Qualitative und quantitative Forschungsmethoden. Überblick über die Unterschiede


Seminararbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung – Einführung in das Thema

2. Quantitative Forschung
2.1. Was ist „Quantitative Forschung“ und wofür wird sie genutzt?
2.2. Allgemeiner Ablauf der Forschung
2.3. Praxisbeispiel – „Die PISA-Studie der OECD“

3. Qualitative Forschung
3.1. Was ist „Qualitative Forschung“ und wofür wird sie genutzt?
3.2. Allgemeiner Ablauf der Forschung
3.3. Praxisbeispiel – „Gruppendiskussion zum Thema Studienabbruch“

4. Unterschiede zwischen Quantitativer und Qualitativer Forschung
4.1. Die Unterschiede quantitativer und qualitativer Forschung in der Theorie
4.2. Vergleich quantitativer und qualitativer Forschung anhand der Inhaltsanalyse
4.3. Zwischenfazit – Wie tief ist der Graben wirklich?

5. Kombination qualitativer und quantitativer Forschung
5.1. Triangulation – Begriffsdefinition und Erklärung
5.2. Triangulation von qualitativer und quantitativer Forschung

6. Fazit & Ausblick

II. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung – Einführung in das Thema

Egal ob bewusst oder unbewusst – in unserem Alltag kommen wir regelmäßig, um nicht zu sagen täglich, in Kontakt mit Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Sei es morgens beim Lesen der Tageszeitung, wenn man über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Ernährung informiert wird oder beim Anruf eines Marktforschungsinstituts, das genau diese Essgewohnheiten erfragen möchte, um die Antworten der Bevölkerung in einem Ergebnis zusammenzutragen. Einem solchen Ergebnis gehen, wie in vielen unserer täglichen Aktivitäten mit Zielbezug, aufeinander abgestimmte Schritte voraus. Im Kontext empirischer Forschung spricht man bei diesen Schritten zur Erreichung eines (Forschungs-)zieles auch von Methoden. In den Sozialwissenschaften werden Forschungsmethoden beispielsweise definiert als „alle Verfahren, mit denen sich Informationen über soziale Sachverhalte in einer zuverlässigen und gültigen Weise erheben und verarbeiten lassen.“ (Schirmer 2009, S. 15)

Grundsätzlich lassen sich empirische Methoden in quantitative und qualitative Verfahren bzw. Methoden einteilen. (Brosius et al. 2016, S. 4) Einführen möchte ich in diese beiden Methoden der Wissenschaft mit der Redewendung „Alle Wege führen nach Rom“ und einen Vergleich zur Planung einer Reise ziehen. Bei der Reiseplanung ist dem Reisenden das Ziel bekannt. Die Aufgabe ist es dann zu ermitteln, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Dabei steht dem Reisenden eine Vielzahl von Werkzeugen zur Verfügung. Er könnte die Route im Internet ersuchen, zum Straßenatlas greifen oder Bekannte, die das Reiseziel bereits besucht haben, nach dem Weg dorthin fragen. Mit einer isolierten Verwendung eines dieser Werkzeuge wird der Reisende mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ziel finden, doch möglicherweise kann er durch die Kombination der Möglichkeiten mehrere Wege miteinander vergleichen, um so den optimalen Weg zu finden. Dieses Szenario lässt sich wiederum mit der Wissenschaft vergleichen. Der Forschungsprozess beginnt mit einer Fragestellung und soll zu einem Ergebnis führen. (Schirmer 2009, S. 16) Um diese Ergebnisse ermitteln zu können, hat der Forschende die Möglichkeit sich aus einer breiten Palette an Werkzeugen bedienen zu können, die sich in ihrer Forschungslogik und ihrem Ablauf unterscheiden und für verschiedene Fragestellungen geeignet bzw. nicht geeignet sind. Der Forscher kann nun eine Methode allein zum Erreichen seines Zieles verwenden, jedoch ist auch eine Verknüpfung verschiedener Methoden denkbar.

