Literatur und Management. Kulturmanagement


Hausarbeit

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kulturbegriff und wirtschaftliche Einordnung kultureller Arbeit
2.1 Differenzierung der Begriffe Kultur, Wirtschaften, Betrieb
2.2 Formen und Funktionen von Kulturbetrieben

3. Kulturmanagement im literarischen Feld

4. SWOT-Analyse Kulturmanagement
4.1 Stärken
4.2 Schwächen
4.3 Chancen
4.4 Risiken

5. Fazit

1. Einleitung

Die LiteraTour Nord in den Städten Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Lüneburg und Hannover ist eine Lesereise von sechs ausgewählten Autor*Innen1, die eine ihrer literarischen Neuerscheinungen aus dem entsprechenden Jahr der Lesereise präsentieren. Unterstützt und finanziert wird die LiteraTour Nord von der Stiftung der VGH Versicherungen Niedersachsen. Einem der teilnehmenden Autoren wird nach Abschluss der Lesereise ein mit 15.000 € dotierter Jury-Preis verliehen.2

Buchpreise sind häufig eine Auszeichnung für besondere Leistungen in einem literarischen Werk oder für das Lebenswerk von Autoren. Durch die finanzielle Dotierung von (Literatur-)Preisen bildet sich eine wichtige finanzielle Quelle für Literaturschaffende. Im Jahr 2000 wurden allein in Deutschland, nach Zählungen des Goethe-Instituts, 1331 Literaturpreise vergeben. Deutschland bildet somit den europäischen Spitzenreiter. Hinzu kommen zahlreiche finanzielle Unterstützungen für Autoren in Form von Schriftstellerstipendien und Stadtschreiberpreisen.3

An diesem, vermeintlich kleinen und alltäglichen, Beispiel aus dem Bereich der Literaturpreise lässt sich die Verflechtung von Kultur und Wirtschaft, in diesem Fall die Finanzierung von künstlerischem Schaffen, erkennen. Die Produktion von Literatur ist ein wirtschaftlicher Vorgang, der mit entsprechenden ökonomischen Theorien und Analysen beschrieben werden kann. Als Gesamtheit aller kulturellen Wirtschaftszweige ist die Kulturökonomie ein wichtiger Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Zur Beurteilung und Weiterentwicklung dieses Wirtschaftszweiges etablierte sich das sogenannte Kulturmanagement.

Die Lehre des Kulturmanagements findet in den neunziger Jahren den Weg in die Kulturkonzeptionen der Bundesländer und ist somit ein Teil der kulturpolitischen Aufgabe des Staates, beziehungsweise der Kommunen. Der Begriff des Kulturmanagements ist nach Gerard Mortier als Management-Disziplin für und nicht über die Kultur zu verstehen. Montier definiert das Berufsfeld eines Kulturmanagers somit als Verwalter der Kultur und nicht als Gestalter, wie in anderen Management-Disziplinen.4

In der vorliegenden Arbeit sollen die Auswirkungen des professionellen Kulturmarketings, als Teilbereich des Kulturmanagements, auf den Bereich der Literatur untersucht und die Möglichkeiten des Kulturmarketings aufgezeigt werden. Hierfür sollen zunächst die entsprechenden Grundlagen und Grundannahmen für den Kultursektor der Wirtschaft dargelegt werden. Abschließend sollen durch eine SWOT-Analyse im analytischen Teil der Arbeit die Stärken und Schwächen, sowie Chancen und Möglichkeiten des professionellen Kulturmarketings erörtert werden. Die SWOT-Analyse ist ein methodisches Instrument zur Analyse von Potenzialen und Umweltfaktoren aus der Wirtschaftstheorie und kann daher auch auf den Bereich des Kulturmanagements/ -marketings angewendet werden. Die Kombination aus Stärken-Schwächen-Analyse bei gleichzeitiger Abwägung von Chancen und Risiken machen aus der SWOT-Analyse eine ideale Methodik zur langfristigen und zukunftsorientierten Verbesserung wirtschaftlicher Abläufe in (kulturorientierten) Betrieben.5

2. Kulturbegriff und wirtschaftliche Einordnung kultureller Arbeit

Die kulturelle Arbeit in einzelnen Städten und Kommunen ist Teil des gesamtdeutschen, staatlichen Kulturprogramms, das in öffentliche Kulturbetriebe und privatrechtlich/ kommerzielle Kulturwirtschaft unterteilt wird. Hinzu kommen gemeinnützige Institutionen mit gesellschaftskulturellen Zielen. Armin Klein sieht in all diesen Sektoren dringenden Professionalisierungsbedarf hinsichtlich der wirtschaftlichen Arbeit. Die späte Etablierung des Kulturmanagements im deutschsprachigen Raum hat zu einer fehlenden theoretischen und methodischen Basis der Kulturarbeit geführt. Die Adaption von Techniken, Methoden und Instrumenten aus dem Kulturmanagement der englischsprachigen Länder kann der deutschen Kulturwirtschaft den Weg durch die umfassende kulturelle Umbruchsituation der heutigen Zeit und der nahen Zukunft bereiten.6

Die Arbeitsfelder des Kulturmanagements sind eng verbunden mit der Kulturpolitik und der Kulturverwaltung. Durch den Einbezug von wirtschaftlichen Theorien durch das Kulturmanagement, kann die Umsetzung von kulturpolitischen Zielen und die Verwaltung und Organisation von Kulturbetrieben effizienter gestaltet werden und mögliche Defizite aufdecken. Kulturmanagement zeichnet sich, wie viele weitere wirtschaftliche Teildisziplinen, durch das Streben nach stetiger Verbesserung von Prozessen aus. Für den konkreten Einsatz von Methoden des Kulturmanagements, beispielsweise des Kulturmarketings, müssen zunächst grundlegende wirtschaftliche Eigenschaften von Kulturbetrieben analysiert und definiert werden. Ziel ist der Aufbau eines funktionalen Managements in den Kulturbetrieben, sowohl im kommerziellen Bereich als auch für kulturelle non-profit Einrichtungen.7

2.1 Differenzierung der Begriffe Kultur, Wirtschaften, Betrieb

Für die Analyse der wirtschaftlichen Struktur eines Kulturbetriebs bedarf es der Definition der grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge. Basis für die Arbeit im Kulturbetrieb ist, wie die Namensgebung aufzeigt, die Kultur. Der Kulturbegriff ist ein weitreichender und nicht feststehender Begriff. Er kann je nach Teilbereich und gesellschaftlichem Interesse anders ausgelegt werden. Haselbach definiert daher den Gegensatz zwischen Wirtschaft und Kultur und nicht den Kulturbegriff selbst als Vorrausetzung für die wirtschaftliche Betrachtung der Kulturbetriebe.

Zunächst scheint das Zusammendenken von Wirtschaft und Kultur sehr gegensätzlich, beides jedoch ist durch grundlegendes menschliches Handeln definiert. Die Umsetzung künstlerischer Ziele durch Künstler oder auch jeden anderen Menschen, ist eine Teilmenge des Handelns. Das Wirtschaften ist ebenfalls ein Modus des Handelns. Beiden Formen des Handelns liegt die Zielerreichung zugrunde, während in der Kunst künstlerische Produkte (dabei muss es sich nicht um materielle Güter handeln) geht, soll gutes Wirtschaften finanziellen Gewinn bringen.8

Wirtschaften kann also auch die Basis für die Umsetzung künstlerischer Ziele sein, während künstlerisches Schaffen auch wirtschaftliche Ziele erreichen kann. Gesellschaftlich ist der Zusammenhang zwischen Kultur und kapitalistischer Wirtschaft meist als gegensätzlich angenommen. Haselbach entkräftet mit seiner Definition diesen vermeintlichen Gegensatz und ebnet so den Weg für eine wirtschaftliche Betrachtung von Kultur und der Schaffung von Kulturprodukten.9

Wirtschaften definiert sich vor allem durch einen möglichst effektiven und somit sparsamen Umgang mit vorhandenen Ressourcen zur Erreichung eines Handlungsziels. Diese Ressourcen können in Form von Material angenommen werden, aber auch in Form von Zeit, körperlicher oder sogar geistiger Kraft. Ein sparsamer Einsatz dieser möglichen Ressourcen setzt eine Endlichkeit beziehungsweise einen nicht wiederkehrenden Wert der Ressourcen voraus. Basis des Wirtschaftens ist also eine Knappheit in der Verfügbarkeit von Materialien. Der sparsame Einsatz ist die resultierende Notwendigkeit.10

Wirtschaften kann durch drei Hauptwege umgesetzt werden, zum einen indem der Ressourcenverbrauch verkleinert wird, um die geplanten Ziele zu erreichen, zum anderen indem zusätzliche Ressourcen geschaffen oder beschafft werden oder auch indem Ziele modifiziert werden. Auch im Kunstsektor der Wirtschaft steht die Realisierung der Handlungsziele im Vordergrund, die Knappheit der Ressourcen zwingt also auch die Kunstproduzenten zum Wirtschaften.11

Die häufigste Form der Organisation des (künstlerischen) Wirtschaftens ist der Betrieb. In einem Betrieb wird das wirtschaftliche Ziel, oder mehrere miteinander verbundene wirtschaftliche Ziele, als Institution mit einem Regelwerk zusammengefasst. Der Betrieb organisiert den Umgang mit den knappen Ressourcen und wirtschaftet für die Zielerreichung. Dabei sind wirtschaftliche Ziele, also der finanzielle Gewinn, keine Vorrausetzung für die Arbeit des Betriebs. Ein Ziel eines Betriebs kann also auch die reine Zielumsetzung beinhalten, ein Beispiel hierfür wären die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die nur den kulturpolitischen Auftrag des Staates verfolgen.12

Eine besondere Situation des Wirtschaftens im Kunstsektor ist die Förderung und Subventionierung durch Externe, beispielsweise durch öffentliche Mittel. Hier ist die Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen Interessen und künstlerischen Zielen nicht mehr trennscharf. Wichtig für die künstlerische Freiheit ist jedoch die Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen, auch der finanziellen Beeinflussung. Sind künstlerische Betriebe und Handlungsfelder zu stark ökonomisiert, steigt die Gefahr der Beeinflussung stark an. Haselbach befürchtet durch zu gravierende Eingriffe in das Wirtschaften der Kulturbetriebe das Ende von freier Kunst und Kultur.13

2.2 Formen und Funktionen von Kulturbetrieben

Kulturbetriebe können zunächst anhand des Begriffes in zwei Definitionen eingeordnet werden. Zunächst versteht sich ein Kulturbetrieb als einzelne, kulturelle Einrichtung oder Institution, die intern durch Kulturmanagement und kulturell orientierte Betriebswirtschaft gesteuert wird. Andererseits kann unter dem Begriff Kulturbetrieb die Gesamtheit aller Einrichtungen, Organisationen und Institutionen, die mit der Produktion und Vermittlung von Kunst und Kultur zusammenhängen, gefasst werden. Diese Betriebe werden anhand der Kulturökonomik beschrieben. Die Kulturökonomik bildet dafür einen (beliebigen) räumlichen Rahmen beispielsweise Deutschland oder auch einzelne Bundesländer zum wirtschaftlichen Vergleich.14

Kulturbetriebe treten in einem breiten Spektrum an Formen und mit unterschiedlichen Funktionen auf. In Deutschland unterscheiden sie sich vor allem anhand der möglichen Rechtsformen und der Einteilung in öffentliche und private Betriebe. Die Zugehörigkeit eines Betriebs zur Gesamtheit der Kulturbetriebe definiert sich durch die innerbetriebliche, kulturelle Zielsetzung.

