Ziel der Arbeit ist festzustellen, ob die jahrelange Eigenständigkeit der Frauen sowie die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zum Wandel der innerfamiliären Geschlechterverhältnisse oder sogar zu einer Emanzipation der Frau geführt haben.
Im ersten Abschnitt soll die allgemeine soziale Situation der Frauen in der unmittelbaren Nachkriegszeit aufgezeigt werden. Hierfür werden die Wohnungssituation, Versorgungslage und andere Herausforderungen, die von den Frauen bewältigt werden mussten, thematisiert. Im zweiten Abschnitt wird dann speziell auf die Frauenerwerbstätigkeit Bezug genommen, um anschließend verschiedene Positionen in der Gesellschaft gegenüber der erweiterten Frauenrolle zu skizzieren. Daran anknüpfend, sollen die Folgen der Währungsreform für die berufstätigen Frauen dargestellt werden. Zum Schluss sollen die aufgeführten Ergebnisse in einem abschließenden Fazit zusammengefasst werden.
Obwohl die Geschichtsforschung viele Jahre der Leitfrage nach dem Verhältnis von Kontinuität und Wandel, von Tradition und Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Bezug zur Geschlechterpolitik nachging, befasst sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema aus frauenhistorischer Sicht. Denn die „Überlebensarbeit“ der Frauen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren war für den Wiederaufbau Deutschlands unabdingbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufbau, Inhalt und Ziel dieser Arbeit
1.2 Forschungsstand
2. Ausgangslage der unmittelbaren Nachkriegsjahre
2.1 Wohnungsverhältnisse
2.2 Versorgungsprobleme
3. Erweiterung der Hausarbeit als Existenzsicherung
4. Frauen und Erwerbstätigkeit
5. Zäsur: Auswirkungen der Währungsreform auf die berufstätigen Frauen
5.1 Wiederherstellung gewohnter Ordnungsmuster
5.2 Sinneswandel der Frau?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die durch den Zweiten Weltkrieg erzwungene Eigenständigkeit und Erwerbstätigkeit von Frauen zu einem nachhaltigen Wandel der innerfamiliären Geschlechterverhältnisse und zur Emanzipation führte oder ob nach der Währungsreform eine Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern stattfand.
- Die soziale Situation von Frauen in der unmittelbaren Nachkriegszeit
- Die lebensnotwendige Bedeutung der Hausarbeit als Überlebensstrategie
- Die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt und in traditionelle Männerberufe
- Die Auswirkungen der Währungsreform auf die Beschäftigungssituation von Frauen
- Der Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und der weiblichen Erfahrung von Eigenständigkeit
Auszug aus dem Buch
3. Erweiterung der Hausarbeit als Existenzsicherung
Es hing also vom Geschick, Geduld und Durchhaltevermögen der Frau ab, neben der Hausarbeit auch Lebensmittel zu besorgen, um die Familie zu ernähren. Die Frau wurde in diesem Sinne zum Haupternährer der Familie.34 Dies gestaltete sich mühevoll und entbehrungsreich, denn nicht selten waren die Frauen für ihre Besorgungen den ganzen Tag unterwegs. Es war kein seltenes Bild, dass die Frauen stundenlang vor den Geschäften Schlangenstehen mussten und es kam zu deren Leid oft vor, dass sie die auf den Lebensmittelkarten abdruckten Mengen nicht erhalten haben, weil aufgrund akuter Versorgungsengpässen bereits alles verkauft war bevor sie an der Reihe waren.35 Die offiziellen zugeteilten Nahrungsmittel waren allerdings weder ausreichend, noch ausgewogen.
Um das Überleben zu gewährleisten, waren zusätzliche Nahrungsquellen nötig. Die Frauen versuchten alles, um an zusätzliche Lebensmittel zu gelangen, zum Beispiel durch Eigenanbau von Kartoffeln, Obst und Gemüse im Garten, Schrebergarten oder sogar auf dem Balkon.36 Gartenarbeit sowie Kleintierhaltung mit Hühner, Ziegen, Schweine und Schafe waren nämlich nicht ungewöhnlich, sondern galten als traditioneller Bestandteil der Hausarbeit.37 Wer diese Möglichkeit nicht hatte, bediente sich an Beeren und Pilze im Wald oder sammelte Brennnesseln und Löwenzahn. Die Frauen suchten Rat und Hilfe in Tageszeitungen und Frauenzeitschriften, um die täglichen Speisen mit den primitivsten Mitteln wie Eicheln oder Tannenzapfen anzureichern.38
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwieweit die Nachkriegszeit eine Zäsur oder Kontinuität in den innerfamiliären Geschlechterverhältnissen darstellte, und beschreibt Ziel und Aufbau der Untersuchung.
2. Ausgangslage der unmittelbaren Nachkriegsjahre: Dieses Kapitel beleuchtet die prekären Lebensumstände in der „Zusammenbruchsgesellschaft“, insbesondere die Wohnungsnot und die katastrophale Versorgungslage.
3. Erweiterung der Hausarbeit als Existenzsicherung: Hier wird analysiert, wie Frauen durch zusätzliche Tätigkeiten wie Hamstern, Tauschhandel und Eigenanbau zur „Überlebensarbeit“ für die gesamte Familie beitrugen.
4. Frauen und Erwerbstätigkeit: Die Untersuchung zeigt auf, wie Frauen aufgrund des Männermangels in den Arbeitsmarkt, auch in typische Männerdomänen, integriert wurden und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dies begleiteten.
5. Zäsur: Auswirkungen der Währungsreform auf die berufstätigen Frauen: Das Kapitel analysiert den Verdrängungsprozess von Frauen aus dem Arbeitsmarkt nach der Währungsreform und die Rückkehr zu konservativen Rollenbildern.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz eines vorübergehenden Sinneswandels keine dauerhafte Emanzipation stattfand, sondern eine weitgehende Kontinuität der patriarchalen Geschlechterordnung erhalten blieb.
Schlüsselwörter
Nachkriegszeit, Frauenrolle, Überlebensarbeit, Geschlechterverhältnisse, Emanzipation, Währungsreform, Trümmerfrauen, Hausarbeit, Erwerbstätigkeit, Familienideologie, Kontinuität, Wandel, Männermangel, Zusammenbruchsgesellschaft, Rollenverteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Frau in der westdeutschen Nachkriegszeit und fragt, ob die kriegsbedingten Veränderungen in der Lebensführung zu einer dauerhaften Emanzipation der Frau führten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Versorgungslage, die Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit für Frauen, die Hausarbeit als Überlebensstrategie und die Auswirkungen der Währungsreform auf die weibliche Erwerbsbiografie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es festzustellen, ob die Eigenständigkeit der Frauen nach dem Krieg zu einem Bruch mit traditionellen Geschlechterrollen oder zur Wiederherstellung der alten Ordnung führte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Berichten, Statistiken und familiensoziologischen Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziale Ausgangslage, die Bedeutung der erweiterten Hausarbeit, die Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie die Auswirkungen der Währungsreform auf die Stellung der Frau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nachkriegszeit, Überlebensarbeit, Rollenverteilung, Emanzipation, Währungsreform und Geschlechterverhältnisse.
Warum wurde die Hausarbeit in der Nachkriegszeit als existenzsichernd bezeichnet?
Da die offizielle Versorgung nicht ausreichte, hing das Überleben der Familie von der unbezahlten, mühsamen „Überlebensarbeit“ der Frauen ab, wie z. B. Lebensmittelbeschaffung, Flicken von Kleidung und Gartenarbeit.
Welche Rolle spielte die Währungsreform für die berufstätigen Frauen?
Sie fungierte als Zäsur, die zu einer Verdrängung von Frauen aus dem Arbeitsmarkt führte, da Männer wieder verstärkt in den Beruf zurückkehrten und konservative gesellschaftliche Normen wieder an Bedeutung gewannen.
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- Rosanna Meier (Author), 2012, Frauen in der Nachkriegszeit. Bruch oder Kontinuität der innerfamiliären Geschlechterverhältnisse?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992510