Der Einfluss Pierre de Ronsards auf die Entwicklung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Generelle Sprachveränderungen im 16. Jahrhundert
2.1 Historischer Kontext
2.2 Sprachveränderungen des 16. Jahrhunderts

3 Ronsards Einfluss auf die Entwicklung der französischen Sprache
3.1 Pierre de Ronsard
3.2 Ronsards Sprachveränderungen des 16. Jahrhunderts
3.3 Sprachveränderungen durch die Pléiade und du Bellay

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

„De tous les vocales, quelz qu’ilz soyent, en usage ou hors d’usage, s’il reste encore quelque partie d’eux soit en nom, verbe, adverbe ou participe, tu le pourras par bonne & certaine analogie faire croistre & multiplier, d’autant que nostre langue est encores pauvre, & qu’il faut mettre peine, quoy que murmure le peuple, avec toute modestie de l’enrichir & cultiver. “1

In diesem Zitat aus dem 16. Jahrhundert bezeichnete Pierre de Ronsard die französische Sprache als arm. Er merkte an, dass das Französische eine Sprache sei, die man bereichern und kultivieren müsse.

Diese Proseminarhausarbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern diese Bereicherung und Kultivierung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert durch Pierre de Ronsard herbeigeführt wurde. Neben seiner Mitbegründung der Pléiade ist er für seine poetischen Werke bekannt. Diese werden in dieser Arbeit allerdings nicht betrachtet, sondern es wird der Frage nachgegangen, wie Ronsard darüber hinaus eine Rolle für die Entwicklung des Französischen spielte. Es stellt sich die Frage, was der Auslöser dieser Zuwendung zur französischen und der Abwendung der lateinischen Sprache war. Es wird außerdem der Frage nach der Wichtigkeit des 16. Jahrhunderts für die Entwicklung der französischen Sprache nachgegangen.

Zur Klärung dieser Frage wird zu Beginn der historische Kontext des 16. Jahrhunderts betrachtet. Anschließend wird die generelle Sprachveränderung des 16. Jahrhunderts skizziert. Im folgenden Teil wird zunächst Pierre de Ronsard vorgestellt und auf die von Pierre de Ronsard eingeführten sprachlichen Veränderungen eingegangen. Daraufhin wird auf den Einfluss der Pléiade auf die Sprachentwicklung im 16. Jahrhundert eingegangen. Anschließend wird ein Fazit gezogen, um zu beantworten, inwiefern Pierre de Ronsard einen Einfluss auf die Sprachentwicklung des 16. Jahrhunderts hatte.

Zur Klärung dieser Fragen werden insbesondere die Französische Sprachgeschichte von Johannes Klare, die Französische Sprachgeschichte von Helmut Berschin, Josef Felixberger und Hans Goebl und Einführung in die französische Sprachwissenschaft von Horst Geckeler und Wolf Dietrich verwendet.

2 Generelle Sprachveränderungen im 16. Jahrhundert

2.1 Historischer Kontext

Ende des 15. Jahrhunderts wurde in Frankreich endgültig die nationale Einheit erreicht.2 Es kam durch die Feldzüge von Karl VIII., Ludwig XII., Franz I. und Heinrich II. in Italien zu einer Konfrontation der italienischen und der französischen Sprache.3 Bei den Franzosen entstand dadurch die Überzeugung vom Wert der französischen Sprache.4 Es kam zu einem ersten Bestreben der Franzosen, dass ihre Sprache der Italienischen überlegen wäre, so zum Beispiel von Henri Estienne im Jahr 1579.5 Jedoch war der tatsächliche Konkurrent des Französischen die lateinische Sprache.6 In Italien hatte sich im 14 und 15. Jahrhundert der Humanismus gebildet.7 Dieser Humanismus wurde in Folge der französischen Feldzüge nach Frankreich importiert.8 Ebenfalls positiv in Frankreich wurde die Renaissancebewegung der Italiener aufgenommen.9 In Frankreich gab es noch eine Art Gegenbewegung innerhalb des Humanismus, die Vulgärhumanisten, die ihre eigene Volkssprache fördern wollen.10 Aus dieser Bewegung heraus bildete sich im 16. Jahrhundert das Nationalbewusstsein, und das Sprachbewusstsein und der sprachliche Patriotismus wurden dadurch gefördert.11 Durch diese Förderung des Sprachbewusstseins wurde die Diskussion der Sprachenfrage in Frankreich ausgelöst.12

Im Zuge der Sprachdiskussion sah man ging es ebenfalls um das Verhältnis der lateinischen zu der französischen Sprache. Man sah die Vorzüge der lateinischen Sprache im Vergleich zur französischen Sprache besonders darin, dass es im Lateinischen eine Grammatik und eine größere Vielfalt an sprachlichen Ausdrucksmitteln gab.13 Deswegen war es das Ziel der Befürworter der französischen Sprache die Sprache lexikalisch zu bereichern und sie zu kodifizieren.14 Im 16. Jahrhundert drang das Französische in die Domänen ein, die zuvor dem Lateinischen vorbehalten waren, wie in den Bereich der Poesie.15

2.2 Sprachveränderungen des 16. Jahrhunderts

Durch den Einfluss der italienischen Sprache wurden im 16. Jahrhundert in der französischen Sprache neue Wörter nach italienischem Beispiel eingeführt.16 Es wurden im 16. Jahrhundert 462 Italianismen übernommen.17 Dies macht deutlich, dass im 16. Jahrhundert der Höhepunkt des Einflusses des Italienischen in die französische Sprache zu finden ist.18 Es wurden besonders Wörter aus dem Bereich des Kriegswesens, der Seefahrt oder der Musik übernommen. Auch im Bereich der Dichtung und Literatur waren die italienischen Begriffe wegweisend, so stammen die Begriffe sonnet und tercet aus dem Italienischen.19

Die weitere Verbreitung des Französischen zeigte sich insbesondere in dem Vordringen in den einzelnen Bereichen der Wissenschaft.20 Das Lateinische wurde langsam von dem Französischen abgelöst und so wurde in den Bereichen mit praktischen Bezügen, wie der Geographie, Mathematik, in der Poetik oder auch in der Geschichte die französische Sprache im 16. Jahrhundert vorherrschend.21 Eine weitere Voraussetzung für das Eindringen der französischen Sprache in die Gebiete der Wissenschaft war, dass Lateinkenntnisse nicht vorausgesetzt waren.22 Dies ist unter anderem in der Mathematik zu beobachten, da es für Traktate zur Umrechnung von Münzen und Maßen keiner Lateinkenntnisse bedurfte und das Französische somit dort leichter Fuß fassen konnte.23

Das Französische musste in Regeln gefasst werden, um mit den anderen Volkssprachen mithalten zu können.24 Dies war der Grund für den Beginn der Grammatikographie im 16. Jahrhundert.25 Da jedoch die französische Grammatik auf Grundlage der lateinischen Kategorien verfasst wurde, kam es teilweise zu Problemen, wie bei der Behandlung der Artikel, da diese in dieser Form nicht im Lateinischen existieren.26 Die Artikel wurden meistens den Präpositionen zugeordnet.27 Das Deklinationsparadigma mit den sechs Kasus wurde ebenfalls übernommen.28

Einige der wichtigsten Grammatiken des Französischen des 16. Jahrhunderts waren das Lesclarcissement de langue francoyse von Jehan Palsgrave, In linguam gallicam isagwge von Jacques Dubois und die Gramere von Pierre de la Ramee.29 Auch Robert Estienne veröffentlichte eine Grammatik und baute diese anhand lateinischer Vorbilder auf.30 Es war zur damaligen Zeit unmöglich sich von der lateinischen Grammatik zu lösen, da diese das bereits bekannte und akzeptierte Modell einer Grammatik war.31

