La città eterna - Stadt und Sprache in Rom


Hausarbeit, 2000

19 Seiten, Note: 2,0


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INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Stadtgeschichte Roms
II.1 Vom Gründungsmythos zur urbanen Siedlung
II.2 Die Kaiserzeit
II.3 Vom Niedergang Roms bis zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation
II.4 1309 - 1744: Turbulente Zeiten
II.5 Rom ab 1744: Napoleon, Kirchenstaat und die Nationswerdung Italiens
II.6 Mussolinis Rom
II.7 Das gegenwärtige Rom
II.8 Die "borgate"

III. Stadtsprache und Dialekt Roms
III.1 Die späte Geburt des romanesco
III.2 Die D'Achille-Giovanardi-Studie
III.2.1 Die phonetische Komponente
III.2.2 Die morphologische Komponente
III.3 Das romanische continuum
III.4 Die Jugendsprache Roms

IV. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

"Parlo romanesco. Non c'è altro!" Diese Äußerung eines Römers hätte man vor wenigen Jahren noch nicht so gehört.

Während die Stadt Rom auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken kann, ist ihr Dialekt erst in den letzten Jahren wieder "entdeckt" worden. Die in den Jahren zuvor erstellten Forschungsarbeiten widmeten sich fast ausschließlich dem romanesco vergangener Jahrhunderte. Erst in den achtziger Jahren kam das Forschungsinteresse am romanesco als Stadtsprache einer modernen Großstadt wieder auf. Die Anfang der neunziger Jahre durchgeführte Erhebung von D'Achille und Giovanardi machte den Anfang, die dort entwickelten Thesen wurden durch die jüngste Arbeit von Gerald Bernhard gestützt und auf eine breitere empirische Basis gestellt.

Was die Stadt Rom selbst angeht, so existiert Literatur, die sich mit der Stadtentwicklung und nicht mit dem dazugehörigen Reich befasst, nur in sehr geringem Umfang. Erst die jüngere Vergangenheit, etwa ab 1870, ist ausreichend erforscht worden. In den letzten drei Jahren hat sich der Zentrum- Peripherie-Aspekt als besonders interessantes Feld herauskristallisiert.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll versucht werden, einen Überblick über die Stadtentwicklung der Commune di Roma zu geben, sowohl historisch als auch auf heutige Problemstellungen der Metropole und Hauptstadt bezogen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Stadtsprache, als Basis wurde hier die D'Achille/Giovanardi-Studie gewählt, da sie einen relativ guten Überblick über die Charakteristika des romanesco gibt. Des weiteren wird anhand eines Aufsatzes von Latini die Jugendsprache Roms erläutert, die Ergebnisse werden mit den im ersten Teil aufgezeigten Entwicklungslinien verglichen.

I. Stadtgeschichte und Stadtstruktur Roms

II.1 Vom Gründungsmythos zur ersten urbanen Siedlung

Die sagenhafte Gründung Roms wird auf das Jahr 753 v. Chr. datiert, archäologische Forschungen stützen diese These, es ist jedoch möglich, dass bereits um 1000 v. Chr. eine erste Siedlung auf dem Palatin entstand (Peterich 1998, 127ff).

Der Sage nach gerieten die von einer Wölfin aufgezogenen Brüder Romulus und Remus in einen Streit darüber, wer regieren sollte. Während Remus sich auf den Quirinal zurückzog, wählte Romulus den Palatin, da dieser gut zu verteidigen war und nahe am Tiber lag. Über das Schicksal der Stadt entschieden letzten Endes die Vögel. Über dem Quirinal wurden eines Tages sechs Krähen gesichtet, tags darauf jedoch sah man über dem Palatin zwölf Krähen. So wurde die erste Siedlung auf dem Palatin errichtet (Peterich 1998, 127).

Die Siedlung wuchs schnell an, noch im achten vorchristlichen Jahrhundert bildeten sich städtische Wesenszüge heraus (www.roma-online.de). So wurde das trockengelegte Gelände des späteren Forums als Friedhof, der Kapitolshügel wurde zur Festung ausgebaut (Peterich 1998, 99f).

Die Stadt breitete sich schnell aus und mit dem Krieg mit Veij 396 v. Chr. kam es zum ersten Ausgreifen Roms ins Umland. Nach dem Galliereinfall 387 v.Chr. wurde mit der Servianischen Mauer die erste Stadtbefestigung gebaut, die auch den Palatin mit einschloss. Dieser entwickelte sich zum Ende der republikanischen Zeit zum vornehmen Wohngebiet (Peterich 1998, 127).

II.2 Die Kaiserzeit

Mit der Ernennung Octavianus Augustus' zum Kaiser im Jahre 31 v. Chr. begann für Rom eine Periode des Aufstiegs. Augustus machte Rom zur "weißen Stadt" indem er alle Gebäude mit weißem Marmor verkleiden ließ (Sorges 1997, 13), zum ersten Mal seit ihrer Gründung eine Verwaltungsstruktur; Augustus teilt sie in 14 regiones ein (www.roma-online.de).

