Wie kam es zu einer Technisierung und Umstrukturierung des bundesdeutschen Agrarsektors ab den 1950ern? Welche Auswirkungen brachte die Vergünstigung von Fleisch durch die Technisierung? Wie veränderte sich dadurch die Rolle von Lebensmitteln und Tieren innerhalb der Gesellschaft?
Mit dieser Thematik soll sich die folgende Arbeit befassen. Um die Arbeit einzugrenzen wird im Folgenden vor allem auf die Produktion von Schweinefleisch – stellvertretend für die Produktion anderer Fleischsorten – eigegangen werden, da die Entwicklung hin zur Intensivtierhaltung mit der Intensivierung der Schweinefleischproduktion begann. Mehr dazu in Kapitel 2.2
Im Verlauf der Arbeit soll nach einigen Begriffsklärungen auf die Entwicklungen der deutschen Produktion tierischer Lebensmittel eingegangen werden. Anschließend sollen die Auswirkungen der Technisierung und Intensivierung der Fleischproduktion auf die Fleischindustrie und die daraus folgenden Auswirkungen auf das Verhältnis von Menschen zu Nutztieren beleuchtet werden. Nach einem sehr kurz gefassten Kapitel zum Wohl von Schweinen in der Masthaltung schließt die Arbeit mit dem Fazit.
Die Masthaltung von Tieren und deren kritische Betrachtung stellt ein noch sehr junges Forschungsfeld dar. So bilden beispielsweise die Critical Animal Studies, welche erst zu Beginn des 21. Jahrhundert gegründet wurden, den Kern der aktuellen Debatte. Für die Arbeit war es zunächst erforderlich historische Quellen, wie zum Beispiel Forschungsberichte aus den 1960er Jahren sowie neuere Erkenntnisse über das Wohlergehen und die Psyche von Tieren zum Beispiel aus den Sammelbänden "The welfare of pigs" des Biologen Jeremy Marchant-Forde oder "Tiere nutzen" von L. Nieradzik und B. Schmidt-Lauber zu betrachten. Auch agrarwissenschaftliche Klassiker wie U. Kluges Enzyklopädie Deutscher Geschichte (Bd. 73) oder die Deutsche Agrargeschichte im Zeitalter der Reformen und der Industrialisierung von W. Achilles gaben Aufschluss über die Entwicklungen des bundesdeutsche Fleischproduktion und deren Auswirkungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungen in der Produktion tierischer Lebensmittel in Deutschland
2.1 Definitionen und Begriffsklärungen
2.2 Beginn der Intensivwirtschaft und der Massenproduktion von Schweinefleisch
3. Wirkung der Technisierung und Intensivierung der Fleischproduktion
3.1 Probleme und Auswirkungen des Wandels der internationalen Fleischindustrie
3.2 Die veränderte Rolle von Tieren und Lebensmitteln in der westeuropäischen Gesellschaft
3.3 Folgen der Intensivhaltung für Tiere am Beispiel der Schweinehaltung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historischen Prozess der Technisierung der Fleischindustrie in der Bundesrepublik Deutschland ab 1950 und analysiert, wie diese Entwicklung die Wahrnehmung von Nutztieren und den Konsum von Fleisch in der Gesellschaft nachhaltig verändert hat.
- Historische Entwicklung der Intensivtierhaltung seit 1950
- Mechanisierung und Automatisierung der Fleischproduktion
- Entfremdungsprozess zwischen Mensch und Nutztier
- Wandel von Fleisch vom Luxusgut zur Massenware
- Ethische und soziale Konsequenzen der Massentierhaltung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die veränderte Rolle von Tieren und Lebensmitteln in der westeuropäischen Gesellschaft
Das Lebensmittel Fleisch galt einst als Luxusgut und wurde mit der Zeit zur Nahrungsquelle für die Masse. Erste Supermärkte gab es in den USA bereits ab den 1920ern, in Westeuropa etwas später; dort wurde das Fleisch zu Beginn an separaten Fleischtheken, den Wünschen des Kunden entsprechend, vom Schlachtkörper geschnitten und manuell verpackt.
