Ist Leben definierbar? Eine Untersuchung der Möglichkeit und Notwendigkeit der Definition von Leben


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Notwendigkeit der Definition von Leben
2.1 Biologische Notwendigkeit
2.2 Ethische Notwendigkeit

3 Hat Leben eine Definition?
3.1 Die Definitionen des Lebens
3.2 Clelands und Chybas These über die Definition von Leben
3.3 Was ist Leben aus der Sicht Koshlands?

4 Konklusion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Biologie definiert sich als die Lehre des Lebens. Sie fand ihren Ursprung als Wissenschaftsdisziplin bereits am Ende des 18. Jahrhunderts und wurde in den weiteren Jahren von bekannten Namen wie Charles Darwin, welcher erstmals die chemische Gemeinsamkeit aller lebenden Wesen beschrieb, geprägt (vgl. Penzlin 2014: 3f). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte man die Biologie den Fesseln der Physik und Chemie langsam entreißen und erkannte:

„Die Biologie ist keine angewandte Physik und Chemie, sondern eine selbstständige Wissenschaft, die nicht nur ihre eigenen Objekte, sondern auch ihre besonderen Gesetzte aufweist.“ (Max Hartmann, 1937).

Das Leben als solches zu erklären, war dadurch möglich es als „spezifisches, eigenständiges Phänomen“ (Penzlin: 7) zu betrachten, wie Aristoteles es tat. Hier trat bereits der erste Philosoph in die Welt der Biologie. Aristoteles kategorisierte alles Seiende in organisch und unorganisch. Anders als auch sein Lehrender Platon, welcher Leben als Teil einer Weltordnung definierte, ist nach Aristoteles alles Lebende jenes, „das das Prinzip der Bewegung und Ruhe in sich besitzt“ (Aristoteles 1995 B1.412b) (vgl. Penzlin: 7).

Auch in den darauffolgenden Jahren und bis zum heutigen Zeitpunkt ergeben sich aus dem Kenntnisstand der Biologie Fragen in der Philosophie. Zu beinahe jedem Themenbereich der Biologie finden sich kritische Thematiken der Philosophie, wie in etwa „‘Artificial Life‘, ‚Evolution and Ethics‘, ‚Cloning‘ oder ‚Problems of classification‘ (vgl. Ruse: contents) Aus der Gegebenheit, dass die Biologie über das Lebende lehrt, bleiben die leitenden Fragen der Philosophie der Biologie die Fragen nach dem Leben. Was ist Leben? Wo fängt Leben an? Und was ist vielleicht kein Leben? Auch die Philosophen Carol E. Cleland und Christopher F. Chyba, stellten sich eine solche Frage: „ Does ‚life‘ have a definition?“

2 Die Notwendigkeit der Definition von Leben

2.1 Biologische Notwendigkeit

Eine eindeutige und geltende Definition von Leben existiert in der Biologie bisher nicht. In den verschiedenen Teilgebieten der Biologie aber auch zwischen dieser und der Physik oder Chemie treten immer wieder unüberwindbare Diskrepanzen bezüglich des Lebensbegriffs auf, was im späteren Verlauf der Arbeit verdeutlicht wird. Man greift teilweise auf fachübergreifende Merkmale zurück, welche das Lebendige als lebend kategorisieren sollen: Bewegung, Reizbarkeit, Stoffwechsel, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung und Vererbung sowie der Aufbau aus Zellen. (vgl. Scholz 2016: 5).

Die Notwendigkeit einer Definition des Lebensbegriffs oder eine Anerkennung von diversen Merkmalen, welche Leben als solches erkennen, ergeben sich aus den verschiedenen Teilgebieten der Biologie (vgl. Sagan 1970: 303)

In der modernen Evolutionsbiologie spielt auch die experimentelle Methodik eine große Rolle: durch die genaue Erforschung der Zellen ist es möglich Verwandtschaftsverhältnisse und die Phylogenese, d.h. die gesamtheitliche Stammesentwicklung, von Lebewesen zu erschließen. Außerdem sind die allgemeinen Merkmale aller Lebewesen der physiologischen Forschung entsprungen (vgl. Kutschera 2008:14f).

In der Forschung der synthetischen Biologie werden beispielswiese DNA Sequenzen einzelliger Organismen rekombiniert und synthetisiert um diese anschließend frei miteinander kombinieren zu können. Ein Teilziel der synthetischen Biologie besteht zudem darin, aus nicht lebenden Makromolekülen lebensfähige Zellen zu erschaffen oder die Basis der natürlichen DNA zu verändern (vgl. Boldt 2013: 364).

Innerhalb des Teilgebiets der Astrobiologie, welches sich mit der Frage nach extraterrestrischem Leben beschäftigt, sind der Lebensbegriff und die Merkmale des Lebendigen signifikant.

„Ein Blick auf das irdische Leben erlaubt […] Aussagen darüber, ob es noch Leben […] anderswo im Kosmos gibt und, […], wodurch es sich eventuell verraten könnte.“ (Scholz 2016: 1).

So steht nicht nur die genaue Erforschung irdischen Lebens im Mittelpunkt der Astrobiologie, sondern auch die Suche nach extraterrestrischem Leben, welche nur dann erfolgreich sein kann, wenn eine Entdeckung als lebendig klassifiziert werden kann (vgl. Scholz 2016: 5). Auch in dem Werk Clelands und Chybas liegt ein Fokus auf Notwendigkeit einer Definition in der Astrobiologie (vgl. Cleland et al. 2007: 333).

Alle Teilgebiete der Biologie verlangen innerhalb ihrer Forschungen demnach nach einem Lebensbegriff, welcher die Klassifizierung eines Organismus als lebendig ermöglicht. Bisher hält man sich an verschiedene Definitionen und Merkmale des Lebendigen was zu verfälschten oder nicht anzuerkennenden Ergebnissen innerhalb der Forschungen führen kann.

2.2 Ethische Notwendigkeit

Wie bereits angedeutet spielt die Frage nach dem Leben auch in der Philosophie eine große Rolle. Leben definierte sich in der Geschichte der Philosophie und im Teilgebiet der Lebensphilosophie vor allem über den Wert und den Sinn des Lebens. Das Leben kann nicht nur auf der Ebene der biologischen Wissenschaft betrachtet werden, welches versucht Leben über bestimmte Merkmale zu kategorisieren, es kann auch auf einer ethischen oder spirituellen Ebene betrachtet werden, welche den Geist impliziert. So definierte Decartes Existenz über den Geist, indem er sagte „ich denke, also bin ich.“ (vgl. Buckingham et al. 2011: 118)

In einigen ethischen Problemen und Dilemmata verbirgt sich die Frage was Leben eigentlich ist und welchen Wert dieses hat, was eine Notwendigkeit einer Definition hervorruft.

Beispielhaft hierfür sind unter anderem die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit der Epigenetik, dem Klonen von Lebewesen, biomischen Menschen oder dem Lebensrecht von Embryonen innerhalb der Gentechnik, welche die Frage nach der Würde eines Lebewesens impliziert.

3 Hat Leben eine Definition?

3.1 Die Definitionen des Lebens

Die Geschichte der Philosophie und Biologie birgt viele Definitionen des Lebens, welche alle gewisse Aspekte im Kern tragen und doch in ihrer Vollkommenheit meist eingeschränkt wirken. Aufgrund der hohen Anzahl verschiedenster Ansätze möchte ich mich auf die allgemein formulierten Definitionen des Lebens, zusammengetragen von Carl Sagan konzentrieren. Auch Cleland und Chyba beziehen sich auf diese Ansätze. Er unterschiedet zwischen fünf verschiedenen Ansätzen der Lebensdefinitionen (vgl. Sagan 1970: 303).

Eine mögliche Definition für das Leben stellt die physiologische Definition dar. Man geht davon aus, dass das Leben ein System ist, welches bestimmte Fähigkeiten besitzt (z.B. Essen, Atmen, bewegen, wachsen). Diese Definition jedoch integriert auch nicht lebendige Entitäten, wie beispielsweise ein Auto, und exkludiert lebensfähige Vorkommen wie Bakterien (vgl. Sagan 1970: 303).

Die metabolische Definition des Lebens beschreibt ein lebendes System als

„[…] an object with a definite boundary, continually exchanging some of its materials with its surroundings, but without altering its general properties, at least over some period of time. “(Sagan 1970: 303).

