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Frauen und Medizin vor Gericht. Das Kindsmorddelikt im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Titel: Frauen und Medizin vor Gericht. Das Kindsmorddelikt im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Hausarbeit , 2012 , 19 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Rosanna Meier (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Neuere Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, den besonderen Wandel im 18. Jahrhundert innerhalb der Debatte um die Kindstötung zu erörtern sowie aufzuzeigen, inwiefern der Kindsmord eine so wichtige Schlüsselfunktion im Verlauf der Aufklärung innehatte. Die Tat der Kindestötung galt schon seit Langem als schweres Verbrechen, allerdings wurde das Delikt erst im 16. Jahrhundert systematisch verfolgt und streng bestraft. Es gibt unterschiedliche Gründe für solch eine Entwicklung.

Damit dies möglich ist, sollen zwei verschiedene Untersuchungsschwerpunkte gebildet werden. Im ersten Abschnitt handelt es sich um rechtsgeschichtliche Aspekte des Kindsmorddelikts und beschäftigt sich besonders mit der Entwicklung von Gesetzgebung und Rechtsprechung. Im zweiten Teil werden sozialgeschichtliche Aspekte der Kindstötung behandelt, welche die Täterinnen und die Tatmotive in das Zentrum der Betrachtung stellen. Anschließend wird speziell auf die Diskussion der Kindstötung im 18. Jahrhundert eingegangen, indem gesellschaftliche und ideologische Hintergründe dargestellt sowie Verhütungsmaßnahmen aufgezeigt werden, die letztendlich zur Entstehung einer neuen Kindsmordinterpretation im aufgeklärten Absolutismus führen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Aufbau, Inhalt und Ziel dieser Arbeit

1.2 Forschungsstand

2. Rechtsgeschichtliche Perspektive

2.1 Strafrechtliche Definition von ‚Kindsmord‘

2.2 Entwicklung des Paragraphen § 217 aF (Kindestötung)

2.3 Emotionale Wirkung des Kindsmorddeliktes

3. Sozialgeschichtliche Perspektive

3.1 Charakteristika der Kindsmörderinnen

3.2 Die Tatmotive

4. Die Kindsmord-Debatte im Zuge der Aufklärung

4.1 Die Mannheimer Preisfrage von 1780

4.2 Maßnahmen zur Verhütung des Kindsmords

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der rechtlichen und sozialen Bewertung des Kindsmords im 18. Jahrhundert und analysiert, welche Schlüsselfunktion dieses Delikt für die aufklärerische Reformpolitik und die Humanisierung des Strafrechts einnahm.

  • Rechtsgeschichtliche Entwicklung der Strafpraxis bei Kindstötung
  • Soziologische Analyse der betroffenen Frauen und deren Tatmotive
  • Rolle des Kindsmords im aufklärerischen Diskurs
  • Wirkung der Mannheimer Preisfrage von 1780 als Motor für Reformen
  • Staatliche Maßnahmen zur Prävention und Humanisierung des Rechts

Auszug aus dem Buch

2.3 Die emotionale Wirkung des Kindsmordsdeliktes

Die harten Bestrafungen für Kindsmord können ebenso von der starken emotionalen Wirkkraft der Tat entspringen. Das Verbrechen wies nämlich besondere Eigenschaften auf, welche ihm eine außergewöhnliche Stellung im Bewusstsein der Menschen in der Frühen Neuzeit verlieh. Der Kindsmord wurde als „unmenschlich“ empfunden, denn einerseits wurde das Naturgesetz der Mutterliebe missachtet, da die Kindsmörderin „ihr eigenes Fleisch und Blut versündigt hatte“, wohingegen eine Tötung des Neugeborenen durch den Vater oder andere Verwandten als weniger verwerflich erschien. Andererseits sprach man dem Kind die Eigenschaft eines Opfers zu, da Säuglinge sich nicht wehren können und als schwach oder „unschuldig“ betrachtet werden. Des Weiteren wurde die Tat als „unchristlich“ wahrgenommen, weil der Grundsatz der Unverletzbarkeit allen Lebens und das Gebot der Nächstenliebe beziehungsweise der Hilfe für die Schwachen und Benachteiligten gebrochen wurden. Ein anderer Grund, weshalb die Tötung von Neugeborenen als besonders schweres Verbrechen galt, war die Vorenthaltung der Taufe des Kindes und damit der Weg zur ewigen Seligkeit. Die Gräueltat des Kindsmords provozierte zusätzlich so starke Gefühle, weil das Verbrechen mit grausamer physischer Gewalt assoziiert wurde. Er wirkte also so sehr schockierend, dass ihm die Adjektive unmenschlich, unnatürlich, unchristlich und grausam mit Nachdruck zugesprochen wurden.

Festzuhalten ist, dass die harten Bestrafungen für Kindsmord, beginnend auf der Grundlage der Carolina mit der Todesstrafe durch Ertränken, Lebendigbegraben oder Pfählen, über späteren gemilderten Hinrichtungsarten wie beispielsweise das Enthaupten als Folge von diverse Änderungen der Ländergesetzgebungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, bis zur Abschaffung der Todesstrafe und Etablierung von hohen Zuchthausstrafen oder unter mildernde Umstände lange Gefängnisstrafen beziehungsweise Freiheitsstrafen, wohl nicht nur das Ziel das Verbrechen zu vergelten verfolgten, sondern auch zuerst einen Abschreckungsinteresse hatten, um unsittliches und unzüchtiges Verhalten gemäß der frühneuzeitlichen christlichen Moralpolitik zu unterbinden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Kindsmords ein und skizziert das methodische Vorgehen der rechts- und sozialgeschichtlichen Analyse.

2. Rechtsgeschichtliche Perspektive: Dieses Kapitel behandelt die strafrechtliche Definition und die Entwicklung der Bestrafung von der Carolina bis zum modernen Strafrecht unter Berücksichtigung emotionaler Faktoren.

3. Sozialgeschichtliche Perspektive: Hier werden die sozioökonomischen Hintergründe der Täterinnen, wie Alter und sozialer Status, sowie die komplexen Motive für die Tat untersucht.

4. Die Kindsmord-Debatte im Zuge der Aufklärung: Das Kapitel analysiert die aufklärerische Diskussion, insbesondere die Mannheimer Preisfrage von 1780, und zeigt staatliche Reformbemühungen zur Prävention auf.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie der Kindsmord zu einem Schlüsseldelikt für die Humanisierung des Strafrechts im 18. Jahrhundert wurde.

Schlüsselwörter

Kindsmord, Kindstötung, Aufklärung, Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte, Strafrechtsreform, Mannheimer Preisfrage, Humanisierung, Frühe Neuzeit, Preußen, Carolina, Tatmotive, Kindermörderin, Bevölkerungspolitik, Rechtsprechung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die historische Entwicklung der rechtlichen und sozialen Bewertung des Kindsmords im 18. und frühen 19. Jahrhundert sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Diskurse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der Rechtsgeschichte (Strafrechtspraxis), der Sozialgeschichte (Profil der Täterinnen) und der Ideengeschichte (Diskurs während der Aufklärung).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Wandel der Debatte um das Kindsmorddelikt im 18. Jahrhundert aufzuzeigen und zu erklären, warum dieses Verbrechen eine zentrale Rolle in der Humanisierung des Strafrechts spielte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, wobei rechtsgeschichtliche Analysen mit sozialgeschichtlichen Fragestellungen kombiniert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtsgeschichtliche Perspektive, eine sozialgeschichtliche Analyse der Täterinnen sowie eine Untersuchung der aufklärerischen Debatte und deren Reformbemühungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kindsmord, Aufklärung, Humanisierung des Strafrechts, Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte sowie die Mannheimer Preisfrage.

Welche Bedeutung hatte die „Carolina“ für die Rechtsgeschichte des Kindsmords?

Die „Peinliche Halsgerichtsordnung“ (Carolina) von 1532 bildete eine einheitliche Rechtsgrundlage, die das Delikt streng sanktionierte und den Grundstein für die Einbeziehung medizinischer Sachverständiger legte.

Wie veränderte sich die Rolle der „Schande“ in der Kindsmord-Debatte?

Während die Schande für ledige Mütter als Hauptmotiv für Kindstötungen identifiziert wurde, zielten aufklärerische Reformen – etwa in Preußen – darauf ab, durch eine liberalere Sexualmoral und Wohlfahrtsmaßnahmen diesen gesellschaftlichen Druck abzubauen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Frauen und Medizin vor Gericht. Das Kindsmorddelikt im 18. und frühen 19. Jahrhundert
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Autor
Rosanna Meier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V992502
ISBN (eBook)
9783346354808
ISBN (Buch)
9783346354815
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen medizin gericht kindsmorddelikt jahrhundert
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rosanna Meier (Autor:in), 2012, Frauen und Medizin vor Gericht. Das Kindsmorddelikt im 18. und frühen 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992502
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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