Gestaltung eines Umweltberichtsystems als Aufgabe des ökologieorientierten Controlling


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

18 Seiten, Note: 1,25


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Inhaltsverzeichnis

A. Problemstellung

B. Kennzeichnung eines ökologieorientierten Controlling
I. Einordnung des Öko-Controlling
II. Ziele des Öko-Controlling
III. Aufgaben des Öko-Controlling
1. Die Informationsversorgungsfunktion
2. Die Koordinationsfunktion
IV. Anforderungen an das Öko-Controlling

C. Gestaltung eines Umweltberichtsystems
I. Zweck des Umweltberichtsystems
II. Anforderungen an ein betriebliches Umweltinformationssystem
1. Grundlegende Anforderungen an ein Informationssystem
2. Spezielle Anforderungen an ein Umweltberichtsystem
III. Instrumente eines Umweltberichtsystems
1. Kategorisierungsmerkmale
2. Allgemeiner Überblick
3. Das Öko-Bilanz-Konzept
a) Die Betriebsbilanz
b) Die Prozeßbilanz
c) Die Produktbilanz
d) Die Substanzbilanz
e) Die Bewertung der Öko-Bilanz mit Hilfe der ABC/XYZ- Analyse
IV. Beurteilung des IÖW-Öko-Bilanz-Konzeptes

D. Schlußbetrachtung

E. Literaturverzeichnis

A. Problemstellung

In den letzten Jahren wurde die Öffentlichkeit immer mehr für die Umweltproblematik sensibilisiert. Dadurch entwickelte sich das ökologische Image eines Unternehmens und seiner Produkte bei vielen Kunden zu einem Absatzkriterium. Gleichzeitig wurden seitens der Umweltpolitik strengere Vorschriften und Gesetze geschaffen. Dies führt direkt zu steigenden betrieblichen Aufwendungen z. B. für Filteranlagen, aber auch indirekt für die erforderliche gezielte Gestaltung des Unternehmens insgesamt bezüglich der Umweltbelange. Die ökologische Betroffenheit des Unternehmens kann also nicht übergangen werden. Für die dauerhafte Existenzsicherung ist eine Ökologieorientierung unumgänglich. Unternehmungen kommen nicht umhin, den Umweltschutz in ihr Zielsystem zu integrieren und bei ihren Strategien zu berücksichtigen. Die Umweltbelastung durch das Unternehmen muß dokumentiert werden, Chancen- und Risikopotentiale für die Zukunft müssen abgeschätzt werden. Dem Controlling fällt die Aufgabe zu, ein entsprechendes System zu entwickeln. Dabei müssen der Informationsbedarf analysiert und die Ziele eines Umweltberichtsystems gekennzeichnet werden.

B. Kennzeichnung eines ökologieorientierten Controlling

I. Einordnung des Öko-Controlling

Vom Controlling existiert keine einheitliche Konzeption. Die Auffassungen in der Literatur über den Gegenstand und die Abgrenzung des Controlling sind vielgestaltig und weichen teils stark voneinander ab.1

Dieser Arbeit liegt der Ansatz von Horváth zugrunde. Demnach koordiniert das Controlling als Subsystem der Führung systembildend und systemkoppelnd die Planung, Kontrolle und Informationsversorgung. Die Koordination und Adaption des gesamten Systems wird so gefördert. Somit dient das Controlling der Führungsunterstützung.2 Die systembildende Koordination geschieht mittels der Schaffung aneinander angepaßter formaler Systeme, d.h. durch den Aufbau einer zur Abstimmung von Aufgaben mitwirkenden Gebilde- und Prozeßstruktur.3

Die systemkoppelnde Koordination erfolgt durch Anpassungsvorgänge innerhalb einer bestehenden Systemstruktur. Sie beinhaltet Koordinationsanstrengungen für die Problembewältigung im Bereich des gegebenen Systemgefüges wie auch zur Gegensteuerung bei auftretenden Störungen.4

Das Ökologieproblem betrifft übergreifend die ganze Unternehmung. Die Bewältigung ist daher eine Querschnittsfunktion, und somit Aufgabe des Controlling, das dann zum ökologieorientierten Controlling (im weiteren Öko-Controlling) ausgebaut werden muß.5 Obiges Konzept ist um eine ökologische Komponente zu erweitern, um die Folgen der Unternehmensprozesse für die Umwelt abbilden zu können.6

II. Ziele des Öko-Controlling

,,Die Controllingziele bestehen in der Sicherung und Erhaltung der Koordinations- Reaktionsund Adaptionsfähigkeit der Führung, damit diese die Formal- und Sachziele der Unternehmung realisieren kann."7

Somit liegt die grundlegende Zielsetzung des Controlling in der Unterstützung der Unternehmensführung bei der Erreichung der unternehmerischen Ziele. Soll dies auch für ein Öko-Controlling gelten, setzt das die Verankerung des Umweltschutzes im Zielsystem der Unternehmung voraus, und zwar als Formal- oder Sachziel. Als Formalziel würde der Umweltschutz eine gleichberechtigte Stellung z.B. neben dem Gewinnziel einnehmen. Eine entsprechende Einordnung ist aber eher unrealistisch. Als Sachziel ist zwischen exogenem und endogenem Sachziel zu unterscheiden: Ein exogenes liegt vor, wenn die Unternehmung sich nur an gesetzliche Vorschriften anpaßt. Von endogenem Sachziel spricht man, wenn Umweltschutz als wesentliche Grundlage zur Realisierung des Formalziels einer adäquaten Gewinnerwirtschaftung gesehen wird und dazu dient, betriebliche Erfolgspotentiale aufzuspüren und zu nutzen. Ebenso sind Gefahrenpotentiale aufzudecken und abzustellen.8 Umweltschutz als endogenes Sachziel ist die notwendige Voraussetzung für ein Öko- Controlling.9

Das elementare Ziel des Öko-Controlling ist dann die Unterstützung der Unternehmensführung bei der Erreichung ihrer umweltschutzbezogenen Ziele10.

III. Aufgaben des Öko-Controlling

1. Die Informationsversorgungsfunktion

Aus der aufgezeigten Zielsetzung des Öko-Controlling lassen sich dessen Aufgaben ableiten. Die Führungsunterstützung steht im Mittelpunkt. Soll die Führung ihre umweltschutzbezogenen Ziele erreichen, benötigt sie als Basis Informationen, welche die Erfassung und Beurteilung der ökologischen Relevanz des betrieblichen Handelns ermöglichen. Die gewonnenen Informationen sind systematisch zu erfassen, verarbeiten und aufzubereiten.11 Diese Informationsversorgungsfunktion ist die zentrale Aufgabe des Öko- Controlling.12 Sie stellt die Grundlage dar einerseits für die Einschätzung des Ist-Zustandes der unternehmensinduzierten Umweltbelastungen und andererseits zur Planung, Realisierung, Steuerung und Kontrolle von Umweltschutzmaßnahmen.

Um eine systematische Vorgehensweise zu gewährleisten und weil die existierenden Instrumente des ,,klassischen" Controlling nur begrenzt oder gar nicht in der Lage sind, diese Aufgabe zu bewältigen, bedarf es der Schaffung eines speziellen Informationssystems. Dieses wird als Umweltinformationssystem bzw. Umweltberichtsystem13 bezeichnet.

2. Die Koordinationsfunktion

Der Aufbau des Umweltberichtsystems erfolgt im Sinne der horváthschen Controllingkonzeption aufgrund der systembildenden Koordinationsfunktion des ÖkoControlling.

Das Öko-Controlling leistet aber auch systemkoppelnde Koordinationsaufgaben durch die Anpassung bestehender und neu geschaffener Systeme an veränderte Bedingungen oder die Kombination mit existierenden Komponenten betrieblicher Informationssysteme (z.B. Kostenrechnung).14 Die dort vorhandenen EDV-Systeme helfen bei der Verarbeitung und Aufbereitung der Informationen.

Von nahezu allen Bereichen der Unternehmung können Umweltbelastungen ausgehen, und außerhalb stellen Lieferanten, Abnehmer, die Öffentlichkeit und der Staat diesbezügliche Anforderungen.15 Umweltrelevante Informationen fallen also bereichsübergreifend an, sie müssen aus einer Vielzahl von inner- und überbetrieblichen Quellen zusammengetragen werden.16 Es sind vielfältige Interdependenzen zu beachten, so daß weiterer Koordinationsbedarf entsteht. Informationsangebot, -nach-frage und -bedarf müssen durch das Öko-Controlling abgestimmt werden.

Zusätzlicher Koordinationsbedarf entsteht durch die Betrachtung globaler Wirkungszusammenhänge im Öko-Controlling. Eine zentrale Bedingung für die interne Koordination, was die Umweltschutzziele betrifft, sind externe Koordinationserfordernisse, die sich aus dem Außenbezug zur gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt und daraus resultierenden Abhängigkeiten ergeben. Deren Berücksichtigung ist wichtig für die langfristige Existenzsicherung der Unternehmung.17

IV. Anforderungen an das Öko-Controlling

Die Integration aller Unternehmensziele sollte Aufgabe eines umfassenden Controllingsystems sein. Deshalb darf das Öko-Controlling nicht isoliert neben bestehenden Systemen konzipiert werden. Statt dessen sollte langfristig eine integrative Lösung angestrebt werden. Durch die Verknüpfung von ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Controllinginstrumenten wird deren Aussagekraft wesentlich gesteigert. Das zu entwickelnde Instrumentarium muß sowohl ökonomischen als auch ökologischen Zielen gerecht werden.18 Das Öko-Controlling darf nicht nur die Anwendung bestehender Controllinginstrumente auf Umweltschutzaspekte beinhalten. Dies wäre eine ökologisch ausgerichtete Differenzierung, die nur bereits internalisierte Rechengrößen für Umweltschutzmaßnahmen berücksichtigen könnte. Eine ökologieorientierte Erweiterung ist erforderlich zur Internalisierung bisher externer Effekte der Unternehmenstätigkeit auf die Umwelt. Diese externen Effekte sind aber oft nicht monetarisierbar. Deswegen müssen neue Instrumente des Öko-Controlling geschaffen werden.19

C. Gestaltung eines Umweltberichtsystems

I. Zweck des Umweltberichtsystems

Die Informationsinstrumente des Öko-Controlling werden auch als ,,Betriebliche Umwelt Informationssysteme" (BUIS) bezeichnet20. Ihr Zweck ist die Erfassung, Quantifizierung und Bewertung der Wirkung unternehmerischer Aktivität auf die natürliche Umwelt. Dabei können zwei grundsätzliche Ausrichtungen unterschieden werden. Unternehmensextern dienen die BUIS der Kommunikation mit diversen ökologischen Anspruchsgruppen, intern soll die ökologieorientierte Informationsversorgung gewährleistet werden. Die Adressaten sind demnach extern Kunden, Lieferanten, Gläubiger, Versicherungen, Behörden und die Öffentlichkeit. Interne Adressatengruppen umfassen die Unternehmensleitung, Abteilungen, Interessenvertretungsorgane sowie die Mitarbeiter. Das Öko-Controlling hat dabei die Aufgabe, das BUIS aufzubauen und zu pflegen. Die Aufbereitung der Daten insbesondere für die externen Anspruchsgruppen zählt nicht dazu.

II. Anforderungen an ein betriebliches Umweltinformationssystem

1. Grundlegende Anforderungen an ein Informationssystem

Einige grundsätzliche Anforderungen an Informationssysteme sollte ein ideales BUIS erfüllen:

- Alle relevanten Umweltbelastungen des Unternehmens sind zu ergründen, es ist also auf Vollständigkeit zu achten.
- Zwecks Überprüfbarkeit müssen präzise Begriffsabgrenzungen und eine deutliche Erfassungs- und Bewertungssystematik angewandt werden.
- Vergleichbarkeit gewährt ein einheitlicher Bewertungsmaßstab.
- Wirtschaftlichkeit sollte gegeben sein, die Realisierung des BUIS für das Unternehmen ökonomisch tragbar sein.21
- Einfachheit ermöglicht den Adressaten des BUIS die Nutzung, ohne das spezielles Wissen erforderlich ist.

2. Spezielle Anforderungen an ein Umweltberichtsystem

Ein BUIS sollte eine Zukunftsorientierung aufweisen, da die Identifikation von zukünftigen Gefahren und Chancen aufgrund der Umweltproblematik für die Unternehmung von zentraler Bedeutung ist.22 Dabei ist wichtig, daß nicht nur negative Effekte, sondern auch die positive Seite Beachtung findet. Neben Schwachstellen und Risiken sollten ebenso Marktchancen und Wettbewerbsvorteile durch das BUIS aufgezeigt werden.23

Das BUIS muß sowohl inner- als auch überbetrieblich orientiert sein.24 Aufgrund der besonderen Problematik ist der Untersuchungshorizont auf das Unternehmens-umfeld auszudehnen.

Da sich ökologische Sachverhalte nicht immer mit finanziellen Größen abbilden lassen, müssen andere Bewertungsmethoden entwickelt werden.25

Alle diese idealtypischen Anforderungen umzusetzen vermag keine der existierenden Konzeptionen. Die Komplexität und schwierige Monetarisierbarkeit der Umweltproblematik verursacht große Abgrenzungs-, Erfassungs- und Bewertungsprobleme, für die bisher nur ansatzweise Lösungen vorgewiesen werden können.26

III. Instrumente eines Umweltberichtsystems

1. Kategorisierungsmerkmale

Innerhalb der letzten Jahre ist eine Vielzahl von Ansätzen zur Umsetzung eines Öko- Controlling in Form eines Berichtsystems entwickelt worden. Diese lassen sich nach ihrer grundlegenden Ausrichtung unterscheiden. Bei dieser Unterscheidung gibt es jedoch mehrere Einordnungsansätze.

Es lassen sich strategische und operative Instrumente des Öko-Controlling unterscheiden, wobei erstere die strategischen Erfolgspotentiale durch den Umweltschutz untersuchen, letztere hingegen auf deren Realisierung abzielen.27

Eine andere Aufteilung spricht erstens von finanziell orientierten Ansätzen, die das finanzielle interne Rechnungswesen ökologieorientiert zu differenzieren suchen. Dabei werden Umweltschutzmaßnahmen hauptsächlich monetär bewertet. Zweite Gruppe sind ökologisch orientierte Konzepte, welche die nicht-monetäre, quantitative Erhebung und Steuerung von Umweltwirkungen unternehmerischer Aktivitäten in Mengengrößen vornehmen und eine Erweiterung des Controllings darstellen. Die integriertökonomisch-ökologischen Entwürfe schließlich versuchen die beiden erstgenannten zu integrieren, betrachten also ökologische und ökonomische Wirkungen wirtschaftlicher Handlungen, und zwar zweidimensional in Geldeinheiten pro Umweltbelastungseinheit (Kennziffern).28

Eine weitere Abgrenzung differenziert innen- und außenorientierte Instrumente.29

Innenorientierte Informationsinstrumente sollen die betriebsbedingten Umweltauswirkungen identifizieren, analysieren, bewerten und kontrollieren helfen. Planung, Steuerung und Kontrolle von Umweltschutzmaßnahmen sowie umweltschutzrelevante Stärken- und Schwächenanalyse werden ebenfalls ermöglicht.

Außenorientierte Informationsinstrumente sollen Chancen und Gefahren aufdecken, die dem Unternehmen aus Veränderungen der Umwelt in natürlicher, politischer, ökonomischer, technologischer oder gesellschaftlicher Hinsicht entstehen.30

2. Allgemeiner Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Instrumente des Öko-Controlling

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schaltegger/Kempke 1996 S. 151

sowie Günther/Wagner 1993 S. 147

Abbildung 1 zeigt eine Übersicht verschiedener Instrumente, die bis heute entwickelt wurden. Die Einordung ist nach den oben beschriebenen Kategorisierungsmerkmalen erfolgt. Diese Übersicht ist jedoch kritisch zu betrachten. In der Literatur wird auf unterschiedliche Controllingkonzepte aufgebaut oder eine konsequente Einordnung unterbleibt ganz. Oft verwischt die Abgrenzung zwischen Öko-Controlling und Umweltmanagement und es ist strittig, welche Instrumente überhaupt einem Umweltberichtsystem innerhalb einer Öko- Controlling-Konzeption zuzuordnen sind, wenn man wissenschaftlich korrekt vorgeht.31 Die genaue Erörterung dieser Problematik sowie eine Betrachtung aller Instrumente ist im Rahmen dieser Arbeit aus Platzgründen nicht möglich. Ich beschränke mich deswegen auf die Darstellung eines Ansatzes.

3. Das Öko-Bilanz-Konzept

Unter dem Begriff ,,Öko-Bilanz" sind verschiedene Konzepte entwickelt worden. Hier soll der umfassende Ansatz des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) dargestellt werden. Er ist der bisher geschlossenste und wurde nicht nur theoretisch konzipiert, sondern auch in der Praxis schon mehrfach erfolgreich umgesetzt und aufgrund dieser Erfahrungen weiterentwickelt.32

Der Begriff ,,Bilanz" steht dabei für den Vergleich des Input an Stoffen und Energie mit dem Output an Produkten und Emissionen. Um Begriffsverwirrungen zu vermeiden, sollte besser von Stoff- und Energiebilanzierung anstatt Öko-Bilanz gesprochen werden. Die vollständige Erfassung, Bewertung und Darstellung sämtlicher ökologischer Wirkungen betrieblicher Aktivitäten von der Herstellung über den Gebrauch bis zur Entsorgung eines Produktes, also über den gesamten Produktlebenszyklus ist das Ziel.33 Die IÖW-Öko-Bilanz ist zu definieren als umfassende und systematische ökologische Schwachstellenanalyse und -bewertung des Unternehmens zwecks dauerhafter Reduzierung von Umweltbelastungen.34 Die IÖW-Systematik umfaßt 4 Teilbilanzen. Dies sind die Betriebs- bzw. Input-Output- Bilanz, die Prozeßbilanz, die Produktbilanz und die Standortbilanz.

a) Die Betriebsbilanz

Die Betriebsbilanz ist der Ausgangspunkt der Betrachtungen, wobei dieser hier als ,,Black Box" gesehen wird.35 Es handelt sich dabei um eine Input-Output-Analyse des gesamten Betriebes, in der auf der Input-Seite getrennt die eingesetzten Stoffe und Energien erfaßt, auf der Seite des Outputs hingegen die stofflichen und energetischen Emissionen dargestellt werden. So entsteht ein quantitativer Überblick.36 Dabei wird in drei Ebenen vorgegangen. Alle Input- und Outputmaterialien werden von Stufe zu Stufe feiner eingeteilt bis zur Untersuchung der chemischen Zusammensetzung in Stufe 3.37

b) Die Prozeßbilanz

Hierbei wird die Black-Box-Betrachtung aufgegeben, um die Transformationsvor- gänge zwischen Input- und Outputseite des Betriebes sichtbar zu machen.38 Die Prozeßbilanz ist eine Stoff- und Energiebilanz der einzelnen Produktionsprozesse, mittels der die Betriebsbilanz weiter untergliedert wird. Damit werden die Beiträge einzelner Prozesse zur vom Unternehmen insgesamt ausgehenden Umweltbelastung aufgezeigt, was wiederum durch eine detailierte Analyse nach dem Input-Output-Schema erfolgt.39 Dazu ist eine Abgrenzung und Beschreibung selbständiger Teilprozesse anhand räumlicher, zeitlicher oder produktbedingter Kriterien erforderlich.40

c) Die Produktbilanz

Die Produktbilanz betrachtet nicht mehr den ganzen Betrieb, sondern das einzelne Produkt.41 Sie erfaßt die Umweltrelevanz der Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung über die Vorproduktion, Produktion, Distribution, den Konsum bis hin zur Entsorgung einschließlich des Transportes. Die Stoff- und Energieumsätze jeder dieser Stufen sollen ebenfalls mengenmäßig erfaßt werden.42 Hierzu ist die Kooperation der vor- und nachgelagerten Stufen nötig, z.B. sollten die Lieferanten Zusammensetzungszertifikate anfertigen.43

Die Methodik der Produktbilanz ist weitgehend identisch mit derjenigen der Produktlinienanalyse.44

d) Die Substanzbilanz

In der Substanzbilanz werden strukturelle Eingriffe in die natürliche Umwelt und andere dauerhafte, in den anderen Teilbilanzen nicht erfaßte ökologisch relevante Aspekte berücksichtigt. Dazu zählen Flächennutzungen, Bebauungen und Eingriffe in die Landschaftsstruktur, die nach ihrer Art, Intensität und weiteren Kriterien analysiert werden. Des weiteren sind langfristige Umweltbeeinträchtigungen durch den Betrieb wie Boden- und Grundwasserverunreinigungen zu berücksichtigen. Außerdem werden das Anlagevermögen und Lagerbestände sowie Altlasten hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen betrachtet.45

Nahezu alle vom Unternehmen ausgehenden Umweltbelastungen können in den vier verschiedenen Teilbilanzen systematisch erfaßt werden. In einem nächsten Schritt muß nun die Bewertung folgen.

e) Die Bewertung der Öko-Bilanz mit Hilfe der ABC/XYZ-Analyse

Zur Bewertung wird im Rahmen des IÖW-Konzeptes ein ABC-Klassifizierungsraster angewandt. Darin werden analog zur ökologischen Relevanz sowie des daraus entstehenden Handlungsbedarfs die verschiedenen Inputfaktoren, Emissionen oder Produktionsprozesse in relativer Abstufung eingeordnet. Die Kategorie A steht für ökologische Problembereiche mit akutem Handlungsbedarf, Stufe B werden Fälle mit geringerer Umweltbelastung und mittelfristig erforderlichen Maßnahmen zugeordnet und Klasse C umfaßt Bereiche, die nach aktuellem Wissensstand und gesellschaftlicher Akzeptanz als unbedenklich einzustufen sind.46

Dieses Verfahren wird damit begründet, daß eine numerische, quantitative und damit exaktere Bewertung aufgrund etlicher Faktoren nicht sinnvoll bzw. gar nicht möglich erscheint, z.B. ist wegen der Komplexität der Ökosphäre eine wissenschaftlich exakte Abgrenzung der unternehmensinduzierten Umwelteffekte kaum machbar.47

Die ABC-Gewichtung erfolgt nach sechs ökologiebezogenen Kriterien: Dies sind ,,umweltrechtliche/-politische Anforderungen", ,,gesellschaftliche Akzeptanz", ,,Gefährdungs- und Störfallpotential", ,,internalisierte Umweltkosten", ,,negative Effekte auf Vor- und Nachstufen" sowie ,,Erschöpfung nicht-regenerativer Rohstoffe / Übernutzung regenerativer Ressourcen"48 Dadurch kann die Unternehmensführung ihre operativen (z.B. Bestellungen, make or buy-Analysen) und strategischen Entscheidungen (z.B. Produktportfolio, Verfahrenswahl) umweltbezogen absichern.

Mittels einer XYZ-Bewertung wird der Mengeneffekt der Umweltbelastung eingeschätzt und ebenfalls relativ abgestuft49, z.B. wird der Verbrauch eines Inputstoffes pro Jahr dort eingestuft (hoher Verbrauch/Jahr = X, mittlerer Verbrauch = Y, unbedeutend = Z). Durch die Verknüpfung von ABC- und XYZ-Bewertung finden sowohl qualitative als auch quantitative Umwelteinwirkungen von Stoffen, Produkten und Verfahren Berücksichtigung.50

IV. Beurteilung des IÖW-Öko-Bilanz-Konzeptes

Nach der Darstellung folgt nun eine kritische Beurteilung des IÖW-Konzeptes anhand der oben genannten Anforderungen an ein BUIS.

Vollst ä ndigkeit dürfte vom Konzept her grundsätzlich gegeben sein, da in den vier Teilbilanzen sämtliche vom Betrieb ausgehende Umweltbelastungen erfaßt werden sollen. Allerdings ist eine Komplexitätsreduktion bei der Datenerfassung unumgänglich.51 Des weiteren können notwendige externe Informationen schwer zu erlangen sein mangels Verfügbarkeit oder aus Geheimhaltungsgründen (z.B. Zusammensetzungszertifikate).52 Insofern ist nur eine eingeschränkte, aber ausreichende Vollständigkeit erreichbar. Da die erfaßten Daten in physikalischen Einheiten angegeben werden, ist Ü berprüfbarkeit gewährleistet.

Aufgrund der ABC-Bewertungsmethode ist eine unmittelbare zahlenmäßige Vergleichbarkeit der Umweltbelastungen verschiedener Unternehmen nicht möglich. Allerdings stellt sich dabei die Frage, inwieweit solche Vergleiche überhaupt Sinn machen, solange die Unternehmen nicht sehr ähnliche Strukturen aufweisen. Außerdem ist die Zielsetzung der Öko-Bilanz ja die Reduzierung der Umweltbelastungen, für deren Umsetzung die ABC- Methode eine gute Entscheidungshilfe darstellt.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit hängt davon ab, wie aufwendig und damit kostenintensiv die Umsetzung für das Unternehmen ist. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Erfassung der ökologischen Informationen. Die bestehenden betrieblichen Informationssysteme sind dazu nur sehr begrenzt geeignet, so daß neue Systeme zu schaffen bzw. die alten anzupassen sind. Sowohl der Systemaufbau als auch die Ersterfassung aller relevanten Daten bindet Personalressourcen und verursacht somit hohe Kosten. Andererseits können z.B. durch die Öko-Bilanzierung ausgelöste Verfahrensänderungen langfristig zu Kosteneinsparungen führen, was dann zu einem positiven Nettoeffekt führen kann. Die positive Einschätzung der Praxiserfahrungen mit der Öko-Bilanz53 deuten darauf hin, daß bei konsequenter Umsetzung Wirtschaftlichkeit gegeben ist.

Die Einfachheit ist ebenfalls gegeben, da mit verständlichen Größen gearbeitet wird, die kein Expertenwissen erfordern.

Die Öko-Bilanz baut zwar auf vergangenheitsbezogene Daten auf, aber mit Hilfe der ABC- Einstufung nach den ökologischen Kriterien können die Entscheidungsträger die für die zukünftige Entwicklung besonders wichtigen Bereiche identifizieren und in strategische Überlegungen einbeziehen. Die Kriterien (siehe C.II.2.e.) zielen jedoch primär auf negative Effekte, also Risiken und Schwachstellen ab. Marktchancen und Erfolgspotentiale durch Umweltschutz können dadurch schlecht eingeschätzt werden.

Die geforderte unternehmensübergreifende Betrachtung wird durch die Erfassung des gesamten Produktlebenszyklus angegangen, ist aber aus oben bereits angeführten Gründen praktisch nur begrenzt möglich. Die interne Orientierung steht im Vordergrund. Die Erfordernis eines nicht-monetären Bewertungssystems wird durch die Anwendung der ABC/XYZ-Analyse erfüllt. Die ABC-Einstufung bietet dabei ein transparentes Bewertungsraster und übersichtliche Ergebnisse, was für einfache und verständliche Handhabung sorgt. Quervergleiche innerhalb von Stoffen, Produkten und Verfahren sind möglich.54 Kritisch anzumerken ist, daß die Einstufung der subjektiven Einschätzung des Bewertenden unterliegt.55

Insgesamt ist zu sagen, daß das IÖW-Öko-Bilanz-Konzept den genannten Anforderungen nicht in allen Bereichen in vollem Umfang gerecht werden kann. Dies gilt vor allem bei streng theoretischer Betrachtung. Die Erfahrungen aus der praktischen Anwendung in Unternehmen zeigen jedoch, daß es durchaus geeignet ist, den Erfordernissen der Ökologieproblematik gerecht zu werden.

Die notwendige interne Informationsversorgung der Unternehmensführung mit allen wichtigen umweltrelevanten Daten wird durch die Öko-Bilanz sichergestellt. Ökologische Schwachstellen im Unternehmen werden umfassend aufgedeckt.

Die Öko-Bilanz eignet sich zudem als interne Datenbasis für einen externen Umweltbericht, welcher der sachgerechten und wahrheitsgemäßen Unterrichtung der Stakeholder56 über die vom Unternehmen ausgehenden Umweltwirkungen und dessen Umweltschutzziele und - aktivitäten dient.57

D. Schlußbetrachtung

Diese Arbeit hat gezeigt, warum die Unternehmen die Ökologieproblematik heutzutage in ihrer ganzen Tragweite berücksichtigen müssen, um langfristig Existenz und Erfolg sichern zu können. Daraus folgte die Notwendigkeit der Ökologieorientierung das Controlling. Das Öko-Controlling ist eine Querschnittsfunktion . Es wurde deutlich, daß die Gestaltung eines Umweltinformationssystems die zentrale Aufgabe des Öko-Controlling ist. Am Beispiel des IÖW-Öko-Bilanz-Konzeptes wurde gezeigt, wie ein BUIS aufgebaut sein kann. Dieses wird jedoch nicht allen Anforderungen gerecht und unterscheidet sich weitgehend von bisherigen Informationssystemen. Da in Zukunft die Wichtigkeit der Umweltproblematik weiter steigen wird, ist langfristig die Entwicklung eines Informationssystemes notwendig, daß ökonomische und ökologische Faktoren gleichermaßen berücksichtigt.

E. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 vgl. Küpper1997, S.1

2 vgl. Horváth1996, S.141

3 vgl. Horváth1996S. 117

4 vgl. Horváth1996, S. 117 f.

5 In der Literatur stößt man auf keine einheitliche Definition. Unter den Begriffen Öko- Controlling, ökologieorientiertes Controlling, Umwelt-Controlling, umweltorientiertes Controlling u.ä. finden sich unterschiedlich ausgestaltete und abgegrenzter Ansätze, die selten wirklich konsequent auf bestehende Controllingansätze aufzubauen versuchen. Insofern stellt diese Arbeit auch einen Versuch einer Einordnung dar.

6 vgl. Beuermann/Halfmann/Böhm1995S. 335

7 Horváth [Controlling,1996], S.139

8 vgl. Wagner/Janzen1991S. 121

9 vgl. Steinle/Lawa/Jordan1995, S.100 f., vgl. Frese/Kloock1989S.4, vgl. Günther1994S.80 ff.

10 vgl. Klich1993S. 109

11 vgl. Kirschten1998S. 164

12 vgl. Rück1993S. 57

13 Diese Begriffe werden im folgenden synonym verwendet.

14 vgl. Hopfenbeck/Jasch1993S. 53

15 vgl. Schulz1991S. 223

16 vgl. Steinle/Lawa/Jordan1995S. 105

17 vgl. Rück1993S. 56

18 vgl. Günther/Wagner1993S. 144

19 vgl. Günther1994S. 106 f.

20 vgl. Schulz/ Schulz1993, S. 5

21 vgl. Wicke/Haasis/Schafhausen/Schulz1992S. 538

22 vgl. Janzen1996S. 94

23 vgl. Günther/Wagner1993S. 143; vgl. Janzen1996S. 94

24 vgl Steinle/Lawa/Jordan1995S. 104

25 vgl. Günther1994S. 107

26 vgl. Schulz/Schulz1993S. 8

27 vgl. Günther/Wagner1993S. 147

28 vgl. Schaltegger/Kempke1996S. 150 f.

29 vgl. Rück1993S. 122

30 vgl. Rück1993S. 122

31 vgl. hierzu Janzen1996S. 118-126

32 vgl. Günther1994S. 269

33 vgl. Hallay/Pfriem1992S. 58

34 vgl. Stahlmann1994S. 172

35 vgl. Hallay/Pfriem1992S. 58

36 vgl. HopfenbeckJasch1993S. 211

37 vgl. Günther1994S. 270

38 vgl. ebenda S. 270

39 vgl. Hopfenbeck/Jasch1993S. 211

40 vgl. Hallay/Pfriem1992S. 59 f.

41 vgl. Hopfenbeck/Jasch1993S. 211

42 vgl. Hallay/Pfriem1992S. 60

43 vgl. Günther1994S. 271

44 vgl. Hopfenbeck/Jasch1993S. 212

45 vgl. Hallay/ Pfriem1992S. 60 u. 88 f.

46 vgl. Hallay/Pfriem1992S. 94

47 vgl. Stahlmann1994S. 185 f.

48 vgl. Stahlmann1994S. 188

49 vgl. ebenda1994S. 197

50 vgl. ebenda1994S. 197

51 z.B. konzentriert man sich bei der Erfassung des ökologischen Produktlebenszyklus auf die Hauptpfade und betrachtet nur Umweltwirkungen, deren Existenz bzw. Gefahrenpotential bekannt ist.

52 vgl. Beuermann/Halfmann/Böhm1995S. 341

53 vgl. Stahlmann1994S. 281

54 vgl. Stahlmann1994S. 189

55 vgl. Hopfenbeck/Jasch1993S. 228

56 unternehmensexterne Anspruchsgruppen wie Kunden, Lieferanten, Staat, Öffentlichkeit

57 vgl. Clausen/Fichter1996S. 219

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Gestaltung eines Umweltberichtsystems als Aufgabe des ökologieorientierten Controlling
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Hauptseminar "Controlling von Querschnittsfunktionen"
Note
1,25
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V99132
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestaltung, Umweltberichtsystems, Aufgabe, Controlling, Hauptseminar, Controlling, Querschnittsfunktionen
Arbeit zitieren
Jan Schiller (Autor), 1999, Gestaltung eines Umweltberichtsystems als Aufgabe des ökologieorientierten Controlling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99132

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