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Der Rat eines Ratgebers. Zur Determinierung von Mutterschaft und Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen im Still-Diskurs

Title: Der Rat eines Ratgebers. Zur Determinierung von Mutterschaft und Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen im Still-Diskurs

Bachelor Thesis , 2020 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Melanie Mahler (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das seit langer Zeit in der Soziologie untersuchte Phänomen der Re-Traditionalisierung der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern nach der Geburt des ersten Kindes. In diesem Zusammenhang spielt vor allem der Verweis auf das Stillen eine wichtige Rolle als Begründung für geschlechtsdifferente Zuweisungen von Tätigkeiten.

Diese Arbeit geht dabei wie folgt vor: Zunächst wird theoretisch auf die konstruktivistische Geschlechterforschung eingegangen, da diese das Hinterfragen und insbesondere das Aufbrechen des Phänomens der Re-Traditionalisierung erst ermöglicht. Mit dieser Ausgangsbasis wird daraufhin der Still-Diskurs als diskursive Praxis auf seine inhärenten Bedeutungsverschiebungen hin veranschaulicht, um sodann die Dynamik des Diskurses zu betrachten und zu begreifen, wie und durch wen das Stillen thematisiert wird.

Nachfolgend wird für eine direktere Veranschaulichung des Wirkungskreises des Diskurses auf Ratgeberliteratur Bezug genommen, da diese im Vergleich zu Institutionen einen eher persönlicheren vermittelnden Charakter haben. Dafür wird zunächst die Geschichte des Ratgebertums veranschaulicht, um daraufhin die Funktion sowie den Einfluss von Ratgebern aufzuzeigen. Anschließend wird im Einzelnen auf sowohl eine Ratgeberlektüre als auch eine Organisation mit ratgebenden Eigenschaften eingegangen. Die hier im Mittelpunkt stehende Frage wird sein, welche Konsequenzen Ratgeber hinsichtlich des mütterlichen Rollenbildes haben und insbesondere, wie sie diese Rolle beeinflussen. Diese Arbeit schließt mit einem Resümee der vorangestellten Veranschaulichungen und geht auf weitere Forschungsfragen ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstruktivistische Geschlechterforschung als theoretischer Rahmen

3. Historische Entwicklung

3.1 Anfänge und entscheidende Ereignisse des Still-Diskurses

3.2 Still-Diskurs: Wer gibt hier eigentlich den Ton an?

4. Ratgeber als Handlungsanleitung für Mutterschaft

5. Der Einfluss von Ratgebern

5.1 Zur Bedeutungsverschärfung durch Ratgeber

5.2 Rhetorische Relevanz der Ratgeberliteratur: Knaaks Diskursanalyse eines Still-Ratgebers

5.3 Die einflussreiche Wirkkraft von Organisationen: Bobels Studie über die La Leche Liga

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Ratgeber als Teil des Still-Diskurses zur Determinierung von Mutterschaft und zur Re-Traditionalisierung von Geschlechterrollen in modernen, emanzipatorisch fortschreitenden Gesellschaften beitragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie naturalisierende Zuschreibungen im Still-Diskurs Frauen ab der Geburt des ersten Kindes in heterosexuellen Elternschaften dazu bewegen, traditionale Rollenbilder anzunehmen.

  • Konstruktivistische Geschlechterforschung als theoretische Basis
  • Historische Entwicklung und diskursive Praxis des Still-Diskurses
  • Rolle von Ratgeberliteratur als Handlungsanleitung für Mutterschaft
  • Wirkweise von Organisationen wie der La Leche Liga auf das mütterliche Rollenbild

Auszug aus dem Buch

3.1 Anfänge und entscheidende Ereignisse des Still-Diskurses

Stillen gilt als ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung des Säuglings. Dokumente über stillende Mütter gehen zurück bis 10.000 – 5.000 v. Chr. und erscheinen als Felszeichnungen (Adelberger, Hormann & Kerstin, 2003, S. 1). Belege zeigen Ende des 19. Jahrhunderts Kinder, die direkt am Euter von Ziegen ernährt wurden. Auch Hinweise auf die Ernährung von Kindern durch Trinkgefäße gehen bis in die Zeit des alten Ägyptens zurück (ebd.). Stillen hat eine tiefe Vorgeschichte, jedoch lag die Aufgabe lange Zeit nicht bei der biologischen Mutter. Das Kind wurde gerade in der oberen Schicht durch Ammen gestillt, oft kamen Tiermilch, Milch verdünnt mit Wasser oder alternative Beikost zum Einsatz. Zudem war Stillen nicht immer selbstverständlich und oft mit Problemen konnotiert, wie schmerzende Brüste und Milchstau (ebd., S. 2). Der Begriff des Stillens hat seine Herkunft im Adjektiv still (Kluge & Seebold, 2011, S. 885) und schließt seit dem 8. Jahrhundert die Bedeutung „zum Schweigen bringen“ (ebd., S. 886) ein. Die gegenwärtige Begriffsverwendung „einem Kind die Brust geben“ (ebd.), welche die Ernährung des Kindes sowie eine fürsorgende Handlung von Seiten der Mutter impliziert, beruht auf einer Bedeutungsverschiebung der vormaligen Verwendung, die auf die Tätigkeit des Ruhigstellens verweist.

