Praktiumsbericht über zwei Wochen Amtsgericht


Praktikumsbericht (Schule), 1998
15 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

- Erwartungen, die an das Praktikum gerichtet werden

- Vorstellung des Betriebes und des Arbeitsplatzes
- Amtsgericht Vechta
- Gerichtssäle im Amtsgericht Vechta
- Geschäftsstellen im Amtsgericht Vechta
- Aufbau eines Amtsgerichtes
- Die Justiz

- Beschreibung eines typischen Tagesablaufs

- Kritische Reflexion

- Anhang
- Gerichtsbarkeit & Gerichtsorganisation in Deutschland
- Gang verschiedener Prozesse
- Broschüren
- Aktendeckel verschiedener Geschäftsstellen

Erwartungen, die an das Praktikum gerichtet werden

Vom 1. - 12. März werde ich beim Amtsgericht Vechta Praktikum machen.

Eigentlich habe ich gar keinen sehr großen Erwartungen. (Denn so kann ich nicht stark enttäuscht werden.) Denn ich war noch nie in einem Gerichtsgebäude, geschweige denn in einem Gerichtssaal. Also kann ich nur vermuten, was mich dort erwartet. Manchmal kommen zwar ,,Justizfilme" im Fernsehen, besser gesagt Krimis, aber ich glaube kaum, dass man daraus etwas wissenswertes erlernen kann.

Also habe ich mir dann so manche Gedanken gemacht was mir dort wohl beigebracht wird und was das sein könnte.

Nach unserem Besuch beim Berufsinformationszentrum habe ich mir eine kurze berufskundliche Beschreibung über die Arbeit des Rechtpflegers mitgenommen. Darin stand, dass bei der Ausbildung in den praktischen Einführungszeiten in einem Amtsgericht den Anwärtern u.a. die gesellschaftliche Bedeutung des Rechts sowie die Aufgaben der Justiz nahegebracht werden. In dieser Zeit werden z.B. Gerichtsverhandlungen besucht und anschließend diskutiert.

Ich denke mal, dass es bei mir nicht viel anders ablaufen wird.

Man führt mich teilweise in das deutsche Rechtswesen ein und erklärt mir welche Rechte man z.B. nach einem Diebstahl noch besitzt. Oder auf welche Kriterien geachtet wird, wenn man ein Kind adoptieren will. Wieso ein Richter ausgerechnet dieses Urteil fällt und welche Aufgabe ein Notar hat. Wie viele Richter und Rechtsanwälte meist in einem Gericht sind und was der Unterschied zwischen einem Rechtspfleger und einem Rechtsanwalt ist. Das sind alles Fragen, auf die ich hoffentlich in diesen zwei Wochen eine Antwort bekommen werde. Ich will mir einen kleinen Einblick in die Welt der Justiz verschaffen, sozusagen als Basis für mein Jurastudium. Zwei Wochen sind zwar nicht gerade viel, aber immerhin besser als gar keine.

In dieser Zeit will ich auch viele interessante Menschen (vor allem Rechtsanwälte) kennenlernen, die mir so manches aus ,,der Welt der Recht und Ordnung" erzählen können. Was war z.B. ihr schwierigster Prozess, welcher ihr lustigster usw. Unter Umständen verraten sie mir ja sogar einige Tricks. Ich finde alles unheimlich spannend.

Aber ich will nicht nur beobachten und zuhören, sondern hoffe, dass man mich vielleicht auch mal etwas alleine machen lässt, wie z.B. neue Akten anlegen oder was man halt in einem Amtsgericht so macht. Interessant wäre es auch zu erfahren wieviel Zeit und Geld in einem Verfahren stecken und wer die Kosten übernimmt. Das kommt aber sicherlich darauf an um was es geht. Vielleicht darf ich ja auch mal zu einer Gerichtsverhandlung, um mir ein Bild zu machen wer an so einer Verhandlung alles dabei ist und welche Aufgaben er hat.

Aber eigentlich bin ich für alles offen, da ich keine besonders konkreten Vorstellungen habe. Ich hoffe nur, dass es mir dort viel Spaß machen wird, so dass ich in meinem Wunsch Jura zu studieren befestigt werde. In diesen zwei Wochen will ich soviel wie möglich über die Justiz erfahren.

Allerdings spüre ich neben dem großem Interesse auch ein wenig Unsicherheit. Denn ich habe zuvor noch nie richtig gearbeitet, geschweige denn in einem Amtsgericht, in einer Welt voller Erwachsene ! (Klingt wahrscheinlich kindisch, aber ich fühle mich im Moment wirklich so!) Außerdem weiß ich auch gar nicht so richtig wie ich mich Verhalten soll. Was ist, wenn es mir dort nicht gefällt? Oder sie erklären mir was und ich versteh nur Bahnhof? Werden sie überhaupt Zeit für mich haben? Ich meine, in einem Amtsgericht gibt es sicherlich sehr viel zu tun und werde ich mich nicht dann langweilen, wenn ich den ganzen Tag nur da sitze und Löcher in die Wand starre?

Aber ich glaube kaum, dass es so sein wird, (das hoffe ich zumindest) denn ich bin sicherlich nicht die einzige Praktikantin und sie werden bestimmt wissen was sie mit mir machen bzw. zeigen.

Alles in einem wünsche ich mir eine gute Zusammenarbeit mit meinen Betreuern und hoffe, dass ich in diesen zwei Wochen viele (positive) Erfahrungen sammeln werde.

Vorstellung des Betriebes und des Arbeitsplatzes

Amtsgericht Vechta

Das Amtsgericht Vechta ist für den ganzen Landkreis Vechta zuständig, d.h. alle gerichtlichen Angelegenheiten, wie z.B. Zivil- oder Familiensachen im Landkreis Vechta werden vom Amtsgericht Vechta bearbeitet.

Es sind ca. 92 Leute im Amtsgericht Vechta beschäftigt, die in verschiedenen Bereichen tätig sind. Da gibt es den einmal den Richterdienst, den gehobenen und mittleren Dienst, sowie den Schreib- und Wachmeisterdienst.

Im Richterdienst arbeiten 13 Richter/innen, die für verschiedene Abteilungen zuständig sind. Es gibt einen Schöffenrichter, einen Strafrichter, einen Jugendrichter, zwei Richter für Ordnungswidrigkeiten (OWi-Sachen), zwei Familienrichter, einen Landwirtschaftsrichter, einen Nachlaßrichter (diesen gibt es aber nicht extra; er macht auch andere Verhandlungen), zwei Vollstreckungsleiter und drei Zivilrichter. Sie sind an keine festen Zeiten gebunden und können kommen und gehen wann sie wollen. Die Direktorin des Amtsgericht Frau Beckermann ist ebenfalls Richterin.

Dann kommt der gehobene Dienst, in dem ebenfalls 13 Rechtspfleger/innen tätig sind. Sie sind selbständige Organe der Rechtspflege und treffen sachlich unabhängige Entscheidungen, die nur dem Gesetz unterworfen sind. Man könnte sie auch mit den Richtern vergleichen. Im mittleren Dienst sind die Geschäftsstellen. Diese sind hauptsächlich für die Aktenverwaltung, Registratur und Kostenberechnung zuständig. Für jede Akte gibt es Aktenzeichen bzw. Geschäftsnummern, die meist in Abteilungsnummer, Registerzeichen, laufende Nummer und Jahrgang unterteilt sind.

Beispiel: 12 F 99 / 99

Abteilungs- Registerzeichen laufende Nummer Jahrgang nummer hier: Familiensachen hier: die 99. Akte im Jahre 1999

Jede Abteilung hat ein eigenes Registerzeichen. Die Abteilung für allgemeine Zivilsachen z.B. hat das Zeichen C. An diesen Registerzeichen erkennen die Wachmeister, die für die Eingangspost zuständig sind, sofort, in welche Abteilung dieses Verfahren muß, ohne die Post vorher durchlesen zu müssen. Zusammen mit dem Schreibdienst, auch Kanzleibereich genannt, bildet der mittlere Dienst eine Serviceeinheit, die eine wichtige Kontaktstelle zwischen der Justiz und den Bürgern darstellt.

Danach kommt noch die Wachmeisterei. Hier sind 6 Mitarbeiter tätig, die hauptsächlich für die Verteilung von Ein- und Ausgangspost zuständig sind. Natürlich sorgen sie auch für Ruhe und Ordnung und dass hier keine Sträflinge (die zum Prozeß geladen sind) Randale machen. Rechtsanwälte haben hier keinen festen Sitz, da sie unabhängige Teile der Rechtspflege sind.

Geschäftsstellen im Amtsgericht Vechta

Die Geschäftsstellen des mittleren Justizdienstes sind in verschiedenen Abteilungen unterteilt und haben eigene Geschäftsnummern.

Abt. 1

Jal. Uptmoor 1. Anweisungstätigkeit in Verwaltungssachen, Gerichtsvollzieherentschädigung sowie Anweisungen von

Trennungsgeld und Reisekosten in Verwaltungssachen

2. Prüfungstätigkeiten, soweit auf den mittleren Dienst übertragbar

3. Führung der Haushaltsüberwachungsliste

4. Geschäftsstelle in Verwaltungssachen

JA Henkel (Anteil) 1. Führung der Urlaubsliste einschließlich Berechnung des Urlaubs u.a.

2. Vordruckverwalterin

3. Überprüfung der monatlichen Zeitwertkarten nach Weisung der Direktorin oder des Geschäftsleiters

4. Führung der Bücher- und Gerätekartei

5. Aufrechnung der GV-Bücher gem. § 77 GVO für 3. Gerichtsvollzieher

Abt. 2

JA. Cordes Grundbuchgeschäftsstelle der Gemeinden Vechta und Lohne einschl. Katastersachen

JOS Schillmöller 1. Grundbuchgeschäftsstelle der Gemeinden Damme, Steinfeld, Holdorf, Goldenstedt, Neunkirchen Vörden und Hinnenkamp einschl. Kataster 2. Feststellung und Anweisung der Zeugen ab 12.00 Uhr

JOS Rohe (1/2) 1. Grundbuchgeschäftsstelle der Gemeinden Dinklage, Visbek und Bakum einschl. Kataster

2. Pachtkreditsachen

3. Gerichtvollzieherverteilungsstelle

4. Hinterlegungssachen

Abt. 3

JHS Meyer (1/2) 1. Familiensachen mit den Anfangsbuchstaben M- Z

2. Führung der Zahlungsliste

Abt. 4

JS Heier 1. Geschäftsstelle in

a) Zwangsvollstreckungssachen (M- Sachen)
b) Registersachen (ohne HRA, HRB, PR)

2. Beratungshilfe und WEG-Sachen

3. Unterbringungssachen

4. Feststellung und Anweisung der Zeugen- und Sachverständigen in Zivilsachen

5. Aufgaben im Service-Bereich Zivil

Abt. 5

JAI Scholz (1/2) 1. Geschäftsstelle für Vollstreckungsleitersachen und Erledigen der Strafvollstreckungssachen

2. Landwirtschaftssachen

3. Urkundssachen I, II (Todeserklärungen)

Abt. 6

JAI Melcher 1. Geschäftsstelle in Nachlaßsachen

2. Feststellung Anweisung der Zeugen, Sachverständigen (außer Zivil) und ehrenamtlichen Beisitzern zu gewährenden Entschädigung

3. Feststellertätigkeit in Rechtssachen

4. Geschäftsstelle für nicht unterzubringende Eingänge

5. Aufrechnung der GV-Bücher gem. § 77 GVO für 3 Gerichtsvollzieher

Abt. 7

JOS Kolbe 1. Zahlstellenverwalterin einschl. Führung der Aufbewahrungs- und Fundliste

2. Geschäftsstelle in Registersachen (HRA, HRB, PR) mit den Endnummern 6-0 nebst allen AR-Sachen

JHS Zeglin (1/2) 1. Feststellung und Anweisung der Zeugen, Sachverstäündigen und ehrenamtlichen Beisitzern zu gewährenden Entschädigung und Vorschußzahlungen an diese, soweit nicht auf schriftlichen Antrag

2. Geschäftsstelle in Registersachen (HRA, HRB, PR) mit den Endnummern 1-5

Abt. 8

JA Geier Geschäftsstelle in Mahnsachen

Abt. 9

JA Fischer Geschäftsstelle in OWi-Sachen (einschl. Rechtshilfesachen)

Abt. 10

JOS Schl. -Thöle Geschäftsstelle in

a) Vollstreckungssachen K, L, J
b) Insolvenzsachen

Abt. 11

JS Oesting Service - Geschäftsstelle in Zivilprozesssachen

JOS Dölling Systemverwaltung durch Herrn Dölling

JA Giese

JA Kuper

Abt. 12

JHS Troschke 1. Geschäftsstelle in Familiensachen (Buchstaben A-L)

2. Erzwingungshaftsachen

3. Führung der Bußgeldliste

Abt. 13

JOS Nagel 1. Geschäftsstelle in Strafsachen

a) Strafbefehlssachen (Cs-Sachen)
b) Ds (Strafsachen des Einzelrichters) und Ls-Sachen Erwachsene und Jugendliche
c) Jugendarrset-Sachen

Abt. 14

JS Fangmann 1. Geschäftsstelle in Familienrechtssachen des Vormundschaftsgerichts

2. Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse

Abt.15

JOS Fortmann 1. Geschäftsstelle in

a) Strafvollstreckungskammersachen
b) Gs-Sachen

2. Abschiebehaftsachen

3. Asservatenverwaltung

Die Justiz

Justiz stammt von dem lateinischen Wort Justitia und bedeutet Gerechtigkeit. Als Sinnbild für Recht, Rechtsprechung sowie Gerechtigkeit kennen alle die Dame Justitia, die in der einen Hand die Waage und in der anderen das Schwert hält und eine Binde vor den Augen hat.

Alle staatlichen Einrichtungen, die unmittelbar oder auch nur mittelbar mit der Rechtsprechung zu tun haben, bezeichnet man als Justiz. Dazu gehören die Gerichte der verschiedenen Gerichtsbarkeiten, die sozialen Dienste der Strafrechtspflege, die Staatsanwaltschaften, die Justizverwaltung und den Justizvollzug.

Nach dem Grundgesetz, also unserer Verfassung, geht alle Staatsgewalt vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung durch die Parlamente, die an die verfassungsmäßige Ordnung gebunden sind, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung, die wiederum an Gesetz und Recht gebunden sind, ausgeübt.

Bei den Gerichtsbarkeiten unterscheidet man zwischen der Arbeits-, der Verwaltungs-, der Finanz- und der Sozialgerichtsbarkeit, wobei die Verfassungsgerichte noch nennenswert sind.

Die Arbeitsgerichtigkeit ist für die gerichtliche Austragung arbeitsrechtlicher Streitigkeiten zuständig und entscheidet vor allem über Auseinandersetzun - gen aus Arbeitsverhältnissen. Charakteristisch für die Arbeitsgerichtigkeit ist, dass alle Richter und Richterinnen gleichberechtigt sind und sie viel einfacher und schlichter gegenüber dem Zivilprozeß ist.

Bei der Verwaltungsgerichtsbarkeit handelt es sich um eine Gerichtsbarkeit, die für alle Streitigkeiten zwischen Bürgern und Bürgerinnen und den Behörden zuständig ist. Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich Berlin.

Der Finanzgerichtsbarkeit sind hauptsächlich Konflikte der Bürger mit dem Finanzamt zugeordnet, wie z.B. die Heranziehung von Steuern sowie bundesrechtlichen Abgaben. Dazu gehören die Finanzgerichte (in Niedersachsen ist es in Hannover) und das Bundesfinanzhof in München. Für Renten und sonstige Sozialversicherungsangelegenheiten ist die

Sozialgerichtsbarkeit verantwortlich. Die Sozialgerichte sind wie die Finanzgerichte besondere Verwaltungsgerichte, wobei sich das Bundessozialgericht in Kassel befindet.

Die Verfassungsgerichte sorgen dafür, dass die Landesverfassung und das Grundgesetz nicht verletzt werden. Dass dazu gehörende Bundesverfassungsgericht befindet sich in Karlsruhe.

In der Justiz gibt es noch zwei sehr wichtige Organe der Rechtspflege. Auf der einen Seite die Staatsanwaltschaften und auf der anderen die Rechtsanwälte bzw. die Rechtsanwältinnen. Staatsanwaltschaften sind selbständige Justizbehörden, die bei der Rechtsprechung mitwirken. Sie können eine Anklage erheben und leiten somit das gerichtliche Strafverfahren ein und vertreten dann natürlich die Anklage im Falle eines Prozesses. Wenn sie den Sachverhalt ermitteln, müssen sie sehr objektiv vorgehen, d.h. sie müssen alle Umstände untersuchen, die die Angeklagten entlasten könnten. Nach Beendigung der Nachforschungen entscheidet der Staatsanwalt dann, ob das Verfahren noch eine Anklage wert ist oder ob es eingestellt werden soll. Die Staatsanwaltschaften sind außerdem noch für die Vollstreckung von Geld- oder Freiheitsstrafen bei der Verurteilung zuständig.

Rechtsanwälte üben freie Berufe aus und sind unabhängige Organe der Rechtspflege. Sie sind an keinen staatlichen Kontrollen gebunden und vertreten nur die Interessen ihrer Mandanten, z.B. in Zivilprozessen. Alle rechtsuchenden Bürger werden von ihnen außergerichtlich beraten und sie haben das Recht sich bei Gerichtsverhandlungen durch Rechtsanwälte vertreten zu lassen. Bei manchen gerichtlichen Angelegenheiten vor dem Landes- und Oberlandesgerichten ist ein Rechtsanwalt sogar ein Muß.

Beschreibung eines typischen Tagesablaufes

Da ich jeden Tag in einer anderen Geschäftsstelle war, kann ich schlecht einen typischen Tageslauf von mir beschreiben. Also werde ich jeden Tag kurz schildern und dabei einen besonders hervorheben und zwar Dienstag, den 02. März 1999.

Ich mußte morgens um 8 Uhr anfangen und durfte um 12.30 Uhr schon nach Hause; brauchte also nur vormittags arbeiten. Im Prinzip haben alle Geschäftsstellen so ziemlich die gleichen Aufgaben, nur dass sie für verschiedene Bereiche zuständig sind.

Montag, 01.März 1999

Heute war ich in der Wachmeisterei.

Sie ist hauptsächlich für die Verteilung der Aus- und Eingangspost zuständig.

Täglich kommen Kisten von Briefen und Akten, die alle nicht nur im Haus sondern auch in der Nebenstelle des Amtsgerichtes verteilt werden. Die Telefonzentrale gehört ebenfalls zur Wachmeisterei.

- habe Postzustellungsurkunden in Umschläge getan, zugeklebt und frankiert.

Mittwoch, 03.März 1999

Heute war ich bei der Kasse bei Frau Kolbe und Frau Zeglin.

Hier ist die Geschäftsstelle in Registersachen. In einem großen viereckigen Wagen werden die Registerkarten aufbewahrt. Diese sind unterteilt in weiße und gelbe Karteikarten. Die weißen stehen für das Handelsregister A Und die gelben für das Handelsregister B. Alle Firmen wie auch GmbHs sind dort eingetragen. Zu jeder Karte gehört eine Akte sowie ein Sonderband (SDB), der öffentlich ist.

- habe hauptsächlich zugeschaut und zugehört
- dann auch Akten rausgesucht und mit Frau Kolbe zusammen eine neue Akte angelegt.

Donnerstag, 04. März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Familiensachen bei Frau Troschke.

Alles was im Falle einer Scheidung mit Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht, Hausrate, Güterrecht (Vermögen) und Versorgungsausgleich (Rente) zu tun hat, wird hier bearbeitet. Als Zusatz kommt noch alles was uneheliche Kinder betrifft: Umgangsrecht, Sorgerecht, Unterhaltsansprüche, Unterbringung, Kindschaftssachen, Nachlaßsachen und Auseinandersetzngs- zeugnis.

- habe die meiste Zeit zu gehört und zugeschaut, da es nicht viele Dinge gab, die ich selbständig hätte erledigen können.

Freitag, 05.März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Betreuungssachen bei Herrn Fangmann.

Hier werden Vormundschaften und Adoptionssachen bearbeitet. Auch Fähndungs- und Überweisungsbeschlüsse werden hier abgewickelt.

- habe mir Akten durchgelesen und einige registriert

Montag, 08. März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Verwaltungssachen bei Herrn Uptmoor. Diese hat eigentlich wenig mit der Öffentlichkeit zu tun, denn hier werden hauptsächlich Akten über die Mitarbeiter des Amtsgerichts geführt sowie die Haushaltsüberwachungsliste.

- habe mir Akten durchgelesen und zugeguckt

Dienstag, 09. März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Mahnsachen bei Frau Heier und Frau Geier. Hier werden Vollstreckungssachen (Abgabe der eidesstattlichen Ver- sicherung) und Unterbringungssachen bearbeitet sowie Zeugenanweisungen und Beratungshilfe. Auch werden Akten und Handblätter zum Vereins- register (VR), Güterrechtsregister und Genossenschaftsregister (GnR) geführt.

- arbeitete den ganzen Tag; von 8 bis 12.30Uhr und von 14 bis 16.30Uhr
- habe neue Akten angelegt (im Computer)
- Akten raus gesucht

Mittwoch, 10. März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Zivilprozeßsachen bei Herrn Dölling und Frau Oesting.

Hier werden hauptsächlich Auseinandersetzungen zwischen Bürgern, wie z.B.

Mietstreitigkeiten, bearbeitet. Man unterscheidet dabei zwischen den H-Sachen (Beweissicherungssachen), die es sehr eilig haben und deswegen schnell bearbeitet werden müssen und den C-Sachen: Das sind allgemeine Zivilverfahren, Aufgebotsverfahren und einstweilige Verfügungen (eilig).

- gegen 9.15Uhr habe ich Gerichtsverhandlungen in Zivilsachen besucht:
- mündliche Verhandlungen (Anwälte beider Parteien vereinbaren neuen Termin)
- Verhandlung wegen Garagentor mit Zeugen ; ohne Ausgang, Verhandlung wurde vertagt
- Verhandlung wegen Küche; beide Parteien einigten sich
- Verhandlung wegen Schaustellerplatz; näheres ist mir nicht bekannt, da ich zu spät kam

Donnerstag, 11. März 1999

Heute war ich in der Geschäftsstelle in Bußgeldsachen (OWi-Sachen) bei Frau Fischer.

Bußgelder werden vom Landkreis festgesetzt z.B. wegen Geschwindigkeits- überschreitung oder bei Verkehrsunfällen. Ist die Buße höher als 75 DM, dann bekommt man ,,Punkte" in Flensburg; bei 18 verliert man seinen Führerschein. Legt man nun Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid ein, dann geht der Vorgang an die Staatsanwaltschaft (STA). Diese prüft das, vergibt ein Aktenzeichen und gibt das Verfahren an den zugehörigen Amtsgericht (AG) zur Verhandlung ab. Die Zuständigkeit des Amtsgerichts ergibt sich aus dem im Bußgeldbescheid genannten Tatortes. In der Geschäftsstelle für Bußgeldsachen werden diese Verfahren dann eingetragen, d.h. mit einem Aktenzeichen versehen und dann dem zuständigen Richter zwecks Terminierung (Entscheidung über den Einspruch) vorgelegt. Hier werden Kontrollbücher geführt, die alle ein- und ausgehenden Akten kontrollieren sowie Zählkarten für jede Akte, die später wichtig für die Statistik (in Hannover) ist.

- habe nicht sehr viel getan, da Frau Fischer kaum Zeit hatte; habe nur ein paar Akten durchgelesen

Freitag, 12. März

Heute war ich im Grundbuchamt bei Frau Cordes und Frau Rohe.

Hier werden Immobilien in Grundakten registriert, die z.B. die Wirtschaftsart und Lage, die Eigentümer, Die Lasten und Beschränkungen sowie Hypothe- ken, Grundschulden und Rentenschulden des Gebäudes beinhalten. Mit Sondermarken kann man sich Einblick in diese Akten verschaffen. Das Grundbuchamt arbeitet sehr eng mit dem Katasteramt zusammen.

- habe Akten raus gesucht und auf Fristen gelegt
- neue Akten angelegt
- Karteikarten eingeordnet
- Bestandsübersichten geordnet und den Akten zugeordnet

Dienstag, 02.März 1999

Heute habe ich Gerichtsverhandlungen besucht. Diesen Tag werde ich besonders herausheben, da ich ihn am interessantesten fand.

Insgesamt waren es drei öffentliche Verhandlungen. Neben mir hat auch eine Schulklasse (ich glaube eine 9.Klasse) diese Prozesse besucht.

Bei der ersten Verhandlung ging es um fahrlässige Trunkenheit im Verkehr.

Hierbei waren der Richter, die Staatsanwaltschaft, der Angeklagte, sein Rechtsanwalt und ein Protokollführer anwesend. Der Richter, die Staatsanwältin sowie der Rechtsanwalt mussten eine schwarze Robe tragen.

Bei der zweiten Sache ist der Angeklagte auf die andere Fahrbahn geraten und dabei mit einem PKW zusammen gestoßen.

Beim dritten Prozess ging es um einen Diebstahl eines Drogenabhängigen in einem Verbrauchermarkt.

Bei den meisten Einzelrichter-Strafsachen geht man so vor:

Zuerst wird die Sache durch den Protokollführer aufgerufen. Der Gerichtsvorsitzende, das ist meistens der Richter, stellt dann fest, ob der Angeklagte und die Zeugen anwesend sind. Die Zeugen werden der Wahrheitspflicht belehrt und dann vorläufig aus dem Gerichtssaal entlassen, um später wieder aufgerufen zu werden. Nach der Vernehmung des Angeklagten zur Person, kommt die Anklageerhebung durch den Staatsanwalt. Dem Angeklagten wird erklärt, dass er sich zur Anklage äußern kann, aber nicht muß. Ist er zur Äußerung bereit, so wird er zur Anklage vernommen und der Staatsanwalt und der Verteidiger können noch ergänzende Fragen stellen. Äußert er sich nicht dazu, so gibt es auch keine Vernehmung durch den Richter, den Staatsanwalt oder dem Verteidiger.

Jetzt werden die Zeugen, falls mehrere, hintereinander vom Richter vernommen mit ergänzenden Fragen des Staatsanwaltes und Verteidigers (Zeugenbeweis). Weitere eventuelle Beweismittel ist die Verlesung von Gutachten oder Schriftstücken (Urkundenbeweis). Nach der Schließung der Hauptverhandlung durch den Richter, halten jeweils der Staatsanwalt und der Verteidiger ein Plädoyer mit Strafantrag. Der Angeklagte hat ,,das letzte Wort" und danach zieht sich das Gericht zur Beratung zurück und anschließend wird das Urteil verkündet. Der Richter erklärt dem Angeklagten nun seine Rechte und schließt somit die Sitzung.

Kritische Reflexion

Diese zwei Wochen Berufspraktikum waren sehr interessant und aufschlussreich für mich. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt und eine große Menge an mir vorher unbekannter Gebiete kennengelernt. Das war mal etwas anderes, als jeden Tag zur Schule zu gehen und genau zu wissen, was einem erwartet. Diese Einblicke waren zum Teils ungewöhnlich und doch sehr anregend. Wann kann man schon ein Gerichtsgebäude von innen sehen und auch noch in solcher Ausführung?! - Okay, außer man arbeitet dort oder man wird zum Prozess geladen, aber dann sieht man auch gerade mal den Gerichtssaal. - Ich meine jetzt für einen, der normalerweise nichts Direktes mit einem Gericht zu tun hat.

Ich wußte nie, was mich am nächsten Tag erwarten würde. Der Plan, den ich von Herrn Gelhaus (mein Praktikumsbeauftragter) bekam, zeigte mir zwar immer wo ich hin mußte, aber was versteht man schon unter Vollstreckungssachen oder Zivilsachen? Ich für meinen Teil habe diese Begriffe noch nie in meinem Leben gehört, geschweige denn mir etwas darunter vorgestellt. Die vielen Geschäftsstellen, in denen ich war, waren dann doch alle sehr unterschiedlich. Jeder hatte bestimmte Aufgaben, die er mit Sorgfalt ausführte. Auch was das Arbeitsklima betrifft, waren alle recht locker drauf und total nett zu mir. Sie haben die vielen Fragen, die ich hatte, geduldig und umfangreich beantwortet. Dafür würde ich mich gerne noch einmal bei ihnen bedanken, aber dazu hatte ich leider keine Gelegenheit mehr. Manchmal ging es zwar ziemlich hektisch zu, da manche entweder Urlaub nahmen oder krank waren und deswegen Vertretungen gesucht werden mußten, aber wo ist das nicht so? Wenn alles glatt laufen würde, wäre es irgendwie unnormal. Schließlich sind es ganz normale Menschen, wie du und ich. Keine sturen Beamten, die stumpfsinnig hinter ihrem Schreibtisch sitzen und alles perfekt können, wie vielleicht die meisten Leute annehmen.

Aber trotz allem war ich doch ein wenig enttäuscht. Ich hatte zu sehen gehofft, wie man einen Fall ,,richtig" bearbeitet, also auf welche Kriterien ein Richter beim Fällen seines Urteils achten muß und wie ein Rechtsanwalt am besten vorgehen kann, um seine Klienten ,,rauszupauken". Welche Tricks er dabei anwendet, falls sie nötig sind. Einfach alles über die Arbeit eines Rechtsanwaltes, da ich ja vorhabe Jura zu studieren, wäre es sicherlich sehr sinnvoll. Aber dies klappte schon deshalb nicht, weil Rechtsanwälte überhaupt nicht im Amtsgericht sitzen. Außerdem war ich auch leider nur in den Geschäftsstellen, die eigentlich nicht viel mit der hauptsächlichen Bearbeitung der Fälle zu tun haben. Denn Beamte des mittleren Justizdienstes sind sozusagen nur Sekretäre der Richter und Rechtspfleger. Sie registrieren und kontrollieren die Akten und legen sie dann dem Richter bzw. dem Rechtspfleger rechtzeitig vor, aber richtig bearbeiten tun sie die Akten nicht. Dafür braucht man auch kein Abitur sondern lediglich Realschulabschluß und eine dreijährige Ausbildung. Ich will diesen Beruf jetzt auch nicht heruntermachen oder unter meinem Niveau stufen, denn das ist sicherlich eine sehr gute und ehrenvolle Arbeit und ohne die wären Richter und Rechtspfleger ziemlich aufgeschmissen, aber trotzdem ist es nicht so mein Fall und ich bin nun mal ziemlich davon überzeugt zu studieren. Kann sein, dass ich mich ziemlich täusche in der Aufgabe der Geschäftsstellen, aber in meiner Praktikumszeit, wo ich fast nur in Geschäftsstellen war, hatte ich eigentlich überall den gleichen Eindruck.

Aber ich verstehe wohl auch warum ich nur bei den Geschäftsstellen war. Denn ich bin erst in der neunten Klasse und hatte noch nie zuvor mit einem Gericht zu tun, also wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich bei der Arbeit eines Richters überhaupt etwas verstehen würde. Sie wäre wahrscheinlich höchst kompliziert für einen Außenstehenden wie mich. Würde ich dann tatsächlich Jura studieren, dann wäre ich sicherlich bei einigen Richtern gewesen.

Jurastudenten haben bestimmt schon einiges gelernt und können bei Richtern noch mehr Erfahrungen sammeln und ihnen vielleicht sogar zur Hand gehen. Schließlich sind sie angehende Richter bzw. Rechtsanwälte. (Diese Aussagen habe ich aus einer Akte entnommen.)

In diesen zwei Wochen war es für mich zwar nicht langweilig, aber sehr spannend war es auch nicht gerade. Ich konnte nicht viel machen und habe nur die meiste Zeit zugeschaut, da das ein völlig neues Gebiet war, dass ich nicht in ein paar Tagen hätte erlernen können. Und das was ich an einem Tag gelernt habe, konnte ich am nächsten Tag nicht mehr anwenden, da ich dann woanders war und es hier wieder was Neues gab.

Zwei Wochen waren zwar nicht gerade viel und ich hatte nur einen kleinen Einblick in einer großen Sache, aber trotzdem habe ich mehr gelernt und gesehen als ich erwartet hatte. Zwar nicht gerade das, was ich hätte sehen wollen, aber immerhin einiges Nützliches. Alles in einem, war es eine interessante Praktikumszeit, die eine schöne Abwechslung gegenüber der Schule war. Trotzdem könnte ich mir jetzt noch nicht vorstellen für den Rest meines Lebens zu arbeiten, dafür weiß ich einfach noch zu wenig von der Welt.

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Praktiumsbericht über zwei Wochen Amtsgericht
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
15
Katalognummer
V99363
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praktiumsbericht, Wochen, Amtsgericht
Arbeit zitieren
Wei Wu (Autor), 1998, Praktiumsbericht über zwei Wochen Amtsgericht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99363

Kommentare

  • Gast am 1.2.2001

    Interessant.

    Dein Praktikumsbericht war sehr interessant. Ich bin beeindruckt wie eine Schülerin der 9. Klasse sich so gut ausdrücken kann. Ich bin Rechtspflegeranwärterin in Berlin, hab in den 4 Monaten die ich jetzt an der Fachhochschule bin aber noch kein Gericht von innen gesehen und daher auch noch keine Gerichtsverhandlung besucht, aber das kommt noch. Viel Erfolg beim Studium!!!

  • Gast am 23.10.2001

    Praktikumsbericht über zwei Wochen Amtsgericht.

    Ich für ein Praktikumsbericht etwas zu mager bzw. zu kurz ausgefallen.Zwar sind die wichtigsten Punkte geschtieben worden aber für eine 1 bzw. 13-14 Punkte ist doch zu kurz.Ich würde es trotzdem weiterempfehlen.

    Mit freundlichen Grüßen
    FILIPE DA SILVA ARAUJO

  • Gast am 16.6.2002

    Ganz gut aber,.....

    Dein referat ist ganz gut leider merkt man aber, dass es für die 9te Klasse ist.
    Zuviel Umgangssprache.
    Und dies mögen viele Lehrer nicht.
    Ansonsten SUPER!!!

  • Gast am 10.7.2002

    hi wei.

    ja das ist doch gut gelungen, was will man mehr als eine eins

  • Gast am 8.8.2002

    blaaaaa, sehr schöööööööön.

    also, süüüüüüüsss,einfach süüüüüüüüüss, ich habe gefallen daran gefunden, jaaaaaaaaaaaaaaaaa

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