Haben menschliche Embryonen im Frühstadium ein Lebensrecht? Eine Diskussion


Hausarbeit, 2018

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Haben menschliche Embryonen im Frühstadium ein Lebensrecht?

Konklusion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Lebensrecht humaner Embryonen wird bezüglich der verbrauchenden Embryonenforschung sowie der Abtreibung immer wieder diskutiert. Im Rahmen der Embryonenforschung herrschen Diskrepanzen zwischen jenen, welche den wissenschaftlichen Fortschritt der Medizin fokussieren und jenen, welche den Schutz der Embryonen im Vordergrund sehen. Faktisch gesehen werden Embryonen meist künstlich erzeugt, um diese zu untersuchen oder zu modifizieren. Hierbei können Veränderungen am Embryo stattfinden, in einigen Fällen dienen die Untersuchungen sogar dem Schutz individueller Embryonen. Besonders umstritten sind jene Forschungen, welche implizieren eine Vielzahl von Embryonen soweit zu verändern, dass diese nicht mehr lebensfähig sind. Es handelt sich hierbei besonders um Forschungen mit embryonalen Stammzellen, von welchen man sich in der Medizin einen großen Mehrwert erhofft.

Die Frage nach dem Lebensrecht menschlicher Embryonen im Frühstadium basiert auf der Frage nach ihrem moralischen Status. Müssen wir Embryonen direkt moralisch berücksichtigen, obwohl sie selbst noch keinen Anspruch auf ihre moralischen Rechte erheben können? Der Wert des Embryos spielt bei den inzwischen zahlreichen moralischen und wissenschaftlichen Debatten eine große Rolle: Ist die zu diskutierende Instanz – der Embryo – ein würdiges menschliches Wesen oder doch nur eine Vielzahl von Zellen, welche lediglich auf biologoscher Ebene zu berücksichtigen ist?

2 Haben menschliche Embryonen im Frühstadium ein Lebensrecht?

Sofern ein Embryo als vollwertiges menschliches Wesen definiert würde, spräche man ihm das Recht auf Leben aufgrund seiner Menschenwürde zu. Diese Gegebenhe impliziere, dass jegliche Art der Embryonenforschung moralisch inakzeptabel und eine Straftat wäre, da „die Würde des Menschen unantastbar“ ist. Außerdem stellt der Mensch einen Zweck an sich dar und darf daher nicht einem ihm fremden Zweck unterworfen werden (vgl. Kant 1785: 79).

Befürworter der Embryonenforschung bestreiten die Implikation von Embryonen in den Begriff der Menschenwürde und stützen die Legitimität ihrer Handlungen auf die Aussage, Embryonen seien nicht der Selbstachtung fähig, welche voraussetzend für das Vorhandensein der Würde eines Wesens sei. Weitergehend fehle Embryonen die Erlebnisfähigkeit als Grundlage eines subjektiven Rechts auf Leben (vgl. Merkel 2001: 4f).

Zunächst ist dem zu entgegnen, dass diese Definition nicht nur Embryonen das Recht auf Menschenwürde verwehrt, sondern ebenso Säuglingen, Kleinkindern, geistig Behinderten, debilen Menschen und Schlafenden (vgl. Spaemann 2001: 49). Selbstachtung setzt bestimmte kognitive Kompetenzen voraus, welche von einem Teil dieser Menschen wohlmöglich nicht erfüllt wird. Das Kriterium der Selbstachtung scheint demnach bereits an diesem Punkt an Wert zu verlieren – es ist ganz offensichtlich moralisch verwerflich Minderheiten das Recht auf ihre Würde zu entziehen. Außerdem widerspreche die Entziehung der Würde dieser Menschen der UNO -Menschenrechtsdeklaration, welche die Freiheit und Gleichheit aller Menschen in Bezug auf ihre Rechte und ihre Würde definiert. Zudem scheint es ebenfalls inkorrekt, dass eine schlafende Person keine Würde besitzt – dieser Punkt wird später präzisiert.

Ein weiterer Einwand, welcher die These für die Würde humaner Embryonen stützt, ist die Zugehörigkeit der Embryonen zu der menschliches Spezies. Es lässt sich schließen:

(1) Jedes Individuum der Spezies Mensch besitzt Würde.
(2) Jeder humane Embryo ist Individuum der Spezies Mensch.

Also: (3) Jeder humane Embryo hat Würde.

Um die erste Prämisse annehmen zu können, müssen folgenden Voraussetzungen gelten:
(1) Die Würde eines Wesens gründet in seinem Vermögen F1 zu sein.
(2) F zu se ist unter den Bedingungen der realen Welt an die biologische Voraussetzung der Zugehörigkeit zur menschlichen Art gebunden.
(3) Würde muss vorbehaltlos anerkannt werden, ohne ihre Anerkennung an den Grad ihrer faktischen Realisierung zu binden oder einem Bestätigungsurteil durch die Gesellschaft zu unterwerfen.