Auch hinsichtlich der Still-Frequenz gibt es viele Unterschiede zu verzeichnen. Diese sind kultur- sowie länderabhängig. Ammenernährung bleibt bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird diese Still-Weise dann durch Frauenmilchsammelstellen praktiziert (Adelberger et al., 2003, S. 3). Dass Teile Europas über Jahrhunderte hinweg sogar sehr wenig stillten, wird von der historischen Forschung über Still-Praktiken dadurch erklärt, dass Mütter kurz nach der Entbindung wieder zurück auf Felder und Äcker zum Arbeiten mussten. Auch gilt die Entblößung der weiblichen Brust lange Zeit als schambehaftet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Re-Traditionalisierung von Geschlechterrollen nach der Geburt des ersten Kindes ein und skizziert den Still-Diskurs als zentralen Rahmen der Untersuchung.

2. Konstruktivistische Geschlechterforschung als theoretischer Rahmen: Das Kapitel erläutert die Perspektive, nach der Geschlechterrollen gesellschaftlich konstruiert sind und nicht auf natürlicher Gegebenheit beruhen, was als Fundament für die weitere Analyse dient.

3. Historische Entwicklung: Hier wird der Still-Diskurs historisch eingeordnet, wobei Bedeutungsverschiebungen und der Einfluss von Institutionen auf die Wahrnehmung des Stillens verdeutlicht werden.

4. Ratgeber als Handlungsanleitung für Mutterschaft: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung und die Funktion von Ratgeberliteratur als Medium, das Empfehlungen vermittelt und individuelle Entscheidungskrisen adressiert.

5. Der Einfluss von Ratgebern: Der Abschnitt beleuchtet die konkrete Wirkweise von Ratgebern und Organisationen wie der La Leche Liga, die das Bild einer "guten Mutter" festigen und naturalisierende Zuschreibungen verstärken.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass hegemoniale Still-Diskurse und Ratgeber die Mutterrolle durch naturalisierende Argumente festigen und somit zur Re-Traditionalisierung in der Elternschaft beitragen.

Schlüsselwörter

Still-Diskurs, Mutterschaft, Geschlechterrollen, Re-Traditionalisierung, Ratgeberliteratur, Konstruktivismus, La Leche Liga, Elternschaft, Natürlichkeit, Mutterrolle, Diskursanalyse, Erziehung, Kindeswohl, Geschlechterdifferenz, Familienarbeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie gesellschaftliche Diskurse rund um das Stillen und die Rolle von Ratgebern dazu führen, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes in traditionelle Rollenmuster zurückfallen, obwohl eine egalitäre Partnerschaft angestrebt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die konstruktivistische Geschlechterforschung, die Geschichte des Still-Diskurses, die Bedeutung von Ratgeberliteratur für Eltern sowie die Rolle von Organisationen, die spezifische Ideologien zur Mutterschaft verbreiten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie diskursive Formationen und Ratgeber die Mutterrolle als "natürliche" Bestimmung konstruieren und dadurch eine Traditionalisierung der familialen Arbeitsteilung legitimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Ansatz auf Grundlage der konstruktivistischen Geschlechterforschung, um die Wirkmechanismen von Ratgebern und Organisationen offenzulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung des Stillens, die Rolle von Ratgebern bei der Vermittlung von Verhaltensnormen und den Einfluss von Organisationen wie der La Leche Liga auf die Konstruktion von Mutterschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Still-Diskurs, Re-Traditionalisierung, Ratgeberliteratur, Geschlechterrollen, Mutterrolle, Diskursanalyse und Natürlichkeit.

Wie beeinflusst die La Leche Liga die Mutterrolle konkret?

Die La Leche Liga verbreitet ideologische Ansichten, die das Stillen als kompromisslose Pflicht definieren und die vollständige Hingabe der Mutter an das Kind fordern, was den Spielraum für individuelle Lebensformen stark einschränkt.

Was bedeutet der Begriff "Rhetorische Modernisierung" in diesem Kontext?

Der Begriff beschreibt die Paradoxie, dass die Idee der Gleichheit zwar propagiert wird, dies aber dazu führt, dass bestehende Ungleichheiten nicht mehr thematisiert werden können und somit unhinterfragt bestehen bleiben.

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Details

Title
Der Rat eines Ratgebers. Zur Determinierung von Mutterschaft und Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen im Still-Diskurs
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
Melanie Mahler (Author)
Publication Year
2020
Pages
33
Catalog Number
V990868
ISBN (eBook)
9783346353474
ISBN (Book)
9783346353481
Language
German
Tags
ratgebers determinierung mutterschaft re-traditionalisierung geschlechterrollen still-diskurs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Mahler (Author), 2020, Der Rat eines Ratgebers. Zur Determinierung von Mutterschaft und Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen im Still-Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990868
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