Im Jahre 64 n. Chr. ließ Kaiser Nero einen Brand in Rom legen, um die Stadt nach seinen Vorstellungen wieder aufzubauen und vor allem, um sich selbst ein Goldenes Haus zu bauen. In die Regierungszeit Neros fielen auch die ersten Christenverfolgungen. Petrus, der erste Stellvertreter Gottes auf Erden, der 67 in Rom gekreuzigt wurde, wurde auf dem ager vaticanus begraben, der damals noch weit außerhalb der Stadt lag.

Viele der architektonischen Meisterwerke Roms entstanden in der Kaiserzeit. Vespasian begann mit dem Bau des Kolosseums, das 80 n. Chr. von Titus geweiht wurde. Die Engelsburg wurde als Grabstätte angelegt, und 193-235 wurde der Triumphbogen auf dem Forum errichtet. Um ihre Größe auch für die Nachwelt zu erhalten, ließen sich einige Kaiser ihre eigenen Foren bauen, die in der Senke zwischen Esquilin und Kapitol angelegt wurden.

Das für die Stadtentwicklung bedeutendste Bauwerk dieser Zeit stellt jedoch die Aurelianische Mauer dar, mit deren Bau Kaiser Aurelian im Jahre 270 begann. Die Stadtmauer, die bis heute fast vollständig erhalten ist und immer noch die Grenze zwischen historischer Altstadt und den Vororten darstellt, schließt neben den sieben Hügeln Roms (Palatin, Kapitol, Coelius, Quirinal, Esquilin, Viminal und Aventin) das Marsfeld ein. In die Stadtmauer sind einige Bauwerke eingefügt, so die Engelsburg, die zu einer Festung ausgebaut wurde, und die Celiuspyramide (Peterich 1998, 15).

Mit dem Mailänder Toleranzedikt 313, das die Gleichstellung der Christen bestimmte und der Weihe der ältesten Peterskirche auf dem ager vaticanus begann ein erneuter Bauboom (Sorges 1997, 14).

II.3 Vom Niedergang Roms bis zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

Mit der Verlegung der Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel und die Reichsteilung begann der Niedergang der Stadt Rom. Im 5. Jahrhundert kam es zu mehreren Einfällen und Plünderungen. Im Jahre 410 waren es die Westgoten unter Alarich, danach kamen die Hunnen unter Attila, die Vandalen unter Geiserich etc. (Peterich 1998, 475). Auch durch die Gründung des fränkischen Imperiums konnte den zunehmenden Verfall der Stadt nicht aufhalten. Die fortwährenden Besetzungen und Plünderungen führten zu einer Entvölkerung Roms. Die einzige Millionenstadt der Antike hatte bald nicht mehr als 20.000 Einwohner. Die Stadt verfiel zusehends, auf dem Forum weideten Kühe und das Umland drang mehr und mehr in die Stadt ein (Kammerer 1993, 12).

Der bei der Belagerung Roms durch die Langobarden 756 zur Hilfe gerufene Frankenkönig Pippin III. eroberte Rom und gab es als "pippinische Schenkung" an den Heiligen Stuhl. Rom gehörte nun offiziell der Kirche (Peterich 1998, 475).

Nach der Plünderung Roms durch die Sarazenen 846 und den Borgobrand 847 ließ Papst Leo IV. den Vatikan, der außerhalb der aurelianischen Stadtmauer lag, durch die Leoninische Mauer befestigen.

Schließlich begann mit der Krönung Ottos I. 962 in Rom das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Die kaiserliche Residenz wurde auf den Palatin verlegt, der zu diesem Zeitpunkt vollständig verfallen war (Peterich 1998, 476).

II.3 1309 - 1744: Turbulente Zeiten

Nach dem kurzen und nicht sehr nachhaltigen Aufschwung, den Rom durch die Reichsgründung erfahren hatte (auch die Gründung der päpstlichen Universität Sapienza fällt in diese Zeit), folgte wiederum eine Zeit des Niedergangs.

Mit der Verlegung der päpstlichen Kurie nach Avignon im Jahre 1309 war Rom an einem Tiefpunkt seiner Geschichte angelangt. Wieder weideten Kühe auf dem Forum, zu der Stadt gehörte kein Reich mehr und auch das religiöse Zentrum war verlegt worden, Rom war Parteienkämpfen und dem Verfall ausgesetzt (Peterich 1998, 478). Die Einwohnerzahl erreichte mit 17.000 einen einmaligen Tiefpunkt (Kreibitz/ Krella/ v. Petz/ Potz 1993, 12).

Es folgte eine Zeit des Aufblühens, die mit der endgültigen Rückkehr der Päpste aus Avignon 1377 eingeläutet wurde. Da der Lateran fast vollständig verfallen war, richteten sich die Päpste auf dem Vatikan ein.

Ab 1420 wurde Rom wieder aufgebaut. Die ersten Paläste entstanden (wobei das Kolosseum als Steinbruch diente) und die Sixtinische Kapelle im Vatikan wurde fertiggestellt.

