Ästhetische Bildung in der Performance Art. Potenzial für ästhetische Erfahrungen


Akademische Arbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,0

Elena Rosellen (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Was ist ästhetische Bildung und was sind ästhetische Erfahrungen?

2. Hauptteil
2.1 Was ist Performance Art?
2.2 Grundelemente von Performances
2.2.1 Zeit
2.2.2 Raum
2.2.3 Der Körper des Künstlers
2.2.4 Beziehung zwischen Künstler und dem Zuschauer
2.2.5 Weitere Merkmale der Performance Art nach Klepacki und Zirfas (2008, S.68-75)

3. Welches Potential bietet Performance Art, um ästhetische Erfahrungen zu machen?
3.1 Wie werden Körper, Zeit und Raum eingesetzt und was kann dabei wahrgenommen und erfahren werden? - Am Beispiel von Performances von Marina Abramović

4. Schlussbetrachtung
4.1 Worin liegt die Aktualität/ Notwendigkeit eines solchen Zugangs im Hinblick auf die gegenwärtige Bildungspraxis?

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage welches Potential Performance Art bietet, um ästhetische Erfahrungen zu machen. Um diese Frage zu beantworten wird dargestellt, was ästhetische Bildung und Erfahrungen sind und was kennzeichnend für Performance Art ist. Anhand von Performances von der Künstlerin Marina Abramović wird sich der Fragestellung genähert. Schließlich wird erläutert, weshalb man Performance Art als eine ästhetische Erfahrung und Teil ästhetischer Bildung ansehen kann. Zum Schluss dieser Arbeit wird die Notwendigkeit eines solchen Zugangs im Hinblick auf die gegenwärtige Bildungspraxis dargestellt.

1.1 Was ist ästhetische Bildung und was sind ästhetische Erfahrungen?

Ästhetik leitet sich von dem griechischen Wort „aisthesis“ ab und bedeutet „Wahrnehmung, Empfindung, Sinn, aber auch […] (Er-)Kenntnis und Verständnis“ (Bilstein/ Zirfas, S. 16).

Ästhetische Bildung ist eine Methode der Erziehungswissenschaften und bezeichnet das Lernen anhand von Erfahrungen und Sinneseindrücken. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Reflektion des Erlernten. Bei der ästhetischen Bildung wird Bildung nicht in erster Linie als Wissensaneignung gesehen, sondern als Ergebnis sinnlicher Erfahrungen, die Wissen und Erkenntnis bilden können.

Die ästhetische Bildung beschränkt sich allerdings nicht auf reine Sinnesschulung, sondern will damit verbunden die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für das, was über das sinnlich Wahrnehmbare hinausweist, für das (ganz) andere, Fremde und Mögliche wecken und fördern (Kirchner/Schiefer/ Spinner, S.12).

Ästhetische Wahrnehmungen sind ebenso sinnlich und haben einen individuell- performativen Charakter (Bilstein/ Zirfas, S.16). Es wird von der persönlichen und gemeinsamen Wahrnehmung der Anderen, der Dinge und der Welt ausgegangen. Durch die enge Verknüpfung kultureller und ästhetischer Bildung mit der sinnlichen Wahrnehmung, ist die Einbindung sinnlich- leiblicher Erfahrungen innerhalb der kulturellen Bildung wichtig (Westphal, S.364).

Gerade durch Theater, Tanz und Performance kann ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche fundamentale Bedeutung der Leib bzw. Körper nicht nur als Voraussetzung für einen Zugang zur Welt und dem Selbst hat, sondern auch selbst beim Hervorbringen von Tanz, Theater und Performancekunst im Sinne einer Verkörperung und Verräumlichung beteiligt ist (Westphal, S.364).

Zentral für eine ästhetische Bildung sind die leiblichen Empfindungen und Bewegungen der Menschen, sowie ihre Erfahrungen mit dem Körper, die „sinnliche Raumvorstellungen, das Bewusstwerden von Körperräumen und körperlich- leibliche Selbsterfahrungen betonen“ (Bilstein/ Zirfas, S.18). Ästhetische Bildung bietet die Chance, sich in einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Lebensumfeld zu entwickeln. Sie fördert die Wahrnehmung und Interpretation von Sinneseindrücken und regt dazu an, Mittel des Gestaltens zu nutzen, um Erfahrungen zu reflektieren, auszudrücken und zu verarbeiten. Ästhetische Erfahrungen können an jedem Ort zu jeder Zeit, in der sinnlich wahrgenommen wird, gemacht werden. Jedoch muss eine ästhetische Erfahrung nicht immer stattfinden. Der Freiraum zum Experimentieren und Erforschen ist wichtig.

