgt das ¾-fache der Länge der größeren Kathete. Die Länge der Hypotenuse beträgt 7,2 cm. Wie lang ist die gesuchte Kathete?

Aufgaben für die leistungsstärkeren Schüler*innen der Klasse finden sich im E-Niveau. Dies könnten komplexere Textaufgaben oder Transferaufgaben sein, bei denen die Anwendung des Satzes des Pythagoras in Parallelogrammen, Rauten oder geometrischen Körpern, wie einer Pyramide, angewendet werden müssen.

Die Lehrkraft kann während der Stunde die Leistung der Klasse beurteilen und gegebenenfalls eine weitere Stunde zu diesem Thema anhängen oder mit dem nächsten Thema fortsetzen.

2.3 Zweites Unterrichtsbeispiel im Fach Physik

Das vorgestellte Unterrichtsbeispiel findet in einer 10. Klasse im Fach Physik in einer Unterrichtseinheit (45 Minuten) statt. Thema der Stunde ist der Halbwertszeit von Atomen.

Zur Einführung sollen die Schüler*innen als Hausaufgabe das Lernvideo zum Thema Halbwertszeit ansehen, dazu sollen sie sich Fragen notieren, die es eventuell zu klären gilt. In der anschließenden Unterrichtseinheit wird ein Versuch mit den Schüler*innen durchgeführt, welcher ebenfalls im Lernvideo kurz erklärt wird, die Ergebnisse werden am Ende der Stunde zusammengetragen und diskutiert.

Inhalt des Lernvideos sind:
- Kurze Zusammenfassung des bereits Bekannten (Kernzerfall, Zerfallsreihe), mit Verweis auf die vorhandenen Videos, auf die die Schüler*innen zurückgreifen können, um diese Themen nochmals zu wiederholen.
- Erklärung des Begriffs Halbwertszeit und wo dieser auftritt. Auf Atommülllager eingehen. Warum muss Atommüll gelagert werden?
- Am Beispiel von Radium-224, mithilfe eins Diagramms erklären (siehe Abbildung 3).
- Danach wird das Experiment kurz vorgestellt und das Vorgehen erklären.
- Zum Abschluss wird alles von der Lehrkraft zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Halbwertszeit von Radium-224

Quelle: Eigene Darstellung

Die Unterrichtseinheit (45 Minuten) beginnt mit einer Fragerunde, in der die Schüler*innen Fragen zu Unklarheiten stellen können, die dann gemeinsam oder von der Lehrkraft beantwortet werden. Daraufhin wiederholt die Lehrkraft noch einmal die wichtigsten Punkte für den Modellversuch zur Halbwertszeit (siehe Anhang 1). Erst werden die Regeln für Versuche im Unterricht wiederholt, anschließend werden Kleingruppen von drei bis vier Schüler*innen gebildet. Diese zeichnen eine Tabelle ins Heft (siehe Tabelle 1). Währenddessen bekommen sie von der Lehrkraft ein vorgefertigtes Koordinatensystem und 30 Würfel pro Gruppe ausgeteilt. Die Schüler*innen führen anschließend den Versuch durch. Die Lehrkraft sammelt nach und nach die ausgeteilten Koordinatensysteme ein, diese werden verglichen, über die Ergebnisse diskutiert und diese interpretiert. Die Erkenntnisse werden durch die Schüler*innen als Heftaufschrieb formuliert und übernommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kurzreviews des Clearing House Unterricht. Eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Unterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
23
Katalognummer
V990804
ISBN (eBook)
9783346353610
ISBN (Buch)
9783346353627
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flippen Classroom, Concept Maps, Unterricht, Unterrichtsentwicklung, Weiterentwicklung von Unterricht
Arbeit zitieren
Daniel Isele (Autor), 2020, Kurzreviews des Clearing House Unterricht. Eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990804

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kurzreviews des Clearing House Unterricht. Eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Unterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden