Eine Analyse des Bilderbuches "Die Insel" von Armin Greder

Anwendung der Analysekriterien von Michael Staiger


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Analyse
2.1 Paratextuelle und materielle Dimension
2.2 Bildliche Dimension
2.3 Verbale Dimension
2.4 Intermodale Dimension
2.5 Narrative Dimension

3 Aktualität des Bilderbuches

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorgelegte Hausarbeit beschäftigt sich mit der Analyse des Bilderbuches Die Insel, welches von Armin Greder verfasst wurde. Inhaltlich behandelt das Bilderbuch die Abschottung der Inselbewohner gegen das Fremde.

Eines Morgens fanden die Inselbewohner einen Mann am Strand, dieser unterscheidet sich von den Inselbewohnern. Die Inselbewohner wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen und nehmen den Mann vorläufig und mit Widerwillen auf. Im weiteren Verlauf des Bilderbuches wird der Fremde dann menschenunwürdig untergebracht und nur notdürftig versorgt. Der Mann stellt keine Gefahr für die Inselbewohner dar, dennoch macht sich die Angst vor ihm breit. Schlussendlich siegt die Angst der Inselbewohner und sie vertreiben den Mann von ihrer Insel. Er wird zu dem Floß mit dem er auf der Insel gestrandet ist gebracht, und in die Wellen hinausgeschoben. Anschließend bauen die Inselbewohner eine hohe Mauer um die Insel, damit niemand mehr zu ihnen kommen kann.

Analysiert wird das Bilderbuch Die Insel anhand des fünfdimensionalen Modells der Bilderbuchanalyse von Michael Staiger. Analysiert wird die paratextuelle und materielle Dimension, bei der ich auf die Größe, das Material und das Verhältnis von Titel und Cover eingehe. Darüber hinaus wird die bildliche Dimension analysiert, bei der ich unteranderem auf die Farben, die Typografie und die Elemente im Bildraum eingehe. Bei der verbalen Dimension wird der Sprachstil, die sprachlichen Mittel, die Schlüsselwörter und der Tempus analysiert. Des Weiteren analysiere ich die intermodale Dimension im Hinblick auf das Verhältnis von Bild und Schrifttext. Anschließend werde ich mich bei der Analyse der narrativen Dimension unteranderem auf die Darstellung der Figuren und Orte, der Handlung und der Zeitdarstellung in Bild und Text beziehen. Ich halte dieses Modell für besonders sinnvoll, da auf alle Dimensionen des Bilderbuches eingegangen wird und sich somit ein umfassendes Gesamtbild erschließt. Zuletzt beschäftigt sich die Hausarbeit mit der Aktualität des im Bilderbuch dargestellten Themas, in Europäischen Gesellschaften.

Ich halte die Analyse dieses Bilderbuches für hoch spannend, denn thematisch wird die aktuelle Flüchtlingspolitik widergespiegelt. Es lassen sich viele Parallelen zur westlichen Gesellschaft ziehen. Das Buch kann als Mahnung gewertet werden, denn der Streit, wie er sich bei den Inselbewohnern austrägt, wird in ähnlicher Weise auch in den Staaten der Europäischen Union ausgetragen. Durch dieses Buch kann es einem eventuell gelingen über seinen Tellerrand hinwegzusehen und zu merken, dass man mit Geflüchteten anders umgehen muss. Gerade als zukünftige Lehrkraft halte ich es für besonders wichtig, dass sich Kinder und Jugendliche mit Fluchtliteratur auseinandersetzten, denn dies fördert die Empathie. Laut Rudolph ist das Ziel des interkulturellen Lernens nicht „ein homogenes Gleichheitsgefühl zu erzeugen, sondern vielmehr den Anderen und Anderssein mit Respekt gegenüberzutreten und die interkulturelle Kommunikation zu verselbständigen.1 “ Das von Rudolph genannte Ziel halte ich für äußerst sinnvoll, dies sollte gerade in Schulklassen angestrebt werden.

Ein Bilderbuch ist ein aus zwei Teilen gleichberechtigtes Medium, welches durch die Bilder einen hohen Aufforderungscharakter hat. Oft werden Bilderbücher als leichte Kinderlektüre gewertet, in Die Insel ist das jedoch anders. Es handelt sich um ein Buch, mit dem man sich differenziert auseinandersetzten muss. Ein Bilderbuch trägt zur emotionalen und kognitiven Entfaltung bei und sollte somit in die Entwicklung integriert werden.

Im Folgenden Verlauf werde ich den Mann, der auf die Insel kommt als Fremden bezeichnen und die Einheimischen, die auf der Insel leben, als Inselbewohner. Dies dient der Vereinfachung für den Lesefluss, damit deutlich ist, wer gemeint ist.

2 Analyse

Nun folgt die Analyse des Buches Die Insel anhand des von Armin Greder entwickelten fünfdimensionalen Modell der Bilderbuchanalyse.

2.1 Paratextuelle und materielle Dimension

Nun wird auf die paratextuelle und materielle Dimension des Bilderbuches eingegangen. Das Buch ist senkrecht aufgebaut und misst 32x23 cm, somit ist es ein großflächiges Format, welches sich durch seine Größe abhebt und den Leser dadurch wahrscheinlich anspricht. Der Leser könnte bei der ersten Betrachtung den Anspruch an das Bilderbuch erheben, dass er in diesem viel erleben wird, da sich durch das Format viel Gestaltungsfläche bietet. Nodelman meint, dass bei einem großformatigen Bilderbuch eine aktionsgeladene und wilde Geschichte erwartet wird, von einem Kleinformat eine feingegliederte Geschichte.2 Tatsächlich wird eine spannungsgeladene Geschichte in Die Insel erzählt, von Angst vor dem Fremden und wie herzlos die Inselbewohner den ungewollten Neuankömmling wieder loswerden. Der äußere Umschlag hat einen Wachsglanz. Dies ist besonders sinnvoll, da Bücher laut Kommer mit einem solchen Glanz länger sauber bleiben und abgewaschen werden können.3 Das Bilderbuch kann ab dem sechsten Lebensjahr gelesen werden, in dem Alter ist es so, dass Kinder viel schmutzig machen, somit ist der Wachsglanz von Vorteil.

Das Bilderbuch hat einen festen Einband aus Karton, auf dem die Festung, die die Bewohner der Insel am Ende der Geschichte bauen, auf dem Buchdeckel und Buchrücken zu sehen ist. Es wirkt hochwertig und ansprechend, das Bilderbuch mit nur einem Bild, welches sich vom Buchdeckel auf den Buchrücken erstreckt, zu gestalten.

Wenn man nun die paratextuellen Elemente des Bilderbuches, also den Titel und das Cover vergleicht, erkennt man das Verhältnis nicht gleich, wenn man die Geschichte nicht kennt. Ich nehme an, dass sich die meisten Menschen unter dem Wort Insel eine idyllische Landmasse vorstellen, welche von Wasser umgeben ist, meist die Sonne scheint und die Menschen in Harmonie leben.

Wenn man diese Vorstellungen nun auf das Bilderbuchcover projiziert muss man feststellen, dass dies darauf nicht zutrifft. Das Cover stellt eine Festung dar, welche mit hohen Türmen versehen ist, in der es nur einige winzige Fenster gibt, durch die man nicht ins Innere der Festung sehen kann, außerdem bietet sich keine Möglichkeit in die Festung einzudringen. Die Festung ist dunkel und in Grautönen gehalten und wirkt somit bedrohlich. Man erkennt zudem nicht, dass es sich um eine Insel handelt, denn die Festung könnte genauso auf dem Festland stehen, da man die Landschaft drumherum nicht erkennen kann. Es ist kein Wasser zu erkennen, kein gutes Wetter und auch keine der anderen Assoziationen die man gewöhnlich mit einer Insel verbinden könnte. Das einzig bunte auf dem Buchdeckel ist der Titel, dieser ist in roter Schrift geschrieben, und hebt sich somit von den restlichen tristen Farben ab. Die Schrift ist in großen Druckbuchstaben gehalten, da es laut dem Verlag ab dem sechsten Lebensjahr gelesen werden kann, könnten diese Buchstaben auch Leseanfänger erkennen. Auf dem Coverrücken findet sich eine sehr knappe Buchbeschreibung in der es heißt „Am Morgen fanden die Inselbewohner einen Mann am Strand, da wo die Meeresströmung und Schicksal sein Floß hingeführt hatten. Er war nicht wie sie…“4 diese Beschreibung passt bei der ersten Betrachtung des Buches nicht zur Coverillustration, da kein Strand zu erkennen ist, an dem der Mann mit seinem Floß gestrandet sein könnte. Man kann sich auch die Frage stellen, wenn man den Inhalt noch nicht kennt, wie der Fremde zu ihnen kommen konnte, da auf dem Titel augenscheinlich eine hohe Festung zu sehen ist, die unüberwindbar scheint. Wenn man dann den Buchrückentext weiterliest, heißt es in einer kleineren Schriftgröße „Eine tägliche Geschichte über den Umgang mit dem Fremden und über die Mauern in den Köpfen.“5, dadurch ist die Coverillustration schon besser zu deuten, da man die Festung so interpretieren könnte, dass sie eine Mauer in den Köpfen der Menschen gegen das Fremdartige symbolisieren soll. Der Titel könnte also auch als eine Verinselung der Gesellschaft gedeutet werden, in der sie nichts mit anderen, Fremden zu tun haben wollen. Die Coverillustration macht den ersten Eindruck des Buches aus, und dadurch, dass der Titel und die Coverillustration widersprüchlich sind wirkt dies besonders interessant. Somit kann man feststellen, dass das Verhältnis von Titel und Cover Fragen in den Betrachtern aufwerfen, und sie so eventuell zum Lesen des Buches anregt werden.

Das Bilderbuch umfasst 32 Seiten, diese sind auf einem glatten Papier gedruckt, welches bei Lichteinstrahlung glänzt und somit ein hochwertiger Eindruck entsteht, dies beeinflusst den haptischen und optischen Eindruck. Meist wird im Buch eine Doppelseite verwendet, auf der sich die Bilder groß über beide Seiten erstrecken, dies wirkt besonders anschaulich und ausdrucksvoll. Die Bilder sind in dunkeln Grautönen und gedeckten, blassen Farben gehalten, dies verdeutlicht die angespannte Stimmung im Bilderbuch. Knallige Farben lassen sich hingegen nicht erkennen. Der Illustrator hat viel mit Schraffur gearbeitet mit der er verschiedene Farbintensitäten realisiert hat, und diese unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Die von mir Analysierte Ausgabe des Bilderbuches beinhaltet kein Nachwort oder Vorsatzpapiere.

2.2 Bildliche Dimension

Das Bilderbuch ist ein Bild und Text verknüpfendes Werk, welches in erster Linie ein literarisches Medium ist, aufgrund der dominierenden Rolle der Bilder aber auch verstärkt unter ästhetisch-künstlerischen Aspekten betrachtet werden sollte. Deswegen gehe ich im Folgenden auf die bildliche Dimension ein. Der Illustrator hat dadurch, dass er viel mit Schraffur gearbeitet hat viele Linien in seinen Bildern. Die Flächen sind von Linien umfasst und dadurch gegen die umliegenden Flächen abgegrenzt. Die Linien die der Illustrator für die Schraffur nutzt sind unterschiedlich, so verwendet er verschiedene Strichrichtungen, Linienformen und Liniendichten, um die Zeichnungen plastischer erscheinen zu lassen. Nicht nur mit Linien, sondern auch mit einem sinnvoll kalkulierten Einsatz von Kontrasten kann eine perspektivische Wirkung erzeugt werden. So hat der Illustrator viel Weißfläche im Bilderbuch gelassen, dadurch sticht die Bildfläche besonders hervor.

Der Illustrator nutzt hauptsächlich dunkle, gedeckte Farben, dies erzeugt im Betrachter eine bedrohliche und angespannte Stimmung die zum Weiterlesen anregt. Die männlichen Bewohner der Insel sind in dunklen Tönen gehalten, aber es finden sich auch einzelne bunte Schraffierungen, diese bestehen aus den Primärfarben blau und rot, dadurch entsteht ein Farbkontrast. Es ist keine Farbharmonie zwischen den Farben gegeben, dies hat der Illustrator wahrscheinlich bewusst genutzt um eine Stimmung im Betrachter zu erzeugen denn die Farben sind dunkel und wirken beunruhigend. Es wurde eine Vielzahl an dunklen und Grautönen genutzt, auch die Farbtemperatur, Farbhelligkeit und die Farbsättigung also die Intensität, hat der Illustrator sinnvoll genutzt um die Wirkung der Bilder besonders anschaulich zu gestalten.6 Die Einwohner der Insel sind hauptsächlich in schwarzen und weißen Tönen gehalten, es ist möglich, dass dies eine Farbsymbolik darstellt, die das Denken der Menschen widerspiegelt. Denn die Bewohner der Insel haben selbst ein schwarz-weiß denken Fremden gegenüber.

Es ist in einem dynamischen und detailreichen Malstil gemalt, die Farben haben einen sinnvollen stimmungswert in Verbindung zum Thema des Bilderbuches. Das Bilderbuch ist energiegeladen und voller Emotionen, die man in den Gesichtern der Figuren und deren Haltung ablesen kann. Der Illustrator hat einen grafischen Stil angewandt.

Das Bilderbuch ist abwechslungsreich aufgebaut, die Bilder erstrecken sich auf unterschiedlicher Größe. Manche Bilder gehen über eine Doppelseite, andere sind in einen Rahmen gefasst. Die Größe der Bilder beeinflusst das Verhältnis von Bildraum und Weißraum. Aber auch der Weißraum erzeugt eine Wirkung, denn durch den Weißraum hebt sich der Bildraum besonders ab. Zudem sind unterschiedlich viele Bilder auf den verschiedenen Seiten zu betrachten. Das Seitenlayout ist klar gegliedert und die Bildgeschichte macht einen fortlaufenden Sinn. Illustrationen sind sinnvoll, da sie eine eigene oder zusätzliche Aussage besitzen, welche das Wort ergänzt und über das im Text gesagte hinausgehen können. Der Leser soll also zur Interpretation des Textes das entsprechende Bild heranziehen. Ohne die Illustration hätte das Bilderbuch weniger Wirkung. Laut Grünewald werden enge und weite Bildfolgen unterschieden.7 In diesem Bilderbuch werden beide Bildfolgen genutzt. Beispielsweise ist auf Seite neun und zehn eine enge Bildfolge dargestellt, in der eine Frau Essen kocht, diese dann das Essen serviert und anschließend das Geschirr abspült.8 Eine weite Bildfolge ist zu erkennen, als die Männer den Fremden auf Seite sechsundzwanzig auf das Meer schieben, und dann im nächsten Bild eine Mauer zu sehen ist. Dies stellt einen großen Zeitsprung zwischen den Bildern dar, und ist deswegen meist nur durch den Text verständlich.

Die Typografie betreffend ist das Bilderbuch, welches laut dem Verlag ab dem sechsten Lebensjahr gelesen werden kann, für Leseanfänger mit Unterstützung durch Erwachsene geeignet. Denn die Schrift ist in Druckschrift geschrieben und hat eine große, gut leserliche Schriftgröße. Als Schriftfarbe hat der Autor schwarz gewählt, dies stellt einen deutlichen Kontrast zum weißen Papier dar und ist somit gut erkennbar. Der Zeilenabstand ist vorteilhaft gewählt, sodass man nicht in der Zeile verrutschen sollte. Die Sätze sind einfach und verständlich verfasst und meist auch nicht sehr lang, dennoch haben sie einen großen Aussagewert. Die Absätze sind vorteilhaft gewählt. Beispielsweise hat der erste Absatz im Buch auf Seite eins einen hohen Aussagewert, es heißt „Er war nicht wie sie.“9.Dieser Satz ist besonders wichtig, da man erkennen kann, dass sich die fremde Person von den Inselbewohnern unterscheidet und somit die Angst und das Misstrauen gegen ihn entsteht. Dieser Satz ist also essentiell für den Fortlauf der Geschichte, dieser beispielhafte Absatz ist an dieser Stelle somit effektiv genutzt. Im Folgenden werde ich auf die Bildraumgestaltung Seite für Seite eingehen.10 Auf der ersten Doppelseite hat der Illustrator viel Weißraum gewählt, das Floß mit dem der Fremde auf der Insel gestrandet ist, ist in der linken oberen Bildhälfte zu betrachten. Lediglich der Fremde der im Vordergrund steht und dessen Schatten fast so groß wie er selbst ist, ist auf Seite zwei im unteren Bildrand zu sehen, er schaut den Bildbetrachter an. Beide sind jedoch im Vergleich zum Weißraum recht klein gezeichnet. Es gibt außer den beiden Zeichnungen keinen Hintergrund. Aufgrund dessen, dass der Weißraum dominiert, fällt der Fremde besonders auf.

Auf der nächsten Doppelseite sind die Inselbewohner im Vordergrund, und über beide Seiten gezeichnet, sie sind groß dargestellt und schauen den Bildbetrachter an. Bildraum und Weißraum sind auf diesen Seiten in einem Gleichgewicht. Der Text ist unter den Inselbewohnern geschrieben.

Auf der Doppelseite fünf und sechs ist das Meer über beide Seiten zu betrachten, die Bildfläche dominiert, es gibt keine Weißfläche und keinen Text. Das Meer ist im Vordergrund und das Verhältnis von Meer und Himmel beträgt an der Horizontlinie zwei zu eins.

Auf der nächsten Doppelseite ist der Bildraum so gestaltet, dass in der linken Bildhälfte die Bewohner zu sehen sind und auf der rechten Bildseite der Fremde, zwischen ihnen steht der Text. Das Verhältnis von Inselbewohner und Fremdem ist ungleich, der Fremde ist kleiner gezeichnet. Der Handlungsort ist nicht erkennbar, da der Hintergrund aus Weißfläche besteht somit entsteht ein anonymer Handlungsort.

Auf den Seiten neun und zehn sind mittig nebeneinander vier gerahmte Bildflächen zu betrachten, diese sind alle gleich groß, die Bilder wirken dreidimensional. Der Text steht über den Bildern. Außerdem sind noch zwei kleine detailreiche Zeichnungen zu sehen, oben rechts ist ein Hammer und Nägel. Und in der unteren Bildhälfte sind Kinder, die ein anderes Kind treiben über beide Seiten erstreckend zu sehen.

Seite elf ist die erste und einzige Seite, auf der ausschließlich Text ist. Da es nur ein Satz ist, ist der Weißraum dominierend. Auf Seite zwölf ist über die ganze Seite eine Figur abgebildet, Text ist nicht erkennbar. Die Figur schaut den Bildbetrachter an und steht im Vordergrund. Die Abgrenzung zwischen hell und dunkel ist hart. Diese Seiten bilden einen Kontrast, von Bildfläche und Text.

Auf der nächsten Doppelseite sind auf dem linken Bild die Inselbewohner zu sehen, sie dominieren das Bild, welches sich auch auf die rechte Seite erstreckt. Der Goldene Schnitt ist eine Flächeneinteilung nach dem Größenverhältnis 3:5, diese Aufteilung erzeugt Spannung.11 Der Goldene Schnitt ist auf dieser Doppelseite zu erkennen. Text ist auf Seite vierzehn in der rechten Bildhälfte zu lesen, dieser erstreckt sich von oben bis unten. Das Verhältnis von Bild und Text wirkt ausgewogen. Außerdem ist eine kleine detailreiche Fischkonserve auf der rechten Bildhälfte zu erkennen.

Auf der Doppelseite fünfzehn und sechzehn sind mittig vier gleichgroße Zeichnungen zu sehen, die jeweils in einen Rahmen gefasst sind, sie sind alle in dem gleichen Farbton gestaltet. Der dazugehörige Text findet sich jeweils immer über dem Bild, die jeweiligen Texte sind ungefähr von gleicher Länge. Außerdem ist auf Seite sechzehn unten rechts eine kleine Zeichnung eines Fisches auf einem Teller zu sehen, darüber steht ein Text. Auf dieser Doppelseite ist viel Weißraum zu erkennen, hell und dunkel sind die Dominierenden Kontraste.

Der Bildraum auf den Seiten siebzehn und achtzehn ist so gestaltet, dass mittig vier gleichgroße und detailreiche Zeichnungen zu betrachten sind. Auf Seite siebzehn ist zudem im linken oberen Bildrand eine kleine Zeichnung eines gegessenen Fisches anzusehen, neben dem ein Text steht. Außerdem stehen jeweils unter den Bildern die dazugehörigen Texte. Der Weißraum ist besonders auf Seite achtzehn deutlich zu erkennen.

Vier gleichgroße, mittige Zeichnungen sind auch auf den Seiten neunzehn und zwanzig zu betrachten. Die dazugehörigen Texte stehen auf Seite neunzehn über den Bildern, unter den Bildern ist Weißfläche. Auf Seite zwanzig steht der Text unter den Bildern und darüber ist Weißfläche, außerdem ist im rechten Bildrand eine kleine Zeichnung eines zerbrochenen Tellers anzusehen.

Die Inselbewohner erstrecken sich im Zentrum des Bildraumes großflächig auf den Seiten einundzwanzig und zweiundzwanzig über beide Seiten und sind im Vordergrund, der Text ist auf Seite einundzwanzig unter den Inselbewohnern zu lesen. Ein Ort ist nicht erkennbar, denn der Hintergrund besteht aus Weißraum.

Die Bildaufteilung des goldenen Schnittes ist auf der Doppelseite dreiundzwanzig und vierundzwanzig zu sehen, in der linken Hälfte, welche sich durch die Waffen auf die rechte weiterführt sind die Inselbewohner mächtig dargestellt, der Fremde ist am Rand der rechten Seite zu erkennen. Die Personen stehen im Vordergrund und wirken dynamisch. Auf der Seite vierundzwanzig ist im Gegensatz zur Seite dreiundzwanzig viel Weißfläche. Der Text ist auf dieser Doppelseite knapp, und ist zwischen den Personen geschrieben.

Der Goldene Schnitt ist auch auf der Doppelseite fünfundzwanzig und sechsundzwanzig zu erkennen, die dynamisch wirkenden Personen sind im Vordergrund und der Text ist in der linken Bildhälfte mittig auf Seite fünfundzwanzig zu lesen.

Fortlaufend ist der goldene Schnitt auch auf der Doppelseite siebenundzwanzig und achtundzwanzig zu betrachten. Denn die Mauer ist in einem Verhältnis zur restlichen Seite von etwa 3:5 dargestellt. Die Mauer ist dominierend auf der Doppelseite, der Text steht rechts neben der Mauer. Außerdem ist noch eine detailreiche Zeichnung einer angeschossenen Möwe in der rechten Bildhälfte zu betrachten.

Auf der letzten Seite des Bilderbuches erstreckt sich ein Bild des Meeres über die ganze Doppelseite. Hier dominiert der Bildraum. Im Mittelgrund ist ein in Flammen stehendes Boot zu erkennen und im Hintergrund ist der Horizont zu sehen. Das Verhältnis von Meer und Himmel ist auf dieser Doppelseite zwei zu eins.

2.3 Verbale Dimension

Nun gehe ich auf die verbale Dimension des Bilderbuches Seite für Seite ein. Der Text auf der ersten Doppelseite des Bilderbuchs Die Insel ist im Präteritum geschrieben, es handelt sich zudem um einen Aussagesätze. Ein Reim oder ein Rhythmus sind nicht zu erkennen, auch finden sich keine Fremdwörter. Das Wort Mann ist ein Schlüsselwort, ohne dieses Wort wäre der Sinn des Satzes verändert.

Auf der Seite drei sind Anaphern zu lesen. Die Sätze beginnen oft mit Sie oder Was und erhalten durch diese Anaphern eine verstärkte Wirkung. Der Autor hat zudem die Wörtliche Rede genutzt, um die Sätze anschaulicher zu gestalten, es wurde im Präteritum geschrieben. Fremdwörter sind nicht zu finden, auch auf Seite vier nicht auf der, der Autor auch den Erzähltempus des Präteritums gewählt hat.

Der Text auf Seite acht ist sehr knapp und im Indikativ verfasst, es handelt sich um einen Aussagesatz der im Präteritum geschrieben wurde. Sprachliche Mittel wurden nicht genutzt, auch Fremdwörter sind keine zu finden.

Der Erzähltempus des Präteritums führt sich auf Seite neun und zehn fort. Der Text ist in einem Alltagssprachlichen Stil verfasst somit ist die Wortwahl leicht verständlich, Fremdwörter finden sich keine und Wörtliche Rede ist auch nicht zu lesen. Die Satzart die auf dieser Doppelseite genutzt wurde sind Aussagesätze.

Auf Seite elf steht nur ein kurzer Satz, der auf einer Weißfläche platziert ist, somit hat dieser eine große Geltungsfläche. Dieser kurze Aussagesatz wurde im Präteritum verfasst. Weder Parataxe, Hypotaxe noch Ellipsen lassen sich finden. Auch sind keine Fremdwörter zu sehen, sodass der Satz leicht verständlich ist. Die Schlüsselwörter im Satz sind: der Mann und die Ortschaft, diese Informationstragenden Wörter sind unerlässlich für den Sinn des Satzes. Außerdem wurde der Modus des Indikativs genutzt.

Auf Seite vierzehn sind längere Sätze zu lesen, es wurde im Erzähltempus des Präteritums geschrieben, und wörtliche Rede ist zu erkennen. Es handelt sich hauptsächlich um Aussagesätze, der Autor hat jedoch auch einen Fragesatz in den Text integriert, durch diesen wirkt der Dialog direkter. Es ist kein Reim oder Rhythmus im Text vorhanden.

Auf der Doppelseite fünfzehn und sechzehn sind viele wörtliche Reden zu finden welche den Text lebendiger wirken lassen. Auch wird eine Rhetorische Frage ausgesprochen, „Stell du ihn doch selbst ein.“12, wobei die Inselbewohner wissen sollten, dass im Boot des Fischers nur ein Platz ist. Es wird also nicht nach Information gefragt, sondern versucht, das Gegenüber zu beeinflussen. Fremdwörter sind keine zu lesen, die Sätze sind im Präteritum geschrieben.

Auch auf der Doppelseite siebzehn und achtzehn sind die Texte im Präteritum, und in einem Alltagssprachlichen Stil geschrieben. Der Autor hat die wörtliche Rede genutzt, um dem Text eine lebendige Wirkung zu verleihen.

Ein Aufforderungssatz findet sich auf Seite neunzehn in dem eine Mutter ihr Kind mit Nachdruck warnt, die Suppe aufzuessen. Außerdem wurden wörtliche Reden genutzt, der Autor hat den Erzähltempus des Präteritums gewählt. Die weiteren Sätze dieser Doppelseite sind Aussagesätze.

Eine Steigerung der Angst ist auf Seite einundzwanzig zu lesen, in der die Angst so sehr aufgeputscht wird, dass die Inselbewohner etwas gegen den Fremden tun wollen, diese steigert die Spannung im Leser und regt zum weiterlesen an. „Er sein ein Fremder. Er solle gehen. Er müsse weg.“13 stellt eine Anapher dar, und unterstreicht die auffallende Bedeutsamkeit des Satzes für den weiteren Verlauf der Geschichte. Das Wort Ziegenstall im letzten Satz, ist ein Schlüsselwort, ohne dieses Informationstragende Wort würde der Sinn verfremdet werden, außerdem ist dieser Satz im Indikativ verfasst.

Auf der folgenden Seite steht nur ein kurzer, sich auf die vorherige und folgende Seite erstreckender halber Satz. Dieser wird auf Seite fünfundzwanzig beendet, auch das Schicksal des Fremden ist mit diesem Satz beendet. Dieser Satz ist im Präteritum geschrieben, es handelt sich um einen Aussagesatz. Schlüsselwörter sind hier Floß und Wellen.

Anaphern hat der Autor auch auf der letzten beschriebenen Seite genutzt. Die Aussagesätze, welche im Präteritum verfasst sind, beginnen immer wieder mit „Und“, diese Anaphern erzeugen eine verstärkte Wirkung im Leser, durch die eindringliche Wiederholung des Wortes. Als Modus ist der Indikativ gewählt. Das vom Autor im Text gewählte Wort Kormorane, stellt vermutlich für einige Menschen ein Fremdwort dar.

Allgemein kann man sagen, dass das Bilderbuch im Erzähltempus des Präteritums verfasst wurde, dies ist laut Staiger typisch für Bilderbücher.14 Das Bilderbuch wurde in einem Alltagssprachstil verfasst und ist somit leicht verständlich, auch Fremdwörter wurden kaum genutzt. Reime und Rhythmus, welche eigentlich typisch für ein Bilderbuch sind kommen nicht vor, auch sprachliche Mittel werden selten angewandt.

[...]


1 Rudolph, Saskia: Bunte Fenster zur Welt. Mit Bilderbüchern interkulturelles Lernen fördern. Hamburg, 2011, Seite 15.

2 Staiger, Michael: Erzählen mit Bild-Schrifttext-Kombinationen. Ein fünfdimensionales Modell der Bilderbuchanalyse. In: Julia Knopf, Ulf Abraham (Hg.): BilderBücher. Theorie. Deutschdidaktik für die Primarstufe. Baltmannsweiler, 2014, Seite 20-21.

3 Niermann, Monika: Das Bilderbuch in der pädagogischen Diskussion. Materialien zum Bilderbuch in Elternhaus, Kindergarten, Schule und Bibliothek. Düsseldorf, 1979, Seite 112.

4 Greder, Armin: Die Insel. Eine tägliche Geschichte. Frankfurt am Main, 2002, Buchrücken.

5 Vgl. Greder, Buchrücken.

6 http://zeichnen-lernen.markus-agerer.de/zeichnen-malen/farbenlehre-01.php (Abgerufen am 06.08.2017)

7 Vgl. Staiger, Michael, Seite 19.

8 Da keine Seitenzahlen durch den Autor angegeben sind, möchte ich Klarheit dadurch schaffen, die Seiten zu nummerieren. Als erste Seite des Bilderbuches ist vom mir die Seite mit dem Floß gewählt, von da aus führen sich die Seitenzahlen fort.

9 Vgl. Greder, Armin, Seite 1.

10 Da keine Seitenzahlen durch den Autor angegeben sind, möchte ich Klarheit dadurch schaffen, die Seiten zu nummerieren. Als erste Seite des Bilderbuches ist vom mir die Seite mit dem Floß gewählt, von da aus führen sich die Seitenzahlen fort.

11 https://zeichnen-lernen.net/kunstkurse/bildaufteilung.php (Abgerufen am 06.08.2017)

12 Vgl. Greder, Armin, Seite 15.

13 Vgl. Greder, Armin, Seite 21.

14 Vgl. Staiger, Michael, Seite 18.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Eine Analyse des Bilderbuches "Die Insel" von Armin Greder
Untertitel
Anwendung der Analysekriterien von Michael Staiger
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V991317
ISBN (eBook)
9783346363435
ISBN (Buch)
9783346363442
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, analyse, bilderbuches, insel, armin, greder, anwendung, analysekriterien, michael, staiger
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Eine Analyse des Bilderbuches "Die Insel" von Armin Greder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991317

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