Die Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus. Konformität oder Widerstand?


Facharbeit (Schule), 2016

16 Seiten, Note: 13,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Haltung des Nationalsozialismus zur Kirche

3. Anfängliche Reaktion der Kirchen auf den aufkommenden Nationalsozialismus
3.1 Evangelische Kirche und Nationalsozialismus
3.2 Katholische Kirche und Nationalsozialismus

4. Kirchen während des Nationalsozialismus
4.1 Katholische Kirche
4.2 Evangelische Kirche

5. Haltung von Kirche und Nationalsozialismus zum Judentum
5.1 Nationalsozialismus und Judentum
5.2 Kirche und Judentum

6. Widerstand
6.1 Widerstand im Allgemeinen
6.2 Bekennende Kirche
6.3 Widerstand Einzelner

7. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die 1930er Jahre waren geprägt von einer Weltwirtschaftskrise und den daraus re­sul­tierenden Problemen. Vor allem die Weimarer Republik war stark von ihr be­trof­fen, weshalb die Arbeitslosigkeit und die damit verbun­de­ne Unzufrie­den­heit in der Bevölkerung sehr hoch war. Denn die Menschen hatten wenig Geld und nicht ausreichend zu Essen. Zwar war der Großteil der Bevölkerung arbeits­willig, aber sie fanden trotzdem kaum Arbeit. Deshalb mussten die Arbeitslosen zur Erwerbslosenfürsorge, von der sie aber nicht genug Geld bekamen, um men­schenwürdig zu leben. Viele machten die Po­li­t­ik für diese Missstände verant­wort­lich und sehnten sich nach einer Verände­rung. Die Nationalsozialisten verspra­chen in dieser Si­tu­ation die Wiederherstellung der nationalen Ehre, Überwindung der Not und Arbeits­losigkeit sowie die Beseitigung der Klas­sen­unterschiede. So­mit gewann die Partei immer mehr Wähler und schuf so und mit der skrupellosen Beseitigung politischer Gegner den Weg für die Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933.

Da damals etwa 96% der deutschen Bevölkerung in der Kirche waren, wurde die Partei natürlich auch von vielen Christen gewählt. Denn die Nationalsozialisten und besonders Hitler gaben sich vor der Machtergreifung sehr kirchenfreundlich, um ein möglichst großes Spektrum von Wählern anzusprechen. Dabei sind die grund­sätzlichen Wertevorstellungen der Kirche und des Nationalsozialismus un­ver­­einbar: Denn die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus steht im kompletten Gegensatz zur Gleichheit der Menschen und zur Nächsten­liebe, die in der christlichen Religion gepredigt wird. Des Weiteren war im Na­tional­sozialismus kein Platz für Religion, da dieser selbst wie eine Re­li­gion gelebt werden sollte. Dies verdeutlicht auch ein Zitat Hitlers aus dem Jahr 19411: „Der Krieg wird sein Ende nehmen, und ich werde meine letzte Lebensaufgabe darin sehen, das Kirchenproblem noch zu klären. Erst dann wird die deutsche Na­tion ganz gesichert sein.“ Hier wird deutlich, dass ein Konflikt zwischen Kirche und Nationalso­zialis­mus vorprogrammiert war.

Doch all dies ignorierte die Kirche, so dass es zu keinem großen, vereinten Wider­stand ihrerseits kam. Zum einen, weil viele Menschen Angst vor den möglichen Konsequenzen hatten, zum anderen aber auch, weil die Kirche und der National­so­zialismus einige gemeinsame Interessen und Ziele hatten. Dabei hat die Kirche, wie so viele, die Politik der Nationalsozialisten und deren Auswirkungen unter­schätzt, bis es letztlich zu spät war.

In der Nachkriegszeit verneinte die Kirche ihre Mitschuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten. Doch ist es sehr fraglich, ob der Nationalsozialismus in die­sem Ausmaß hätte geschehen können, wenn es keine Zusammenarbeit mit der Kir­che gegeben hätte. Denn die Kirche hatte damals noch einen wesentlich größe­ren Einfluss auf die Gesellschaft als heute.

