Sophokles - Antigone - Analyse des 5. Auftritts


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
3 Seiten

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Esther König

Sophokles´ Drama “Antigone“: Analyse des 5. Auftritts

(Inhaltsangabe, Personencharakteristik, Dialoganalyse, Funktion des Chores)

Klassenarbeit

Im 5. Auftritt von „Antigone“ trifft König Kreon den blinden Seher Teiresias, seinen Ratgeber (V. 993-995).

Anfangs ist Kreon höflich zu dem alten Seher und bereit, auf seinen Rat zu hören, denn dieser hat ihm schon oft gute Dienste erwiesen. Teiresias berichtet Kreon, dass er viele schlechte Omen bemerkt hat, wie das ungewöhnliche Verhalten der Vögel (V. 1001-1005) und die Unfähigkeit, durch ein Flammenopfer von den Göttern eine Vision gesandt zu bekommen. Seiner Meinung nach sind die Götter erzürnt über das Verbot, Polyneikes zu bestatten, der von „Hund und Vogel“ (V. 1017) aufgefressen wird, anstatt ein rechtmäßiges Grab zu erhalten. Doch Teiresias sagt auch, dass der Mensch, der Einsicht zeigt, auf Vergebung hoffen kann, Zitat: „Der bleibt nicht ohne Rat und Segen, der sich heilen lässt von seinem Übel und sich wandeln kann. Nur Eigensinn macht sich der Torheit schuldig“ (V. 1025-1028). Er rät dem König, dem Toten endlich die letzte Ehre zu erweisen und ihn in Frieden ruhen zu lassen. Doch Kreon, der mehr und mehr zur Paranoia neigt, glaubt an eine Verschwörung gegen ihn, an der nun auch die Seher teilnehmen. Er beschuldigt die Seherzunft der Habgier und spricht eine sehr deutliche Drohung gegen Teiresias aus: „...kein Mensch vermöchte Götter zu entweihen. Es stürzen aber...auch große Geister schlimmen Sturz, wenn sie Gemeines schön verbrämen um Gewinn“ (V. 1044 f.). Mit diesen Worten setzt Kreon der Beleidigung der Seherzunft die Krone auf, denn jetzt beschuldigt er Teiresias ganz persönlich der Gewinnsucht und der Lüge. Ab diesem Zeitpunkt verwandelt sich das Gespräch in einen Streit, der sich mehr und mehr steigert. Beide Männer werfen sich gegenseitig Dummheit vor, Kreon bezeichnet Teiresias als geldsüchtigen Lügner und der Seher den König als verbrecherischen Tyrannen. Kreon weiset ihn darauf hin, dass er mit dem „Fürsten spricht“ (V. 1057) und Teiresias kontert, er habe es nur ihm zu verdanken, dass er die Stadt gerettet und seinen Thron erworben habe (V. 1058).

Als Abschluss des Streitgesprächs enthüllt Teiresias Kreon seine Zukunft. Er wird für seine Sünden, die Verurteilung Antigones und das Bestattungsverbot für Polyneikes, teuer bezahlen müssen, doch nicht nur er, die ganze Stadt wird seinetwegen ins Unglück stürzen. Teiresias sagt: „Wie ein Schütze schoss ich dir die Pfeile ins Herz, denn du hast meinen Zorn gereizt, sie haften, ihrem Brand entrinnst du nicht“ (V. 1084 f.). Damit meint er, dass seine Prophezeiung wie ein Fluch auf Kreon lasten wird, von dem er sich nicht befreien kann.

Nach Teiresias´Abgang redet der Chor Kreon ins Gewissen, versucht ihn zu bewegen, den Rat des Sehers zu befolgen und Polyneikes zu begraben. Erst zögert der König noch, denn er will ja sein Gesicht nicht verlieren, indem er nun doch sein Gesetz aufhebt. Doch die unheilvollen Prophezeiungen haben ihn erschüttert. Bisher hat Teiresias immer recht behalten und so stur ist Kreon nicht, dass er einen Fluch der Götter oder gar den Tod in Kauf nimmt, so wie es Antigone getan hat.

Teiresias ist ein weiser Mann, der nicht mit seinen Augen, sondern mit seinem Geist sieht und deshalb oft Dinge erkennt, die anderen Menschen verborgen bleiben. Die Gebote der Götter snd ihm sehr wichtig und es bereitet ihm Furcht, wenn sie seine Opfer nicht annehmen, wie es durch Kreons Bestattungsverbot geschah (V. 1019). Teiresias ist von seiner eigenen Weisheit und der Richtigkeit seiner Aussagen überzeugt und glaubt, er allein könne die Stadt auf rechtem Weg lenken. Er weiß jedoch, dass auch er selbst, der ja blind ist, nicht ohne einen Führer auskommen kann, darum vertraut er dem Knaben, seinem Lehrling, rückhaltlos (vgl. V. 1014). Teiresias sieht sich selbst als geistigen Führer, als Wegweiser für Theben und das Wohl der Stadt liegt ihm am Herzen. Als vernünftigste Tugend sieht er Einsicht an (V. 1030).

Kreon hält von Einsicht und der Bereitschaft zum Nachgeben nicht viel. Selbst nach der Enthüllung seiner unheilvollen Zukunft zögert er noch, ehe er sein Bestattungsverbot aufhebt. Doch selbst dann ist er nicht wirklich einsichtig. Er gibt nicht zu, dass er einen Fehler begangen hat, er bestattet Polyneikes nur, weil er seine Haut retten und nicht mit dem Fluch der Zornigen Götter leben will. Hier kommt deutlich der Egoismus des Königs zum Ausdruck. Sein Leben und sein Wohl sind ihm wichtiger als Staatsinteressen - denn als das Wohl des Staates hat er seine Gesetze ja immer begründet. Er hält nicht um jeden Preis an seinen Prinzipien fest, wie es Antigone tut. Sobald es für seine Person riskant wird, rettet er lieber seine Haut. Kreon ist psychisch labil, er leidet unter Paranoia, sieht überall Verschwörungen, selbst in Teiresias, deinem Ratgeber, dem er immer vertraut hat (V. 1033).

Der Dialog zwischen Kreon und Teiresias artet schnell zum Streitgespräch aus. Die Gegner werfen sich kurze, aber „harte“ Beschimpfungen an den Kopf, die die jeweilige Meinung über den anderen zum Ausdruck bringen. Der erste längere Dialogteil des Sehers, der dem Streit unmittelbar vorausgeht, bezieht sich auf die Vergangenheit, während der Lange Redepart am Ende des Streits über Kreons Zukunft Auskunft gibt. Nach Teiresias´ Abgang spricht der Chor mit Kreon und Redet ihm ins Gewissen. Im gesamten 5. Auftritt hat Kreon nicht die Oberhand in den Dialogen.

Der Chor hat in diesem Teil des Dramas eine sehr wichtige Funktion: sein intensiver Zuspruch bewegt Kreon zur Umkehr und verleiht dem 5. Auftritt seine Funktion als retardierendes Moment. Da Kreon Polyneikes nun doch bestatten und Antigone befreien will, ist ein guter Ausgang des Stückes doch noch denkbar - leider ist das Happy End für antike griechische Dramen nicht typisch.

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Details

Titel
Sophokles - Antigone - Analyse des 5. Auftritts
Autor
Jahr
2000
Seiten
3
Katalognummer
V99290
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sophokles, Antigone
Arbeit zitieren
Esther König (Autor), 2000, Sophokles - Antigone - Analyse des 5. Auftritts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99290

Kommentare

  • Gast am 25.2.2002

    Naja.

    naja, das mit dem "er hat ihm immer vertraut" ist Blödsinn, Kreon sieht den Seher an diesem Tag zum ersten Mal!

  • Gast am 16.6.2002

    Re: Naja.

    Das stimmmt nicht,der Seher verschafft kreon diesen Platz als König indem er ihm zu Anfang alles vorraussagt.Doch der Seher hat schon in anderen Stücken seine Seherkunst bewiesen.

  • Gast am 8.9.2002

    recht gut.

    Hast du recht gut herausgearbeitet, jedoch hättest du noch tiefer analysieren sollen! Die Hintergründe mehr herausarbeiten! Trotzdem danke

  • Gast am 13.9.2002

    Spitze! Vielen Dank!.

    Das ist echt ne super Interpret!

    Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße Katharina

  • Gast am 10.11.2003

    bissl spekulativ....

    einige passagen wurden echt gut interpretiert aber ich würde nicht sagen, dass kreon paranoid ist...
    er ist auf der höhe seiner verblendung und theiresias ist auch nicht grad der typ für richtigen zoff...er ist erschüttert über dessen ansichten und ihm wird bewusst, dass alles reden nichts mehr nützt.
    Theiresias sieht sich auch nicht als vollkommen an.
    Er sieht sich als DIENER der Wahrheit und Thebens!!!
    und als T. dann seine Vision über die zukunft loslässt, da ist kreon das erste mal im ganzen stück erschüttert (regieanweisung)
    und der chor ist nicht alleine das ausschlaggebend, was kreon dann zum nachdenken anregt und ihn sein urteil zurückziehen lässt!
    es ist der chor und theiresias zusammen, die bei kreon ein umdenken einleiten!

  • Gast am 8.3.2004

    hat mir sehr geholfen danke ;)

  • Gast am 9.11.2008

    Aber....

    ... Teiresias hatte großes Ansehen, jeder hat ihm vertraut, weil er noch nie eine falsche Aussage gemacht hat. Es ist vielleicht falsch ausgedrückt, aber im Sinn stimmt es schon.

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