Entstehung des Kapitalismus. Imperialistische Sichtweisen auf das Handeln der EU im Zuge der GAP in Afrika


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Was ist nach Marx und was ist nach Weber der Motor für die Entstehung des Kapitalismus?

Imperialistische Sichtweisen auf das Handeln der EU, im Zuge der GAP, in Afrika

1.0 Einleitung

2.0 Die GAP
2.1 Geschichte der GAP
2.2 Das Handeln im Zuge der GAP
2.3 Die Auswirkungen der GAP auf dem afrikanischen Kontinent

3.0 Imperialistische Sichtweisen auf die GAP
3.1 Die GAP aus der Sicht des klassischen Imperialismus
3.2 Die GAP aus Sicht der marxistischen Imperialismustheorie
3.3 Die GAP als Teil der imperialen Lebensweise?

4.0 Perspektiven
4.1 Voraussetzungen
4.2 Möglichkeiten

5.0 Fazit

6.0 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

AKP-Staaten: Gruppe von 79 Staaten in Afrika, der Karibik und dem Pazifik

BeNeLux-Staaten: Belgien, Niederlande und Luxemburg

BMEL: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

bpb: Bundeszentrale für politische Bildung

EU: Europäische Union

FAO: Food and Agriculture Organisation of the United Nations

EPA: Wirtschaftspartnerschaftsabkommen

EWG: Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

GAP: Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (beziehungsweise der EWG)

WTO: Welthandelsorganisation

Was ist nach Marx und was ist nach Weber der Motor für die Entstehung des Kapitalismus?

Sowohl der Philosoph Karl Marx (1818-1883), als auch der Soziologe Max Weber (1864-1920) machten sich Mitte des 19., beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts Gedanken zu einem Thema. Was war der Motor für die Entstehung des Kapitalismus in Europa? Und welche Umstände hatten dessen Entstehung begünstigt? Hierbei gingen beide von zwei vollkommen unterschiedlichen Ansätzen aus, wie sich eine Gesellschaftsordnung erklären lasse. Während Marx davon ausging, dass über strukturelle Veränderungen auf Handlungsmöglichkeiten geschlossen werden könne (top-down), ging Weber vom Gegenteil aus. Nach ihm kann die Struktur überhaupt erst durch das Handeln entstehen (bottom-up).

Karl Marx beschreibt in seinen Werken die Geschichte in verschiedenen Stufen des Kampfes zwischen Klassen. Angefangen bei der antiken Gesellschaft bis hin zur finalen Stufe des Kommunismus (vgl. Rüttgers, 2008). So erklärt er auch die Entstehung des Kapitalismus in Europa mit dem Ende der Stufe des Feudalismus. Laut Marx war die treibende Kraft für den Kapitalismus der Umsturz von Struktur, der Umsturz der Basis, auf welcher sich Gesellschaft aufbaut. -In diesem Fall der Umsturz der Produktionsverhältnisse und der Produktivkraft-

Diese änderten sich im 18. Jahrhundert, durch die Erfindung der Dampfmaschine grundlegend. Die Besitzer der neu errichteten Fabriken und Manufakturen bildeten schon bald die Bourgeoisie, die neue Oberschicht und verdrängten somit die Feudalherren und Großgrundbesitzer, wie Monarchen, Adel und Kirche. Im Gegenzug zur, von Handel und Manufaktur profitierenden, Bourgeoisie bildete sich das Proletariat. Dieses bestand vor allem aus Arbeiter*innen. Da der Zugang zu den Produktionsmitteln ausschließlich bei der Bourgeoisie, den Kapitalisten lag, war das Proletariat gezwungen seine Arbeitskraft an diese zu verkaufen, um in der Lage zu sein, sich selbst ernähren und reproduzieren zu können (vgl. Rüttgers, 2008). Der Untergang der Feudalherrschaft bedeutete also für Marx den Beginn des Kapitalismus und den damit einhergehenden Erwerbstrieb, das Streben nach Gewinn und die Ausbeutung des Proletariats. Hierin sieht er jedoch keinerlei Fortschritt, sondern schreibt vielmehr dazu: „Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen […] an die Stelle der alten gesetzt“ (Marx & Engels, 2012).

