Dieser Unterrichtsentwurf beschäftigt sich mit dem deutschen Imperialismus in China. Vor allem beschäftigt er sich mit der Eroberung der Provinz Kiautschou durch die deutsche kaiserliche Marine und dem Ausbau einer Musterkolonie.
In der geplanten Stunde sollen die Schülerinnen und Schüler auf Basis der Theorie von Jürgen Osterhammel zu den Formen der Kolonisation und aus der Rede des Staatssekretärs Bülow die Argumente für die Eroberung des chinesischen Kiautschou analysieren und die angestrebte Form der Kolonisation beurteilen.
Inhaltsverzeichnis
1. Sachanalyse des historischen Themas und der theoretischen Grundlage
2. Unterrichtseinheit „der deutsche Imperialismus in China (1897 – 1914)“
3. Unterrichtsstunde „Grundlagen des Imperialismus des Deutschen Kaiserreiches“
3.1 Lernziele und Kompetenzen
4. Didaktische Analyse und Legitimation
4.1 Anbindung an das Kerncurriculum
4.2 Legitimation des Unterrichtsthemas (Gliederung frei nach Klafki 1958)
4.3 Legitimation der Unterrichtsmaterialien und -medien
5. Methodische Analyse
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit entwirft ein Unterrichtsmodell für die Jahrgangsstufe 8, das die Voraussetzungen und den Ablauf der deutschen Kolonialpolitik in der chinesischen Provinz Kiautschou zwischen 1897 und 1914 historisch fundiert aufarbeitet. Ziel ist es, den Schülern durch die Anwendung der Kolonialismustheorie nach Jürgen Osterhammel eine differenzierte Analyse imperialistischer Strukturen sowie ein kritisches Verständnis für das Verhältnis zwischen Kolonialherren und einheimischer Bevölkerung zu vermitteln.
- Grundlagen und Definitionen des Imperialismus und Kolonialismus
- Theoretische Kategorisierung der Kolonisation nach Jürgen Osterhammel
- Analyse deutscher Expansionspolitik in Fernost anhand politischer Quellentexte
- Untersuchung der administrativen und sozialen Strukturen der "Musterkolonie" Kiautschou
- Förderung der historischen Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz
Auszug aus dem Buch
Grundlagen der Kolonialismus-Theorie
Grundlage des Kolonialismus ist immer, so Jürgen Osterhammel, die auf Erwerb und Ausbau ausgerichtete Politik eines Staates. Dabei wird Kolonialismus mit der Kolonialpolitik gleichgesetzt. Im Kern meint Kolonialismus den Prozess der Landnahme und Aufbau eines Herrschaftsverhältnisses durch einen Staat gegenüber einem anderen Staat oder einer Bevölkerungsgruppe fern vom angestammten Lebensraum.
„Irgendwann zwischen etwa 1500 und 1920 geriet die Mehrzahl der Räume und Völker der Erde unter die zumindest nominelle Kontrolle von Europäern: ganz Amerika, ganz Afrika, nahezu das gesamte Ozeanien und […] der größere Teil des asiatischen Kontinents.“ – Jürgen Osterhammel
Der Kolonisation kann in folgende Hauptformen unterschieden werden:
Bei der Totalmigration kommt es zu Wanderungen ganzer Völker und Gesellschaften. Vorrausetzung für diese Form des Kolonialismus ist, dass zuvor sesshafte Gruppen ihren ursprünglichen Lebensraum aufgeben und ohne Hinterlassen einer Muttergesellschaft in neue Gebiete aufbrechen. Diese Form der Landnahme ist häufig mit Verdrängung Einheimischer oder militärischer Eroberung in der Zielregion verbunden. Eine extreme Form ist die Totalmigration unter Zwang – als Beispiel kann die Deportation europäischer Juden im Nationalsozialismus herangezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sachanalyse des historischen Themas und der theoretischen Grundlage: Dieses Kapitel erläutert die geschichtstheoretischen Definitionen des Kolonialismus nach Osterhammel und analysiert die Hintergründe der deutschen Expansionspolitik in China.
2. Unterrichtseinheit „der deutsche Imperialismus in China (1897 – 1914)“: Hier wird der tabellarische Verlaufsplan der gesamten Unterrichtsreihe vorgestellt, unterteilt in verschiedene thematische Schwerpunkte für die jeweiligen Doppelstunden.
3. Unterrichtsstunde „Grundlagen des Imperialismus des Deutschen Kaiserreiches“: In diesem Abschnitt werden die spezifischen Lernziele und Kompetenzen für die Einstiegsstunde zur Einführung der Kolonialismustheorie dargelegt.
4. Didaktische Analyse und Legitimation: Dieses Kapitel begründet die Auswahl des Themas gemäß dem Kerncurriculum und reflektiert die methodische Herangehensweise sowie die Zukunftsbedeutung der Thematik für die Schüler.
5. Methodische Analyse: Hier wird die methodische Gestaltung des Unterrichts, insbesondere der Einsatz von Bildquellen und die Moderation durch das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch, detailliert analysiert.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis: Ein umfassendes Verzeichnis der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Literatur, die zur Erstellung des Unterrichtsentwurfs herangezogen wurde.
Schlüsselwörter
Kolonialismus, Imperialismus, Deutsches Kaiserreich, Kiautschou, Tsingtau, Jürgen Osterhammel, Kulturimperialismus, Musterkolonie, Geschichtsdidaktik, Unterrichtsentwurf, Außenpolitik, Weltmachtstreben, Segregation, Fernost, Historisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Planung einer Unterrichtssequenz für die 8. Klasse zum deutschen Imperialismus in China am Beispiel der Kolonie Kiautschou.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Definition von Kolonialismus nach Osterhammel, die deutsche Außenpolitik unter Wilhelm II., die Verwaltung der Musterkolonie sowie die Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Schülern zu ermöglichen, koloniale Herrschaftsformen mittels wissenschaftlicher Theorien zu bestimmen und die Motive hinter der deutschen Eroberung Kiautschous kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Entwurf stützt sich auf die geschichtstheoretische Kategorisierung nach Jürgen Osterhammel und die fachdidaktische Methodik des kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung des Kolonialismusbegriffs als auch die detaillierte didaktische Planung des Unterrichtsverlaufs inklusive der Analyse politischer Reden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Imperialismus, Kolonisationsformen, Musterkolonie, historische Urteilskompetenz und fachdidaktische Analyse bestimmt.
Welche Rolle spielt die "Musterkolonie" Kiautschou?
Kiautschou dient als anschauliches Beispiel für die deutsche Propagandapolitik und den Modernisierungsanspruch, der jedoch mit militärischer Unterdrückung und sozialer Segregation einherging.
Wie wird die kritische Reflexion der Schüler gefördert?
Durch die Arbeit mit widersprüchlichen Quellen, wie offiziellen Reden und dem Wissen über die tatsächliche Lebensrealität der einheimischen Bevölkerung, werden Schüler zur Ausbildung eines eigenen Urteils angeregt.
- Citar trabajo
- Lina Mintzlaff (Autor), 2020, Die Musterkolonie Kiautschou von 1897 bis 1914. Didaktische Analyse und Unterrichtsstunde im Fach Geschichte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992900