Ab den 1950ern/60ern sandten Schlachthäuser vermehrt präparierte und verarbeitete Fleischstücken, anstelle des gesamten Schlachtkörpers, aus. So verkauften Supermärkte ab den 1970er Jahren verstärkt zugeschnittenes und fertig verpacktes Fleisch in Kühlregalen und es entstand ein völlig neues Einkaufserlebnis: „[a] fast, cheap, and inevitably a less personal service.” Da die bereits verpackten Produkte bedruckt und beschriftet waren, war der persönliche Kontakt zu Verkäufern des Supermarktes bis zum Bezahlvorgang nicht mehr vonnöten. Das bewusste persönliche Bestellen eines Fleischproduktes und der daraufhin handwerkliche Zuschnitt wurde allmählich verdrängt. Dies führte zu einem weniger bewussten Kauf und daraus resultierend zum weniger bewussten Konsum. Fleisch wurde ein Produkt wie jedes gewöhnliche Grundnahrungsmittel und nicht mehr als Besonderheit empfunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Massentierhaltung ein und stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen der Technisierung der Fleischproduktion auf die Gesellschaft und den Umgang mit Tieren.
2. Entwicklungen in der Produktion tierischer Lebensmittel in Deutschland: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Intensivhaltung und erläutert den historischen Beginn der industriellen Massenproduktion von Schweinefleisch im 20. Jahrhundert.
3. Wirkung der Technisierung und Intensivierung der Fleischproduktion: Hier werden die internationalen Probleme des Wandels, die veränderte gesellschaftliche Rolle von Tieren sowie die spezifischen negativen Folgen der Intensivhaltung am Beispiel der Schweinehaltung analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Technisierung zu einer Entfremdung vom Tier und einer materiellen Wertminderung von Fleisch als Konsumgut führte, während das Nutztier hinter industriellen Strukturen verschwand.
Schlüsselwörter
Fleischindustrie, Massentierhaltung, Technisierung, Intensivtierhaltung, Schweinefleisch, Strukturwandel, Agrargeschichte, Nutztier, Konsum, Entfremdung, Automatisierung, Tierwohl, industrielle Landwirtschaft, Überflussgesellschaft, Fleischkonsum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem historischen Wandel der bundesdeutschen Fleischindustrie seit 1950 hin zur industriellen Massenproduktion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Technisierung der Landwirtschaft, der Strukturwandel in der Fleischproduktion und die soziokulturelle Veränderung des Umgangs mit Nutztieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der zunehmenden Mechanisierung auf die Wahrnehmung von Fleisch als Lebensmittel und auf das Verhältnis zwischen Mensch und Nutztier zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode, die unter Einbeziehung agrarwissenschaftlicher Quellen und kulturwissenschaftlicher Debatten den Wandel der Tierhaltung reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Beginn der Intensivwirtschaft, die ökonomischen Treiber des Fleischkonsums sowie die physischen und psychischen Folgen der Haltungsbedingungen für Schweine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Massentierhaltung, Technisierung, Entfremdung und Strukturwandel gekennzeichnet.
Warum wird speziell die Schweinehaltung betrachtet?
Die Schweinehaltung dient als repräsentatives Beispiel, da die Entwicklung der modernen Intensivtierhaltung maßgeblich mit der Optimierung und Industrialisierung der Schweinefleischproduktion ihren Anfang nahm.
Welche Rolle spielt der Supermarkt in der Argumentation?
Der Supermarkt wird als Ort der Entfremdung beschrieben, an dem Fleisch zu einem anonymen, fertig verpackten Industrieprodukt wurde, was das Bewusstsein für den Ursprung des Lebensmittels minimierte.
- Arbeit zitieren
- Anne Engler (Autor:in), 2020, Die Technisierung der bundesdeutschen Fleischindustrie ab 1950. Ein Wandel der Rolle von Nutztieren und Lebensmitteln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992429