Anwendung von Kostenträgerstückrechnung. Was kostet ein Produkt oder eine Dienstleistung?


Hausarbeit, 2021

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kostenträgerstückrechnung
2.1 Divisionskalkulation
2.2 Zuschlagskalkulation
2.3 Fazit

3 Anwendungsbeispiel Messeproduktion
3.1 Auswahl geeigneter Kalkulationsverfahren
3.2 Praktische Anwendung
3.3 Fazit

4 Schlussbetrachtung und Ausblick

5 Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1

Tabelle 2

Tabelle 3

Tabelle 4

Tabelle 5

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist ein unverzichtbares Teilgebiet der betrieblichen Unternehmensführung. Hierin findet sich die Quelle wertvoller kostenmäßiger Informationen, welche die Prozesse in Unternehmen darstellen und es ermöglichen diese zu steuern.1 In der Kalkulation, der Kostenträgerrechnung, wird untersucht welche Kosten für Produkte oder Dienstleistungen im Unternehmen anfallen.2 Diese Fragestellung soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.

Dazu sollen die grundlegenden Verfahren der Kostenträgerrechnung geschildert werden, insbesondere die Kostenträgerstückrechnung. Anhand eines praktischen Kalkulationsbeispiels wird das Verfahren der Zuschlagskalkulation eingehender beschrieben. Hier sollen praktische Anwendungsmöglichkeiten beleuchtet werden, die sich insbesondere den unterschiedlichen Verfahrensweisen von Theorie und Praxis widmen.

2 Kostenträgerstückrechnung

Die Kostenträgerrechnung ist die dritte Stufe der Kostenrechnung, nachdem in einem ersten Schritt die Kosten erfasst (Kostenartenrechnung) und in einem zweiten Kostenstellen zugeordnet wurden (Kostenstellenrechnung).3 Die Kostenträgerrechnung lässt sich in Kostenträgerzeit und Kostenträgerstückrechnung abgrenzen.4 Die Kostenträgerzeitrechnung (auch Betriebsergebniskalkulation5 ) ermittelt angefallene Kosten, bzw. Leistungen in einem bestimmten Zeitraum, wie Quartale oder Monate.6 Ziel ist dabei die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit des Betriebsprozesses in diesem gewählten Zeitrahmen.7 Die Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation) hingegen zielt auf die Kostenerfassung je Stück ab.8 Die Kenntnis über anfallende Stückkosten dient z.B. der Festlegung von Preisen und überprüft ebenfalls die Wirtschaftlichkeit der betrieblichen Leistungserstellung.9 Diese kann weiter nach Zeitpunkt der Erstellung untergliedert werden. Die Vorkalkulation wird noch vor Beginn der Leistungserstellung angefertigt und dient beispielsweise als Entscheidungshilfe bei der Annahme von Aufträgen. Die Zwischenkalkulation wird während des Leistungsprozesses erstellt, insbesondere bei langwierigen Produktionszeiten (Schiffsproduktion). Sie dient der Kostenkontrolle. Die schließende Nachkalkulation erfasst die angefallenen Ist-Kosten und stellt diese den Erlösen gegenüber. Sie ist ein Instrument der Erfolgskontrolle.10 In Abbildung1 ist die Verortung der Instrumente dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Ebert (2004), S. 10 /Ossadnik (2008), S. 181.

Daraus schließend können Hauptziele der Kostenträgerstückrechnung benannt werden:

- Bestandsbewertung: liefert Informationen über die Bewertung von Halb- und Fertigfabrikaten.
- Preispolitik: auf Grundlage der Selbstkosten können Angebotspreise erstellt werden, bzw. können Preisuntergrenzen formuliert werden.
- Programmpolitik: die Gegenüberstellung von Selbstkosten und Stückerlösen liefert Informationen, welche Kostenträger besonders hohe Beiträge zum Betriebsergebnis leisten.
- Eigenfertigung oder Fremdbezug: liefert Hinweise, ob der Fremdbezug über Dritte kostengünstiger als die Eigenfertigung ist.11

Der Kostenträgerstückrechnung stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Dabei werden die Divisions- und die Zuschlagskalkulation grundsätzlich unterschieden, welche auch in Mischformen auftreten.12 Weitere Methoden sind die Restwert- und die Kostenverteilungsmethode.13 Beide sind Kalkulationen von Kuppelproduktion, die als eigenständiges Kalkulationsverfahren angesehen werden kann.14 Kuppelproduktionen sind verbundene Fertigungen, welche beispielsweise in Raffinerien auftreten (Erdölverarbeitung führt zu Kuppelprodukten Benzin, Diesel, Ethanol).15 In der vorliegenden Arbeit werden Divisions- und Zuschlagskalkulation eingehend betrachtet.