Neben den privaten Formen und erwerbswirtschaftlichen Formen der Betriebe finden sich auch viele Mischformen, da die wirtschaftliche Zielsetzung häufig als Ziel-Mischung definiert wird. Die Verfolgung von künstlerischen Zielen, neben ebenfalls wichtigen wirtschaftlichen Zielen, ist die häufigste Form unter den Kulturbetrieben. Der kulturelle Sektor in Deutschland ist also eng mit der Wirtschaft verbunden.15 In wirtschaftlich orientierten Betrieben entscheidet zudem die Nachfrage an Produkten über die Ausrichtung der Betriebe. Auch in kulturellen und kunstorientierten Betrieben ist die Nachfrage an Produkten entscheidend. Als Kulturbetrieb definieren sich die Betriebe, in denen in außergewöhnlichem Maß kreative, künstlerische oder kulturelle Arbeit geleistet wird. Hinzu kommen die nur schwer zu erfassenden, nicht-erwerbstätigen Betriebe, die ebenfalls kulturelle Arbeit leisten. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist trotz unbekannter Anzahl an nicht erfassten Betrieben und Kunstschaffenden ein großer und wichtiger Motor der deutschen Wirtschaft.16

Finanziell stützen sich viele Kulturbetriebe, neben den gegebenenfalls vorhandenen finanziellen Einnahmen durch die wirtschaftlichen Ziele, auf staatliche Förderung oder auch das Mäzenatentum im privaten Bereich. Das Mäzenatentum bildet eine sehr häufige, aber kaum nachvollziehbare Form der Kunstförderung.

Neben finanziellen Pflichten birgt die Organisation in Betrieben auch weitere gesetzliche Pflichten, wie beispielsweise die Haftung und Steuerpflicht. Über Form und Höhe dieser Pflichten entscheidet die gewählte Rechtsform des Betriebs, so finden sich Kulturbetriebe als Gemeinschaften, Verbände, Vereine und in vielen weiteren Formen. Je nach gewählter Betriebsform ändern sich auch die Frage nach Autonomie der Betriebe und deren Ziele, nach Organisationsform und Kosten zur Führung des Betriebs.17

[...]


1 Fortlaufend wird in dieser Arbeit die Form des generischen Maskulinums für Personenbezeichnungen verwendet, bei der stets die weibliche und diverse Form einbezogen ist.

2 Vgl. LiteraTour Nord: http://www.literatournord.de/

3 Vgl. Klein, Armin: Kulturbetrieb in Deutschland, In: Klein, Armin (Hrsg.): Kompendium Kulturmanagement, München 2017, S.25.

4 Vgl. Klein, Armin: Kompendium Kulturmarketing – Einführung, München 2017, S.1.

5 Vgl. Klein, Armin: Kulturmarketing, In: Klein, Armin: Kompendium Kulturmanagement, München 2017, S.237.

6 Vgl. Klein: Einführung, S.2.

7 Vgl. Ebd. S.3.

8 Vgl. Haselbach, Dieter: Der Kulturbetrieb, In: Klein, Armin (Hrsg.): Kompendium Kulturmanagement, München 2017, S.7.

9 Vgl. Ebd. S.8.

10 Vgl. Ebd. S.8.

11 Vgl. Ebd. S.9.

12 Vgl. Haselbach: Kulturbetrieb, S.10.

13 Vgl. Ebd. S.12.

14 Vgl. Klein: Kulturbetrieb, S.17.

15 Vgl. Haselbach: Kulturbetrieb, S.12.

16 Vgl. Ebd. S.13.

17 Vgl. Ebd. S.14.

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Details

Titel
Literatur und Management. Kulturmanagement
Autor
Seiten
20
Katalognummer
V992890
ISBN (eBook)
9783346357915
ISBN (Buch)
9783346357922
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur, management, kulturmanagement
Arbeit zitieren
Lina Mintzlaff (Autor), Literatur und Management. Kulturmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992890

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