Auch der Beginn der Lexikographie liegt im 16. Jahrhundert mit der Veröffentlichung des Werkes Dictionarum seu latinae lingua thesaurus von Robert Estienne aus dem Jahr 1531.32 In diesem Werk erklärte er lateinische Wörter in französischer Sprache. Im Jahr 1540 veröffentlichte er ein weiteres Werk, in dem er französische Wörter auf Latein erklärte, sein Dictionaire francoislatin.33 Auf dem Werk von Estienne beruhte auch der Thresor de la langue francocoyse, tant ancienne que moderne von Jean Nicot.34

Diese Befassung mit der Lexikographie, der Grammatikographie und er Orthographie zeigen, dass im 16. Jahrhundert vermehrt Wert auf die französische Sprache gelegt wurde. Das Französische erhielt einen neuen, höheren Stellenwert innerhalb Frankreichs, wie es sich auch durch die Hinwendung zum Französischen durch die Poeten des 16. Jahrhunderts zeigt.

Im 16. Jahrhundert gab es des Weiteren verschiedene Änderungen im Bereich der Morphosyntax.35 Die Subjektpronomina beim Verb waren nicht mehr zwingend von Nöten, es wurde wieder geduldet, wenn man an Stelle von tu voudras, voudras sagte.36 Diese Praxis ist auf den italienischen beziehungsweise lateinischen Einfluss zurückzuführen und wurde zuvor im Altfranzösischen verwendet.37 Außerdem wurde die, bis heute erhaltene, Regel des veränderbaren participe passé mit avoir eingeführt.38 Dies wurde zu Beginn von Clément Marot als Scherz vorgeschlagen, jedoch in den folgenden Jahren ernsthaft verfolgt und übernommen.39

Das Französische drängte das Lateinische im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mehr und mehr zurück. Einer der Gründe dafür war die Entstehung des Buchdrucks.40 Durch diesen war es möglich, Schriften für eine breitere Masse an Menschen zugänglich zu machen.41 Da sich unter den Buchdruckern des 16. Jahrhunderts viele Befürworter des Französischen befanden, wurden vermehrt französische Texte verbreitet und waren für jegliche Bevölkerungsschichten zugänglich.42

Jedoch wurde trotz der Verdrängung des Lateinischen durch das Französische, das Französische von der lateinischen Sprache beeinflusst.43 Dies ist bereits in den ersten französischen Texten ersichtlich, in denen typisch lateinische Wörter entweder übernommen oder angepasst wurden. So wurde aus dem auslautenden -a ein -e, das Wort natura wurde zu nature.44 Auch im Bereich der Staatsverwaltung war es nötig, französische Fachtermini zu erschaffen.45 Diese Fachtermini wurden ebenfalls durch Entlehnung aus dem Lateinischen geschaffen und mithilfe dessen das Vokabular der Staatsverwaltung auf Französisch gebildet.46 In der Latinisierung des französischen Wortschatzes wurde ein Weg gesehen die französische Sprache zu bereichern und sie für neue Gebiete zugänglich zu machen.47 Die Latinisierung des Französischen kam ebenfalls durch die Entwicklung des Humanismus in Frankreich zustande.48 Es wurde sich zu den Werken großer antiker Autoren hingewandt und diese wurden übersetzt. Latinismen wurden beispielsweise in Folge von gelehrten Vermittlungen übernommen, das heißt, dass Wörter, zu denen das Pendant im Französischen fehlte aus dem Lateinischen Original übernommen wurden.49

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam es zu einer verstärkten Entlehnung aus dem Lateinischen.50 Besonders in Bereichen der Wissenschaft und Literatur sind lateinische Wörter zu finden.51 Es kam auch zu neu-lateinischen Wortbildungen, das heißt das neue Wörter gebildet wurden um gewisse Phänomene zu beschreiben. Dies ist besonders im Bereich der Zoologie, der Botanik, der Medizin und der Chemie zu erkennen.52

Es ist festzuhalten, dass die französische Sprache im 16. Jahrhundert trotz der zahlreichen sprachlichen Veränderungen und Bemühungen die französische Sprache zu etablieren, sie dennoch nicht den Prestigevorsprung des Lateins einholen konnte. Diesen Vorsprung konnte das Französische erst im 17. Jahrhundert aufholen.53

Die Universität in Frankreich veränderte sich auch im 16. Jahrhundert, denn auch hier erhielt die französische Sprache Einzug.54 In Schulen war es bis ins 16. Jahrhundert üblich, nur in den ersten Jahren die französische Sprache zu verwenden und anschließend Latein zu erlernen.55 Lesen und Schreiben wurden ausschließlich auf Latein gelehrt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zum ersten Unterricht auf Französische, auch wenn dies lediglich partiell vorkam.56 Insgesamt war zu dieser Zeit noch kein Umbruch erkennbar, aber es wurde ein Grundstein für die folgenden Jahrhunderte und den endgültigen Einzug des Französischen in die Universität und Schule gelegt.57

[...]


1 Vgl. Ronsard, Pierre de (1565) : „Abbregé de l’Art poëtique françois “. Œuvres complètes XIV, hg. von P. Laumonier, 1949, Paris, S. 33f.

2 Vgl. Klare, Johannes (22011): „Französische Sprachgeschichte“. In: Frings, Michael/Klump, Andre (Hrsg.): Romanische Sprachen und ihre Didaktik. Bd. 33, Stuttgart, Ibidem, S. 90.

3 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf (52012): Einführung in die französische Sprachwissenschaft, Berlin, Erich Schmidt Verlag, S. 228.

4 Ebd., S. 228.

5 Vgl. Berschin, Helmut/Felixberger, Josef/Goebl, Hans (22008): Französische Sprachgeschichte, Hildesheim, Zürich, New York, Georg Olms Verlag., S. 193.

6 Ebd., S. 193.

7 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 228.

8 Ebd., S. 228.

9 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 90.

10 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 228.

11 Ebd., S. 228.

12 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 90.

13 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 225.

14 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 225.

15 Ebd., S. 193.

16 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 230.

17 Ebd., S. 230.

18 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 230.

19 Ebd., S. 230.

20 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 198.

21 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 233.

22 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 198.

23 Ebd., S. 198.

24 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 98.

25 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 97.

26 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 233.

27 Ebd., S. 233.

28 Ebd., S. 233.

29 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 234.

30 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 98.

31 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 232

32 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 98.

33 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 234.

34 Ebd., S. 234.

35 Vgl. Klare, Französische Sprachgeschichte, S. 114.

36 Ebd., S. 114.

37 Ebd., S. 114.

38 Ebd., S. 115.

39 Ebd., S. 115.

40 Ebd., S. 92.

41 Ebd., S. 92.

42 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 196.

43 Ebd., S. 200.

44 Ebd., S. 201.

45 Ebd., S. 201.

46 Ebd., S. 200.

47 Ebd., S. 202.

48 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 229.

49 Vgl. Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, S. 229.

50 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 201.

51 Ebd., S. 202.

52 Ebd., S. 203.

53 Vgl. Berschin et al., Französische Sprachgeschichte, S. 200.

54 Ebd., S. 197.

55 Ebd., S. 197.

56 Ebd., S. 197.

57 Ebd., S. 197.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss Pierre de Ronsards auf die Entwicklung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V991149
ISBN (eBook)
9783346354532
ISBN (Buch)
9783346354549
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ronsard, Du Bellay, Pléiade, Sprachveränderung, Frankreich
Arbeit zitieren
Anton Schulze (Autor), 2020, Der Einfluss Pierre de Ronsards auf die Entwicklung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991149

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Einfluss Pierre de Ronsards auf die Entwicklung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden