Über den Umfang und die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben. Grundschulunterricht planen


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen und Funktionen von Hausaufgaben

3. Richtlinien für die Gestaltung von Hausaufgaben
a) Rechtliche Vorgaben
b) Ausgewählte Richtlinien

4. Diskussion über den Nutzen und die Sinnhaftigkeit von

Hausaufgaben

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Titel .Hausaufgaben bringen nichts' veröffentlichte der Spiegel im Jahr 2008 die Ergebnisse einer Studie der Universität Dresden zur Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben. Hausaufgaben hätten keinen Effekt auf die Schulleistungen und würden zudem auch nicht zu besseren Noten führen. Sie seien lediglich ein pädagogisches Ritual, heißt es dort (Spiegel Online, 2008). Denn kaum ein Lernender, der die Schule besucht, kann sie umgehen. Ab der ersten Klasse und über die ganze Schullaufbahn hinweg, müssen sich Schüler und Schülerinnen (SuS) mit ihnen auseinandersetzen. Ob Ausmalarbeiten, Übungsaufgaben in Mathematik oder Vorbereitung von Vorträgen, Hausaufgaben sind bereits über Jahrzehnte hinweg präsent. Genauso wie die Schule insgesamt, sind sie ein einflussreicher Bestandteil des alltäglichen Lebens von Lernenden. So selbstverständlich auch ihr Dasein zu sein scheint, stellt sich die Frage nach der Effektivität von Hausaufgaben. Allgemeingültige und einheitliche Aussagen über ihr Mitwirken am Lernerfolg von Grundschülern existieren nicht. Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben ist auch heute noch aktuell, kontrovers umstritten und damit laut Grasedieck (2008) kein geklärtes pädagogisches Problem (S. 25).

Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Klärung der Problematik leisten. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit und in welchem Umfang Hausaufgaben sinnvoll sind und wie sie gestellt werden sollten, um den Lernprozess von Grundschülern unterstützen.

Nachdem ein Überblick über die Formen und Funktionen von Hausaufgaben gegeben wird, folgen Richtlinien für die Gestaltung von Hausaufgaben. An dieser Stelle wird Bezug auf die Schulordnung für Grundschulen in Sachsen und ausgewählte Faustregeln genommen. Es schließt sich eine Diskussion über den Nutzen und die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben an, in der Vor- und Nachteile abgewogen werden. Eine Zusammenfassung bildet den Abschluss dieser Arbeit.

2. Formen und Funktionen von Hausaufgaben

Verschiedene Ansätze im Folgenden geben einen ersten Einblick in das Begriffsverständnis von Hausaufgaben. Grasedieck zitiert an dieser Stelle Wudke und gibt an, dass Hausaufgaben vom Lehrer .angeordnete Aufgaben'“ umfassen. Sie seien als freiwilli ge Übungstätigkeiten im Hinblick auf eine Prüfung oder Nachhilfestunde“ (Wudke 1985, zitiert nach Grasedieck, 2008, S. 28) zu verstehen. Im Duden wird die Hausaufgabe als eine „vom Lehrer, der Lehrerin aufgegebene Arbeit, die die Schülerinnen und Schüler zu Hause erledigen müssen“ (Duden, 2017) beschrieben. Beide Definitionen bieten zunächst einen groben Rahmen. Nun stellt sich die Frage, welche konkreten Formen Hausaufgaben annehmen können und welche Funktionen sie erfüllen sollen.

Eine Übersicht von Standop (2013) bildet ein Angebot von verschiedenen Hausaufgabenformen ab. Es sind beispielhaft zu nennen: nachbereitende und vorbereitende, verpflichtende und freiwillige, offene und geschlossene, mündliche und schriftliche, individuelle und kooperative sowie kurzfristige und langfristige Hausaufgaben (S. 9). Welcher Art sich der Lehrer bedient, hängt unter anderem von seinem Unterrichtskonzept ab. So erklärt Meyer (2010), dass Hausaufgaben im lehrerzentrierten Unterricht häufig reproduzierend gestaltet werden (S. 176). Das heißt, im Mittelpunkt stehen Aufgaben, mit denen die SuS den Unterrichtsstoff vorangegangener Stunden wieder ins Gedächtnis rufen und formal anwenden. Im produkt- und handlungsorientierten Unterricht hingegen werden viele Möglichkeiten für produktive, themendifferenzierte, freiwillige Hausaufgaben“ geboten (Meyer, 2010, S. 176). Es sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass sich diese Kategorien nicht zwingend gegenseitig ausschließen, sondern auch ergänzen können.

Gebunden an die Art der Hausaufgabe ist die Überlegung, welches Ziel sie verfolgt. Im Fokus stehen diesbezüglich didaktische und erzieherische Funktionen, denen Hausaufgaben nachkommen sollen. Erstere können in die „Mechanisierungsfunktion [...], Übertra- gungs- und Kontrollfunktion [...], Erweiterungsfunktion, Erkundungs- und Motivationsfunktion“ (Haag & Brosig, 2010) eingeteilt werden. Das bedeutet, dass die Aufgaben dazu dienen, neu Gelerntes zu üben und zu überprüfen, das im Unterricht Behandelte zu vervollständigen und zu systematisieren sowie Lehrstoffe selbstständig vorzubereiten. Auch Standop (2013) schließt sich dieser Erklärung an. Sie fügt das grundsätzliche Ziel hinzu, den Lernprozess des Schülers anzuregen, zu stützen und zu fördern (S. 7). Damit dies gelingt, muss klar sein, welches Lernziel mit der Hausaufgabe verfolgt wird.

Im Mittelpunkt der erzieherischen Funktionen steht die Aneignung von eigenverantwortlichem und selbstgeregeltem Lernen. Die Kinder sollen dazu befähigt werden, „Lernvorgänge selbst zu organisieren, Arbeitszeit und Arbeitstechniken sowie Hilfsmittel selbstständig angemessen einzusetzen“ (Haag & Brosig, 2010). Zudem gilt es, das Konzentra- tionsvermögen der SuS zu fördern und deren Interesse für den Lernstoff auszubilden. Grasedieck (2008) ergänzt die Förderung von Kreativität und Motivation (S. 27). Es ist anzumerken, dass sich die gewählten didaktischen und erzieherischen Funktionen nicht widersprechen dürfen, um erreicht zu werden (Standop, 2013, S. 7).

Festzuhalten ist außerdem, dass die verschiedenen Typen von Hausaufgaben und ihre jeweiligen Funktionen in Relation zueinander stehen sollten.

3. Richtlinien für die Gestaltung von Hausaufgaben

a) Rechtliche Vorgaben

Bevor Hausaufgaben erteilt werden, ist es notwendig und sinnvoll, sich über allgemein gültige Richtlinien zum Umgang mit ihnen zu informieren. Die Schulordnung von Grundschulen im Freistaat Sachsen gibt diesbezüglich Folgendes vor:

„(1) Hausaufgaben sind so vorzubereiten und zu stellen, dass die Schüler sie ohne außerschulische Hilfe in angemessener Zeit bewältigen können. Umfang und Schwierigkeitsgrad der Hausaufgaben sollen dem Entwicklungsstand des einzelnen Schülers angepasst werden.
(2) Hausaufgaben werden im Unterricht besprochen und überprüft.
(3) Ferien sind von Hausaufgaben freizuhalten.“ (Schulordnung Grundschulen [SOGS], §17, Abs. 5)

Daraus geht hervor, dass die Hausaufgaben in Aspekten der Unterrichtsplanung und -durchführung, Lernorten außerhalb des Klassenzimmers sowie dem Umgang mit Heterogenität betrachtet werden müssen. Das Ausmaß der Handhabung dieser Aufgaben wird durch die Verordnung jedoch noch nicht explizit deutlich.

b) Ausgewählte Richtlinien

Konkretere Anhaltspunkte bezüglich der sinnvollen Gestaltung und des Umgangs mit Hausaufgaben liefert zum einen Lompscher (1997). Er stellt drei Hauptforderungen auf. Hausaufgaben sollen demnach so gestellt werden, dass SuS die Chance haben, sie eigenständig zu lösen (S. 117). Fehlerhafte Lösungen sollen keine Nachteile zur Folge haben und es gilt, die Aufgaben entsprechend der Fähigkeiten und Interessen der Lernenden zu differenzieren (Lompscher et al., 1997, S. 117). Dem ist hinzuzufügen, dass SuS den Zweck der Hausaufgaben bewusst begreifen müssen, um deren Anstrengungsbereitschaft zu erhöhen.