2. Hauptteil

2.1 Was ist Performance Art?

Performance Art ist schwer zu definieren, es gibt viele Bezeichnungen: Performance Kunst, Performativität, Performance oder performativer Akt. Was diese Bezeichnungen gemeinsam haben ist der englische Begriff „perform“, der bedeutet etwas zu vollziehen, etwas durchzuführen oder etwas vorzuführen.

Bei der Performance Art kreiert der Künstler mit Hilfe seiner persönlichen Ressourcen eine lebendige Form der Bildenden Künste. Es bietet die Möglichkeit auf unterschiedlichen Ebenen direkt und ohne Worte mit Menschen zu kommunizieren. Performance Art bricht Grenzen und hinterfragt festgelegte Normen, um ein freies Feld der Kommunikation zu erstellen, wobei der Künstler mit seinem Körper und dessen Bewegung spricht. Neben dem Körper des Künstlers bildet die Zeit, der Raum und die Kommunikation mit dem Betrachter das Herzstück des künstlerischen Aktes.

Die Gemeinsamkeit aller Performancekünste liegt darin, dass sich der ästhetische Prozess durch das körperliche Handeln der Akteure innerhalb eines „Echt- Zeit- Raumes“ (Daniel Charles) entfaltet. Dauer und Ort der Aufführung werden neben der Art wie sich die gestische Aktionspräsenz entwickelt zu wahrnehmungsbestimmenden Faktoren (Lange, S.149).

Performance Art ist in der Lage kulturelle Phänomene weiterzugeben.

Die Auseinandersetzung der Performer mit dem Weltbild geschieht unter Berücksichtigung verschiedenster Disziplinen: Anthropologie, Psychologie, Soziologie, Philosophie und Medizin sind Berührungspunkte, die in verschiedenen Arbeiten sichtbar werden (Meyer, S.15).

Performances sind auf Einmaligkeit und Unmittelbarkeit hin angelegt und nur wenige Künstler wiederholen ihre Performances unverändert (Meyer, S.15). „Es handelt sich nicht um ein inszeniertes Spiel, sondern um eine tatsächlich vollzogene Handlung mit allen realen Folgen“ (Meyer, S.15). Zur Funktion der Performance schreibt Jappe: „Eine Performance beabsichtigt nicht die Herstellung eines dauerhaften materiellen Produkts, sondern die Schaffung eines einmaligen, ephemeren Ereignisses, das mit den Sinnen wahrgenommen, im Gedächtnis festgehalten werden kann“ (Jappe, S.9). Performance erschließt den Blick für das andere und Irritierende, für das Fremde, Neue und zugleich Unerklärliche.

2.2 Grundelemente von Performances

Im Folgenden soll nun auf die Grundelemente von Performances: Zeit, Raum, der Körper des Künstlers und der Beziehung zwischen Künstler und dem Zuschauer eingegangen werden. Besonders wird auf die Charakteristika, die Leopold Klepacki und Jörg Zirfas der Performance Art zugeschrieben haben, eingegangen.

2.2.1 Zeit

Die Zeit ist wichtiges Merkmal der Performance Art. Performances können zu jeder Zeit und ohne zeitliche Begrenzung stattfinden. Im Gegensatz zum Theater haben die Performer hier keinen festen Zeitplan, den sie verfolgen müssen. Die Performance beginnt mit der aktiven Anwesenheit des Zuschauers. Erika Fischer- Lichte spricht von „Zeit- Inseln“, die gleichsam aus dem kontinuierlichen Fluss der verstreichenden Zeit auftauchen und auf besondere Weise präsent werden (Fischer- Lichte, S. 231). Performance Art schafft einen besonderen Erscheinungsraum, in welchem Handlungen als Zeit- Inseln in die Wahrnehmung des Zuschauers gelangen und somit als präsente Phänomene in der Gegenwart erlebt werden.

Das Erleben und Erlebbarmachen von Zeit ist ein wesentlicher Aspekt in den Aktionen der Performancekünstler (Meyer, S.66). Performances fordern durch ihre physische Auffälligkeit und Dauer ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und gelangen damit in einer besonderen Weise in das Bewusstsein von Zuschauern (Vgl. Meyer, S.70). Ein Performer, der eine lange Performance zeigt, unterzieht sich sowohl einer physischen als auch psychischen Veränderung während der Dauer der Aktion (Meyer, S.66). Die Zeit in Dauerperformances wird nicht nur für den Künstler schmerzhaft gedehnt, sondern lässt auch den Betrachter in eine andere Wahrnehmung und Nutzung von Zeit auftauchen (Meyer, S. 66).

2.2.2 Raum

Der Raum einer Aufführung kann als ein geometrischer Raum bezeichnet werden. Dieser ist bereits vor der Aufführung gegeben und verändert sich auch nicht. Er besteht weiterhin (Fischer-Lichte, S. 187).