Der "Sacco di Roma", die Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte beendete 1527 diese Periode der Prosperität. Das goldene Zeitalter der römischen Renaissance endete und die Stadt wurde erneut fast vollkommen entvölkert.

Der Wiederaufbau der geplünderten Stadt begann 1536 mit der Neugestaltung des Kapitolshügels. In den folgenden Jahrzehnten wirkten die berühmtesten Baumeister und Künstler in Rom, durch den Streit zwischen Bernini und Borromini erhielt die Stadt viele einmalige Bauwerke. Rom wurde zur Stadt der Brunnen und Plätze, die großen Barock- und Renaissancepaläste säumten die neu angelegten Straßen, so z.B. die Via Giulia, die Via Flaminia und der Corso, ihre städtische Fortsetzung, der in dieser Zeit angelegt wurde. Auch die meisten Obelisken Roms stammen aus dieser Zeit; sie dienten den päpstlichen Stadtplanern als Zielpunkte für den Blick in die großen Straßen, blieben aber Fremdkörper im Stadtbild (Peterich 1998, 502).

Aufgrund der immer wiederkehrenden Plünderungen Roms und der stark schwankenden Einwohnerzahl konnten sich im Rom der frühen Neuzeit keine explizit vornehmen oder ärmlichen Viertel herausbilden, da diese immer wieder zerstört wurden. Im Renaissancerom wohnten die Schichten noch sehr gemischt, die Herausbildung der verschiedenen Viertel begann erst später.

II.5 Rom ab 1744: Napoleon, Kirchenstaat und die Nationswerdung Italiens

Im Jahre 1744 kam es erstmals seit Kaiser Augustus die Stadt in die regiones eingeteilt hatte zu einer Reorganisation der Verwaltungsstrukturen, die sich jetzt mehr an den gewachsenen Vierteln (rioni) orientierten. 1788 begann man mit Ausgrabungen auf dem Forum, von diesem Zeitpunkt an wurde im Bereich des Forums nichts Neues mehr gebaut, man konzentrierte sich darauf, die Geschichte der Stadt neu zu entdecken.

Mit dem Einmarsch napoleonischer Truppen 1808 wurde Rom Teil des napoleonischen Reiches. Diese Zeit war für die Stadt selbst eine Zeit der Stagnation. Mit der Rückkehr des Papstes war Rom ab 1814 wieder Kirchenstaat. Die Bautätigkeit in dieser Zeit beschränkte sich auf Renovierungen und den Neubau von Kirchen.

Der nächste große Einschnitt, der sich auch sichtbar im Stadtbild niederschlug, war die Vereinigung der italienischen Staaten. Rom wurde Hauptstadt des italienischen Nationalstaates, die Herrschaft der Kirche über die Stadt wurde aufgehoben, das Gebiet des Vatikan wurde ihr zuerkannt.

Mit der Einheit Italiens setzte in Rom ein Bauboom gewaltigen Ausmaßes ein, was sowohl das Straßennetz als auch Gebäude betraf. Außerhalb der aurelianischen Mauer begann zu dieser Zeit noch die romanische Campagna, Vorstädte gab es noch nicht. Durch die neu angelegten Straßen wurde der Vatikan weitgehend isoliert, die neuen Kasernen um den Vatikan herum gebaut, um so die Säkularisierung Roms auch im Stadtbild festzuhalten; der Corso Vittorio Emanuele II wurde angelegt, eine breite Verkehrsstraße, die hauptsächlich alten Straßenzügen folgte. Der Corso Vitt. Em. II beginnt an der Piazza Venezia, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt, an dem die fünf wichtigsten Straßen Italiens zusammenlaufen. Nicht von ungefähr wählte man diesen Platz, um dem neuentdeckten Nationalstolz ein Denkmal zu setzen: das Monumento Vittorio Emanuele II., ein weißer Marmorpalast und für Rom ein "sehr großes und nur schwer wiedergutzumachendes Unglück" (Peterich 1998, 58).

Die umgebaute Piazza Venezia und die barocke Altstadt wurden durch die neuen Straßen (den Corso Vitt. Em. II. und Via Nazionale) mit dem modernen Bahnhof verbunden, um den herum sich bald ein Arbeiterviertel herausbildete.

In Rom lebten zu diesem Zeitpunkt etwa 250.000 Menschen, diese Zahl verdoppelte sich in den folgenden 30 Jahren. Der zusätzlich benötigte Wohnraum wurde teilweise durch die Neubebauung der Hügel geschaffen, vor allem auf Quirinal, Viminal, Esquilin und Coelius wurde gebaut. Der Palatin, auf dem die Stadt gegründet wurde, blieb verschont, da er sich seit 1870 in Staatsbesitz befand.