Jedes menschliche Individuum erhebt autonom den Anspruch auf Würde, welcher in der Zugehörigkeit zu der Spezies Homo sapiens sapiens gründet. „Die Einsicht in die Gleichursprünglichkeit aller Menschen führte zu der selbstverständlichen Annahme, daß alle menschlichen Individuen als Angehörige der Spezies Homo sapiens sapiens zugleich Mitglieder der moralischen Gemeinschaft sind, denen ausnahmslos dieselben moralischen Rechte zustehen.“ (Eberhard 2003: 12).

Die Zugehörigkeit der Embryonen zu der biologischen Spezies Mensch schreibt ihnen einen intrinsischen moralischen Status zu, welcher des Lebensschutzes würdig ist. Aus jedem erfolgreichen Zusammenschluss einer humanen Ei – und Samenzelle entsteht bereits ab diesen Moment erkennbar ein Mensch.

Das entscheidende Argument für das Lebensrecht von Embryonen ist das Argument der Potentialität: Jeder humane Embryo besitzt das Potential ein voll ausgebildeter Mensch zu werden. Ein Embryo verfügt zwar nicht aktuell, aber potenziell über jede Eigenschaft, welche für die Zuschreibung des Status als würdiger Mensch voraussetzend ist. Eigenschaften, von welchen man annimmt, dass sie die Würde eines Lebewesens begründen: „Autonomie (…), moralische Autonomie (…), kognitive Fähigkeiten (…), Selbstbewusstsein (…), Präferenzen (…), Wünsche und Leidensfähigkeit.“ (Damschen und Schönecker 2002: 204).

Diese Eigenschaften werden im Folgenden als F- Eigenschaften beschrieben. Es wird die These vertreten, dass die Potentialität der Embryonen, diese F- Eigenschaften auszubilden, ihnen den selben Status zuschreibt, wie einem geborenen Menschen, welcher diese F- Eigenschaften aktuell aufweist. Folgender Schluss wird vertreten:

(1) Jeder lebendige menschliche Körper, der Träger potentieller F- Eigenschaften ist (oder diese hat), hat Würde.
(2) Jeder entwicklungsfähige menschliche Embryo ist ein lebendiger menschlicher Körper, der Träger potentieller F- Eigenschaften ist (oder diese selbst hat).

Also: (3) Jeder entwicklungsfähige menschliche Embryo hat Würde (Damschen und Schönecker 2002: 205).

Um die erste Prämisse zu stützen, muss der Aspekt der Schlafenden erneut aufgegriffen werden. Befürworter der Embryonenforschung vertreten, dass nur das Vorhandensein von F- Eigenschaften als hinreichende Bedingung für Würde akzeptiert wird. Dann gilt:

(Ü1) Aktual F zu sein, ist hinreichend für Würde.

Weitere Überzeugungen, welche nicht ernsthaft bestritten werden können, lauten:

(Ü2) Reversibel Komatöse (sowie Neugeborene und Schlafende) haben Würde ohne, dass sie aktual F sind.

(Ü3) Reversibel Komatöse (sowie Neugeborene und Schlafende) sind potentiell F (Damschen und Schönecker 2002: 206).

Das Zugeständnis der Würde für reversibel Komatöse basiert auf in den Überzeugungen 1-3 enthaltenden Implikationen:

(G) Reversibel Komatöse (sowie Neugeborene und Schlafende) haben würde, weil sie potentiell F sind.

Potentialität für F ist demnach genauso hinreichend für Würde, wie Aktualität von F. Ein reversibel komatöser Mensch unterliegt der menschlichen Würde und darf aufgrund dessen (potentielle F- Eigenschaften) nicht getötet werden.

Es ist anzunehmen, dass die ontologische Verschiedenheit zwischen reversibel Komatösen und Embryonen von Kontrahenten unterstrichen und diese Argumentation daher noch nicht angenommen wird. Dem ist zu entgegnen, dass die Unterschiede der Ontologie in dieser Argumentation definitiv anerkannt werden, ihre Gewichtung fällt jedoch gering aus. Der eigentliche Fokus liegt darauf, was ethisch aus der Verschiedenheit folgt. Die ontologische Verschiedenheit sollte nicht über die moralische Relevanz entscheiden, sondern die zukünftige Gegebenheit von F (denn auch reversibel Komatöse sind zukünftig F und daher zu schützen). Demnach darf bei dem Zuspruch von Würde kein Unterschied zwischen Embryonen und reversibel Komatösen gemacht werden (vgl. Damschen und Schönecker 2002: 209f).

[...]


1 Bezug zu S. 4

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Haben menschliche Embryonen im Frühstadium ein Lebensrecht? Eine Diskussion
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V990816
ISBN (eBook)
9783346353634
Sprache
Deutsch
Schlagworte
haben, embryonen, frühstadium, lebensrecht, eine, diskussion, Ethik, Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch, Moral, Embryo, Philosophie, Beurteilung, moralische
Arbeit zitieren
Lara Witt (Autor:in), 2018, Haben menschliche Embryonen im Frühstadium ein Lebensrecht? Eine Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990816

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