Grasedieck (2008) erklärt, dass die Aufgaben immer lernzielorientiert gestaltet und neue Informationen mit bereits bekanntem Wissen verknüpft werden sollen (S. 34). Dabei können gespeicherte Lerninhalte zweckmäßig abgerufen werden. Einen Beitrag zur Motivation leisten zudem ,,interessante[...], Iustige[...], extreme[...] Fakten“ (Grasedieck, 2008, S. 34), die in die Aufgabenstellungen eingearbeitet werden können. Auch erscheint ein Wechsel zwischen schriftlichen und mündlichen sowie projekt- und produktorientierten Hausaufgaben für die Motivation und Rücksichtnahme auf unterschiedliche Lerntypen nützlich (Meyer, 2010, S. 175).

Meyer ergänzt die Kategorien und behauptet, dass Hausaufgaben dann sinnvoll sind, wenn sie so formuliert wurden, dass ,,[...] sie ohne Umwege auf das neue Stundenziel hinführen.“ (Meyer, 2010, S. 135). Dadurch sei die Voraussetzung geschaffen, Hausaufgaben zum integrativen Bestandteil der Unterrichtsstunde zu machen. Falls das nicht der Fall sein sollte, empfiehlt er die Kontrolle dieser außerhalb der Unterrichtsstunde (Meyer, 2010, S. 136). Das beansprucht zwar einen Mehraufwand an Zeit, allerdings ist so die Möglichkeit gegeben, den Leistungsstand der Kinder in Ruhe zu ermitteln.

Standop (2013) betont eine gründliche didaktische Vorbereitung, damit die Aufgaben entsprechend der Unterrichtsziele lernwirksam werden können (S. 6). An dieser Stelle sollen vor allem die ,,[...] Art der Aufgabenstellung, die Vorgehensweise, das Ziel“ (Standop, 2013, S. 7) und Differenzierungsmöglichkeiten berücksichtigt werden. Arbeitsstrategien, die Anwendung in den Hausaufgaben finden, müssen den SuS aus dem Unterricht vertraut sein. Weniger der Umfang, sondern mehr die Regelmäßigkeit erzielen positive Effekte hinsichtlich der Wirksamkeit der gewählten Aufgaben (Standop, 2013, S. 8). Auf diese Weise können die Lernenden mit einer Aufgabenmenge rechnen, die sie auch bewältigen können. Ebenso relevant sind angemessene Schwierigkeitsgrade, die sich nach den Lernständen der SuS richten (Standop, 2013, S. 8). Standop (2013) sieht des Weiteren eine Differenzierung in Bezug auf die Lösungsansätze, das Lerntempo und die Lehr- sowie Lernhilfen vor (S. 8). Gleichermaßen bedeutsam ist die Berücksichtigung von individuellen Lernstrategien.

Kleinschmidt-Bräutigam (2013) betrachtet Hausaufgaben im Kontext des kompetenzorientierten Unterrichts und adaptiert aufgestellte Kriterien .guter' Aufgaben. Demnach ist hinzuzufügen, dass eine hohe Schüleraktivität, kooperative Arbeitsformen und außerdem das Feedback der Lehrperson sowie die Selbstreflexion der SuS eine entscheidende Rolle im Umgang mit Hausaufgaben einnehmen (S. 13f). Hinsichtlich der Kontrolle von Schülerlösungen ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ausführlicher und herkömmlicher Form des Vergleichens durch Abhaken empfehlenswert (Sahlmann, 2012, S. 33).

Konkrete Umsetzungsvorschläge und weitere Hinweise ergänzen im weiteren Verlauf die vorgestellten Richtlinien. Bei der Hausaufgabenerteilung muss Zeit eingeplant werden, in der die Kinder Fragen stellen dürfen. Verständnisfragen der SuS sollte die Lehrperson insofern beantworten, wie sie es sich auch von den Eltern erhofft (Herzig & Lange- Wandling, 2008, S. 199). Bei zu vielen Fragen muss die Aufgabenstellung überdacht werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Über den Umfang und die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben. Grundschulunterricht planen
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V992100
ISBN (eBook)
9783346358851
ISBN (Buch)
9783346358868
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, umfang, sinnhaftigkeit, hausaufgaben, grundschulunterricht
Arbeit zitieren
Jennifer Scharf (Autor), 2017, Über den Umfang und die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben. Grundschulunterricht planen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992100

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