Wie Eingangs bereits erwähnt verfolgte der Soziologe Max Weber einen etwas anderen Ansatz als Marx um die Entstehung des Kapitalismus auf dem europäischen Kontinent zu begründen. In seinem 1904 erschienen Werk „Die protestantische Ethin und der Geist des Kapitalismus“ erklärt Weber warum der Kapitalismus sich gerade in der westlichen Hemisphäre so schnell und stark ausbreitete. Hierfür führt er als Grund die „protestantische Ethik“ auf. Der Kerngedanke dieser ist, dass die Rationalität und ethische Lebensführung im Okzident die Basis für die Entstehung des Kapitalismus bilden. Diese Rationalität, die anderswo auf der Welt absurd wäre, erklärt Weber unter anderem am Beispiel der Musik; Während in anderen Teilen der Welt Musik nach Lust und Laune für den Genuss gemacht wird, ist diese im Okzident strikt durch ein Notensystem rationalisiert (vgl. Weber, 1904). Diese Rationalisierung betrifft selbstverständlich sämtliche Lebensbereiche und bedeutet auch nicht zuletzt ein „Rentabilitätsdenken“ im Bereich der Wirtschaft.

Diese Rationalisierung der Welt begründet Weber im, zu dieser Zeit in Europa vorherrschenden, Protestantismus, vor allem aber in der protestantischen Berufsidee und Ethik. Schlüssig beschreibt Weber die Entstehung von Gewinnmaximierung und Kapital am Beispiel des in dieser Zeit weit verbreiteten Calvinismus. Diese Unterform des Protestantismus lehrt die Prädestination. Also die unveränderliche Vorherbestimmung Gottes über Seligkeit oder Verdammnis einer Seele (vgl. McGrath, 1991). Diese war den einzelnen Menschen jedoch nicht bewusst und es war ihnen auch nicht möglich diese zu erfahren. Dies führte, laut Weber, zu dem Führen eines gottgefälligen Lebens, welches sich vor allem durch Fleiß (bzw. Erwirtschaften von Gewinn) und Askese (also Verzicht) auszeichnete. So wurde die protestantische Ethik zum „Geist des Kapitalismus“.

Beim Vergleich der Ansätze der beiden deutschen Denker, scheint mir persönlich der marxsche Ansatz nachvollziehbarer. Es wird schlüssig der Übergang von Feudalismus zu Kapitalismus begründet und auch dargelegt, dass sich das Wesen des Menschen an sich nicht verändert habe. Lediglich die Klassen verschoben sich, die Ausbeutung der Ärmeren blieb bestehen. Webers Ansatz scheint mir etwas zu vage. Zwar begründet er die lokale Ausbreitung des Kapitalismus im größtenteils protestantischen Europa plausibel, jedoch fällt bei weiterer Recherche auf, dass der Kapitalismus schon rund 200 Jahre vor dem Calvinismus im (katholischen) Italien auftrat (vgl. Kuhn, 2006).

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass die Theorien Marx‘ und Webers sich keinesfalls gegenseitig ausschließen. Vielmehr ergänzen sie sich sogar. Der zusammenbrechende Feudalismus war eine Herrschaftsform, die zu diesem Zeitpunkt vor allem in Zentral- und Mitteleuropa vorherrschend war (vgl. bpb, 2019). Und auch der Protestantismus war zu dieser Zeit vor allem in Deutschland, England und den BeNeLux-Staaten weit verbreitet. Während sich der zusammenbrechende Feudalismus und der Protestantismus in vielen Ländern überschnitten, erklärt Marx‘ Ansatz die Entstehung des Kapitalismus auch in Ländern (z.B. Frankreich), in denen Webers Theorie an seine Grenzen stößt.

Zusammenfassend stehen sich der marxsche „top-down“ und der webersche „bottom-up“ Ansatz nicht entgegen. Sie können vielmehr, in vielen Regionen, als zwei Seiten derselben Medaille betrachtet werden, da sie sich oftmals gut ergänzen.

Imperialistische Sichtweisen auf das Handeln der EU, im Zuge der GAP, in Afrika

Anmerkung:

Der afrikanische Kontinent ist eine sehr heterogene Region. Und nur in den seltensten Fällen betreffen die behandelten Aussagen alle 55 Nationalstaaten auf dem Kontinent. Daher sind in dieser Arbeit verwendete Begriffe, wie die „afrikanischen Staaten“ oder der „afrikanische Kontinent“, ausdrücklich nicht diskriminierend gemeint, sondern dienen lediglich der Einfachheit und Lesbarkeit.

Darüber hinaus sind bei weitem nicht alle Länder auf dem europäischen Kontinent Mitglieder in der EU. Dennoch wird „europäisch“ oder „Europäer“, der Einfachheit halber, in dieser Arbeit, synonym für die EU-Mitgliedsstaaten genutzt.

1.0 Einleitung

Zum Jahreswechsel von 1884 zu 1885 fand in Berlin, auf Einladung des derzeitigen Reichskanzlers Otto von Bismarck, die Berliner Kongo Konferenz statt. Die Konferenzteilnehmer, alle aus dem globalen Norden (heutige „Industrienationen“), entwarfen, unter Ausschluss Afrikas, am Reißbrett, die größtenteils bis heute bestehenden Grenzen Afrikas.

Diese Grenzen berücksichtigten jedoch keine ethnischen, religiösen, kulturellen oder sprachlichen Unterschiede in den Regionen. Das damalige Handeln der Kolonialmächte zieht bis heute schwere Folgen nach sich. Der Dependenztheorie nach zu urteilen, ist eben dieses imperialistische Handeln und die fortlaufende Abhängigkeit der Kolonien der Grund für die geringere Entwicklung der, heute unabhängigen, Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Darüber hinaus wird die koloniale Grenzziehung auch als Grund für, immer wiederkehrende, Spannungen und Konflikte in der Region aufgeführt (vgl. Boeckh, 2004).

Genau 135 nach der kolonialen Grenzziehung in Afrika sind die, mittlerweile (formal) unabhängigen, Staaten des globalen Südens ((ehemalige) Entwicklungsländer) jedoch keinesfalls unabhängig oder frei gegenüber den Staaten im globalen Norden.

In dieser Hausarbeit soll, durch eine Literaturstudie, untersucht werden wie sich Europa, auf landwirtschaftlicher Ebene heute gegenüber afrikanischen Staaten verhält. Zu Zeiten der Kolonialisierung beuteten die Europäer den Kontinent, vor allem landwirtschaftlich, systematisch aus. In der heutigen Zeit jedoch spielt das Wettrennen der (ehemaligen) europäischen Kolonialmächte um die Weltherschafft kaum mehr eine Rolle. Zusammengeschlossen zur Europäischen Union wird vielmehr eine gemeinsame Agrarpolitik, nach außen, betrieben.

Die Kernfrage dieser Hausarbeit lautet daher: Inwiefern ist die heutige gemeinsame Landwirtschaftspolitik der EU in Afrika noch imperialistisch und gibt es Alternativen zum europäischen Handeln?

Hierbei wird zunächst auf die Geschichte der GAP, sowie ihr konkretes Handeln und die Auswirkungen, bezogen auf Afrika, eingegangen. Daraufhin wird jenes Handeln der GAP zunächst aus der Sicht des klassischen Imperialismus betrachtet. Im Folgenden wird die GAP aus der Sicht der marxistischen Imperialismustheorie beleuchtet, um anschließend zu untersuchen, ob die GAP ein Teil der imperialen Lebensweise des globalen Nordens ist. Schließlich wird unter dem Punkt „Perspektiven“ erläutert, welche Möglichkeiten und Alternativen es zur momentanen Situation gibt und welche Voraussetzungen hierfür erfüllt werden müssten.

2.0 Die GAP

2.1 Geschichte der GAP

1957, 12 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, wurde die EWG, mit dem Ziel eines freieren Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehrs innerhalb der Mitgliedsstaaten zu schaffen, gegründet. Fünf Jahre später im Januar 1962 wurde dann erstmals die Ziele für eine GAP aufgestellt (vgl. Razinger, 2014). Die Ziele dieses gemeinsamen Instruments sollten zwei große Probleme, im europäischen Raum, lösen. Dies waren zum einen die, durch die unelastische Nachfrage nach Lebensmitteln, stark schwankenden Lebensmittelpreise und zum anderen die nicht gesicherte Versorgung aller Europäer mit ausreichend Lebensmitteln (vgl. Europäisches Parlament, 2019). Daher waren die Ziele der GAP die Nahrungsmittelsicherheit in Europa sicherzustellen, Landwirten ein angemessenes Einkommen zu sichern und die Produktivität der europäischen Landwirtschaft zu steigern (vgl. Europäische Kommission, 2019).

Fast 60 Jahre nach der Gründung ist die GAP auch heute noch fester Bestandteil der EU, allerdings, durch mehrere Reformationen, mit leicht abgewandelten Zielen. Diese lauten aktuell:

1. „Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschritts und durch bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte;
2. Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards für die landwirtschaftliche Bevölkerung;
3. Stabilisierung der Märkte;
4. Sicherstellung der Versorgung;
5. Sicherstellung angemessener Preise für die Verbraucher.“ (Europäisches Parlament, 2019)

Neben ihren Zielen beinhaltet die heutige GAP ein Unterstützungssystem für Landwirte. Dieses besteht aus zwei Säulen. Die erste Säule beinhaltet Direktzahlungen an europäische Landwirte, welche pro Fläche gezahlt werden. Die Unterstützung kann hierbei auch an Bedingungen geknüpft werden. So wurde in der Vergangenheit nicht nur Geld für bewirtschaftete Flächen, sondern teils auch für die Stilllegung von Flächen bezahlt. Die zweite Säule im System beinhaltet Förderungen um, zum einen die ökologische, nachhaltige Landwirtschaft attraktiver zu machen und zum anderen die Lebensqualität auf dem Land zu steigern (vgl. BMEL, 2019).

2.2 Das Handeln im Zuge der GAP

Um die anfänglichen Ziele der GAP durchzusetzen wurden Instrumente wie Preisstützen, Mengensteuerungen und Subventionen eingeführt. Diese sollten dazu beitragen Lebensmittelpreise zu stabilisieren, das Einkommen von Landwirten zu erhöhen und die europäische Landwirtschaft anzukurbeln.

Als bereits zum Ende der 1960er Jahre die Lebensmittelsicherheit für die europäische Bevölkerung gewährleistet war, wurden jene Instrumente jedoch weiterhin beibehalten. Dies führte schon bald zu einer EWG-weiten Überproduktion und zu den Phänomenen die in der Presse gerne als „Butterberge“ oder „Milchseen“ beschrieben wurde (Deutschlandfunk, 2017). Die Einlagerung dieser Überschüsse kostete die EWG Milliarden, die dadurch wiederrum bei anderen Projekten fehlten (vgl. Rohwer, 2010; Deutschlandfunk, 2017).

Dies führte dazu, dass neben der Einlagerung von Lebensmitteln und dem Konsum innerhalb Europas nun auch Agrarprodukte ins Ausland exportiert wurden. Da die Weltmarktpreise für Agrarerzeugnisse jedoch unter denen in Europa lagen, war dies nur mit Hilfe von Exportsubventionen möglich. Diese Subventionen wurden den Landwirten gezahlt und betrugen die Differenz zwischen den heimischen Preisen, für das jeweilige Erzeugnis, und dem Weltmarktpreis (vgl. Rohwer, 2010; Razinger, 2014).

Aufgrund der drastischen Folgen dieses Handelns (siehe Kapitel 2.3) begann die EU, ab 1993, schrittweise mit dem Abbau der Exportsubventionen (vgl. Kögler, 2004) und stellte sie schließlich im Jahr 2013 komplett ein. Im Jahr 2015 wurden die marktverzerrenden Exportsubventionen, auf landwirtschaftliche Produkte, weltweit durch einen Beschluss der WTO verboten (vgl. BMEL, 2019).

Dennoch exportierte die EU weiterhin massenweise Agrarerzeugnisse in die afrikanischen Staaten. Dies wurde vorrangig durch zweierlei Dinge ermöglicht. Erstens führte, nach der Gründung der WTO im Jahre 1995, eine fortschreitende Handelsliberalisierung der gesamten Welt zum Abbau von Importzöllen (vgl. Razinger, 2014).

Zweitens nutzt(e) die EU die (in Kapitel 2.1 erwähnte) erste Säule der Landwirtschaftsförderung, um über Flächenprämien von jährlich etwa 2,2 Milliarden Euro die Produktion von, für den Export vorgesehenen, Lebensmitteln, wie Milch, Weizen oder Schweinefleisch zu subventionieren (vgl. Reichert & Thomsen, 2018).

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Exporte von Lebensmitteln aus der EU in afrikanische Staaten in jüngster Vergangenheit nicht abgenommen haben. Vielmehr stieg der Getreideexport zwischen 2005 und 2008 um rund 150% an. Im Jahr 2009 exportierte die EU Trockenmilchpulver nach Westafrika, welches etwa ein Viertel der lokalen Frischmilchproduktion ausmachte. Und der Export von Geflügel, aus der EU nach Afrika, stieg seit 1995 (Gründungsjahr der WTO) um über 500% an (vgl. Razinger, 2014; Reichert, 2011).

Schließlich versucht die EU mit afrikanischen Staaten und auch im gesamten AKP-Raum Freihandelsabkommen und EPAs auszuhandeln. Diese reziproken Handelsabkommen stellen jedoch teilweise nicht zu unterschätzende Gefahren für die afrikanischen Volks- und Landwirtschaften dar. Den afrikanischen Nationalstaaten wird bei der Unterzeichnung oftmals wenig Selbstbestimmung gelassen. Vielmehr werden diese Abkommen, durch beispielsweise das Androhen der Streichung von Entwicklungsgeldern, EU-seitig „erpresst“ (vgl. Giesbert, Schotte & Pfeiffer, 2016).

2.3 Die Auswirkungen der GAP auf dem afrikanischen Kontinent

Der Export subventionierter landwirtschaftlicher Produkte nach Afrika führte bereits in der 1970er Jahren zu einer Überflutung der afrikanischen Märkte mit Produkten aus Europa. Diese waren nicht nur qualitativ meist hochwertig, sondern auch wesentlich billiger als lokal erzeugte Lebensmittel. Verbraucher griffen daher lieber nach den Billigimporten aus Europa, was den Niedergang der afrikanischen kleinbäuerlichen Landwirtschaft begünstigte.1 In den 2000er Jahren waren über 60% aller afrikanischen Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig, erwirtschafteten jedoch nur rund ein Drittel des kontinentalen Wohlstandes (vgl. Kögler, 2004). Der Ruin des Kleinbauerntums führte jedoch nicht nur zu Massenarbeitslosigkeit im Agrarsektor.

Der Import europäischer Ware führte beispielsweise auch zum Niedergang des afrikanischen Mühlengewerbes. Aufgrund der niedrigen Preise verdrängten Getreidearten wie Mais oder Weizen, aus dem globalen Norden, schon bald heimisches Getreide wie Hirse oder Sorghum. Die afrikanischen Bauern konnten diese Getreidesorten meist, aufgrund von klimatischen Bedingungen, nicht anpflanzen. Zusätzlich führte billig importiertes Weizenmehl aus Ägypten (was wiederrum aus europäischem Importweizen hergestellt wurde) zum, bereits erwähnten, Niedergang des Mühlengewerbes. Somit konnten selbst diejenigen Bauern, denen es gelungen war, Weizen anzubauen nicht mit europäischem Weizenmehl konkurrieren.

[...]


1 „Kleinbauern sind sehr produktiv. In Brasilien stellen kleinbäuerliche Familienbetriebe im Schnitt 40% der Produktion einiger Hauptanbauprodukte bereit und zwar auf weniger als 25% der Ackerfläche. In den USA produzieren sie 84% aller Erzeugnisse auf 78% der Anbaufläche. Kleinbauern in Fidschi stemmen 84% der Produktion von Yams, Reis, Maniok, Mais und Bohnen auf nur 47,4% des Landes.“ (FAO, 2014)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Entstehung des Kapitalismus. Imperialistische Sichtweisen auf das Handeln der EU im Zuge der GAP in Afrika
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V993099
ISBN (eBook)
9783346361639
ISBN (Buch)
9783346361646
Sprache
Deutsch
Schlagworte
GAP, Europäische Union Agrar, Auswirkungen GAP Afrika, Imperialismus EU, Imperialismus heute, Treiber des Kapitalismus, Kapitalismus Motor Marx, Kapitalismus Motor Weber, Marx vs Weber, Imperialismus Exporte, Globalisierung Imperialismus, Europa Imperialismus Afrika
Arbeit zitieren
Ole Voß (Autor), 2020, Entstehung des Kapitalismus. Imperialistische Sichtweisen auf das Handeln der EU im Zuge der GAP in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993099

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