Sextourismus in Thailand. Auswirkungen auf das Image des Landes


Seminararbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Relevanz und Zielsetzung der Arbeit

2. Geographischer Überblick über Thailand

3. Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Thailand

4. Definition und Entstehung des Sextourismus
4.1. Geschichte der Prostitution in Thailand
4.2. Settings des Sextourismus in Thailand
4.3. Problematik des Sextourismus in Thailand

5. Sextourismus als Einflussfaktor auf das Image des Landes
5.1. Imagebegriff in der Tourismusforschung
5.2. Auswirkungen des Sextourismus auf das Image Thailands

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der weltweite Tourismus hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Während es im Jahr 1950 lediglich 25 Millionen weltweite grenzüberschreitende Reiseankünfte gab, waren es im Jahr 2018 laut der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) bereits über 1,4 Milliarden. Damit ist die Zahl der Auslandsreisenden seitdem um mehr als das Fünfzigfache gestiegen (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2020).

In Thailand wuchs dieser Wirtschaftszweig seit den 1970er Jahren, als dort US-Truppen während des Vietnamkrieges stationiert wurden, um sich in einem sogenannten „Rest and Recreation“ Urlaub von den prägenden Erlebnissen des Krieges zu erholen (vgl. Kleiber/Wilke 1995:38f.). Die Stationierung der Militäreinheiten brachte, neben der Schaffung einer touristischen Infrastruktur, ein starkes Anwachsen der Prostitution in der ganzen Region mit sich (vgl. agisra 1990:208). Das Klischee der lächelnden, liebenswürdigen und gastfreundlichen Thailänder wirkt sich positiv auf den Tourismus und das Prostitutionsgewerbe aus. Wenn von Südostasien die Rede ist, dann wird meist ein Hinweis auf die schönen Mädchen dort gegeben. Durch diese Klischees wurde Südostasien, vor allem aber Thailand, sexuell motivierten Touristen als Reiseziel bekannt (vgl. Lipka 1989:15ff.).

Als „Land des Lächelns“ (Thailändisches Fremdenverkehrsamt 2020) wird Thailand noch heute bezeichnet und ist als dieses auch in den Köpfen vieler Menschen verankert. Auf der anderen Seite gilt Thailand als „Bordell der Welt“ (Vorlaufer 2011:205) und verliert durch dieses Image stark an Attraktivität für andere Urlaubsgruppen, wie beispielsweise Familien (vgl. Kirstges 2003:38).

1.1. Relevanz und Zielsetzung der Arbeit

Durch mehrfache Reisen nach Thailand und die damit verbundene Konfrontation mit der unübersehbaren Thematik des Sextourismus in diesem Land ergab sich mein Interesse und die Relevanz des Themas.

Mir stellt sich die Frage, inwieweit sich der Sextourismus in Thailand auf das Image des Landes und die daraus resultierende Reiseentscheidung der Touristen auswirkt. In meiner Arbeit werde ich auf die Entstehung der Prostitution bis hin zum Sextourismus in der heutigen Form in Thailand eingehen, die Problematik dahinter genauer betrachten und dessen Auswirkung auf das Image Thailands untersuchen.

2. Geographischer Überblick über Thailand

Thailand befindet sich in Südostasien und grenzt an die Länder Myanmar, Malaysia, Laos und Kambodscha. Das Land grenzt ebenso an zwei Meere, die Andamanensee und den Golf von Thailand, und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von ca. 513.000 km².