Wie im oben genannten Beispiel der Reiseplanung, bei dem sich oft Verfechter der analogen und digitalen Reiseplanung gegenüberstehen, hat sich auch in der empirischen Sozialforschung ein Graben zwischen der Welt der qualitativen und quantitativen Methoden gebildet, der allgemein als Methodologiestreit (oder auch Methodenstreit) bekannt ist. (Schirmer 2009, S. 53)

Ich möchte im Folgenden daher vor allem im Allgemeinen auf diese beiden Methoden der Forschung eingehen, ihre Eigenheiten beschreiben, die Unterschiede zwischen ihnen erläutern, kurz die Entstehung des zuvor genannten Grabens ergründen und letztlich einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der beiden Formen geben. Im Detail beschreibe ich dabei zunächst die quantitative Forschung, erläutere dabei wie sie sich definiert und wofür sie genutzt wird, schließe den allgemeinen Ablauf dieses Forschungsverfahren an und will zum Abschluss anhand eines Beispiels die Charakteristika des Verfahrens aufzeigen. Dasselbe soll anschließend auch mit der qualitativen Forschung geschehen. Da beide Verfahren Unterschiede besitzen, folgt ein Vergleich der, in welchem ich zunächst in der Theorie einzelne Unterschiede beschreibe, ehe ich dies mit einem Praxisbeispiel bestätigen will. Zum Ende meiner Arbeit gehe ich dann auch auf eine mögliche Kombination der beiden Methoden ein, schließlich habe ich am Beispiel der Reiseplanung beschrieben, dass eine Kombination verschiedener Werkzeuge zur Optimierung des Ergebnisses führen kann und will diese These daher auch auf die empirische Wissenschaft adaptieren.

2. Quantitative Forschung

2.1. Was ist „Quantitative Forschung“ und wofür wird sie genutzt?

Zunächst möchte ich die quantitative Forschung im Allgemeinen erklären und ihr Aufgabengebiet abgrenzen. Eine kurze und prägnante Definition bzw. Erklärung für diese Methode ist, dass es sich bei ihren Verfahren um solche handelt, „in denen empirische Beobachtungen über wenige, ausgesuchte Merkmale systematisch mit Zahlenwerten belegt und auf einer zahlenmäßig breiten Basis gesammelt werden.“ (Brosius et al. 2016, S. 4) Anhand dieser Definition wird bereits klar, dass sich diese Verfahren hauptsächlich mit leicht zu vergleichenden Zahlenwerten beschäftigen, sich jedoch nicht daran erschöpfen. (Burzan 2015, S. 23)

Ein Anwendungsgebiet dieser Methode ist daher zum Beispiel die statistische Absicherung eines bereits intensiv erforschten Themenbereiches und die Ergänzung von bereits vorhandenem Wissen. (Brosius et al. 2016 S. 5) Schließlich kann eine groß angelegte Umfrage mit Tausenden Befragten eine durch frühere Forschung aufgestellte These stützen – sie jedoch auch stürzen. (Burzan 2015 S. 23)

2.2. Allgemeiner Ablauf der Forschung

Grundsätzlich lässt sich bei der Betrachtung der quantitativen Forschung ein linearer Forschungsablauf erkennen, d. h. der Ablauf erfolgt nacheinander in einer linearen Abfolge von konzeptionellen, methodischen und empirischen Schritten, die voneinander unabhängig durchführbar sind. (Flick 2017, S 122f.) Der Ansatz dieses Forschungsverfahrens erfolgt an der Modellbildung. So wird zunächst ein Modell durch den Wissenschaftler konstruiert, in dem er die vermuteten Bedingungen und Zusammenhänge „am Schreibtisch“ zusammenfasst, wobei sein Ausgangspunkt z. B. bereits vorhandene Literatur sein kann. Aus diesem Modell leitet er anschließend Hypothesen ab, die dann überprüft werden sollen. Diese wiederum bestimmen, wie der Forschungsgegenstand überprüft werden soll. Das Ziel sind repräsentative Ergebnisse, die bspw. durch eine Zufallsauswahl der untersuchten Subjekte erreicht werden können. Hypothesen werden also entweder überprüft und bestätigt oder aber auch falsifiziert. (Flick 2017, S. 123)

Auffällig beim Forschungsablauf der Methode ist somit, dass die Schritte des Prozesses sequenziell abgearbeitet werden können bzw. müssen, damit standhafte Ergebnisse erreicht werden, was die zu Beginn aufgestellte These des Ablaufs nochmals bestätigt: Quantitative Methoden laufen linear ab.

2.3. Praxisbeispiel – „Die PISA-Studie der OECD“

Um die Ziele und den Ablauf quantitativer Forschung besser darstellen zu können, will ich auf die weltweit bekannte PISA-Studie der OECD zurückgreifen. Bei dieser Studie handelt es sich um eine internationale Schulleistungsstudie, bei der im Jahr 2015 der Fokus auf den Naturwissenschaften lag (OECD 2015, S. 3). Dabei wurde in zahlreichen Ländern der Welt ein Schulleistungstest durchgeführt, in dem Fragen aus diversen Bereichen der Naturwissenschaft zu beantworten waren. Dabei wird auf ein möglichst vergleichbares Prüfungsniveau geachtet, um die Ergebnisse im Rahmen einer Auswertung zu Statistiken zusammenfassen zu können. So wird eine gute Vergleichbarkeit der einzelnen Staaten, Geschlechter, Schüler, usw. gewährleistet. Vergleichbar ist der PISA-Test so mit einem standardisierten Fragebogen, der in der quantitativen Forschung häufig Verwendung findet.

Nachdem der Test durchgeführt wurde, werden die Ergebnisse aller Teilnehmer weltweit zusammengeführt und empirisch untersucht. Dabei werden diverse Fragestellungen bearbeitet, z. B. wird geprüft, in welchem Land die Schüler am besten abschnitten und welches Geschlecht die besseren Ergebnisse erzielte. Die Ergebnisse wurden in zahlreichen Statistiken verdichtet und anschließend in einem Abschlussbericht veröffentlicht. In diesem Bericht wurden die Zahlen auch mit denen der letzten Studie der Naturwissenschaften im Jahre 2006 verglichen. So wurde für alle deutschen Schüler im Jahr 2015 als Mittelwert eine Punktzahl von 509 ermittelt. (OECD 2015, S. 50)

Dieses Praxisbeispiel zeigt die Grundzüge quantitativer Methoden. Der Test an sich weist zwar Formen beider in dieser Arbeit beschriebenen Varianten empirischer Forschung auf. Die Hauptaufgabe der Forschung beginnt jedoch erst nach dem Test, wenn die Ergebnisse mithilfe spezifischer Fragestellungen wie „ Wie hoch ist der Punktedurchschnitt in den Ländern?“ überprüft werden. Die dort ermittelten Daten werden dann in Statistiken verdichtet. Diese können wiederum durch „harte“ Zahlen die eingangs formulierten Fragestellungen beantworten und bieten keinen Interpretationsspielraum für den Forscher.

Was ist wenn der Forscher aber seine persönliche Interpretation in die Auswertung mit einbezieht und nach Gründen für die Ergebnisse fragen will? Schließlich könnte er sich fragen, weshalb Jungen und Mädchen in einem Entwicklungsland schlechtere Ergebnisse erzielen als in einer Industrienation (aber auch umgekehrt). Würde der Forscher so agieren, würde er qualitative Bausteine in die Auswertung einbringen. Ich will deshalb auf den folgenden Seiten auch genauer auf die qualitative Forschung eingehen, um das Verständnis für diese zu schärfen und dadurch die Basis für einen späteren Vergleich der beiden Methoden zu schaffen.

3. Qualitative Forschung

3.1. Was ist „Qualitative Forschung“ und wofür wird sie genutzt?

Wie zuvor mit den quantitativen Verfahren möchte ich im Folgenden die qualitative Forschung definieren, ihr Aufgabengebiet beschreiben und einen allgemeinen Kurzüberblick über ihre Eigenschaften geben. Der Beginn der Erfolgsgeschichte dieser Forschungsform geht in die 1970er-Jahre in der BRD zurück, seither gewinnt die qualitative Forschung immer mehr an Bedeutung. (Mayring 2002, S. 9 und Wintzer 2016, S. 9)

Die Gründe für die verstärkte Verwendung dieser Verfahren waren vielfältig und wurden aus theoretischen und politischen Positionen formuliert, aber auch die Aspekte theoretischer und methodologischer Grundlagen hatten Einfluss auf das verstärkte Interesse an qualitativen Methoden, als einige Forscher den wichtigen Begriff des Verstehens für Geistes- und Sozialwissenschaften hervorhoben und damit die Traditionen der verstehenden Soziologie wieder aufgriffen. (Hopf 2016, S. 180f.) Diese Tradition beschreibt das Grundprinzip der qualitativen Forschung auch im Kern: bei ihr handelt es sich um eine Art des verstehenden Forschens, der Forscher will den Forschungsgegenstand ergründen und seine subjektive Meinung einbringen. (Flick 2017, S. 26)

Schwerpunktmäßig werden diese Methoden daher verwendet, wenn es um die Entwicklung von Theorien geht oder wenn es sich um anwendungsorientierte Untersuchungen handelt, bei denen zunächst ein Verständnis für das Problem entwickelt werden muss. (Eisend/Kuß 2017, S. 103) Der Grund hierfür ist, dass die Verfahren im Allgemeinen mit offenem Text und nicht mit standardisierten Werten arbeiten, was sich unter anderem durch eine detaillierte Dokumentation ausdrückt, in denen der Forscher seine subjektive Interpretation zur Forschungsfrage mit einbringen kann. (Flick 2017, S. 29) Dies hat eine generell größere Flexibilität in der Datenerhebung und der späteren Ergebnisformulierung zur Folge und wird wiederum durch eine gewisse Offenheit und weitgehende Freiheiten in Bezug auf den Forschungsprozess unterstützt. (Eisend/Kuß 2017, S. 233)

Zusammenfassend kann man bei qualitativer Forschung also von einer eher verstehenden Forschung sprechen, bei der der Forscher den Forschungsgegenstand verstehen möchte, um daraus Theorien zu erstellen. Dabei gibt es eine Vielzahl von Designs, also Forschungsvariationen, die zum Einsatz kommen können. Dazu zählen unter anderem die Befragung, die Inhaltsanalyse und die Beobachtung, wobei sich diese Liste um viele weitere Methoden ergänzen lässt. (Brosius et. al 2016, S. 6)

3.2. Allgemeiner Ablauf der Forschung

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, folgt die quantitative Forschung einem linearen Forschungsablauf, was auch einer der zentralen Unterschiede zwischen den beiden Varianten ist. Die Abläufe beider Verfahren sind nämlich nur begrenzt miteinander vereinbar. (Flick 2017, S. 122) Bei der qualitativen Forschung ist grundsätzlich eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen den einzelnen Bestandteilen des Forschungsprozesses gegeben, (Flick 2017 S. 123) weshalb eine lineare Durchführung der einzelnen Schritte hier unmöglich ist. Wäre der zuvor beschriebene lineare Ablauf als Grafik dargestellt worden, wäre eine Gerade gezeichnet worden. Müsse man im Vergleich dazu den zirkulären Ablauf der qualitativen Forschung grafisch darstellen, dann wäre dazu ein Kreis notwendig.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Qualitative und quantitative Forschungsmethoden. Überblick über die Unterschiede
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn  (Fernstudium Wirtschaftsinformatik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V991911
ISBN (eBook)
9783346355645
ISBN (Buch)
9783346355652
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschungsmethoden, Wissenschaft, Wissenschaftliches Arbeiten, Qualitativ, Quantitativ, Forschung, Qualitative Forschungsmethoden, Quantitative Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Andreas Aumeier (Autor), 2018, Qualitative und quantitative Forschungsmethoden. Überblick über die Unterschiede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991911

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