Die Kirche und die Hexen. Die gesellschaftliche Position der Frau im Mittelalter


Essay, 2016

8 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhalt

1. Die Frau in der Gesellschaft des Mittelalters – Unterdrückte oder aufstrebende Kraft?

2. Die christliche Vorstellung der Frau als Gefahr für den Mann
2.1 Die Schöpfung als Beweis für die männliche Überlegenheit
2.2 Der Sündenfall als Beweis für die von Frauen ausgehende Gefahr für die Gesellschaft

3. Die Hexenverfolgung als Frauenvernichtung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Die Frau in der Gesellschaft des Mittelalters – Unterdrückte oder aufstrebende Kraft?

Ritter, Könige, Mönche und Bauern kommen bei dem Gedanken an das Mittelalter in den Sinn. Aber wo steht die Frau im Mittelalter? Welche Stellung hat sie inne und welche Rechte hatte sie?

In der folgenden Ausarbeitung soll die Position der Frau in der mittelalterlichen Gesellschaft untersucht werden, dabei soll speziell auf die Entwicklung der Hexenverfolgung eingegangen werden und die Rolle der Kirche beurteilt werden.

Die Frau als Hindernis des Patriachats und der Zusammenhang zwischen Frauen und der Kirche soll analysiert werden.

Wie sollte sich die Frau zu Zeiten des Mittelalters in die Gesellschaft einfügen?

Der Lebensmittelpunkt der Frau war die eigene Familie, vor allem im ländlichen Wesen übernahm die Frau wichtige Aufgaben, wie Textilproduktion, Kinderbetreuung und Grundversorgung von Mensch und Tier. Es lag nur ein geringfügiges, übergeordnetes Gemeinschaftsgefühl vor. Die Strukturen beschränkten sich meist auf den näheren Umkreis.1 Die bedeutendste Position der Frau ist die der Ehefrau und Mutter. In den patriarchalischen Strukturen auf dem Land war die Frau zudem dem Grundherrn unterstellt und musste Frondienste leisten.

Die Frau in der mittelalterlichen Gesellschaft unterstand formal immer der Vormundschaft eines männlichen Familienangehörigen. Zunächst unter der Gewalt des Vaters. Später unter der des Ehemannes, im Normalfall. Sie hatte keine eigene Geschäftsfähigkeit und auch nur beschränkt Zugriff auf Vermögen und andere Werte. In der Erbfolge wurden Frauen häufig außer Acht gelassen. Nur in wenigen Ausnahmen konnten sich Frauen von einer Vormundschaft befreien.2

Viele Frauen sahen in Klöstern die Möglichkeit ein freies Leben zu gestalten ohne Aufsicht durch männliche Verwandte und Obrigkeiten.

Der Mann stand im Mittelalter als das bestimmende Organ in der Gesellschaft an erster Stelle der Hierarchie.

Im Hochmittelalter waren Frauen formal von keinem Gewerbe ausgeschlossen, sie konnten viele Berufe ausüben und Handel treiben. Frauen erfuhren eine gesellschaftliche Aufwertung. Der Anteil an alleinstehenden Frauen wuchs in den Städten rasant an. Die Ehe verlor ihre Bedeutung als Versorgungsgrundlage der Frau. Grund für diese Entwicklung war ein akuter Männermangel im Hochmittelalter, er zwang Frauen zu mehr Eigenständigkeit und Selbstständigkeit.3

Die aufstrebende Position der Frau wurde von vielen als Gefahr für die herrschenden männlichen Strukturen angesehen, unter anderem auch für die Kirche.

Als Folge verbreitete sich ein stark negatives Frauenbild in der Gesellschaft. Frauen wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Höhepunkt dieser Frauenfeindlichkeit waren die beginnenden Hexenverfolgungen, die sich bis über das Mittelalter hinaus in die Frühe Neuzeit zogen.

2. Die christliche Vorstellung der Frau als Gefahr für den Mann

Nach der christlichen Eheauffassung entsteht eine Ehe aus dem freien Konsens beider Ehepartner. Die Ehe beinhaltet bestimmte Anforderungen, die zum Teil auch über die geschlossene Ehe hinausgehen können. Darunter zählen Einehe, die Unauflöslichkeit der Ehe, das Verbot des Inzestes sowie das Verbot von Verwandtenehen. Der Mann ist das rechtliche Oberhaupt der christlichen Ehe. Es traten verschiedene Formen der Ehe auf, unter anderem auch die heimliche Ehe. Das, bei Auflösung der Ehe oder Versterben eines Ehepartners eintretende Verbot der Wiederverheiratung, traf lediglich die Ehefrau. Der Ehemann konnte mehrere nacheinander Ehen eingehen.4

2.1 Die Schöpfung als Beweis für die männliche Überlegenheit

Die Wahrnehmung und Bewertung der Frau seitens der Gesellschaft ist ambivalent. Das Frauenbild bewegt sich zwischen der Verurteilung Evas aufgrund des Sündenfalls und der Verehrung Marias als Mutter Jesu. Die gesellschaftliche Meinung über das weibliche Geschlecht ist geprägt von geschlechtsspezifischen und naturgegebenen Unterschieden. Die genaue Bedeutung der Schöpfung der Frau wird unter Theologen häufig diskutiert. Dabei steht vor allem die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und die Schöpfung der Frau nach Gottes Abbild in der Diskussion. Nach einer Auslegung des Genesisberichts ist der Mann der Ursprung und Ziel der Frau, diese soll dem Mann als Zeugungshilfe und Gehilfin dienen.5

Die Schöpfung der Frau, wie im Genesisbericht beschrieben, aus der Rippe des Mannes, stellt eine fleischige Verbindung beider Geschlechter dar. Die Schöpfungsgeschichte dient als Grundlage für Vorstellungen über das weibliche Geschlecht.6

Die theologischen Vorstellungen, die durch Genesis geprägt wurden, stellten später die Grundlage für rechtliche Schriften dar. Vor allem im Eherecht wurde die Vorstellung des überlegenen Mannes umgesetzt.7

2.2 Der Sündenfall als Beweis für die von Frauen ausgehende Gefahr für die Gesellschaft

Die Vorstellung weiblicher Schwäche in der Gesellschaft ist dominierend. Eva gilt als Symbolgestalt des weiblichen Menschen. Die Vorstellung Evas ist dabei eng mit dem Sündenfall in der Genesis verknüpft. Eva wird in theologischen Schriften als „große Sünderin“, deren Gestalt sich der Teufel bedient, dargestellt. Das weibliche Geschlecht wird für den Sündenfall und die daraus resultierenden Folgen verantwortlich gemacht. Die Frau wird als Verführerin und als moralische Gefährdung angesehen. Die Frau bringt durch Verführung vor allem glaubensstrenge Männer, wie Mönche und Kleriker, in Versuchung.8

Die Rechtsunfähigkeit der Frau, vor allem in Besitz- und Eherecht zeigt eine deutliche Benachteiligung der Frau. Die Frau war zum Teil von kirchlichen und öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und so der Herrschaftsgewalt des Mannes untergeordnet.9

Das Mittelalter ist geprägt von einem ambivalenten Frauenbild, bestimmt durch den Gegensatz der Sünderin Eva und der Heiligen Maria.10

Die Kirche unterstützte nur zum Teil dieses streng nach dem Genesisbericht ausgelegte Frauenbild. Zur Verfolgung und Verurteilung gab es Zustimmung aus dem Stand des Klerus aber auch viele Gegenstimmen.

3. Die Hexenverfolgung als Frauenvernichtung

Das von der Gesellschaft vertretene Frauenbild findet in der Hexenverfolgung der Inquisition seinen Höhepunkt.

Der Anteil der Frauen bei den Verurteilten ist in den verschiedenen Regionen und Staaten unterschiedlich hoch, im Schnitt bei circa 70%. Einen besonders hohen Anteil weißt Basel auf, der Anteil der verurteilten Frauen liegt dort bei 95%. Frauen wurden vor Gericht deutlich häufiger verurteilt als Männer, auch diese wurden als Hexer verurteilt, jedoch deutlich öfter als Häretiker. Basis dieses hohen Anteils an Frauen ist die frauenfeindliche Stimmung in der Gesellschaft des Spätmittelalters. Verbreitet wurde das negative Frauenbild vor allem durch das von Heinrich Kramer (Institutoris) verfasste Werk: Malleus Maleficarum, zu Deutsch: Hexenhammer. In dem Werk werden vor allem die intellektuelle Unterlegenheit, die Abergläubigkeit und die sexuelle Leidenschaft der Frau thematisiert. Die Frau wir als anfällig für die Verführungen des Teufels und moralisch ungefestigt beschrieben.11

In den Hexenprozessen wurden Frauen unterschiedlichsten Alters und Familienstandes verurteilt.12 13

Hexen wurden in der Gesellschaft häufig als Rebellen wahrgenommen, sie galten als Verschwörer gegen die politische, gesellschaftliche und moralische Ordnung. Aus Angst vor einer Rebellion verbreiteten sich Fantasievorstellungen vom Hexensabbat, einer Zusammenkunft und Verschwörung aller Hexen. Die Hexen wurden vor allem aufgrund ihres Protestes gegen die männliche Obrigkeit verachtet. Viele verurteilte Frauen kritisierten ihre gesellschaftliche und politische Unterlegenheit. Diese Aggressivität gegen Führungspersönlichkeiten wurde als für Frauen unangemessen betrachtet. Wissenschaftlich gesehen handelte es sich bei den Hexen weniger um Rebellen als um Nonkonformisten.14

In den Hexenverfolgungen wurden viele Frauen verurteilt und getötet, die sich nicht gesellschaftskonform verhalten haben. Die herrschende und vor allem männliche Obrigkeit profitierte in gewissem Maße von dieser „Säuberung“. Die Angst vor einer Rebellion konnte so zeitweise eingedämmt werden. Mit der später einsetzenden Reformation scheiterte diese Stabilisierung des Patriachats.

[...]


1 Vgl. Ruhl, Martina: Das Phänomen der Hexenverfolgung. Verdeutlicht am Fall der Barbara C. aus Friedberg, Münster 1990, S. 92ff.

2 Vgl. Ebd. S.96f.

3 Vgl. Ruhl (1990), S.95ff.

4 Vgl. Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München 1984, S.44ff.

5 Vgl. Nolte, Cordula: Frauen und Männer in der Gesellschaft des Mittelalters, Darmstadt 2011, S.37.

6 Vgl. Goetz, Hans-Werner: Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich, Weimar u.a. 1995, S.71ff.

7 Vgl. Nolte (2011), S.37.

8 Vgl. Goetz (1995), S. 71ff.

9 Vgl. Ebd. S.38ff.

10 Vgl. Ebd. S. 58ff.

11 Vgl. Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgung in Europa, München 1995, S.128ff.

12 Vgl. Ebd. S.139f.

13 Vgl. Ebd. S.143f.

14 Vgl. Ebd. S.149ff.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Kirche und die Hexen. Die gesellschaftliche Position der Frau im Mittelalter
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hexen, Huren, Heilige - Frauen im Mittelalter
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V992923
ISBN (eBook)
9783346358998
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Kirche, Inquisition, gesellschaft, Hexenhammer, Malleus Maleficarum, Südenfall, Christentum, Hexenverfolgungen, Frauenvernichtung, misogynie
Arbeit zitieren
Lina Mintzlaff (Autor), 2016, Die Kirche und die Hexen. Die gesellschaftliche Position der Frau im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992923

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