Als performativen Raum wird der Raum begriffen, in dem sich eine Aufführung abspielt. „Er eröffnet besondere Möglichkeiten für das Verhältnis zwischen Akteuren und Zuschauern, für Bewegung und Wahrnehmung, die er darüber hinaus organisiert und strukturiert“ (ebd. S.187). Je nachdem wie eine Bühne platziert und angeordnet ist, wird das Verhältnis zwischen Akteuren und Zuschauern anders konzipiert. Die Möglichkeiten sich im und durch den Raum zu bewegen verändern sich dadurch (ebd. S.188). Der performative Raum ist instabil und verändert sich durch Bewegungen von Menschen, Objekten, Licht und das Erklingen von Lauten (ebd. S.187). Außerdem zeichnet er sich dadurch aus, dass er eine andere als die vorgesehene Verwendung ermöglicht (ebd. S.189).

2.2.3 Der Körper des Künstlers

„Die Begegnung des Körpers des Performers mit dem Körper des Zuschauers in geteiltem Raum und geteilter Zeit macht eine Form der Empathie möglich“ (Meyer, S.52). Den Leib bezeichnet Levinas als „Lagerstätte und Träger“ der Empfindnisse und als „Organ der freien Bewegung, Subjekt und Sitz kinästhetischer Empfindungen“ (Levinas, S. 178). Der Performer ist selbst als Leib in der Aktion, die von seinen subjektiven Vorstellungen geprägt ist. „Diese vermitteln sich dem Künstler selbst durch die Empfindnisse, die der Performer in seiner Aktion durchlebt. Er handelt leiblich und erarbeitet sich in der Situation eine bildhafte Darstellung“ (Meyer, S. 54). In der Performance wird mit dem szenischen Erleben eine leiblich- ästhetische Erfahrungsebene für das Subjekt eröffnet. Für Grotowski ist der Körper kein Instrument, kein Ausdrucksmittel und kein Zeichenbildungsmaterial. Der Performaner beherrscht nicht seinen Körper, er lässt ihn selbst zum Akteur werden. Der Leib agiert also als verkörperter Geist. (Fischer- Lichte, S.140).

Klepacki und Zirfas nennen als ein Merkmal „die Materialität des Körpers und die Materialität des Leibes“ (S.69). Bei der Performance Art geht es darum, den eigenen Körper auf natürliche Weise zu zeigen und mit ihm zu handeln. „Der Schauspieler tut nicht nur mit seinem Körper etwas, er erfährt es immer auch an seinem eigenen Leib“ (ebd. S.69). In der Performance sind die Materialien identisch mit dem, was sie zeigen. Falls also Blut in einer Performance zu sehen ist, so handelt es sich um echtes Blut (Meyer, S. 56).

2.2.4 Beziehung zwischen Künstler und dem Zuschauer

Die Teilhabe an der Performance muss unverfälscht stattfinden, dazu gehört die Wahrhaftigkeit des Performers selbst, nur in dieser Qualität erfährt der Zuschauer oder der mitwirkende Akteur die Wirksamkeit der Performance. Eine inhaltliche Übereinstimmung mit dem Wollen des Performers, eben seiner Intention für das Hervorbringen und Inszenieren, muss nicht gegeben sein. Die Unverfälschtheit, die Echtheit im phänomenalen Bezug ist die Bedingung (Schultz, S.307).

Als ein weiteres Element von Performances wird „die Kommunikation der Situation“ genannt (Klepacki/ Zirfas, S.75). Bei Performanceart spielen die Zuschauer eine wichtige Rolle, da sie das Geschehen aktiv mit beeinflussen. Die performativen Anteile des Publikums sind zwar beschränkt, aber dennoch unmittelbar (ebd. S.75).

Was immer die Akteure tun, es hat Auswirkungen auf die Zuschauer, und was immer die Zuschauer tun, es hat Auswirkungen auf die Akteure […] In diesem Sinne lässt sich behaupten, dass die Aufführung von einer selbstbezüglichen und sich permanent veränderten feedback- Schleife hervorgebracht und gesteuert wird. Daher ist ihr Ablauf auch nicht vollständig planbar und vorhersagbar (Fischer- Lichte, S.59).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Bildung in der Performance Art. Potenzial für ästhetische Erfahrungen
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V992871
ISBN (eBook)
9783346357106
ISBN (Buch)
9783346357113
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetische, bildung, performance, potenzial, erfahrungen, Marina Abramović, Grenzüberschreitung
Arbeit zitieren
Elena Rosellen (Autor), 2020, Ästhetische Bildung in der Performance Art. Potenzial für ästhetische Erfahrungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992871

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