Das Kochrezept als Gebrauchstext im Alltag und im Unterricht. Definition einer Textsorte sowie Aufgabenbeispiele


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1.7

F. C. Terzioglu (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Textsorte Kochrezept
2.1 Die Definition von Text
2.2 Gebrauchstexte
2.3 Das Kochrezept - allgemein - Vergleich

3 Kochrezepte im Alltag und in der Schule
3.1 Vergleich von Gebrauchstexten
3.2 Aufgabenbeispiele aus der Schule

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Untersuchung wie das Kochrezept als ein Beispiel für die Textsorte der Gebrauchstexte unter Berücksichtigung von vorgegebenen Kategoriemerkmalen nach Klaus Brinker in der Domäne Schule eingesetzt werden kann. Es soll zunächst der Begriff Text im Allgemeinen definiert und eigeordnet werden, um die besonderen Merkmale und Kategorien von sogenannten Gebrauchstexten benennen zu können. Hierfür wird auf die Theorie Brinkers Bezug genommen. Seine Definition von Text sowie die angeführten Kategorien und Merkmale von Gebrauchstexten werden kurz vorgestellt und erläutert, um als Grundlage für die Untersuchung von drei Beispielen für Kochrezepte zu dienen.

Die sprachwissenschaftliche Untersuchung von konkreten Rezeptbeispielen dient wiederum als Basis zur Beobachtung dessen, wie Kochrezepte in der Domäne Schule eingesetzt werden können. Zur Beantwortung dieser Frage werden mit Verweis auf die aktuellen Richtlinien und Lehrpläne die Bedeutung von Gebrauchstexten im Allgemeinen in der Domäne Schule hervorgehoben. Anschließend sollen konkrete Aufgabenbeispiele zum Einsatz von Kochrezepten in Schule vorgestellt und mit Blick auf die bisherigen sprachwissenschaftlichen Grundlagen beurteilt werden. Im Schlussfazit werden alle bisherigen Ausführungen mit Blick auf die zu Beginn gestellte zentrale Frage der Arbeit zusammengefasst und beurteilt.

2 Die Textsorte Kochrezept

Es gibt viele verschiedene Beispiele für Gebrauchstexte, denen man im Alltag stets begegnet (wie z.B. Berichte, Artikel, Rezepte, Werbeplakate, etc.) . In der vorliegenden Arbeit soll das Kochrezept als ein Beispiel für Gebrauchstexte sowie als eingesetztes Medium in der Domäne Schule näher betrachtet und beurteilt werden. Hierfür ist es wichtig, zu klären, wodurch sich der Text als solches definiert. Im Folgenden wird daher der Begriff Text definiert, der als Grundlage für Brinkers Modell zu Kategorisierung von Gebrauchstexten dient.

2.1 Die Definition von Text

Bereits seit Mitte der 60er Jahre besteht die Kernfrage der Textlinguistik darin, wodurch schriftliche Sprachprodukte überhaupt als Text definiert werden. Hierbei geht es um die „Bedingungen, die Forschung unter dem Begriff der Textualität (Texthaftigkeit) zusammengefasst hat“ (Brinker: 1998: 6). Nach Brinker 1988 bezeichnet Text „eine Folge von sprachlichen Zeichen (hauptsächlich Sätzen), die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“. (Brinker 1998: 6)

Der Text stellt damit eine „Konzeption von Sprache als Kommunikations- bzw. Handlungsinstrument“ dar (Brinker 1998: 6). Die Linguistik unterscheidet verschiedene Textsorten, die anhand unterschiedlicher Kategoriemerkmale voneinander abgegrenzt werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Fokus auf sogenannte Gebrauchstexte als eine ein Beispiel für Textsorten gelegt.

2.1 Gebrauchstexte

Brinker betont, dass Gebrauchstexte als eine Textsorte von vielen durch mehrere Kategorien mit entsprechenden Merkmalen bestimmt sind. Als erste Kategorie nennt Brinker die Situation, zu der die Merkmale Kommunikation und Handlungsbereich gehören. Die Situation beeinflusst die Kommunikationsformen, die zur Übermittlung von Texten eingesetzt werden. Beispielsweise wird je nach Situation entschieden, ob man sich für ein Telefongespräch (der Kommunikationspartner ist vielleicht zu weit weg für das direkte Gespräch) oder doch lieber für einen Brief als Kommunikationsform entscheidet (vielleicht wurde öfter versucht, den Kommunikationspartner per Telefon zu erreichen, konnte man aber nicht). Derartige Kommunikationsformen (Gespräche, Briefe, Bücher, Artikel, Rundfunk, etc.) in bestimmten Situation finden in privaten, öffentlichen oder offiziellen Handlungsbereichen statt, für die Handlungs- und Bewertungsnormen gesellschaftlich festgelegt worden sind. (Brinker 1988: 7)