Die Auswahl des Kalkulationsverfahrens kann anhand unterschiedlicher Merkmale getroffen werden, so unterscheidet die Fachliteratur nach:

- homogenen oder heterogenen Produktgruppen,16
- Produktions- und Fertigungsstruktur,17
- Ein- oder Mehrproduktunternehmen.18

Abbildung 2 zeigt den Zusammenhang zwischen Produktgruppen und der Fertigungsstruktur bei der Auswahl eines Kalkulationsverfahrens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Quelle: Christmann/Christmann (1995), S. 9.

2.1 Divisionskalkulation

Die einfache Divisionskalkulation wird grundsätzlich Einproduktunternehmen zugerechnet. Es handelt sich dabei um ein vergleichsweise einfaches Verfahren, da sich die Stückkosten aus den Gesamtkosten und der gefertigten Stückzahl ergeben, vgl. Formel 1.19 Einfach ist es u.a. daher, weil keine Unterscheidung nach Einzel- und Gemeinkosten erfolgt.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass sehr genaue Ergebnisse erzielt werden, da keine Kostenschlüsselungen erfolgen.21 Jedoch kann es nur angewendet werden sofern die gefertigten Produkte die folgenden Bedingungen erfüllen:

(1) es sollte sich um Einproduktunternehmen handeln mit einem homogenen Massenprodukt,
(2) es sollte keine Lagerhaltung notwendig sein - die Fertigung ist somit einstufig,
(3) Fertigfabrikate sollten keiner Lagerhaltung bedürfen – Absatz und Produktion sind somit identisch.22

Diese Gegebenheiten sind beispielsweise bei Wasserwerken oder Stromerzeugern anzutreffen.

Das zweistufige Divisionskalkulationsverfahren kann im Gegensatz zum einfachen, einstufigen Verfahren berücksichtigen, dass die Herstellungsmenge nicht der Absatzmenge (vgl. 3. Punkt) entspricht.23 Wird zusätzliche auch eine Lagerhaltung berücksichtigt (vgl. 2. Punkt), ist die mehrstufige Divisionskalkulation anzuwenden.24 Im zweistufigen Verfahren erfolgt die Aufteilung der Kosten in Herstellkosten und Verwaltungs- und Vertriebskosten. Im ersten Schritt werden die gesamten Herstellkosten durch die produzierte Menge dividiert und ergeben die Herstellkosten je Einheit. Anschließend werden Verwaltungs- und Vertriebskosten auf abgesetzte Einheiten umgelegt. Dadurch werden Lagerbestandsveränderungen berücksichtigt. Als Ergebnis resultieren Verwaltungs- und Vertriebskosten je Absatzeinheit. Abschließend werden Selbstkosten je Stück aus Herstell- sowie den Verwaltungs- und Vertriebskosten je Stück berechnet.25 Diese Schritte finden sich Formel 2,3 und 4 wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben der Lagerhaltung soll das mehrstufige Verfahren nun auch Halb- und Fertigfabrikate im mehrstufigen Verfahren berücksichtigen. Dazu werden zusätzlich für jede Fertigungsstufe, für welche Zwischenlager bestehen, die Kosten der Stufe bearbeitet und dividiert (auch Stufenkalkulation).26 Demnach werden hier Primär- und Sekundärkosten aufgeschlüsselt, in welchen die Sekundärkosten als innerbetriebliche Leistung (der Vorproduktionsstufe) berücksichtigt werden. Ein Abrechnungsmuster stellt nach den Formeln 5-7 dar, am Beispiel einer dreistufigen Fertigung.27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sind die Produktgruppen eines Unternehmens artverwand, so empfiehlt sich die Anwendung der Äquivalenzziffernkalkulation.28 Die Artverwandtschaft ist beispielsweise durch gleiche oder ähnliche Rohstoffe gegeben oder ein ähnliches Produktionsverfahren.29 Dieses Verfahren leitet sich aus der Divisionskalkulation ab.30 Es wird Mithilfe von Gewichtungsziffern eine Verrechnung von verschiedenen auf gleichnamige Leistungen vorgenommen, indem die Bezugsgrundlage als einheitliches Maß dient.31 Demnach erfolgt eine Umrechnung zu einem homogenen Produkt. Praktisch wird dieses Verfahren beispielsweise in Krankenhäusern angewendet: dazu werden unterschiedliche Leistungen mit Punktwerten versehen und werden anhand dieses Wertes verrechnet.32 In einem ersten Schritt muss dazu die Richtsorte ermittelt werden, welcher die Äquivalenzziffer 1 zugeordnet wird.33 Dabei kann es sich um das Hauptprodukt handeln oder um das Produkt mit dem höchsten Umsatz.34 Die dazu nötigen Rechenschritte sind im nachfolgend am Beispiel einer Flaschenfabrik dargestellt. Hierzu wird dem Hauptprodukt, der 0,5-Liter-Flasche, die Äquivalenzziffer 1 zugeordnet da es sich um das am meisten produzierte Gut der Fertigung handelt. Nachfolgend werden nun den übrigen Produkten die daraus resultierenden Äquivalenzkennzahlen zugeordnet, vgl. Tabelle 1. Die Gesamtkosten betragen 350.000 Euro für die Produktion.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1

Die Stückkosten resultieren aus den Gesamtkosten (350.000 Euro) dividiert durch das Äquivalent (35.000 Euro). Diese Stückkosten bezeichnen die Kosten für ein Einheitsprodukt35, dem Äquivalent (lat. Aequus valere – gleich wert sein).

Die Äquivalenzziffernrechnung kann ebenso wie das Divisionsverfahren Mehrstufig angewandt werden, indem in den Abrechnungsstufen Äquivalenzziffernreihen gebildet werden.36 Eine weitere Abwandlung ist die kombinierte Äquivalenzziffernkalkulation. Dazu wird die Äquivalenzziffer aus mehreren Faktoren bestimmt.37 Beispielsweise können Wohnungsbaugesellschaften Wohnungskosten anhand von Grundfläche und Höhe einer Wohnung bestimmen.

2.2 Zuschlagskalkulation

Die Zuschlagskalkulation findet in heterogene Produktgruppen Anwendung. Die fertige Leistung hat dabei einen individuellen Charakter, auch wenn gewisse Bestandteil identisch sind.38 Sie ist daher bei folgenden Gegebenheiten geeignet:
- es handelt sich um ein Mehrproduktunternehmen mit,
- mehrstufigen Produktionsabläufen bei,
- unterschiedlichen Kostenverursachungen der einzelnen Produkte und
- Lagerbestandsveränderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen.39

Nun wird die Unterscheidung von Einzel- und Gemeinkosten für die Kalkulation notwendig.40 Die Kosten sollen möglichst als Einzelkosten erfasst werden, da die Aufschlüsselung der Gemeinkosten auf die Kostenträgern eine Ungenauigkeit mit sich bringt. Gemeinkosten sind per Definition nur annähernd verursachungsgerecht zuordenbar.41

[...]


1 Vgl. Keilus/Maltry (2000), Vorwort.

2 Vgl. Ossadnik (2008), S. 180.

3 Vgl. Christmann/Christmann (1995), S. 3.

4 Vgl. Nickenig (2018), S. 93.

5 Vgl. Ebert (2004), S. 80.

6 Vgl. Ossadnik (2008), S. 213.

7 Vgl. Ebert (2004), S. 11.

8 Vgl. Ebenda.

9 Vgl. Buchholz/Gerhards (2016), S. 98.

10 Vgl. Ossadnik (2008), S. 181.

11 Vgl. Christmann/Christmann (1995), S. 5.

12 Vgl. Kosiol (1979), S. 222.

13 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 139.

14 Vgl. Mumm (2019), S. 137.

15 Vgl. Reim (2019), S. 126.

16 Vgl. Christmann/Christmann (1995), S. 9.

17 Vgl. Mumm (2019), S. 136.

18 Vgl. Ebert (2004), S. 85.

19 Vgl. Christmann/Christmann (1995), S. 10.

20 Vgl. Keilus/Maltry (2000), S. 104.

21 Vgl. Ebert (2004), S. 85.

22 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 140.

23 Vgl. Ebert (2004), S, 87.

24 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 140.

25 Vgl. Ossadnik (2008), S. 185.

26 Vgl. Ebenda, S. 186.

27 Vgl. Mumm (2019), S. 187.

28 Vgl. Ebert (2004), S. 90.

29 Vgl. Kosiol (1979), S. 236.

30 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 149.

31 Vgl. Schierenbeck et al. (2014), S. 341.

32 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 150.

33 Vgl. Kosiol (1979), S. 236.

34 Vgl. Mumm (2019), S. 193; Ebert (2004), S. 91.

35 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 151.

36 Vgl. Ebert (2004), S. 93.

37 Vgl. Coenenberg et al. (2016), S. 152.

38 Vgl. Ebert (2004), S. 93.

39 Vgl. Christmann/Christmann (1995), S. 21.

40 Vgl. Buchholz/Gerhards (2016), S. 103.

41 Vgl. Ossadnik (2008), S. 196.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Anwendung von Kostenträgerstückrechnung. Was kostet ein Produkt oder eine Dienstleistung?
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
24
Katalognummer
V992316
ISBN (eBook)
9783346361219
ISBN (Buch)
9783346361226
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kostenträgerstückrechnung, Vollkostenrechnung, Divisionskalkulation, Zuschlgaskalkulation
Arbeit zitieren
Stefanie Hanschkatz (Autor), 2021, Anwendung von Kostenträgerstückrechnung. Was kostet ein Produkt oder eine Dienstleistung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992316

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