Thailand ist in insgesamt vier natürliche Regionen unterteilt. Der bergige Norden ist bekannt für grüne Wälder, große Nationalparks und seinen Reichtum an verschiedenen Pflanzen und Tierarten. In den Bergregionen des Nordens kommt es außerdem zu den kühlsten Temperaturen des Landes. Das, abgesehen von Bangkok, bevölkerungsreichste Gebiet des Landes ist der Nordosten, der mit seiner ursprünglichen Kultur glänzt und dessen Fluss Mekong eine natürliche Grenze zu den Nachbarländern Laos und Kambodscha bildet. Das Hauptreisanbaugebiet des Landes ist Zentralthailand, da es die fruchtbarsten Ackerböden Südostasiens besitzt. Für die Bewässerung dieser Reisfelder sorgt der Chao Phraya Fluss, welcher die gesamte Tiefebene bis hin zum siamesischen Golf durchzieht. Das bei Touristen wohl bekannteste Gebiet bildet die südliche Halbinsel mit ihren weißen Sandstränden und klarem Wasser. Im Süden Thailands kann man zahlreiche historische Attraktionen, Nationalparks und Tierschutzgebiete, sowie Wälder und Wasserfälle finden.

Des Weiteren gliedert sich Thailand in 76 Provinzen, wobei die Hauptstadt Bangkok in der Mitte des Landes als geographisches, politisches und wirtschaftliches Zentrum dient (vgl. Thailändisches Fremdenverkehrsamt 2020).

3. Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Thailand

Viele Entwicklungs- und Schwellenländer haben durch ihr warmes Klima, ihre kulturellen Reichtümer oder ihre intakten Naturräume großes touristisches Potenzial. Aufgrund dessen entsteht ein starkes Tourismuswachstum, welches bei den am wenigsten entwickelten Ländern doppelt so hoch ist wie im globalen Durchschnitt (vgl. BMZ 2020). Bedingt durch den „Entwicklungsländertourismus“ verzeichnet Südostasien seit 30 Jahren einen signifikanten Zuwachs in der Tourismusbranche (vgl. Vorlaufer 2011:191).

Als Entwicklungsländer werden laut des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Länder bezeichnet, die eine schlechte Versorgung großer Gruppen der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und dadurch Unterernährung und Hunger auszeichnet, die ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen aufweisen, die keine oder nur eine mangelhafte Gesundheitsversorgung, eine hohe Kindersterblichkeitsrate und eine geringe Lebenserwartung, sowie mangelhafte Bildungsmöglichkeiten und eine hohe Analphabetenquote haben. Weitere Indikatoren für Entwicklungsländer sind eine hohe Arbeitslosigkeit, ein insgesamt niedriger Lebensstandard und eine oft extrem ungleiche Verteilung vorhandener Güter (vgl. BMZ 2020).

Offiziell zählt Thailand als Entwicklungsland (vgl. BMZ 2020), jedoch herrscht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und einige Teile des Landes haben diesen Status bereits überschritten. Zwischen den Jahren 2015 und 2018 stieg die Armutsquote in Thailand von 7,2 % auf 9,8 %, und die absolute Zahl der in Armut lebenden Menschen stieg von 4,85 Millionen auf über 6,7 Millionen. Es herrscht ein großer Unterschied zwischen den urbanen Teilen des Landes, in denen es einen starken wirtschaftlichen Aufschwung gab, und den ländlichen Räumen, die sich aufgrund der fehlenden Infrastruktur weiterhin im Entwicklungsstadium befinden (vgl. The World Bank 2020).

Der Tourismussektor spielt in Thailand eine ausschlaggebende Rolle und trägt zur Sicherung von Arbeitsplätzen direkt sowie indirekt bei. Es ist ein starkes Wachstum der Tourismusindustrie zu erkennen, auch im Vergleich zu anderen Sektoren. Der Beitrag des Tourismus zum BIP betrug in Thailand im Jahr 2019 19,7 % der Gesamtwirtschaft, was eine Wachstumsrate von 1,8 % des Reise- und Tourismussektors darstellt. Im Jahr 2019 betrug der Gesamtbeitrag des Reise- und Tourismussektors zur Beschäftigung, einschließlich der indirekt von der Branche unterstützten Beschäftigungen, 8.054.600 Arbeitsplätze, was 21,4 % der Gesamtbeschäftigung entspricht (vgl. WTTC 2020).

4. Definition und Entstehung des Sextourismus

Sextourismus, auch häufig Prostitutionstourismus genannt, wird als gewerblich erworbenen Sex in der Zieldestination definiert. Als Sextourist gilt demnach ein Besucher, der in seiner Urlaubsregion den Leitgedanken, Sex mit einheimischen weiblichen oder männlichen Prostituierten zu erwerben, verfolgt (vgl. Fuchs et al. 2008:622ff.). Die individuelle Risikobereitschaft steigt mit der zunehmenden Entfernung von zu Hause und Reisende sind aufgrund dessen bereiter als sonst, sich auf sexuelle Kontakte einzulassen (vgl. Kleiber/Wilke 1995:15). Sextouristen unterscheiden sich in einigen Punkten hinsichtlich ihres Urlaubs- und Reiseverhaltens sowie ihrer Reisemotive von anderen Urlaubern. Die lange Aufenthaltsdauer im Urlaubsland, die große Fernreiseerfahrung sowie der hohe Anteil von Alleinreisenden sind dabei zu nennen (vgl. Kleiber/Wilke 1995:125). Laut einer Studie von Kleiber und Wilke sind Sextouristen überwiegend ledige oder geschiedene Männer zwischen 30 und 40 Jahren, die ausreichend finanziellen Background zu haben scheinen (vgl. Kleiber/Wilke 1995:111).

Der Tourismus wird als Entwicklungsstrategie betrachtet, wobei die Frauen stillschweigend als Touristenattraktion im harten internationalen Konkurrenzgeschäft eingesetzt werden (vgl. agisra 1990:15). Die Entwicklung des internationalen Sextourismus ist dabei nicht zu trennen von der allgemeinen Entwicklung des Tourismus, denn ohne dieser wäre die Entwicklung der Prostitution zu ihrer heutigen Form und in ihrem heutigem Ausmaß nicht möglich gewesen (vgl. Lipka 1989:74). Der Sextourismus ist Nebenfolge und Resultat des Tourismus in Fernreiseländer und den gewachsenen Möglichkeiten der reichen Industrienationen, landschaftlich sehr schöne Gebiete in Ländern der Dritten Welt für die Erholungsbedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu nutzen. Die Zieldestinationen für Sextourismus sind meist Dritte Welt Länder, die sich durch die wachsende internationale Nachfrage an Reisen mehr Divisen sowie wirtschaftlichen Wohlstand durch die Erschließung von touristischen Räumen erhoffen (vgl. Kleiber/Wilke 1995:28ff.). Der ökonomisch bedingte Wohlstandsunterschied zwischen Herkunfts- und Zielländer ist dabei ein entscheidender Faktor für die Entstehung des Sextourismus (vgl. Kleiber/Wilke 1995:32f.). Der Sextourismus wird aufgrund dessen als eine Variante der Ausbeutung der Dritten Welt Ländern durch Angehörige aus reichen Industrienationen ernannt (vgl. agisra 1990:13).

4.1. Geschichte der Prostitution in Thailand

Thailand ist bis heute nicht nur die weltweit bekannteste Destination für Sextourismus, Thailand hat, was die Entwicklung des internationalen Sextourismus anbelangt, sicherlich auch eine Vorreiterrolle gespielt (vgl. Kleiber/Wilke 1995:38). Durch die Verbindung von politischer Macht und Buddhismus als Staatsreligion entstand in Thailand schon sehr früh eine Hierarchie, die Frauen von politischer Macht ausschloss. Frauen hatten jahrhundertelang keinen Zugang zur Bildung, sind in der öffentlichen politischen Repräsentation kaum existent und werden als dem Mann unterlegen betrachtet (vgl. agisra 1990:200).

Prostitution hat in Thailand eine lange Geschichte, welche eng mit dem früheren Herrschaftssystem verbunden ist. Prostituierte wurden in Thailand erstmals 1351 in einem Gesetz erwähnt, welches im Zusammenhang mit Fronarbeitern niederer Gesellschaftsschichten stand, die für den König und die Adligen Dienste leisten mussten und aufgrund dessen ihre Familie lange Zeit nicht sehen konnten. Prostituierte, die wahrscheinlich von ihren Vätern oder Ehemännern verkauft wurden, dienten in dieser Zeit zum Vergnügen der Arbeiter. Das Recht, Ehefrauen und Töchter zu verkaufen, wurde in Thailand erst 1905 abgeschafft. Ein weiteres Anwachsen der Prostitution im Land brachte die Migration von chinesischen Arbeiten nach Thailand Mitte des 19. Jahrhunderts mit sich. Chinesische Bordelle mit hauptsächlich chinesischen Prostituierten machten zu der Zeit 88 % der Bordelle aus. Ebenfalls arbeiteten russische und europäische Frauen erstmals in Tee- und Kaffeehäusern. Im Jahr 1909 verabschiedete der damalige König Chulalongkorn ein Gesetz zur Kontrolle und Verhütung von Geschlechtskrankheiten. Durch dieses Gesetz durften Prostituierte nicht mehr öffentlich sichtbar sein, was sie zwang in Bordelle zu gehen, von denen die Stadt Steuern einnahm. Thailand folgte Ende der Vierziger Jahre der Politik der Vereinten Nationen und gab für Bordelle keine Lizenzen aus, was 1960 im kompletten Verbot der Prostitution endete. Dies jedoch führte zu keiner Verringerung der Prostitution in Thailand, sondern steigerte sogar die Nachfrage. Die Folge für die Frauen war eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse, da sie zusätzlich zu den Bordellbesitzern und Kunden ebenfalls der Polizei ausgeliefert waren (vgl. agisra 1990:206f.).

Die heutige Form des Prostitutionstourismus und des Sextourismusbooms in Thailand wurde durch die Stationierung der US-Truppen im Land während des Vietnamkriegs ausgelöst. Zwischen den Jahren 1962 und 1976 waren durchgängig circa 40.000 US-Soldaten in Thailand fest stationiert. Zudem waren viele Wehrpflichtige im Land, die zwischen 1966 und 1971 Urlaub in Thailand verbringen durften. Dieser sogenannte „Rest and Recreation“ Urlaub sollte die Wehrpflichtigen einsatzfähig und -willig halten (vgl. Kleiber/Wilke 1995:38f.). Für diese wurde eine Infrastruktur von Bars, Bordellen und Massagesalons erbaut, die teilweise ganze Straßenzüge einnahmen. Die Orte Pattaya und Bangkok wurden als das Zentrum des „Rest and Recreation“ auserkoren und das Geschäft der Prostitution erreichte in dieser Zeit bisher noch nicht bekannte Dimensionen. Nicht nur Frauen aus der Region, sondern aus allen Teilen des Landes, arbeiteten im Prostitutionsgeschäft. Nach Abzug der Soldaten übernahm die Tourismusindustrie zunehmend die Infrastruktur der sexuellen Dienstleistungen, da diese Devisen bildete, die unabdingbar für die thailändische Wirtschaft wurden (vgl. agisra 1990: 208f.). Private Geschäftemacher schlossen zu der Zeit mit Unterstützung des Staates die „Lücke“ mit Hilfe von Tourismus und die „schönen Mädchen“ und das „billige Nachtleben“, welches bisher den Soldaten angeboten worden war, wurde ab Beginn der 70er Jahre den bundesrepublikanischen Männern angepriesen. Die Touristenzahlen stiegen mit wachsender Geschwindigkeit, was im Zeichen einer allgemeinen Zunahme der Fernreisen und der Einführung von Billigflügen steht (vgl. Lipka 1989:69).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sextourismus in Thailand. Auswirkungen auf das Image des Landes
Hochschule
Hochschule München
Veranstaltung
Chancen und Grenzen des nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländern
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V991367
ISBN (eBook)
9783346366726
ISBN (Buch)
9783346366733
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sextourismus, thailand, auswirkungen, image, landes
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Sextourismus in Thailand. Auswirkungen auf das Image des Landes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991367

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