2. Haltung des Nationalsozialismus zur Kirche

Zur Zeit der Gründung der NSDAP Anfang der 1920er Jahre gab sich die Partei öffentlich größten­teils kirchenfreundlich. Dies geht auch aus dem Parteiprogramm vom 24. Februar 1920 hervor, in dem in Artikel 24 die christliche Grundhaltung betont wird2: „Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Chris­ten­tums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden.“ Wei­ter­hin hatte Hitler die Vorstellung, dass er in der Bekämpfung des Judentums als Werkzeug einer „gött­li­chen Vorsehung“ handele. Es gab aber auch einige sehr kir­­­chen­kritische Positionen in der Partei, für die es keinen Platz für die Kirche in der Gesellschaft gab. Hitler wusste aber natürlich, dass er bei einer zu kirchen­feind­lichen Position keine Chance auf politischen Erfolg gehabt hätte. So formu­lier­te Hitler im Jahr 19243: „Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläu­bigste Protestant ne­ben dem gläu­bigsten Katholiken sitzen, ohne je in den gerings­ten Gewissens­kon­flikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen.“ So wurden die ex­trem kir­chen­­kri­tischen Parteimitglieder in ihre Grenzen verwiesen oder sogar, wie 1928 der NS-Gauleiter Artur Dinter, aus der Partei entfernt4.

Auch während der weiteren Entwicklung der Partei gaben sich die National­so­zialis­ten kirchenfreundlich. So betonten sie vor der Machtergreifung am 30. Januar 1933 noch einmal, wie wichtig das Christentum für sie sei. In einer Rund­funk­ansprache im Februar 1933 sagte Hitler5: „Möge der all­mäch­tige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Wil­len recht ge­stal­ten, unsere Einsicht segnen und uns mit dem Vertrauen unseres Vol­kes be­glücken.“ Nach Strohm hoben führende Nationalsozialisten immer wieder die Bedeutung der christlichen Kirchen im Kampf gegen den Bolschewismus hervor.6

In seiner Regierungserklärung sicherte Hitler den christli­chen Kirchen nicht nur ganz allgemein den Schutz und die Förderung des Staates zu, sondern ga­ran­tierte zudem ihre rechtliche Unantastbarkeit7. Tatsächlich aber kam es bereits im Früh­jahr 1933 „zu vielfachen Bedrohungen, Belästigungen und Misshandlungen von Mitgliedern katholischer Verbände“8. So bezeichnet Ludwig Wolker das, was den katholischen Verbänden angetan wird, als „maßlose Hetze“9. Somit versuchte Hit­ler die katholische Kirche von Anfang an zu unterdrücken und zu beherrschen.

Diese von Strohm so genannte „Beschwichtigungstaktik“10 führte dazu, dass viele Kir­chen­angehörige den wahren Charakter des Re­gi­mes verkannten und es unter­stützten. Auch wurden die ersten Vorfälle, die in keiner Wei­se mit der Idee des Christentums und vor allem der Nächstenliebe vereinbar waren, nicht bewusst ge­nug wahrgenommen. So z.B. der „Nichtarier-Paragraphen“, der am 7. April 1933 erlassen wurde und die Entlassung aller Beamten mit einem jüdischen Eltern- oder Großelternteil verfügte.11 Denn hier „zeigten sich erstmals die konkreten Aus­wirkungen der nationalsozialistischen, pseudoreligiösen Rasseidee auf die Um­gestaltung des Reiches.“12 So kam es nach und nach zu immer mehr kirchen­feind­lichen Maßnahmen des Re­gimes. Auch das im Sommer 1933 mit der ka­tho­lischen Kirche vereinbarte Konkor­dat führte nicht zu einer Bes­se­rung, da die Nationalsozialisten die dort be­schlossenen Regelungen nicht ein­hielten.

Ein nächster Schritt in der Entwicklung ereignete sich im Juli 1934, als führende Repräsentanten der katholischen Kirche ermordet wurden. Überdies wurden 1936 eine Vielzahl von Prozessen gegen katholische Geistliche wegen angeblicher Sitt­lich­keitsverbrechen geführt13.

Nach der Eingliederung Österreichs am 13. März 1938 beseitigten die Natio­nal­sozialisten nahezu sämtliche Privatschulen, vor allem die Ordens- und Klos­ter­schulen.

Zu Beginn des Kriegs im Jahr 1939 änderte sich die Haltung zu den Kirchen. Hitler verbot jede Maßnahme gegen die ka­tho­lische oder evangelische Kirche. Im Jahr 1940 betonte er, dass „alle nicht unbedingt notwendigen Maßnahmen zu vermeiden“ seien „die das Verhältnis des Staates und der Partei zur Kirche ver­schlech­tern könnten.“14 Diese Anweisungen veranlassten größtenteils einen vor­läu­figen Aufschub des Ver­nichtungskampfes der Nationalsozialisten gegen die Kir­che. Aber es kam im­mer noch zu einigen Maßnahmen gegen die Kirche wie z.B. den im Januar 1941 von Martin Bormann veranlassten Klostersturm, dem in­ner­halb eines halben Jahres 120 Kloster zum Opfer fielen.15

In den im Osten eroberten Gebieten ging das Regime, anders als im „Altreich“, sehr viel strikter gegen die Kirchen vor. So gab es am 14. März 1940 eine 13 Punk­te umfassende Anordnung des Gauleiters des Reichsgaues War­the­land, Ar­thur Grieser, in der die Kirchen zu Religionsvereinen ohne staats­kir­chenrechtliche Relevanz herabgestuft wurden16. Diese Anordnung rief viele Proteste hervor, weit über die betroffenen Gebiete heraus, da es offen­sicht­lich war, dass es sich hier um ein „Modell für die zukünftige Liquidierung der Kirchen auch für andere Gebiete“ handelte17.

Gegen Ende des Krieges wurde die Situation der Kirchen immer aussichtsloser, die kirchlichen Einrichtungen wurden weitgehend für Zwecke der Kriegsführung vereinnahmt. Trotzdem bemühte sich Hitler aber, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen, da für ihn der Krieg und die „Judenfrage“ an erster Stelle standen. An­ge­sichts der aufkommenden Ge­gen­­offensive war in den letzten beiden Jahren des Krieges keine Zeit mehr, um den Vernichtungskampf gegen die Kirche zu be­en­den.

3. Anfängliche Reaktion der Kirchen auf den aufkommenden Nationalsozialismus

3.1 Evangelische Kirche und Nationalsozialismus

In der evangelischen Kirche gingen die Meinungen über den Nationalsozialismus weit auseinander.18 Dabei hielten sich vor allem die Kir­chenleitungen zurück, da sie politisch neutral bleiben wollten. Im Gegensatz dazu waren das Kirchenvolk und die Pfarrer nationalsozialistischem Gedankengut oft wohlgesonnen. So geht aus einer Analyse des Wahlverhaltens am Ende der Wei­marer Republik hervor, dass „eine im Vergleich zu katholischen Milieus re­la­tiv große Offenheit der pro­testantischen Bevölkerung gegenüber den national­so­zialistischen Versprechungen be­stand“.19

Aber es gab auch viele sehr kritische Meinungen zum Nationalsozialismus aus den Reihen der evangelischen Kirche, was später auch in der Gründung der Be­ken­nenden Kirche zum Ausdruck kam. Insgesamt kann man die anfängliche Haltung der Evan­­gelischen Kirche zum Nationalsozialismus also als von „großer Pluralität gekennzeichnet“ beschreiben.20 Das mag auch am Bestehen von ins­ge­samt 28 Landeskirchen gelegen haben.

3.2 Katholische Kirche und Nationalsozialismus

In der katholischen Kirche gingen die Meinungen nicht so weit wie bei der evan­ge­lischen Kirche auseinander, Strohm spricht von einem „vergleichsweise ge­schlos­­senen Block“.21 Anders als die in viele Landeskirchen zersplitterte evan­ge­lische Kirche orientierte sich die katholische Kirche geschlossen an Rom.

Während der 1920er Jahre lehnte die katholische Kirche noch offiziell größten­teils die Wertevorstellungen des Nationalsozialismus klar ab. Die Bischöfe sahen das Parteiprogramm im offenen Gegensatz zur katholischen Religion.22 Nazis wurden nicht kirchlich beerdigt und hatten kei­nen Zugang zu den Sakramenten.

Diese „unmissverständlichen Verurteilungen nationalsozialistischer Lehren durch die Bischöfe“ stellten ein großes Problem für die Bildung von nationalsozialis­ti­schen Gruppierungen in der katholischen Kirche dar. Die Verurteilungen wurden jedoch im März 1933 wieder zurückgenommen, und immer mehr Katholiken freun­deten sich mit den Ideen der Nazis an. Des Weiteren waren viele Bischöfe zu dieser Zeit der Meinung, dass „für die kirchlichen Ober­be­hörden […] weit wichti­ge­re Gegenwartsfragen“ zu diskutieren wären.23

4. Kirchen während des Nationalsozialismus

4.1 Katholische Kirche

Nachdem die Verurteilungen aus den Jahren vor 1933 zurückgenommen wurden und sich immer mehr Katholiken eine „engagiertere Mitarbeit“ mit dem National­so­zialismus wünschten, waren die Nationalsozialisten darauf aus, ein Reichs­kon­kor­dat mit Rom abzuschließen. Denn sie erhofften sich durch den möglichen Se­gen des Papstes die katholische Kirche noch besser kontrollieren zu können.24

4.1.1 Konkordat der katholischen Kirche

Im Juli 1933 kommt es zu einem Konkordat zwischen Hitler und dem Papst Pius XI., in dem den Nazis der Segen der katholischen Kirche gegeben wird. Im Ge­gen­zug sichert Hitler den katholischen Organisationen einmal mehr Schutz zu. Die katholischen Geistlichen dürften sich aber nicht mehr politisch betätigen.25 Welche Organisationen und Verbände hiervon betroffen waren, sollte in späteren Ver­handlungen geklärt werden, diese fanden aber nie statt, und dies stellte somit ein großes Problem für die Zukunft da.

Für die Nazis war hingegen bereits der Abschluss des Konkordats ein Erfolg: Der „Völkische Beobachter“ schrieb, dass der Nationalsozialis­mus durch die Un­ter­zeich­nung des Konkordates feierlich von der katholischen Kirche an­er­kannt wer­de, dies be­deu­te eine moralische Stärkung der Regierung.

Der katholische Kampf gegen den Nationalsozialismus war in den darauf folgen­den Jahren also vor allem ein Kampf gegen das Reichskonkordat. Denn da die Ver­handlungen zu Artikel 31 nie stattfanden, war die katholische Kirche willkür­li­chen Definitionen des Konkordats durch die Nationalsozialisten ausgeliefert. So­mit war das Opfer des Politikverzichtes umsonst.

[...]


1 Zitiert nach Strohm, Die Kirchen im Dritten Reich, München 2011, S. 7.

2 http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html; zuletzt aufgerufen 15.03.2016.

3 Strohm, S. 13.

4 Vgl. Strohm, S. 13.

5 Strohm, S. 17.

6 Strohm, S. 18.

7 Strohm, S. 19.

8 Strohm, S. 31.

9 A.a.O.

10 Strohm, S. 19.

11 http://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/politik/begriffe/arierparagraph/, zuletzt aufgerufen 15.03.2016.

12 Strohm, S. 24.

13 Strohm, S. 65.

14 Strohm, S. 82.

15 http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag5162.html, zuletzt aufgerufen am 15.03.2016.

16 Strohm, S. 84.

17 Strohm, S. 85.

18 Strohm, S. 15.

19 Strohm, S. 16.

20 Strohm, S. 15.

21 Strohm, S. 30.

22 Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt 1992, S. 817.

23 Zitiert nach Strohm, S. 31.

24 Strohm, S. 32.

25 Strohm, S. 31.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus. Konformität oder Widerstand?
Note
13,0
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V990855
ISBN (eBook)
9783346353863
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kirche, zeit, nationalsozialismus, konformität, widerstand
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus. Konformität oder Widerstand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990855

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