Die industrielle Revolution fand kaum ihren Weg nach Rom, die Stadt war immer eher geistiges als produktives Zentrum gewesen:

"Rom, mit seiner immateriellen Produktion von Bildern, Symbolen, Verwaltung und Herrschaft, war und blieb von Anfang an 'postmodern'. Als Rom Hauptstadt des neuen Italien wurde, erfuhren diese Funktionen einen neuen Aufschwung und bewusst wurde eine Entwicklung anderer produktiver Funktionen, insbesondere eine Industrialisierung der Stadt, abgelehnt." Kammerer (1993, 13)

In den Jahren nach der Einheit Italiens wurde Rom umgebaut, aus dem päpstlichen Rom sollte eine nationale Hauptstadt werden. So lassen sich die vielen Straßendurchbrüche erklären, die meist geschaffen wurden, um schnurgerade Alleen anzulegen, entlang derer dann Mietskasernen gebaut werden konnten, um die Beamten und Militärs unterzubringen, die den Bevölkerungszuwachs Roms zum großen Teil ausmachten.

Die Stadt wurde 1921 in 22 innerhalb der aurelianischen Mauer gelegene Viertel eingeteilt. Die Pläne dieser Zeit sahen offiziell eine Erweiterung der Stadt nach Osten hin vor, jedoch wurde bevorzugt innerhalb der Stadtmauer neu gebaut. Außerhalb der Stadtmauer dehnte die Stadt sich ungeplant nach allen Seiten aus (Kammerer 1993, 14).

II.6 Mussolinis Rom

Kaum 50 Jahre nach der Einheit Italiens kam Mussolini an die Macht. Mit seinem "Marsch auf Rom" im Jahre 1922 begann für die Stadt erneut eine Periode der großen Veränderungen.

Mussolini hatte eine Vision von Groß-Rom, und er zögerte nicht, sie umzusetzen. Diesem Bauwahn fielen viele historische Handwerksviertel zum Opfer, die nun aufgewertet und gentrifiziert werden sollten.

Zu den für die Innenstadt bedeutendsten Maßnahmen gehörten sicherlich der Bau der Via die Fori Imperiali, einer breiten Straße, die an den Kaiserforen vorbei vom Kolosseum zum Kapitol führt, und der Straßendurchbruch des Corso del Rinascimento, wobei die Piazza Navona nur knapp verschont wurde.

In Mussolinis Zeit fällt auch die zunehmende Ausdehnung der Stadt außerhalb der Stadtmauern. Für die für 1942 geplante Weltausstellung in Rom wurde ein ganzes Viertel im Südwesten der Stadt neu angelegt. Das Viertel trägt immer noch den Namen EUR (Esposizione Universale Roma), die Wirkung der faschistischen Architektur wurde jedoch dadurch abgeschwächt, dass noch während der Bauarbeiten der Krieg begann und das Viertel erst nach Ende des Krieges fertiggestellt wurde. Heute findet man dort neben Museen und Verwaltungs- oder Ministerialgebäuden hauptsächlich mittelständische Wohngebiete. EUR war eine geplante Siedlung. Aufgrund des immer noch nicht nachlassenden Zustroms nach Rom wucherte die Stadt außerhalb der Mauern allerdings eher, als dass sie sich ausdehnte. Diese Tendenz sollte sich in den folgenden Jahren verstärkt fortsetzen.

II.7 Das gegenwärtige Rom

Die Zuwanderung nach Rom ebbte nach dem zweiten Weltkrieg nicht ab, im Gegenteil, immer mehr Menschen kamen vor allem aus dem armen Süden Italiens (während in früheren Jahrhunderten die Einwanderer aus dem Norden kamen) nach Rom. Die Stadt breitete sich ungeplant nach allen Seiten hin aus.

Durch die geplante Gentrifizierung verschiedener innerstädtischer Viertel wurden viele ehemals in der Innenstadt ansässige Menschen in die noch kaum entwickelte Peripherie gedrängt.

Die Innenstadt und die Vorstädte haben nur wenig gemeinsam, der Übergang erfolgt nicht Stück für Stück sondern abrupt. Die römischen Vororte sind sehr stark auf das historische Zentrum fixiert, was die Entwicklung zur monozentrischen Stadt förderte, gleichzeitig aber die Entwicklung von Subzentren verhinderte (Kammerer 1993, 16).

Die Fläche, auf die sich die Stadt erstreckte, wuchs von 7.000 Hektar nach dem zweiten Weltkrieg auf über 40.000 Hektar heute (Kammerer 1993, 15).

In der Innenstadt haben sich in den letzten Jahrhunderten Viertel mit verschiedenem Charakter herausgebildet. Neuere Stadtviertel mit um die Jahrhundertwende entstandenen Häusern findet man vor allem auf Esquilin und Viminal, der Aventin im Südwesten der City ist fast der einzige zentral gelegene wohlhabende Wohnbezirk. Die vornehmen Wohngebiete wie Ripa und Prati liegen etwas außerhalb (Peterich 1993, 478).

Die ehemaligen Arbeiterviertel um den Verschiebebahnhof San Lorenzo und Testaccio (südwestlich des Stadtzentrums) sind in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Szene-Viertel geworden, wo sich Studenten, aber auch die Medienszene treffen.

II.8 Die "borgate"

Dem Rom der Bürger steht eine Peripherie der Arbeiter gegenüber. 1962 überschritt die Stadt Rom die Zweimillionengrenze, die Zuwanderung erfolgt vor allem in die Vorstädte, obwohl ein Plan für die römische Peripherie immer noch nicht existierte. (Kammerer 1993, 15) So siedelten sich die Zuwanderer in wilden Siedlungen um die Stadt herum an, viele dieser Quartiere sollten ursprünglich nur vorläufige Behausungen sein, immer mehr Familien gelang es jedoch nicht mehr, diese zu verlassen.

So bildete sich um Rom herum entlang der alten Konsularstraßen, eine Art von Slumring, der erst sehr spät, in den siebziger und achtziger Jahren durch einen Hochhausring ersetzt wurde (Kammerer 1993, 16). Um die Stadtverwaltung zu diesem Schritt zu bewegen, bedurfte es gewaltsamer Proteste der Slumbewohner gegen ihre Situation. Erst diese Proteste führten zu einem Umdenken in der Stadtplanung, was wiederum zur Folge hatte, dass Anfang der neunziger Jahre die Bewohner der Innenstadt vor dem Wohnungsamt der Stadt protestierten, da die Mieten in der Innenstadt enorm gestiegen waren (Kreibich/ Krella/ v. Petz/ Potz, 1993, 7). Der Ring besteht zum Großteil aus Projekten des sozialen Wohnungsbaus, so z. B. der südwestliche Vorort Corviale, der hauptsächlich aus einem in den Jahren 1972-1982 gebauten ein Kilometer langen Betonklotz besteht, in dem 8.000 Menschen ohne jegliche soziale Einrichtungen leben. Eine Ausnahme bildet die Gartenstadt Garbatella südlich der Innenstadt (Peterich 1998, 15). Kreibich/ Krella/ v. Petz/ Potz definieren in ihrer Untersuchung drei verschiedene Typen peripherer Siedlungen:

"Die ehemals marginalisierte Stadt, die heute auf dem Wege der Integration ist (...), die ausgegrenzte Stadt (...) und die bürgerliche Vorstadt (...). Sie liegen alle am Autobahnring, sie haben also alle den gleichen - geographischen - Abstand vom oder zum römischen Zentrum." (Kreibich/ Krella/ v. Petz/ Potz 1993, 9)

Insgesamt existieren für die Stadt Rom vier Flächennutzungspläne aus den Jahren 1883, 1909, 1931 und 1962. Der Plan von 1931 spricht zwar zum ersten Mal von Gebieten außerhalb der aurelianischen Mauer, jedoch sieht er eher ein großzügige (faschistische) Bebauung innerhalb eines Eisenbahnringes vor (von Petz 1993, 24).

Das, was die Menschen seit dem Anfang der borgate dorthin gezogen hat, sind vor allem die Bodenpreise, die, da das Land meist illegal parzelliert wurde, extrem niedrig sind und damit einen Zufluchtsort sowohl für die Zuwanderer aus dem restlichen Italien als auch die innerstädtischen Migranten, die durch hohe Mieten aus der Innenstadt vertrieben wurden, dienen. Da die meisten dieser Gebiete illegal erschlossen wurden, fehlt auch heute noch eine vernünftige Infrastruktur, die Anbindung an das Zentrum ist relativ schlecht. Die Stadt Rom tolerierte die illegale Bautätigkeit vor den Toren der Stadt, weil sie selbst nicht in der Lage war, genügend Wohnraum zur Verfügung zu stellen (Kreibich 1993, 53). Erst in letzter Zeit sind einige Gebiete so aufgewertet worden, dass manch einer freiwillig aus der vollkommen überlasteten Innenstadt in die Vororte zieht (von Petz 1993, 29).

II. Stadtsprache und Dialekt Roms

III.1 Die späte Geburt des romanesco

Die Wahrnehmung des romanesco als eigenständiger Dialekt brauchte einige Zeit. Erste Untersuchungen datieren vom Ende der achtziger Jahre.

Die lange Phase der Ignorierung ist vor allem damit zu erklären, dass man annahm, das in Rom gesprochene Italienisch sei zu nah am Standarditalienisch, um überhaupt eine Unterscheidung einzuführen (Ernst 1989, / Bernhard 1988, 13).

DeMauro (1989, 13f.) erklärt diese Annahme damit, dass Rom zu keinem Zeitpunkt Zentrum einer gewachsenen Region gewesen sei, sondern die Abgrenzung zwischen der Stadt und der umliegenden campagna romana immer sehr klar gewesen sei. Des weiteren ist Rom immer eine Stadt gewesen, die eine starke Fluktuation der Bevölkerung aufwies. Die Plünderungen im Mittelalter, wie z.B. der Sacco di Roma 1527 führten dazu, dass immer andere Bevölkerungsgruppen Rom wieder bevölkerten. Des weiteren ist die Dominanz der toskanischen Einwanderer in den römischen Eliten über Jahrhunderte hinweg nachzuweisen. Da sich aus dem toskanischen Dialekt, der sehr nahe am Lateinischen lag, das Standarditalienisch entwickelte, nahm man an, dass dieses auch in Rom gesprochen wurde, zumindest in den höheren Gesellschaftsschichten. Von den unteren Schichten nahm man an, dass sich dort die verschiedenen italienischen Dialekte so vermischt hatten, dass man keinen eigenen römischen Dialekt ausmachen konnte (DeMauro 1989, 13; Bernhard 1998, 10).

Jedoch entwickelte sich in den unteren Schichten im Gegensatz zur Elite sehr wohl ein eigenständiger Dialekt, der jedoch lange nicht wahrgenommen wurde, obwohl er teilweise durchaus bewusst benutzt wurde - so z.B. in den Zeiten der französischen Besatzung in verschiedenen Schriftstücken; das romanesco wurde damals verstärkt zur Schaffung einer romanischen Identität jenseits der Besatzung eingesetzt (DeMauro 1989, 14). Der Stadtteil Trastevere, der von jeher sehr volkstümlich ist, wurde und wird immer noch als das Zentrum des romanesco angesehen (Ernst 1989, 24).

Was frühere Forschungen weiterhin verhinderte, war die Tatsache, dass alle italienischen Dialekte außer dem romanischen sozial akzeptiert waren und Standarditalienisch nur als Schriftsprache genutzt wurde, während es in Rom auch gesprochene Sprache war. Das romanesco war äußerst schwer zu definieren, da nicht einmal die untersten Schichten zugaben, es zu sprechen (DeMauro 1989, 17).

III.2 Die D'Achille-Giovanardi-Studie

Im Jahre 1993 nahmen sich die beiden (römischen) Linguisten Paolo D'Achille und Claudio Giovanardi des Problems des unerforschten romanesco an. In den Jahren zuvor waren immer wieder Forschungsdesiderate formuliert worden, einige Wissenschaftler hatten auch Hypothesen über die Sprache der Stadt Rom aufgestellt, jedoch folgte auf keinen dieser Vorschläge eine konkrete Umsetzung, d.h. eine empirische Untersuchung.

Als zu untersuchende Gruppe wählten D'Achille und Giovanardi die Altersgruppe der 30- bis 60jährigen Männer aus, da, so D'Achille und Giovanardi, die Jugendsprache separat untersucht werden müsse. Des weiteren sei die Gruppe der 30- bis 60jährigen in besonderem Maße für eine solche Untersuchung geeignet, da in dieser Altersgruppe die wichtigsten Sozialisationsereignisse schon vergangen waren, die Sprache und der Wortschatz der untersuchten Gruppe waren also relativ stabil (D'Achille/ Giovanardi 1993, 398).

Für ihre Untersuchung wählten D'Achille und Giovanardi die Analyse von regionalen Radiosendungen zum Thema Sport, insgesamt wurden vier verschiedene Sendungen auf verschiedenen Sendern mit einer Dauer von jeweils zwischen anderthalb und zwei Stunden untersucht. Jede der Sendungen bestand aus Berichten der Journalisten, Interviews mit den betroffenen Sportlern und Funktionären der Sportklubs und Zuhörern, die anriefen, um ihre Meinung zu sagen (D'Achille/ Giovanardi 1993, 400).

Die Untersuchung beschränkte sich auf phonetische und morphologische Aspekte, um eine breiter angelegte Studie durchzuführen, hätte man auf eine andere, sehr viel aufwendigere, Erhebungsmethode zurückgreifen müssen, die zu ermittelnden Daten der Teilnehmer hätten sich auf ein sehr breites Feld, wie z.B. auch das der ursprünglichen Herkunft, beziehen müssen (D'Achille/ Giovanardi 1993, 398).

Da Alter, Geschlecht und Herkunft der untersuchten Gruppe übereinstimmten, kam es um so mehr auf die sozialen Unterschiede an. Bei Teilnehmern, bei denen es nicht möglich war, den sozialen Status herauszufinden, wurden anhand des Wohnortes innerhalb der Stadt Rückschlüsse gezogen. Unter Berücksichtigung der Situation, in der gesprochen wurde (öffentliche Sendung, formalisierte Situation) war außerdem eine generelle Erhöhung des Sprachniveaus zu erwarten. Die regionalen bzw. städtischen Einfärbungen erhöhten sich erwartungsgemäß, je erhitzter die Debatten wurden (D'Achille/ Giovanardi 1993, 400).

D'Achille und Giovanardi fanden schließlich heraus, dass sich die phonetischen Merkmale im Sprachgebrauch in drei unterschiedliche stark Dialekt sprechende Gruppen einteilen ließen:

1. Die varietà alta, die von den Journalisten und oberen Funktionären der Sportklubs gesprochen wurde; der Großteil dieser Personen besaß einen Hochschulabschluss und damit eine große Vertrautheit auch mit dem geschriebenen Italienisch.
2. Die varietà media, die meist von Anrufern, deren Berufe oft im Dienstleistungsbereich und Handel lagen, gesprochen wurde. In dieser Gruppe war der Abschluss einer weiterführenden Schule die Regel.
3. Die varietà bassa, die hauptsächlich bei den Zuhörern der jeweiligen Sendung festzustellen war, diese hatten zumeist nur einen niedrigen oder mittleren Schulabschluss erworben und riefen in der großen Mehrzahl der Fälle aus den Vororten oder den Vorstädten der römischen Peripherie an.

(D'Achille/ Giovanardi 1993, 401).

Dabei betonen D'Achille und Giovanardi, dass die Ergebnisse dieser Studie nur vorläufig sind, in einer zweiten Phase (deren Ergebnisse noch nicht vorliegen) sollten diese Ergebnisse mit anderen Untersuchungen verglichen werden, auch mit der spontan in weniger formalen Situationen gesprochenen Sprache. Jedoch lässt sich bereits auf dieser Stufe feststellen, dass vorhergehende Untersuchungen zum regionalen romanischen Dialekt, die die Stadt Rom mit einschlossen, für die Stadtsprache Roms gewissen Berichtigungen und Anpassungen bedurften (D'Achille/ Giovanardi 1993, 401).

Was D'Achille und Giovanardi als Neuerung in der römischen Stadtsprachenforschung einführten, war die Trennung von phonetischen und morphologischen Aspekten, da diese auf verschiedene Umstände hinweisen würden und deshalb nicht vermischt werden dürften (D'Achille/ Giovanardi 1993, 402).

III.2.1 Die phonetische Komponente

Obwohl die variet à alta sehr nahe am Standarditalienisch liegt, gibt es doch einige Merkmale, die deshalb auch als die charakteristischsten für das romanesco angesehen werden können. Dazu gehören die überdeutliche Aussprache von intervokalem /b/ und /g/ (possibbilità , raggione), die Spirantisierung von Affrikaten zwischen Vokalen (z.B. bei invece, pubblicità), des weiteren wird ein intervokales /ns, ls, rs/ eher wie eine Affrikata ausgesprochen (/nts, lts, rts/) und die intensive Aussprache des Anfangsvokals bei dem Wort più, seltener auch bei chiesa (ppiù , cchiesa) (D'Achille/ Giovanardi 1993, 403f.).

Bei allen diesen Phänomenen ist eine wachsende Verbindung mit den unteren Varietäten festzustellen, was wiederum die geringe Akzeptanz des romanesco auf nationaler Ebene erklären würde (D'Achille/ Giovanardi 1993, 404).

Die variet à media weist neben diesen Merkmalen noch eine Reihe anderer Besonderheiten auf, so wird häufig ein /i/ zum gesprochenen /e/ (de statt di), die Verstärkung von /r/ am Wortanfang (a rRoma statt a Roma) und das Verschlucken eines Vokals am Wortanfang, besonders vor Nasallauten ('n statt un), öfter findet man auch die Umwandlung von /l/ zu /r/ (D'Achille/ Giovanardi 1993, 404f.).

Bei den Sprechern der variet à bassa tauchen die Merkmale der variet à media noch in verstärktem Maße auf. Daneben treten hier besonders häufig Assimilationen auf, so von /rm/ zu /mm/, von /nd/ zu /nn/ und von /rn/ zu /nn/ bzw. /rl/ zu /ll/ nach Infintiven (fanne statt farne). Die Endung /i/ wird bei angehängten Pronomen zu /e/ (damme statt dammi). Die Endungen /r/ und /n/ in per und con werden apokopiert, das /tt/ in mattina wird wie /t/ ausgesprochen, aus dem Artikel il wird er (D'Achille/ Giovanardi 1993, 405).

Diese Phänomene lassen sich auch und vor allem in weniger formalen Situationen machen, so z. B. auf traditionellen römischen Märkten wie bei Latini beschrieben:

"Dumilalire! Damme er dòlaro! È er fine der mònno si nun comprate a sti prezzi!"

("Due mila lire! Da mi il dollaro È la fine del mondo, se non comprate a questi prezzi!")

(Latini 1989, 193)

III.2.2 Die morphologische Komponente

Bei der Untersuchung der morphologischen Merkmale konnten D'Achille und Giovanardi lediglich zwei Gruppen unterscheiden, die Sprecher der variet à alta sprachen bis auf seltene "Ausrutscher" (son statt sono) grammatikalisch korrektes Italienisch.

In der variet à media sind apokopierte Infinitive (far' statt fare) weitverbreitet, die Verbform sono wird des öfteren als so' ausgesprochen.

Die variet à bassa weist daneben noch eine Reihe von anderen Merkmalen auf; so wird die Endung -ebbe der ersten Person Singular im Konditional weggelassen, auch andere Wörter, vor allem Allokative und Namen, werden ohne Endung gesprochen. Bei der Bildung des Imperfekts wird gewöhnlich eine Silbe weggelassen (avo statt avevo etc.), die Formen des Verbs avere, siamo und siete (erste und zweite Person Singular Indikativ) werden zu semo und sete, ebenso wird der Auslaut /i/ fast nie gesprochen (ha' statt hai) (D'Achille/ Giovanardi 1993, 405f.).

III.3 Das romanische continuum

Die Untersuchungen von D'Achille und Giovanardi zeigen einen Dialekt, der in der variet à alta sehr nahe am Standarditalienischen liegt, in der Realisation der variet à bassa jedoch eher als Sprache der alten Trasteverini und Bewohner der borgate angesehen wird. Nichtsdestotrotz ist hier jedoch von einem continuum und nicht von einem gradatum zu sprechen, da sich zwar unter Umständen einige einzelne Phänomene den verschiedenen Varietäten zuordnen lassen, jedoch kein Komplex von Merkmalen eindeutig einzuordnen ist. Des weiteren wurde im Vergleich mit Untersuchungen über das romanesco früherer Jahrhunderte eine gewisse Mobilität verschiedener Merkmale festgestellt:

"In definitva, si potrebbe dire che italiano e romano sono, oggi come ieri, a un passo dalla congiunzione, ma la distanza, pur breve, sembra destinata a non colmarsi mai, o meglio a riproporsi continuamente, con riferimento a fenomeni diversi." (D'Achille/ Giovanardi 1993, 407)

III.4 Die Jugendsprache Roms

Giulia Mastrangelo Latini beobachtete in den achtziger Jahren neben Szenen auf den traditionellen römischen Märkten auch die Sprache der Jugendlichen in Rom. Dabei stellte sie fest, dass es keinen Unterschied machte, aus welchem Stadtviertel oder welchem Teil der Peripherie die Jugendlichen kamen, die Sprache, die sie sprachen, war die gleiche, eine Mixtur aus Elementen des romanesco und Neologismen oder auch alten Wörtern, denen0 aber in dieser Umgebung eine andere Bedeutung zugeschrieben wurde (so z.B. soggetto: eigentlich Thema, bezeichnet es in der Sprache der Jugendlichen einen Eigenbrötler). Die Neologismen entstehen meist nicht aus Dialektvokabular, wie Latini feststellte als sie dialektsprechende ältere Römer mit dem jugendlichen Vokabular konfrontierte, ebensowenig konnten Eltern von Jugendlichen diese Sprache verstehen, so dass hier eine sprachliche Generationengrenze gezogen werden kann. Der Umstand, dass die Jugendsprache vom Stadtviertel unabhängig ist, beweist wieder einmal die Konzentration der gesamten Commune di Roma auf das historische Stadtzentrum, die auch schon Krella und Kreibich in ihren Raum-Zeit-Studien zur römischen Peripherie festgestellt hatten (Kreibich 1993a, 35ff; Krella 1993, 53ff.; Kreibich 1993b, 66ff.). Jugendliche aus den Vorstädten verbringen den größten Teil ihrer Freizeit im Stadtzentrum und können durch diese soziale Interaktion auf ein gemeinsames Vokabular zurückgreifen.

I. Schlussbemerkungen

Das romanesco als Dialekt ist allgemein nicht so akzeptiert wie andere Dialekte, die deutlicher vom Standarditalienisch abweichen. Es als Soziolekt zu bezeichnen wäre allerdings ebensowenig gerechtfertigt, da Bernhard in seiner neuesten Untersuchung feststellt, dass romanesco zwar meist von älteren Personen mit niedrigem Bildungsabschluss und geringer sozioökonomischer Mobilität gesprochen wird (Bernhard 1998, 158), allerdings in zunehmendem Maße auch von sozial höhergestellten Personen akzeptiert wird (Bernhard 1998, 10).

Durch intraurbane Migration wird der Dialekt auch in den Außenbezirken und Vorstädten gesprochen, dort wirkt er auch identitätsstiftend für die durch Gentrifizierung verschiedener traditioneller Stadtviertel aus der Innenstadt Vertriebenen, andererseits dient er auch zur Assimilierung der aus anderen Teilen des Landes zugezogenen Bevölkerungsteile.

In den letzten Jahren ist ein Imagewandel des romanesco zu beobachten, der sich auch in der Bezeichnung des Dialekts niederschlägt: war vor einigen Jahren die pejorative Bezeichnung "romanaccio" noch gebräuchlich, so wird inzwischen fast nur noch von "romanesco" oder ganz schlicht von "romano" gesprochen (Bernhard 1998, 258f.).

Für die Verbreitung des Dialekts in der Stadt Rom ist festzustellen, dass das romanesco vorrangig in noch nicht gentrifizierten traditionellen Stadtvierteln mit alteingesessener Bevölkerung und in der Peripherie weiterlebt.

LITERATURVERZEICHNIS

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DeMauro, Tullio (1989): "Per una storia linguistica della città di Roma". In: DeMauro, Tullio (Hrsg.): Il romanesco ieri e oggi. Rom: Bulzoni

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Kreibich, Volker/ Krella, Bernhard/ v. Petz, Ursula/ Potz, Petra (1993): Rom - Madrid - Athen. Die neue Rolle der Peripherie. Dortmund: Institut für Raumplanung ( = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 62).

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Sorges, Jürgen (1997): Rom. München: Polyglott.

Internet:

www.roma2000.it

www.roma-online.de

19 von 19 Seiten

Details

Titel
La città eterna - Stadt und Sprache in Rom
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Stadt und Sprache
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V99216
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Sprache, Stadt, Sprache
Arbeit zitieren
Jordan, Anne (Autor), 2000, La città eterna - Stadt und Sprache in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99216

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