Auch diese Definition trifft auch auf nicht Lebendiges, wie etwa eine Flamme, zu: sie kann in eindeutiger Gestalt auftreten, wie etwa die Flamme einer Kerze, sie wird aufrechterhalten von ihrer Molekülstruktur, sie produziert Kohlenstoffdioxid und Wasser und sie besitzt die Fähigkeit des Wachstums (vgl. Sagan1970: 304).

Die biochemische Definition des Lebens, auch die molekularbiologische Definition, definiert das Leben als ein System, welches reproduzierende Erbinformationen in Nuklid-Säure-Molekülen codiert und welche mithilfe eines Katalysators die chemischen Reaktionen des Metabolismus kontrolliert. Die Problematik dieses Ansatzes liegt in der Implikation, dass es auch möglich wäre ein System zu erschaffen, welches alle Eigenschaften von Leben besäße, „it would still not be alive if it lacked the molecules that earthly biologist are fond of – and made of.“ (Sagan 1970: 304).

Bei dem folgende Definitionsansatz handelt es sich um den genetischen oder Darwin’schen Definitionsbegriff. Es wird davon ausgegangen, dass das Leben ein System darstellt, welches fähig zur Evolution durch natürliche Selektion ist. Innerhalb der genetischen Definition sind die Replikation und die Voraussetzung, dass ein bestimmtes Level der Komplexität niemals ohne natürliche Selektion erreicht werden kann, woran erneut die allgemeine Gültigkeit scheitert. Hierbei steht der Ausschluss von künstlichen Leben, Viren und Computerleben im Fokus (vgl. Sagan 1970: 305).

Zuletzt beschreibt Sagan die Gesetze der Thermodynamik, um die thermodynamische Definition vorzustellen. Die Thermodynamik unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Systemen, wobei offene Systeme sich mit ihrer Umgebung austauschen, geschlossene Systeme hingegen sind von ihrer Umwelt isoliert. Ein weiteres Gesetz besteht darin, dass keine Prozesse die Entropie eines geschlossenen Systems verringern kann. Demnach müsste die Entropie lebender Systeme steigen – daraus folgt, dass Leben an Zellen gebunden ist, welche eine semipermeable Membran besitzen (vgl. Sagan 1970: 305).

„Auf Grund der Hauptsätze der Thermodynamik ist Leben an Zellen gebunden, die im wässrigen Milieu Energie transformieren, im Inneren Negentropie durch Synthese von Makromolekülen auf Kohlenstoffbasis akkumulieren, und dies durch verstärkten Entropie-Anstieg in ihrer Umgebung kompensieren.“ (Nies 2007).

Wie auch Sagan am Ende seines Werkes feststellte: „[…] das Leben ist etwas kompliziertes“ (Sagan 1970: 305, Original übersetzt). Dennoch versuchen Wissenschaftler seit jeher sich dieser enormen Thematik anzunehmen, da es sie unmittelbar betrifft; wie auch Cleland und Chyba feststellten und sich ihrer annahmen.

3.2 Clelands und Chybas These über die Definition von Leben

Carol E. Cleland von der Universität Colorado und Christopher F. Chyba von der Princeton Universität veröffentlichten 2007 ihr Werk mit dem Titel „Does ‚life‘ have a definition“, in welchem sie die These vertreten, dass eine Definition von Leben nicht uneingeschränkt möglich sei. Sie behaupten, dass versucht wird Leben zu definieren bevor ein eigentliches Verständnis für Leben existiert, wie beispielsweise bei dem Versuch im 16. Jahrhundert Wasser zu beschreiben ohne das Wissen über die Existenz von Molekülen. H2O ist sei beste Antwort auf die Frage was Wasser ist – jeder vorherige Versuch Wasser zu analysieren könne Wasser nicht gleichermaßen gut beschreiben (vgl. Cleland et al. 2007: 326).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist Leben definierbar? Eine Untersuchung der Möglichkeit und Notwendigkeit der Definition von Leben
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V990818
ISBN (eBook)
9783346353573
ISBN (Buch)
9783346353580
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, eine, untersuchung, möglichkeit, notwendigkeit, definition
Arbeit zitieren
Lara Witt (Autor), 2018, Ist Leben definierbar? Eine Untersuchung der Möglichkeit und Notwendigkeit der Definition von Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990818

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist Leben definierbar? Eine Untersuchung der Möglichkeit und Notwendigkeit der Definition von Leben



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden