Gletscher auf der ganzen Erde schmelzen


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

5 Seiten, Note: 1


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Autor: Julia Luckner

Gletscher auf der ganzen Erde werden kleiner

Wissenschaftler haben festgestellt, daß am Vernagtferner das Eis im Bereich der Gletscherzunge innerhalb eines Jahres um mehr als vier Meter dünner geworden ist. Doch dieser Gletscher ist kein Einzelfall. Selbst dem Fedschenko-Gletscher, dem größten Gletscher Zentralasiens, wird es inzwischen warm. Seine 72 Kilometer lange Zunge ist innerhalb von 30 Jahren um mehr als 300 Meter kürzer geworden. Es werden erst von ungefähr 50 Gletschern regelmäßige Massen-Bilanzen aufgestellt. Die Gletscher in der Arktis und Antarktis sind für die üblichen Untersuchungsmethoden zu groß, und man kann an ihnen nicht leicht Veränderungen feststellen.

Noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts schoben sich die Eisströme der Alpen bedrohlich durch die Täler. Heute sind sie jedoch nur noch flache Eiszungen, die ermattet an den obersten Hängen kleben. In den vergangenen 150 Jahren sind etwa ein Drittel der Eisfläche und etwa die Hälfte des Volumens der Alpengletscher abgeschmolzen. Eiskolosse schwinden jedoch nicht nur in Europa, sondern weltweit. Im 19. Jahrhundert hat das große Massenschmelzen begonnen und die Gletscher schmelzen sowohl in Alaska als auch in Afrika.

Gletscher sind riesige Klimastationen mit Langzeitgedächtnis, die äußerst sensibel auf Temperatur- und Niederschlagsänderungen ragieren. Deshalb können Meterologen an den Gletscherzungen gut feststellen, daß sich das Weltklima ändert. Die Welt wird durch den von den Menschen verursachten Treibhauseffekt aufgeheizt. Rund ein Zentel der Kontinente ist heute noch von Eisschilden und Gletschern bedeckt. In den polaren Meeren schwimmen Eisplatten, die so groß sind wie halbe Erdteile. Doch wenn das Schmelzen der Eisplatten anhält und sich auch auf die bis heute noch kalten Gebiete der Arktis und Antarktis ausdehnt, könnte das in einer umfassenden Rückkopplung das Weltklima völlig verändern und den Meeresspiegel weit stärker als heute anheben.

Sind die Abgasmengen aus den Fabrikschornsteinen, den privaten Kaminen und die Autoabgase die Hauptursache für diese globale Erwärmung? Streng wissenschaftlich gesehen liefert auch der Rückgang der Gletscher noch keinen Beweis dafür. Seit dem Beginn der Industrialisierung sind die Gletscher in den Alpen jedoch um 40 bis 50 Meter dünner geworden. Um das Eis so weit abzuschmelzen wäre eine Energiequelle nötig, die jeden Quadratmeter Gletscher mit einer Leistung von zwei bis drei Watt aufheizt. Die Klimaforscher kommen nun auf einen Wert in der selben Größenordnung, wenn sie den Treibhauseffekt bei der Erwärmung der erdnahen Luftschichten berechnen. Doch es sind sehr viel mehr Daten vom Zustand der Klimazeugen nötig, als zur Verfügung stehen.

Ein gesunder Gletscher hat normalerweise ausgeglichene Einnahmen und Ausgaben. Durch das Wechselspiel von Tauen und gefrieren und unter dem zunehmenden Druck der Schneemassen wandeln sich die ursprünglich sechseckigen Kristalle der Schneeflocken zu Firnkörnern und schließlich nach einigen Jahren zu Eiskristallen um. Wenn der Druck weiter anwächst, kann sich das Eis nicht mehr verdichten, sondern nur noch verformen. Das Eis wird plastisch und fließt bergab. Das Eis, das oben eingenommen wurde, wird unten in der Ablationszone wieder ausgegeben. Bei vielen Alpen-gletschern ist die Eisschicht im Sommer völlig geschmolzen und dadurch werden sie von der Sonne regelrecht aufgeheizt. Früher waren die Gletscher von einer Schneeschicht bedeckt, die bis zu 85% der Sonnenstrahlen in die Atmosphäre reflektierte. Theoretisch hängt der Bestand eines Gletschers vom Schneefall im Winter und von der Temperatur im Sommer ab. In den letzten Jahren lag die sommerliche Frostgrenze viel höher, als die Gletscher liegen und deshalb nütze selbst eine drei Meter dicke Schneeschicht aus den Wintermonaten nichts. Deshalb stellt man in den Bilanzen der Gletscher in den letzten Jahren sehr große Verluste fest. Während in den Alpen die Gletscher schrumpfen, gibt es im Kaukasus, in Neuseeland, Norwegen und auf Island auch einige wachsende Gletscher. Leichte Erwärmungen und wachsende Gletscher müssen jedoch kein Wiederspruch sein, denn wenn in den meeres-nahen Gebieten die Temperatur zunimmt, steigt aus dem Ozean mehr Feuchtigkeit in die Luft, und im Winter schneit es dadurch häufiger. Dann reagieren die Gletscher darauf. Es wird mehr Eis produziert und dadurch fließt es schneller. Bleibt jedoch der Nachschub aus, so wird der Eisstrom langsamer. Fließendes Eis läßt sich gut mit Honig oder auch mit zäh-flüssigem Brei vergleichen. Bei sogennanten galoppierenden Gletschern läßt das unterirdische Abflußsystem in unregelmäßigen Intervallen den Wasserdruck so weit ansteigen, daß das Eis plötzlich mit hundertfacher Geschwindigkeit rutscht und zahllose Längs- und Querspalten den Gletscher in eine Prozession von tausenden Eistrümmern verwandeln. Dabei entsteht ein unheimliches Krachen, das viele Kilometer weit zu hören ist.

Die Zunge des Vernagtferner, ein sehr großer Gletscher, ist in den letzten 11 Jahren um ca. 100 Meter kürzer geworden. Früher sprudelten aus ihr pro Sekunde höchstens zehn Kubikmeter Schmelzwasser, inzwischen sind es an heißen Augustnachmittagen über 14 Kubikzentimeter.

Das wichtige an den Gletschern ist, daß sie im Winter das Wasser speichern und es im Sommer, wenn es dringend gebraucht wird, in die Flüsse leiten. Gehen die Eisströme in Zukunft weiter zurück, so wird das auch für das Flachland schlimme Folgen haben. Es wird zu großen Wasserproblemen kommen, wenn das kontinuierlich abfließende Schmelzwasser der weißen Riesen ausbleibt. Nicht nur die Schweiz, die 59% ihres Stromes aus Wasser-kraft gewinnt, würde entsprechende Probleme bekommen. Auch die argen-tinische Pampa und die Menschen am Rande der Wüste Gobi und am Fuß des Tibet-Plateaus können ohne das Abschmelzen der großen Eisströme in den Gebirgen nicht leben. Doch der Gletscherschwund geht unaufhörlich weiter. Klimaforscher rechnen in den nächsten hundert Jahren mit einer globalen Erwärmung von ungefähr drei Grad. Doch dies ist alles nichts neues. Auch vor der Industrialisierung waren die Gletscher schon einmal kleiner als heute. Ein weiterer Beweis dafür, daß das Schmelzen zur Zeit besonders schlimm ist, ist der 1991 gefunde Ö tzi. Er war bei seinem Fund noch in einem sehr guten Zustand, weshalb er die ganze Zeit eingefroren gewesen sein muß. Da er schon seit so langer Zeit im Eis gegraben lag, kann man davon ausgehen, daß der Gletscher seit dieser Zeit immer größer war, als er es im Augenblick ist, weshalb der Ö tzi ein Zeuge für die Treibhaustheorie ist. Noch ist man sich nicht ganz sicher. Viele Forscher behaupten, daß mit 90 prozentiger Sicherheit der Treibhauseffekt daran die Schuld trägt, während die Klimahistoriker meinen, daß dies ganz natürliche Schwankungen sind. Durch die Klimaänderung droht der deutschen Gletscherforschung schon bald die Arbeit auszugehen, während sich die amerikanischen Forscher Gedanken machen, die großen Gletscher zu untersuchen und nicht nur die in den Alpen.

Der vermutlich größte Gletscher Amerikas, der Bering-Gletscher in Alaska, ist 200 Kilometer lang, rund 5000 Quadratkilometer groß und in einer Zone von hundert Kilometern völlig unzugängig. Es ist unmöglich und vor allem unbezahlbar einen solchen Gletscher mit den üblichen Methoden zu untersuchen. Nicht einmal die genaue Zahl aller Gletscher ist bekannt, zu schweigen von deren Gesamtvolumen. Immerhin weiß man von Satellitenbildern, daß Eisströme und kleine Eiskappen außerhalb der Polargebiete etwa 550000 Quadratkilometer bedecken, von denen nur weniger als ein halbes Prozent die Alpengletscher ausmachen. Massenbilanzreihen gibt es auf jedem Kontinent nur von wenigen Gletschern. Weil die Erwärmung der Atmosphäre kaum in allen Gebirgen der Erde gleich stattfindet werden Prognosen über die Verstärkung des Gletscherschwundes nur von wagemutigen Wissenschaftlern mit einem Schuß Spekulation vorausgesagt. Etwa sieben Zentimeter könnte danach das zusätzliche Gletscherschmelzwasser den Meeresspiegel bis zum Jahr 2030 heben. Durch die Ausdehnung der erwärmten Weltmeere kämen jedoch zusätzlich noch weitere sieben Zentimeter hinzu.

Alle Gletscher Afrikas, Amerikas und Europas zusammen liefern nur drei Prozent der globalen Eismassen. 85 Prozent des Landeises liegen rund um den Südpol auf dem antarktischen Kontinent, die restlichen zwölf Prozent türmen sich auf Grönland. Diese riesigen Gletscher reagieren aufgrund ihrer Ausmaße und ihrer geographischen Lage ganz anders und viel langsamer als die vergleichsweise kleinen nichtpolaren Gletscher. Allein in Grönland sind ständig 1,7 Millionen Quadratkilometer mit einer Eisschicht bedeckt, die an der dicksten Stelle 3,4 Meter mißt. Doch ob das Grönlandeis zu- oder abnimmt kann man nur auf Satellitenbildern erkennen. Die Eisdecke in Südgrönland soll zwischen 1978 und 1989 um 23 Zentimeter dicker geworden sein. Dies erklärt man sich ausgerechnet als Folge der globalen Erwärmung: Die wärmere Luft transportiert mehr Niederschlag heran und deshalb schneit es häufiger. Ähnlich ist es bei den wachsenden Gletschern in Norwegen. Also können die Eisschichten in den Polargebieten durch den Treibhauseffekt wachsen und der Meeresspiegel sogar sinken. Also besteht gar keine Gefahr? Wohl kaum. Zum einen sind die Messungen umstritten und zum anderen würde der grönländische Eisschild nur so lange als Klimapuffer dienen, wie die globale Erwärmung nicht auch die Eisinsel zum Schmelzen bringt. Allerdings könnten die Vorhersagen in der Antarktis zutreffen. Auf ihr liegt eine gewaltige Eisschicht, die größer als die Vereinigten Staaten ist und im Durchschnitt 2500 Meter dick ist. Es ist dort um etwa 10 bis 15 Grad kälter als in Grönland. Die Treibhauswärme würde in der Antarktis noch lange nicht zum Schmelzen der Eisschicht ausreichen, statt dessen dürften die Niederschläge und damit auch die Eismassen kräftig zunehmen. Obwohl der sechste Kontinent auf diese Weise mehr Wasser speichern kann, würde nach Berechnungen der Meeresspiegel bis zum Jahre 2030, durch das Schmelzwasser von Grönland und die thermische Ausdehnung, um ganze 18 Zentimeter ansteigen.

In der Zukunft werden jene Eismengen eine große Rolle spielen, die rund um den antarktischen Kontinenten im arktischen Polarmeer treiben. Sie sind gigantische Eisplatten, die äußerst sensibel auf Klimaveränderungen reagieren. Zwar wären zunächst beim Schmelzen des Packeises keine direkten Folgen für die Höhe des Meeresspiegels zu erwarten, doch durch das Schwinden des Meereises könnte der Energieaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre, einer der großen Motoren der Weltklimamaschine, aus dem Takt geraten.

Noch wirft das blendende Meereis rund 85 Prozent der Sonnenstrahlen in das All zurück. Wenn das Eis schmilzt bleibt nur noch der dunkle Ozean zurück, der 90 Prozent der Sonnenstrahlen in Wärme umwandelt. Dieses Aufheizen würde den Eisschwund noch zusätzlich beschleunigen. Klimaforscher kennen zahlreiche solcher Rückkopplungen aus der Analyse der Erdgeschichte. Was sie nicht kennen, ist die Schwelle, an der sich eine Klimaveränderung so stark aufschaukelt, daß sie sich selbst kurzfristigen Vorhersagen entzieht.

Welche Gegenmaßnahmen können die Menschen treffen?

Man könnte versuchen weniger fossile Brennstoffe einzusetzen, wodurch man die Treibhauserwärmung verzögern, den Smog reduzieren, die Sicht verbessern und den sauren Niederschlag verringern könnte. Auch gegen Gase wie Methan könnte man etwas ausrichten. Man könnte Müllbeseitigungsverfahren entwickeln, die das Entweichen von Methan verhindern, neue Verfahren zur Förderung fossiler Brennstoffe entwickeln, bei denen nicht so viel Gas entweicht, und noch vieles mehr. Immerhin wissen inzwischen schon viele Menschen, daß ihre Handlungen nicht nur lokale sondern auch globale Folgen haben. Viele Menschen hat ein wachsendes Umweltbewußtsein dazu gebracht, ihre Wertvorstellungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen grundlegend zu ändern. So notwendig diese Umdenken auch ist, doch es alleine reicht nicht aus.

Wenn man mit die Rodung tropischer Regenwälder stoppen würde, Flüge, Autos und Elektrogeräte (Kühlschränke etc.) reduzieren würde und nur noch sinnvoll einsetzten würde, könnte man die Erderwärmung und den Treibhauseffekt zunächst mal auf dem heutigen Stand halte, da dann nicht mehr so viel neues CO2 (Kohlendioxid) entstehen würde.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Gletscher auf der ganzen Erde schmelzen
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V99338
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gletscher, Erde
Arbeit zitieren
Julia Luckner (Autor), 2001, Gletscher auf der ganzen Erde schmelzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99338

Kommentare

  • Gast am 26.11.2008

    Cool.

    Hi du heißt ja wie ich!
    deine geschichte ist ja cool aber kannst du mir vllt auch ein paar wichtige gletscher der erde nennen?
    Danke schon im vorraus.
    Julia

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Titel: Gletscher auf der ganzen Erde schmelzen



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