Als eine weitere Kategorie zur Bestimmung von Gebrauchstexten nennt Brinker die Textfunktion: „Es handelt sich um die Intention, die der Emittent zu erkennen gibt, indem er sich auf bestimmte Regeln (Konventionen) sprachlicher und kommunikativer Art bezieht.“ (Brinker 1988: 7)

In dem Kontext unterscheidet Brinker fünf textuelle Grundfunktionen, nach denen die Textfunktion beurteilt werden kann: die Informationsfunktion (maßgebend für Gutachten, Berichte, Beschreibungen, etc.), die Appellfunktion (maßgebend für Werbetexte, Predigten, Reden), die Obligations- und Selbstverpflichtungsfunktion (maßgebend für Verträge, Erklärungen, etc.), die Kontaktfunktion (Kondolenzschreiben, Gratulationsschreiben, etc.) sowie die Deklarationsfunktion (maßgebend für Ernennungsschreiben, Bescheinigungen, etc.). (Brinker 1988: 8) Als dritte Kategorie zur Bestimmung von Textsorten führt Brinker die thematische Kohärenz an. Der Themeninhalt eines Textes liegt hier im Fokus der Betrachtung. Einerseits wird die Gesamtinformation des Textes unter Berücksichtigung verschiedener Themenarten (Ereignis, Gegenstand, These, etc.) bestimmt. Andererseits wird das Thema als „Kern des Textinhaltes“ im Text näher betrachtet.

„ Die Entfaltung des Themas zum Gesamtinhalt des Textes wird als Verknüpfung relationaler, logisch-semantisch definierter Kategorien beschrieben, die die internen Beziehungen der einzelnen Textteile (Überschrift, Abschnitte, Sätze, etc.) ausgedrückten Teilinhalte zum thematischen Kern des Textes (dem Textthema) angeben (z.B. Begründungen, Spezifizierung. etc).“ (Brinker 1988:8)

Hierbei weisen Themeninhalte charakteristische Merkmalsausprägungen auf, wie z.B. beschreibende, erzählende, erklärende, und argumentative Entfaltung eines Themas. (Brinker 1988: 8)

Zuletzt erwähnt Brinker die Kategorie der grammatischen Kohärenz, bei der die relevanten syntaktisch-semantischen Beziehungen zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen eines Textes genauer betrachtet werden. In dem Kontext nennt Brinker zwei wichtige Textkohärenz bildende Verfahren, nämlich die explizite sowie die implizite Wiederaufnahme. Bei der expliziten Wiederaufnahme wird ein Ausdruck durch einen oder mehre Ausdrücke ersetzt, wie zum Beispiel, wenn der Ausdruck Teig in nachfolgenden Sätzen durch das Pronomen „Er“ ersetzt wird. Die sogenannte Referenzidentität (Beziehungsgleichheit) besagt hier, dass der wiederaufgenomme Ausdruck in einem Folgesatz (Teig) sich auf das gleiche außersprachliche Objekt bezieht wie der wiederaufnehmende Ausdruck (Er). Es handelt sich folglich um zwei unterschiedliche Ausdrücke in einer Satzreihe, die jedoch das Gleiche meinen, sodass die Textkohärenz sichergestellt wird. (Brinker 1988: 9)

Bei der impliziten Wiederaufnahme geht es hingegen nicht um die Referenzidentität zwischen dem wiederaufgenommenen und wiederaufnehmenden Ausdruck, sondern darum, dass zwei Ausdrücke sich auf zwei unterschiedliche außersprachliche Objekte beziehen, die jedoch in bestimmten Beziehungen zueinander stehen, von denen nach Brinker die sogenannte Enthaltenseinsrelation die bedeutsamste Art der Beziehung ist (z.B. Rührschüssel-(enthält) Teig, Backform- (enthält) Butter). (Brinker 1988: 9)

2.3 Das Kochrezept

Das Kochrezept als Text, der in früheren nichtdigitalen Zeiten eher im Handlungsbereich des privaten Gebrauchs (von Mutter an Tochter oder FreundIn an FreundIn weitergegeben) verwendet wurde, hat mittlerweile im Zuge der Digitalisierung sowie aber auch des insgesamt zunehmenden Bewusstseins für Ernährung in unserer Gesellschaft überwiegend im öffentlichen Handlungsbereich (Internetportale wie Chefkoch, Blogs, etc. oder Rezeptbücher unterschiedlichster Ernährungsrichtungen, etc.) seinen festen Platz bekommen.

Auf Grundlage der verschiedenen Kategorien Brinkers soll nun untersucht werden anhand welcher Merkmale Kochrezepte den Gebrauchstexten zugeordnet werden können, um ihren Einsatz im Unterricht entsprechend genauer beurteilen zu können.

3 Kochrezepte im Alltag und in der Schule

Im weiteren Verlauf der Arbeit soll nun anhand von drei Beispielen (Kochrezepte zum Thema Streuselkuchen) veranschaulicht werden, inwiefern es sich bei den gewählten Beispielen um einen Gebrauchstext nach Brinker handelt. Zudem soll anhand von Aufgabenbeispielen betrachtet werden, wie und warum Kochrezepte im Sinne der Kompetenzerweiterung von SuS im Rahmen der Schule instrumentalisiert werden.

3.1 Vergleich von Gebrauchstexten

Mit Hilfe der Tabelle (s. Anhang 4) wurden die drei Kochrezeptbeispiele (Dr. Oetker, einfachbacken.de, backenmachtgluecklich.de) auf Grundlage der Kategorien Brinkers (Situation, Textfunktion, thematische Kohärenz und grammatische Kohärenz ) miteinander verglichen.

Es fällt auf, dass alle drei Rezepte online zugänglich sind und dadurch im Handlungsbereich der Öffentlichkeit stehen. Die dominierende Kommunikationsform ist die schriftliche Anleitung der Rezipienten, wobei jedoch Rezept drei auch als Video auf Youtube verfügbar ist.

Birkner schreibt Kochrezepten eine informative und eine appelative Funktion zu, welche beispielsweise durch die Höflichkeitsformen des Imperativs ausgedrückt werden (Birkner 2001: 83). Dies lässt sich auch anhand der untersuchten Rezepte bestätigen, welche alle Merkmale beider Funktionen aufweisen. Trotzdem ist nur eine von beiden Funktionen maßgebend, da „Textfunktion“ die mit „festgelegten Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emittenten“(Brinker 2001:95) widerspiegelt. Mit Blick darauf, dass Kochrezepte die Leser nicht direkt auffordern sondern eher informieren sollen, kann man von einer Instruktion, einer besonderen Art der Appellfunktion, sprechen. In Anbetracht der Vielzahl an Infinitivkonstruktionen in den Rezepten, wie beispielsweise Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen. lassen sich kurze Sätze gestalten, wodurch das Verständnis der Vorgangs erleichtert wird.

Aus thematischer Sicht betrachtet handeln die vorliegenden Rezepte von dem Apfel-Streusel-Kuchen. Da bei Kochrezepten und instruktiven Texten die Seite 7 von 20

Themenentfaltung auf deskriptiver Ebene stattfindet, lag diese im Fokus des Vergleichs. Auffällig war, dass die Kochrezepte chronologisch strukturiert sind, da sie wiederholbare Vorgänge beschreiben. In diesem Rahmen wurden die einzelnen Schritte „übersichtlich und knapp beschrieben“ (Brinker 2001:67), wie beispielsweise: 1. Vorbereiten : Boden der Springform fetten. Backofen vorheizen. Bei der Untersuchung der grammatikalischen Kohärenz geht es um die Satzrelation. In diesem Rahmen lag der Fokus des Vergleichs zum einen auf der expliziten und impliziten Wiederaufnahme und des weiteren auf der konjunktionalen Verknüpfung von Sätzen. Sowohl das explizite, als auch das implizite Wiederaufnahmeverfahren wurden in den vorliegenden Rezepten verwendet. Auffällig war, dass bei Rezept drei keine konjunktionalen Verknüpfungen verwendet wurden. Durch die Wiederaufnahmeverfahren und die Nutzung von Konjunktionen jedoch wird die Textkohärenz hergestellt. Trotz dessen ist Rezept drei verständlich und in sich schlüssig, sodass das Weglassen der Konjunktionen unproblematisch ist.

3.2 Aufgabenbeispiele aus der Schule

Spätestens seit der Veröffentlichung der ersten PISA- Studie wurde die Bedeutung von Gebrauchstexten in Schule neu überdacht. Aus der Studie ging beispielsweise hervor, dass SuS signifikante Schwierigkeiten darin aufwiesen, einfache Arbeitsanweisungen zu lesen und zu verstehen. Eine der Konsequenzen, die aus den Ergebnissen der ersten PISA-Studien hervorging, war die Überarbeitung und Erstellung von kompetenzorientierten Lehrplänen. Infolgedessen sind in den aktuellen Richtlinien und Lehrplänen für das Fach Deutsch Kompetenzerwartungen vorgegeben, anhand derer die Bedeutung und Relevanz von Gebrauchstexten in der Domäne Schule nochmals hervorgehoben wird. (Kämper van den Boogaart 2011: 24f.)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Kochrezept als Gebrauchstext im Alltag und im Unterricht. Definition einer Textsorte sowie Aufgabenbeispiele
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1.7
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V992839
ISBN (eBook)
9783346360991
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kochrezept, gebrauchstext, alltag, unterricht, definition, textsorte, aufgabenbeispiele
Arbeit zitieren
F. C. Terzioglu (Autor), 2020, Das Kochrezept als Gebrauchstext im Alltag und im Unterricht. Definition einer Textsorte sowie Aufgabenbeispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992839

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