Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem "Cours de linguistique générale" kurz CLG, der nach dem Tod von Ferdinand de Saussure von Charles Bally und Albert Sechehaye verfasst wurde.
Bally und Sechehaye erstellten den CLG auf Grundlage von verschiedenen Vorlesungsmitschriften der Studenten Saussures. Dieser war ein Genfer Sprachwissenschaftler, der jedoch zu Lebzeiten nicht publizierte, da er seine Forschungsergebnisse als unzureichend betrachtete und sein Augenmerk auf die Lehre legte.
Im CLG werden unter anderem Saussures Erkenntnisse zur Morphologie und Wortbildungslehre festgehalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Morphologie und Wortbildungslehre im « Cours de linguistique générale »
2.1 Syntagmatische und assoziative Solidaritäten und Gruppierungen
2.2 Arbitrarität, Durchsichtigkeit und Motivation
3 Saussures Erkenntnisse im CLG in der heutigen Sprachwissenschaft
3.1 Die Unterteilung von Einheiten und Untereinheiten
3.2 Die Arbitrarität des sprachlichen Zeichens
3.3 Die Durchsichtigkeit
3.4 Die Motivation
4 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Ferdinand de Saussures theoretische Konzepte zur Morphologie und Wortbildungslehre im "Cours de linguistique générale" (CLG) und bewertet deren Relevanz sowie Einfluss auf die moderne Sprachwissenschaft.
- Analyse der saussureschen Einheiten und Untereinheiten
- Untersuchung der Konzepte Arbitrarität, Motivation und Durchsichtigkeit
- Gegenüberstellung von Saussures Modellen mit heutigen morphologischen Lehrmeinungen
- Reflexion über die strukturalistische Sprachbetrachtung
- Vergleich zwischen historischer Sprachtheorie und zeitgenössischer Linguistik
Auszug aus dem Buch
2.2 Arbitrarität, Durchsichtigkeit und Motivation
Mit den Begriffen Arbitrarität, Durchsichtigkeit und Motivation arbeitet Saussure vor allem, um die Analyse der Einheiten auf ihren Wert in der Sprache durchzuführen.
Die Arbitrarität umfasst die grundlegenden Eigenschaften eines sprachlichen Zeichens, sie misst den Wert, den dieses hat. Sie beschreibt die Willkür der Wahl eines sprachlichen Zeichens zu seiner Bedeutung. Es gibt zu keinem sprachlichen Zeichen einen „natürlichen Anknüpfungspunkt in der Realität“ (Wunderli, 2014: 107). Saussure sieht die Arbitrarität als Prinzip, das die ganze Linguistik des Sprachsystems dominiert. Arbitrarität bedeutet allerdings nicht, dass der Sprecher willkürlich neue Begriffe in der Sprache etablieren kann. Wenn diese einmal festgelegt sind, ist ein Sprecher darauf angewiesen, sie in der Art und Weise zu verwenden, wie sie etabliert sind, um verstanden zu werden. Er könnte beispielsweise niemals „Ich habe Durst.“ als Ausdruck für „Draußen scheint die Sonne.“ nutzen, da das was er meint nicht dem entspricht, was der Rest der Sprechergemeinschaft darunter versteht. Wie auch die oben genannte Unterteilung in syntagmatisch und assoziativ, dient die Arbitrarität ebenfalls dazu, die Sprache zu analysieren. Bei der Arbitrarität unterscheidet Saussure in radikal arbiträr und relativ arbiträr. Sprachliche Zeichen, die unmotiviert sind, sind die radikal arbiträren Zeichen, und diejenigen, die relativ motiviert sind, sind auch relativ arbiträre Zeichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehungsgeschichte des "Cours de linguistique générale" und definiert das Ziel, Saussures Erkenntnisse zur Morphologie auf ihre heutige wissenschaftliche Bedeutung hin zu untersuchen.
2 Morphologie und Wortbildungslehre im « Cours de linguistique générale »: Dieses Kapitel führt in Saussures Verständnis des sprachlichen Aufbaus ein, insbesondere in die Unterteilung der Sprache in Einheiten und Untereinheiten sowie deren Abhängigkeiten.
2.1 Syntagmatische und assoziative Solidaritäten und Gruppierungen: Hier werden die syntagmatische und assoziative Beziehung als Analysemethoden für sprachliche Einheiten innerhalb der Redekette und im Gedächtnis des Sprechers erläutert.
2.2 Arbitrarität, Durchsichtigkeit und Motivation: Dieses Kapitel behandelt die Willkürlichkeit des Zeichens sowie die Abstufungen der Motivation, die den Wert eines Wortes innerhalb eines Sprachsystems bestimmen.
3 Saussures Erkenntnisse im CLG in der heutigen Sprachwissenschaft: Der Hauptteil vergleicht Saussures klassische Definitionen mit modernen linguistischen Ansätzen zur Morphologie, Formenlehre und Wortbildung.
3.1 Die Unterteilung von Einheiten und Untereinheiten: Es wird diskutiert, inwiefern Saussures Begriffe durch moderne Definitionen wie Morph, Morphem und Lexem ergänzt oder weiterentwickelt wurden.
3.2 Die Arbitrarität des sprachlichen Zeichens: Dieses Kapitel reflektiert über die anhaltende Relevanz der Arbitrarität als zentrales Prinzip für die Abgrenzung von Lautbild und Bedeutung in der modernen Sprachwissenschaft.
3.3 Die Durchsichtigkeit: Die Analyse zeigt auf, wie der Begriff der Durchsichtigkeit heute das Bewusstsein des Sprechers einbezieht, auch wenn Saussure ihn nur am Rande behandelte.
3.4 Die Motivation: Hier wird Saussures Motivationskonzept in den Kontext heutiger Definitionen von freien und gebundenen Morphen gestellt und kritisch bewertet.
4 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Saussures strukturalistischer Ansatz das heutige Verständnis von Morphologie maßgeblich geprägt hat, auch wenn spezifische Wertesysteme nach Motivation heute kaum noch existieren.
Schlüsselwörter
Ferdinand de Saussure, Cours de linguistique générale, Morphologie, Wortbildungslehre, Arbitrarität, Motivation, Durchsichtigkeit, Sprachwissenschaft, Strukturalismus, sprachliches Zeichen, Morphem, Morph, Lexem, Linguistik, Syntagma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der morphologischen Theorie von Ferdinand de Saussure, wie sie im "Cours de linguistique générale" festgehalten ist, und prüft deren Relevanz für moderne linguistische Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Struktur von Einheiten in der Sprache, die Arbitrarität des sprachlichen Zeichens, der Motivationsgrad von Wörtern und die Durchsichtigkeit sprachlicher Bildungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Saussures Erkenntnisse zur Morphologie und Wortbildungslehre zu beschreiben und zu analysieren, um festzustellen, inwiefern sie die heutige Sprachwissenschaft beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse vorgenommen, bei der die theoretischen Grundlagen aus dem CLG (unter Bezugnahme auf Peter Wunderli) den aktuellen linguistischen Definitionen (z. B. nach Schpak-Dolt) gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der saussureschen Konzepte sowie deren kritische Übertragung und Einordnung in die moderne Morphologie und Wortbildungslehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Arbitrarität, Motivation, Morph, Morphem, sowie der strukturalistische Ansatz von Saussure.
Inwiefern unterscheidet sich der Begriff "Einheit" bei Saussure von modernen Definitionen?
Während Saussure den Begriff "Einheit" sehr allgemein verwendet und Sätze oder Wörter einschließt, differenziert die moderne Sprachwissenschaft heute präziser zwischen Morph, Morphem und Lexem.
Welche Rolle spielt das Bewusstsein des Sprechers in der Arbeit?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass sowohl bei Saussure als auch bei modernen Autoren wie Hans-Martin Gauger das Bewusstsein des Sprechers entscheidend ist, um die "Durchsichtigkeit" von Wortbildungen und die assoziative Motivation zu erklären.
- Arbeit zitieren
- Maria von Papenburg (Autor:in), 2017, Morphologie und Wortbildungslehre im "Cours de Linguistique générale". Ihre Bedeutung für die heutige Sprachwissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992151